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12. Juni 2009

BUND Thüringen legt Thüringer Schwarzbuch Naturschutz vor

Erfurt. Der BUND Thüringen hat heute sein „Schwarzbuch Naturschutz Thüringen“ präsentiert. Darin zieht der Verband eine Bilanz der Naturschutzpolitik der Thüringer Landesregierung für die zu Ende gehende Legislaturperiode. Trotz des dramatischen Verlustes an Arten und Lebensräumen steht nach Einschätzung des BUND Thüringen der Naturschutz nicht im Fokus der Landesregierung.

„Das Schwarzbuch Naturschutz zeigt anhand ausgewählter Beispiele, dass die Landesregierung dem Naturschutz nicht den notwendigen Stellenwert zukommen lässt“, erläuterte der BUND-Vorsitzende Ron Hoffmann. „Bekenntnisse zum Erhalt der Biodiversität oder der alten Buchenwälder und das Regierungshandeln klaffen an vielen Stellen auseinander. Erst vor einem Jahr hat der Landesforst die letzte Buchenwaldaltholzparzelle im Tautenburger Forst vollständig „geerntet“. Das wahnsinnige Straßenbauvorhaben Rhöntrasse begründet die Landesregierung auch damit, die Ortsdurchfahrten entlasten zu wollen. Dass hier keine Effekte zu erwarten sind, zeigt bereits der Bundesverkehrswegeplan 2003. Ein weiteres Beispiel ist der ungebremste Flächenverbrauch. Trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen war der Flächenverbrauch mit 2,5 ha pro Tag in 2008 noch höher als 2007.“

Der BUND lege mit dem Schwarzbuch den Finger in weitere Wunden, so Hoffmann. Das Versprechen vor der letzten Landtagswahl, im Südharz keine neuen Gipstagebaute mehr zu genehmigen, habe die Landesregierung nach der Wahl gebrochen. Hier seien entgegen kommunaler Planung weiterhin wertvolle Gipskarstflächen dem Rohstoffabbau preisgegeben worden. Bei den FFH-Gebieten habe die Regierung zwar formal den Vorgaben zur Ausweisung von 10 % der Landesfläche entsprochen. Bisher gebe es aber keinen einzigen Managementplan. Dabei sei bei mehr als zweidrittel der FFH-Arten und bei über 93% der Lebensraumtypen der Erhaltungszustand ungünstig bzw. schlecht.

Die Schaffung eines landesweiten Biotopverbundes sei zwar ein Ziel im Landesentwicklungsplan von 2004, doch die Raumordnung berücksichtige dieses Ziel nicht. Weder gebe es eine landesweite Biotopverbundplanung noch Fristen oder Kontrollmechanismen zur Umsetzung des Biotopverbundes. Dieser sei aber eine der Voraussetzungen für den Erhalt der Artenvielfalt.

„Das Schwarzbuch Naturschutz illustriert anschaulich, wie Entscheidungen der Thüringer Landesregierung dazu führen, dass Naturschutzstandards abgebaut, schwere Eingriffe in Naturlandschaften bewilligt und schleichende Verschlechterungen von Lebensräumen hingenommen werden“, fasst Hoffmann zusammen. „Wir fordern die Landesregierung auf, das Schwarzbuch zum Anlass zu nehmen, ihre Naturschutzpolitik zu überdenken. Investitionen in den Naturschutz sichern die Lebensgrundlagen für uns Menschen. Es sind Investitionen, die sich mit Sicherheit rechnen.“


Das Schwarzbuch als pdf



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