Sehr geehrte Damen und Herren,
wir bedanken uns für die Beteiligung an o.g. Raumordnungsverfahren. Das Vorhaben wir von uns aus folgenden Gründen abgelehnt:
Beide der vorgestellten Varianten "A-Goldisthal" wie auch "B-Schleusingen" einschließlich aller Nebenvarianten E1,B2.1/2.2;B4.1/B4.2 sowie die nach Südost anschließenden Korridorführungen E1, C1-C6 berühren oder durchschneiden die sensibelsten Landschaftsteile des östlichen Thüringer Waldes und des Westlichen Thüringer Schiefergebirges einschließlich des südlichen Vorlandes. Die vorhabensbezogenen Eingriffe in die Natur und Landschaft sind nicht ausgleichbar. Die Region um die Orte Altenfeld, Neustadt am Rennsteig, Friedrichshöhe, Goldisthal und Schleusegrund weisen in Thüringen nach der Region um Steinheid - Siegmundsburg die letzten zusammenhängenden Bergwiesenbiotope (insbesondere Borstgrasrasen und Bärwurz-Rotschwingelwiesen) mit teilweise hochgradig gefährdeten Arten und Pflanzengesellschaften auf. Im Zuge der Baurealisierung ist, wie aus den Projektunterlagen ersichtlich, der Ausbau der bestehenden Waldwege und die Neuanlage von Zubringerstraßen für Baumaterial unumgänglich. Die Zerstörung sogenannter §18er Flächen in noch nicht absehbarer Größenordnung wird dadurch billigend in Kauf genommen. Ungeachtet dessen wird die Natur und Landschaft in den betroffenen Bereichen mit dem Bau der Hochspannungsleitung wie auch in der gemäß des vorgestellten Pilotprojektes beschriebenen Erdverkabelung derart verfremdet, dass eine nachhaltige Nutzung der Landschaft für den Fremdenverkehr nicht mehr möglich ist. Die natürliche und durch anthropogene, jahrhunderte lange Nutzung geschaffene Landschaft, deren Wert für die Erholung des Menschen unschätzbar ist, wird irreversibel geschädigt. In diesem Zusammenhang erkennen wir als anerkannter Naturschutzverband den vorgelegten artenschutzrechtlichen Fachbeitrag, der von Vattenfall in Auftrag gegeben wurde, aus Gründen der Befangenheit ab, da grundsätzlich davon auszugehen ist, dass ein Auftragnehmer, in diesem Fall ÖKOTOP GbR, seinem Auftraggeber in der Durchsetzung seines Vorhabens nicht behindern wird, wobei nicht die fachliche Qualität der Studie in Zweifel gezogen werden soll. Bezüglich der Natura 2000-Verträglichkeitsstudie sind Zweifel hinsichtlich einer objektiven Bewertung der Eingriffe besonders augenfällig. Die hier festgestellten Beeinträchtigungen werden in der Regel als geringfügig und unerheblich eingestuft. Bekanntermaßen ist das Ingenieurbüro IBU Schöneiche ein Unternehmen der Dr. Löffler Gruppe, die sich selbst als verlässlicher Partner der Bauindustrie und nicht des Natur- und Umweltschutzes empfiehlt.
Für eine objektive Bewertung fordern wir grundsätzlich Stellungnahmen und Studien wirklich unabhängiger Ingenieurbüros.
Mit der Ausweisung von Raumordnungskorridoren bis zu 2 km Breite kann zusätzlich der mit der Baumaßnahme entstehende ökologische und naturschutzrelevante Schaden nicht konkret lokalisiert werden, worin wir von einer bewussten Irreführung durch den Vorhabensträger ausgehen.
Ebenso irreführend ist auch die Bezeichnung Südwest-Kuppelleitung, verläuft doch die geplante Trasse in Südost-Richtung und nicht wie der Name dies ausdrückt. Da im Projekt auch von Grafenrheinfeld die Rede ist, gehen wir davon aus, dass von Redwitz die Energieübertragung Richtung Grafenrheinfeld erfolgt. Eine eindeutige Erklärung fehlt hierzu in den uns zugesandten Unterlagen. Soweit dies der Fall sein sollte, würde dies dem von Vattenfall EUROPE dargestellten Gebot, kurze und damit verlusstärmere Übertragungswege zu schaffen, widersprechen. Einen besonderen Kritikpunkt sehen wir darin, dass das Vorhaben insgesamt dem Zweck einer weiteren Zentralisierung der Energieversorgung dient. Dies steht diametral zu der von uns erhobenen Forderung nach einer dezentralen Energieversorgung unter Einbeziehung alternativer Energiequellen entgegen, deren ernsthafte, verbraucherorientierte Nutzung durch eine Monopolisierung des Strommarktes langfristig nicht sichergestellt werden kann.
Wir unterstützen aus den von uns genannten Gründen alle Bürgerinitiativen, die sich gegen den Bau der 380KV-Leitung Altenfeld-Redwitz aussprechen.