28. Dezember 1993

"Nordhäuser Kreistag von allen guten Geistern verlassen?" BUND Thüringen kritisiert Resolution zur "Südharz-Autobahn"

Scharfe Kritik an einer vom Kreistag des Landkreises Nordhausen mit großer Mehrheit beschlossenen Resolution zum forcierten Baubeginn der "Südharz-Autobahn" übt in einer heute herausgegebenen Presseerklärung der Landesvorstand Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Thüringen). Angesichts der i n der Resolution erhobenen Forderung eines "forcierten Baubeginns der A 82 noch im Jahr 1994" stelle sich nach den Worten des BUND-Landesgeschäftsführers, Michael Spielmann, die Frage, "ob der Nordhäuser Kreistag von allen guten Geistern verlassen ist".

Die im Beschluß des Kreistages als Begründung angeführten wirtschaftlichen Argumente halten nach Ansicht des BUND einer ernsthaften Überprüfung nicht stand. "Das naive Hoffen der Nordhäuser Politiker auf einen durch dieses Projekt bewirkten Aufschwung ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung ihrer Wirtschaftspolitik." Wer jetzt auf eine Autobahn setze, die selbst bei sofortigem Baubeginn in diesem Jahrhundert nicht mehr fertiggestellt werden könne, "hat die Menschen, die jetzt arbeitslos sind, offensichtlich bereits aufgegeben".

Allen seriösen Untersuchungen zu Folge seien die wirtschaftlichen Effekte eines Autobahnbaus für die strukturschwache Südharzregion überdies mehr als fragwürdig. Statt der erhofften Ansiedlung von Industrie und Gewerbe und der Schaffung neuer Arbeitsplätze werde der lokalen Wirtschaft durch die Konkurrenz billiger Güter aus der Ferne endgültig das Wasser abgegraben und das Gebiet zwischen den Zentren Göttingen und Halle endgültig zur Transitregion verkommen.

Der Bau der "Südharz-Autobahn" wäre nach Ansicht des BUND "eine unverantwortliche Vergeudung von Steuergeldern, die zum Aufbau einer zukunftsorientierten Wirtschaft dringend gebraucht würden". Nach den Worten des Vorsitzenden des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck, wäre es "fatal und für die Menschen in dieser Region tragisch, wenn ihnen erneut im wirtschaftlichen Sinne 'blühende Landschaften' vorgegaukelt würden, sie aber am Ende des wirklichen Gutes der Region, nämlich der Landschaft, beraubt werden und sie wieder mit leeren Händen dastehen".

Die enormen Kosten, die mit dem Bau einer Autobahn quer durch das Eichsfeld verbunden seien – immerhin koste jeder Kilometer mehr als 15.000.000 DM – sollten nach Ansicht des BUND Thüringen sozial-ökologisch umgewidmet und für die Belebung und Stärkung regionaler Wirtschaftsstrukturen aufgewendet werden.

26. Dezember 1993

Raumordnungsverfahren zur "Thüringer-Wald-Autobahn": BUND sieht Ablehnung durch wachsenden Bürgerprotest bestätigt

Bestätigt sieht sich der BUND Thüringen in seiner kritischen Haltung gegenüber der "Thüringer Wald-Autobahn" durch die Vielzahl von Einwendungen im Rahmen des derzeit laufenden Raumordnungsverfahrens. Nach Angaben des BUND sind mehrere hundert von dem Projekt betroffene Bürger und Bürgerinnen einem Aufruf des BUND und der "Bürgeraktion B 19/A 81 e.V." gefolgt und haben sich in ausführlichen Stellungnahmen an das Landesverwaltungsamt Weimar gegen das, so der BUND, "Wahnsinnsprojekt" ausgesprochen.

Mit Bekanntwerden möglicher Trassenverläufe beginnt nach Ansicht des BUND die Front der Autobahnbefürworter in Südthüringen merklich zu bröckeln. So habe der Gemeinderat der Grabfeldgemeinde Queienfeld einstimmig gegen einen Autobahnbau durch ihre Gemarkung entschieden. Auch die nur knappe Mehrheit für das Vorhaben bei der jüngsten Abstimmung im Suhler Stadtrat zeige, daß auch in der Politik die Einsicht wachse, daß die Region von dem umweltzerstörenden Großprojekt nicht profitieren werde.

Der BUND Thüringen hat sich im Rahmen des laufenden Raumordnungsverfahrens mit einer 36seitigen Stellungnahme gegen den Bau der 73/81 gewandt. Gestützt auf zwei unabhängige Gutachten, die der BUND gemeinsam mit der Bürgeraktion B 19/A 81 e.V. in Auftrag gegeben hatte, kommt der Umweltverband zu dem Ergebnis, daß es auf Grund der "unseriösen Bedarfsermittlung" und "grob fehlerhaften Prüfung der Umweltauswirkungen" keine Rechtfertigung für die Planung und den Bau der "Thüringer-Wald-Autobahn" geben könne.

Der BUND erwarte deshalb, daß die Landesplanungsbehörden den gesetzlichen Anforderungen Rechnung tragen und im Rahmen einer sachgerechten Abwägung alternativen Lösungen und Ausbauvarianten den Vorzug geben würden. Diese seien sowohl ökologisch als auch ökonomisch der geplanten Neutrassierung zweier Autobahnen überlegen. "Den Erfordernissen der Region kann nur das Zusammenwirken und der Verbund der verschiedenen Verkehrsträger gerecht werden; also verbesserte Straßen, ausgebaute Bahnlinien, attraktiver Öffentlicher Personennahverkehr", so der Landesvorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck.

Mit Nachdruck weist der BUND darauf hin, daß mit Abschluß des Raumordnungsverfahrens die "Thüringer-Wald-Autobahn" "keineswegs bereits beschlossene Sache sei. Eine Baugenehmigung könne frühestens im Anschluß an ein Planfeststellungsverfahren erteilt werden. Ein solcher Beschluß für die Zerschneidung und großräumige Zerstörung des Thüringer Waldes durch eine Autobahn werde jedoch einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten.

23. Dezember 1993

Mit Ausgleichsmaßnahmen soll ungenehmigter Straßenbau legitimiert werden – BUND Thüringen sieht Rechtspflege in Gefahr

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) reagiert bestürzt darüber, daß ein ungenehmigter Straßenbau im Johannistal in Eisenach durch "Ausgleichsmaßnahmen" legitimiert werden soll.

Die Presse hatte am gestrigen Tage berichtet, daß ein Teil des in der Nähe gelegenen Sengelsbaches wieder entrohrt und eine Geschwindigkeitsreduzierung durch den Einbau von Schwellen erreicht werden soll. Damit solle der ungenehmigte Straßenbau ausgeglichen werden. Der BUND Thüringen hatte Anfang Juli 1993 den illegalen Straßenbau als schwerwiegenden Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet aufgedeckt, beim Landesverwaltungsamt angezeigt und den Rückbau der Piste gefordert.

Einen illegalen Straßenbau lediglich mit Ausgleichsmaßnahmen zu belegen, die auch einen genehmigten Eingriff zu begleiten hätten, komme einer Duldung des Rechtsbruches gleich. "Dies ist völlig inakzeptabel und ein Zugeständnis gegenüber den Verursachern dieses Frevels", so Klaus Fink vom BUND.

Wenn die Strafe für den Rechtsverstoß ausbliebe, so der BUND Thüringen in einer gestern veröffentlichten Presseerklärung, sei dies ein Armutszeugnis für die Rechtspflege im Freistaat Thüringen. "Ich fühle mich an Vorwendezeiten erinnert, in denen es zwar Naturschutzgesetze gab, ihre Einhaltung aber nicht eingeklagt wurde", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

"Hier haben Amtsträger ihre Einzelinteressen mit Steuergeldern durchgesetzt. Wenn das nicht geahndet wird, werden Rechtsbrüche salonfähig", so Beck weiter. Diesen illegalen Straßenbau durchgehen zu lassen, wirke wie ein Aufruf an die Bevölkerung, ohne Genehmigung zu bauen. Der BUND Thüringen fordert die Entscheidungsbehörde erneut mit Nachdruck auf, die Verantwortlichen für den illegalen Straßenbau persönlich für ihr Vergehen haften zu lassen.

21. Dezember 1993

Ehemaliger Truppenübungsplatz Künkel: BUND Thüringen fordert Schutz vor umweltzerstörender Nutzung

Eisenach. Die sofortige Sicherstellung des ehemaligen Truppenübungsplatzes Künkel nördlich der B84 als Naturschutzgebiet fordert der BUND Thüringen. Angesichts der in jüngster Zeit von verschiedenen Seiten massiv und ungehemmt geäußerten Nutzungsansprüche sei dies die einzige Möglichkeit, das Gebiet vor einer drohenden, großflächigen Bebauung zu schützen, heißt es in einer heute veröffentlichten Presseerklärung des Umweltverbandes.

In einem Schreiben an das Landesverwaltungsamt in Weimar äußert der BUND Thüringen seine Verärgerung darüber, "daß das Gebiet des Künkel noch immer nicht unter Schutz gestellt ist, obwohl der ökologisch hohe Wert unumstritten und durch umfangreiche Studien belegt ist".

Der Künkel als südlicher Ausläufer des Hainich sei ein wichtiges Wasserreservoir und stelle eine noch unzerschnittene Sukzessionsfläche mit plänterwaldartigem Buchenbestand von europaweiter Bedeutung dar, so der Umweltberater des BUND Thüringen, Klaus Fink. Der ehemalige Truppenübungsplatz sei gleichzeitig Rückzugsgebiet für viele in der "Roten Liste" stehende und vom Aussterben bedrohte Tier-und Pflanzenarten. Nachgewiesen seien z.B. Vorkommen von Birkwild mit Jungtieren, Wildkatze, Schwarzstorch, Baumfalke und Schwarzkehlchen.

Sollte der Künkel nördlich der B84 industriellen Nutzungsansprüchen geopfert werden, so würde dies auch gravierende Auswirkungen auf den geplanten "Nationalpark Hainich" zur Folge haben, stellt der BUND fest. Ein gewaltiges ökologisches und auch ökonomisches Potential, von dem vor allem die Einheimischen mit Arbeitsplätzen im Naturschutz, in der Landschaftspflege und im Erholungsbereich profitieren könnten, würde durch eine ungehemmte Bebauung des Künkel unwiederbringlich zerstört.

10. Dezember 1993

BUND: Müllverbrennung als Irrweg - Müllvermeidung und Verwertung droht der Feuertod

Eisenach. "Auch mit modernsten Filteranlagen bleibt die Müllverbrennung eine Deponierung in der Luft!" Zu diesem Schluß kommt der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer heute veröffentlichten Presseerklärung. Aus Anlaß einer Anhörung im Thüringer Landtag appelliert der BUND Thüringen an die Abgeordneten, sich nicht für den "ökologischen und abfallwirtschaftlichen Irrweg der Müllverbrennung", sondern für "Müllvermeidung und die Verwertung und sichere Deponierung der Reststoffe" zu entscheiden".

Nach Ansicht des BUND Thüringen sind Verbrennung und Vermeidung von Abfällen unvereinbar. "Müllverbrennung lebt vom Abfallberg. Eine Müllverbrennungsanlage verträgt nichts schlechter als vermiedenen Abfall", so der Landesvorsitzender des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck. Da sich eine solche mit immensen Baukosten errichtete Anlage betriebswirtschaftlich nur im Dauerbetrieb rentiere und auch aus technischen Gründen nicht nach Bedarf ein-und abgeschaltet werden könne, wirke eine Müllverbrennungsanlage "wie ein Sog, der Abfall magisch anzieht", so Beck. Müllverbrennung sei keine Lösung des Abfallproblems, sondern eine gigantische Verschwendung von Rohstoffen.

Demzufolge sei die Müllverbrennung auch die teuerste aller abfallwirtschaftlichen Maßnahmen. Weil die enormen Investitionskosten der Verbrennungsanlagen auch bei eifrigem Müllsparen abbezahlt werden müßten, würden die Müllgebühren auch bei sinkendem Abfallaufkommen steigen. "Im Fall der Müllverbrennung werden die Verbraucher und Verbraucher innen , die Müll vermeiden, bestraft", so der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann.

Unvernünftig ist die Müllverbrennung nach Ansicht des BUND auch im Hinblick auf ihre Energiebilanz. Da maximal 15 % der eingesetzten Energie verstromt werden könnten, eigne sich die Müllverbrennung keineswegs zur Energierückgewinnung. Der Ausstoß des Treibhausgases C02 sei bei Müllverbrennungsanlagen sehr viel höher als bei konventionellen Kraftwerken.

8. Dezember 1993

BUND Veranstaltung zu Gen-Versuchen – Breiter Widerstand regt sich in Friemar

Eisenach. "Was können wir gegen das Vorhaben der Firma Hoechst tun?" oder "Welche Risiken birgt dieser Freilandversuch für die BürgerInnen Friemars?" diesen und anderen Fragen stellten sich gestern Ursula Philipp, Rechtsanwältin aus Frankfurt, und Martin Krämer vom Pestizid Aktions-Netzwerk in einer Veranstaltung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) in Friemar, Landkreis Gotha.

Daß rund 100 Bürger und Bürgerinnen Friemars und weitere Gäste in die Gemeindeschenke gekommen sind, zeigte wie groß das Interesse und die Betroffenheit der Bevölkerung sind. Über 500 Unterschriften wurden bereits von der Bürgerinitiative gegen den Freilandversuch in Friemar und den umliegenden Gemeinden gesammelt und Protestresolutionen an die Umweltausschüsse des Bundes-und des Landtags geschickt.

Das sei ein deutliches Votum, so der BUND Thüringen, gerichtet vor allem auch an die Gemeindevertreter in Friemar, die vor der Entscheidung stehen, einen Pachtvertrag für die Versuchsflächen mit der Firma Hoechst zu schließen. In ihrer Hand liege es, den Pachtvertrag an bestimmte Bedingungen zu knüpfen oder zu verweigern.

Gemeinsam mit der Bürgerinitiative will der BUND Thüringen alle gesetzlichen Möglichkeiten der Einwendung während des Genehmigungsverfahrens ausschöpfen. Während der Auslegung der Planungsunterlagen in der Gemeindeverwaltung Friemar, die in den nächsten Wochen zu erwarten sei, können von jedem Betroffenen die Unterlagen eingesehen und, bis zwei Wochen danach, Einwendungen gegen dieses Vorhaben abgegeben werden. Der BUND Thüringen wird rechtzeitig eine Mustereinwendung anbieten, die in der Landesgeschäftsstelle, Uferstr.1 in 99817 Eisenach abrufbar ist.

„Wir rufen alle Bürger und BürgerInnen auf", so BUND Sprecherin Gudrun Flachmann, "dieses Recht wahrzunehmen und Einwendungen zu formulieren." Der BUND Thüringen hat bereits wiederholt massive Zweifel am Nutzen und der Umweltverträglichkeit dieser Versuche geäußert. Nach Ansicht des Umweltverbandes profitiert vor allem die Firma Hoechst von der angestrebten Resistenz von Raps und Mais gegen Unkrautvernichtungsmittel.

Der Einsatz von Gentechnik verstärke die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Abhängigkeit der Landwirte von Chemiegroßkonzernen. Der damit einhergehende weitere Preisverfall für agrarische Produkte werde für eine Vielzahl bäuerlicher Betriebe den Existenzverlust bedeuten. "Wir wollen eine bäuerliche Landwirtschaft, die ökologische Kreisläufe berücksichtigt und ohne Umweltgefährdung gesunde Lebensmittel produziert und keine gentechnisierte Agroindustrie", so Gudrun Flachmann. In einem breiten Bündnis, auch mit den Bürgerinitiativen der weiteren drei geplanten Standorte ähnlicher Freilandversuche in Niedersachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz sieht der BUND Thüringen Chancen, daß Vorhaben von Hoechst zu verhindern.

2. Dezember 1993

BUND Thüringen schlägt Alarm: "Das grüne Herz Deutschland ist todkrank!" – Thüringen beim Waldsterben trauriger Spitzenreiter

Eisenach. Aus Anlaß des jüngsten Waldschadensberichtes der Bundesregierung schlägt der BUND Thüringen Alarm: Thüringen ist von allen Bundesländern im Hinblick auf die Waldschäden der traurige Spitzenreiter. Nach Angaben des BUND sind 84 % aller Bäume in Thüringen geschädigt, so viele wie in keinem anderen Bundesland. "Das grüne Herz Deutschlands ist todkrank!", heißt es in einer heute veröffentlichten Presserklärung des Umweltverbandes. Um zu verhindern, daß bereits in wenigen Jahren große Teile des Thüringer Waldes verschwunden seien und stattdessen eine steppenartige Landschaft zurückbleibe, sei eine fundamentale Wende in der Politik vonnöten.

Dies gelte insbesondere für die Verkehrs-und Energiepolitik, in der die Verkehrsvermeidung, die Einführung einer Energiesteuer bzw. die drastische Erhöhung der Mineralölsteuer sowie ein Tempolimit die zentralen Elemente seien. "Vor dem unglaublichen Ausmaß der Waldschäden wäre es unverantwortlich und geradezu zynisch, quer durch den Thüringer Wald eine Autobahn zu bauen, die zusätzlichen Verkehr erzeugt und dazu beiträgt, die umweltverträglichere Reichsbahn weiter in den Ruin zu treiben", so der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann.

Da auch die hohen Ammoniakemissionen der Landwirtschaft wesentlich zum Waldsterben beitragen, fordert des BUND zudem die Einschränkung der Massentierhaltung und die Einführung einer Stickstoffsteuer.

Als "Ablenkungsmanöver" bezeichnet Spielmann die Diskussion um die Verursachung von Waldschäden durch Insekten. "Der schlimmste Waldschädling ist das Auto, nicht der Borkenkäfer." Wichtigste Ursache des Waldsterbens sei der Giftcocktail der Luft, der von Industrie, Haushalten und vor allem aus den Auspufftöpfen der Autos stammt, so Spielmann.

Der BUND Thüringen fordert die Landesregierung mit Nachdruck auf, unverzüglich zu handeln, damit der Wald gerettet werde. "Wer heute noch Wirtschaftswachstum durch Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen erreichen will, wird angesichts der bereits jetzt sichtbaren ökologischen Folgen in wenigen Jahren vor den Trümmern seiner Wirtschaftspolitik stehen. Die Förderung des Fremdenverkehrs im "grünen Herzen Deutschlands" gerate dann angesichts des sterbenden Thüringer Waldes zu einer traurigen Farce, so der BUND.

29. November 1993

"Zu Weihnachten Durchforstungsbäume verwenden" - BUND fordert Verzicht auf ausländische Gehölze und Plastikbäume

Eisenach. "Nicht nur die Natur, sondern auch gute und liebenswerte Bräuche sind schützenswert." Dies stellt der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zur alljährlichen Christbaumnutzung in einer Presseerklärung fest. Die weihnachtliche Verwendung von einheimischen Gewächsen wie Fichte, Tanne oder Kiefer aus der Durchforstung oder auch als Krone eingeschlagener Bäume, wird deshalb seitens des Umweltverbandes grundsätzlich befürwortet. Auf ausländische Gehölze solle jedoch generell verzichtet werden. Gleiches gelte auch für die einheimische Weißtanne, die seit einigen Jahren auf der "Roten Liste" bedrohter Pflanzenarten stehe und deshalb nicht als Christbaum genutzt werden sollte.

Die meisten Bäume, die heute auf den Christbaummärkten angeboten werden, stammen nach Angaben des BUND aus sogenannten Christbaumplantagen. Dies werde vom BUND zwar toleriert, sei jedoch auf Grund der intensiven Düngung der Plantagen sowie der Behandlung mit Pestiziden problematisch, so der Umweltberater des BUND Thüringen, Klaus Fink.

Daher fordere der BUND, auf chemischen Pflanzenschutz bei der Anzucht sowie auf die Behandlung der verkaufsfertigen Bäume mit Spritzmitteln gegen Schädlinge und Vertrocknung zu verzichten.

Weiterhin verweist der BUND darauf, daß sich viele Probleme rund um die Christbaumnutzung reduzieren ließen, wenn die Bevölkerung in größerem Umfang bereit wäre, ihre Ansprüche an die Form eines Weihnachtsbaumes etwas zurückzunehmen. "Es muß nicht immer ein ideal gewachsener Baum sein, da Natur nun einmal nicht Reißbrettprodukt, sondern vielfältig ist", so Klaus Fink. Wer bereit sei, auch einen nicht völlig gleichmäßig gewachsenen Baum zu verwenden, erweitere den Markt für die sowieso anfallenden Durchforstungsbäume und reduziere die Nachfrage nach gefährdeten Arten und Plantagenbäume. Den Kauf eines "Zweit- oder Drittbaumes" für eine Familie hält der BUND für überzogen. Auch eine Verwendung sog. "Plastik-Weihnachtsbäume" aus Kunststoff sei nicht ratsam, da bei deren Herstellung Energie- und Rohstoffressourcen verbraucht würden und die meisten Menschen ohnehin schon in einer naturfremden Umgebung lebten, so Fink.

18. November 1993

Glosse zur Verbandsbeteiligung

Alarmstufe Rot bei den Naturschützern: Die Planungsunterlagen zum Raumordnungsverfahren für die Thüringer-Wald-Autobahn sind neulich aus heiterem Himmel, jedoch nicht unerwartet, auf die schmalen Tische der Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen geflattert.

 

Eines steht jetzt schon fest: Wer zur Bearbeitung der 30 dicken Aktenordner verdonnert wird, darf unter lautem, weltschmerzvollem Stöhnen schlaflose Nächte fristen, denn 6 Wochen Bearbeitungsfrist für diesen Wust Papier sind genau die richtige Zeit, um ganze Völkerstämme oder einen 12-köpfigen Krisenstab hochqualifizierter Tiefbauingenieure zu beschäftigen.

Die Gigantomanie dieser "Wahnautobahn" wird noch dadurch unterstrichen, daß der allseits geplagte Steuerzahler mit 42 Millionen Mark pro Kilometer zur Kasse gebeten werden soll.

Hierzu kann man nur "Schade ums Papier" sagen, denn die Chancen der Naturschützer, mit ihrer Stellungnahme zu diesem Projekt irgendetwas zu erreichen, sind praktisch gleich Null.

 

Verbandsbeteiligungen an Planungen, besonders an landesweiten Raumordnungsverfahren, sind sicher wichtig und auch bedeutsam für unsere Demokratie. Trotzdem tragen sie oft nicht mehr als nur Alibicharakter für die Planer und zuständigen Behörden, die mit den Naturschutzverbänden auch gleich einen willkommenen Sündenbock für Stagnationen beim sogenannten "Aufschwung-Ost" parat haben. Es ist pervers, daß das ehrenamtliche Naturschutz-Engagement weniger Bürger für zumeist erfolglose parabürokratische Tätigkeiten zum Nulltarif verschlissen wird, während auf der anderen Seite ganze (hochvergütete) Heerscharen mit ihrer Planungs- und Bauwut zum geballten Angriff auf die Restnatur blasen.

 

Wäre es nicht viel wichtiger, daß die Naturschutzverbände ihre eigentlichen Aufgaben mit viel Pressewirksamkeit und für jedermann verständlich wahrnehmen? Zu nennen seien hier vor allem der Aufbau einer mitgliederstarken und öffentlich wirksamen Naturschutzlobby in Thüringen, die Sensibilisierung der Bevölkerung für die schweren Umweltprobleme mittels Kampagnen und Aktionen, z.B. in der Art "Rettet den Thüringer Wald !", die Aufdeckung von Umweltskandalen mittels einer Wächterfunktion sowie eine Vorreiterrolle beim Aufzeigen von Wegen aus der Umweltmisere.

 

Klaus Fink

Eisenach

16. November 1993

"Wahlkampfdrohung gegen die Natur" - BUND Thüringen kritisiert Äußerungen Bohns zum Straßenbau

Eisenach. Scharfe Kritik übt der BUND Thüringen an Äußerungen des Thüringer Wirtschaftsministers Dr. Jürgen Bohn (FDP) zum Straßenbau im zukünftigen Wartburgkreis. Presseberichten zufolge will sich die FDP vor Ort unter persönlichem Einsatz ihres Kreisvorsitzenden Dr. Bohn stark machen für einen massiven Straßenaus- und -neubau zwischen den Orten Waldfisch und Lauchröden. Als Begründung für den Bau einer "neuen breiten Piste über die Berge" waren die Verbesserung der Infrastruktur und eine günstigere Anbindung des Nordkreises an die zukünftige Kreisstadt Bad Salzungen angeführt worden.

In einer heute veröffentlichten Presseerklärung bezeichnet der BUND Thüringen diese Äußerungen Bohns als "Wahlkampf-Drohung gegen die Natur". So würden z.B. zwischen Marksuhl und Lauchröden durch einen Straßenneubau wertvolle Naturräume, welche zum Landschaftsschutzgebiet Thüringer Wald gehören, unwiederbringlich zerstört. "Es ist erschreckend", so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, "daß der Horizont der für das Wohl unseres Landes verantwortlichen Politiker in vielen Fällen offenbar nur bis zur nächsten Straße reicht." Wenn Minister Bohn den Aufschwung in Thüringen durch immer maßlosere Forderungen nach Straßenbau herbeireden wolle, so sei dies nichts anderes als ein Offenbarungseid seiner Wirtschaftspolitik.

Der BUND fordert den Wirtschaftsminister auf, sich nicht länger als "Autolobbyist" zu betätigen. Statt knappe Steuermittel für unsinnige Straßenbauprojekte zu vergeuden, sei es dringend notwendig, in eine ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Verkehrspolitik zu investieren.

4. November 1993

Jagd im Naturschutzgebiet: BUND Thüringen kritisiert Thüringer Landwirtschaftsminister

Eisenach. Scharfe Kritik an der Haltung des Thüringer Landwirtschaftsministeriums zu einer Jagd im Naturschutzgebiet "Ilmenauer Teiche" im Landkreis Ilmenau übt der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Wenn dieses schlimme Beispiel Schule macht, gerät die Thüringer Naturschutzpolitik insgesamt ins Zwielicht", heißt es in einer heute veröffentlichten Presseerklärung des Umweltverbandes. Man könne derzeit fast den Eindruck gewinnen, so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, in Thüringen würden Naturschutzgebiete einstweilig sichergestellt, "damit anschließend die zu schützenden Arten in Ruhe abgeschossen werden können".

Der BUND hatte die am vergangenen Wochenende in Ilmenau durchgeführte Gesellschaftsjagd zum Anlaß genommen, den Thüringer Minister für Landwirtschaft und Forsten, Dr. Volker Sklenar (CDU) um Aufklärung zu bitten, ob nach seiner Ansicht eine solche Veranstaltung mit den Schutzzielen des Naturschutzgebietes vereinbar sei. In einem Schreiben des Ministeriums an den BUND Thüringen heißt es nun, daß "in der Gemarkung Ilmenau durch die Jagd das Schutzziel nicht tangiert" werde. Nach Ansicht des BUND muß es jedoch "völlig rätselhaft" bleiben, wie das Ministerium zu dieser Auffassung gelangen konnte. Angesichts der Umstände der Jagdausübung sei es "mehr als unwahrscheinlich, daß ausschließlich die zur Bejagung freigegebenen Stockenten geschossen worden sind". Es müsse vielmehr davon ausgegangen werden, daß auch andere und unter Schutz gestellte Arten beeinträchtigt und gefährdet worden seien. Zudem habe die Jagdgesellschaft gegen weitere Schutzgebietsbestimmungen, wie etwa dem Verbot, die Wege im Naturschutzgebiet zu verlassen, verstoßen.

Der BUND Thüringen fordert den Landwirtschaftsminister als Oberste Jagdbehörde und den für den Naturschutz zuständigen Umweltminister Hartmut Sieckmann (FDP) mit Nachdruck auf, ähnliche Vorfälle zukünftig zu unterbinden. Gegebenenfalls müsse auch das Thüringer Jagdgesetz geändert werden, falls die derzeit geltenden Bestimmungen zur Jagdausübung einem wirkungsvollen Naturschutz entgegenstünden.

30. Oktober 1993

Gen-Versuche bei Gotha - BUND Thüringen fragt nach dem Nutzen und möglichen Risiken

Massive Zweifel am Nutzen und der Umweltverträglichkeit der vom Chemiekonzern Hoechst geplanten Freisetzung genetisch manipulierter Raps- und Maispflanzen in Friemar (Kreis Gotha) hat der BUND Thüringen geäußert.

In einer heute veröffentlichten Presseerklärung des BUND heißt es: "Wer - außer der Firma Hoechst - profitiert eigentlich von der angestrebten Resistenz von Raps und Mais gegen Unkrautvernichtungsmittel?" Wenn zukünftig Nutzpflanzen widerstandsfähiger gegen den Einsatz des von Hoechst produzierten Totalherbizids "Basta" seien, müsse ein verstärkter Einsatz dieses Giftes befürchtet werden. Dies sei betriebswirtschaftlich aus Sicht von Hoechst sicherlich wünschenswert, angesichts der schon jetzt viel zu hohen Umweltbelastung durch Pestizide gesamtgesellschaftlich jedoch untragbar.

Der Einsatz von Gentechnik verstärke zudem die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Abhängigkeit der Landwirte von Chemiegroßkonzernen. Dies und der damit einhergehende weitere Preisverfall für agrarische Produkte werde für eine Vielzahl bäuerliche Betriebe den Existenzverlust bedeuten. "Wir wollen keine gentechnisierte Agroindustrie, sondern eine bäuerliche Landwirtschaft, die ökologische Kreisläufe berücksichtigt und ohne Umweltgefährdung gesunde Lebensmittel produziert", so der Geschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann.

Die aus Sicht der Landwirtschaft und der Verbraucher offensichtlich unsinnigen Genmanipulationen seien auf Grund ihrer nicht vorhersehbaren und nicht kontrollierbaren Folgerisiken auch aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen abzulehnen.

So seien etwa die komplizierten Zusammenhänge der Ökosysteme des Bodens, in die hinein die gentechnisch manipulierten Organismen entlassen werden sollen, noch immer weitgehend unbekannt. Da auch die ökologischen Risiken der Übertragung der Fremdgene auf Wildpflanzen, andere Kulturpflanzen und Mikroorganismen nicht zu bestimmen, nicht zu kontrollieren und nicht rückgängig zu machen seien, ist die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen nach Ansicht des BUND Thüringen ein "Vabanquespiel". "Wir sind gespannt", so Spielmann, "welche haftungsrechtlich eindeutigen Garantien die Firma Hoechst gegenüber den unmittelbar betroffenen Anwohnern abgeben wird".
Der BUND Thüringen fordert die Bevölkerung in Friemar und Umgebung auf, sich nicht als "Versuchskaninchen der Firma Hoechst" mißbrauchen zu lassen. Da durch die Novellierung des Gentechnikgesetzes ab Januar 1994 jede öffentliche Erörterung zu Freisetzungsversuchen entfallen soll, müßten Einwände gegen die unsinnige und gefährliche Freisetzung von genmanipulierten Organismen jedoch frühzeitig geäußert werden. Dazu biete der BUND seinen fachlichen und juristischen Rat an.

29. Oktober 1993

BUND Thüringen empört über geplante Jagd im Naturschutzgebiet "Ilmenauer Teiche"

Eisenach. Empört zeigt sich der BUND Thüringen über eine am kommenden Wochenende geplante Jagd im Naturschutzgebiet "Ilmenauer Teiche" im Landkreis Ilmenau. Wie der BUND in Erfahrung bringen konnte, soll dort am Sonntag in der Zeit von 9 bis 12 Uhr eine Gesellschaftsjagd stattfinden.
In einem Brief an den Thüringer Minister für Landwirtschaft und Forsten, Dr. Volker Sklenar (CDU), fragt der BUND, ob diese Jagdveranstaltung von Seiten des Ministeriums genehmigt worden sei. Weiterhin will der BUND wissen, ob nach Ansicht des Ministers eine solche Gesellschaftsjagd mit den in der Schutzgebietsverordnung für das Naturschutzgebiet "Ilmenauer Teiche" festgesetzten Schutzzielen in Einklang zu bringen sei.

Zwar werde die Jagd als ein mögliches Mittel im Rahmen der Pflege des Schutzgebietes auch von Seiten des BUND akzeptiert, aber nur wenn es der Erreichung der Schutzziele diene. Demgegenüber bleibe aus Sicht des BUND Thüringen unverständlich, wie eine Gesellschaftsjagd im NSG "Ilmenauer Teiche" durchgeführt werden könne, ohne daß damit Wasservögel und andere geschützte Arten beeinträchtigt und gefährdet würden. Dies widerspreche klar den Schutzzielen für das Naturschutzgebiet

Nach Ansicht des BUND Thüringen wäre dies auch der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln, die zu Recht Einschränkungen in der Nutzung eines solchen Schutzgebietes hinnehmen müsse. Dies gelte umso mehr, weil derartige Jagdgesellschaften von Teilen der Bevölkerung immer noch mit ähnlichen Veranstaltungen aus "früheren Zeiten" in Verbindung gebracht würden.

Der BUND Thüringen hat Minister Sklenar nachdrücklich um Aufklärung des geschilderten Sachverhaltes gebeten. Es sei untragbar, wenn diese Jagdveranstaltung von den Behörden hingenommen oder womöglich sogar abgesegnet werde. Das Verhalten der zuständigen Behörden habe über den Anlaß hinaus exemplarische Bedeutung und gebe Aufschluß über Stellenwert des Naturschutzes in Thüringen.

29. Oktober 1993

BUND startete „Abstimmung mit den Füßen“ – Rudolstädter entlarven „Grünen Punkt“

Eisenach. Mehr als 1800 Rudolstädter Bürger und Bürgerinnen glauben nicht, daß der "Grüne Punkt" auf Verpackungen und das Duale System tatsächlich Abfälle vermeiden. Das ist das deutliche Ergebnis einer Umfrage des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Thüringen. "Die Rudolstädter haben trotz aller Propaganda verstanden, daß der 'Grüne Punkt' in Wirklichkeit nur ein 'Grüner Scheinheiligenschein' ist, der den Einwegverpackungen ein ökologisches Image verleihen soll", kommentierte Gudrun Flachmann, Sprecherin des BUND Thüringen.

Bei der "Abstimmung mit den Füßen" hatte der BUND Thüringen in der Fußgängerzone Rudolstadt von Montag bis Mittwoch ein "Meinungstor" aufgebaut. Über zwei Durchgängen, die mit "Ja" und "Nein" gekennzeichnet waren, stand in großen Buchstaben die Frage: "Glauben Sie, daß der 'Grüne Punkt' Müll spart?". Durch das Nein-Tor liefen 1802 Passanten, durch das Ja-Tor lediglich 439.

"Die Aktion gibt uns Hoffnung, daß es der Verpackungslobby letztendlich doch nicht gelingt, überflüssige Verpackungen, die mit dem 'Grünen Punkt' veredelt sind, den Konsumenten als umweltfreundlich unterzujubeln", sagte Andre Brumund, Praktikant beim BUND Thüringen. Gudrun Flachmann: "Für die politischen Entscheidungsträger ist unsere Umfrage ein Signal, daß endlich drastische Maßnahmen zur Abfallvermeidung durchgesetzt werden müssen.

"Tenor: "Alle reden über das angebliche Allheilmittel Recycling, doch dabei wird vergessen, daß das vorrangige Ziel die Reduzierung der Abfall-und Verpackungsflut sein muß". Durch konsequente Umstellung auf wiederbefüllbare Mehrweg-Verpackungen, Nachfüllsysteme und Verpackungsverzicht ließe sich nach BUND-Berechnung mindestens jede dritte Verpackung einsparen.

Eine Postkartenaktion an den Bundesumweltminister Dr. Klaus Töpfer soll diesen Forderungen Nachdruck verleihen und rundet das BUND-Engagement gegen Ex-und-Hopp ab. Die Postkarten und Hintergrundinformationen sind in der Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen erhältlich.
In einer schriftlichen Meinungsumfrage plädierten viele Rudolstädter für die Wiedereinführung des alten DDR-Serosystems und für eine Belohnung der Müllsparer durch gestaffelte Abfahrzeiten und Tonnengrößen bei der Restmüllentsorgung.

Während der Abendveranstaltung am Donnerstag in der Kreisvolkshochschule Rudolstadt informierte der BUND Thüringen über die Verpackungsverordnung und den Grünen Punkt. Christine Meinecke, Mitglied im BUND Landesvorstand Thüringen und Abfallexpertin, zeigte Wege aus dem Müllnotstand auf.

22. Oktober 1993

BUND Thüringen startet landesweite Kampagne zum Klima-Schutz

Eisenach. Mit einer Pressekonferenz in Erfurt hat der BUND Thüringen heute eine landesweite Kampagne zum Klimaschutz gestartet. Da trotz der zunehmenden Gefahr globaler Klimaveränderungen international und national in Sachen Klimaschutz außer schönen Worten weitgehend Funkstille herrsche, müsse nun auf kommunaler Ebene die Initiative ergriffen werden, so der Vorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck.

Durch eine Mitgliedschaft in dem Verein "Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder zum Erhalt der Erdatmosphäre (Klima-Bündnis/Alianza deI Clima e. V.)" sollen sich die Städte und Gemeinden Thüringens verpflichten, durch Reduzierung ihres Energieverbrauchs insbesondere den Ausstoß des Klimaschädlings Kohlendioxid (C02) zu senken.

Gleichzeitig sollen Völker der "dritten Welt", die durch die weltweiten Umweltzerstörungen in ihrer Existenz bedroht sind, unterstützt werden. Konkret sichern die Mitglieder des Klimabündnisses zu, durch ein Bündel von Maßnahmen den Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahre 2010 zu halbieren und später schrittweise weiter zu senken. Außerdem versprechen sie, alles zu unternehmen, um jegliche Verwendung und Produktion der klimaschädlichen und ozonzerstörenden Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) zu stoppen. Die Unterzeichner sehen sich zudem als Partner der Indianervölker Amazoniens bei den gemeinsamen Bemühungen um die Erhaltung des Regenwaldes.
Die Städte verpflichten sich daher zu einem Verzicht auf Tropenholz sowie zur Unterstützung eines ökologisch ausgerichteten Regenwaldprojektes. Dem 1989 in Frankfurt/Main initiierten "Klimabündnis" sind bisher 362 Städte und Gemeinden aus ganz Europa beigetreten.

Die Orts-und Kreisverbände des BUND Thüringen werden in den nächsten Wochen die kommunalen Parlamente auffordern, entsprechende Beschlüsse für einen Antrag auf Mitgliedschaft im Verein "Klima-Bündnis" zu fassen. Der BUND-Vorsitzende Beck zeigte sich zuversichtlich, daß sich viele thüringische Städte und Gemeinden dazu bewegen lassen, sich dieser "globalen Umweltpartnerschaft" anzuschließen und damit in der Bundesrepublik und besonders den neuen Ländern "ein Zeichen für den Klimaschutz" zu setzen.

21. Oktober 1993

"Fernverkehrstrassen auf Kosten von Mensch und Natur" - BUND kritisiert Verkehrsplanungen in Thüringen

Eisenach. Als "verkehrspolitischen Offenbarungseid" hat der BUND Thüringen die Ankündigung aus dem Thüringer Wirtschaftsministerium bezeichnet, wonach zugunsten der geplanten Autobahnprojekte auf den Bau von Ortsumgehungsstraßen verzichtet werden solle.
"Damit bestätigt die Landesregierung die vom BUND schon frühzeitig geäußerten Befürchtungen, daß auf Kosten der Natur und der Menschen quer durch das Land Trassen für den internationalen Fernverkehr geschlagen werden sollen", heißt es in einer heute veröffentlichten Presseerklärung des BUND Thüringen.

Der durchgängige Ausbau der A 4 und A 9 und vor allem der Neubau der A 82 von Göttingen nach Halle sowie der "Thüringer-Wald-Autobahn" sind so nach den Worten des BUND-Landesgeschäftsführer, Michael Spielmann, "nichts anderes als Opfergaben an die Fernverkehrslobby". Auch vollmundige Erklärungen der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), daß erste Autobahnabschnitte jeweils dort in Angriff genommen würden, wo Ballungsgebiete besonders unter dem Verkehr leiden, könnten nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Anwohner bereits jetzt belasteter Durchgangsstraßen somit "bis zum St. Nimmerleinstag" mit Lärm, Abgasen und Gefährdungen leben müssen.

Nach Ansicht des BUND sind die Autobahnprojekte nicht nur "ökologisch unvertretbar und verkehrspolitisch absurd", sondern für das Land Thüringen auch wirtschafts- und strukturpolitisch verhängnisvoll: "Wer bereit ist, für einen Kilometer Autobahn im Thüringer Wald mehr als 27 Millionen DM auszugeben, investiert nicht etwa in die Zukunft Thüringens, sondern gießt ohne Rücksicht auf Regionalentwicklung und Arbeitsplätze vor Ort antiquierte Ideologien in Beton", so der Vorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck. In Zeiten, wo die Sparpolitik der öffentlichen Hand in praktisch alle sozialen Bereichen drastisch eingreife, sei die Vergeudung von Steuergeldern für derartige "Dinosaurier-Projekte" anstelle von intelligenten Mobilitätskonzepten ökologisch, sozial- und wirtschaftspolitisch in hohem Maße unverantwortlich, so der BUND Thüringen.

19. Oktober 1993

Kreisverband Eisenach: Presseerklärung zur Ortsumgehung Stedtfeld

Eisenach. Der BUND Kreisverband Eisenach übt harsche Kritik an der nach seiner Ansicht nicht ausreichend begründeten Planung der Ortsumgehung Stedtfeld.

Nach Einschätzung des BUND stellt der Bau der etwa 3 km langen Umgehungsstraße einen schwerwiegenden Eingriff in Natur und Landschaft dar, weil die Hörselaue mehrmals durchquert werden soll. Die Artenvielfalt der in der unteren Hörseltallandschaft noch vorhandenen Tier- und Pflanzengesellschaften würde irreparabel zerstört, wenn es zum Bau der Ortsumgehung käme. Der BUND Thüringen kritisiert vor allem, daß die vorhandene Flora und Fauna für die Straßenplaner offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Ein Frankfurter Planungsbüro hatte für das Planfeststellungsverfahren 5 verschiedene Varianten untersucht, darunter auch eine Nullvariante, von der jedoch - für den BUND völlig unverständlich - Abstand genommen wurde. Da das Planungsbüro in den Unterlagen selbst feststellt, daß die derzeitigen Verkehrsbelastungen "... noch keinen unmittelbaren Grund für den Bau einer Ortsumgehung" darstellen, ist aus Sicht des BUND auch die Notwendigkeit des Baus nicht gegeben.

Mit der vorliegenden Planung wird nach Ansicht des BUND eine starke Zunahme des motorisierten Individualverkehrs sowie des Schwerlastverkehrs im Stedtfelder Raum heraufbeschworen. Jede neue Straßenplanung verstärkt den unerwünschten motorisierten Individualverkehr und verschlechtert ein Stück mehr die wirtschaftliche Situation der Bahn gegenüber dem größten Luftschadstoffemittenten, dem Straßengüterverkehr. Zudem wird das Problem der zunehmenden Luftverschmutzung durch den Kfz-Verkehr weiter verschärft. Das Gebot der Zeit jedoch ist, den motorisierten Individualverkehr im Sinne einer Verringerung des Luftschadstoffausstoßes zurückzudrängen und Transportkapazitäten von der Straße auf die umweltfreundlichere Schiene zu verlagern.

Der BUND fordert die Straßenbauverwaltung Thüringen nachdrücklich auf, im Sinne einer notwendigen Wende in der Verkehrspolitik von der geplanten Ortsumgehung Stedtfeld Abstand zu nehmen.

13. Oktober 1993

Talsperre Leibis - BUND Thüringen fragt nach Legitimation für Planung

Eisenach. Verwundert zeigt sich der BUND Thüringen über Äußerungen des Geschäftsführers  des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen, Jürgen Gnauck zum Talsperrenprojekt Leibis. Presseberichten zufolge hatte Gnauck einen Ausstieg aus diesem Projekt mit dem Hinweis abgelehnt, daß Verträge ohnehin weiterlaufen würden. Nach Ansicht des BUND Thüringen stellt sich damit die Frage nach der Rechtmäßigkeit solcher Verträge, da der Bau der Talsperre noch nicht genehmigt ist.

In einer heute veröffentlichten Presseerklärung verlangt der BUND Thüringen Aufklärung darüber, welche Aufträge zum Bau der Trinkwassertalsperre Leibis bereits vergeben wurden und auf welcher rechtlichen Grundlage dies geschehen sei.

"Der Thüringer Umweltminister ist gefordert, Licht in diese Angelegenheit zu bringen, um den sonst entstehenden Eindruck auszuräumen, hier würde seitens des Landes ohne entsprechende Legitimation bereits vollendete Tatsachen geschaffen", so der Sprecher des Arbeitskreises Wasser des BUND Thüringen, Jens Krause.

Gleichzeitig sieht der BUND weiterhin dringenden Klärungsbedarf hinsichtlich der Trinkwasserbilanz des Landes Thüringen. Deren Offenlegung wurde von Umweltminister Sieckmann mit dem Hinweis abgelehnt, daß es gar keine solche Bilanz gebe. Demgegenüber heißt es jedoch im von seinem Haus herausgegebenen "Umweltbericht 1992", daß eine "Trinkwasserbilanz für das Land Thüringen bis zum Jahre 2025" erarbeitet worden sei und diese sogar eine "bedeutsame Unterlage" darstelle.

Erneut und mit Nachdruck fordert der BUND Thüringen den Minister auf, die - so Jens Krause - "Verzögerungstaktik in dieser Angelegenheit zu beenden" und stattdessen durch die Veröffentlichung der Trinkwasserbilanz eine "echte" Diskussion über den tatsächlichen Trinkwasserbedarf und die Planberechtigung für die Talsperre Leibis zuzulassen.

6. Oktober 1993

Vollzug nach oben gemeldet - im Lande Geheimniskrämerei

Eisenach. Der Arbeitskreis Wasser des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) fordert von Thüringens Umweltminister Hartmut Sieckmann (FDP) die Offenlegung der Thüringer Trinkwasserbilanz. Die Geheimniskrämerei um diese Bilanz offenbart einmal mehr, daß die Landesregierung immer mehr in Beweisnot für die Notwendigkeit zum Bau der gigantischen Trinkwassertalsperre Leibis im Thüringer Wald gerät. Eine Chance zur Förderung des Mittelstandes wird vertan.

Währenddessen dem BUND Thüringen im Gespräch mit dem Umweltministerium erst im August versichert wurde, eine bestätigte Bilanz für Thüringen liege noch nicht vor, hat Sieckmann in Bonn offenbar schon Vollzug gemeldet. Der vom Thüringer Umweltministerium vorgelegte "Jahresbericht der Wasserwirtschaft" für das Jahr 1992 bestätigte nämlich, daß die "Gesamttrinkwasserbilanz für Thüringen bis zum Jahr 2025" bereits erstellt wurde.

Die Trinkwasserbilanz für Thüringen ist wichtige Grundlage für die Einschätzung des künftigen Bedarfs an Trinkwasser in Thüringen. Bisher hatte es den Anschein, daß durch gigantische Talsperrenprojekte Überkapazitäten an Trinkwasser in Thüringen aufgebaut werden sollen. Wenn eine solch wichtige Bilanz nicht öffentlich zur Diskussion gestellt wird, vertieft sich der Eindruck, daß die Landesregierung in Sachen Trinkwasserbereitstellung mit gezinkten Karten spielen will. Immerhin liebäugeln CDU-Politiker Thüringens bereits mit Lieferungen des kostbaren Naß aus der zukünftigen Trinkwassertalsperre Leibis nach Bayern.

Der BUND Thüringen fordert die Thüringer Landesregierung auf, die Trinkwasserbilanz Thüringens zu veröffentlichen. Weiterhin fordert er, Alternativen zum beabsichtigten Bau der Trinkwassertalsperre Leibis zu entwickeln. Es kann nicht sein, daß etwa 30 Prozent des Thüringer Trinkwassers in defekten Rohrleitungen verloren geht. Statt von "Sonderwirtschaftszonen" zu schwafeln, müssen schnellstens Förderprogramme aufgelegt werden, die diese Verluste senken und "ganz nebenbei" auch noch zum Aufbau eines Mittelstandes in Thüringen beitragen.

1. Oktober 1993

"Raubbau an Natur und Landschaft" – BUND Thüringen warnt vor weiterem Gipsabbau im Landkreis Nordhausen

Eisenach. In einer heute veröffentlichten Presseerklärung bezeichnet der BUND Thüringen die Neueinrichtung eines Baugips-und Formengipswerkes in Ellrich/Südharz im Landkreis Nordhausen als "katastrophale Fehlentwicklung".

Das Unternehmen Heidelberg Zement beabsichtige die Inanspruchnahme von 4 erworbenen Abbaufeldern mit einer Gesamtgröße von 115 ha. Hier seien, so BUND-Geschäftsführer Michael Spielmann, ein einstweilig sichergestelltes Naturschutzgebiet betroffen. Ein weiteres Abbaugebiet sei nach den bauleitplanerischen Absichten der bereits im Übermaß vom Rohstoffabbau betroffenen Kommunen als Erholungswald ausgewiesen.

"Es ist ökologisch unverfroren, weiter auf den Abbau von Naturgips zu setzen, wenn der Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen weiterhin auf Halde liegt", so Spielmann. Immerhin habe auch der Präsident des Umweltbundesamtes bestätigt, daß angesichts der Menge, die an Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen anfällt, der Abbau von Naturgips eingestellt werden könnte.

Unter dem Vorwand des Arbeitplatzerhaltes, der auch ohne die kapazitive Erweiterung des Betriebes gesichert sei, würden behördliche Entscheidungsträger die Chance der Region für einen naturverträglichen Tourismus opfern. Ein nachhaltiges Wirtschaften im Blick auf zukünftige Generationen werde damit unmöglich gemacht.

Bei solchen Scheinkompromissen verkomme der Naturschutz im Landkreis Nordhausen zur Farce. Mit der Ansiedlung von Heidelberg Zement werde es zu einem verstärkten Kampf um Marktanteile kommen. Dieser lasse sowohl den zunehmenden Raubbau von Rohstoffen als auch Entlassungen von Arbeitskräften in gleichartig gelagerten Betrieben befürchten, so der BUND kritisch.

22. September 1993

Truppenübungsplätze für den Naturschutz

Eisenach. Mit großer Empörung reagiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) auf die in der Presse angelaufene Diskussion über die künftige Verwertung militärischer Liegenschaften, die dem Land Thüringen vom Bund zurückgegeben werden. Wieder einmal sieht es so aus, als sollten Aspekte des Naturschutzes völlig unberücksichtigt bleiben!

Thüringen will 143 militärische Liegenschaften (von der kleinen Kaserne bis hin zu den großen Übungsplätzen) der ehemaligen russischen Streitkräfte vom Bund übernehmen. Nach Ansicht von BUND-Sprecherin Gudrun Flachmann sei dies prinzipiell zu begrüßen, jedoch nicht das "völlig unkontrollierte Gerangel“ um die Folgenutzung der Gebiete. „Von Industriestandorten und Flugplätzen ist beispielsweise die Rede", so Gudrun Flachmann "vom Naturschutz spricht keiner mehr." Die außerordentlich große Bedeutung für den Naturschutz besonders der großflächigen militärischen Liegenschaften ist seit langem bekannt. Viele vom Aussterben bedrohte Tier-und Pflanzenarten haben hier letzte Rückzugsgebiete in der Zivilisationslandschaft gefunden. Dies liegt insbesondere an der extensiven Form der Bodennutzung in den vergangenen Jahrzehnten, der Größe der Gebiete und der relativen Ungestörtheit trotz Übungsbetrieb. Bedingt durch ihre Größe (zwischen 2000 und 5000 Hektar) und Naturausstattung ragen die Truppenübungsplätze "Ohrdruf", "Lossa" und "Künkel“ besonders heraus, aber auch kleinere Gebiete stellen "unverzichtbare Refugien für die Natur" dar.

Der BUND Thüringen fordert angesichts der drohenden Entwertung dieser Gebiete durch die unterschiedlichsten Nutzungsinteressen einen sofortigen Stopp von Planungen zur Erschließung und Nutzung ehemaliger Truppenübungsplätze!

Der BUND fordert weiter die Bildung regionaler Arbeitsgruppen unter Federführung der zuständigen Naturschutzbehörden und der Landesanstalt für Umwelt als zuständiger Fachbehörde zur Erarbeitung von "Konzepten der Zweckbestimmung ehemaliger Truppenübungsplätze". Für jedes Gebiet muß ein eigenes derartiges Konzept erarbeitet und in rechtsverbindlicher Form festgeschrieben werden.

Der BUND wertet die momentanen Bestrebungen zur Nutzung der militärischen Liegenschaften als "umweltpolitisches Armutszeugnis für Thüringen" und fordert die Landesregierung auf, zu dieser Thematik klar "Farbe zu bekennen".

15. September 1993

Amphibientod in Kläranlagen – BUND fordert rasche Abhilfe

Eisenach. Jährlich finden Tausende von Amphibien in Kläranlagen den Tod. Auf diese Tatsache weist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) in einer heute veröffentlichten Presseerklärung hin.

Frösche, Kröten und Molche geraten durch Entwässerungssysteme in Kläranlagen. Dort finden sie in der Belüftungsanlage, dem Faulturm oder in Pumpen den sicheren Tod. Dies ist umso bedauerlicher, als bereits eine Reihe von Amphibien auf der "Roten Liste" der vom Aussterben bedrohten Tierarten Thüringens stehen. Da in den neuen Bundesländern derzeit eine Vielzahl von Kläranlagen geplant und gebaut werden, sieht der BUND Thüringen gerade hier die Chance, diesem Problem einmal vorausschauend zu begegnen.

Der BUND Thüringen erwartet von den Betreibern der Abwasseranlagen deshalb, daß sogenannte Amphibienabscheider eingebaut werden. Diese seien kostengünstig und mit geringem Zeitaufwand handhabbar. Amphibienabscheider sind Ausstiegshilfen aus Drahtgeflecht, über die Amphibien Abwasseranlagen einfach verlassen können. Auf diese Weise können sehr leicht Zehntausende von Amphibien gerettet werden. Der BUND Thüringen hat den Thüringer Umweltminister in einem Brief aufgefordert, den Schutz der Amphibien in Kläranlagen sicherzustellen.

2. September 1993

BUND Thüringen zum Schulanfang: Umweltschutz von Anfang an

Eisenach. Der BUND Thüringen möchte Eltern und Schulanfänger zum Mitmachen bei der Aktion "Umweltfreundliche Schulmaterialien" anregen. In einer heute veröffentlichten Presseerklärung macht der BUND Thüringen deshalb auf die Gefahren durch umweltfeindliche, meist aus Kunststoffen gefertigte, Schulmaterialien aufmerksam.

"Es ist geradezu unverantwortlich, mit welchem Erfindungsreichtum die Hersteller von Schulmaterialien bestrebt sind, bereits die Jüngsten unserer Gesellschaft an den Gebrauch von bunten Wegwerfprodukten zu gewöhnen", so Gesine Pfeffer, Arbeitskreis Umwelterziehung des BUND Thüringen. "Überdies geht von diesen Produkten häufig eine latente Gefahr für die Gesundheit aus, denn jedes Kind kaut zeitweise an Stiften oder inhalieren z.B. die Ausdünstungen eines Klebers", so Pfeffer weiter.

Aus diesem Grund und als Beitrag zum Schutz von Natur und Umwelt appelliert der BUND Thüringen an die Eltern, folgende Hinweise bei Neukauf von Schulartikeln zu beachten:

Die umweltgerechte Schultasche sollte aus ökologischer Sicht aus Leder oder Stoff gefertigt sein. Lediglich bei jüngeren Schülern kann sie aus Nylon mit Kunststoff-Innenteil bestehen, da diese orthopädisch für Kinder dieser Altersgruppe konzipiert sind. Die langlebige Stoff- oder Leder-Federmappe ist gefüllt mit unlackierten Bunt- und Bleistiften, Wachsstiften aus Bienenwachs statt Filzstiften, einem Kolbenfüller, um auf Patronen verzichten zu können und natürlichen Radiergummis aus Kautschuk statt aus PVC. Weiterhin enthält der umweltfreundliche Schulranzen: Lineale aus stabilem Holz mit Metalleiste, Umschläge aus Papier statt aus Plastik und Hefte bzw. Schnellhefter aus Recycling- oder Umweltschutzpapier.

Der BUND Thüringen hält es für notwendig mit der Umwelterziehung bei den Jüngsten zu beginnen. So könne über ökologisches Schulmaterial Umweltschutz im ganzheitlichen Sinne greifbar und erlebbar werden.

1. September 1993

Ausweitung der Schalenwildjagd aus Sicht des Naturschutzes notwendig - BUND Thüringen stellt "jagdpolitisches Diskussionspapier" vor

"Vor dem Hintergrund einer nach wie vor zu hohen Schalenwilddichte ist die Jagd aus Sicht des Naturschutzes auch weiterhin unverzichtbar!" So heißt es in dem heute veröffentlichten "Jagdpolitischen Diskussionspapier", in welchem sich der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland grundsätzlich mit der Bedeutung, der Zielstellung und mit den Mängeln der Jagdausübung in Thüringen befaßt.

Auch zwei Jahre nach Einführung der neuen jagdlichen Organisationsformen in Thüringen und trotz der kürzlich vom Ministerium für Landwirtschaft und Forsten verkündeten positiven Abschußbilanz könne in Sachen Schalenwilddichte noch lange keine Entwarnung gegeben werden. Die im Jagdjahr 1992/93 erzielten Ergebnisse bei der Rot- und Rehwildreduzierung seien nur ein erster Schritt in die richtige Richtung, welcher konsequent weiterverfolgt werden müsse.

 

Unter Anspielung auf die vom Landwirtschaftsminister Sklenar vorgeschlagenen Wildbestandszielgrößen fordert der BUND Thüringen, daß nicht vorschnell Eckdaten fixiert werden sollten. Die Intensität der Bejagung sollte sich nach Ansicht des Umweltverbandes vielmehr immer am Vegetationsbestand orientieren.

 

"Besonders gravierend wirken sich die Wildschäden im Kleinprivatwald aus. Die wirtschaftlichen Verluste sind hier stellenweise trotz großzügiger staatlicher Zuwendungen kaum noch ausgleichbar", so Frank Henkel, Landesvorstandmitglied des BUND Thüringen.

 

Weiterhin müsse die Kontrollpflicht der Unteren Jagdbehörden bei den Landratsämtern stärker als bisher wahrgenommen werden. Verstöße gegen rechtliche Bestimmungen des Naturschutzes seien im Rahmen des Jagdbetriebes in letzter Zeit immer öfter zu registrieren. Dies betreffe vor allem die Anlage von Wildäckern auf gesetzliche geschützten Flächen wie Feuchtwiesen und Trockenrasen sowie die Anfütterungen ("Kirrungen"), die nicht selten zu regelrechten Abfallbergen ausuferten. Hier sei eine stärkere Überwachung dringend vonnöten.

26. August 1993

BUND Thüringen warnt vor dubiosen "Müll-Wächtern"

Eisenach. Vor Aktivitäten der Pseudo-Umweltorganisation Waste Watchers warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen).

Seit ihrer Gründung 1992 diffamiere Waste Watchers die seriösen Umweltverbände und mache mehr als fragwürdige Aussagen zum Thema Umweltschutz, heißt es in einer heute veröffentlichten Presseerklärung des BUND Thüringen. So rufe Waste Watchers zum Boykott von Glasflaschen auf und lasse den Eindruck entstehen, die Müllverbrennung sei eine "Entsorgungsmethode", bei der angeblich keinerlei Schäden für zukünftiges Leben entstehe.

"Ein solches Handeln liegt offensichtlich nicht im Interesse der Umwelt, sondern unterstützt einzig und allein die Verpackungsindustrie", so Michael Spielmann, Geschäftsführer des BUND Thüringen.

Der Eindruck, daß es sich bei den "Waste Watchers" um eine Tarnorganisation der Verpackungslobby handele, werde durch die Tatsache verstärkt, daß unter den Gründungsmitgliedern und in der Führungsebene direkte Verbindungen zum "Verpackungslöwen" Tetra Pak bestünden. Zudem habe dieser Verein im Jahr 1992 über enorme finanzielle Mittel verfügt, die unmöglich allein von den Mitgliedern aufgebracht worden sein könnten.

"Vor diesem Hintergrund ist es geradezu dreist, wenn sich die von der übermächtigen Verpackungsindustrie gesponserten Waste Watchers als Reaktion auf die Enthüllungen des BUND nunmehr das Image eines `David' im Kampf gegen den `Goliath BUND' verschaffen wollte", so Spielmann abschließend.

18. August 1993

BUND Thüringen: Durchgängiger Ausbau der A 4 abenteuerlich und unsozial

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e. V., (BUND Thüringen) lehnt den durchgängig sechsspurigen Ausbau der A 4 ab. Im Bereich der Hörselberge bei Eisenach und des Leutratales bei Jena sei ein Ausbau ökologisch unverantwortlich. Die diskutierten Varianten – beim Hörselberg die nördliche sechsspurige Neutrassierung und beim Leutratal die insbesondere vom Thüringer Wirtschaftsministerium favorisierte Untertunnelung seien hinsichtlich ihrer ökologischen Folgen unausgegorenen.

"Wer etwa eine Untertunnelung des Leutratales fordert, der muß auch die hydrologischen und geologischen Konsequenzen bedenken, sowie klarstellen, wo die riesigen Mengen Abraum deponiert werden sollen", so Michael Spielmann, Geschäftsführer und verkehrspolitischer Sprecher des BUND Thüringen, "hier soll der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden."

"Diese mit heißer Nadel zusammengestrickten Scheinlösungen sind Manöver, die von der eigentlichen Diskussion um die verkehrspolitisch und ökologisch gebotene Alternative ablenken: nämlich die Nullösung", so Spielmann weiter. Der BUND Thüringen kritisiert die Mutlosigkeit, auf Varianten aufzuspringen, anstatt offen eine Nullösung zu diskutieren.

Nach Meinung des BUND Thüringen bestehe durchaus die Möglichkeit, die Verkehrsströme in diesen Bereichen durch Tempolimits und andere verkehrslenkende Maßnahmen hindurch zu schleusen. In Zeiten leerer öffentlicher Kassen und massiven Sozialabbaus seien derartige milliardenschwere Projekte abenteuerlich und unsozial.

13. August 1993

Ungenehmigter Straßenbau - BUND Thüringen kritisiert Provinzfürstenmentalität

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat den Rückbau einer illegalen Straßenbaumaßnahme im Landkreis Eisenach gefordert. In einem Schreiben an den Innenminister des Landes Thüringen hat der BUND Thüringen den Minister aufgefordert, diesen Rückbau anzuordnen, da sonst die Rechtspflege im Lande gefährdet sei.

Im Zusammenhang mit einem internationalen Tennisturnier war Anfang Juli d.J. ein unbefestigter Waldweg in dem Naherholungsgebiet Johannistal unweit Eisenachs asphaltiert worden, ohne daß hierfür eine Genehmigung vorgelegen hätte. Die Baumaßnahme greift nach Angaben des BUND in erheblichem Maße in das an gleicher Stelle befindliche Feuchtgebiet ein. Zudem sei damit das für Eisenach einmalige Naherholungsgebiet dem Verkehr preisgegeben.

"Skandalös ist", so Ralf-Uwe Beck, der Landesvorsitzende des BUND Thüringen, "daß die kommunalen Behörden die Asphaltierung nicht einfach nur geduldet haben, sondern selbst für die Auftragserteilung verantwortlich sind". Der BUND sieht sich in fataler Weise an die Provinzfürstenmentalität vergangener Zeiten erinnert. "Würde", so der BUND in dem Schreiben an den Innenminister, "diese Vorgehensweise nicht geahndet werden, würde damit der Rechtspflege im Lande Thüringen schwerer Schaden zugefügt".

26. Mai 1993

Thüringer Friedhöfe sind zu entdecken

Mit einem achtseitigen bebilderten Faltblatt will der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) in Zusammenarbeit mit der Evang.-Luth. Kirche in Thüringen auf die einzigartige Bedeutung der Thüringer Friedhöfe für den Naturschutz und die Denkmalpflege hinweisen.

 

In den Landschaften Thüringens sei die enge Verbindung von Denkmalschutz und Naturschutz nirgends so intensiv nachzuvollziehen wie auf den Dorfkirchhöfen und den historischen Friedhöfen. "Die Stimmungen unserer Kirch- und Friedhöfe, die andernorts längst verlorengegangen sind, sind zu entdecken.", so Dieter Holzapfel, Autor des Faltblattes und selbst Friedhofsgärtner. "Inmitten unserer nicht nur für den Menschen lebensunfreundlichen Städte und den ausgeräumten Landschaften gilt es, die Friedhöfe als innerstädtische und innerdörfliche Ruhezonen für die Menschen, aber auch selten gewordene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten."

 

Der BUND Thüringen fordert auf, diese Refugien nicht übertriebenem Ordnungssinn zu opfern. "Der Friedhof im Dorf sollte auch ein dörflicher Friedhof sein, der dörfliche Friedhof nicht durch unangepaßte kleinstädtische Gestaltung gestört werden.", so Ralf-Uwe Beck, Pfarrer und Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

 

Mit der Aktion will der BUND Thüringen dafür werben, die historischen Kirch- und Friedhöfe unter Denkmalschutz zu stellen. Das Faltblatt sei aber nicht nur für die Betreiber der Friedhöfe lesenswert, sondern ebenso für diejenigen, für die der wöchentliche Weg zum Friedhof ein gewohnter Gang ist.

Das Faltblatt bietet eine Stichwort-Zusammenfassung mit sehr konkreten Handlungsanleitungen, die unter die Überschriften Denkmalschutz, Naturschutz, Verkehrssicherungspflicht und Friedhofssatzung geordnet sind.

17. Mai 1993

Seit drei Jahren BUND-Landesverband in Thüringen


Eisenach. Am 18. Mai 1993 jährt sich das dreijährige Bestehen des Landesverbandes Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND Thüringen). Die Arbeit des BUND sei wichtiger denn je, heißt es in einer zu diesem Anlaß herausgegebenen Presseerklärung.

"Die Wirtschaft betreibt ihre Projekte dynamisch, ja hektisch, dabei tut sie so, als sei sie asthmatisch und pfeife auf dem letzten Loch. Bei der Gefahrenabwehr jedoch folgt sie dem Gesetz der Langsamkeit", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Noch immer werde die Natur betrachtet, als stünde sie im Wege, als müßte sie für den wirtschaftlichen Aufschwung beiseite geräumt und zubetoniert werden, kritisiert der BUND. Die Natur als für die Zukunft unverzichtbar zu begreifen und ihr ein eigenes Recht zuzugestehen, entspräche einem langfristigen und tatsächlich volkswirtschaftlichen Denken; dieses aber lassen Politik und Wirtschaft vermissen. So fordert der BUND, in wirtschaftliche Aufrechnungen nicht nur die Abschreibung des technischen Gerätes, sondern auch die Abschreibung belasteter und zerstörter Naturressourcen aufzunehmen, um endlich ehrliche Rechnungen zu haben. Dem Ausverkauf der Natur Thüringens zu wehren, sieht sich der BUND verpflichtet. "Mit uns sind die drohenden Zerstörungsprojekte wie die Thüringer Wald-Autobahn, das Pumpspeicherwerk Goldisthal, der Gipsabbau im Südharz und die dort geplante Autobahn, die Talsperre Leibis, die ICE-Strecke durch den Thüringer Wald nicht zu machen", so Beck weiter.

Der BUND Thüringen resümiert seine Arbeit der letzten drei Jahre als durchaus erfolgreich. Die ca. 35 Orts-und Kreisverbände mit insgesamt fast 700 Mitgliedern leisten in den Regionen eine kritische, aber auch konstruktive Arbeit, die von einem außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagement getragen werde. Der Mitgliederzuwachs sei zwar steigend und ermutigend, könne aber angesichts der anstehenden Aufgaben nicht zufriedenstellen. "In einer Zeit, in der es der Natur derart an den Kragen geht, kommt es auf jede und jeden an. Niemand ist uns verzichtbar. Alle, die sich für die Erhaltung der Thüringer Landschaften einsetzen wollen, sind uns willkommen und können die Arbeit unterstützen.", so Gudrun Flachmann, Fachreferentin des BUND Thüringen.

Es gelte der Resignation zu widersprechen. Hoffnungsvoll stimmt es den BUND Thüringen, daß eine Vielzahl von für die Natur verhängnisvollen Projekten verhindert oder minimiert werden konnte und daß die kritische Stimme des Verbandes gehört und mehr und mehr auch nach ihr gefragt wird.

13. Mai 1993

BUND Thüringen protestiert: Kein Golfplatz in Ebenheim!

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), lehnt die Errichtung eines Golfplatzes mit einem 60-Betten-Hotel in der Gemeinde Ebenheim, Haina im Landkreis Gotha entschieden ab. In einer Stellungnahme vom 13. Mai 1993  protestiert der BUND gegen das geplante Großprojekt und bezeichnet solcherart überdimensionierte Planungen als eine zukünftig gewinnversprechende Flächensicherungspolitik.

Auf Grund rechtlicher Auflagen und örtlicher Widerstände in den alten Bundesländern gegen solche Großprojekte würden die Unternehmen zunehmend in den Osten Deutschlands ausweichen und damit wirtschaftlichen Aufschwung verheißen, so der BUND. Die Gemeinden hätten jedoch kaum finanzielle Einnahmen, da Golfclubs von Steuern befreite gemeinnützige Vereine darstellen. Eine Fremdenverkehrsaufwertung könne durch die Errichtung eines Golfplatzes kaum erreicht werden, da Golf keine Volkssportart darstelle. Dem ständen übliche Aufnahmegebühren in Höhe von 10.000 DM bis 35.000 DM, durchschnittliche jährliche Mitgliedsbeiträge von 1.000 DM, die Kosten einer Trainingsstunde von 50 DM bis 70 DM sowie die geringe Anzahl von etwa fünf Golfinteressierten pro 1.000 Einwohner entgegen.

Die nur wenigen Arbeitsplätze (4 - 6 Angestellte für die unmittelbaren Golfplatz-belange (!) und 12 - 15 Angestellte im Hotel) auf einem Golfplatz stehen nach Ansicht des BUND in keinem Verhältnis zu solch hohem Flächenverbrauch (hier: ca. 80 ha). Außerdem befürchten die Umweltschützer, daß durch ein solches Großprojekt die Entwicklung eines eigenen touristischen Profils der Gemeinden unterbunden wird und die angrenzenden Ortschaften lediglich eine Kulissenfunktion erhalten.

Der BUND vertritt die Auffassung, Landschaft vor wesensfremden Nutzungen zu schützen. Da der Charakter der Kulturlandschaft historisch durch die Land- und Forstwirtschaft geprägt sei, könnten Golfplätze in einer derartigen Kulturlandschaft nur als "wesensfremd" eingestuft werden.

Einen weiteren negativen Aspekt stelle die großflächige Bodenversiegelung dar. Zu den Gebäudeflächen komme noch eine Versiegelung durch befestigte Straßen und Wege hinzu. Außerdem würden die intensiv genutzten Bereiche der Anlage keinerlei Lebensräume für Tierarten bieten. Auch extensiv genutzte Randbereiche hätten durch die ständige Störung und Lärmbelastung nur geringe Bedeutung als Rückzugsgebiete für Tiere.

12. Mai 1993

Zentralisierung im thüringischen Schlachtgewerbe? Der BUND Thüringen warnt vor den Auswirkungen der EG-Frischfleischrichtlinie

Eisenach. "Einschneidende Veränderungen zugunsten der Großschlachtunternehmen in Thüringen" befürchtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen). Viele kleine Schlachtbetriebe wer-den schließen müssen, da sie die verschärften Hygieneanforderungen der EG-Frischfleischrichtlinie nicht erfüllen können und die Investitionen für eine Sanierung für sie nicht tragbar sind.

 

Der BUND Thüringen fordert den Landwirtschaftsminister auf, eine Bundesratsinitiative zu lancieren, mit dem Ziel, die Frischfleischrichtlinie zu Gunsten kleiner Schlachthöfe zu korrigieren. Wenn dies nicht durchsetzbar ist, solle die Bundes-regierung unter Berufung auf das Subsidiaritätsprinzip der Maastricher Verträge die Einmischung der EG in nationales Fleischhygienerecht zurückweisen.

 

"In der Begründung der EG-Frischfleischrichtlinie", so Gudrun Flachmann, Mitarbeiterin des BUND Thüringen, "geht es nicht etwa um die Verbesserung der Hygiene im Interesse der Verbraucher, sondern ausdrücklich um die Rationalisierung des Schlachtviehsektors." Folgeerscheinung werde eine räumliche Konzentration und gleichzeitig eine Konzentration auf wenige Großschlachtunter-nehmen sein. Dies führe zu längeren Transportwegen, zu einer Erschwerung der qualitäts- und herkunftsbezogenen Erzeugung und verschlechtere die Marktposition der Landwirte. Außerdem, so der BUND Thüringen weiter, würden durch diese Entwicklung Arbeitsplätze abgebaut und soziale Strukturen zerstört.

1. Mai 1993

BUND-Aktion gegen Starkstromtrasse Mecklar-Vieselbach – BUND Thüringen kämpft weiter für die Energiewende

Eisenach. Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND Thüringen) hat am Wochenende mit einem Großtransparent an seinen lange Zeit aufrechterhaltenen Widerstand gegen die Starkstromtrasse von Mecklar nach Vieselbach angeknüpft. Mit dem in großer Höhe an einem Mast der Trasse aufgehängten Spruchband "Konzernprofit - Umwelt kaputt - Energiewende verpaßt" resümiert der BUND Thüringen die Auswirkungen der Stromtrasse.

Mit jedem weiteren Masten, so der BUND Thüringen in einer zu der Aktion herausgegebenen Presseerklärung, würden die mit dem Vorhaben der Trasse verknüpften Befürchtungen bestätigt: "Unsere Landschaft wird brutal zerschnitten, Anwohner und Erholungssuchende werden durch Elektrosmog Gesundheitsgefahren ausgesetzt. Zudem wird durch die Stromversorgung aus Großkraftwerken eine Energiewirtschaft betoniert, die die Klimakatastrophe forciert", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. "Die Trasse", so Beck weiter, "ist von einer anachronistischen Häßlichkeit, die ihresgleichen sucht."

Noch immer sieht der BUND Thüringen den energiewirtschaftlichen Bedarf der Trasse nicht nachgewiesen. Die von den Stromkonzernen in Aussicht gestellte landschaftsangepaßte Trasse sei denen, die in dieser Landschaft zu Hause sind, nichts als Hohn.

Demgegenüber favorisiert der BUND Thüringen eine dezentrale Energieversorgung. Es gelte, den Strom dort zu produzieren, wo er gebraucht würde, und zwar in Kraft-Wärme-Kopplung, bei der gleichzeitig die Abwärme genutzt wird. Blockheizkraftwerke arbeiteten mit einem Wirkungsgrad bis zu 90%, wogegen zentrale Kraftwerke nur einen Wirkungsgrad bis zu 35% aufzuweisen hätten. Die dezentrale Energieversorgung sei umwelt- und sozialverträglich; hier könnten ganze Industriezweige entstehen und damit Arbeitsplätze geschaffen werden.

21. April 1993

Aktion: „Korken für Kork“ – BUND Thüringen ruft auf zum Korkensammeln: Für den Müll zu schade!

Eisenach. "Kork-Recycling vermindert den drohenden Raubbau an der Korkeiche", so der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e. V. Das Nachwachsen der Korkrinde dauere ca. 10 Jahre, und ein neugepflanzter Baum dürfe frühestens nach 25 Jahren am Stamm geschält werden. Der derzeitige Kork-Boom im Wärmedämmstoffmarkt führe so zur Übernutzung und damit zur Gefährdung der Korkeichenbestände in den Mittelmeerländern.

Der BUND Thüringen ruft auf, Sammelstellen für Alt-Korken einzurichten, z.B. im Weinhandel, in Stadt-bzw. Gemeindeverwaltungen oder auch bei Vereinen, Kirchengemeinden, oder in Schulen, Kindergärten, Naturkostläden. Informationen dazu, z.B. auf welchem Weg der gesammelte Kork abtransportiert wird, könne man von Herrn Thilo Schäfer beim Büro für Umweltberatung, erhalten. Tips für SammlerInnen: Verwertbarer Altkork muß getrennt gesammelt werden, da er aus gemischten Abfällen nicht sauber herausgeholt werden kann, und es dürfen keine Kunststoff- und Metallteile in die Sammlung geraten.

Das aus den Altkorken gewonnenen Korkschrot ergebe als lose Schüttung eine ideale Wärme- und Schalldämmung, so der BUND. Es ersetze als natürlicher Hartschaum somit FCKW-geschäumte Produkte und sei ein langlebiger und natürlicher Dämmstoff. Als Recyclingprodukt entlaste es außerdem den Müllberg. Die rund 1,2 Milliarden Korken, die in der Bundesrepublik jährlich gezogen werden, wandern bisher in den Müll. Würden auch nur die Hälfte aller Altkorken gesammelt, so könnten damit alljährlich Hunderte von Häusern einen Wärmeschutz aus Kork erhalten.

"Die Korkensammlung ist aber nicht nur eine wichtige Umwelt-und Naturschutzaufgabe", argumentiert Gudrun Flachmann, Mitarbeiter in des BUND Thüringen, "sondern auch von sozialer Bedeutung. 'Korken für Kork' steht zugleich für die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen für behinderte Menschen." Das Sammelgut werde in der Werkstatt für Behinderte des Epilepsiezentrums Kehl-Kork nachkontrolliert und zu dem marktfähigen Dämmstoffgranulat RecyKork verarbeitet.

Wenn auch für weitere Werkstätten ausreichende Mengen an Korken eingesammelt würden, könnten z.B. auch in Thüringen Arbeitsplätze geschaffen werden . Der Transport der Altkorken kann dann durch kürzere Entfernungen umweltfreundlicher gestaltet werden, so der BUND Thüringen.

1. April 1993

Landschaftszerstörender Freizeitspaß - BUND Thüringen kritisiert den geplanten Bau des Freizeitparks "Ostthüringer Heide"

Als "großflächige Zerstörung der natürlichen Ressourcen" kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. den geplanten Bau des Freizeitparks "Ostthüringer Heide". Dort, wo sich heute jeder in der freien und intakten Natur gratis erholen kann, werden bald 1400 Parkplätze, versiegelte und "geordnete" Landschaft sein. "Jeden Tag wird sich ein Autostrom mit jetzt schon absehbaren Folgen, wie Lärm und Luftverschmutzung, durch die Landschaft und die Gemeinden wälzen", so Gudrun Flachmann, Mitarbeiterin des BUND Thüringen. "Und für den noch fraglichen Erholungswert des Freizeitparks ist dann Eintritt von 17,- DM zu zahlen."

 

Der BUND appelliert an die Bürgerinnen und Bürger der umliegenden Gemeinden, nicht für kurzfristige wirtschaftliche Interessen und Arbeitsplätze, die in keinem Verhältnis zum Flächenverbrauch von über 160 ha stehen, den Erholungswert und die Ursprünglichkeit dieser landschaftlich intakten Umgebung zu opfern. "Arbeitsplätze" so Gudrun Flachmann, "können auch mit einem Konzept des sanften, d.h. umwelt- und sozialverträglichen Tourismus geschaffen werden."

 

Der BUND Thüringen befürchtet, daß durch dieses Großprojekt die Entwicklung eines eigenen touristischen Profils der Gemeinden unterbunden würde und die angrenzenden Gemeinden lediglich eine Kulissenfunktion erhielten.

 

In Freizeitgroßprojekten, so der BUND Thüringen, sehen die Investoren derzeit die größten Profitmöglichkeiten. Und wenn in den alten Bundesländern wegen rechtlicher Auflagen und örtlichen Widerständen zu große Realisierungsprobleme bestehen, so versuchten die Investoren ihr Glück im "Wilden Osten".

 

In seiner Stellungnahme zum derzeit laufenden Raumordnungsverfahren fordert der BUND Thüringen eine Ablehnung dieses Projektes und hofft auf die Vernunft der Verantwortlichen.

15. März 1993

BUND protestiert gegen Großprojekte im Thüringer Wald: Talsperre Leibis und Pumpspeicherwerk Goldisthal im Kreuzfeuer

Eisenach. Fast 200 Bürgerinnen und Bürger nahmen an einer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e. V. (BUND Thüringen) organisierten Informationsveranstaltung zu den geplanten Großprojekten "Trinkwassertalsperre Leibis" und "Pumpspeicherwerk Goldisthal" teil. Die Veranstaltung fand am Freitag, dem 12.03.93 in Oberweißbach, im von den beiden Projekten betroffenen Landkreis Neuhaus am Rennweg, statt.

Nach Aussagen des BUND sei diese Informationsveranstaltung dringend notwendig geworden, um endlich einmal die Gegenargumente einer sich abzeichnenden gigantischen Fehlentwicklung auf den Gebieten der Energie-und Wasserwirtschaft auf den Tisch zu legen. die den Thüringer Wald immer mehr zu einer Großbaustelle verkommen lasse. Bereits am Nachmittag hatten Mitglieder des BUND-Landesverbandes mit einem 30 Meter langen Großtransparent mit dem Schriftzug "Die Erde weint" im betroffenen Schwarzatal gegen die immense Naturzerstörung protestiert, wo bereits große Waldflächen abgeholzt wurden.

Ludwig Trautmann-Popp, Energiereferent des BUND Landesverbandes Bayern, entlarvte Pumpspeicherwerke als "Speicherzentralen" für überschüssigen Strom aus fernab gelegenen Atom-und Kohlekraftwerken. Um das Wasser aus dem Schwarzatal in das Oberbecken auf dem Farmdenkopf, die höchste Erhebung im Thüringer Schiefergebirge, zu pumpen. würde eine riesige Energiemenge benötigt, die aber nur zu ca. 75 % zurückgewonnen werden könne. 25 % der ursprünglich eingesetzten Energie gehe anlagebedingt verloren. Ein Pumpspeicherwerk habe so lediglich die Aufgabe, Verbrauchsschwankungen,  auf die sich zum Beispiel ein Atomkraftwerk nicht einstellen könne, abzupuffern, bzw. die Leistung für einen plötzlich ausfallenden Kraftwerksblock in Minutenschnelle bereitzustellen.

Mit den Worten "Wir benötigen ein verbrauchernahes, in sich stabiles Stromnetz ohne den Zwang, riesige Reserven halten zu müssen", brachte Trautmann-Popp seine Ausführungen auf den Punkt. Daraufhin bezichtigten anwesende Vertreter der VEAG (Vereinigte Energiewerke AG, Berlin) den Referenten in arroganter Manier der Inkompetenz.

Ein Statement des Goldisthaler Bürgermeisters erweckte bei den Veranstaltern den Eindruck. daß die VEAG als Projektträger in seiner Person einen treuen Bündnispartner habe, welcher schon glaube, daß ohne das Pumpspeicherwerk in seiner Amtsstube bald das Licht ausgehe.

Sebastian Schönauer, zweiter Vorsitzender des BUND-Landesverbandes Bayern, berichtete anschIießend über seine im Spessart in 20 Jahren gewonnenen Erfahrungen im Kampf um die Errichtung dezentraler kommunaler Wasserversorgungsstrukturen. Talsperren brächten, so Schönauer auf Leibis anspielend, angesichts zunehmender Luftverschmutzung und der daraus resultierenden Schadstoffanreicherung und Versauerung des Wassers, erhebliche Nachfolgeprobleme. Investitionen ohne Ende, die letztlich auf den Verbraucher zurückschlagen, seien die Folge. Von stabilen einheitlichen Wasserpreisen könne keine Rede sein.

Die Fernwasserversorgung aus Talsperren führe zwangsläufig zur Auflassung kommunaler Versorgungsanlagen. Die Souveränität vieler Gemeinden gehe genauso verloren wie deren Verantwortungsgefühl gegenüber den eigenen Lebensquellen, gab Schönauer abschließend zu bedenken.

9. März 1993

BUND Thüringen protestiert: Kein Golfplatz in Köthnitz

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), lehnt die Errichtung eines Golfplatzes mit BUG-Hotel in Köthnitz, Gemeinde Linda im Landkreis Pößneck, entschieden ab. In einer Stellungnahme vom 15. März 1993 protestiert der BUND gegen das geplante Großprojekt und bezeichnet solcherart überdimensionierte Planungen als in Zukunft gewinnversprechende Flächensicherungspolitik.

Auf Grund rechtlicher Auflagen und örtlicher Widerstände in den alten Bundesländern gegen solche Großprojekte würden die Unternehmen zunehmend in den Osten Deutschlands ausweichen und damit wirtschaftlichen Aufschwung verheißen, so der BUND. Die Gemeinden hätten jedoch nur minimale finanzielle Einnahmen, da Golfclubs von Steuern befreite gemeinnützige Vereine darstellen. Eine Fremdenverkehrsaufwertung könne durch die Errichtung eines Golfplatzes kaum erreicht werden. Dem ständen übliche Aufnahmegebühren in Höhe von 10.000 DM bis 35.000 DM, durchschnittliche jährliche Mitgliedsbeiträge von 1.000 DM, die Kosten einer Trainingsstunde von 50 DM bis 70 DM sowie die geringe Anzahl von etwa fünf Golfinteressierten pro 1.000 Einwohner entgegen. Zudem bestehe keine Zugänglichkeit für die erholungssuchende Allgemeinheit.

Lediglich 5 Arbeitsplätze auf dem Golfplatz stehen nach Ansicht des BUND in keinem Verhältnis zu solch hohem Flächenverbrauch. Außerdem befürchten die Umweltschützer, daß durch ein solches Großprojekt die Entwicklung eines eigenen touristischen Profils der Gemeinden unterbunden wird und die angrenzenden Ortschaften lediglich eine Kulissenfunktion erhalten.

Der BUND vertritt die Auffassung, Landschaft vor wesensfremden Nutzungen zu schützen. Da der Charakter der Kulturlandschaft historisch durch die Land-und Forstwirtschaft geprägt sei, könnten Golfplätze in einer derartigen Kulturlandschaft nur als "wesensfremd" eingestuft werden.
Einen weiteren negativen Aspekt stelle die großflächige Bodenversiegelung dar.

Zu den Gebäudeflächen komme noch eine Versiegelung durch befestigte Straßen und Wege hinzu. Außerdem würden die intensiv genutzten Bereiche der Anlage keinerlei Lebensräume für Tierarten bieten. Auch extensiv genutzte Randbereiche hätten durch die ständige Störung und Lärmbelastung nur geringe Bedeutung als Rückzugsgebiete für Tiere.

8. März 1993

Wird das Saaletal bei Dorndorf/Steudnitz abgebaut? BUND protestiert


Eisenach. Gegen den Raubbau von Bodenschätzen in Thüringen protestiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Thüringen.

Bei Dorndorf/Steudnitz im Saaletal sollen 500 000 t Kalkstein jährlich gebrochen und im nahegelegenen Zementwerk verarbeitet werden. Dies entspreche einer Fläche von fast 10 ha und sei nur einer von vielen Steinbruchaufschlüssen in der Region. Wie der BUND in einer Presseerklärung mitteilt, werde sich die Landschaft im Saaletal entscheidend verändern, wenn ein ganzer Bergrücken abgebaggert wird. Außerdem warnt der Umweltverband vor der drohenden Staubentwicklung. "Sprengungen und Transportarbeiten werden zu einer drastischen Verschlechterung der lufthygienischen Werte führen", konstatiert Dieter Holzapfel vom BUND in Jena.

Betroffen seien aber nicht nur die hier wohnenden Menschen, sondern auch Flora und Fauna im Landschaftsschutzgebiet Mittleres Saaletal und im Tautenburger Forst. Der BUND befürchtet, daß Buchen absterben und seltene Pflanzenarten unwiederbringlich verschwinden.

"Den Betreibern des Kalksteinbruches werden keine Grenzen gesetzt" kritisiert Gudrun Flachmann, Mitarbeiterin des BUND. "Ursache für die katastrophalen Einschnitte in die Thüringer Landschaft ist das noch geltende DDR-Bergrecht, das im Einigungsvertrag festgeschrieben ist." Interessen und Belange des Umwelt-und Naturschutzes und der betroffenen Gemeinden würden einfach unter den Tisch fallen.

Holzapfel zu dem Steinbruch in Dorndorf: " Es geht nicht an, daß einer Industrialisierung mit nicht absehbaren ökologischen Folgen dauerhafte Lebensqualität geopfert wird, und daß den hier lebenden Bürgern nichts anderes bleibt als durchwühlte Landschaft, Lärm und Dreck, an dem andere verdienen."

Der BUND kritisiert die vorgesehene Rekultivierung als bloße Makulatur. Anträge zur Nachnutzung des Bruches in Dorndorf/Steudnitz als Industriefläche seien von den Betreibern bereits gestellt worden. Der BUND fordert eine drastische Reduzierung des Abbauvolumens im Saaletal.

2. März 1993

BUND gegen Rohstoffabbau im Südharz

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e. V. (BUND Thüringen), hat sich in einem an den Thüringer Umweltminister Sieckmann gerichteten Appell gegen den rücksichtslosen Rohstoffabbau im Südharz ausgesprochen. Während sich Ingenieurbüros bereits mit den Planungen zur Ausweisung des Biosphärenreservates "Südharz/Kyffhäuser" beschäftigen, werde die Zechsteinlandschaft durch den Gips-und Anhydritabbau ernsthaft bedroht.

Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Berggesetzgebung in den neuen und alten Bundesländern seien rohstoffgewinnende Unternehmen angetreten, eine ungebremste Ausbeutung der Mineralien im obertägigen Bereich vorzunehmen. Nach Ansicht des BUND steht dies aber dem Vorhaben, ein Biosphärenreservat "Südharz" auszuweisen, entgegen, da ein bergbaulicher Eingriff in der geplanten Größenordnung in einem Gebiet, in dem auf kleinstem Raum die verschiedenartigsten Biotope zu finden seien, katastrophale Auswirkungen auf das Ökosystem haben würde.

Der BUND befürchtet, daß der wirtschaftliche Aufschwung im Nordthüringer Raum mit einem Ausverkauf der Naturressourcen, insbesondere der Bodenschätze, einhergeht. Nur durch eine Schutzgebietsausweisung sowie durch die Vernetzung und Ausweitung bestehender Naturschutzgebiete könne das angestrebte Biosphärenreservat "Südharz/Kyffhäuser" realisiert werden.

Aus diesen Gründen fordert der BUND, dem Verkauf von Bergwerksfeldern entgegenzustimmen, sollten die naturräumlichen Voraussetzungen für die Ausweisung eines Naturschutzgebietes sprechen. Zumindest müsse aber vor einem Verkauf eine Biotopkartierung vorgenommen werden.

Die Ausweisung eines Biosphärenreservates bedürfe letztlich der breiten Akzeptanz der hier lebenden Bevölkerung. Die Menschen der betroffenen Region erwarten eindeutige Entscheidungen, die den Weg in Richtung eines Biosphärenreservates begründen helfen und sollten nicht enttäuscht werden.

9. Februar 1993

Das Pumpspeicherwerk Goldisthal - BUND: Noch eine Großbaustelle im Thüringer Wald

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen e.V., bezeichnet in seiner jüngsten Presseerklärung den von Wirtschaftsminister Bohn für 1993 in Aussicht gestellten Baubeginn für das Pumpspeicherwerk Goldisthal als kurzsichtige Fehlentscheidung.

Die geplante Anlage sei Bestandteil eines veralteten Energiekonzeptes auf der Basis umweltbelastender Großkraftwerke mit einem Wirkungsgrad von lediglich 35%. Außerdem laufe das Vorhaben allen Ansätzen für eine zukünftig mehr dezentrale Energieversorgung in kommunaler Hand zuwider, die Monopolstellung einiger weniger "Energieriesen" werde sich somit noch verfestigen.

Die ökologischen Folgen für den Naturraum Thüringer Schiefergebirge seien angesichts der Dimension dieses Großprojektes noch nicht abschätzbar. Neben der massiven Belästigung der Einwohner der betreffenden Gemeinden durch den Baustellenbetrieb rechne man, so der BUND weiter, mit der Zerstörung des Landschaftscharakters, welchen man von einem Mittelgebirge erwarte. "Die diesbezüglichen Beschwichtigungen und die Inausichtstellung einer Touristenattraktion durch Minister Bohn sind lediglich Zweckpropaganda im Dienste der VEAG" gibt der Landesvorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck, zu bedenken. Die von den Investoren versprochenen 50 Dauerarbeitsplätze nach Fertigstellung des Kraftwerkes sind nach Aussagen des Umweltverbandes ein mehr als kläglicher Beitrag für die wirtschaftliche Belebung der Region.

Als energiepolitische Alternative zum Pumpspeicherwerk verweist der BUND schließlich auf den Bau von kleinen, kommunaleigenen Blockheizkraftwerken mit hohem Wirkungsgrad und umweltschonendem Betrieb.

2. Februar 1993

Talsperren Leibis und Goldisthal zerstückeln den Thüringer Wald

Im Thüringer Wald sind zwei Großprojekte der ehemaligen DDR-Regierung im Bau, die ohne Rücksicht auf die Umwelt mit Mitteln aus dem Programm "Aufschwung Ost" weitergebaut werden: Die Trinkwassertalsperre Leibis (nördlich von Neuhaus am Rennweg) und das Pumpspeicherwerk Goldisthal (westlich von Neuhaus am Rennweg), das mit 3000 MW das größte seiner Art in Mitteleuropa werden soll.

Beide Projekte wurden in der DDR wegen Geldmangels verzögert bzw. auf Eis gelegt. Für derartige Großbauten bleibt laut deutschem Einigungsvertrag aber das alte DDR-Recht in Kraft: Sie dürfen ohne Öffentlichkeitsbeteiligung und ohne Rücksicht auf die Umwelt weiter gebaut werden. Westdeutsches Kapital macht möglich, was die DDR in ihren letzten Jahren nicht mehr ausführen konnte.


Zusammen mit der geplanten ICE-Trasse Bamberg/Erfurt und den Autobahnen Schweinfurt/Erfurt bzw. Coburg/Erfurt wird der Thüringer Wald Tal für Tal zerschnitten. Der BUND Thüringen und der Bund Naturschutz Bayern werden alle Kräfte mobilisieren, diese Zerstörungswut zu bremsen. Die beiden Projekte sind für eine nachhaltige Wasser- und Energieversorgung unnötig und stellen eine Verschleuderung von Steuergeldern und eine Zerstörung wertvoller Landschaften dar.

 

Trinkwasserspeicher Leibis

Um die marode Trinkwasserversorgung in Thüringen und Sachsen nicht sanieren zu müssen, begann die DDR-Regierung im Jahre 1979 im Tal der Lichte mit dem Bau eines gigantischen Trinkwasserspeichers: Rund 50 Mio m3 Wasser sollen hinter einer 110 Meter hohen Mauer aufgestaut werden. Die Bewohner des Ortes Leibis sollen bis 1992 ihren Ort räumen, da er unter den Fluten des Trinkwasserspeichers verschwinden wird. Ein paar Kilometer unterhalb wird derzeit Neu-Leibis errichtet. Das Projekt, in dem eines der schönsten Seitentäler der Schwarza versinkt, wird mit Mitteln von Bundesumweltminister Töpfer realisiert. Der Bau soll bis zur Jahrtausendwende abgeschlossen sein. Schon jetzt fielen dem Vorspeicher Deesbach und den anderen Baumaßnahmen zig Hektar Wald und ein erheblicher Teil des Naturschutzgebietes "Neuraer Heide" zum Opfer. BUND Thüringen und Bund Naturschutz Bayern befürchten, daß der Trinkwasserspeicher Leibis im Verbund mit den (kleineren) bayerischen Trinkwasserspeichern Teil eines gigantischen Verbundsystemes Bayern/Thüringen wird, das umweltfreundliche Wasserversorgungskonzepte im Keim erstickt. Die meisten Arbeitslosen hoffen vergeblich auf einen Arbeitsplatz an der Großbaustelle Leibis. Den Bau führt der westdeutsche Betongigant HOCHTIEF aus, ein Tochterunternehmen des Stromunternehmen RWE. HOCHTIEF versucht mit Aufträgen wie Leibis seinen wegen mangelnder Großaufträge in Westdeutschland (Wackersdorf, Atomkraftwerke etc.) schlecht ausgelasteten Gerätepark und sein Personal zum Einsatz zu bringen.

 

Pumpspeicherwerk Goldisthal

Die HOCHTIEF-Schilder stehen auch schon an den Betriebswohnungen der Großbaustelle Pumpspeicherwerk Goldisthal. Oberhalb des gleichnamigen Ortes im Schwarzatal begann in den 70er Jahren (ebenfalls als Geheimprojekt der DDR) der Bau des mit Abstand größten Pumpspeicherwerks in Mitteleuropa. 1980 wurde der Bau aus Geldmangel unterbrochen. Die Schwarza soll nach den ursprünglichen Plänen oberhalb von Goldisthal mit einem 96 Meter hohen Damm aufgestaut werden (das sog. Unterbecken). 300 Meter darüber soll der Gipfel des Farmdenkopfes, einer der höchsten Berge des Thüringer Waldes, weggesprengt und an seiner Stelle ein mehrere Millionen Kubikmeter großes Oberbecken im Berg untergebracht werden. Beide Becken werden mit meterstarken Druckleitungen verbunden sein. Im Berg soll ein Kavernenkraftwerk mit einer Leistung von 1080 MW entstehen. Bei Stromüberschuss werden die Wassermassen aus dem Unterbecken den Berg hinaufgepumpt. Bei Strombedarf laufen sie über die Turbinen wieder hinab. Die Wasserbewegungen sind derart gigantisch, daß der Wasserspiegel des Unterbeckens sich mehrmals täglich um bis zu 30 Meter heben und senken wird.

 

Wertvolle Natur zerstört

Die Landschaft im Schwarzatal ist bereits verunstaltet, ca. 200 ha Hangwälder sind gerodet und Trassen für Bau- und Ersatzstraßen aufgeworfen. Das geplante Oberbecken würde das Naturschutzgebiet Wurzelbergfarmde zerstören, ein äußerst seltener Bergmischwald aus Buche, Fichte und Tanne, Zufluchtsstätte zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Berühmt wurde der Farmdenkopf auch durch die größte Tanne Deutschlands, die er beheimatet. Am Unterlauf der Schwarza ginge das Naturschutzgebiet "Schwarzatal" durch völlige Veränderung der Hydrologie und Biologie des Flusses verloren.

 

Steigbügelhalter der Energieverschwendung

Gigantische Pumpspeicherwerke sind die technische Voraussetzung zum Betrieb von Großkraftwerken (Atomkraftwerke, große Stein- bzw. Braunkohlekraftwerke). Denn einerseits müssen bei Ausfall eines Großkraftwerkes gleich große Strommengen in Sekundenschnelle im Netz verfügbar sein (was in der gebotenen Eile nur mit Pumpspeichern möglich ist) und andererseits verlangen Großkraftwerke einen vom schwankenden Stromverbrauch unabhängigen Dauerbetrieb, Tag und Nacht. Mit Pumpspeicherwerken lässt sich damit überschüssiger Strom "speichern", bis er zur Anwendung kommt. Die Bayernwerk AG hat größtes Interesse an den thüringischen und sächsischen Pumpspeicherwerken, da sie in Bayern Großkraftwerke betreibt, die bislang auf entfernte und viel kleinere Pumpspeicherwerke in den österreichischen Alpen angewiesen war. Bei Markersbach am Fuße des Erzgebirges steht bereits ein 1050 MW großes Kavernenkraftwerk. Das Goldisthaler Projekt würde den Wünschen des Bayernwerkes und anderer großer Stromversorger entsprechen, da dieses zentraler liegt. Die Bayernwerk AG baut direkt von Redwitz (Oberfranken) nach Remptendorf (Thüringen - südöstlich von Saalfeld) eine 380-kV-Leitung, mit der bis zu 3400 MW elektrischer Strom transportiert werden kann. Von Redwitz aus gehen drei Leitungen zu dem Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (1500 MW), zum geplanten Steinkohlekraftwerk Franken III bei Erlangen (750 MW) und zu den ost-bayerischen Großkraftwerken. Über Remptendorf werden diese Kraftwerke mit dem großen Pumpspeicherwerk Markersbach verbunden. Die fehlende kurze Stichleitung von Remptendorf nach Goldisthal ließe sich schnell errichten.

 

Strompolitik der Bayernwerk AG unter Kritik

Seit Jahren wird die Stromverschwendungspolitik der Bayernwerk AG vom Bund Naturschutz und anderen Umweltverbänden kritisiert. Die drohende Klimakatastrophe machte allen Energieexperten klar, daß die bisherige Strompolitik der großen Versorgungsunternehmen in eine Sackgasse geraten ist. Dennoch versuchen Bayernwerk AG und Tochterunternehmen mit Langzeitverträgen die Stromverschwendung weiter aufrecht zu erhalten. Das Bayernwerk hat vor einiger Zeit bereits angekündigt, daß es als Nachfolger der volkseigenen Verbundunternehmen auch weiterhin auf die großen Braunkohlekraftwerke setzen wird. Dieses Atomkraft-Braunkohle-Konzept erfordert das Pumpspeicherwerk Goldisthal. Vertreter des Aufbaustabes Goldisthal haben bereits mitgeteilt, daß das Pumpspeicherwerk unbedingt erforderlich sei. Der Leiter des Aufbaustabes, Ingenieur Fehrmann, stellte in einer Bürgerinformation fest, das Pumpspeicherwerk liege "im Herzen des geplanten deutsch-deutschen Elektroenergieverbundes".

 

Trinkwasserspeicher und Pumpspeicherwerk überflüssig

Sowohl die Trinkwasser- wie auch die Stromversorgung bedürfen keiner derart gigantischen Projekte, wenn sie nach modernen, umweltgerechten Kriterien organisiert werden. BUND Thüringen und Bund Naturschutz Bayern werden sich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dafür einsetzen, daß auch in den neuen Bundesländern die Betroffenen Gehör finden und ordentliche Umweltstandards ein-geführt werden. Es darf nicht sein, daß umweltfeindliche Projekte, wie sie in Deutschland West nicht mehr erlaubt oder zumindest nicht mehr durchsetzbar sind, kurz vor Torschluß noch die Landschaft der östlichen Bundesländer zerstören.

1. Februar 1993

Für Förderung des Mittelstandes - gegen Talsperrenbau: BUND Thüringen fordert von der Landesregierung "grundlegende Neuorientierung" der Trinkwasserpolitik

Auf ihrer Landesversammlung, die am 30.01.93 in Erfurt stattfand, verabschiedeten die Mitglieder des BUND Thüringen beiliegende Resolution, in der sie von der Thüringer Landesregierung eine "grundlegende Neuorientierung in der Trinkwasserpolitik" des Landes fordern.

In der Resolution, die der Thüringer Staatskanzlei übergeben wurde, verlangt der BUND Thüringen von der Landesregierung "durch Regelungen der Politik" zu gewährleisten, daß alle Grundwasservorräte und Oberflächengewässer als potentielle Trinkwasservorräte erhalten werden sollen. Den Bau neuer Trinkwassertalsperren und den weiteren Ausbau der Fernwasserversorgungssysteme lehnt der BUND Thüringen "aus der Sicht einer dauerhaften Versorgung" mit Trinkwasser ab. Vielmehr wird von der Landesregierung gefordert, daß belastete Wasservorkommen sowie das marode Trinkwassernetz saniert werden sollen. Zur Sicherung der Thüringer Trinkwasserversorgung müßten außerdem "Erfahrungen anderer Staaten und anderer Bundesländer Deutschlands ausgewertet und unter den spezifischen Bedingungen Thüringens berücksichtigt werden".

Vorstellungen der Landesregierung, zukünftig auf dem Gebiet der Wasserversorgung in das Selbstbestimmungsrecht der Kommunen einzugreifen, lehnte die Landesversammlung ab. "Die angedachte Zwangsmitgliedschaft der Städte und Gemeinden in einem zukünftigen Landeswasserzweckverband entzieht den Bürgern die Wasserversorgungspolitik ihrer unmittelbaren demokratischen Kontrolle und leistet der Zentralisierung der Wasserversorgung zusätzlichen Vorschub."

Die Finanzierung der notwendigen Sanierung des Trinkwasserleitungsnetzes kann nach Ansicht des BUND nicht von den Kommunen allein getragen werden. Die finanzielle Förderung von wasserwirtschaftlichen Maßnahmen, deren Ziel die Sanierung des maroden Trinkwasserleitungsnetzes sei, müsse künftig mittels Förderrichtlinien ermöglicht werden. Dabei sei die Sanierung des Trinkwassernetzes gleichzeitig eine sinnvolle Möglichkeit, den Aufbau eines Thüringer Mittelstandes - ein erklärtes Ziel Thüringer Politik - zu unterstützen. Dagegen würden mit der einseitigen Fixierung auf Talsperrengroßprojekte große, außerhalb Thüringens ansässige Firmen bevorzugt, die dem Aufbau einer gesunden Struktur des Mittelstandes entgegenstehen.

Abschließend betont der BUND Thüringen in seiner Resolution, daß immer mehr der Eindruck entstehe, daß das Ziel der langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung, dem Willen, Talsperren auf jeden Fall bauen zu wollen, untergeordnet wird. Dabei sei zu befürchten, daß die strukturpolitischen, finanziellen und ökologischen Folgen einer solchen einseitigen Lobbypolitik verheerende Auswirkungen auf unser Land haben werden.

27. Januar 1993

ICE als landschaftszerstörende Fehlinvestition - BUND Thüringen lehnt Neubaustrecke durch den Thüringer Wald ab

Eisenach. Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) lehnt den geplanten Bau einer ICE-Strecke von Nürnberg nach Erfurt kategorisch ab. In einer heute veröffentlichten Stellungnahme zum derzeit laufenden Raumordnungsverfahren bezeichnet der BUND die Durchquerung des Thüringer Waldes mit einer Hochgeschwindigkeitsbahn als "ökologisch unverantwortlich und verkehrspolitisch unsinnig". Obwohl sich der BUND mit Nachdruck für eine Verlagerung des Personen- und Güterverkehrs von Straße und Luft auf möglichst umweltverträgliche Verkehrsträger einsetze, sieht sich der Umweltverband nach den Worten seines verkehrspolitischen Sprechers, Michael Spielmann "außerstande, dieser landschaftszerstörenden Fehlinvestition zuzustimmen".

Um die sensible Mittelgebirgslandschaft des Thüringer Waldes mit Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h durchqueren zu können, seien enorme Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig: "Veränderungen des Landschaftsbildes durch aufwendige Brückenbauwerke und tiefe Einschnitte, die Gefährdung und Beeinträchtigung des Wasserhaushaltes, die Verlärmung großer Landschaftsteile mit allen negativen Folgen für die Fauna und die dort lebenden und wirtschaftenden Menschen sind ein zu hoher Preis für nur wenig Fahrzeitgewinn", so Spielmann.

Die geplante ICE-Verbindung ist nach Ansicht des BUND Teil eines verfehlten Verkehrskonzeptes, bei dem Milliardeninvestitionen in ICE-Strecken einhergehen mit Streckenstillegungen in der Fläche. "Statt ihre Aufgaben als flächendeckende moderne und attraktive Bürgerbahn zu erfüllen, wird die Bahn immer mehr auf die Funktion einer Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen einigen wenigen Metropolen reduziert", meint der Vorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck: Der BUND fordert stattdessen den Ausbau, die Beschleunigung und die Elektrifizierung der bestehenden Eisenbahnhauptlinien in Nord-Süd-Richtung, die bei Bedarf durch landschaftsangepaßte Neubaustrecken ergänzt werden sollten. Nach dem Schweizer Vorbild müsse auch im Nah- und Regionalverkehr ein Taktverkehr mit komfortablem Wagenmaterial eingerichtet werden. Die dazu benötigten finanziellen Mittel stehen nach Ansicht des BUND zur Verfügung: Allein die für den Neu- und Ausbau der ICE-Verbindung zwischen Nürnberg und Berlin vom Bundesverkehrsministerium veranschlagten 13 Milliarden DM seien ausreichend, um mehr als ein Drittel des rund 14000 km umfassenden Netzes der Deutschen Reichsbahn zu modernisieren.

Kritik übt der BUND Thüringen auch an der "Energieverschwendung" durch den ICE. Zwar sei die Bahn noch immer die umweltverträglichere Alternative zu Auto und Flugzeug, dennoch steige bei Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h der Energieverbrauch überproportional an. Aufgrund der mit der Stromerzeugung in zentralen Großkraftwerken verbundenen vielfältigen Umweltbelastungen sei jedoch die Verringerung des Energieverbrauchs auch im Schienenverkehr dringend geboten.

14. Januar 1993

24 000 Unterschriften gegen die A 81 in Bonn übergeben

Eisenach. Vertreter der Bürgerinitiative B 19/A 81 sowie der Landesverbände Bayern und Thüringen des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) übergaben am 13. Januar 1993 dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, Dr. Jobst, zwei Ordner mit insgesamt 24.000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern, die sich entlang der geplanten neuen Autobahntrasse zwischen Schweinfurt und Erfurt, gegen ein solches Projekt ausgesprochen haben.

Jobst räumte in einem ausführlichen Gespräch mit den Umweltschützern ein, daß dem Verkehrsausschuß gegen das Projekt "Deutsche Einheit" Nr 16, überdurchschnittlich zahlreiche Petitionen und Einwendungen vorliegen. "Ich darf Ihnen versichern, daß von den Berichterstattern und auch vom Gesamtausschuß alle diese Eingaben ernst genommen und gewürdigt werden", so Jobst, der sich vom Umfang des an ihn übergebenen Materials sichtlich beeindruckt zeigte. Außerdem bestätigte er den Tatbestand, daß alle im Bundesverkehrswegeplan enthaltenen Projekte, einschließlich der Verkehrsprojekte "Deutsche Einheit", gleichwertig behandelt und frühestens Ende April zur Endberatung im Verkehrsausschuß behandelt werden.

Dies bedeute im Klartext, so der BUND, daß sich letztendlich der Verkehrsausschuß als Fachinstanz die Entscheidung zum Bau der A 81 vorbehalte und zwar unabhängig der Haltung der Landesregierungen von Bayern und Thüringen. Mit der endgültigen Bestätigung des Projektes durch den Bundestag sei daher, nach den Aussagen von Jobst, erst im Mai zu rechnen.

Die übergeben Unterschriften, so die Vertreter der Bürgerinitiative und Umweltverbände, seien ein eindrucksvolles Zeugnis für den breiten und friedlichen Widerstand in den betroffenen Regionen. Es gelte, den Widerstand gegen das naturzerstörende Bauvorhaben fortzusetzen. Mit der Empfehlung an den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, die A 81 aus dem Bundesverkehrswegeplan zu streichen, wurde die sehr sachlich geführte Diskussion beendet.

13. Januar 1993

Natur ohne Recht - BUND kritisiert die geplante Demontage des Umwelt- und Naturschutzrechtes

Scharfe Kritik übt der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an dem von Bundesbauministerin Irmgard Adam-Schwaetzer (FDP) und Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) vorgelegten Entwurf eines "Investitionserleichterungs- und Wohnbaulandgesetzes"

In einem an die Thüringer Landesregierung und an alle Thüringer Bundestagsabgeordneten gerichteten Appell fordert der Umweltverband die Politiker auf, sich gegen den "ungerechtfertigten Kahlschlag demokratischer Umweltrechte zu wenden".

Mit ungewöhnlicher Hast und von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt bereitete die Bundesregierung damit eine nachhaltige Demontage des Umwelt- und Naturschutzrechtes vor. Getarnt als Maßnahme zur Erleichterung  von Investitionen und zur Breitstellung von Wohnbauland solle das geltende Umweltrecht in wesentlichen Passagen abgeschafft werden. Davon betroffen sind das Naturschutz-, das Raumordnungs-, und das Abfallrecht. Umweltverträglichkeitsprüfungen werden durch einen "Verfahrensstrick" wirkungslos.

So sieht der Entwurf unter anderem die Abschaffung der Planfeststellung für Müllverbrennungsanlagen vor. Künftig soll ein einfaches immissionsrechtliches Genehmigungsverfahren ausreichen. Die umstrittene Müllverbrennung werde dadurch den gesetzlich garantierten Mitwirkungsrechten der Bürger formal entzogen.

"Ein Freibrief für Naturzerstörung" ist nach Ansicht des BUND auch die im Entwurf geplante Beseitigung der "Eingriffsregelung" des Bundesnaturschutzgesetzes. Wenn zukünftig etwa für den Wohnungsbau auf der "grünen Wiese" und andere Eingriffe in Natur und Landschaft kein Ausgleich mehr geleistet werden muß, so werde das Verursacherprinzip völlig außer Kraft gesetzt. Folge davon werde auch die systematische Zerstörung von Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten sein. Damit werde das Naturschutzrecht im Verhältnis zum Baurecht wieder auf den Stand des "Reichsnaturschutzgesetz" von 1936 zurückgedrängt.

Wenn zudem, wie in der Gesetzesnovelle der Bundesregierung vorge¬sehen, die Prüfung von Umweltbelangen künftig erst in einem sehr späten Planungsstadium und damit lange nach der grundlegenden Investitionsentscheidung erfolgen soll, so werde auch die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zur Farce. Die in der UVP obligatorische Bedarfsprüfung ("Null-Variante") werde es dann nicht mehr geben. "In der Praxis wird damit fachlicher Sachverstand durch politische Willkür ersetzt", so der BUND.

Der BUND ist nicht bereit, diesen Großangriff auf die Naturschutzrechte - wenige Monate nur nach dem Umweltgipfel von Rio - hinzunehmen. Zwar erkennen auch die Naturschutzverbände die besondere Situation, in der sich die neuen Bundesländer und damit die gesamte Republik befinden, grundsätzlich an. Kein Verständnis bestehe jedoch, "wenn wider besseren Wissens behauptet wird, daß die Ursache von Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit in den bestehenden Umweltgesetzen zu suchen ist."

Der BUND Thüringen spricht angesichts des mit den Gesetzesvorhaben geplanten Demokratieabbaus in den o.g. Schreiben von einem Rückfall in Vorwendezeiten: "Wir empfinden diese Gesetzesvorhaben als einen Schlag gegen die politische Kultur des Herbstes 1989."

Der BUND ruft deshalb die Bevölkerung und alle politisch verantwortlichen dazu auf, sich für sozial und ökologisch notwendige und vertretbare Maßnahmen zur Behebung von Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen einzusetzen und den politischen Kräften in den Arm zu fallen, die mit "Betonpolitik", hemmungslosem Ressourcenverbrauch und antiquierten Wachstumsideologien zum vielleicht letzten Angriff auf die "Restnatur" ansetzen.

5. Januar 1993

BUND protestiert gegen geplante Altölverbrennung im Zementwerk Deuna

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) Landesverband Thüringen übt scharfe Kritik gegenüber der geplanten Sonderabfallverbrennung im Zementwerk Deuna im Kreis Worbis. Dort will die Deuna-Zement GmbH ab März '93 Altöle verbrennen. "Die Anlage entspricht nicht dem Stand der Technik", so Gudrun Flachmann Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle", dort Altöle zu verbrennen, heißt Abfall in der Luft zu deponieren."

"Hier sind ganz offensichtlich", so der BUND, "gesetzliche Vorschriften mißachtet worden". Nach diesen sei der Anlagenbetreiber verpflichtet im Rahmen des Vorsorgeprinzips, dem Stand der Technik entsprechende Maßnahmen der Emissionsbegrenzung durchzuführen, bevor eine Genehmigung erteilt werden kann. In Deuna ist aber weder eine Modernisierung der betroffenen Ofenlinien durch die Installation von Nachbrennkammern, noch eine Ausrüstung der Filteranlage mit Rauchgaswäsche und Polizeifilter vorgesehen.

Der Anlagenbetreiber muß außerdem die Einhaltung der Grenzwerte laut der "Technischen Anleitung (TA) Luft" nachweisen. Der BUND fordert dazu eine unabhängige Kontrolle. In den Antragsunterlagen der Deuna Zement GmbH seien Messungen anderer Zementwerke aufgeführt, die, nach Meinung des BUND, offensichtlich als Nachweis für die Einhaltung dieser Grenzwerte dienen und damit die völlige Harmlosigkeit der Anlage vorgaukeln sollen.

Der BUND beurteilt die Planung als völlig unzureichend, da keine Aussage über eine Umweltverträglichkeitsprüfung, Untersuchungen über die Vorbelastung der umgebenden Landschaft, ein klimatologisches Gutachten über die Abgasverteilung, ein Konzept für den Störfall und den Wasserschutz getroffen worden sind. "Es handelt sich hier", so Gudrun Flachmann weiter, "um eine Irreführung der Menschen und einer Verharmlosungsstrategie, um in Thüringen einen einmaligen Sonderabfallverbrennungsstandort zu etablieren".

Der BUND fordert deshalb in seiner schriftlichen Stellungnahme alle Entscheidungsträger auf, angesichts der zu erwartenden erheblichen Erhöhung des Schadstoffausstoßes, u.a. an Dioxinen, Furanen und Schwermetallen und den daraus resultierenden Gefahren für die Gesundheit der Menschen, der Tier- und Pflanzenwelt und der Gewässer und Böden, die Genehmigung für dieses Vorhaben nicht zu erteilen.

Die Verbrennung von Sonderabfällen z.B. in Zementöfen, die erst mit der Ergänzung des Bundesabfallgesetzes möglich gemacht wurde, sieht der BUND als inakzeptable Variante, den Abfallströmen unserer Wohlstandsgesellschaft kostengünstig Herr zu werden. Ziel solle es sein, Altöle aufzubereiten, oder noch besser; zu vermeiden!



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