29. Dezember 1995

"Ein Schritt vor und zwei zurück" – BUND-Jahresbilanz 1995 zur Umweltpolitik des Landes Thüringen

Eisenach. Trotz guter Ansätze in einigen Bereichen bleibt die Gesamtbilanz der Umweltpolitik des Landes Thüringen 1995 negativ. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer zum Jahresende veröffentlichten Presseerklärung. "Das umweltpolitische Motto der CDU/SPD-Koalition im Freistaat hieß in den vergangenen zwölf Monaten offensichtlich: Ein Schritt vor und zwei zurück", so der Landesvorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck.

Einige besonders gravierende Beispiele für das inkonsequente und häufig widersprüchliche Vorgehen der Thüringer Landesregierung in Sachen Umweltschutz nannte Beck als Beleg für den überwiegend kritischen Befund des BUND:

Entscheidung gegen den Nationalpark Hainich

Trotz der naturschutzfachlichen Bedeutung des Gebietes und wiederholter Beteuerungen aus beiden Regierungsparteien, den Hainich als Buchenwald-Nationalpark auszuweisen, ist das Kabinett Umweltminister Sklenar in den Rücken gefallen. Dies ist umso unverständlicher, als zwischenzeitlich ein vom Umweltministerium erarbeiteter Gesetzesentwurf zum Nationalpark, der auch im Hinblick auf die Interessen der betroffenen Waldbesitzer konsensfähig wäre, vorgelegt wurde. Damit ist ausgerechnet im Europäischen Naturschutzjahr eine große Chance für die Entwicklung der Region und für den Naturschutz im Freistaat insgesamt vertan worden!

Blockierung bei der endgültigen Sicherung vorläufiger Schutzgebiete
Nachdem erst zur Jahresmitte zusätzliches Personal und Haushaltsmittel bereitgestellt wurden und die Landesregierung ihre Verantwortung für die Sicherung der nach der Wende nur vorläufig unter Schutz gestellten Gebiete endlich erkannt zu haben schien, blockiert sie sich nun selbst. Durch Erlaß des Staatssekretärs im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Stephan Illert, ist das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren derart aufgebläht worden, daß nun mit erheblichen Verzögerungen gerechnet werden muß. Zwar ist das von Seiten des Ministeriums vorgebrachte Argument, durch eine möglichst breite Bürgerbeteiligung eine größere Akzeptanz bei den Betroffenen zu erreichen, grundsätzlich richtig und nachvollziehbar. Es ist jedoch in Thüringen traurige Realität, daß beinahe täglich einstweilig gesicherte Schutzgebiete ihren Schutzstatus verlieren und einer Vielzahl von Eingriffen preisgegeben werden. Eine derartige Rücksichtnahme auf Betroffene ist bei anderen Planungsvorhaben, so beim Bau von Straßen und Gewerbegebieten absolut unüblich. Dem Naturschutz läuft so die Zeit davon, während die vielen Projekte zur Inanspruchnahme und Zerstörung von Naturräumen in Thüringen mit Volldampf betrieben werden.

Naturschutzgebiet ..Alter Stolberg": Opfer für die Gipsindustrie
Obwohl der Kauf von Flächen im Kerngebiet des geplanten Naturschutzgebietes "Alter Stolberg" (Landkreis Nordhausen) vom Thüringer Umweltministerium bereits seit langem angekündigt wurde und die dazu notwendigen Haushaltsmittel bereitstanden, hat das Land unter merkwürdigen Umständen auf sein Vorkaufsrecht verzichtet. Stattdessen sind die Flächen im Gipskarst des Südharzes Mitte 1995 an die Gips-Firma Knauf gegangen, Teile davon hat das Umweltministerium schließlich im November zurückerworben. Gleichzeitig wurde auf Anweisung des Umweltstaatssekretärs Illert das bereits laufende Verfahren zur endgültigen Unterschutzstellung des Naturschutzgebietes einstweilen gestoppt. Die Vorgehensweise des Ministeriums legt den Schluß nahe, daß hier gezielt die Interessen der Firma Knauf bedient wurden und der Naturschutz einmal mehr erst an zweiter Stelle steht.

Verzögerte und unzureichende Umsetzung der FFH-Richtlinie

Die Fauna-, Flora-und Habitat-Richtlinie, kurz: FFH-Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft, hat den Aufbau eines europaweiten Netzes von besonders schutzwürdigen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen zum Ziel. Zu diesem Zweck hätten die Bundesländer bis zum Juni 1995 alle die Gebiete nach Brüssel melden müssen, die dazu auf Grund ihrer natürlichen Ausstattung besonders geeignet sind. Auch das Land Thüringen ist dazu verpflichtet, hat dies jedoch mit Hinweis auf die von Seiten der Bundesregierung bislang nicht erfolgte Umsetzung der FFH-Richtlinie bislang unterlassen. Dieser eindeutige Verstoß gegen europäisches Naturschutzrecht entlarvt alle offiziellen Verlautbarungen auf Bundes-und Landesebene zum 2. Europäischen Naturschutzjahr als leere Worthülsen. Darüber hinaus will das Land Thüringen offensichtlich die Liste der schützenswerten FFH-Gebiete auf unzulässige Weise reduzieren. Dies geht aus der Anfang November vom Thüringer Umweltministerium vorgelegten Liste hervor, in der die Fläche der zu meldenden Gebiete gegenüber dem ursprünglichen Entwurf auf rund ein Drittel reduziert worden ist. Offensichtlich hat sich die Lobby der Naturnutzer, die mit populistischen und falschen Argumenten gegen den Naturschutz zu Felde zieht, auch in diesem Fall im Umweltministerium wieder einmal erfolgreich durchgesetzt.

Talsperre Leibis: Die SPD fällt – wieder einmal – um

Trotz großer Worte und falscher Zahlen: Der Weiterbau von Leibis ist beschlossene Sache. Dem vernünftigen Beschluß im Rahmen der Koalitionsvereinbarung, das Vorhaben von unabhängigen Fachleuten überprüfen zu lassen, folgte die Ernüchterung. Die Interpretation der Bedarfsprognosen diente offenbar nur der Bestätigung bereits festgefügter Vorurteile. Dennoch kam die Zustimmung der SPD zur Fortsetzung des unsinnigen und umweltzerstörenden Großprojektes aus DDR-Zeiten überraschend für alle, die deren umweltpolitisches Programm und Ankündigungen zu Oppositionszeiten ernstgenommen hatten. Der "Umfaller des Jahres" bleibt aktuell, weil das Projekt noch längst nicht realisiert ist. Die aktuelle Diskussion um die offene Finanzierung bietet nunmehr die Chance, die Fehlentscheidung für den Weiterbau zu korrigieren.

19. Dezember 1995

Nationalpark Hainich – BUND: Kabinett fällt Sklenar in den Rücken

Eisenach. Scharfe Kritik übt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
Landesverband Thüringen, am heutigen Beschluß der Thüringer Landesregierung zur
Unterschutzstellung des Hainich, in dem von einem Nationalpark Hainich nicht mehr die Rede gewesen sei. Stattdessen sei Umweltminister Sklenar lediglich beauftragt worden, bis August 1996 ein Schutzkonzept zu erstellen, das wirtschaftliche und ökologische Interessen "unter einen Hut" bringen solle.

"Obwohl sich hinsichtlich der Schutzwürdigkeit des Hainich mit seinen einzigartigen Buchenwäldern alle einig sind, ist das Kabinett dem Umweltminister in den Rücken gefallen", so BUND-Landesgeschäftsführer Michael Spielmann. Dem BUND Thüringen dränge sich nun der Eindruck auf, daß die Thüringer Staatsregierung trotz einer großen Lobby für den Nationalpark Hainich gar nicht an einem solchen Schutzkonzept interessiert sei. Der BUND bedauere, daß somit ausgerechnet im Europäischen Naturschutzjahr eine große Chance für den Naturschutz im Freistaat vertan worden sei.

Der Umweltverband kritisierte auch, daß bei den Politikern selbst "offenbar ein großes Informationsdefizit und viele Vorurteile in Bezug auf die Auswirkungen eines Nationalparks" vorherrschten. Leider habe es die Staatsregierung versäumt, Konsequenzen aus den positiven Erfahrungen des Nationalparks Bayerischer Wald, vor allem mit Blick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen im Fremdenverkehr, zu ziehen.

"Jetzt ist damit zu rechnen, daß aufgrund der für uns völlig unverständlichen Verzögerung der Schutzgebietsausweisung der frevelhafte Holzeinschlag auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Weberstedt unvermindert weitergeht und in absehbarer Zeit im Hainich eine Vielzahl neuer Steinbrüche eröffnet werden", so Michael Spielmann. Der BUND werde ungeachtet des heutigen Kabinettsbeschlusses mit Nachdruck weiterhin auf eine sofortige Ausweisung des Hainich als Nationalpark drängen.

15. Dezember 1995

BUND Thüringen: Nicht nur zu Weihnachten – Die Thüringer Talsperrenverwaltung verschenkt das ganze Jahr Wasser

Eisenach. „Die Thüringer Talsperrenverwaltung gibt Brauchwasser für Industrie und Landwirtschaft ab, ohne dafür die gesetzlich vorgeschriebenen Einnahmen zu erzielen", kritisiert Jens Krause vom Arbeitskreis Wasser des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen. „Wir fordern Landwirtschaftsminister Dr. Sklenar auf, diese offenbar gesetzwidrige Praxis sofort zu beenden."

Aus dem Verkauf von Brauchwasser habe die Thüringer Talsperrenverwaltung 1993 und 1994 kaum Einnahmen erzielt. Aus den meisten Talsperren sei das Wasser kostenlos abgegeben worden. Die Einnahmen der Talsperre Großengottern hätten etwa einen halben Pfennig pro Kubikmeter betragen. Das gehe aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Steffen Dittes (PDS) hervor.

Demgegenüber kritisiert der BUND Thüringen scharf, daß die Fernwasserzweckverbände für den Bezug von Rohwasser für die Trinkwasseraufbereitung etwa 34 Pfennig je Kubikmeter zahlen müßten, die in der Endkonsequenz in der Wasserrechnung der Verbraucher enthalten seien. Für die Sonderbehandlung, die die Wirtschaft im Freistaat genieße, fehle dagegen jede gesetzliche Grundlage. Nach § 13 des Gesetzes zur Errichtung der Thüringer Talsperrenverwaltung sei diese verpflichtet, "für die Inanspruchnahme ihrer Leistungen Gebühren, Beiträge oder Entgelte" zu erheben.

"Bemühungen der Landesregierung zur Begrenzung der Gebühren und Beiträge für die Bürger werden ad absurdum geführt, wenn über den Trinkwasserverkauf die Brauchwasserkunden subventioniert werden. Die kostenlose Abgabe von Brauchwasser schafft zudem keine Anreize zum Wassersparen in Landwirtschaft und Industrie. Hier hat die Aufsicht über die Talsperrenverwaltung, die Landwirtschaftsminister Sklenar ausübt, kläglich versagt", so Jens Krause weiter.

14. Dezember 1995

BUND und Verband für Naturschutz und biologischen Landbau Thüringen: "Autobahn und ICE bedrohen Naturschutzprojekt!" – Naturlehrpfad wird dennoch erweitert

Eisenach. Ungeachtet der Planungen für die Thüringer-Wald-Autobahn und die ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg führt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen gemeinsam mit dem Verband für Naturschutz und biologischen Landbau Thüringen bei Hausen im Ilmkreis ein schon seit einigen Jahren bestehendes Naturschutzprojekt im Bereich der geplanten Trassen fort.

Zentraler Punkt ist dabei die Erweiterung des vorhandenen 2600 Meter langen Naturlehrpfades. Der neue Rundkurs, der auch das 0,62 Hektar große BUND-eigene Waldgrundstück im Bettelmannsholz bei Görbitzhausen einschließt, ist 7,5 Kilometer lang. Eine Reihe neuer Schautafeln und Hinweisschilder soll den Besuchern Wissen über die hier vorkommenden Lebensräume sowie Tier-und Pflanzenarten vermitteln. Das Gebiet umfaßt neben Hecken, Waldstücken, Streuobstwiesen und dem Bachlauf der Wipfra die ökologisch besonders wertvolle Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchen-Pflanzengesellschaft im Bettelmannsholz und zählt zu den Rückzugsgebieten vieler vorn Aussterben bedrohter Arten.

Dem Bettelmannsholz drohe, so der BUND, die Zerschneidung durch die etwa 110 Meter breite Trasse der "Thüringer-Wald-Autobahn" und ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg. "Wenn die Böschung für die Trasse realisiert wird, geht uns über ein Drittelhektar der Fläche verloren; es bleiben von unserem Wald nur noch 0,25 Hektar übrig", stellt Birgit Henkel vom BUND betroffen fest. Diese Zerstörung sei ein nachhaltiger, irreparabler Eingriff in Natur und Landschaft, der nicht nur Naturräume beseitige, sondern auch dem Anliegen der Naturschützer, biologischen Landbau zu betreiben und Arbeitsplätze im Naturschutz und in der Landschaftspflege zu schaffen, unvereinbar entgegenstehe.

"Mit dem Bau der Trasse geht natürlich der ökologische Landbau und Naturschutz den Bach runter", prophezeit Lutz Reißland vorn Verband für Naturschutz und biologischen Landbau Thüringen. Der BUND Thüringen habe deshalb bereits Klage gegen den vorliegenden PIanfeststellungsbeschluß beim Bundesverwaltungsgericht in Berlin eingereicht.

Es komme nun darauf an, das in Regie von Lutz Reißland begonnene Projekt des Naturlehrpfades, der unter anderem am nördlichen Rand des Bettelmannsholzes als besonderer Naturerlebnispfad angelegt werden soll, so schnell wie möglich zu realisieren und die aus naturschutzfachlicher Sicht wertvollen Biotopflächen vor Eingriffen zu schützen und zu sichern.

12. Dezember 1995

Lebensraum des Monats Dezember: Kopfweiden

Eisenach. Kopfweiden, oft auch als ,,Erlkönige" bezeichnet, sind in einer ausgeräumten, sonst baum- und strauchlosen Agrarlandschaft die einzige Heimat für Höhlenbrüter wie Bachstelze, Gartenrotschwanz und Meise. Sie säumen meistens Feldwege, wasserführende Hohlgräben, Bachläufe, Flußtäler und Entwässerungsgräben und bieten Lebensraum für viele Vogel-und Insektenartenarten, aber mitunter auch für Siebenschläfer, Waschbär, Haselmaus, Fledermaus, Teichmolch und Feuersalamander. Zum Beispiel ist der vom Aussterben bedrohte Steinkauz auf die Kombination von Kopfweide und Grünland angewiesen.

Früher wurde die Weide vielfältig genutzt und spielte wegen ihres Salicin-Gehaltes in der Volksmedizin als Heilpflanze eine wichtige Rolle. Blätter, Rinde und Kätzchen wurden zu Brei, Tee oder Säften verarbeitet, die bei Fieber, Rheuma und anderen Leiden halfen. Die Weidenruten wurden zur Herstellung von Körben und anderen Gebrauchsgegenständen benutzt. Außerdem lieferte die Weide Bau-und Brennholz.

BUND Kreisverband Eichsfeld übernahm Pflege einer Kopfweidenreihe

Da der wirtschaftliche Aspekt der Weiden heute keine Rolle mehr spielt, haben der BUND Kreisverband Eichsfeld und andere Naturschützer die Pflege stark kopflastiger Kopfweiden auf einem Flurstück im Westen Heiligenstadts übernommen. "Stark kopflastig" heißt, daß die Bäume seit vielen Jahren nicht mehr beschnitten wurden und sehr starke Äste ausgetrieben haben. Es besteht die Gefahr, daß die Bäume ohne das Beschneiden oder "Köpfen" beim nächsten Sturm einfach umgeworfen werden. Da das Weidenholz sehr weich ist, kann das Gewicht der Krone auch den Stamm zum Auseinanderbrechen und damit den Baum zum Absterben bringen.

Die Bäume werden erhalten, indem sie "geköpft" und damit einer Verjüngungskur unterzogen werden. Die starken Äste werden in der kalten Jahreszeit – am besten im Zeitraum von Dezember bis März – abgesägt, und bereits im Frühjahr darauf beginnt das Ausschlagen der jungen Triebe. Allerdings sollte man in einer Kopfweidenreihe immer nur wenige Bäume gleichzeitig stutzen, um den Tieren ihren Lebensraum zu erhalten.

Das Nachpflanzen neuer Kopfweiden ist unkompliziert: Abgesägte Äste werden einfach in die Erde gesetzt und wurzeln dort von allein. Sind die alten Weiden beschnitten, so können sie sieben bis zehn Jahre Äste ausbilden, bevor sie erneut gestutzt werden müssen.

1. Dezember 1995

BUND veranstaltet Öko-Mensa-Aktionswoche an der FH Schmalkalden

Eisenach. Das Studentenwerk bietet in seiner Mensa vom 4.12. bis zum 7.12.95 erstmals Kost aus kontrolliert biologischem Anbau an.

Damit reagiert die Mensaleitung auf Vorschläge des BUND Landesverband Thüringen und des Studentenrates. In dieser Woche soll getestet werden, wie die StudentInnen ein solches Angebot annehmen und welche Möglichkeiten es gibt, ökologisch erzeugte Lebensmittel für das Mensaessen zu verwenden. Ziel sei, künftig je nach Jahreszeit Teile der Mahlzeiten wie Kartoffeln, Gemüse und Obst auch aus Ökologischem Landbau im Speiseplan zu integrieren.

„Die Aktionswoche steht ganz im Zeichen umweltverträglicher Anbau-und Produktionsformen. Mit den 2,2 Millionen verkauften Essen aus 'dem 'düngungsintensiven' Landbau leisteten die Studentenwerke in Thüringen 1994 ihren Beitrag zum Waldsterben, zur Trinkwasserbelastung, zur Überdüngung der Böden und zum Artensterben, ähnlich wie jeder, der die Erzeugnisse der konventionellen Landwirtschaft und der Massentierhaltung konsumiert", so Thomas Knauer vom BUND Thüringen.

Organisiert wird die Aktionswoche vom BUND Thüringen, dem Studentenwerk und der Erzeugergemeinschaft ökologischer Landbau "Thüringer Ökoherz". "Übrigens gibt es das Öko-Essen nicht nur für Studenten. Jeder darf in der FR Mensa essen gehen und hat diese Woche die einmalige Gelegenheit, sich ökologisch – und dennoch günstig – verköstigen zu lassen" betont Thomas Knauer.

Während dieser Aktionswoche laufen Sonderaktionen wie Infoveranstaltungen zur Dritte-Welt-Problematik, zum Öko-Landbau und zur Gentechnik in Lebensmitteln. Geplant ist auch eine Filmaufführung zu den Auswirkungen des hohen Fleischkonsums auf die Menschheit mit dem Titel „Fleisch frißt Menschen“.

30. November 1995

Waldschadensbericht: BUND verurteilt starres Festklammern der Landesregierung an unsinnigen Verkehrsprojekten

Eisenach. Scharfe Kritik übt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, an der offensichtlichen Gleichgültigkeit der Thüringer Landesregierung gegenüber der neuerlichen Hiobsbotschaft zum fortschreitenden Waldsterben im Freistaat.

Die lapidare Aussage im „Waldschadensbericht“ für 1995, der Waldzustand habe sich im Vergleich zu 1994 aufgrund des feuchten Sommers leicht gebessert, kritisiert der BUND als Augenwischerei. „Damit soll offenbar des starre Festhalten der Thüringer Landesregierung an der unzeitgemäßen Verkehrspolitik und den unsinnigen Verkehrsprojekten „Deutsche Einheit“ gerechtfertigt werden“, so BUND-Landesgeschäftsführer Michael Spielmann.

Die Statistik orientiere sich lediglich am Zustand der Baumkronen und lasse die bereits gefällten, toten Bäume sowie den Wurzelbereich völlig unberücksichtigt. „Die rauhe Wirklichkeit wird spätestens im nächsten heiß-trockenen Sommer, der für unseren Wald zur Katastrophe werden könnte, ans Tageslicht kommen“, prophezeit Spielmann. „Das Umweltministerium muß sich den Vorwurf gefallen lassen, den Thüringer Wald aufgegeben zu haben, wenn nicht sofort einschneidende Konsequenzen aus dem Waldschadensbericht gezogen werden“. Die Haltung des Umweltministers pro mehr Straßen in Thüringen ohne „Wenn und Aber“ sei unverantwortlich.

Statt einer teuren und mangelhaften Bekämpfung der Symptome für das Baumsterben verlangt der BUND von der Landesregierung Sofortmaßnahmen zur Reduzierung der verkehrsbedingten Schadstoffemissionen und zur Verringerung des Stickstoff- und Pestizideintrages aus der Landwirtschaft. Wenn vom Waldsterben die Rede sei, werde gerade die Landwirtschaft als einer der Hauptverursacher des Waldsterbens vom dafür zuständigen Minister Sklenar in auffälliger Weise ignoriert.

30. November 1995

Mit Katrin Küster ostdeutsche BUND-Vertreterin in ABL-Bundesvorstand gewählt

Eisenach. Mit Katrin Küster, Sprecherin des Arbeitskreises Landwirtschaft im Thüringer Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), wurde am vergangenen Wochenende in Altenkirchen eine Vertreterin aus den neuen Bundesländern in den Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft (ABL) gewählt.

Die im kommenden Jahr unter dem Motto "Die Landwirtschaft in den Regionen stärken" stehende Arbeit der ABL sowie die vom BUND Bundesverband vorgestellte Studie ,,zukunftsfähiges Deutschland" standen im Mittelpunkt der diesjährigen ABL-Bundesmitgliederversammlung.

Sowohl die ABL als auch der BUND halten die weitere Ökologisierung der Landwirtschaft bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Stärkung der ländlichen Räume für notwendig und auch gangbar. Auch in der Auseinandersetzung mit den Problemen auf dem ostdeutschen Agrarsektor werde der Strategie der beiden Verbände der Vorrang eingeräumt.

Die Zusammenarbeit zwischen der ABL und dem BUND Thüringen habe sich in den letzten drei Jahren vorrangig auf Probleme der Strukturentwicklung in den neuen Bundesländern bezogen, so Katrin Küster. Die Arbeitsergebnisse werden jährlich vom Agrarbündnis der Bundesrepublik Deutschland, in der die ABL und der BUND Mitglied sind, als "Kritischer Agrarbericht" herausgegeben. Der Bericht für 1995 werde, nach 1993 und 1994 zum dritten Mal, etwa zeitgleich mit dem entsprechenden Papier des Bundeslandwirtschaftsministeriums im Januar 1996 erscheinen. In einem Kapitel des "Kritischen Agrarberichtes" werden die ostdeutschen Belange besonders unter die Lupe genommen.

29. November 1995

BUND für Öko-Mensa an Thüringens Hochschulen

Eisenach. Seit Beginn des Wintersemesters 95/96 widmen sich der BUND Thüringen sowie das Studentenwerk (STW) und Studentenvertreter der Hochschulen Jena, Erfurt, Schmalkalden, Ilmenau und Weimar im Rahmen des Öko-Hochschul-Projektes der Aufklärungsarbeit an Hochschulen. Die Themen Öko-Mensa, Abfallvermeidung, Energie-und Wassereinsparung, Nutzung regenerativer Energieträger und Rohstoffeinsparung stehen im Mittelpunkt dieses Projektes.

,,Mit 2,2 Millionen verkauften Essen aus dem 'düngungsintensiven' Landbau leisteten die Studentenwerke 1994 ihren Beitrag zum Waldsterben, zur Trinkwasserbelastung mit Pestiziden und Nitraten, zur Überdüngung der Böden und zum Artensterben", so Thomas Knauer vom BUND Thüringen. Doch gerade der Bereich Mensa erfordere eine umweltverträglichere Wirtschaftsweise als dies bisher der Fall war. "Obwohl das Deutsche Studentenwerk (DSW) diese Umweltproblematik erkannte und dem Öko-Landbau große Bedeutung beimißt, führte dies an Thüringens Studentenwerken bis zum Oktober '95 nicht zum vermehrten Einsatz von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus kontrolliert biologischem Anbau. Doch gerade dieser stellt im Gegensatz zum konventionellen Landbau die einzig sinnvolle und umweltschonende Alternative dar", so Knauer weiter.

Umfragen in Jena und Berlin hätten ergeben, daß die Mehrzahl der Mensagäste Produkte aus dem Ökologischen Landbau vorziehe und auch bereit sei, pro Essen 50 Pfennig mehr zu bezahlen. Das STW Jena nutzte das Befragungsergebnis, um künftig mittwochs ein "Öko-Komplett-Menü" anzubieten. Der BUND setzt dabei auf die Vorbildwirkung der Jenaer auf die anderen Thüringer Studentenwerke. Auch an anderen deutschen Hochschulstandorten seien Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau bereits üblich. So werde beim STW Oldenburg inzwischen ein Anteil Ökoprodukte von rund 30 Prozent des Gesamteinsatzes erreicht.

Neben dem Leitthema Mensa werden im Öko-Hochschul-Projekt des BUND mit der dosenfreien Hochschule, dem Semesterticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), Vorlesungsbeiträgen zur Umweltethik, Gastvorträgen, Informationsveranstaltungen und Fotoausstellungen zu Landschaftsveränderungen weitere wichtige Themen behandelt.

27. November 1995

BUND Thüringen: Einmalige Chance, Hainich jetzt als „Buchenwald-Nationalpark“ auszuweisen - BUND verlangt sofortigen Stopp des Holzeinschlages

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, verlangt im Zusammenhang mit der geplanten Ausweisung des Nationalparkes Hainich den sofortigen Stopp des Holzeinschlags auf dem Truppenübungsplatz Weberstedt.

„Es ist doch idiotisch, noch dort mit der Kettensäge zu hantieren, wo bald ein Urwald entstehen soll“, so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND. „Es ist geradezu ein Frevel, einen Teil des letzten gesunden Buchenwaldes in Thüringen zwecks kurzsichtiger Vermarktung zu beseitigen und damit eine nachhaltige, langfristige Entwicklung der Hainich-Region von vornherein zu verhindern“, so Spielmann weiter. Unter Verweis auf den schlechten Zustand des Patienten Wald - vier von fünf Bäumen seien in Thüringen krank - verlangen die Naturschützer von der Thüringer Landesregierung, schnellstens ihre „Hausaufgaben“ zu machen und sich gegenüber der Bundesforstverwaltung nachdrücklich für die Beendigung des Holzeinschlages einzusetzen. Ebenso konsequent müsse die Landesregierung auch den im zukünftigen Nationalpark geplanten Kalksteinbruch bei Craula stoppen.

Gleichzeitig nehme der BUND die Aussage von Umweltminister Sklenar, sich grundsätzlich für die Ausweisung eines Nationalparkes Hainich einzusetzen, mit Befriedigung zur Kenntnis. In einem Brief an den Thüringer Staatsminister betonte der BUND, daß dies eine einmalige Chance sei, den Hainich aufgrund seiner besonders wertvollen Naturausstattung und Unzerschnittenheit als „Buchenwald-Nationalpark“ in Deutschland einzurichten. Die naturschutzfachlichen Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung seien gegeben. Der Hainich als Heimat für Schwarzstorch, Laubfrosch, Gelbbauchunke und viele andere Tiere biete einen der letzten europäischen Lebensräume für viele vom Aussterben bedrohte Arten.

Der BUND wies in seinem Brief auf die große Verantwortung des Umweltministers für den Schutz und die Erhaltung dieses einzigartigen „Naturschatzes“ hin und bot dem Umweltministerium gleichzeitig seine Unterstützung an. Der Nationalpark sei eine große Chance, den Hainich - ähnlich dem Bayerischen Wald - auch zu einer touristischen Vorzeigeregion zu entwickeln und damit viele Arbeitsplätze zu schaffen.

22. November 1995

Lebensraum des Monats November 1995: Benjeshecken

Eisenach. In Podelsatz bei Stadtroda entsteht durch die Mitglieder des Umwelt- und Naturschutzvereins eine Benjeshecke.

Der Begriff "Benjeshecke" geisterte schon lange durch die Köpfe einiger Vereinsmitglieder, und das nicht erst seit der Gründung des Umwelt- und Naturschutzvereins Stadtroda am 20. Februar 1990. Aber erst mit der politischen Wende 1989 in der DDR gab es die Möglichkeit, umfassende Literatur auch zum Thema Benjeshecken zu bekommen.
So lag dann eines Tages auch das Buch von Hermann Benjes über die Feldhecken auf dem Tisch der Gruppe. Nach eingehendem Studium stand fest, daß dieser Mann in Stadtroda einen Vortrag über das Thema halten müsse. Am 16. September 1993 war es dann soweit: Über 100 Gäste hörten und sahen eine brillante Diashow. Danach gab es für die Naturschützer keine Zweifel mehr, daß irgendwo in der näheren Umgebung eine Benjeshecke angelegt werden müsse.

Da die Erhaltung naturnaher Flächen ein Arbeitsschwerpunkt des Vereins ist, bewirtschaften die Mitglieder seit Mai 1991 eine Streuobstwiese bei Podelsatz. Die Wiese liegt am Rande einer intensiv genutzten landwirtschaftlichen Fläche. Große Felder und Feldwege ohne Baum und Strauch bestimmen hier das Landschaftsbild. Einige wenige Heckenrudimente erinnern noch an andere Zeiten.

So war der Standort für die Benjeshecke, die in Zukunft die Streuobstwiese mit den noch vorhandenen Heckenstücken verbinden soll, bald gefunden.

Zunächst mußten die theoretischen Voraussetzungen, u.a. die Zustimmungen der Grundstückseigentümer, für die Anlage der Hecke geschaffen werden. Nach einigen Gesprächen zeigten die Eigentümer Interesse für das Vorhaben der Stadtrodaer Gruppe und gaben ihr Einverständnis.

Ende Mai 1994 kam es zum ersten "Großeinsatz" zum Aufbau der Hecke. Kein anderer als Hermann Benjes könnte diese Situation treffender schildern: "...Da liegen sie nun, fünf oder sechs Gestrüpphaufen, gleichmäßig über eine Länge von 100 Metern verteilt. Ein bißchen feierlich kann einem da schon zumute werden, denn jetzt sind die Weichen gestellt..."

Die richtige Arbeit für die "Heckengärtner" fängt aber damit erst an. So mußten die Gestrüpphaufen zu einer vier Meter breiten und etwa anderthalb Meter hohen Gestrüppbarriere aufgeschichtet werden. Da sich die Gruppe nicht nur auf den "Plumskloeffekt" der Vögel verlassen wollte, pflanzte sie in die Mitte des Gestrüpps kleinere Sträucher und Bäume. Ungünstigerweise stand ihnen sehr kleines Material zur Verfügung; deshalb schützten sie die gepflanzten Sträucher und Bäume mit einem zusätzlichen Holzgestell. Es verhinderte, daß das Reisig die Pflanzen zerdrückte und hielt außerdem die notwendigen Hohlräume für das Wachstum offen.

Bis zum Frühjahr 1995 wurden so ca 200 Meter Hecke angelegt. Schaut man sich jetzt die Benjeshecke an, so sind die ersten Erfolge sichtbar. Die ersten Holunderbüsche überragen bereits das Gestrüpp; und Ahorn, Esche und Haselnußbäumchen stecken ihre ersten Äste durch. Eine Vielzahl Vögel hat sich auch schon eingefunden, darunter so seltene Gäste wie der Neuntöter und die Goldammer. Die letzten verbliebenen 150 Meter Hecke will die Naturschutzgruppe noch in diesem Spätherbst oder im kommenden Frühjahr anlegen.

21. November 1995

BUND: Landesweiter Arbeitskreis Bergbau gegründet

Eisenach. Am 17.11.1995 wurde in Erfurt der landesweite Arbeitskreis Bergbau des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen gegründet.

Ziel des Arbeitskreises sei die enge Zusammenarbeit mit Thüringer Bürgerinitiativen und Kommunen, die sich gegen überdimensionierte und unsinnige Bergbauvorhaben wehren. Unterstützt würden die Initiativen mit Beratung und Material zu den Rechtsgrundlagen für den Rohstoffabbau in Thüringen und fachlicher Betreuung bei laufenden Verfahren.

Unablässig für die weitere Arbeit des Arbeitskreises Bergbau werde die Zusammenarbeit mit parlamentarischen Gremien, der Kontakt zu anderen Naturschutzverbänden und die Auseinandersetzung mit den für Bergbau zuständigen Behörden.

Desweiteren soll die gesamte Bevölkerung durch Veranstaltungen und Veröffentlichungen auf den Ausverkauf und die Zerstörung Thüringer Landschaften durch großzügig angelegten Abbau von Kalk, Sand, Hartgestein und Kies aufmerksam gemacht werden.

"Thüringen ist kein Bundesland der unbegrenzten Bergbaumöglichkeiten", so der am Freitag gewählte Arbeitskreissprecher Manfred Klöppel. Mit seiner Wahl und der Positionierung der einzelnen Mitglieder wurde der Arbeitskreis Bergbau arbeitsfähig gemacht. Zu weiteren Arbeitsgesprächen will er sich einmal monatlich zusammenfinden.

Als Basis für die Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen und betroffenen Kommunen sucht der Arbeitskreis Kontakte zu Ansprechpartnern, die sich in der BUND-Landesgeschäftsstelle in Eisenach melden können.

15. November 1995

BUND ruft zur Gründung eines Arbeitskreises "Bergbau" auf

Eisenach. Die Zahl der Abbauvorhaben von Kies, Sand und anderen Bodenschätzen steigt in Thüringen rapide an. Immer mehr Natur und Landschaft wird weggebaggert. Die Empörung der betroffenen Bevölkerung wird immer lauter. Ratlosigkeit macht sich angesichts der Zerstörung der Natur und der Belastung der Gemeinden breit.

Aus diesem Grund ruft der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND) zur Gründung eines Arbeitskreises ,,Bergbau" auf, um sich intensiv mit dem Problem Rohstoffabbau in Thüringen zu beschäftigen. Er lädt am 17.11.1995 um 17.00 Uhr, in die Espachstraße 3a, im "Grünen Haus" (Nähe Gothaer Platz) nach Erfurt zu einer Gründungsversammlung ein.

Auf der Tagesordnung der Gründungssitzung stehen die Formulierung von Zielen und Aufgaben und die Aufstellung eines Arbeitsplanes für die zukünftigen Aktivitäten des Arbeitskreises. Dabei ist die Erstellung eines landesweiten Überblickes über die laufenden und geplanten Bergbauvorhaben, speziell Vorhaben für den oberflächennahen Abbau von Rohstoffen, eine der Grundlagen.
Engagierte Personen, die sich gegen den Raubbau an der Natur und für einen natur- und ressourcenschonenden Bergbau einsetzen wollen und ihre Fachkompetenz ehrenamtlich im Arbeitskreis einbringen möchten, seien herzlich willkommen, so der BUND Thüringen. Wer daran Interesse habe, könne in der BUND Landesgeschäftsstelle Näheres über die Arbeitskreissitzung erfahren.

3. November 1995

Südharzautobahn zerstört Natur und bedroht regionale Wirtschaft

Eisenach/Hannover. Die geplante Südharzautobahn, A 38, haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Bürgerinitiativen gestern erneut scharf kritisiert. Auf einer Pressefahrt entlang der vorgesehenen Trasse erklärten Vertreter der BUND-Landesverbände Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, daß die A 38 - ehemals A 82 - nicht geeignet sei, um die bestehenden Verkehrsprobleme in der Region zu lösen. Für die Verkehrsexperten ist das Autobahnprojekt ökologisch und ökonomisch völlig unsinnig.

Als Beispiel für die Naturzerstörung durch die Autobahn nannte der BUND den Köhlersgrund bei Leinefelde. Dort soll eine zwei Kilometer lange Waldschneise geschlagen werden. Der Schaden in dem vielbesuchten Naherholungsgebiet wäre nicht wieder gut zu machen. Von der Autobahntrasse seien ebenfalls die einzigartigen Landschaften an der Eichsfelder Pforte und entlang der Goldenen Aue östlich von Nordhausen bedroht.

In Verbindung zum Autobahnbau stehe auch eine geplante überdimensionale Sondermülldeponie im Raum Sollstedt/Breitenworbis/Haynrode. Da in der Region selbst nicht so viel Sondermüll anfalle, befürchtet der BUND, daß der Giftmüll auf der Autobahn per Lkw herangekarrt wird. Das Autobahnprojekt fördere auch indirekt die Zerstörung von Naturraum: Das ostdeutsche Bergrecht sei äußerst liberal, Abbaufirmen könnten beinahe nach eigenem Belieben Material für die Trasse abbauen und die Landschaft verschandeln.

Durch die Südharzautobahn würden Lärm- und Abgas-Belastungen nicht ab-, sondern zunehmen. Das gegenwärtige Verkehrsaufkommen entlang der B 80 rechtfertige nicht den Bau einer neuen Autobahn, die parallel zu dieser Bundesstraße verlaufe. Die A 38 bringe nach Einschätzung des BUND keine Entlastung für die B 80 durch Bündelung des Verkehrs, sondern führe zu weiteren Ausbaumaßnahmen, dadurch werde der Verkehr noch stärker angekurbelt. Bislang sei der Bedarf für eine Autobahn nicht plausibel nachgewiesen. Die Planungen hätten Alternativen zur Verkehrsverlagerung auf die Schiene oder zur Verkehrsvermeidung nicht berücksichtigt.

Der BUND kritisierte weiter, daß die Südharzautobahn wirtschaftlich völlig verfehlt sei. Die Befürworter der A 38 versprächen sich und der Bevölkerung vor allem wirtschaftliche Impulse durch die Fernstraße. Der BUND hingegen fürchtet keine Erschließung der Region, sondern eine Transitstrecke zwischen Göttingen und Halle. Die regionale klein- und mittelständische Wirtschaft gerate unter Druck, denn auf der Autobahn würden preiswerte Angebote von außerhalb herantransportiert, die einheimische Produkte und Lebensmittel vom Markt verdrängten. Gefährdete Betriebe seien beispielsweise die Milchviehanlagen bei Mengelrode und Westhausen, die nach Ansicht des BUND dicht machen können, wenn die Autobahn gebaut würde. Die Autobahnbefürworter betrieben "Volksverdummung", wenn sie neue Arbeitsplätze durch die Autobahn versprächen.

Als Alternative zur A 38 schlägt der BUND vor, Schwertransporte auf die Schiene zu verlagern. Der motorisierte Individualverkehr müsse durch einen attraktiveren Öffentlichen Personennahverkehr verringert werden. In der Raumplanung sei mehr Phantasie gefordert: Der Radikalvorschlag "Autobahn" helfe nicht, die regionalen Handelsbeziehungen zu stärken. Zudem wiederhole man westdeutsche Planungsfehler: Konsumpaläste auf der grünen Wiese verursachten zusätzlichen Verkehr. Die Menschen ständen entnervt in Staus, während die Innenstädte verödeten. Um die Zentren wieder attraktiver zu machen und vom Schwerverkehr zu entlasten, toleriere der BUND an einigen Orten Umfahrungsstraßen.

Der BUND sieht noch Möglichkeiten, das unsinnige Autobahnprojekt zu verhindern. Zwar sei das Raumordnungsverfahren zur A 38 bereits abgeschlossen, doch im eigentlichen Planfeststellungsverfahren für die endgültige Baugenehmigung, seien die Öffentlichkeit und die Umweltverbände noch nicht zu Wort gekommen. Die zahlreichen Proteste und Einwände der Menschen entlang der geplanten Trasse ließen erwarten, daß der Planfeststellungsbeschluß nicht so leicht gefällt werden könne. Um den Autobahnbau zu verhindern, schließt der BUND auch eine gerichtliche Überprüfung der Planunterlagen nicht aus.

19. Oktober 1995

Kampf gegen die „Thüringer-Wald-Autobahn“ ist erfolgreich - BUND: Verkehrspolitischer Größenwahn bekommt zu Recht einen Dämpfer

Eisenach. Mit Zuversicht reagiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, in seiner jüngsten Presseerklärung auf die überraschenden Zugeständnisse der Verkehrsplaner, die Autobahnen A 71 und A 73 nicht wie geplant verwirklichen zu können. Demnach wäre das Verkehrsprojekt Nr. 16 über weite Strecken nur noch als zweispurige Bundesstraße mit Ortsumgehungen zu realisieren und in seiner ursprünglichen Planung nicht zu bezahlen.

„Der Realitätssinn zwischen den Fingern scheint nun wohl doch den Größenwahn zu besiegen“, so wertet der stellvertretende Landesvorsitzende Frank Henkel die aktuellen Hiobsbotschaften.
Sollten diese Informationen von offizieller Strelle bestätigt werden, stehe die thüringische Umweltbewegung, allen voran der BUND, damit vor ihrem bisher größten politischen Erfolg. Niemand könne dann bezweifeln, daß der bereits mehr als fünf Jahre andauernde hartnäckige Widerstand gegen das größte Zerstörungswerk Thüringens und Nordbayerns ein wichtiger Grund für die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums war.

Nach Ansicht des BUND stehe damit aber auch fest, daß wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der regionalen Verkehrssituation weiterhin auf sich warten lassen.
So konzentriere sich die DEGES jetzt zunächst auf den Bau von Autobahnabschnitten zwischen Erfurt und Suhl, einschließlich der monströsen Untertunnelung des Thüringer Waldes. Somit solle erst bei den südlichen Bauabschnitten abgespeckt werden.
„Statt immer konfuseren Planspielen brauchen wir jetzt ein klares Bekenntnis zu einer brauchbaren Alternativlösung für die Gesamtstrecke. Diese sehen wir nur im Ausbau der vorhandenen Bundesstraßen mit Ortsumgehungen“, so Henkel.

Nur der bisherigen Sturheit der Bundes- und Landespolitik sei es zu verdanken, daß die von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden bereits 1990 gemachten Alternativvorschläge bisher nicht aufgegriffen wurden, jetzt aber zwangsläufig zur Debatte stünden. Vielen stark verkehrsbelasteteten Gemeinden sei mit dieser Autobahnhinhaltetaktik damit auf skandalöse Weise der Weg für schnelle, entlastende, finanzierbare und umweltverträgliche Verkehrslösungen versperrt worden, resümiert der BUND.

Die Umweltorganisation werde sich daher nicht mit der jetzigen Situation zufrieden geben, sondern mit gestärktem Selbstbewußtsein weiterhin solange Widerstand leisten, bis die Autobahnplanung ganz vom Tisch ist. Der Anfang vom Ende sei eingeläutet, heißt es abschließend.

11. Oktober 1995

Lebensraum des Monats Oktober 1995: Streuobstwiesen

Eisenach. Gerade jetzt im Oktober locken die Streuobstwiesen wieder mit ihren reifen Früchten und ihrer Farbenpracht. Als ein sehr prägender und reizvoller Bestandteil unserer Kulturlandschaft umrahmen sie unsere Dörfer und laden zu einem Spaziergang ein. Viele Menschen nutzen die Früchte dieser Schatzkammern vor unserer Haustür. Schafe oder Ziegen weiden das Gras der Wiese ab oder es wird Heu geschnitten. Hier wachsen hochstämmige, heute meist alte Obstbäume verschiedener Sorten und Arten. Birnen- und Apfelbäume sind die klassischen Vertreter, dazwischen finden sich aber auch Kirsche, Pflaume und vereinzelte Heckenstücke.

Dieser äußerst abwechslungsreiche Lebensraum bietet einer Fälle von Tier- und Pflanzenarten Platz zum Leben. Der vom Aussterben bedrohte Steinkauz, der Wiedehopf, der Wendehals und verschiedene Spechte sind hier zu finden. Viele Tierarten brauchen Nisthöhlen, die sie meistens nicht einmal selbst bauen können. Das besorgen die Spechte, die zu den "sozialen Wohnungsbauern" gehören, weil sie mehr Höhlen anlegen, als sie eigentlich brauchen, und damit Brutmöglichkeiten für andere Höhlenbewohner schaffen. So sind zum Beispiel auch einige Säugetiere wie der Siebenschläfer oder die Fledermäuse Nutznießer dieser Eigenart des Spechtes.

Das tote Holz alter Obstbäume lockt viele Käferarten, wie den Heldbock, den Rosenkäfer oder den Wimpernbock an. Jede Art ist auf einen bestimmten Bereich des Holzes spezialisiert. So leben die einen auf dünnen Zweigen, die anderen in dicken, morschen Ästen oder in schon zu wolligem Mulm zerfallenem Holz. Auch Käfer leben "sozial", die Gänge der Larven mancher Käfer sind ideale Brutgänge für Wildbienen. Sie und andere Hautflügler leben von der Blütenvielfalt der Obstwiese. Schön anzusehende Veilchen, Wicken, Schlüsselblumen, Margeriten, Wiesensalbei oder der Wiesen-Gelbstern sind ideale Blütenpflanzen für Insekten.

Außerdem sind Streuobstwiesen wichtige Vernetzungselemente zwischen den verschiedenen Lebensräumen der freien Landschaft. Sie dienen als "Wanderwege" für viele Tiere.

Geschichtliches über die Streuobstwiesen
Im 17. Jahrhundert befahl Kurfürst Friedrich, daß jedermann mindestens zwei Obstbäume in seinem Garten anpflanzen solle. Im 18. und 19. Jahrhundert war es dann üblich, Apfel- und Birnensorten in größerem Maßstab in Form von Streuobstwiesen anzubauen. Es gab damals schon mehrere hundert verschiedene Apfel- und Birnensorten. Unsere Vorfahren wußten genau, wann geerntet werden mußte und welche Sorten zum Lagern, als Tafelobst oder als Saft geeignet waren. Schon damals erkannte man die Vorzüge der Streuobstwiese: sie war eine Zierde des Landes, bot Schutz und diente der Luftreinigung.

Immer mehr Streuobstwiesen verschwinden
Im 20. Jahrhundert setzte eine drastische Verdrängung der Streuobstwiesen durch Siedlungserweiterungen, Straßenbau, Flurbereinigung und den Bau von Gewerbegebieten ein, obwohl diese traditionelle Kulturlandschaft für Thüringen besonders landschaftsprägend war und zum Teil heute noch ist.
Die Bedeutung als Hauptobstversorger verloren die Streuobstwiesen, nachdem durch Obstgroßplantagen und durch Billigimporte der Bedarf weitgehend gedeckt wurde. Auch in Deutschland wurden Obstplantagen mit niederstämmigen Bäumen angelegt, auf denen bis zu 3000 Bäume je Hektar stehen, die gerade mal 15 bis 20 Jahre alt werden. Dort werden die gezüchteten Bäume durch Pestizideinsatz auf Hochleistung getrimmt. Durch die geringe Größe der Bäume und den Pestizideinsatz nimmt die Artenvielfalt in diesen Räumen rapide ab. Die Äpfel werden einer Größennorm unterworfen und dürfen keine äußeren Makel mehr haben. Das kann eine Streuobstwiese nicht bieten.
Inzwischen hat man erkannt, daß "verschrumpelte" Äpfel zwar nicht so schön aussehen, dafür aber gesünder sind. Immer mehr Verbraucher legen Wert auf den Geschmack und die Herkunft des Obstes. Sie wissen es zu schätzen, wenn das Obst naturbelassen auf einer Streuobstwiese reift, auf der keine Pestizide zum Einsatz kommen.
Aus diesen und auch aus Gründen des Artenschutzes für Tiere und Pflanzen sind Streuobstwiesen zu schützen, zu pflegen und gegebenenfalls neu anzulegen.

BUND-Gruppe "Vordere Rhön" pflegt Streuobstwiese am Hutsberg
Die Ortsgruppe "Vordere Rhön" des BUND Thüringen nahm sich 1993 dem Heftenhof an, einer vernachlässigten Streuobstwiese, die am westlichen Fuß des Hutsberges liegt. Ziel war es, die ein Hektar große Fläche mit den alten knorrigen Obstbäumen wieder so herzurichten, daß sie Platz für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten bietet. Die engagierten Mitglieder des BUND "Vordere Rhön" haben etwa 200 Arbeitsstunden für Pflegemaßnahmen investiert. Die Bäume wurden zur Erhaltung zurückgeschnitten und einmal im Jahr ein Teil der Wiese zur Heunutzung gemäht. Doch durch diese Pflegemaßnahmen allein ist dem Baumbestand kein ewiges Leben beschieden. Deshalb pflanzten die BUND-Mitglieder alte Obstsorten neu an, insgesamt 17 Apfel- und Birnensorten, wie zum Beispiel Pastorenbirne, Kaiser Wilhelm, Bohnapfel, Gewürzluiken und andere. Sie sollen eines Tages die Lücken der altersschwachen Bäume schließen.
Das anfallende Schnittgut wurde am Rand der Streuobstwiese als Wall aufgeschichtet, einer sogenannten Benjeshecke. In diesem wirren Asthaufen finden Kröten, Spitzmäuse und verschiedene andere Kleinsäuger Unterschlupf.
Die Insektenwelt und die Spinnentiere stellen einen Hauptteil des tierischen Lebens in diesem Biotop dar: es gibt dort unter anderem verschiedene Tagfalter, z.B. den farbenfrohe Admiral und den C-Falter. Specht, Star, Steinkauz und andere höhlenbrütende Vogelarten sind ebenfalls anzutreffen. Aber auch viele Pflanzen, insbesondere Moose, Flechten und Algen siedeln sich an den Ästen an.

Der Steinkauz
Der Steinkauz steht auf der "Roten Liste" der vom Aussterben bedrohten Arten. Er braucht großräumige Gebiete zum Leben und gehört mit seinem dunkelbraunen Gefieder und den weißlichen Tupfen zur Familie der Eulen. Er jagt nicht nur in der Nacht seine Beute, sondern auch am Tage. Seine Lieblingsspeise sind Insekten und Kleinsauger. Er lebt das ganze Jahr auf Streuobstwiesen, aber auch in Steinbrüchen.
Die BUND-Ortsgruppe sieht ihre Arbeit als einen Beitrag an diesem selten gewordenen Lebensraum, der in den letzten Jahrzehnten fast überall in Deutschland um 80% zurückgegangen ist. Sie will diese Streuobstwiese erhalten und dem Artenschwund der alten Obstsorten entgegenwirken.

BUND Eichsfeld zum Thema Streuobstwiesen
Streuobstwiesen sind eine wertvolle Bereicherung der Eichsfelder Kulturlandschaft, für deren Erhalt es zu werben gilt. Auf die Dauer haben sie nur eine Überlebenschance, wenn sie richtig genutzt und gepflegt werden.
Die BUND-Gruppe Eichsfeld hat aus dem Wissen heraus, daß Streuobstwiesen ein wichtiger Lebensraum und Rückzugsgebiet für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten sind, die Patenschaft für eine solche Obstwiese übernommen.
Zu den Pflegeaktionen, zu denen der Obstbaumschnitt, das Anbringen von Nisthilfen und die Grasmahd nach der Blüte gehören, sowie zur Apfelernte treffen sich die Heiligenstädter BUND-Mitglieder regelmäßig. Aus den Äpfeln wird z.B. Most gewonnen.

10. Oktober 1995

Verfahren zur Ausweisung des "Alten Stolberg" als Naturschutzgebiet ausgesetzt – BUND protestiert scharf

Eisenach. Mit Empörung hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf den vorläufigen Stop bei der Unterschutzstellung des "Alten Stolberg" (Landkreis Nordhausen) reagiert. Die von Seiten des Thüringer Umweltministeriums verfügte Aussetzung des Verfahrens, mit der Teile des "Alten Stolberg" endgültig als Naturschutzgebiet gesichert werden sollten, sei ein Skandal, rügt der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, in einer heute veröffentlichten Presseerklärung.

Scharfe Kritik übt der BUND an Äußerungen des zuständigen Staatssekretärs im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Illert, der die Aussetzung des bereits laufenden Verfahrens damit begründet hatte, daß die Abstimmung mit den betroffenen Eigentümern nicht ausreichend und damit auch die "Planreife noch nicht gegeben" sei. "Die jetzt bewirkte Verfahrensverzögerung dient nicht dem Schutz von Natur und Landschaft, sondern – ob beabsichtigt oder nicht – vor allem den Interessen der Gipsindustrie, die beim "Alten Stolberg" bereits in den Startlöchern sitzt", widerspricht Spielmann. "Damit w:ird nicht etwa die Akzeptanz für den Naturschutzgedanken erhöht, wie es das Umweltministerium glauben machen will, sondern der Kniefall vor der Bergbaulobby kaschiert."

Schon jetzt betrage das Verhältnis von Bergwerksfeldern zu bestätigten Naturschutzgebieten in Nordthüringen 3:1. Durch ein solches Vorgehen würden auch die Interessen der Gemeinden, die eine Entwicklung des Fremdenverkehrs im Südharz anstrebten und langfristige Arbeitsplätze schaffen wollten, zur Farce. "Bevölkerung und Politiker in der Region dürfen sich diese absurden Vorgaben aus Erfurt nicht gefallen lassen", hofft der BUND, der gleichzeitig ankündigt, sich des Themas intensiv anzunehmen.

Über den Einzelfall hinaus äußert der BUND Thüringen schwerwiegende Bedenken: "Macht das Beispiel "Alter Stolberg" Schule", so Spielmann, "wird es in Thüringen in nächster Zukunft eine Ausweisung von Naturschutzgebieten nicht mehr geben." Angesichts der überall im Freistaat zu beobachtenden massiven Eingriffe in Gebiete, deren vorläufige Unterschutzstellung derzeit ausläuft, sei eine Verlängerung des rechtstaatlich eindeutig geregelten Verfahrensweges kontraproduktiv. "Statt den nach 1989 angelegten Schatz wertvoller und schützenswerter Naturräume zu sichern, leistet die Landesregierung damit ihren naturschutzpolitischen Offenbarungseid", so der BUND abschließend.

8. Oktober 1995

BUND und Grüne Liga: Scharfe Kritik an unseriöser Verkehrsplanung für A 71 und ICE – „Baubeginn noch in diesem Jahr völlig unrealistisch"

Anläßlich des vom 4. bis 6. Oktober in Ichtershausen (Ilmkreis) stattfindenden Erörterungstermins für den Planungsabschnitt "Erfurt-Land" der Thüringer-WaId-Autobahn und der ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt haben die Landesverbände des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Grünen Liga ihre Kritik an den beiden Vorhaben erneut bekräftigt. Insbesondere die mit dem Bau verbundenen Eingriffe in Natur und Landschaft seien "unverhältnismäßig und durch nichts zu begründen", heißt es in einer heute veröffentlichten gemeinsamen Presseerklärung der beiden Umweltverbände.

"Unter anderem würde nicht nur die Gemeinde Molsdorf mit ihrer Schloßanlage stark in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch eine für Erfurt wichtige Kaltluftschneise voraussichtlich beseitigt", wies Johannes Baumgärtel, Vertreter der Grünen Liga, auf drohende ökologische Konsequenzen im Planfeststellungsabschnitt "Erfurt-Land" hin.

"Die Realisierung dieser Verkehrsprojekte wäre einer der größten ökologischen Fehler in den neuen Bundesländern", so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND. Grüne Liga und BUND kritisieren in diesem Zusammenhang auch die enorm gestiegenen Kosten der Projekte, die in keinem vernünftigen Verhältnis zu der erwarteten Wirtschaftlichkeit mehr stünden.

Beide Verbände forderten eine Überarbeitung der Planung dieser Verkehrsprojekte auf der Basis der von ihnen vorgebrachten Alternativvarianten, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoller seien.

Den seitens der Planer noch für 1995 angekündigten Baubeginn halten BUND und Grüne Liga für völlig unrealistisch. "Weder die finanzielle noch die rechtliche Situation dieser Verkehrsprojekte ist bislang geklärt. Es wird immer deutlicher, wie unseriös die gesamte Planung für die Luftschlösser A71 und ICE ist ", so Spielmann abschließend.

29. September 1995

"Letzte Chance für das Grüne Band" - BUND fordert rasche Rettungsmaßnahmen

Eisenach. Einen dringenden Appell für den Erhalt des "Grünen Bandes" entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) gerichtet. In einem Brief, den der stellvertretende BUND-Bundesvorsitzende und Thüringer Landesvorsitzende, Ralf-Uwe Beck, heute der Umweltministerin überreichte, fordert der BUND rasche und energische Maßnahmen zur Rettung des einzigartigen und durch vielfältige Nutzungsansprüche bedrohten Biotopverbundes.

Der BUND betont, daß vor allem Bundesbehörden beim Umgang mit staatlichen Flächen dem gesetzlichen Naturschutzauftrag besonders verpflichtet seien. Das Grüne Band sei eine national bedeutsame Biotopverbundachse mit Hunderten von Kilometern bestehender Biotopvernetzung, in der viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten ein letztes Refugium gefunden haben. Die Bundesregierung habe sich wiederholt für den Schutz des Grünen Bandes ausgesprochen, wesentliche Entscheidungen über dessen Zukunft fielen in Bonn. "Der ehemalige Grenzstreifen ist gerade im Europäischen Naturschutzjahr ein Prüfstein für das bundesdeutsche Naturschutzhandeln", so Beck.

Derzeit befinde sich der Grenzstreifen noch in Besitz des Bundesvermögensamtes, jedoch drohe der Verkauf der Flächen auf dem freien Markt oder die äußerst verwaltungsaufwendige Rückgabe an die ehemaligen Grundstücksbesitzer. Von den zukünftigen Besitzern hinge es dann ab, ob dieses einzigartige Biotopverbundsystem naturnah belassen oder durch eine intensiv-landwirtschaftliche oder wirtschaftliche Nutzung zerstört werde.

"Hier drohen sowohl ein ökologischer als auch ein ökonomischer Skandal", kriti¬siert Beck. "Überall im Lande bemühen sich Bürger, Gemeinden, Naturschutzverbände und in zunehmendem Maße auch Fachbehörden mit großem Engagement und Steuermitteln, in der ausgeräumten Agrarlandschaft wieder neue Hecken, Tümpel, Gehölze und Brachen anzulegen, während das Bundesvermögensamt gleichzeitig tatkräftig mithilft, die Zerstörung des Grünen Bandes voranzutreiben", so Beck weiter. Es sei ein "agrarpolitischer Wahnwitz", einerseits bundesweit hunderttausende Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche stillzulegen und andererseits die seit über 40 Jahren nicht mehr genutzten, wertvollsten Brachflächen neu umzupflügen.

Demgegenüber schlägt der BUND vor, den 1400 km langen ehemaligen Grenzstreifen in Besitz des Bundes zu belassen und die früheren Grundstücksbesitzer angemessen zu entschädigen. Die Flächen sollten laut BUND in das bundesweit laufende Flächenstilllegungsprogramm als langfristige Dauerbrache aufgenommen werden, um somit nicht nur dem Überleben vieler Rote-Liste-Arten, sondern auch dem Erhalt des Grenzstreifens als Denkmal des einst geteilten Deutschlands Rechnung zu tragen.

9. September 1995

Lebensraum des Monats September 1995: Quellen

Eisenach. Ihr reines und frisches Wasser, das als lebensspendendes Element in geheimnisvoller Weise direkt der Erdrinde entspringt, hat den Menschen seit jeher fasziniert und Anlass zu zahlreichen Sagen, Volksliedern und Gedichten gegeben.

Quellen gehören zu den Lebensräumen, die in der Volkskunde und Mythologie vieler Kulturen eine besondere Rolle spielen. Sie stehen für den Menschen symbolisch für Sauberkeit, Entstehung des Lebens, ja sogar für das Leben schlechthin und sind deshalb mit besonderer Ehrfurcht behandelt worden. Alte Ortsnamen wie Bornshain zeugen noch von ihrer damaligen Wertschätzung.

In den Quellgebieten greifen Wasser und Land in vielfältiger Weise ineinander und bilden reichhaltige Lebensräume von besonderem Reiz. Quellen entstehen durch den Wasseraustritt infolge von wasserstauenden Schichten im Untergrund. Der Lebensraum Quelle ist aus diesem Grund nur wenig von den Jahreszeiten abhängig, denn es herrscht fast ganzjährig eine konstante Temperatur. Im Hochsommer ist die Quelle frischespendend. In strengen Wintern jedoch hat sie eine höhere Temperatur als die Umgebung und friert nie zu.

Quellwasser ist natürlicherweise sauerstoff- und nährstoffarm. Es bildet somit einen Rückzugsraum für Arten nährstoffarmer Gewässer. Speziell angepaßt an Quellen sind Arten der niederen Tiere zum Beispiel aus den Gruppen der Köcherfliegen, Käfer, Krebse und Schnecken. Hier anzutreffen ist auch der Feuersalamander, der Quellbäche benötigt, um seine Larven abzusetzen.

Nur ganz spezialisierte Pflanzen ertragen die ständige Bewegung des eiskalten Quellwassers. Pflanzen wie der Riesenschachtelhalm, Quellmoos-Arten, Milzkräuter, Bitteres Schaumkraut oder auch die bekannte Brunnenkresse wachsen in diesem Lebensraum. Sie sind von einer Veränderung der Quelle im Bestand gefährdet.

7. September 1995

Streit um ICE-Verbindung über Gera: BUND Thüringen unterstützt Initiative der Stadt Gera

"Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) unterstützt die Initiative der Stadt Gera für eine ICE-Streckenführung über Ostthüringen." Dies erklärte der Geschäftsführer des Verbandes, Michael Spielmann, heute in Eisenach. Der Oberbürgermeister der Stadt Gera, Ralf Rauch, hatte angekündigt, Bundeskanzler Kohl am heutigen Donnerstag 12.000 Unterschriften für einen ICE-Halt in Gera überreichen zu wollen.
"Die Variante über Gera ist wesentlich billiger und umweltverträglicher zu realisieren als die Querung des Thüringer Waldes", so Spielmann. Gegen den von der Thüringer Landesregierung favorisierten Trassenverlauf über Erfurt bestünden von Seiten des BUND dagegen erhebliche Bedenken, da diese mit "nicht ausgleichbaren Natureingriffen im Grünen Herzen Deutschlands" verbunden seien.

Darüber hinaus sei der Streckenverlauf über Erfurt auch aus verkehrlichen und raumordnerischen Gründen abzulehnen. "Auf diese Weise kann weder die beabsichtigte direkte Verbindung Nürnberg-Berlin realisiert werden kann, noch wird der Bevölkerungsdichte des Ballungsraumes Gera/Chemnitz/Zwickau Rechnung getragen", so der BUND. "Es ist ein Skandal, daß sich die Erreichbarkeit der zweitgrößten Stadt Thüringens auf der Schiene in den vergangenen Jahren immer mehr verschlechtert hat, ohne daß dies die verantwortlichen Landespolitiker interessiert", kritisiert Spielmann.

Die höhere Wirtschaftlichkeit einer alternativen Streckenführung durch das Vogtland und Plauen sei bereits 1992 durch ein vom BUND Thüringen in Auftrag gegebenes Gutachten der VIEREGG & RÖSSLER GmbH belegt worden. Zum gleichen Ergebnis kämen inzwischen auch interne Gutachten der Deutschen Bahn.

Kritik übt der BUND Thüringen an der "engstirnigen und egoistischen Haltung" des Erfurter Oberbürgermeisters Manfred Ruge (CDU) in dieser Frage. Dieser hatte ein Ende der Diskussion über die ICE-Strecke gefordert, da diese "beschlossene Sache" sei. "Noch ist in Thüringen kein Meter der ICE-Trasse gebaut. Und Unsinn wird nicht dadurch sinnvoll, daß er konsequent zu Ende gebracht wird", so Spielmann abschließend.

6. September 1995

"Das grüne Band ist in Gefahr" – BUND Thüringen kritisiert illegale Nutzung des Grenzstreifens durch die Landwirtschaft

"Ohne jegliche Rechtsgrundlage okkupiert die Landwirtschaft in Thüringen derzeit Zug um Zug ökologisch wertvolle Bereiche im ehemaligen Grenzstreifen", so der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, in einer heute veröffentlichten Presseerklärung. Nach dem Abbau der Grenzanlagen und erfolgter Minenräumung drohe allen nutzbaren Flächen außerhalb von bestätigten Schutzgebieten jetzt das Schicksal der Umwandlung in Intensiväcker. In bisher ungekanntem Ausmaß werde deutlich, daß die Belange des Naturschutzes nach dem Auslaufen der einstweiligen Sicherstellungsfristen keine Beachtung mehr fänden. Besonders prekär sei die Situation im südthüringischen Grabfeld. Hier sei der Grenzstreifen in der ausgeräumten Agrarlandschaft über weite Strecken das einzige strukturschaffende Landschaftselement mit biotopvernetzender Wirkung gewesen.

Während die Naturschutzbehörden aufgrund ungeklärter Besitzverhältnisse bisher keine Unterschutzstellungsverfahren im Grenzstreifen hätten einleiten können, störe dieser Umstand die Landwirtschaftsämter bei der Wahrnehmung ihrer Interessen offensichtlich wenig. Auf der Grundlage sogenannter Vorpachtverträge mit dem Bundesvermögensamt als derzeitigem Flächenverwalter vergrößere die Landwirtschaftsverwaltung auf Kosten des Naturschutzes ihren Flächenfonds. "Dabei ist beschämend, mit welchen Kreisleitungsmanieren altbekannte Landwirtschaftskader bei Vorortterminen die Vertreter der Naturschutzbehörden behandeln", kritisiert der stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Thüringen, Frank Henkel. Von einer Gleichbehandlung öffentlicher Interessen sei da nichts zu spüren.

Seitens der Landwirtschaft werde jetzt die auflagenfreie landwirtschaftliche Nutzung des extensiven Grünlandstreifens im sogenannten vorgelagerten Gebiet vorgesehen. Im Gegenzug dazu wolle man sich mit dem Naturschutz auf die Erhaltung des Plattenweges und Kfz-Sperrgrabens, beide nicht viel breiter als 15 Meter, einigen. Angesichts der herausragenden ökologischen Bedeutung des Grenzstreifens in seiner Gesamtheit bewertet der BUND Thüringen diesen "Konsensvorschlag" als blanken Zynismus. "Sollten sich die landwirtschaftlichen Interessen auf diese Weise durchsetzen, müssen wir den Braunkehlchen ein Vergrößerungsglas umhängen, damit sie ihren Biotop wiederfinden", so Henkel.

Nach Ansicht des BUND Thüringen könne dieser Konflikt ohne weiteres beigelegt werden, wenn die Landwirtschaft kompromißbereiter sei. So könnten die betroffenen Flächen bis zu ihrer offiziellen Rückübertragung durch das Bundesvermögensamt von den Agrargenossenschaften durchaus bewirtschaftet werden, sofern die Naturschutzauflagen eingehalten würden. Mögliche finanzielle Einbußen könnten über das Thüringer Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) ausgeglichen werden.

Der BUND Thüringen erwarte vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft und Naturschutz schnellstens einen Vorstoß zur Aufhebung der offensichtlichen Differenzen zwischen seinen Abteilungen Landwirtschaft und Naturschutz beim Umgang mit dem ehemaligen Grenzstreifen. "Ansonsten droht die Gefahr, daß das grüne Band in Kürze zu wenigen unscheinbaren grünen Inselchen zusammenschrumpft", so der BUND .

23. August 1995

BUND: "Angeblicher Baubeginn für die A 38 ist eine Mogelpackung" -"Kritiker des Projektes sollen durch Propaganda mundtot gemacht werden"

Eisenach. Als "reine Mogelpackung" hat der BUND Thüringen den angeblichen Baubeginn der "Südharzautobahn" A 38 bezeichnet. In Schkortleben bei Weißenfels (Sachsen-Anhalt) war Ende vergangener Woche ein sogenannter erster "Rammschlag" für ein Autobahnteilstück durchgeführt worden, welches zukünftig die Bundesstraßen 91 und 87 im Raum Halle verbinden soll.

"Bei der nun begonnenen Straßenverbindung handelt es sich keineswegs um die "Südharz-Autobahn" A 38, sondern vielmehr um die A 143, die verkehrlich weitgehend unabhängig von der geplanten Autobahn Göttingen - Halle ist", so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen in einer heute veröffentlichten Presseerklärung. "Mit dieser dummdreisten Propagandaveranstaltung sollen die immer zahlreicher werdenden Kritiker der A 38 entmutigt und mundtot gemacht werden", kritisiert Spielmann. "Daß die Planer es nötig haben, mit solch faulen Tricks Stimmung für dieses unsinnige Projekt zu machen, offenbart jedoch vor allem ihre Unsicherheit und die Schwäche ihrer Argumente."

Gleiches gelte auch für die jüngste Ankündigung des Thüringer Wirtschaftsministeriums, wonach mit dem ersten Bauabschnitt der A 38 in Thüringen noch Ende dieses Jahres begonnen werden solle. "Auch der Thüringer Wirtschaftsminister weiß, daß es derzeit keinerlei Baurecht für die A 38 gibt und daß die Finanzierung gerade dieses Projektes in den Sternen steht", so Spielmann. Der angekündigte Bau von Autobahnteilstücken als Ortsumgehungsstraßen sei zudem verfahrensrechtlich mehr als fragwürdig und werde einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten.

In den noch ausstehenden Planfeststellungsverfahren müsse die Umweltverträglichkeit des Vorhabens geprüft und die Öffentlichkeit erneut beteiligt werden. Dabei müßten endlich auch Alternativen, wie etwa der Ausbau der bestehenden  B 80 und der Schiene, untersucht und gegenüber den massiven ökologischen Schäden durch einen Autobahnneubau abgewogen werden.

Immer mehr Menschen im Eichsfeld und im Südharz würden erkennen, daß ihnen eine solche Transitstrecke nicht Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung, sondern sinkende Lebensqualität durch Lärm und Abgase bringe und für die Region durch die billigere europäische Konkurrenz Nachteile bedeute. "Mit seinem Festhalten an der A 38 fördert der Thüringer Wirtschaftsminister vor allem die Einkaufszentren Göttingen und Kassel und das internationale Speditionsgewerbe", so der BUND. Nicht einmal die regionale Bauwirtschaft werde angesichts der europaweiten Ausschreibung der Baumaßnahme von einer A 38 profitieren.

Der BUND Thüringen werde sich deshalb gemeinsam mit der betroffenen Bevölkerung entlang der geplanten Trasse weiterhin gegen das, so Spielmann, "verrückte und überflüssige Prestigeobjekt A 38 zur Wehr setzen".

21. August 1995

BUND Thüringen ab September auch in Gera – Umweltinteressierte wollen mit dem Umweltverband Arbeit beginnen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) wird ab Ende September auch in Gera mit einer Gruppe vertreten sein. Wie ein Treffen Umweltinteressierter Bürger aus Gera und Umgebung am 17. August, ergab, soll eine regelmäßige Arbeit des Umweltverbandes in Gera beginnen.

Die Zusammenkünfte werden immer am letzten Montag des Monats sein, erstmals am 25. September. Als eines der ersten Themen hat sich die Gruppe vorgenommen, die Verkehrssituation der Stadt aber auch der Region zu besprechen.

"Wir leben in einer Zeit, in der Allergien zum Normalfall werden, die Ozonbelastungen ihren festen Platz in den Nachrichten haben und gleichzeitig der Politik zu einem ungebremsten Verkehrsaufkommen nicht mehr einfällt als neue Straßen. Wenn dann Menschen zusammenkommen, um die Bewahrung der Schöpfung in den Blick zu nehmen, ist das genau die richtige Antwort", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Der BUND Thüringen, der bisher 1.100 Mitglieder in 35 Gruppen hat, in Ostthüringen bisher aber schwer Fuß fassen konnte, wird nun auch in der zweitgrößten Stadt Thüringens vertreten sein.

Alle, die an einer Mitarbeit interessiert sind, können sich an die -Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen wenden.

20. August 1995

„Großer Ofen, alles ‘rein“ - BUND kritisiert Müllverbrennung als einfallslose „Lösung“

Eisenach. Scharfe Kritik übt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, an den Plänen der TEAG Entsorgungs GmbH, in Südthüringen eine Müllverbrennungsanlage mit einer jährlichen Kapazität von 240.000 Tonnen Restmüll zu bauen (die Presse berichtete).

Der BUND verurteilt die Müllverbrennung als „einfallslose Lösung“. „Man macht es sich sehr einfach: Großer Ofen, alles ‘rein, auch das, was zu verbrennen völliger Unsinn ist, und schon glaubt man, das Problem beseitigt zu haben“, so Christine Meinecke, abfallpolitische Sprecherin beim BUND Thüringen. Die Probleme gingen aber nach der Verbrennung erst richtig los, denn die Verwertung von unbehandelten Schlacken und Aschen aus Müllverbrennungsanlagen als Baustoff  sei aus rechtlichen Gründen wegen des hohen Schadstoffgehaltes nicht mehr zulässig. Die Filterstäube müßten sogar wie hochgiftiger Sondermüll behandelt werden.

Insbesondere kritisiert der BUND, daß der Energiekonzern die rückläufige Tendenz der Abfallmengen völlig ignoriere und gar nicht erst über die alternative Vorbehandlung zur Reduzierung des Restmülls nachdenke. Nur Großanlagen seien offensichtlich finanziell interessant und versprächen große Gewinne, wobei die Körperschaften mit langjährigen Verträgen über „garantierte“ Müllmengen über viele Jahre geknebelt werden sollten. Bei einer Beteiligung der Körperschaften, z.B. mit 49 Prozent, hieße das, daß eventuelle Verluste auch zu Lasten der Bürger gingen.
Die Müllverbrennung sei das grundsätzlich teuerste Verfahren überhaupt. Für eine Restmüllmenge von 240.000 Tonnen pro Jahr seien die Investitionskosten nach Ansicht des BUND mit 300 Millionen Mark noch zu „tief gestapelt“. Bisherige Erfahrungen zeigten, daß bei Anlagen dieser Größenordnung mit zum Teil mehr als doppelt so hohen Investitionskosten zu rechnen sei, die dann auf den Gebührenzahler abgewälzt würden.

„Mit dem Bau großer Müllverbrennungsanlagen begibt sich die TEAG in die abfallwirtschaftliche Steinzeit, weil sie damit eine Explosion der Einwegverpackungen induziert“, so Klaus Fink, Fachreferent beim BUND. Gleichzeitig wies Fink darauf hin, daß einige Anlagen in den Altbundesländern nicht ausgelastet seien. Die dortigen Betreiber wüßten oftmals kaum noch, wo sie den Müll herholen sollen, um rentabel zu arbeiten. Mit dem Bau zusätzlicher Müllverbrennungsanlagen werde die allseits immer wieder beteuerte Priorität der Abfallvermeidung vor der Abfallbeseitigung völlig ad absurdum geführt.
Schwachsinn seien Müllverbrennungsanlagen in Thüringen - außer in Südthüringen plane die TEAG eine weitere Großanlage in Erfurt - auch noch aus einem anderen Grund: Ab 1996 gelte das Kreislaufwirtschaftsgesetz mit der Konsequenz, daß die Abfallmengen überhaupt nicht mehr prognostizierbar seien.

9. August 1995

BUND setzt gegen die Farce de Frappe eine Force de Fax - BUND fordert Landesregierung auf, sich an Chirac zu wenden

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat seine Gruppen zum Fax-Protest gegen die von Frankreich im Mururoa-Atoll geplanten Atomtests aufgefordert.

"Die Tests sind so überflüssig wie Atomwaffen selbst. Sie sind eine Farce de Frappe.", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. "Wir wollen mit den Thüringerinnen und Thüringern dagegen die Force de Fax setzen."

Protestbriefe, der Slogan "Atomtests stop!" oder einfach Symbole, wie durchgestrichene Raketen, werden vom BUND über die Präsidiale Fax-Nummer direkt in den Elyse-Palast gefaxt: 00 331-48 87 28 23. Der BUND fordert dazu auf, sich dem Fax-Protest anzuschließen.

Gleichzeitig appelliert der BUND Thüringen an die Landesregierung, sich direkt an Chirac zu wenden und den Protest aus Sicht eines durch die Uranförderung massiv geschädigten Landes zu formulieren.

"Thüringen hat die Folgen des atomaren Wahnsinns nicht nur vor der Haustür, sondern mit dem Wismut-Gebiet im Haus", so Beck. "Das prädestiniert die Thüringer Regierung aus eigener Betroffenheit, Chirac auf seine Skrupellosigkeit hinzuweisen."

Die Kommunen, die Partnerstädte in Frankreich haben, bittet der BUND, Freundschaften zu nutzen, um gemeinsam gegen die geplante Atomtestreihe zu protestieren. Dies könne unterstreichen, daß der Protest sich nicht gegen das französische Volk wendet, sondern gegen die Regierungsentscheidung. Der freundschaftliche Kontakt nach Frankreich über Städtepartnerschaften könne helfen, so der BUND, der französischen Regierung zu verdeutlichen, daß die eigenen Wählerinnen und Wähler den internationalen Protest mittragen. Chirac muß klargemacht werden, daß er sich mit seinem einsamen Entschluß auch im eigenen Lande isoliert.

Der BUND weist darauf hin, daß mit den Atomtests dem Mururoa-Atoll ein ökologisches Desaster droht. Das Atoll könne auseinanderbrechen und die in über 100 früheren Tests angereicherte Radioaktivität freisetzen. Die radioaktiven Stoffe könnten sich durch die Meeresströmung ausbreiten und in die Nahrungskette gelangen.

1. August 1995

Lebensraum des Monats August 1995: Tongrube

Eisenach. Der Abbau von Ton greift zunächst erheblich in die Natur ein. Dadurch werden Lebensräume von bestehenden Tier- und Pflanzengesellschaften nachhaltig beeinflußt. Überläßt man jedoch diese ehemaligen Abbaugruben sich selbst, so entstehen wertvolle Biotope ganz anderer Art. Diese Gruben sind ein nebeneinander von trockenen und feuchten, sonnigen und schattigen, vegetationslosen und bewachsenen Flächen. Steilwände, Abraumhalden, Mager- und Trockenflächen wechseln mit größeren und kleineren Gewässerflächen. Gerade durch diese Vielfalt auf einer relativ kleinen Fläche entsteht ein buntes Biotop.

Seltene Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die sonst keinen geeigneten Platz mehr finden, entstehen. Die Abbaugruben sind Wärmeinseln, auf denen sich besonders Reptilien-, Amphibien- und Insektenarten wohlfühlen. Die Geburtshelferkröte, die Kreuzkröte, der Grünfrosch oder die in Thüringen vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke finden hier einen Platz zum Leben. Sie wurden aus ihren ursprünglichen Lebensräumen zum Beispiel Flußaltarme verdrängt. Oftmals sind es magere und nährstoffarme Standorte die diese Tiere bevorzugen. Durch die allgemein zunehmende Nährstoffanreicherung im gesamten Naturhaushalt, beispielsweise durch Dünger, gewinnt damit eine solche Grube mit ihrer Nährstoffarmut ganz besonders an Seltenheitswert. Aus diesen Gründen sind Tongruben neben Lehm-, Löß-, Sand- oder Kiesgruben laut § 18 des Thüringischen Naturschutzgesetzes geschützt.

Tongrube in Bollstedt bei Mühlhausen
Für den Erhalt der Tongrube in Bollstedt setzt sich der BUND Kreisverband Unstrut-Hainich ein. Auf dem etwa 15 Hektar großen Gebiet findet seit 1935 Tonabbau statt.
Das Profil dieser Tongrube dokumentiert die Landschaftsentstehung des Mühlhäuser Beckens zu Beginn der letzten Kaltzeit. Es zeigt eine etwa sechs Meter mächtige Lößdecke, die mit begrabenen Bodenhorizonten überlagert ist. Der Schilfsandstein in der Profilwand enthält Fossilien einer Sumpfflora die 195 Millionen Jahre vor unserer Zeit entstanden ist. In Nordthüringen ist dieses Profil innerhalb der quartären Abfolgen einmalig. Es war deshalb geplant, die Tongrube wegen ihrer geologischen Bedeutsamkeit für Lehr- und Forschungszwecke zu nutzen, auch weil sie sehr anschaulich das Landschaftsgefüge darstellt. Ein Teil der Tongrube von 0,1 Hektar ist als Flächennaturdenkmal ausgewiesen.

Besonderes Tier der Tongrube Bollstedt: Die Geburtshelferkröte
Man schätzt, daß sich in der Tongrube Bollstedt das größte Vorkommen der Geburtshelferkröte im ganzen Kreis befindet. Die vom Aussterben bedrohte Kröte erreicht in Thüringen ihre östlichste Verbreitungsgrenze. Die Tiere sind hauptsächlich nachtaktiv, rufen jedoch auch tagsüber aus ihren Verstecken. Sie geben Geräusche ähnlich kleiner Glöckchen von sich, weshalb sie auch Glockenfrosch genannt werden. Sonnenexponierte, nur schütter bewachsene Böden mit grabbarem Material oder Unterschlupfmöglichkeiten in deren engster Nachbarschaft ein Gewässer liegt, sind für sie ein idealer Lebensraum. Zum Laichen bevorzugt die Geburtshelferkröte ein sonniges und weitgehend vegetationsarmes Gewässer. Zwischen April und August legen die Weibchen 20 bis 80 Eier ab. Das Männchen wickelt sich dann die Laichschnüre um seine Hinterbeine. Nach 3 bis 6 Wochen, wenn die Larven schlüpfreif sind, sucht es dann ein Gewässer auf und streift den Laich ab, währenddessen die Larven meist schlüpfen. Die Umwandlung der Larven erfolgt oft erst nach der Überwinterung im nächsten Jahr. Den Winter verbringen die Tiere in selbstgegrabenen bis zu 5 Meter tiefen Höhlen oder in natürlich gegebenen Schlupfwinkeln.

BUND Kreisverband Hainich-Unstrut für den Erhalt der Tongrube
Die Tongrube Bollstedt bot diese idealen Lebensbedingungen für die Lurche und für viele andere Lebewesen. Jedoch entstand 1979 der Plan eine Hausmülldeponie im Gebiet der Tongrube Bollstedt einzurichten. Bis etwa 1990 wurde dann dort illegal Müll abgelagert. Bereits dadurch wurden einzelne Grubengewässer schädlich beeinträchtigt. An dem Plan eine Hausmülldeponie einzurichten, wurde auch später festgehalten und 1992/93 die "Tongrube Bollstedt" ohne Beschluß des Kreistages und ohne Befragung oder Information der Umweltverbände in Vorbereitung der Deponieeinrichtung zu einem großen Teil, darunter auch das Flächennaturdenkmal, vernichtet. Doch nicht alles wurde zerstört, derzeit befinden sich noch Tiere im südlichen Teil des Tongrubengebietes. Erst im Mai 1993 kam dann der "Planfeststellungsbeschluß über die Errichtung und den Betrieb der Kreisdeponie für Siedlungsabfälle Bollstedt" durch das Thüringer Landesverwaltungsamt mit der Auflage, die Grubengewässer im südlichen Teil des Grubengeländes als Amphibienbiotope zu erhalten.
Erst durch öffentlichen Druck über die Medien und durch wiederholte Schreiben des BUND Unstrut-Hainich an das Umweltamt und vor allem das Abfallwirtschaftsamt ist ein Bemühen zumindest des Umweltamtes festzustellen, den Auflagen des Planfeststellungsbeschlusses besser zu entsprechen und Maßnahmen zur Sicherung der Lurchpopulation einzuleiten.
Bei einem Ortstermin versicherten Vertreter des Umweltamtes, wieder für ausreichende Lebensbedingungen der Tiere zu sorgen. Noch sind diese Versprechungen nicht in die Tat umgesetzt und die Lurche sind weiterhin bedroht, zusätzlich jetzt auch noch durch das Abpumpen des Grubenwassers.
Der BUND in Mühlhausen wird weiterhin wachsam sein und sich dafür engagieren, daß die Tongrube Bollstedt als Lebensraum u.a. für Lurche erhalten bleibt.

Für Rückfragen: Eberhart Lehnert BUND Unstrut-Hainich  Tel.: 0361/7398219 d., 03601/72546 p.

Seit 1988 wird das Schicht- und Niederschlagswasser aus der Grubensohle über eine Rohrleitung in einen Tümpel gekippt. Der Wasserstand hatte sich dadurch stabilisiert und die Lurche konnten sich wieder ungehindert fortpflanzen.
Beim Abpumpen des Grubenwassers wurden tausende von Lurchlarven und eine größere Anzahl von erwachsenen Tieren vernichtet.
Nicht nur, daß das Landschaftsbild verändert wird, gleichzeitig werden auch die geologischen Verhältnisse und das Bodenprofil gestört, der Wasserhaushalt wird beeinträchtigt, das Mikroklima ändert sich und die Lebensräume von bestehenden Tier- und Pflanzengesellschaften werden nachhaltig beeinflußt.

24. Juli 1995

BUND Thüringen zum Schulanfang: Umweltschutz auch im Schulranzen

Eisenach. Die Schultasche aus Leder, für die Jüngsten auch aus dem leichteren Kunststoff, die Federtasche aus Holz, ein Kolbenfüller mit wasserlöslicher Tinte, Bleistifte ohne Lacküberzug, der Radiergummi aus Kautschuk, und die Hefte selbstverständlich aus ungebleichtem Recyclingpapier - so sieht für den Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Thüringen) die umweltfreundliche Schultasche aus.

In einer heute veröffentlichten Pressemitteilung fordert die Sprecherin des BUND Thüringen, Gudrun Flachmann, Eltern und Schulen auf, im neuen Schuljahr mit gutem Beispiel voranzugehen.
"Tintenkiller, Sekundenkleber, Filzstifte und Plastikumschläge haben in einer Schultasche nichts zu suchen."

Damit die Große Pause keinen großen Abfall hinterläßt, empfiehlt der BUND Brotdose und Trinkflasche als abfallbewußte Alternative zu Dosengetränken und Süßigkeiten.

Auch auf die Bedeutung einer ausgewogenen vollwertigen Ernährung für die Schülerinnen und Schüler weist der BUND Thüringen hin. "Einseitige Ernährung kann gesundheitlich unerfreuliche Folgen wie Vitamin- und Mineralstoffmangel, Nervosität und Konzentrationsschwäche haben. Da besonders Kinder und Jugendliche einen erhöhten Vitamin- und Mineralstoffbedarf haben, sollte das Schulfrühstück mehr als nur ein Pausenfüller sein", so Gudrun Flachmann. "Vollkornbrot, Saft und Obst halten fit für einen langen Schultag."

15. Juli 1995

Lebensraum des Monats Juli 1995: Bergwiese

Eisenach. Die Mittelgebirge Thüringens waren einst größtenteils mit Buchenwald bedeckt, wie fast überall in Mitteleuropa. Im 10.Jahrhundert, als das Land zunehmend besiedelt und landwirtschaftlich genutzt wurde, veränderte sich das Landschaftsbild stark. Dort, wo Wald gerodet wurde, entstanden Wiesen und Weiden, später dann auch zunehmend Ackerbauflächen. Auch das Klima veränderte sich in diesen waldfreien Gebieten: licht- und wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten breiteten sich aus oder siedelten sich sogar neu an. Je nach den gegebenen Standortbedingungen bildeten sich verschiedene Grünlandgesellschaften wie zum Beispiel artenreiche extensiv genutzte Feuchtwiesen in den Bachauen oder Halbtrockenrasen auf sonnenzugewandten Kalkkuppen.

Bergwiesen
Ein typischer Lebensraum im Mittelgebirge sind die Bergwiesen. Die ursprüngliche extensive Bewirtschaftungsweise auf den Berghöhen und in den Tälern schuf diesen Lebensraum mit großer Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Einige Arten die im Flachland durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung stark bedroht sind und/oder auf der Roten Liste stehen, sind dort noch in nennenswerter Anzahl vorhanden. So zum Beispiel die Herbstzeitlose und der Gemeine Frauenmantel. Andere Pflanzen kommen wiederum ausschließlich dort vor: die Trollblume, die Weiße Braunelle, die Breitblättrige Glockenblume um nur einige Beispiele zu nennen.

Besondere Pflanze der Bergwiese
Eine charakteristische Bergblume, die besonders geschützt ist und zu den Rote-Liste-Arten gehört, ist die Arnika. Der Rückgang der Arnikaarten beträgt in den letzten 30 Jahren in manchen Regionen über 90%, so zum Beispiel im Landkreis Sonneberg. Sie ist eine der meist genutzten Heilpflanzen im Bergland. Die dottergelbe Blume gehört zur Familie der Korbblütler und duftet ziemlich aromatisch und würzig. Der Geschmack ist scharf und bitter, da sie den Bitterstoff Arnicin enthält. Außerdem sind Harze, ätherische Öle und Gerbsäuren enthalten. In den Blüten sind die Wirkstoffe für die Heilkraft der Pflanze zu finden. Die sehr vielseitig verwendbare Pflanze kann beispielsweise als Heilkraut bei Verletzungen benutzt werden. Deshalb nennt man sie in der Schweiz oder in Österreich auch Bruchkraut oder Schadnblume. Auch bei Frauenleiden kann sie helfen, dann nennt man sie Mägdeblum. Bei Blutergüssen wird sie Blutblum und als Belebungsmittel bei Schock Schreckblum genannt.

Aber nicht nur Blumen finden beste Lebensbedingungen im Biotop. Die große Anzahl der verschiedenen Blüten in den Bergwiesen oder in den extensiv genutzten Feuchtwiesen locken eine Vielzahl von Käfer-, Schwebfliegen-, Schmetterlings- und Bienenarten an. In diesem extensiven Grünland leben auch die verschiedensten Heuschrecken-, Spinnen- und Laufkäferarten. Säugetiere und Vögel, beispielsweise viele Singvogelarten, Mäusebussard, Turmfalke und Schwarzstorch nutzen die vielstrukturierten Bergwiesen mit zum Teil ausgedehnten Quellfluren und kleinen Wiesenbächen zur Nahrungssuche und zum Brüten oder Setzen der Jungen.

Spezieller Typ der Bergwiese - Der Borstgrasrasen
Ein speziell gefährdeter Biotoptyp auf der Bergwiese ist der Borstgrasrasen. In Thüringen gibt es nur wenige Bereiche mit Borstgrasrasen. Sie sind Extensivweiden, die aus niedrigwüchsigen Pflanzenarten wie dem namengebenden Borstgras und vielen selten gewordenen Blütenpflanzen wie beispielsweise Arnika und Bärwurz bestehen. Diese Weiden stehen auf sauren nährstoffarmen Böden und haben eine recht gute Wasserversorgung. Die Borstgrasrasen benötigen trotz ihrer eigentlich extensiven Nutzung eine gewisse Pflege.

Pflege des Borstgrasrasens durch den BUND Sonneberg

So hat sich die Kreisgruppe Sonneberg des BUND Thüringen einem Borstgrasrasen angenommen. Er ist ein Teil eines Biotopkomplexes, um den sich die BUND-Gruppe kümmert. Die BUND-Mitglieder betreuen seit 1990 diesen Lebensraum im südlichen Teil des Thüringer Schiefergebirges. Bei einer Höhe von 615 Meter über NN und in südexponierter Hanglage ist sie idealer Standort für die seltenen Arten, die das spezielle Bergklima und die sauren Böden benötigen. Zuerst einmal mußten sie die 0,75 Hektar große Fläche, auf der seit über zwanzig Jahren nichts mehr gemacht wurde und die wieder in ihren Urzustand zurückgefallen war, rekultivieren. Ziel war es, der Wiese wieder genügend Licht zu verschaffen und die konkurrenzstarken Pflanzen zurückzudrängen. Seit 1992 nun wird die Fläche wieder extensiv genutzt. So wird jetzt nach alter Tradition einmal im August eine Mahd vorgenommen. Gebirgsorchideen wie Holunderknabenkraut, Grüne Hohlzunge oder Arnika und die Perückenflockenblume haben sich dieser Mahdrhythmik angepaßt.

Die Bergwiesen sind jedoch auch bedroht durch Nutzungsintensivierung, Auflassung, Verbauung oder auch Aufforstung. Die Mitglieder des BUND Sonneberg wollen sich für den Erhalt dieser selten gewordenen Lebensräume einsetzen.

14. Juli 1995

"Befremdung über Vogels Äußerungen zu Thüringer Verkehrsprojekten – BUND überreicht Ministerpräsidenten Grundgesetz als "Erinnerungsstütze"

"Außerordentlich befremdet" zeigt sich der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) über Äußerungen des Thüringer Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel (CDU) zu den geplanten Verkehrsprojekten Deutsche Einheit. Vogel hatte unlängst öffentlich erklärt, daß die' geplante "Südharz-Autobahn" A38 ebenso wie die A71/A73 und die ICE-Strecke durch den Thüringer Waldes in jedem Falle verwirklicht würden und lediglich noch Details der Ausführung zu klären seien.

In einem "Offenen Brief" an den Ministerpräsidenten stellt nun der BUND Thüringen klar, daß bislang weder für die "Südharz-Autobahn" noch für die "Thüringer Wald-Autobahnen" Baurecht bestehe. "Die Aufnahme dieser Projekte in den Bundesverkehrswegeplan stellt lediglich einen Planungsauftrag für die entsprechenden Fachbehörden dar. Eine den gesetzlichen Bestimmungen genügende Abwägung, ob und gegebenenfalls wie diese Vorhaben realisiert werden können, muß in jedem Einzelfall noch stattfinden", heißt es in dem Schreiben des BUND.

Durch die von Vogel gemachten Äußerungen dränge sich jedoch der Eindruck auf, als wolle der Ministerpräsident dieser gesetzlich vorgeschriebenen Güterabwägung vorgreifen. Zudem verschweige Vogel das Recht von Betroffenen, gegen eine Entscheidung der Verwaltung zugunsten der umstrittenen Großprojekte gerichtlich vorzugehen.

"Es stimmt nachdenklich und erschreckt", so der BUND, "wenn der Ministerpräsident Thüringens und Landesvorsitzende einer großen demokratischen Partei in dieser Weise das Ergebnis eines Prozesses vorwegnimmt, bevor die rechtsstaatlich gebotene Abwägung erfolgt ist". Verwaltung und Justiz seien jedoch an die geltenden Gesetze gebunden. Dieser Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit gehöre zu den elementaren Verfassungsgrundsätzen, betont der BUND in seinem Brief.

Angesichts der bei Projekten dieser Größe unbestreitbaren Interessenskonflikten sei das Vorgehen Vogels "auch in der Sache unangemessen". Es sei zu befürchten, daß auf diese Weise die Akzeptanz der Bevölkerung für die langwierigen und komplexen Abläufe solcher Verwaltungsverfahren weiter verringert und die Politikerverdrossenheit verstärkt werde.

Als "Erinnerungsstütze" und Beleg dafür, daß vollziehende Gewalt und Rechtsprechung "selbst bei den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit" an Recht und Gesetz gebunden seien, habe der BUND dem Brief an den Thüringer Ministerpräsidenten eine Textausgabe des Grundgesetzes beigelegt, heißt es in der Presseerklärung des Umweltverbandes.

13. Juli 1995

Offener Brief an Ministerpräsident Vogel

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Pressemeldungen der vergangenen Tage zufolge haben Sie öffentlich sinngemäß erklärt, daß die das Land Thüringen betreffenden Verkehrsprojekte Deutsche Einheit in jedem Falle verwirklicht werden. Es seien lediglich noch Details der Ausführung zu klären. Sollten Ihre Äußerungen korrekt wiedergegeben worden sein, so möchten wir hiermit im Namen des BUND Thüringen unser außerordentliches Befremden zum Ausdruck bringen.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, der Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit gehört unseres Erachtens zu den elementaren Verfassungsgrundsätzen. Die vollziehende, ebenso wie die rechtsprechende Gewalt, sind demnach an die geltenden Gesetze gebunden. Für die von Ihnen angesprochenen Projekte der "Südharz-Autobahn" und der "Thüringer Wald-Autobahnen" besteht – wie Ihnen sicherlich bekannt ist – noch keinerlei Baurecht, für die geplante ICE-Strecke über Erfurt unseres Wissens nur in Teilabschnitten. Die Aufnahme dieser Projekte in den Bundesverkehrswegeplan und die entsprechende Änderung des Fernstraßenausbaugesetzes eröffnet ein solches Baurecht auch nicht, sondern stellt lediglich einen Planungsauftrag für die entsprechenden Fachbehörden dar. Eine den gesetzlichen Bestimmungen genügende Abwägung, ob und gegebenenfalls wie diese Vorhaben realisiert werden können, muß vielmehr in jedem Einzelfall noch stattfinden.

Durch die von Ihnen gemachten Äußerungen drängt sich für uns der Eindruck auf, als sei die gesetzlich gebotene Güterabwägung bereits erfolgt bzw. als solle ihr vorgegriffen werden. Auch die nach den rechtsstaatlichen Prinzipien gleichfalls gebotene Kontrolle des Verwaltungshandelns und der zu gewährleistende effektive Rechtsschutz für die Betroffenen taucht in Ihren Äußerungen zu den umstrittenen Großprojekten, soweit wir sie der Presse entnehmen konnten, nicht mehr auf.

Sehr geehrter Herr Dr. Vogel, es stimmt uns nachdenklich und erschreckt uns, wenn Sie als Ministerpräsident Thüringens und als Landesvorsitzender einer großen demokratischen Partei in dieser Weise das Ergebnis eines Prozesses vorwegnehmen, bevor die rechtsstaatlich gebotene Abwägung erfolgt ist. Dies ist unseres Erachtens angesichts der bei Projekten dieser Größe sicherlich unbestreitbaren Kollision von Rechtsgütern auch in der Sache unangemessen. Es ist darüber hinaus zu befürchten, daß auf diese Weise die Akzeptanz der Bevölkerung für die aus guten Gründen langwierigen und komplexen Abläufe solcher Verwaltungsverfahren weiter verringert und eine nicht selten populistische Politikerverdrossenheit verstärkt wird.

Zur Erinnerung und als Beleg für unsere Auffassung, daß vollziehende Gewalt und Rechtsprechung selbst bei den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit an Recht und Gesetz gebunden sind, erlauben wir uns diesem Schreiben eine Textausgabe des Grundgesetzes beizufügen. Diese berücksichtigt zwar leider noch nicht die jüngsten Änderungen des Grundgesetzes, die von uns angesprochenen Grundlagen staatlicher Ordnung sind jedoch unseres Wissens davon unberührt geblieben.

13. Juli 1995

"Die Landesregierung sitzt den Ozonsommer aus" - BUND rügt geplantes Abstimmungsverhalten Thüringens im Bundesrat

Eisenach. Auf scharfe Kritik stößt die Ankündigung der Thüringer Landesregierung, sich bei der morgigen Abstimmung im Bundesrat über das geplante Ozongesetz der Bundesregierung der Stimme zu enthalten. "Die Landesregierung irrt sich, wenn sie glaubt, das Ozonproblem auf diese Weise aussitzen zu können", mißbilligt Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen den "faulen Kompromiß zwischen CDU und SPD".

Statt "abzutauchen und den toten Mann zu spielen" müsse sich Umweltminister Volker Sklenar (CDU) mit Nachdruck dafür einsetzen, daß anstelle des "völlig ungenügenden" Gesetzentwurfes der Bundesregierung zumindest die Vorschläge der Mehrheit der SPD-geführten Bundesländer beschlossen würden. "Während die von Frau Merkel geplante Scheinverordnung mit Ausnahmeregelungen für jedermann die Bundesländer bei Sommersmog praktisch zur Untätigkeit verurteilt, kann mit Geschwindigkeitsbegrenzungen kurzfristig dem weiteren Anstieg der Ozonwerte wirksam begegnet werden", so Spielmann.

Der Landesvorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck, erinnerte die Thüringer SPD daran, daß sie selbst noch vor kurzem die von der Bundesregierung geplante Verordnung zu Recht als "zahnlosen Tiger" bezeichnet habe. "Es wäre mehr als peinlich, wenn die SPD sich nun erneut als das politische Leichtgewicht der Großen Koalition erweisen sollte." Die SPD sei gut beraten, sich im Interesse des Gesundheitsschutzes der Bürger beim Thema Ozon gegen die "Hartleibigkeit" der CDU durchzusetzen. "Wer jetzt schläft, der sündigt", so Beck an die Adresse der Thüringer SPD.

7. Juli 1995

"Nichtstun grenzt an Körperverletzung" - BUND kritisiert Untätigkeit der Thüringer Landesregierung bei der Ozonbekämpfung

Eisenach. Scharfe Kritik an der Untätigkeit der Thüringer Landesregierung im Hinblick auf die mit den sommerlichen Temperaturen ansteigenden Ozonwerte übt der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Geradezu absurd" sei die Tatsache, daß die Autofahrer in Hessen bei Ozonalarm den Fuß vom Gas nehmen müßten, in Thüringen aber weiter gerast werden dürfe, heißt es in einer heute veröffentlichten Presseerklärung des Verbandes.

"Während in Hessen bereits Ozonalarm ausgelöst wurde, legt die Thüringer Landesregierung die Hände in den Schoß und redet die Luftbelastung schön", kritisiert Spielmann. Angesichts der jüngst erfolgten Einstufung der bei der deutschen Forschungsgemeinschaft angesiedelten "MAK-Wertekommission", wonach Ozon auf die Liste der "begründet krebsverdächtigen" Stoffe gesetzt wurde, sei eine solche Haltung unverantwortlich und grenze an Körperverletzung. "Die Thüringer Landesregierung vernachlässigt damit in eklatanter Weise ihre Fürsorgepflicht für die von dem Reizgas besonders betroffenen Kinder, den älteren und gesundheitlich angeschlagenen Menschen. Sie kuscht erneut vor der Autolobby."

"Die Versuche der Landesregierung, sich ihrer Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung zu entziehen, werden immer peinlicher", resümierte Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. "Statt frommer Wünsche und unverbindlicher Appelle ist der unverzügliche Erlaß einer Sommersmogverordnung auch in Thüringen angesagt", so Spielmann.

Der BUND Thüringen plädiere nachdrücklich für einen Grenzwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft. Bei diesem Wert müßten Geschwindigkeits- und Verkehrsbeschränkungen sowie Fahrverbote in Kraft treten. Dabei solle nicht zwischen Autos mit Katalysator und Pkw ohne Kat unterschieden werden, da in der Praxis eine solche Differenzierung kaum zu kontrollieren und leicht zu umgehen sei.

30. Juni 1995

5 Jahre Gentechnikgesetz - BUND: Gentechnik muß gesamtgesellschaftlich sinnvoll sein - Thüringer Landesregierung ist gefordert

Eisenach. "Schutz des Lebens und der Gesundheit von Menschen, Tier und Pflanzen"; vor allem dafür wurde am 1. Juli 1990 das Gentechnikgesetz beschlossen.

Jetzt hat es sich zu einem Gesetz gewandelt, durch das demokratische Rechte der Menschen mit den Füßen getreten würden, so der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in seiner heutigen Pressemitteilung. Die Öffentlichkeitsbeteiligung sei fast völlig gestrichen. Ethische Aspekte, Auswirkungen auf das soziale Gefüge oder auf die landwirtschaftlichen Strukturen würden so gut wie ausgeklammert.

Der BUND beklagt, daß das Gentechnikgesetz immer mehr dazu verkomme, wirtschaftliche Interessen durchzusetzen, anstatt mit Vernunft Leben zu schützen.

"Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Sicht auf das Für und Wider der Gentechnik", so Gudrun Flachmann, Fachreferentin beim BUND, "alle Aspekte müssen berücksichtigt und vor allem die Alternativen zum Beispiel im Landbau geprüft werden. Der ökologische Landbau beweist schon heute, daß es ohne Gentechnik geht". Daß sich der Diskussionsbedarf nicht nur auf die Risikoproblematik beschränke, so der BUND, zeigen die immens vielen und vielfältigen Einwendungen gegen Gen-Versuche, so auch bei dem Versuch in Friemar (Landkreis Gotha). Für diese gebe es kein Diskussionsforum mit wirksamer Entscheidungsbefugnis. "Dies zu schaffen, ist Aufgabe des Gesetzgebers", so Gudrun Flachmann. Auch die Thüringer Landesregierung solle sich dafür einsetzen. Der bereits bestehende Gentechnische Beirat am Sozialministerium sehe sich nicht zuständig für diese Aufgabe.

Der BUND in Thüringen fordert außerdem die Thüringer Landesregierung auf, den Versuch mit genmanipuliertem Raps und Mais in Friemar zu kontrollieren und die Ergebnisse öffentlich zu machen.

15. Juni 1995

BUND Thüringen bedauert SPD-Entscheidung pro Leibis - Aktion vor dem Landtag: Matratzen für die SPD

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat zu Beginn der Landtagsdebatte am heutigen Donnerstag die SPD-Landtagsfraktion mit Matratzen beschenkt. Anlaß für die ungewöhnliche Aktion sei, daß die SPD ihre kritische Haltung gegenüber der umstrittenen Talsperre Leibis aufgegeben habe.

Der BUND Thüringen wendet sich mit einem den Matratzen angehängten Schreiben an die SPD, in dem es heißt:

"Sehr geehrte Damen und Herren der SPD,

wir fürchten um Ihre Partei, um das Profil der SPD, die umweltpolitischen Ansprüche, die in Ihren Programmen formuliert sind und natürlich fürchten wir damit auch um Thüringen, in dem wir zu Hause sind.

Wir fürchten um Sie. Sie umfallen zu sehen, ist leider kein Einzelfall mehr, nicht mehr einfach nur Versehen oder ein politisches Stolpern. Nein, wir sehen Sie der Länge nach hinfallen  - schon wieder.
Im Herbst '94 sollten Sie das Umweltministerium unter Schutz stellen, aber Sie haben es preisgegeben. Die Verkehrsprojekte beklatschen Sie, während Sie vor den Gefahren der Klimakatastrophe warnen. Und jetzt wollen Sie dem Weiterbau der Talsperre Leibis zustimmen. Sie enttäuschen.

Damit Sie sich nicht wehtun, damit das, was von den umweltpolitischen Zielen Ihrer Partei noch übrig ist, nicht aufschlägt, überreichen wir Ihnen heute eine Matratze. Ja, eine schlichte Matratze, ein Geschenk. Vielleicht, vielleicht, hilft sie Ihnen auch auszuschlafen und aufzuwachen.

Eines noch: Wenn Sie allerdings meinen, daß Sie irgendwann zu sich selbst sagen können, die Sache mit Leibis, die Sie wider besseres Wissen mittragen, sei nur ein böser Traum gewesen, täuschen Sie sich. Die Matratze soll nicht das Ruhekissen Ihres Gewissens werden. Wir werden Sie erinnern. Wir werden Ihre Wählerinnen und Wähler erinnern, wer mitträgt daran, daß die Wasserpreise hochgehen, daß die Steuerzahler die 1,2 Mrd. DM teure Zeche zahlen, daß Sie mitverantwortlich sind, wenn hier ein Fehler aus DDR-Zeiten konsequent zu Ende gefehlt wird.

Thüringen hat mit einer CDU genug, finden Sie nicht auch?

Es grüßt Sie freundlich aber verständnislos
der BUND Thüringen"

15. Juni 1995

"Bergbau darf kein Raubbau sein" - BUND und Bürgerinitiativen protestieren gegen Zerstörung der Thüringer Landschaften

Eisenach. Kalkstein aus Nordthüringen und aus Neckeroda, Kies aus Erfurt und aus dem Saale-Werratal, Diabas aus Tambach-Dietharz: zahlreich sind die Orte in Thüringen, wo bereits jetzt oberflächennahe Rohstoffe abgebaut werden. Zukünftig soll dies an noch wesentlich mehr Stellen geschehen. Ebenso zahlreich wie die bergrechtlichen Anträge sind inzwischen jedoch auch die Proteste der betroffenen Bürger und Bürgerinnen, die sich gegen den Rohstoffabbau zur Wehr setzen.

Gegen diesen "ungebremsten Raubbau und die Zerstörung Thüringer Landschaften" hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit der Bürgerinitiative "Rettet den Seeberg" am heutigen Donnerstag zu einer Demonstration vor dem Thüringer Landtag aufgerufen.

"Mit dieser Kundgebung", so der Landesvorsitzende des BUND Thüringen und stellvertretende BUND-Bundesvorsitzende, Ralf-Uwe Beck, "fordern wir Landtag und Landesregierung in Thüringen auf, sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, daß Bergbau nicht länger Raubbau ist."

Wesentliche Voraussetzung für die derzeitige Misere sei das im Einigungsvertrag festgeschriebene "Bergrecht Ost". "Mit diesem geteilten Recht würden überwiegend private Abbauinteressen auf Kosten der Grundeigentümer und der kommunalen Selbstverwaltung durchgesetzt.“Daß unsere Kommunen beim Rohstoffabbau praktisch kein Mitspracherecht haben, ist ein Skandal, weil so getan wird, als hätte es den Herbst des Jahres '89 nie gegeben, als würde der große Kindergarten DDR fröhliche Urständ feiern", so Beck.

Die Auswirkungen der derzeitigen bergrechtlichen Regelungen seien katastrophal. "Besonders die vom Rohstoffabbau betroffenen Gemeinden müssen viele Opfer bringen", kritisiert Michaela Gebhardt, Fachreferentin des BUND Thüringen. "Manche Gemeinde ist regelrecht eingekesselt von Steinbrüchen." Der massive Lastentransport bringe über viele Jahre ununterbrochen Lärm, Staub und Dreck und Straßenschäden. Sprengungen würden vorgenommen, der Grundwasserspiegel senke sich. Dadurch sei eine Abhängigkeit der Gemeinden von der Fernwasserversorgung dauerhaft festgeschrieben. Wertvolle Ackerflächen und einzigartige Natur- und Kulturlandschaften gingen verloren.

Eine Folgenutzung, etwa für Naherholung, werde nach dem flächenintensiven Abbau von Rohstoffen frühestens in 20 Jahren möglich, wenn am Ende nicht sogar eine Abfalldeponie droht. "Damit wird auch der Traum vom Tourismus und Fremdenverkehr für manche Kommune endgültig ausgeträumt sein", so Gebhardt.

Die verheerenden Auswirkungen des Rohstoffabbaus für das Naturschutzgebiet "Großer Seeberg" (Landkreis Gotha) schilderten die Vertreter der dortigen Bürgerinitiative, Dr. Wolfgang Zimmermann und Ekkehardt Danz, im Rahmen der Kundgebung. "Trotz massiver Protestaktionen der Bürger wurde in diesem zweitältesten Naturschutzgebiet Deutschlands der Abbau von Sandstein genehmigt", so Zimmermann. Die in den Bewilligungsanträgen festgehaltene Begründung für den Abbau habe sich als sehr zweifelhaft erwiesen: "Der angeblich nur für Restaurierungsarbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden benötigte Sandstein verziert unter anderem die Staatskanzlei in Erfurt, den Landtag, Banken, Kinos, Parfümerien und Einfamilienhäuser, bei denen die es sich leisten können."

Die Zerstörung des Seeberges sei jedoch kein Einzelfall. BUND-Sprecherin Gebhardt: "In Thüringen findet derzeit vielerorts ein Raubbau an Natur und Landschaft in unvorstellbarem Ausmaß statt. So wird etwa wird im Südharz auf dem Kohnstein eine Fläche von 115 ha abgebaut, weitere 226 ha wurden beantragt. In Tambach-Dietharz würde man gerne den Rennsteig wegbaggern, um an den begehrten Diabas heranzukommen. Im ehemaligen Landkreis Rudolstadt gibt es schon acht Gewinnungsanlagen für Kalkstein und weitere wurden beantragt."

Landestag und Landesregierung in Thüringen seien aufgefordert, dieser verhängnisvollen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Die Bundesratsinitiative Thüringens zur Angleichung des Bergrechtes in Ost und West sei ein erster Schritt dazu gewesen. Dies müsse konsequent fortgesetzt werden, so der BUND.
"Die Landesregierung darf sich jedoch nicht länger hinter dem Einigungsvertrag verstecken und vor Taten drücken. Sie muß ihre bereits jetzt vorhandenen Spielräume nutzen, um die maßlose Ausbeutung von Rohstoffen auf Kosten von Mensch und Natur einzuschränken", verlangt BUND-Landesvorsitzender Beck.

Vor diesem Hintergrund fordert der BUND Thüringen:

  1. Keine hemmungslose Ausbeutung von Rohstoffen mehr. Beachtung des Grundsatzes der langfristigen Rohstoffsicherung auf der Grundlage eines langfristigen Ressourcenschutzes.
  2. Kein Abbau von Bodenschätzen für Luxusprojekte, wie den Einsatz von Sandstein aus dem Gothaer Seeberg für Repräsentationsgebäude.
  3. Erstellung eines Gutachtens, das den Ersatz von Rohstoffen (z.B. Einsatz von REA-Gips) und ein verstärktes Bauschuttrecycling untersucht, und zwar als Entscheidungsgrundlage für die Zulassung von weiteren Bergbauvorhaben.
  4. Die Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Belange und die Anwendung der Eingriffsregelung nach dem Thüringer Naturschutzgesetz, sowie der notwendigen Ausnahmeverfahren bei besonders geschützten Biotopen nach § 18 des VorlThürNatG, und zwar im Rahmenbetriebsplanverfahren. Und: kein Abbau in Naturschutzgebieten.
  5. Eine ernstzunehmende Beteiligung der Naturschutzverbände im (Rahmen-)Betriebsplanverfahren. Der BUND Thüringen erwartet, daß den Naturschutzverbänden die Antragsunterlagen vollständig zugesandt werden, da ansonsten die Beteiligung zur Farce verkommt, weil sie ehrenamtlich mit Dutzenden von Terminen bei den Bergbehörden nicht leistbar ist. Außerdem verlangt der BUND, in allen Betriebsplanverfahren, auch dem Hauptbetriebsplanverfahren, beteiligt zu werden.
  6. Die Durchführung von wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren nach § 31 Thüringer Wassergesetz bei Naßauskiesung. Dort, wo derzeit bei alten Aufschlüssen keine wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, ist dies ein Verstoß gegen geltendes Recht.
  7. Keine Berücksichtigung der Rohstoffsicherungskonzeption als behördeninternes Arbeitspapier, sondern Erstellung Regionaler Raumordnungspläne unter Berücksichtigung der kommunalen Interessen, wie z.B. der vom Landkreis Nordhausen erarbeiteten Rohstoffabbaukonzeption.
  8. Erneute Auslegung der regionalen Raumordnungspläne Teil B und eine nachvollziehbare Abwägung der kommunalen Stellungnahmen zu den ausgewiesenen Rohstoffvorrang- und Vorbehaltsflächen.
  9. (Rahmen-)Betriebspläne nur noch im Planfeststellungsverfahren mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung, auch bei bereits zu DDR-Zeiten begonnenen Vorhaben, zu genehmigen.
  10. Die Dauer der Genehmigung für einen Abbauzeitraum von 10-15 Jahren zu begrenzen und den Abbau nicht für ganze 2 oder 3 Jahrzehnte zuzulassen.
  11. Last, but not least: Den Kommunen eine verstärkte Einflußnahme zu ermöglichen und die Kommunen nicht länger zu entmündigen.
14. Juni 1995

Neue Landwirtschaftsfonds mobilisieren Geld für Ökohof Gut Hessel in Thüringen - BUND unterstützt außergewöhnliches Projekt der Gemeinschaftsbank

Eisenach. Ökologisch sinnvolle Kapitalanlagen geben dem Gut Hessel, einem biologisch dynamisch wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieb im Eichsfeld, auf eine außergewöhnliche Weise finanziellen Rückhalt. Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellte gemeinsam mit der GLS Gemeinschaftsbank eG (Bochum) am Mittwoch in einem Pressegespräch in Erfurt die Funktion der Landwirtschaftsfonds vor, durch die erstmalig auch in Thüringen Projekte unterstützt werden.

Wer sein Geld anlegen will und gleichzeitig den ökologischen Landbau unterstützen möchte, kann in diesen Fonds speziell auch für das Gut Hessel einzahlen. Milch, Brot, Kartoffeln und andere auf dem Hof erzeugte Produkte sind der außergewöhnliche Ertrag der Kapitalanlage für die einzelnen Fondszeichner. Sie werden vom Ökohof in festgelegten Mengen ein Leben lang geliefert.

Der BUND in Thüringen unterstützt diese Landwirtschaftsfonds ausdrücklich. Er sieht den großen Effekt dieser Initiative darin, daß durch den langfristigen finanziellen Vorschuß aus dem Fonds dem Landwirt ermöglicht werde, mit diesem Betrag zunächst zu wirtschaften, bevor er in kleinen Schritten in Form von Naturalien zurückgegeben werden müsse. Außerdem würden, so der BUND, der ökologische Landbau gefördert und regionale Strukturen entwickelt.

Gudrun Flachmann Fachreferentin des BUND Thüringen: "Die Fonds sind ein gutes Beispiel um initiativ zu werden, statt zu warten bis der von den Regierenden stiefkindlich behandelte ökologische Landbau angemessen gefördert wird." Der BUND und die GLS möchten viele Menschen motivieren, Fondszeichner zu werden. Damit übernehmen sie Verantwortung für ein Stück Erde und schafften die Voraussetzung für die Produktion gesunder Lebensmittel.

2. Juni 1995

"Der Rechtsstaat verkommt zur Karikatur" – BUND Thüringen zieht Resümee des Erörterungstermins zu ICE und Thüringer Waldautobahn

"Unergiebig und in hohem Maße unerfreulich" – dieses Resümee zieht der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland(BUND) am Ende des viertägigen Erörterungstermins zur sogenannten Bündelungsstrecke von ICE und "Thüringer-WaId-Autobahn" in einer heute veröffentlichten Presseerklärung.

"Wir hatten zwar damit gerechnet, daß die Planungsträger jede ernsthafte Diskussion über Sinn und Unsinn der beiden Großprojekte nach Möglichkeit verhindern würden, überrascht und erschreckt hat uns jedoch die zynische Arroganz, mit der die Planer die begründeten Einwände von Behörden, Naturschutzverbänden und betroffenen Bürgern zurückgewiesen haben", so der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann.

"Obwohl der BUND und andere Einwender nachgewiesen haben, daß die vorliegende Planung für Autobahn und ICE verfahrensrechtlich fehlerhaft ist und eklatante Mängel in der Umweltverträglichkeitsstudie eine ordnungsgemäße Abwägung unmöglich machen, soll an dem einmal eingeschlagenen falschen Kurs offensichtlich unbeirrt festgehalten werden."

"Geradezu grotesk" sei die Art und Weise, wie die Frage des Verkehrsbedarfs und möglicher Alternativen für Autobahn und ICE im Rahmen des Erörterungstermins behandelt worden sei. "Daß die Planer einen solchen Bedarf überhaupt nicht nachweisen können, sondern sich dabei lediglich auf die Bundestagsentscheidung für diese Projekte berufen, ist ein politischer Skandal", so Spielmann. "Wenn eine derart oberflächliche und unseriöse Bedarfsermittlung ausreicht, um solch schwerwiegende und in keiner Weise ausgleichbaren Eingriff in Natur und Landschaft des Thüringer Waldes zu legitimieren, verkommt der Rechtsstaat zur Karikatur", so der BUND.

Es sei "unglaublich und moralisch verwerflich", wenn die Zerschneidung des todkranken Thüringer Waldes durch zwei Transitstrecken und das damit vorprogrammierte weitere Verkehrswachstum als umweltverträglich bezeichnet werde. "Diese absurde. Art von Planung auf Kosten der Natur und der Menschenerinnert fatal an die ökonomisch wie ökologisch verhängnisvolle Praxis zu DDR-Zeiten", kritisierte Spielmann.

"Falls sich nicht doch noch die Vernunft durchsetzt und die zuständige Behörde den Planfeststellungsbeschluß verweigert, wird der BUND als der "Anwalt der Natur" vor Gericht gehen, kündigte Spielmann an. Es sei jedoch ein Armutszeugnis, wenn Umweltverbände ein solch offensichtliches Versagen der Politik mit juristischen Mitteln korrigieren lassen müßten.

29. Mai 1995

BUND Thüringen mit Mahnwache der Vernunft zu Beginn des Anhörungsverfahrens zum ersten Planungsabschnitt A81/ICE – BUND: Bedarfsfrage gehört auf die Tagesordnung

In der Woche vom 29.05. bis zum 02.06.1995 findet in Gräfinau-Angstedt (Nähe Ilmenau) der Anhörungstermin im Planfeststellungsverfahren zur sogenannten "Bündelungsstrecke", Bau der A 81 und der ICE-Trasse von Nürnberg nach Erfurt, statt. Hier werden die Einwendungen von Bürgern, Gemeinden und Naturschutzverbänden gegen den ersten Planungsabschnitt verhandelt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen, der auch als Grundstückeigentümer betroffen ist, wird von einem Rechtsanwaltsbüro vertreten. Die Rechtsanwälte gehen davon aus, daß die zu erwartenden Belastungen der betroffenen Bevölkerung durch Lärm und Abgase höher seien, als in den Planungsunterlagen ausgewiesen. Auch würden die Gefahren für das Grundwasser unterschätzt. Insgesamt sei der Eingriff in das einzigartige und unberührte Landschaftsbild des Thüringer Waldes nicht ausgleichbar.

Mit einer Aktion am Ort und zu Beginn der Anhörung wollen die Umweltschützer den Aufschrei des Thüringer Waldes repräsentieren, der keine Stimme habe. "Das Anhörungsverfahren ist die letzte Chance für die Planer, ihre fehlerhafte Planung zu korrigieren", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. "Dies ist eine Mahnwache für die Vernunft. Die Autobahn schafft erst die Probleme, die sie zu lösen vorgibt."

Mit dem Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen habe der Bundestag per Handabstimmung den Bedarf für die noch zu bauende Autobahn beschlossen. Das sei, so der BUND, eine Farce. "Damit soll die wichtigste Frage, die Bedarfsfrage, aus dem Anhörungsverfahren ausgeblendet werden. Es ist das Anliegen des BUND, diese wieder auf die Tagesordnung zu setzen", so Landesgeschäftsführer Michael Spielmann.

Das eingeschlagene Verfahren halten die Rechtsanwälte des BUND schon aus formalen Gründen für unzulässig. Nicht das Eisenbahnbundesamt, sondern das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Erfurt habe zuständige Behörde zu sein.

21. Mai 1995

"Autobahn und Gesundheit" - BUND Thüringen und Ökologischer Ärztebund stellen Broschüre zur Thüringer Wald-Autobahn vor

"Sollten die "Thüringer Wald-Autobahnen" gebaut werden, wird in der Region Suhl/Zehla-Mehlis das Krebsrisiko durch Dieselruß noch in zwei Kilometer Entfernung von der Trasse mehr als doppelt so hoch sein wie das vom deutschen Länderausschuß für Immissionsschutz als tolerabel bewertete Risiko. Die Stickstoffdioxidkonzentrationen werden, ebenso wie der Benzolausstoß, die Richtwerte deutlich überschreiten und zu einer erheblichen Ozonbelastung führen. Dies ist umso bedenklicher, als nunmehr begründeter Verdacht besteht, daß Ozon Krebsleiden begünstigt."

Zu diesem Ergebnis kommt der Suhler Mediziner Dr. Wolfgang Mey in einer Untersuchung über verkehrsbedingte Luftschadstoffe und ihre gesundheitlichen Auswirkungen im Zusammenhang mit der geplanten A 71/A 73 von Bamberg/Schweinfurt nach Erfurt. Die von Mey und weiteren Medizinern erarbeitete Studie ist Bestandteil einer vom Ökologischen Ärztebund e.V. herausgegebenen 80-seitigen Broschüre zum Thema "Autobahn und Gesundheit", die der Verband heute auf einer Pressekonferenz in Erfurt gemeinsam mit Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesvorstand Thüringen, vorstellte.

"Aus der Perspektive einer präventiven Verkehrsmedizin werden in den Beiträgen von Autoren ganz unterschiedlicher Fachrichtungen die enormen Gesundheitsgefahren dargestellt, die ein solcher Autobahnbau quer durch den Thüringer Wald bedeuten würde", so der Herausgeber und Mitautor der Broschüre, Dr. Rainer Gunkel vom Ökologischen Ärztebund.

Nach den Worten von Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, ist dieses Thema derzeit "hochaktuell und von erheblicher Brisanz". "Der BUND hat als Einwender im derzeit laufenden Planfeststellungsverfahren für die Thüringer Wald-Autobahn erleben müssen, welchen geringen Stellenwert die zu erwartenden gesundheitlichen Belastungen der Anwohner im Rahmen der sogenannten Umweltverträglichkeitsprüfung besitzen. Es ist zu befürchten", so Spielmann, "daß diese Belange in der Abwägung gegenüber den Interessen der Autobahnlobby vernachlässigt werden". Der BUND Thüringen bereite sich deshalb bereits jetzt darauf vor, gegen eine solche "offensichtliche Fehlentscheidung" mit juristischen Mitteln vorzugehen.

Die Broschüre "Autobahn und Gesundheit" kann für 9,80 DM plus Porto über die Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen, Uferstraße 1, 99817 Eisenach sowie über den Ökologischen Ärztebund e.V., c/o Rainer Gunkel, Suhler Straße 109, 98528 Suhl-Goldlauter, bezogen werden.


Im Einzelnen enthält die Veröffentlichung die folgenden Beiträge:

Zunächst fordert der Thüringer Landesvorsitzende des DGB, Frank Spieth, das "Wirtschaften künftig stärker in regionalen Zusammenhängen" (S.8) zu organisieren. Anders gesagt: "Der Neubau von Verkehrstraßen sollte überregionale Verkehre verhindern."

Stefan Wolf, Philosoph aus Bamberg, stellt diese unsere Automobile Gesellschaft als "Prinzessin auf der Erbse" (S.10) dar, "die empfindlich und eingeschnappt ist, sobald das Thema `ökologische Umsteuerung des Verkehrs' konkretisiert werden soll." Er begründet aus umweltethischer Sicht die Ignoranz der "automobilen Bequemlichkeit", die nur für eine kleine Zahl von Menschen größtmöglichen Nutzen hat.

Die Zerschneidung des Thüringer Waldes und des Obermaintales durch eine Autobahn- und ICE-Trasse wird von Ralf Sikorsi (Suhl) und Bernd Bäuml (Lichtenfels) kritisiert. Diese Regionen mit dem "Heiligen Berg" und dem "Gottesgarten" würden regelrecht geopfert auf dem Altar kurzlebiger wirtschaftlicher und politischer Interessen.

Am Beispiel der Region Suhl-Zella-Mehlis arbeiten Dr.Dr. Mey (Suhl) sowie die Ärzte Thomas Kreisler (Rodach) und Dr.Marten Schrievers (Coburg) die Gesundheitsrisiken durch die geplante Autobahn heraus. So wird dar Krebsrisiko durch Dieselruß noch in zwei Kilometer Entfernung von der Autobahn mehr als doppelt so hoch sein wie das vom deutschen Länderausschuß für Immissionsschutz als tolerabel bewertete Risiko. Die Stickstoffdioxidkonzentrationen werden , ebenso wie der Benzolausstoß, die Richtwerte deutlich überschreiten und zu einer erheblichen Ozonbelastung führen. Dies ist umso bedenklicher, als nunmehr begründeter Verdacht besteht, daß Ozon Krebsleiden begünstigt.

Tal- und Gebirgslagen (wie Obermaintal, Suhl-Zella-Mehlis) bewirken eine ungünstigere Lärmausbreitung als in der Ebene. Dr. med. Klaus Rhomberg aus Innsbruck stellt die diesbezüglichen Ergebnisse der österreichischen "Transitverkehrsstudie" vor. Dauerschallpegel von über 55 dB(A), wie sie noch in 800 Meter Abstand von der Brennerautobahn meßbar sind, führen nachweislich u.a. zu Häufung von Angina pectoris, Ein- und Durchschlafstörungen, Konzentrations- und Leistungsstörungen, erhöhtem Medikamentenkonsum.

Maria Hilber aus Steinbach (Tirol) schildert die zerstörte Lebensqualität in Autobahnnähe:

  • statt versprochener Verkehrsentlastungen nahmen die innerörtlichen Verkehre noch zu
  • autobahnnahe Orte mußten ihr Prädikat als "Kurort" abgeben
  • häufig nötige Reparaturarbeiten führen zu vorher kaum bedachten Lärm- und Schadstoffbelastungen
  • Immobilien in Autobahnnähe sind wertlos geworden
  • Landwirtschafliche Produkte enthalten unzulässige Giftkonzentrationen
  • Das Wipptal um Steinach hat das vierzigfache Krebsrisiko im Vergleich zu ähnlichen Orten in Tirol ohne Autobahn
  • Allein im Thüringer Wald würden in etwa 70 Gemeinden ähnliche Verluste an Lebensqualität eintreten.

Daß Verkehr vermieden anstatt neu produziert werden kann, stellt Dr. med. Bernhard Aufderreggen, Präsident der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz der Schweiz, anhand der "Alpeninitiative" vor. In einer Volksabstimmung entschieden sich die Bürger der Schweiz dafür, den LkW-Transit durch die Schweiz innerhalb der nächsten 10 Jahre auf die Schiene zu verlagern. Dieser Weg ist für Land und Leute, Gesundheit und Leben fortschrittlich.
In Thüringen soll andersherum verfahren werden:

  • Anstieg des LkW-Transportes von 1988 bis 2005 auf 450%,
  • Rückgang der Schienentransporte auf die Hälfte.

Schließlich diskutierten Dr. Rainer Gunkel (Suhl) und Birgit Henkel (Untermaßfeld) die naheliegenden Alternativen. Der Mythos der "blühenden Landschaften" wird hinterfragt: Eine Autobahn stellt die regionale mittelständische Wirtschaft unter den Druck kapitalkräftiger auswärtiger Konkurrenz. Ansiedlungen von Industrie sind höchst zweifelhaft. Wahrscheinlicher sind durch die Autobahn begünstigte Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer.
Ein durchdachter Bundesstraßen-Ausbau bei konzeptioneller Einbindung des öffentlichen Personennahverkehrs und in Kombination mit angemessenen Schienenverkehrs-Lösungen macht Autobahn-Großprojekte überflüssig. Konzepte dieser Art sind schneller und billiger realisiert. Sie sind für den Transitverkehr wenig attraktiv und ermöglichen eine um vieles bessere regionale Erschließung.

"Autobahn und Gesundheit" - eine Autobahn ist nur dann "gesund", wenn sie nicht gebaut wird. Dies gilt unter dem Aspekt des Schutzes der körperlichen und seelischen Gesundheit ebenso wie unter den Aspekten der regionalen Wirtschaftsentwicklung, der Verkehrspolitik und der Ökologie.

18. Mai 1995

Thüringer BUND-Mitglieder leisteten in den vergangenen fünf Jahren 170.000 Stunden ehrenamtlich – BUND Thüringen feiert fünf jähriges Jubiläum

Heute jährt sich zum fünften Mal die Gründung des Thüringer Landesverbandes des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Thüringen).

Aus diesem Anlaß hat der Umweltverband eine zwiespältige Bilanz gezogen. Mit Blick auf den BUND selbst, sei das erste Resümee positiv. Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender seit Gründung des BUND Thüringen: "Die Unterstützung der Menschen für unsere Arbeit wächst weiter. In den vergangenen fünf Jahren haben unsere Mitglieder 170 Tausend Stunden lang ehrenamtlich, also freiwillig und ohne Bezahlung, für Natur und Umwelt gearbeitet." Mehr als 1.000 Mitglieder und 35 Umweltgruppen seien die Basis des BUND Thüringen.

Das zweite Resümee fällt negativ aus. Der Umweltschutz sei in der Politik Thüringens noch immer kein Selbstläufer. Im Gegenteil: Wie vor Jahrzehnten würden die politisch Verantwortlichen ohne Rücksicht auf Verluste der Wachstumsideologie die Wege betonieren. Der Preis seien irreparable Schäden an Thüringens Landschaften. In kaum einem Bundesland würden so viele gigantische Großprojekte geplant, bei denen der fehlende Bedarf durch politische Scheuklappen ersetzt würde.

Das beispiellose Engagement von Bürgerinnen und Bürgern mahne die Landesregierung, die Bewahrung der Schöpfung endlich zur Chefsache zu machen und sie nicht länger wie ein Stiefkind zu behandeln.

Es sei gelungen, in den vergangenen fünf Jahren einen Umweltverband aufzubauen, der konsequent umweltpolitisch arbeite. "BUND-Politik ist immer auch der Versuch, über den Gartenzaun einer zu eng geführten ökonomischen Argumentation die Zukunftsaussichten in den Blick zu bekommen", so der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann.

16. Mai 1995

BUND Thüringen: Gute Zusammenarbeit mit dem Rennsteiglaufverein – BUND Thüringen möchte mit naturverbundenen Rennsteigläufern ins Gespräch kommen

Eisenach. Anläßlich des diesjährigen Rennsteiglaufes ist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen mit einem Informationsstand am 19. und 20.5.1995 auf dem Sportplatz in Schmiedefeld vertreten.

Der BUND Thüringen schätzt die Naturverbundenheit der Rennsteigläufer. Dieser einzigartige Lauf werde nicht umsonst auf dem längsten und einem der schönsten Höhenwanderwege Deutschlands ausgetragen. Durch seinen Informationsstand im Zieleinlauf möchte der BUND mit den Läufern und dem Publikum über die Bedrohung des Rennsteiges und des Thüringer Waldes durch Autobahn, Talsperren und Bergbauvorhaben ins Gespräch kommen.

Außerdem sollen Anregungen gesammelt werden, den Rennsteiglauf zu einem Musterbeispiel für eine umweltfreundliche, abfallarme und ökologisch vorbildliche Sportgroßveranstaltung weiter zu entwickeln.

Aufgrund der scharfen Kritik des BUND Thüringen im letzten Jahr am Abfallberg und der Organisation der An- und Abreise zur Laufveranstaltung entstand zwischen dem Rennsteiglaufverein und dem Umweltverband eine fruchtbare Zusammenarbeit bei der Organisation des diesjährigen GutsMuths-Rennsteiglaufes.

"Das Ergebnis ist vielversprechend. So sollen diesmal Getränke ausschließlich in Mehrwegflaschen angeboten werden und das Assiettenessen zur Kloßparty in Eisenach durch ein Frischmenü aus lokaler Küche ersetzt werden", so Michaela Gebhardt Sprecherin des BUND Thüringen.

12. Mai 1995

Sommersmog-Verordnung läßt auf sich warten - BUND fordert: Minister Sklenar soll sich positionieren

Eisenach. Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert Umweltminister Volker Sklenar (CDU) auf, sich unverzüglich für eine wirksame Sommersmog-Verordnung einzusetzen. "Wir erwarten, daß sich der Thüringer Umweltminister im Interesse der Bevölkerung positioniert und sich zumindest der Initiative der SPD-regierten Bundesländer für Maßnahmen zur Reduzierung erhöhter Ozonwerte anschließt", so der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung.

Die Bundesländer Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein hatten auf der heute zuendegegangenen Umweltministerkonferenz in Dessau angekündigt, in diesem Sommer Maßnahmen in eigener Verantwortung zum Schutz vor Ozon zu ergreifen, falls die Bundesregierung bis Ende Mai keinen tauglichen Gesetzentwurf vorlegt.

Dabei dürfe Thüringen nicht abseits stehen. "Baldige Taten sind notwendig, denn die neue Ozonsaison hat bereits begonnen", so Spielmann.

Der BUND Thüringen plädiere nachdrücklich für einen Grenzwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft. Bei diesem Wert müßten Geschwindigkeits- und Verkehrsbeschränkungen sowie Fahrverbote in Kraft treten. Dabei solle nicht zwischen Autos mit Katalysator und Pkw ohne Kat unterschieden werden, da in der Praxis eine solche Differenzierung kaum zu kontrollieren und leicht zu umgehen sei.

27. April 1995

Werden in Leibis Gelder verschleudert? BUND ruft Landesrechnungshof an

Eisenach. Der Landesrechnungshof soll prüfen, ob für den Weiterbau von Leibis öffentliche Gelder verschwendet werden. Dazu ruft ihn der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einem offenen Brief auf. Es soll auch überprüft werden, ob nicht mit dem Weiterbau Haushaltsgrundsätze wie Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit verletzt werden, teilt der BUND in einer heute veröffentlichten Presseerklärung mit.

"Es ist weder ökologisch noch finanzpolitisch sinnvoll, während der Bedarf überprüft wird, gleichzeitig weiterzubauen und damit öffentliche Gelder zu investieren", so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Laut Koalitionsbeschluß vom November 94 soll spätestens im Mai 95 von einem Sachverständigengremium die gegenwärtige Wasser- und Abwasserstrategie in Thüringen auf Wirtschaftlichkeit und Plausibilität überprüft sein. Erst auf Grundlage des Ergebnisses sollen dann Entscheidungen für oder gegen den Weiterbau von Leibis fallen.

"Wir vermuten, daß mit dem Weiterbau einfach Fakten geschaffen werde sollen", so Michael Spielmann, "die einen Ausstieg aus dem Projekt verhindern sollen".

Der BUND Thüringen habe außerdem Landesregierung und Thüringer Talsperrenverwaltung bereits mehrfach aufgefordert, ein Konzept zur Renaturierung des Lichtetals zu erstellen und die Kosten dafür denen des Weiterbaus gegenüberzustellen. Dies sei bislang anscheinend ebensowenig ge-schehen wie eine Kosten/Nutzen-Analyse des Bauwerks.

Nach Ansicht des BUND sei der Trinkwasserbedarf nicht geeignet, den Weiterbau zu legitimieren. Dies dokumentiert er in seiner Stellungnahme zur "Prognose Trinkwasserbilanz Thüringen".

25. April 1995

Tschernobyl begann vor 9 Jahren - BUND für umweltfreundliche Energiekonzepte und Atomausstieg

Eisenach. Die Weichenstellung in Richtung umweltfreundlicher Energiekonzepte mit der konsequenten Einsparung von Energie und den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergienutzung fordert der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in seiner heutigen Pressemitteilung.

"Die Katastrophe von Tschernobyl ist nicht nur am 26. April '86 passiert, sondern sie begann an diesem Tag und sie potenziert sich seither", ruft Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, wieder ins Gedächtnis. Die Realität sei, daß heute Strahlenkrankheiten mehr denn je grassierten. Vor allem bei Kindern in der Ukraine und Belorussland sei eine starke Zunahme von Schildrüsenkrebs zu verzeichnen. Die Zahl der erkrankten Kinder stieg seit 86 um das Dreißigfache, verdeutlicht Michael Spielmann das Ausmaß. Noch immer leben zwei Millionen Menschen auf verseuchtem Boden, atmen giftige Luft und nehmen radioaktiv belastete Nahrung zu sich. Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen und Schlafstörungen treten überdurchschnittlich häufig auf.

Der Sarkophag sei außerdem marode, Regenwasser dränge in den Atommeiler, werde dort kontaminiert und sickere ins Grundwasser. All dies dürfe nie in Vergessenheit geraten, mahnt Michael Spielmann vom BUND.

"Wer angesichts dieser Tatsachen Atomenergie als saubere Energie propagiert, hat zynische Scheuklappen auf", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Zur Atomenergienutzung gehörten eben auch noch der Uranbergbau vorher und die ungeklärte Atommüllentsorgung nachher. Ralf-Uwe Beck weiter: "Und dazwischen leben wir im Restrisiko. Und zwar genau soviel Rest, wie Tschernobyl uns gegeben hat."

Der BUND unterstützt den "Friedensmarsch durch Europa für eine Zukunft ohne Atom", der am gestrigen Tage das Gebiet der Wismut-Altlasten in Thüringen durchquert hat. Dieser Marsch von Brüssel über Tschernobyl nach Moskau soll die Idee einer friedlichen, solaren Zukunft ein gutes Stück voranbringen. Denn auch die Hinterlassenschaften des Uranbergbaus in Thüringen und Sachsen widersprächen: Die friedliche Nutzung der Atomenergie sei nicht friedlich. 6500 Wismut-Kumpel leiden an Strahlenkrebs-Erkrankungen, weitere an Staublunge und Wirbelsäulenerkrankungen. Angesichts dieser Tatsachen sei nur noch ein Ausstieg aus der Kernkraftnutzung verantwortbar, so der BUND abschließend.

13. April 1995

Bald Ostern ohne Osterhase? BUND Thüringen fordert Schutz für "Meister Lampe"

Eisenach. Bundesweit ist der Bestand des Feldhasen dramatisch zurückgegangen. Auch in Thüringen ist das liebste Ostertier der Deutschen, der Feldhase, in Gefahr, so der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer heute veröffentlichen Presseerklärung.

Vor allem durch die heute praktizierte intensive Landwirtschaft, an welche der Lepus europeus nicht angepaßt sei, würde ihm die Nahrungsgrundlage entzogen. Der Herbizid-Einsatz vernichte einen Großteil der für die Nahrung notwendigen Feldkräuter und -gräser und somit müsse sich Meister Lampe mit den modernen Kulturpflanzen begnügen. "Der Hase verhungert praktisch mit vollem Bauch", so Romy Seifert, Sprecherin des BUND Thüringen. "Da das Gras mit Stickstoff angereichert und somit wenig nährstoffreich ist, entspricht es nicht mehr den Bedürfnissen des Hasen und bringt dessen Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht." Weil seine Nahrung nicht mehr genügend Nährstoffe biete, müsse die Fläche, die er zum Sattwerden bräuchte, um etwa das Zehnfache größer sein als noch vor dreißig Jahren. Wegen der auch in Thüringen zunehmenden Zerschneidung der Landschaft durch neue Straßen werde jedoch der Lebensraum des Hasen tatsächlich immer weiter eingeengt.

Zudem ergebe sich durch das Anlegen riesiger Monokulturfelder zwangsläufig ein weiterer Nachteil. Die Felder würden von den Bauern bei günstiger Witterung innerhalb kürzester Zeit abgeerntet und somit verändere sich innerhalb weniger Tage der gesamte Lebensraum der Hasen. Dies sei für den Hasen besonders nachteilig, da er ein Fluchttier sei und bei Gefahr vor Feinden fliehe oder sich verstecke. Das Langohr müßte sich demzufolge in die wenigen naturnah belassenen Zonen zurückziehen oder aber in den naheliegenden Wald flüchten. Damit würden die Feldhasen allmählich zu "Waldhasen". "Zwar ist der Wald gerade in Thüringen auch ein mögliches Rückzugsgebiet für den Hasen, aber es ist eben nicht der ideale Lebensraum, an den der Hase, ursprünglich aus den Steppen Osteuropas stammend, optimal angepaßt ist", so der BUND.

Der Hase sei somit einem permanenten Streß ausgesetzt. Damit werde auch sein Organismus geschwächt und die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten erhöht. Dies habe auch zur Folge, daß die Fruchtbarkeit zurückgehe und der Hase auch in Thüringen längerfristig in seinem Bestand bedroht sei.

"Wenn wir nicht bald Ostern ohne Meister Lampe feiern wollen, sind Schutzmaßnahmen, wie eine Förderung und Ausweitung umweltgerechter Landwirtschaft und die Erhaltung unzerschnittener Lebensräume dringend geboten", so der BUND Thüringen abschließend.

7. April 1995

BUND enttäuscht über Ergebnis des Klimagipfels - Statt Verhandeln: Handeln vor Ort

Eisenach. Enttäuschend und unverantwortlich, angesichts der akuten Klimaveränderungen sei das Ergebnis des Klimagipfels in Berlin, so der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute Nachmittag in einer Presseerklärung.

"Um kurzsichtig nationale Wirtschaftsinteressen durchzusetzen, wird unsere Zukunft verspielt", kritisiert Gudrun Flachmann, Sprecherin des BUND Thüringen. Die Klimabremsklötze, allen voran die USA, wollten eben lieber weiter verhandeln als handeln. Auf das Ziel einer Reduktion von CO2 um 20%, wie gefordert, habe sich die Konferenz nicht festlegen können. In Berlin habe man sich jetzt lediglich auf ein Verhandlungsmandat geeinigt. Damit haben sich die Staaten selbst den Auftrag erteilt, Reduktionsziele für Treibhausgase und Fristen für die nächste Konferenz zu erarbeiten. Diese Entscheidung bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, so der BUND.

Der BUND Thüringen appelliert jetzt an alle Bürger und Bürgerinnen Thüringens, selbst aktiv für den Klimaschutz zu werden. Die Möglichkeiten dafür seien vielfältig. Für alle, die nicht Zuschauer der "großen" Politik sein und selbst etwas tun wollen, empfiehlt der BUND:

  • das Auto möglichst oft stehen zu lassen, und dafür Bus und Bahn oder mal das Fahrrad zu nutzen;
  • das Urlaubsziel so zu wählen, daß keine Flugreise notwendig ist;
  • Energie zu sparen; nur 1 Grad weniger Wärme in der Wohnung bringt 6% Energieeinsparung;
  • langlebige, reparable Produkte mit niedrigem Energieverbrauch zu kaufen;
  • Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung und aus der näheren Umgebung zu bevorzugen;
  • die Förderangebote des Staates und des Landes Thüringen für energiesparende Technik und regenerative Energieerzeugung zu nutzen.

"Viele kleine Taten können in der Summe wirksame Ergebnisse bringen", so hofft Gudrun Flachmann.

7. April 1995

"Traditionsfeuer" zu Ostern - aber bitte ohne Umweltverschmutzung

Eisenach. Auch in Thüringen laufen derzeit vielerorts die Vorbereitungen für die bevorstehenden Osterfeuer auf Hochtouren. Immer wieder kommt es dabei zu ganz erheblichen Beeinträchtigungen von Natur und Umwelt. Darauf und auf mögliche Vorsichtsmaßnahmen weist in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hin.

"Es ist ein alter und schöner Brauch, jedes Jahr zu Ostern ein großes Feuer in freier Natur anzuzünden, um den Frühling zu begrüßen", so Romy Seifert, Sprecherin des BUND Thüringen. "Mit einigen einfachen Vorkehrungen und etwas Sensibilität für die Natur läßt sich diese Tradition durchaus mit dem Umweltgedanken in Einklang bringen."

An vielen Stellen in der Natur werde das "Brennmaterial" über einen längeren Zeitraum gelagert und diene somit als idealer Unterschlupf und "Kinderstube" für Kleintiere. "Das Aufschichten des Brennholzes sollte frühestens drei Tage vor dem Abbrennen geschehen, weil sonst Tiere, wie Igel und Mader, die in solchen Stapeln Schutz gesucht haben, den sicheren Tod finden würden", so Romy Seifert. Gegebenenfalls müsse das Holz vor dem Abbrennen noch einmal umgeschichtet werden.

Wichtig sei auch die richtige Wahl der Örtlichkeit. Denn nicht nur die zurückbleibende Asche, sondern auch das Zertreten von geschützten Blumen und Gräsern durch die Zuschauer könnte der Natur Schaden zufügen. Gegenüber schützenswerten Biotopen, wie Hecken, Feldrainen und Wäldern, solle zudem ein Abstand von mindestens 100 Metern ge¬halten werden, um diese vor dem Übergreifen der Flammen und somit vor Schädigungen zu schützen. Auch sollten alle weiteren  Brandschutzbestimmungen eingehalten und für einen möglichen Ernstfall Vorsorge getroffen werden, so der BUND.

"Selbstverständlich dürfen die Osterfeuer nicht zur Sondermüllbeseitigung mißbraucht werden. Alte Autoreifen, verwohnte Möbel, Altöl oder vorbehandeltes Holz haben nichts zwischen den Zweigen zu suchen", so Romy Seifert. Die brandbeschleunigenden Eigenschaften dieser Stoffe stünden in keinem Verhältnis zu der entstehenden Luftverschmutzung und den Rückständen, welche den Boden hoch¬gradig vergifteten. Bei ganz normaler Holzasche sei dies dagegen kein Problem.

Abschließend weist der BUND Thüringen darauf hin, daß jede Art von öffentlichem Feuer bei der zuständigen Ortspolizeibehörde beantragt und genehmigt werden müsse.

30. März 1995

Hausfrauenverband und BUND: Bündnis für verpackungsarmen Einkauf - BUND fordert Müllvermeidung durch kommunale Verpackungssteuer

Eisenach. Eine "positive und ermutigende Bilanz" ihrer gemeinsamen Bemühungen zur Verringerung von Verpackungsabfällen ziehen der Landesverband Thüringen des Deutschen Hausfrauenbundes und der Thüringer Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz in Erfurt hoben der Landesvorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck, und die stellvertretende Vorsitzende des Thüringer Hausfrauenbundes, Ilse Wallendorf, die "besondere Koalition von Hausfrauen und Naturschützern" bei der Durchführung der Aktion "Bitte ohne Drumherum" hervor. "Durch die Zusammenarbeit beider Verbände ist die im vergangenen Jahr durch den BUND bundesweit ins Leben gerufene Kampagne "Verpackungsarmer Einkauf" gerade auch in Thüringen erfolgreich gewesen", betonte Beck. Sichtbares Zeichen dieser ungewöhnlichen Kooperation: ein Einkaufsführer, in dem mehr als 700 Thüringer Händler aufgeführt werden, die sich verpflichtet haben, Frischwaren unverpackt in mitgebrachte Mehrwegbehältern an die Kunden abzugeben.

"Verbraucherinnen und Verbraucher haben einen erheblichen Einfluß darauf, ob unsere Mülltonnen, Säcke und Container weiterhin mit überflüssigem Verpackungsmüll gefüllt werden", erklärte Wallendorf die Bereitschaft Ihres Verbandes, sich an der BUND-Aktion zu beteiligen. Ein Drittel der Verpackungen sei unnötig. "Würde jeder Haushalt beim Einkauf von Frischwaren bereits auf Abfallvermeidung achten, ließen sich bis zu 500.000 Tonnen Verpackungsmüll vermeiden", so Ilse Wallendorf.

Um die mit der Herstellung und Beseitigung von überflüssigen Verpackungen verbundene Energieverschwendung und Umweltbelastung deutlich zu reduzieren, sind nach Ansicht des BUND neben den Konsumenten jedoch auch die Politiker gefordert: Thüringenweit sei die Einführung kommunaler Verpackungssteuern notwendig. "Für Kommunalpolitiker, die die sich zur Abfallvermeidung entschlossen haben und dem Beispiel der Stadt Kassel folgen wollen, bietet der BUND eine vorbereitete Mustersatzung für eine solche Einwegsteuer", so BUND-Sprecherin Annette Graßau.

"Diese gezielte Abgabe auf Einwegprodukte bestraft direkt umweltbelastendes Verhalten und schafft einen echten Anreiz, auf Mehrweg umzusteigen", so Graßau. Damit sei sie auch eine "wirklich müllsparende Alternative zum Grünen Punkt".

24. März 1995

Regional handeln, statt warten - BUND fordert Klimaschutz auch von Land und Kommunen

Eisenach. Landesregierung und Kommunen in Thüringen sind aufgefordert, sich für einen wirksamen Klimaschutz einzusetzen. Dies mahnt der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anläßlich der in der kommenden Woche beginnenden UN-Klimakonferenz in Berlin an.

"Wir erwarten von der Thüringer Landesregierung und den Kommunen Taten statt Lippenbekenntnisse ", so Gudrun Flachmann, Sprecherin des BUND Thüringen, in einer heute veröffentlichten Presseerklärung. Die Verantwortung für den Schutz des Weltklimas könne nicht an die Beteiligten der Klimakonferenz abgegeben werden, vielmehr seien Schritte auf allen Ebenen gefordert.

"Da die Industriestaaten die Hauptverursacher der drohenden Klimaveränderungen sind, müssen sie auch vor der eigenen Türe kehren", so Flachmann. Deshalb reiche es nicht, den verstärkten Einsatz umweltfreundlicher Technologien in den Entwicklungsländern zu favorisieren, statt Selbstverpflichtungen vor Ort einzugehen. Der derzeitige Rückgang des C02-Ausstosses in Ostdeutschland sei vor allem durch den Zusammenbruch vieler Wirtschaftszweige verursacht. Durch die ökologisch verfehlte Wirtschaftspolitik beim "Aufschwung Ost" sei jedoch zukünftig gerade in Thüringen ein gewaltiger Anstieg des Energieverbrauches vorprogrammiert.

Der BUND fordert die Thüringer Landesregierung auf, durch ein umfassendes Programm zur Energieeinsparung und Förderung erneuerbarer Energiequellen "endlich ernst zu machen mit dem Klimaschutz in Thüringen". Dies gelte auch für die Wirtschafts- und Verkehrspolitik. Projekte wie die Autobahnen durch den Thüringer Wald und die Südharzregion seien vor diesem Hintergrund nicht zu verantworten.

Auch die Thüringer Kommunen sollten selbst initiativ werden, so der BUND. Konzepte zur Verkehrsvermeidung und zur verstärkten Förderung umweltfreundlicher Verkehrssysteme könnten auch regional umgesetzt werden. Sehr wirksam seien Maßnahmen im Energiebereich: Durch eine Energieversorgung in kommunaler Hand, die die Energieeinsparung fördere, auf Kraft-Wärme-Kopplung und Sonne-, Wasser- und Windenergienutzung setze, könne nicht nur etwas für den Klimaschutz getan, sondern auch die finanzielle Belastung der Kommunen spürbar erleichtert werden, so der BUND.

23. Februar 1995

Planfeststellungsverfahren für Thüringer-Wald-Autobahn eröffnet - BUND Thüringen: Noch ist nichts entschieden - Widerstand soll verbreitert werden

Eisenach. Für den ersten, knapp 20 km langen Abschnitt der Thüringer-Wald-Autobahn sei das Planfeststellungsverfahren eröffnet worden, teilt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) in einer Presseerklärung mit. In den kommenden Monaten sollen im Raum Arnstadt die rechtlichen Grundlagen für den Baubeginn der sogenannten Bündelungsstrecke, also für die Transitautobahn A 81 und die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke geschaffen werden.

Die Verkehrsplaner hielten damit an zwei der umstrittensten Verkehrsprojekte "Deutsche Einheit" fest. Beide seien mit unabwägbaren ökologischen Risiken verbunden und zudem total unterfinanziert.

"Es ist nichts entschieden! Im Planfeststellungsverfahren haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Einwendungen zu formulieren und diese an das Landesverwaltungsamt zu richten, wenn sie sich von den Projekten betroffen fühlen, etwa durch die Verhunzung ihrer Heimat, die Verlärmung ganzer Landstriche, die weitere Bedrohung der Lebensgrundlagen", so Frank Henkel, stellv. Vors. des BUND Thüringen.

Insbesondere der Land- und Forstwirtschaft drohten enorme Flächenverluste. Zu dem Flächenverbrauch durch den Bau selbst , käme ein erheblicher Bedarf an Deponieraum, der im Raumordnungsverfahren nicht ausreichend behandelt sei.
Über 5,7 Mio m3 Erdmassen würden beim Bau der A 81 und A 73 anfallen und müßten deponiert werden. "Allein dafür müßte eine 114 ha große Fläche 5 m hoch aufgeschüttet werden", rechnet Henkel vor.

Der BUND fordert die Land- und Forstwirtschaft auf, die Flächenansprüche nicht einfach jeweils auf den anderen abzuwälzen, sondern gemeinsam politischen Druck gegen die Zerstörungsprojekte laut werden zu lassen.

Grundsätzlich hätten Grundeigentümer das Recht, sich gegen Enteignungen zur Wehr zu setzen. Dies gelte insbesondere für Landwirte, die in ihrer Existenz bedroht seien, aber auch in ihrer Planungshoheit beschnittene Gemeinden. Dazu sei es allerdings notwendig, im laufenden Planfeststellungsverfahren Einwendungen als sachliche Grundlage für ein gerichtliches Vorgehen zu erheben.

"Wir werden den Widerstand verbreitern. Mehrere Grundeigentümer haben bereits Klagebereitschaft signalisiert. Unsere Aktion 'Einspruch, denn es ist noch nichts entschieden!' hat beispielhafte Resonanz. Wir versprechen den Planern einen hindernisreichen Weg", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

20. März 1995

"Tag des Wassers" am 22. März: BUND Thüringen ruft zu Wassersparen auf

Eisenach. Verstärkte Anstrengungen zum Wassersparen hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gefordert. In einer anläßlich des "Tages des Wassers" am 22. März veröffentlichten Pressemitteilung weist der BUND Thüringen auf den weiterhin zu hohen Wasserverbrauch in Haushalt und Industrie hin.

So würden derzeit in Thüringen täglich etwa 120 Liter Trinkwasser pro Person verbraucht. Nur 3 bis 6 Liter würden jedoch zur Getränke- und Essensbereitung verwendet. Der größte Teil des Trinkwassers gelange, angereichert mit Schadstoffen aus Dusche, Toilette, Wasch- und Geschirrspülmaschine, direkt in die Kläranlage.

"Dabei wäre eine deutliche Verringerung dieser Verschwendung sofort machbar", so Romy Seifert, Sprecherin des BUND Thüringen. "Spartasten für Toiletten, Schwenkstrahler oder Dusch-Stopventile, die nicht die Welt kosten, sollten in jedem Haushalt selbstverständlich sein." Weiterhin sei jeder in der Lage, durch Verzicht auf häufiges Autowaschen und Rasensprengen, duschen statt baden und das rasche Auswechseln defekter Dichtungen zur Schonung des kostbaren Naß beizutragen. "Ohne Schwierigkeiten könnte so der Wasserverbrauch um mindestens ein Drittel herabgesetzt werden", so Romy Seifert, Sprecherin des BUND Thüringen.

Darüber hinaus fordert der BUND Thüringen eine verstärkte Förderung solcher Maßnahmen, wie Regenwasser- oder Brauchwassernutzung. Land und Kommunen seien hierbei gleichermaßen in der Pflicht, der BUND.

Der BUND warnt davor, daß der Mangel an sauberem Wasser in Zukunft eines der größten Umweltprobleme sein werde. Schuld daran sei vor allem die schleichende Vergiftung durch die industriell betriebene Landwirtschaft, Chemikalien aus Industrie und Haushalten sowie die Grundwasserversauerung durch den "sauren Regen". Zudem reduziere die dramatische Zunahme versiegelter Flächen für Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete, die Neubildung von Grundwasser durch Regenwasser.

Eine Wende in der Wasserpolitik bedeutet nach Ansicht des BUND Thüringen auch den endgültigen Verzicht auf den Bau neuer Talsperren. Verfehlte Projekte wie die Talsperre Leibis machten nur vor dem Hintergrund einer weiter zunehmenden Trinkwasserverschwendung Sinn. Wassersparen sei dagegen die umweltverträglichere und billigere Alternative, so der BUND abschließend.

14. Februar 1995

Bergbau-Ressort muß beim Umweltministerium bleiben

Eisenach. Erstaunt äußert sich der Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Thüringen) zu jüngsten Meldungen über den Streit um ministerliche Zuständigkeiten bei Bergbauvorhaben.

 

Noch Anfang Dezember sei vom Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt versichert worden, daß das Bergbau-Ressort in dessen Hause bleibe.

 

"Genehmigungen von Bergbauvorhaben, gleich welcher Art, sind mehr denn je heiße Eisen", betont der BUND. Nicht umsonst wurden zahlreiche Kommunen, Kirchgemeinden, Bürgerinitiativen energischen Protest gegen die Zerbaggerung ihrer Landschaften, die jahrelange Belastung durch LKW-Verkehr, durch Lärm- und Staubimmission anmelden.

 

"Thüringen steht vor der Weichenstellung, ob die Bergbauvorhaben zum Raubbau eskalieren", so Ralf-Uwe Beck Landesvorsitzender des BUND Thüringen. In diesem Zusammenhang hätte es fatale Konsequenzen, die Zuständigkeit für Bergbauangelegenheiten vom Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt auf das Wirtschaftsministerium zu übertragen und damit die Prioritäten neu zu setzen.

Nach Ansicht des BUND würden so Entscheidungs- und Einflußmöglichkeiten in Belangen des Natur- und Umweltschutzes bei bergbaurechtlichen Fragen vergeben. Das beträfe auch die umfangreichen bergbaulichen Sanierungs- und Rekultivierungsmaßnahmen im Thüringer Raum.

"Es drängt sich der Eindruck auf, daß hier Wirtschaftsaspekten und Interessen der Bergbaufirmen Vorrang gegeben werden soll, anstatt die Landschaft Thüringens zu bewahren.", so BUND-Referentin Michaela Gebhardt.

Die Obere Bergbehörde fällt in höchstem Maße umweltrelevante Entscheidungen und müsse daher auch im Zuständigkeitsbereich des Umweltministeriums bleiben.

 

Der BUND Thüringen erwartet von den Ministerien, Spekulationen entgegenzutreten und die Zuständigkeitsfrage endgültig zu beantworten.

30. Januar 1995

Sterbende Wälder und fehlende Überflutungsflächen sind Ursachen für Hochwasser – BUND mahnt Landesregierung Versprechen zum vorbeugenden Hochwasserschutz einzuhalten

Eisenach. In Anbetracht der aktuellen kritischen Hochwassersituation hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, von der Thüringer Landesregierung die Einhaltung der Versprechen zum Hochwasserschutz eingefordert. Der damalige Umweltminister Hartmut Sieckmann hatte sich nach dem Hochwasser im letzten Jahr gegen jede weitere Bebauung und Versiegelung der Flußauen in Thüringen ausgesprochen.

Konsequenzen aus diesem Versprechen seien bisher jedoch kaum erkennbar, so der BUND Thüringen in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung. "Gewerbegebiete und Verkehrswege werden in vielen Fällen weiterhin in die Flußauen gebaut", so Gudrun Flachmann, Sprecherin des BUND Thüringen. "Der Hochwasserschutz steht wider besseren Wissens hinter den wirtschaftlichen Interessen an."

Neben der Flächenversiegelung sieht der BUND Thüringen im Waldsterben eine weitere Ursache für die immer öfter auftretenden Hochwässer. Der Thüringer Wald, der in der Waldschadensbilanz Negativschlagzeilen machte, verliere an Speicherfähigkeit. Somit würden die Wassermassen sofort abfließen. Flußbegradigungen und Uferverbau tragen zudem noch zur Erhöhung der Fließgeschwindigkeit bei, wodurch die Hochwässer meist schneller, höher und mit einer größeren Zerstörungskraft kämen.

Der BUND fordert Entscheidungen für einen vorbeugenden Hochwasserschutz. Gudrun Flachmann: "Das ist gesamtgesellschaftlich auf jeden Fall wirtschaftlicher, als mit viel. Beton vor Hochwässern zu schützen und die Folgeschäden zu finanzieren."

Für den Bau neuer Gewerbegebiete müßten ökologisch vertretbare Alternativen, vorrangig in Form von Sanierungs-und Revitalisierungsflächen von Altindustrie- und Gewerbestandorten, welche sich "weit weg von Flußauen befinden", gefunden werden. Das Waldsterben müßte konsequent bekämpft werden. Für den naturnahen Rückbau unserer Fliessgewässer und zur Wiederanlage von Feuchtgebieten als natürlichen Überflutungsräumen brauche es Renaturierungsprogramme, so der BUND abschließend.

27. Januar 1995

"Jetzt oder nie" – BUND Thüringen empfiehlt Rücksichtnahme bei Aufräumaktionen in der Natur

Eisenach. "Das Säubern der Landschaft am Anfang des Jahres ist bedauerlicherweise zur Notwendigkeit geworden", so Romy Seifert, Sprecherin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen. "Da mit der einsetzenden Schneeschmelze ungepflegte Waldstücke und Grünflächen besonders ins Auge fallen, liegt es nahe, daß jetzt mit Müllsammelaktionen in der freien Natur begonnen wird." So engagieren sich jedes Jahr viele Bürger für eine ansehbare Natur. Damit dieser durchaus lobenswerte Einsatz ein ungetrübter Erfolg wird, sollte aber der richtige Zeitpunkt gewählt werden.

Am wichtigsten sei es, die Aufräumarbeiten in der Natur bis Ende Februar abzuschließen, denn dann beginne die kritische Zeit: Die ersten Vögel beginnen mit der Brut und bald darauf benötigen auch Hasen und Rehe mit ihrem Nachwuchs einen ungestörten Unterschlupf. Insbesondere Eulen und Greifvögel, deren Brutbeginn oft schon im März liegt, reagieren empfindlich auf Störungen in ihrem Umfeld. Meist genügt schon eine halbe Stunde Abwesenheit der Elterntiere vom Nest, um das Gelege - gerade im kühlen Vorfrühling - erkalten und absterben zu lassen. "Nicht selten werden bei der Müllsuche im späten Frühjahr Boden- und Heckenbrüter übersehen. Zaunkönig oder die Nachtigall können dadurch von ihren Eiern vertrieben werden", so der BUND.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die übertriebene Beräumung von Wald und Wiesen durch unzureichend angeleitete ABM-Gruppen. Dabei werden oft ganze Waldstücke "aufgeräumt" und von Unterholz und abgestorbenen Ästen "befreit". Daß dieser – oft maßlose – Ordnungssinn in den natürlichen Kreislauf eingreift, Brutplätze und Lebensräume von Kleintieren zerstört, sei leicht erkennbar. Das Einsammeln von achtlos in der Landschaft liegengelassenem Müll und Abfall ist nach Ansicht des BUND nur mit einem gefühlvollen Umgang mit der Natur vereinbar.

13. Januar 1995

Lichterkette gegen die "Südharz-Autobahn" - BUND Thüringen zufrieden über Protestaktion

Eisenach. Verstärken will der Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seinen Widerstand gegen die geplante Autobahn A 82 von Göttingen nach Halle. Den Auftakt für die in den nächsten Monaten vorgesehenen Aktionen, die der BUND Thüringen gemeinsam mit den im "Bündnis gegen die Südharz-Autobahn" zusammengeschlossenen Verbänden und Bürgerinitiativen durchführen will, bildete die "Nacht der hundert Fackeln" in der Nähe von Heiligenstadt (Eichsfeldkreis) am gestrigen Donnerstag. Mit einer Lichterkette, an der rund 150 Umweltschützer aus dem Eichsfeld, Nordhessen und Südniedersachsen teilnahmen, wurde die geplante Autobahntrasse um das kleine Eichsfelddorf Mengelrode auf ungewöhnliche Weise erleuchtet. Der BUND äußerte sich, so sein Landesgeschäftsführer Michael Spielmann, "sehr zufrieden über den Verlauf und die Resonanz der Aktion".

Es habe deutlich gemacht werden sollen, daß den angeblichen Entlastungen der Menschen entlang der B 80 neue Belastungen anderenorts gegenüberstünden. Die Menschen in Mengelrode und den vielen anderen von einer Autobahn betroffenen Ortschaften seien die Leidtragenden der Verkehrspolitik, die ohne Rücksicht auf Verluste Trassen für den Fernverkehr durch wertvolle Lebensräume schlagen wolle.

"Der Protest des BUND verfolgt nicht nur das Ziel, den Bau dieses überflüssigen Verkehrsprojektes zu verhindern. Ebenso wird an Verkehrspolitiker auf allen Ebenen appelliert, vernünftigen Lösungen ohne Autobahnneubauten den Vorrang zu geben und die Gelder stattdessen in den Ausbau des vorhandenen Straßen- und Schienennetzes zu stecken", so Spielmann. Gleichzeitig solle der Forderung nach einer Neufassung des ohnehin nicht finanzierbaren Bundesverkehrswegeplanes erneut Nachdruck verliehen werden.

Gerade Thüringen sei in besonderem Maße durch eine Vielzahl naturzerstörender Großprojekte betroffen. Dabei sei die "Südharz-Autobahn" eines der unsinnigsten Projekte überhaupt. "Durch die Planung der Südharzautobahn werden die Entwicklungschancen Nordthüringens leichtfertig vergeben", so Norbert Sondermann, Sprecher des BUND im Eichsfeldkreis. "Gerade im Eichsfeld wird die traditionell gute Stellung des Handwerks durch auf der Autobahn noch schneller heran-transportierte Billigprodukte in Gefahr geraten. Der ohnehin schwindsüchtige Arbeitsmarkt wird noch mehr Menschen freisetzen und bestenfalls zu Pendlern auf immer mehr Straßen machen" so Sondermann weiter. Zudem werden nach Ansicht des BUND durch eine Autobahn wertvolle Kulturlandschaften zerschnitten, versiegelt, verlärmt und damit auch für Fremdenverkehr und Naherholung verlorengehen. "Gerade die so oft beschworene regionaltypische Kultur gerät so in Gefahr", warnt Sondermann.



BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

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Jahresbericht 2015

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
.

Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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