20. Dezember 1996

Lebensraum des Monats Dezember: Das Naturschutzgebiet "Wurzelbergfarmde" im Thüringer Schiefergebirge

Eisenach. Zum Lebensraum des Monats Dezember hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, das Naturschutzgebiet "Wurzelbergfarmde" im hohen Thüringer Schiefergebirge erklärt. Die "Wurzelbergfarmde" liegt nördlich des oberen Schwarzatales in der Nähe der Gemeinde Goldisthal. Hier befindet sich mit dem 869 Meter hohen "Großen Farmdenkopf' der höchste Gipfel des Thüringer Schiefergebirges.

Wir singen zum Weihnachtsfest "0' Tannenbaum...", aber den wenigsten Menschen ist bewußt, daß die Weißtanne im "Grünen Herzen Deutschlands" äußerst selten geworden ist. Gerade im NSG "Wurzelbergfarmde" ist die Weißtanne noch zu finden. Außerdem kommt hier die Fichte, die man fälschlicherweise oft für eine Tanne hält, in einer besonderen Rasse (Wurzelberg-Fichte) vor. Das Gebiet gehört zu den letzten Refugialräumen für das in Thüringen vom Aussterben bedrohte Auerhuhn (Tetrao urogallus). Die Restbestände des hier befindlichen Tannen-Buchenwaldes (Abieti-Fagetum) sind in der Roten Liste der bestandsgefährdeten Pflanzengesellschaften Thüringens ebenfalls mit dem Gefährdungsgrad 1 "Vom Aussterben bedroht" aufgeführt.

Das Besondere an diesem Naturschutzgebiet ist, daß sein Fortbestand mit dem noch zu Wendezeiten 1990 für kaum möglich gehaltenen, jedoch jetzt erneut geplanten Bau des Pumpspeicherwerkes Goldisthal bedroht ist. Bereits in den 70er Jahren, also zu DDR-Zeiten, hatte man im oberen Schwarzatal damit begonnen, Hänge für den Bau eines Pumpspeicherwerkes zu roden und Sprengungsarbeiten durchzufuhren. 1981 wurden diese Arbeiten aufgrund finanzieller Probleme eingestellt.

In den Planfeststellungsunterlagen von 1996, im "Landschaftspflegerischen Begleitplan", wird festgestellt, daß "das NSG Wurzelbergfarmde mit naturnahen, montanen Buchen- und Fichtenwäldern und den letzten Tannenvorkommen im Untersuchungsgebiet zu den wertvollsten Waldgebieten" zu zählen ist. In den Planfeststellungsunterlagen heißt es weiter: "Sehr hohe Habitatqualitäten bieten die ausgedehnten, naturnahem alten Laubmischwaldbestände am Löschleitenberg, Wurzelberg, Großen Fanndenkopf, Pechseifenberg, Großen Langebachsberg und nördlich des Rehtals. Diese Waldbestände haben eine sehr hohe allgemein faunistische, vor allem aber ornithologische Bedeutung. Das NSG Wurzelbergfarmde bietet mit Auerhuhn, Waldschnepfe, Grauspecht, Grünspecht, Schwarzspecht, Sperlingskauz, Habicht, Raufußkauz, Hohltaube, Großem Abendsegler, Waldeidechse, Blindschleiche u.v.m. einer außergewöhnlichen Fauna Lebensraum."

Das NSG "Wurzelbergfarmde" ist nach Ansicht des BUND Thüringen für die weitere Erhaltung der Thüringer Auerhuhnpopulation unverzichtbar. Seit der Einstellung der Bau- und Erkundungsarbeiten für ein Pumpspeicherwerk im Jahr 1981 hat sich der aufgrund der Rodungen und Sprengungen praktisch erloschene Bestand an Auerhühnern wieder erholen können. Der erneute Bau, insbesondere des Oberbeckens auf dem Farmdenkopf, wird jedoch nach Ansicht von Fachleuten erneut und nachhaltig zum Verschwinden der dort vorhandenen Auerhuhnpopulation fuhren.

"Der Bau des Pumpspeicherwerkes Goldisthal ist demnach mit dem Schutzzweck unvereinbar", heißt es in einem Beschwerdebrief des Umweltverbandes an die Europäische Union unter anderem wegen Verstoßes gegen die Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Der BUND Thüringen hat dieses Großprojekt besonders deshalb und unter anderem auch aus energiepolitischen Gründen seit dem Wiederaufleben der Planung konsequent bekämpft und klagt gegen den Bau dieses Pumpspeicherwerkes beim Bundesverwaltungsgericht.

11. Dezember 1996

BUND zur Planfeststellung der Talsperre Leibis: "Nun kommt es darauf an, daß möglichst viele Bürger ihre Einwände geltend machen."

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, erinnert daran, daß derzeit das Planfeststellungsverfahren für das Großprojekt "Talsperre Leibis" läuft.

"Nun kommt es darauf an, daß möglichst viele Bürger ihre Einwendungen beim Thüringer Landesverwaltungsamt geltend machen", so BUND-Landesgeschäftsführer Michael Spielmann. Der BUND fordert die Bevölkerung auf, im Rahmen des laufenden Planfeststellungsverfahrens von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Eigens dafür wurde eine Mustereinwendung als Postkarte vorbereitet, die bis spätestens 23. Dezember 1996 bei der Genehmigungsbehörde vorliegen muß. Die Postkarten sind in der BUND-Landesgeschäftsstelle in Eisenach erhältlich.

Der BUND Thüringen wird das Vorhaben Trinkwassertalsperre Leibis/Lichte in seiner Stellungnahme ablehnen. "Wir begründen unsere ablehnende Haltung vor allem mit der nicht ausgleichbaren Zerstörung von Natur und Landschaft durch ein Großprojekt aus DDR-Zeit, für das es keinen tatsächlichen Bedarf gibt" sagte Susanne Engelmann, Landesvorstandsmitglied des BUND Thüringen. Durch die Talsperre werde der Lebensraum des vom Aussterben bedrohten Auerhuhnes weiter dramatisch eingeengt. Die Überflutung von Lichte-und Schalgebachtal gefährde das einzigartige Naturerbe des Thüringer Schiefergebirges. Da durch eine neue Talsperre zusätzliche Überkapazitäten in der Fernwasserversorgung entstünden, würden Steuergelder in immenser Höhe verschwendet. "Bezahlen werden die Zeche am Ende die Bürger, ob als Steuer-oder Gebührenzahler", so Engelmann weiter.

"Wer höhere Wasserpreise verhindern will, muß uns jetzt helfen, die Talsperre Leibis zu verhindern. Wer nicht jetzt seine Einwendungen gegen dieses ökologisch und wirtschaftlich unsinnige Projekt geltend macht, hat auch später kaum noch Möglichkeiten, sich gegen den Bau der Talsperre und die damit verbundenen Folgen zu wehren", so Engelmann abschließend.

27. November 1996

Bundesverwaltungsgericht weist Klage zu A 71 und ICE ab – BUND Thüringen spricht von Skandalurteil

Eisenach. Mit Enttäuschung und scharfer Kritik hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) darauf reagiert, daß das Bundesverwaltungsgericht die Klage des Naturschutzverbandes gegen den Bau der "Thüringer-Wald-Autobahn" A 71/ A 73 und die teilweise parallel verlaufende ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt abgewiesen hat. "Das Bundesverwaltungsgericht hat hier nicht Recht gesprochen, sondern ein Skandalurteil gefällt", kommentiert der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, nach einer ersten Einschätzung.

So widerspreche das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes im Prinzip allem, was Gerichte bisher zur Behandlung von Landschaftsschutzgebieten in Planfeststellungsverfahren festgestellt hätten. Indem das Gericht die Planung hinsichtlich des zukünftig durch Autobahn und ICE zerstörten Waldgebietes Bettelmannsholz nunmehr absegne, werde die Rechtsprechung auf den Kopf gestellt und in tendenziöser Weise die Praxis des DDR-Naturschutzes ignoriert. Dies laufe nach Auffassung des BUND dem Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetz ebenso wie dem Naturschutzrecht der DDR zuwider. Die abschließende Bewertung des Urteils könne aber erst erfolgen, wenn die Entscheidungsgründe vorliegen.

Nach Ansicht des BUND Thüringen verhalte sich das Bundesverwaltungsgericht hinsichtlich der Bedarfsfrage "geradezu feige". Insbesondere zur geplanten ICE-Strecke hatte der Umweltverband dem Gericht offizielle Prognosen des Umweltbundesamtes vorlegen können, welche den fehlenden Bedarf bestätigen. Darüber habe sich das Gericht in ignoranter Weise hinweggesetzt. Das Urteil sei nicht dazu geeignet, das Vertrauen in den Rechtsstaat zu fördern.

"Indem das Bundesverwaltungsgericht die Bedarfsprüfung nunmehr erneut dem Bundesverkehrsminister überläßt, entzieht es sich seiner Verantwortung", so Spielmann weiter. Er bezeichnete das gesamte System der Bedarfsprüfungen innerhalb der "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit" als "unseriös" und "vermutlich verfassungswidrig".

Das heutige Urteil ist für den BUND jedoch kein Grund zu resignieren. "Der BUND wird auch zukünftig alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, die PIanfeststellungsbeschlüsse für diese Prestigeprojekte zu kippen und potentielle Kläger gegen diese Planfeststellungsbeschlüsse mit Rat und Tat unterstützen", so Spielmann abschließend.

25. November 1996

CDU und CSU lassen Katze aus dem Sack: Wasser aus Leibis ist für Bayern

Eisenach. Der BUND Thüringen und der Bund Naturschutz Bayern (BN Bayern) werten in einer gemeinsamen Presseerklärung die Ankündigung von thüringischen und bayrischen Unionspolitikern, Wasser aus der geplanten Talsperre Leibis nach Bayern zu exportieren, als "Eingeständnis des Scheiterns der christlichen Fernwasserpolitik".

"Die Thüringer CDU agiert zunehmend hilflos, um das Finanzdesaster Leibis noch zu kaschieren", sagte dazu Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. "Plötzlich erkennen die Christdemokraten, was die Spatzen seit Jahren von den Dächern pfeifen: Für die Trinkwassertalsperre Leibis gibt es trotz schöner Gutachten keinen Bedarf. Die CDU steht vor dem Scherbenhaufen ihrer Wasserpolitik und erhofft sich nun Hilfe von der Schwesterpartei CSU", so Spielmann weiter.

In Bayern stoßen die Aussagen der Unionspolitiker ebenfalls auf Unverständnis, denn auch dort besteht kein Bedarf für zusätzliches Fernwasser. "Immer mehr Kommunen in Bayern erkennen, daß die Fernwasserversorgung ein Irrweg ist, und koppeln sich wieder von ihr ab", meint dazu Sebastian Schönauer, stellvertretender Vorsitzender des BN Bayern. Im Zwielicht stehe dabei die Position des unterfränkischen Landtagsabgeordneten Henning Kaul. "Bei uns ruft er die unterfränkische Bevölkerung auf, gemeinsam mit ihm gegen das Stauseeprojekt im Hafenlohrtal zu kämpfen, und in Thüringen spricht er sich für den Bau der Talsperre Leibis aus."

Angesichts der verfehlten und gescheiterten Fernwasserpolitik sprechen sich BUND Thüringen und BN Bayern dafür aus, das für den Bau der Talsperre Leibis vorgesehene Geld sinnvoller einzusetzen. Statt Hunderte Millionen Mark für den Weiterbau der Talsperre zu verschwenden, sollten diese Gelder den Thüringer Kommunen für die dringend notwendigen Rohrnetzsanierungen und Maßnahmen zur Sanierung örtlicher Wasservorkommen zur Verfügung gestellt werden. Statt für wenige Baugroßkonzerne kräftige Gewinne sicherzustellen sollten damit eine Vielzahl mittelständischer Betriebe unterstützt und Dauerarbeitsplätze geschaffen werden.

19. November 1996

BUND: Gentechnik kann kein Allheilmittel zur Bekämpfung des Hungers sein

Eisenach. Anläßlich des Welternährungsgipfels 1996 in Rom verurteilt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die zynische Tatenlosigkeit der höchsten politischen Ebene der reichen Industriestaaten, die für das Jahr 2015 Hunger und Unterernährung für über 400 Millionen Menschen billigend in Kauf nimmt.

"Nach Beendigung des Gipfels ist klar, daß der reiche Norden den Ärmsten in den Entwicklungsländern auch weiterhin das Recht aller Menschen auf Nahrung verweigert, gleichzeitig jedoch die Industrialisierung der Ernährung unter verstärktem Einsatz der Gentechnologie als das Allheilmittel preist", kommentiert Frank Augsten, Sprecher des Arbeitskreises Landwirtschaft des BUND Thüringen, das Ereignis, das vom 13. bis 17. November in Rom stattfand. Er kritisierte insbesondere die "Ode an die Gentechnik", welche Bundeslandwirtschaftsminister Borchers am 15. November auf dem Gipfel gehalten hatte.

Der BUND Thüringen erklärt in diesem Zusammenhang, daß Gentechnik angesichts der ungeklärten Risiken kein Mittel für die Sicherung der Welternährung sein kann. "Der Hunger auf der Erde ist kein Problem des Mangels an Nahrungsmitteln, sondern der fehlenden Kaufkraft infolge von Armut und Besitzlosigkeit", so Frank Augsten weiter. "Das generelle Problem des Hungers wird durch den Einsatz von Gentechnik nicht gelöst."

Angesichts der drohenden Vermarktung von ungekennzeichnetem, genmanipuliertem Soja auch in Thüringen und angesichts der 1997 erneut drohenden Freilandversuche der amerikanischen Firma "MONSANTO" mit gentechnisch manipuliertem Raps in Hohlstedt bei Jena wird sich der BUND Thüringen auch weiterhin mit aller Kraft gegen derartige "Menschenversuche mit ungewissem Ausgang" einsetzen und die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch manipulierte Lebensmittel einfordern.

19. November 1996

BUND: "Thüringen - Wandlung vom Grünen Herzen zum Land der Spatenstiche und Rammschläge?" - Der Freistaat als Rummelplatz für Propagandaveranstaltungen der Autobahnlobby

"Schon wieder mal ein Spatenstich, es wird langsam langweilig", kommentiert der BUND Thüringen den am morgigen Mittwoch "verübten" Rammschlag für ein Brückenbauwerk in der Suhler Struth, welches im Zusammenhang mit dem Bau der A 71 ("Thüringer-Wald-Autobahn") errichtet werden soll.

Der BUND Thüringen kritisiert diesen Rammschlag als Propagandaveranstaltung der Autobahnplaner. Der Anstoß mit Sekt kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß derartige Brückenbauwerke eines Tages unvollendet und "funktionslos" in der Landschaft herumstehen könnten, weil die Finanzierung der "Thüringer-Wald-Autobahn" in keiner Weise abgesichert ist.
Die DEGES als Träger der "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit" sowie die Bundes- und Landesregierung gaukeln der Bevölkerung trotz schier hoffnungsloser Haushaltslage zum wiederholten Male vor, sie sei durch diesen Rammschlag schon in kürzester Zeit von allen Verkehrsproblemen "entlastet" und es werde einen "wirtschaftlichen Aufschwung" in der Region geben. Daß dabei Natur und Landschaft unwiederbringlich zerstört werden und es trotzdem mit der Arbeitslosigkeit und Armut im Freistaat weiter "bergauf" gehen wird, spielt für diese prestigesüchtigen und rechthaberischen Herren anscheinend längst keine Rolle mehr. Die Forderung der Wendezeit, wonach Fehlentscheidungen - wie der Bau der Waldautobahn und ICE-Trasse Erfurt-Nürnberg - korrigierbar bleiben müßten, scheint bei diesen Herren ebenfalls längst in Vergessenheit geraten zu sein.

Der BUND Thüringen plädiert angesichts der angespannten Finanzlage in Bund und Ländern seit Jahren für den bedarfsgerechten Ausbau vorhandener Bundesstraßen, für Ortsumgehungen und für die Sanierung des Kreisstraßennetzes. "Durch solche lokale Maßnahmen ist den Verkehrsproblemen zu begegnen, nicht durch den Bau neuer Transitmagistralen", so Birgit Henkel, BUND-Sprecherin in Meiningen. "Hier kämen auch einheimische Baufirmen zum Zuge, während bei den Großverkehrsprojekten immer eine europaweite Ausschreibung stattfindet. Für die geplanten 15 Milliarden Mark für Waldautobahn und ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg ließe sich beispielsweise ein großer Teil des regionalen Schienennetzes in Deutschland modernisieren."

In diesem Zusammenhang verurteilt der BUND auch den jüngsten Polizeieinsatz im Bettelmannsholz bei Arnstadt am vergangenen Sonntag als "brutalen Machtakt der Obrigkeit". Er diene dazu, die Autobahngegner, die sich dort zu einer Andacht versammelt hatten, einzuschüchtern und "kaltzustellen". "Es ist geradezu grotesk", so Klaus Fink, Mitarbeiter in der Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen, "daß man sich für die satzungsgemäße Ziele eines Umweltverbandes - beispielsweise Einsatz für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und unter anderem auch Engagement für sinnvolle Verkehrsalternativen - heutzutage wie ein angeklagter Krimineller rechtfertigen muß oder gar geprügelt wird." Die Klage des BUND Thüringen betreffs seines Grundstücks im Bettelmannsholz wird am morgigen Mittwoch vor dem Bundesverwaltungsgericht in Berlin erneut verhandelt.

11. November 1996

Menschenversuch mit Gentech-Soja - Testfall für die Zukunft?

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, und die Neuform Oberursel mit ihren deutschen Reformhäusern, unter anderen dem Reformhaus Fischer in Erfurt, haben die Einfuhr von gentechnisch verändertem Soja aus den USA nach Deutschland in aller Schärfe als "Menschenversuch im großen Stil" kritisiert.

"Denn nahezu 30.000 Lebensmittel enthalten mittlerweile Soja. Der in Ölmühlen ab-gepreßte etwa 20-prozentige Ölanteil wird beispielsweise zur Produktion von Margari-ne und anderen Speisefetten bzw. Ölen, von Mayonnaise und Dressings, von Soßen, Suppen und Glasuren wie auch von Kartoffelchips eingesetzt. Darüberhinaus findet aus Soja hergestelltes Lecithin als Emulgator zum Beispiel in Eiscremes, Schokolade und anderen Süßigkeiten breite Anwendung. Die Rückstände der Ölmühlen wandern als wertvolles Eiweißfuttermittel in die Futtertröge der Landwirtschaft", sagte Frank Augsten, Sprecher des AK Landwirtschaft im BUND Thüringen, in einer heute veröf-fentlichten Presseerklärung.

Über Hamburg waren in der Nacht zum 6.11.96 vermutlich erstmals gentechnisch ver-änderte Sojabohnen aus den USA nach Deutschland eingeführt worden. Um die getrennte Verarbeitung und Kennzeichnung unmöglich zu machen, wurde das Gentech-Soja des US-Konzerns MONSANTO mit herkömmlich erzeugten Bohnen vermischt. Die Hamburger Ölmühle hat nach ihrem Vorstandssprecher Wissels bereits signalisiert, daß sie nicht in der Lage sei, die gentechnisch veränderten Feldfrüchte von den normalen zu trennen.

Die europaweit beiden größten Lebensmittelkonzerne NESTLE und UNILEVER haben bereits verbindlich in der Öffentlichkeit erklärt, daß sie nicht bereit seien, genmanipulierte Sojabohnen zu verarbeiten.
Obwohl sich nach verschiedenen Umfragen auch über drei Viertel der Bevölkerung gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel aussprechen, wolle MONSANTO - in Thüringen berüchtigt durch die Freisetzungsversuche in Hohlstedt bei Jena - die lebensmittelverarbeitende Industrie sowie die Verbraucher vor vollendete Tatsachen stellen. Um das zu verhindern, verlangen die Reformhäuser und der BUND Thüringen von den politisch Verantwortlichen die gesetzliche Pflicht zur umfassenden Kennzeichnung genmanipulierter Lebensmittel.

6. November 1996

Pumpspeicherwerk Goldisthal – Ein Dinosaurierprojekt aus DDR-Zeit

Inmitten des Thüringer Waldes, im Naturraum "Hohes Thüringer Schiefergebirge", findet sich das einzigartige SchwarzataI. Als längstes Fließgewässer im Thüringer Wald hat sich die etwa 45 Kilometer lange Schwarza noch weithin naturnahen Charakter bewahrt. Sie schlängelt sich tief eingeschnitten durch das westliche Thüringer Schiefergebirge. Als wasserreiche Gebirgsbäche fließen ihr Masse, Ölze, Breitenbach und Rinne von Westen, Katze, Lichte und Sorbitz von Osten und Süden zu. Im Schwarzatal und seiner unmittelbaren Umgebung haben sich Siedlungen entwickelt, in denen zum Teil jahrhundertelang Gewerbe und Kleinindustrie betrieben wurden und die heute zunehmend touristische Ziele sind. Zu nennen wären u.a. die traditionsreichen Glasbläserorte Katzhütte, Großbreitenbach und Oberweißbach, desweiteren Scheibe-Alsbach, Schwarzmühle, Glasbach, Sitzendorf, das einmalig schöne Schwarzburg, über dem auf einem Talsporn das Stammschloß des gleichnamigen gräflichen Herrschergeschlechts liegt, der 800 Meter hoch gelegene Kurort Masserberg sowie die am Rennsteig, dem Höhenweg des Thüringer Waldes gelegene ehemalige Kreisstadt Neuhaus, die seit der Thüringer Gebietsreform im Jahre 1994 zum Kreis Sonneberg gehört.

Die Schwarza bietet in ihrer Aue und an den Hängen vom Quellgebiet bei Scheibe bis in das Durchbruchstal bei Schwarzburg vielfältige Reize. Im oberen Schwarzatal verläuft eine beliebte Wanderroute mit reizvoller Umgebung und einer abwechslungsreichen Pflanzen-und Tierwelt. Während in den deutschen Mittelgebirgen mittlerweile fast alle nicht besiedelten Flußtäler mit Talsperren verbaut wurden, ist das Schwarzatal als einer der letzten noch naturnahen Gebirgsflußräume erhalten geblieben.

Einheimische sagen von ihrem idyllischen oberen Schwarzatal geradezu verliebt: "Hier ist es wie im Schwarzwald!" Der Betrachter, der am Aussichtspunkt neben der Schutzhütte am Rollkopfbei Neuhaus oberhalb des Schwarza-Quellgebietes steht und seinen Blick über den Stausee Scheibe-Alsbach hinweg in die Ferne und auf die Gipfel des Bleß, des Großen Farmdenkopfes und des Kieferle schweifen läßt, kann dies nur allzu entzückt bestätigen.

Doch diese Idylle ist akut gefährdet: An der unteren Lichte, nahe ihrer Einmündung in die Schwarza bei Unterweißbach, ist der Bau der Talsperre Leibis geplant, benannt nach dem Ort, der bis auf ein einziges Haus abgerissen wurde und zukünftig überstaut werden soll. Gestützt auf Genehmigungen aus DDR-Zeiten sind weite Teile der Talflanken bereits entwaldet. Anfang November 1996 wurde für diese Trinkwassertalsperre, die zu den größten in Mitteleuropa zählen würde, nun das Planfeststellungsverfahren nach bundesdeutschem Recht eröffnet. Trotz der bereits erfolgten, unübersehbaren Eingriffe in Natur und Landschaft ist also noch offen, ob das Projekt am Ende tatsächlich genehmigt wird und die notwendigen öffentlichen Gelder zum Bau bereitgestellt werden.

Noch konkreter und weiter vorangeschritten ist die Planung für den in der Nähe der kleinen Gemeinde Goldisthal beabsichtigten Bau einer weiteren Talsperre. Hierbei geht es aber nicht um die Versorgung mit Trinkwasser, sondern um den Bau eines Pumpspeicherwerkes. Solche Anlagen dienen zum "Speichern" von Elektrizität, indem zu Zeiten mit niedrigem Strombedarf mittels Strom aus dem Verbundnetz Wasser in das Oberbecken gepumpt und in Spitzenbedarfszeiten über Turbinen wieder herabgelassen wird. Dabei können nur etwa 60 -80 Prozent der beim Hochpumpen aufgewandten Energie zurückgewonnen werden.

Wie die Talsperre Leibis gehört auch dieses Projekt .zu den "unvollendeten Großbauten des Sozialismus". Die Anfänge reichen bis in die 60er Jahre zurück, als beabsichtigt war, im Raum Weimar/Jena ein Kernkraftwerk aus sowjetischer Produktion vom Typ "Schneller Brüter" zu betreiben. Mit ersten bergmännischen Arbeiten zur ingenieurgeologischen Erkundung sowie mit Straßenbauarbeiten wurde 1974 begonnen, aus Geldmangel wurde der Bau jedoch 1980 eingestellt.

Kaum jemand hätte gedacht, daß die Verwirklichung dieses Projektes nach dem Ende der DDR erneut ins Haus stehen würde. Gestützt auf die aus den 60er Jahren stammenden Gutachten und Stellungnahmen, die unter den damaligen Bedingungen diesen Standort favorisierten und Alternativen z.T. im Hinblick auf deren Nähe zur damaligen deutsch-deutschen Grenze per se ausschlossen, will nun die Vereinigte Energiewerke AG (VEAG) das Pumpspeicherwerk Goldisthal an dieser Stelle errichten. Die VEAG begründet ihr Vorhaben mit der "Bereitstellung elektrischer Spitzenenergie von ca. 1060 MW auf der Grundlage der Wasserkraftnutzung", der "Sekundärregelung im Verbundnetz der VEAG sowie Ausregeln der Lastflanken", der "Verringerung der Übertragungsverluste", der "Bereitstellung der Minutenreserve für den Ausfall großer Kraftwerksblöcke im Verbundnetz" und dem "Wiederaufbau des Netzes nach einem Netzzusammenbruch ...". Das Fassungsvermögen des Unterbeckens soll ca. 18,9 Millionen Kubikmeter betragen. Das Oberbecken soll auf dem Plateau des "Großen Farmdenkopf', mit 869 Metern höchster Gipfel des Thüringer Schiefergebirges, ausgehoben werden.

Während die bis 1980 erfolgten Eingriffe in die Natur in den letzten Jahren weitgehend "vernarbt" sind und sich anstelle des gerodeten Fichtenbestandes mittlerweile naturnahe Sukzessionsflächen finden, die sich zu wertvollen Biotopen entwickeln können, drohen nun noch sehr viel weitreichendere Zerstörungen. Neben der direkten Inanspruchnahme von rund 150 Hektar naturschutzfachlich überwiegend sehr wertvollen Flächen für Ober-und Unterbecken, Baustelleneinrichtungen und Aushublagerstätten ist es vor allem der durch den Pumpspeicherbetrieb zu erwartenden Eingriff in das Fließgewässersystem der Schwarza.

Die natürliche Dynamik dieses Gebirgsflusses, die sich gerade im Wechsel seines Wasserdargebotes zeigt, die die Vielfalt seiner Biotope mit artenreicher Tier-und Pflanzenwelt bedingt und seinen Charakter als ungemein belebendes Landschaftselement ausmacht, würde durch den Bau des Pumpspeicherwerkes und seiner Staustufen nachhaltig beeinträchtigt.

Ebenfalls in sehr starkem Maße betroffen wäre auch das unmittelbar an das geplante Oberbecken angrenzende Naturschutzgebiet "Wurzelbergfarmde", welches sich durch seine Abgeschiedenheit und die Größe des zusammenhängenden Waldgebietes auszeichnet und von besonderer floristischer und faunistischer Bedeutung ist. So finden sich hier Auerhuhn und Waldschnepfe, Grauspecht, Grünspecht, Schwarzspecht, Sperlingskauz, Habicht, Rauhfußkauz, Hohltaube, Großer Abendsegler, Waldeidechse, Blindschleiche und viele andere Arten.

Obwohl keine Flächen innerhalb dieses Naturschutzgebietes direkt bebaut werden sollen, sind bereits durch den jahrelangen Baubetrieb mit Sprengungen und Baustellenverkehr, aber auch durch den Betrieb des Pumpspeicherwerkes starke und dauerhafte Schädigungen zu erwarten. Dies gilt vor allem für den dort zu findenden Bestand des Auerhuhns (Tetrao urogallus), das in der Roten Liste Thüringens in der Kategorie 1 ("vom Aussterben bedroht") geführt wird und nach Angaben von Experten das einzige längerfristig erhaltbare Vorkommen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist. Seit der Einstellung der Bau-und Erkundungsarbeiten im Jahr 1991 hatte sich der auf Grund von Rodungen und Sprengungen praktisch erloschene Bestand wieder erholen können. Zu befürchten ist nun, daß durch den Bau des Pumpspeicherwerkes die jetzt vorhandene Population erneut und endgültig vertrieben würde. Eine natürliche Wiederbesiedlung ist auch nach Abschluß der Bauarbeiten nicht zu erwarten, da die Reproduktionskraft der Thüringer Restpopulation dazu wohl nicht mehr ausreicht. Vor allem durch Besucherverkehr im Bereich des Oberbeckens ist eine dauerhafte Beeinträchtigung des Standortes zu erwarten.
Wie das Schwarzatal ist auch das Naturschutzgebiet "Wurzelbergfarmde" von Seiten der Bundesregierung gegenüber der Kommission der Europäischen Union als "Gebiet mit besonderer Bedeutung für den Schutz wildlebender Vögel" benannt worden.

Da der Bau des Pumpspeicherwerkes nach Ansicht des BUND mit dem Schutzziel der "Vogelschutzrichtlinie" unvereinbar wäre, hat der Umweltverband bereits im Januar 1996 "wegen Verstoßes gegen Gemeinschaftsrecht" eine Beschwerde an die Kommission der Europäischen Union (EU) gerichtet. "Doch bis auf eine kurze Eingangsbestätigung und die Vergabe einer Bearbeitungsnummer haben wir bislang aus Brüssel keinerlei Reaktion erhalten", so der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann. Auch die Forderung des BUND, das Thüringer Landesverwaltungsamt hätte im Planfeststellungsverfahren eine Stellungnahme der EU-Kommission einholen müssen, wurde von der Genehmigungsbehörde als "nicht erforderlich" zurückgewiesen.

Nachdem auch der förmliche Widerspruch des BUND Thüringen gegen das Pumpspeicherwerk – wie schon der größte Teil der Einwendungen der Naturschutzverbände im Anhörungsverfahren – zurückgewiesen wurde, hat der Umweltverband inzwischen gegen den Ende März ergangenen Planfeststellungsbeschluß Klage beim Verwaltungsgericht Meiningen erhoben. Begründet wird dieser Schritt mit den schwerwiegenden und nicht ausgleichbaren Eingriffen in Natur und Landschaft, mit fehlenden Standortalternativen und insbesondere mit dem fehlenden energiewirtschaftlichen Bedarf für das Pumpspeicherwerk.

"In den neuen Bundesländern sind bereits Pumpspeicherwerke mit 1682 MW in Betrieb. Diese Pumpspeicherleistung ist mehr als ausreichend, um die Netzsicherheit und die anderen Nutzziele zu gewährleisten. Offensichtlich wird dies anhand des Vergleichs mit dem Stromverbundnetz Westdeutschlands. Etwa 4 Prozent der Gesamtleistung der westdeutschen Kraftwerke sind Speicher-und Pumpspeicherwerke. Würde Goldisthal realisiert werden, würde der Anteil an Pumpspeicherleistung in den neuen Bundesländern von derzeit 9 auf 14 Prozent steigen. Die Erforderlichkeit für die somit im Vergleich zu den alten Bundesländern dreieinhalb mal so hohe Absicherung der Netzsicherheit in den neuen Bundesländern wird an keiner Stelle nachgewiesen oder überhaupt vorgetragen", heißt es im Widerspruch des Umweltverbandes gegen den PIanfeststellungsbeschluß unter anderem.

Das politische Argument der PSW-Befürworter, mit dem Projekt würden Arbeitsplätze geschaffen, beurteilt der BUND als äußerst fragwürdig. "Um den Bau des PSW Goldisthal überhaupt zu rechtfertigen, müssen Kapazitäten stillgelegt werden, die bislang genau die Spitzenleistungen erbringen, die das geplante Vorhaben in Zukunft liefern soll", so im Widerspruch des BUND. Von der Stillegung betroffen wären u.a. Gasturbinenwerke in Grimmenthal, Gera und Erfurt. Am Rande sei bemerkt, daß die VEAG seit der Wende ihre Stellen von etwa 28.000 auf 12.000 reduziert hat, weiterer Stellenabbau sei geplant.

Der Thüringer Wald, das "Grüne Herz Deutschlands", droht mit weiteren Großprojekten wie der "Thüringer-Wald-Autobahn" und ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg, beides milliardenteure Prestige-Vorhaben, zum Transitkorridor und zur Spielwiese ausschließlich kurzsichtiger wirtschaftlicher Interessen degradiert zu werden. Für den BUND und seine Verbündeten ein weiterer Grund, sich im Kampf gegen die Verschandelung und Vernichtung von Lebensräumen nicht entmutigen zu lassen.

6. November 1996

Lebensraum des Monats November: Naß- und Feuchtwiesen

Zum Lebensraum des Monats November hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die Seggen-, Binsen- und hochstaudenreichen Naßwiesen und nicht intensiv genutzten Feuchtwiesen erklärt.
Diese gehören zu den nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes "besonders geschützten Biotopen". Sie waren früher in den Flußauen und Niederungen weit verbreitet.
Infolge Entwässerung, Ackernutzung, Grünlandintensivierung sowie infrastruktureller Erschließung wurden solche Wiesen weitgehend verdrängt und sind heute nur noch in Resten in geschützten Gebieten zu finden.

Gehölzarme und gehölzfreie Naß- und Feuchtwiesen sind durch großen Artenreichtum gekennzeichnet und meistens durch extensive Mahd oder Beweidung entstanden. Hier kommen u.a. Gräser, grasartige Pflanzen und Stauden auf nassen und wechselnassen Standorten vor. Die Feldschicht wird z.B. von Seggenarten, Binsenarten, Waldsimse, Pfeifengras, Trollblume, Wiesenschaumkraut und Wolligem Honiggras gebildet. Bei vorhandener teilweiser Gehölzbestockung dominieren Erle und Faulbaum.

Beispiel: Feuchtgebiet "Am Böhmen" bei Bad Langensalza
Zum heutigen Zeitpunkt stellt sich das Thüringer Becken als weiträumig ausgeräumte Landschaft mit intensiver Landwirtschaft dar. Feuchtgebiete wurden bis auf minimale Reste trockengelegt, Gräben verrohrt, Hecken beseitigt und Kopfweiden- und Streuobstalleen abgeholzt.
In Anbetracht des Aufrufes der Umweltkommissarin der EU Ritt Bjerregaard an alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, die Zerstörung von Feuchtgebieten zu stoppen und neue zu schaffen, wurde als erstes Teilprojekt einer großräumigeren Renaturierung im Jahr 1994 vom Landschaftspflegeverband "Unstrutaue" e.V. (LVU) eine Fläche in der Unstrutaue bei Bad Langensalza im Unstrut-Hainich-Kreis von der Stadt angepachtet und mit der Renaturierung begonnen.
Es handelt sich um ein ca 20 Hektar großes Ackerstück nordwestlich von Bad Langensalza. Der LVU hat verschiedene Gestaltungsmaßnahmen durchgeführt und eine Wiedervernässung der Fläche eingeleitet. Schon wenige Tage nach Abschluß der Arbeiten im September 1994 war ein deutlicher Anstieg der Grundwasserstände zu beobachten, und ein Altarm der Unstrut füllte sich mit Wasser. Mit Beginn der stärkeren Herbstregenfälle entwickelte sich die Fläche in kurzer Zeit zu einem ausgedehnten Feuchtgebiet.

Inzwischen hat sich die Fläche zu einem Feuchtwiesen-Flachwassergebiet mit etwa 14 Hektar Feuchtgrünland und ca 6 Hektar Flachwasserzone entwickelt.
Es haben sich "Am Böhmen" viele die Feuchtigkeit liebende Pflanzen und Tiere angesiedelt, andere nutzen den Lebensraum auch als Nahrungsgebiet. Als herausragendes Beispiel sei der Weißstorch genannt, der nach 35 Jahren 1995 erstmalig wieder im Gebiet brütete. Das Brutpaar hat sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr jeweils drei Junge erfolgreich aufgezogen. Weißstörche nutzen Naß- und Feuchtwiesen ausgiebig zur Futtersuche.
Im Pflanzenreich konnten 1996 bereits wieder über 30 z.T. recht seltene Arten nachgewiesen werden.

Die beschriebene Neuschaffung eines Feuchtgebietes zeigt in beeindruckender Weise, wie mit etwas Mut und Initiative zur Unterstützung der Natur diese die Hilfe dankbar annimmt und in kürzester Zeit aus einer öden Agrarsteppe einen vielfältigen Lebensraum erstehen läßt.
Die Erfahrungen aus diesem Projekt sollten allen engagierten und interessierten Personen und Vereinen Aufruf und Ansporn sein, ähnliches in ihrem Lebens- und Wirkungsbereich zu versuchen.

24. Oktober 1996

Graureiher-Abschuß weiter unter scharfer Kritik

Der BUND Wartburgkreis und die Naturschutzvereine Gerstungen, Herda und Lauchröden haben in einem Brief vom 3.10.96 an das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt (TMLNU) energisch gegen den Abschuß von 290 Graureihern im Freistaat protestiert. Inzwischen liegt seitens der Behörde ein Antwortbrief vom 18.10.96 vor, in dem die Dezimierung der Vögel mit der "fischereipolitischen Situation" in Thüringen gerecht-fertigt wird.

Dazu der BUND: "Der sogenannte Vergrämungsabschuß löst nicht die grundsätzlichen Probleme der Fischereiwirtschaft und steht außerdem im Widerspruch zu der Aussage im Umweltbericht des TMLNU 1995, wonach die vorgelegten Ergebnisse zu den Graureiher-Brutkolonien und bekannten Einzelbrutvorkommen in den Landkreisen 'den Status der Art als ganzjährig geschonter Vogel' unterstützen sollen."
"Vermutlich brauchen die Jäger ein neues Feindbild, wofür jetzt die Graureiher ähnlich wie vor 100 Jahren Bären, Wölfe und Luchse herhalten müssen", so der Kommentar von Frank Henkel, Förster und stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Thüringen. "Dagegen hält man sich bei der Regulierung des Schalenwildes vornehm zurück."

Daß Graureiher auch Fischteiche zur Nahrungsaufnahme nutzen, sei ganz natürlich und auch dadurch begründet, daß in der Vergangenheit die Lebensräume der Wasservögel durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, Begradigung von Bächen und Umbruch von Wiesen zu Ackerland großenteils zerstört wurden. Mit dem Abschuß der Graureiher die Fischbestände schützen zu wollen, weist der BUND als unhaltbar zurück. "Durch die derzeit praktizierte Fischzucht, die zum Teil einer Massentierhaltung entspricht, werden zusätzlich naturnahe Lebensräume und somit das ökologische Gleichgewicht der betroffenen Gewässer arg gestört", so Manfred Rimbach als Vertreter der Naturschutzvereine Gerstungen, Lauchröden und Herda.
Laut Umweltbericht des TMLNU gibt es derzeit noch 664 Brutpaare in Thüringen. Das Ministerium wird von BUND und den Naturschutzvereinen aufgefordert, die Ausnahmegenehmigung zum Abschuß der bestandsgefährdeten Vögel zurückzunehmen.

21. Oktober 1996

BUND Thüringen fordert Baustopp für A 71 - Erneutes Eilverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht

Eisenach. Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat seiner Forderung nach einem sofortigen Baustopp für die umstrittene "Thüringer-Wald-Autobahn" durch ein weiteres Eilverfahren beim Bundesverwaltungsgericht in Berlin Nachdruck verliehen. Hintergrund des BUND-Antrags sind die in der vergangenen Woche begonnenen Rodungsarbeiten im "Bettelmanns-holz" unweit Arnstadt. In diesem Waldstück besitzt der BUND Thüringen Grundstücke, die von der geplanten Autobahntrasse der A 71 und der ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt komplett zerschnitten und zerstört würden. "Mit diesen Rodungen sollen offensichtlich vollendete Tatsachen geschaffen werden, die nicht ausgleichbar sind", kritisiert der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, das Vorgehen der für den Autobahnbau zuständigen Planungsgesellschaft DEGES.

Dies sei umso verwerflicher, weil die Entscheidung in der seit Dezember 1995 laufenden Klage des BUND Thüringen gegen den Planfeststellungsbeschluß zur "Bündlungstrasse" mit dem für den 20. November angesetzten Termin zur mündlichen Verhandlung nunmehr unmittelbar anstehe: "Es ist deshalb dem Vorhabensträger zuzumuten, bis zu diesem Termin keine weiteren machtpolitischen Exempel zu statuieren", so Spielmann weiter.

Begründet wird der erneute Eilantrag des BUND auch mit dem Auftreten neuer Tatsachen, die zumindest eine wesentliche Verzögerung des Baus der ICE-Trasse bewirken und "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sogar deren völlige Neuplanung bedeuten". So habe die Bahn AG während der öffentlichen Anhörung des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages am 25.09.96 die kritische Stellungnahme des Umweltbundesamtes und Prognosen verschiedener Forschungsinstitute bestätigt, wonach die erwarteten Zuwächse im Güterzug- und Personenverkehr bis zum Jahr 2010 nicht stattfinden. Bezogen auf die aktuellen ICE-Neubauplanungen müsse diese Vorhersage im Güterverkehr um 70 % und im Personenverkehr um 30 % reduziert werden. "Damit ist die ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt generell in Frage gestellt", so der BUND.

Für den vorliegenden Planfeststellungsbeschluß der "Bündelungstrasse bedeute der Verzicht auf den ICE jedoch den "Wegfall der wesentlichen planerischen Grundlagen". Die Autobahn müsse neu geplant und vom Thüringer Verkehrsministerium neu planfestgestellt werden. "Ohne eine Bündelung der beiden bisher geplanten Strecken würde jedoch auch die Autobahn ganz anders trassiert werden. Eine Enteignung des BUND wäre in diesem Fall  nicht erforderlich", so der BUND abschließend.

16. Oktober 1996

Lebensraum des Monats Oktober: Schlucht-, Felsschutt- und Blockwälder

Zum Lebensraum des Monats Oktober hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die Schlucht-, Felsschutt- und Blockwälder erklärt.

Schlucht-, Felsschutt- und Blockwälder sind naturnahe Wälder auf Steinschutt- und Blockhalden, an felsig-blockigen Hängen, an steilen Schutthängen sowie in Schluchten und Sohlen enger Täler. Sie gehören zu den nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes "besonders geschützten Biotopen". Kennzeichnend für diese Wälder ist ein hoher Edellaubholzanteil, beispielsweise Bergahorn, Spitzahorn, Sommer- und Winterlinde, Bergulme, sowie ein in der Regel bedeutender Totholzanteil. Sie besitzen eine artenreiche Strauch- und Krautschicht sowie eine reiche Moosflora.

Beispiel: Der Kleine Gleichberg
Der Kleine Gleichberg, gelegen bei Römhild an der Kreisgrenze zwischen Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen, ist ein markanter, schon aus der Ferne gut sichtbarer Basaltkegel mit offenen Blockhalden und verschiedenen Laubwaldgesellschaften. Bedingt durch seine Lage am Nordrand des Grabfeldes sowie seine das Umfeld um rund 300 Meter überragende Höhe ist er Lebensraum für sowohl wärmeliebende als auch montane Arten.
Das seit 1967 unter Naturschutz stehende Gebiet weist eine reichhaltige Flora und Fauna auf. Die Baumschicht bilden im höhergelegenen Gebiet Rotbuche, Sommerlinde, Berulme und Bergahorn, in den niederen Lagen dominiert der Eichen-Hainbuchenwald. Roter Holunder, Schwarze Heckenkirsche, Seidelbast und Himbeere sind Vertreter der Strauchschicht. Besonders beeindruckend ist im Vorfrühling ein Blütenmeer von Märzenbechern, Primeln und Leberblümchen, das alljährlich viele Besucher anlockt.

Mehrere Spechtarten finden in alten Bäumen ausreichende Brutmöglichkeiten und schaffen Höhlen für "Nachnutzer". Eine artenreiche Kleinvogelwelt ist im Gebiet vertreten.
Auf dem Gipfel des Kleinen Gleichberges befindet sich ein Bodendenkmal, die "Steinsburg", eine Keltische Wallanlage, deren Besuch lohnenswert ist.

Durch einige Nadelholzforsten wird das ansonsten harmonische Bild zwar gestört, erlaubt jedoch andererseits einen Vergleich zwischen einem naturnahen Wald und einen auf Holzverkauf ausgerichteten Fichtenforst.

Typische Schluchtwälder finden sich beispielsweise auch bei Eisenach in der über Thüringens Grenzen hinaus bekannten Drachenschlucht, in der Ludwigsklamm und in der Landgrafenschlucht.

15. Oktober 1996

Alarmstufe Rot: Bettelmannsholz wird abgeholzt! Scharfer Protest des BUND Thüringen

Eisenach. Am heutigen Vormittag erreichte den BUND Thüringen die Nachricht aus Hausen bei Arnstadt, daß im Bettelmannsholz derzeit Bäume gefällt werden.

Der BUND Thüringen protestiert in schärfster Weise gegen das Vorgehen der Holzfäller und ihrer Auftraggeber, die somit das Grundstück des BUND entwerten und Tatsachen schaffen, noch ehe eine endgültige Entscheidung durch das Bundesverwaltungsgericht zur Klage des BUND gegen die Bündelungstrasse (A 71/73/ICE) gefallen ist.

Vermutlich sitzen die jungen Leute, die mit ihrer Anwesenheit im Bettelmannsholz dieses vor der Rodung schützen wollen, noch immer in den Bäumen; es ist zu befürchten, daß die Holzfäller keine Rücksicht auf deren Gesundheit nehmen werden. Der BUND Thrüingen würde sich freuen, wenn die Redakteure der thüringer Medien das dortige Geschehen dokumentieren würden.

Das Bettelmannsholz befindet sich in der Gemarkung Görbitzhausen bei Arnstadt. Zu erreichen wie folgt: Arnstadt - Marlishausen - Hausen - dann Richtung Branchewinda. Wahrscheinlich ist das Geschehen schon von weitem zu erkennen. Das Bettelmannsholz war übrigens im April diesen Jahres "Lebensraum des Monats" (Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald).

24. September 1996

ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt in der Expertendiskussion vor dem Verkehrsausschuß des Deutschen Bundestags

Eisenach. Der Verkehrsausschuß des Deutschen Bundestages wird sich in einer öffentlichen Anhörung am Mittwoch, dem 25. September, mit einem der bundesweit umstrittensten Verkehrsprojekte, der ICE-Neubaustrecke von Nürnberg nach Erfurt/Berlin, beschäftigen.

Unter der Themenanstellung "Optimierung des Schienennetzausbaues zwischen Bayern, Sachsen und Thüringen" treffen erstmals im Bundestag Befürworter und Kritiker dieses Großprojektes durch den Thüringer Wald aufeinander. Seit Jahren setzen sich der Bund Naturschutz in Bayern, der BUND Thüringen sowie die Bürgerinitiative "Das Bessere Bahnkonzept" ebenso wie interne Kritiker der Bahn AG für einen alternativen Ausbau des Schienennetzes und moderne Neigezüge ein.

"Das Prestigeobjekt Deutsche Einheit Nr. 8 verwüstet einzigartige Natur-und Kulturlandschaften im Gottesgarten Oberfrankens und dem Thüringer Wald. Statt der versprochenen Arbeitsplätze bringt es Dreck, Lärm und Gesundheitszerstörung und verhindert die Verwirklichung eines besseren Verkehrskonzeptes", so begründet Prof. Dr. Hubert Weiger, Landesbeauftragter des Bundes Naturschutz, die Ablehnung des Projektes in seiner schriftlichen Stellungnahme an den Verkehrsausschuß.

In Thüringen und Bayern sind über 40 Klagen von Gemeinden, Grundstücksbesitzern, Bauern und dem BUND gegen das Projekt beim Bundesverwaltungsgericht in Berlin anhängig. Nach Meinung des Bundes Naturschutz droht bei Verwirklichung der Neubaustrecke ein Milliardengrab auf Kosten der Steuerzahler. Nach offiziellen Angaben des Bundesverkehrsministeriums würde die 190 km lange Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt 8,5 Milliarden Mark kosten. Durch die langen Tunnelstrecken durch das Coburger Land und den Thüringer Wald steigt der Kilometerpreis auf durchschnittlich 45 Millionen Mark. Ein wirtschaftlicher Betrieb ist bei solchen Kosten nicht mehr möglich, warnen Bahninsider.

Auch in der Stellungnahme des Umweltbundesamtes an den Verkehrsausschuß übt der Leiter der Verkehrsabteilung, Prof. Dr. Axel Friedrich, massive Kritik an der vorliegenden Planung. So scheint nach Auffassung des Umweltbundesamtes "Die Notwendigkeit neuer Verkehrswege zur Schaffung leistungsfähiger Fernverkehrsverbindungen zwischen Berlin, Halle, Erfurt, Nürnberg, München gegenüber möglichen Ausbauvarianten keineswegs ausreichend geprüft worden zu sein." Unter Verweis auf die vom Umweltbundesamt und dem Deutschen Verkehrsforum in Auftrag gegebene Studie "Kapazitätsreserven der Schieneninfrastruktur im Güterverkehr (1996)" würden es die derzeitigen Streckenkapazitäten gestatten, "das heutige LKW-Fernverkehrsaufkommen des Korridors nahezu vollständig auf die Bahn zu verlagern". Die Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit habe "die veränderte Ausgangslage bei der Ermittlung von notwendigen Streckenkapazitäten und bei der Untersuchung von Alternativen zum Ausbau/Neubau der Strecke Nürnberg-Erfurt nicht berücksichtigt."

Ebenso stellt das Umweltbundesamt fest, daß "Alternativen zum Neubauprojekt unter Umweltgesichtspunkten ... nicht betrachtet wurden“. Prof. Dr. Matthias Gather vom Fachgebiet Verkehrspolitik und Raumplanung der Fachhochschule Erfurt geht ebenso wie andere Sachverständige davon aus, daß "das 1991 errechnete volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1,0:3,6 v.a. aufgrund der nach unten revidierenden Güterverkehrsprognosen nicht zu erreichen sein dürfte“.

"Der Deutsche Bundestag sollte schnellstens die Fahrt in ein naturzerstörendes Milliardengrab stoppen und die Signale für das alternative Ausbaukonzept auf Grün stellen", fordert Weiger nach Analyse der Stellungnahmen zur Anhörung.

20. September 1996

Lebensraum des Monats September: Die Zwergstrauchheide

Zum Lebensraum des Monats September hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die Zwergstrauchheide erklärt.
Diese umfaßt baumfreie oder von lockerem Strauch- und Baumbestand durchsetzte Flächen trockener bis mäßig feuchter Standorte, welche von Zwergsträuchern, insbesondere Heidekrautgewächsen und Besenginster geprägt sein können.

Oft handelt es sich bei diesen Lebensräumen um anthropogene Ersatzgesellschaften von Wäldern, die vor allem durch extensive Beweidung, Brand, aber auch durch Brachfallen von Magerwiesen oder infolge der Sukzession auf beispielsweise militärischen Übungsflächen entstanden sind.
Gemäß § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes geschützt sind alle Bestände ab 100 Quadratmeter Fläche und einer Mindestbreite von 3 Metern. Als typische Pflanzenarten können neben Heidekraut und Besenginster auch Heidelbeere, Krähenbeere, Glocken-Heide, Bärlapp-Arten, Rauschbeere und für Borstgrasrasen sowie Trocken- und Halbtrockenrasen typische Arten vorkommen.

Geschützte Heidelandschaften, zu denen neben der Zwergstrauch- auch die Wacholderheide zählt, gehören zu den letzten Refugien des akut vom Aussterben bedrohten Birkhuhnes. Als weitere typische Tierarten können hier beispielsweise Goldammer, Heidelerche, Ziegenmelker, Waldeidechse, Kreuzotter, Blindschleiche, Heide-Grashüpfer und Heide-Blattkäfer vorkommen.

Beispiel: Mosewald in Eisenach
Eine sehr schöne Zwergstrauchheide kann man in Eisenach am Ostrand des Mosewaldes bewundern. Hier kommen auf saurem Boden neben dem rotviolett leuchtenden "Echten Heidekraut" (Calluna vulgaris) z.B. auch Heidelbeere, Drahtschmiele und Rasenschmiele vor. Eine Vielzahl Insektengruppen, unter anderem viele Käfer, Schmetterlinge, Wildbienen- und Schwebfliegenarten, werden vom Heidekraut geradezu magisch angezogen.

Die ansehnliche Heide hat sich in den letzten Jahren durch Sukzession auf einem ehemaligen Schießübungsplatz entwickelt. Vom Übungsbetrieb zu DDR-Zeiten zeugen noch einige Rudimente, z.B. aus der Erde ragende Elektrokabel, Lichtmasten, verfallene Betonbauten und eine noch gut erhaltene Schießbahn in der Nähe der Kleingartenanlage "Erika". Das Gelände wurde nach der Wende von unverbesserlichen "Zeitgenossen" zum Teil als wilde Müllkippe, Autoschrottplatz und Rummelplatz für Vandalen mißbraucht und später unter der Regie des Umweltamtes wieder beräumt.

Damit dieser schützenswerte Lebensraum der Nachwelt erhalten bleibt, wird derzeit beim BUND über Pflegemaßnahmen nachgedacht, die noch mit der Unteren Naturschutzbehörde des Wartburgkreises und dem Eigentümer der Fläche abzustimmen sind.
"Wenn man hier der Natur freien Lauf ließe, dann wäre schon in wenigen Jahren kaum noch etwas von der Heide zu sehen. In einigen Jahrzehnten stünde hier ein Birken-Zitterpappelwald und in einigen hundert Jahren ein Buchenwald", so Klaus Fink, Umweltberater beim BUND Thüringen. Ein erster Einsatz im Spätherbst 1996, bei dem ein Teil des Birkenanfluges beseitigt werden soll, erscheint ebenso notwendig wie eine zukünftige Beweidung des Biotopes mit Ziegen.

13. September 1996

Bürgerprotest belohnt - Aussaat verhindert

Eisenach. Mit großer Genugtuung hat der BUND Landesverband Thüringen die Nachricht aufgenommen, daß sich die amerikanische Biotech-Firma Monsanto in der Auseinandersetzung um die Aussaat von gentechnisch verändertem Raps in Hohlstedt bei Jena geschlagen gibt.
"Damit ist das eingetreten, was vorher niemand zu hoffen gewagt hat: Der friedliche Protest junger Umweltbewegter aus Jena und die Unterstützung aus den umliegenden Orten haben einen der größten Biotech-Konzerne der Welt gehörig ins Handwerk gepfuscht", so Frank Augsten, Sprecher des Arbeitskreises Landwirtschaft des BUND Thüringen.

Warum dies jetzt in Hohlstedt gelungen ist und nicht schon 1994 in Friemar bei Gotha, dem ersten Freisetzungsstandort in Thüringen und in Ostdeutschland überhaupt, dazu Frank Augsten: "In Friemar wurde der Protest im wesentlichen von 'außen', vom BUND in Eisenach organisiert. Die kleine Bürgerinitiative hatte damals nur wenig Rückenhalt in der Gemeinde. Anders in Hohlstedt, wo sich aus einem deutlichen Bürgerprotest eine gut funktionierende Initiative entwickelte, die von den umliegenden Gemeinden und der Kirche unterstützt wurde."

Genährt wurde der Protest auch von aktuellen Informationen, die die vollmundigen Verheißungen des Biotech-Riesen in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen. Nachdem die Übertragung der gentechnischen Veränderung auf verwandte Wildpflanzen, beispielsweise duch Pollenflug, bereits nachgewiesen wurde, ist in Australien bei einem Farmer die erste Grasart "aufgetaucht", der das Monsanto-Herbizid "Roundup" nichts mehr anhaben kann. Bekannt wurde auch, daß Monsanto in den USA gentechnisch verändertes Soja mit "normalem" Soja mischt, so daß die von Verbrauchern eingeforderte Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel unmöglich wird. Gleiches hat die Firma für Europa beantragt.

Gemeinsam mit anderen Umweltverbänden und -gruppen versucht der BUND Thüringen nun, mit den bestehenden rechtlichen Möglichkeiten die Aussaat im nächsten Jahr zu verhindern. Denn anders als im niedersächsischen Oberboyen, wo sich Monsanto ganz zurückgezogen hat, beabsichtigt die Firma, den Versuch in Hohlstedt im nächsten Jahr wieder aufzunehmen.

10. September 1996

BUND fordert: "Wald umfassend neu bewerten!"

Eisenach. In einer heute veröffentlichten Presseerklärung weist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, auf den desolaten Zustand des Waldes und Defizite in der Forstpolitik im Freistaat hin.

In seinem Positionspapier "Wege für eine zukunftsfähige Forstverwaltung in Thüringen" geht der BUND auf die Ursachen für die derzeitige Krise in der Forstwirtschaft ein. "Abgerechnet werden am Jahresende nicht die Gesamtleistungen des Waldes, sondern fast ausschließlich die kläglichen Ergebnisse des Holzverkaufes unter den gegenwärtig desolaten Bedingungen auf dem Holzmarkt. Diese sind die unmittelbare Folge der weltweiten Raubbauwirtschaft, welche einhergeht mit der Zerstörung der letzten großen natürlichen Wälder auf unserem Planeten", kritisierte Frank Henkel, Forstexperte und stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Naturverträglich produziertes Holz aus Deutschland werde so von Tag zu Tag konkurrenzunfähiger. Um den Preisverfall auszugleichen, drohe in vielen Forstbetrieben des Freistaates die Umstellung auf industriemäßige Produktionsmethoden. Diese seien gekennzeichnet durch den vermehrten, jedoch mit naturverträglicher Waldwirtschaft unvereinbaren Einsatz von Großtechnik. Der permanente Personalabbau werde dadurch auch forciert, denn ein Vollernter ersetze beispielsweise 10 Arbeitskräfte.

"Die gegenwärtige Struktur der Forstverwaltung ist bereits das Ergebnis eines 6-jährigen Verschlankungsprozesses, bei dem der Personalbestand von 11000 auf 2300 verringert worden ist", stellte Frank Henkel fest. In dem Positionspapier wird daher gefordert, die gegenwärtige Flächenstruktur mit 54 Forstämtern und 420 Revieren im Freistaat zu erhalten und auch in Zukunft 6 Waldarbeiter pro 1000 Hektar Staatswald zu beschäftigen. Henkel: "Weiteren Personalabbau lehnen wir strikt ab !"

Die Krise beruhe "auch auf der gravierenden Unterbewertung des nachwachsenden Rohstoffes Holz". Holz sei "deshalb scheinbar wertlos, weil es die Natur mit ihren Elementen und Stoffkreisläufen kostenlos" produziere. Es sei für die Wirtschaft viel interessanter, Produkte aus begrenzt zur Verfügung stehenden Ressourcen herzustellen, die zum Teil hoch subventioniert würden und sich dadurch "einfach viel mehr verdienen" ließe. Das große Versäumnis der deutschen Forstpolitik sei darin zu sehen, daß sie es bis heute nicht verstanden habe, der Gesellschaft die spezifischen Besonder-heiten der Waldwirtschaft zu vermitteln.

In seinem Papier fordert der BUND unter anderem "eine umfassende Neubewertung" des Waldes. "Nur ein naturverträglich bewirtschafteter Wald kann seine an ihn gestellten Anforderungen als Garant für einen umfassenden Ressourcenschutz voll erfüllen", so Frank Henkel abschließend. "Das Defizit der Forstwirtschaft ist in der Hauptsache ein Defizit in den Köpfen derer, die andererseits sehr wohl dazu bereit sind, Milliarden an Steuergeldern für unsinnige Verkehrsprojekte hinauszuwerfen."

26. August 1996

BUND setzt Klageverfahren gegen Thüringer-Wald-Autobahn und ICE-Strecke fort und erwägt Verfassungsbeschwerde

Eisenach. Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hält seine Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen den Bau der "Thüringer-Wald-Autobahn" A 71/ A 73 und die teilweise parallel verlaufende ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt weiterhin aufrecht. Gleichzeitig erwägt der Verband eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht. Dies teilte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, in einer heute veröffentlichten Presseerklärung mit.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte am 26. April den Antrag des BUND auf Anordnung eines Baustopps für die beiden Großprojekte abgewiesen. Mit diesem Ausgang des Eilverfahrens sei jedoch noch keine endgültige Entscheidung darüber gefallen, ob die Planung und Durchführung dieser Vorhaben rechtlich einwandfrei sei, betonte Spielmann. Die Ablehnung des BUND-Antrags beruhe vielmehr auf den Bestimmungen des "Beschleunigungsgesetzes", wonach ein Baustopp nur dann angeordnet werden dürfe, wenn die Rechtswidrigkeit der Planung offensichtlich ohne weitere Prüfung erkennbar sei. Eine genaue Prüfung müsse nunmehr im weiteren Fortgang des Verfahrens erfolgen.

"Dabei wird sich ergeben, daß die beiden Projekte völlig unwirtschaftlich sind und eine Vergeudung von Steuergeldern bedeuten", so Spielmann. Da vernünftige Alternativen für Autobahn und ICE ignoriert worden seien, werde mit der bisherigen Planung gegen den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Sparsamkeit verstoßen. Die fehlende Wirtschaftlichkeit stelle damit die Planrechtfertigung insgesamt in Frage. Bestätigt sieht sich der BUND durch die derzeitige Diskussion um die fehlenden Gelder für den Baubeginn der ICE-Trasse: "Selbst im Bundesverkehrsministerium pfeifen es längst die Spatzen von den Dächern, wie unsinnig gerade diese Streckenführung quer durch den Thüringer Wald ist", so Spielmann.

Fehlenden Verkehrsbedarf sieht der BUND jedoch auch für die Autobahn. Es sei gutachterlich erwiesen, daß der Ausbau des vorhandenen Straßennetzes für Wirtschaft und Bürger billiger und effektiver sei. Damit seien gerade auch die mit der Planung verbundenen zahlreichen Enteignungen von Grund und Boden nicht zu rechtfertigen. Deshalb werde im weiteren Klageverfahren und notfalls auch verfassungsgerichtlich zu klären sein, ob diese schwerwiegenden Eingriffe in ein Grundrecht zulässig seien.

Unzulässig sei die bisherige Planung nach Ansicht des BUND zudem, weil das Landschaftsschutzgebiet "Bettelmannsholz" zerstört werde, ohne das die Schutzgebietsverordung von dem zuständigern Thüringer Umweltministerium aufgehoben worden wäre. "Einer Bewertung dieses offenkundig rechtswidrigen Vorgehens der Genehmigungsbehörde ist das Bundesverwaltungsgericht in seiner Entscheidung schlicht ausgewichen", kritisiert Spielmann. Im Hauptsacheverfahren müsse dies jedoch ebenso gewürdigt werden wie die gravierenden Abwägungsmangel, die die Planung im Hinblick auf die Grundeigentumsrechte des BUND aufweise.

"Geradezu grotesk" ist nach Spielmanns Worten die vom Bundesverwaltungsgericht im Eilverfahren vertretene Auffassung, daß die ICE-Strecke die Öffentlichkeit erheblicher berühre als die ökologischen Schäden einer neu gebauten Autobahn und damit die gemeinsame Planfeststellung beider Projekte durch das Eisenbahnbundesamt gerechtfertigt sei. Auch diese "abenteuerliche Argumentation" werde das Gericht im weiteren Klageverfahren erneut begründen müssen, so der BUND.

Es sei bedauerlich, daß sich das Bundesverwaltungsgericht mit den rechtlichen Einwänden des BUND nicht im Detail auseinandergesetzt habe, als es den Baustopp verweigerte: "Bedenklich ist, daß sich das Gericht, wie des öfteren in letzter Zeit, weder zu einer detaillierten Sachprüfung veranlaßt gesehen noch die von ihm getroffenen Feststellungen überhaupt begründet hat", resümiert Spielmann. Dies resultiere nicht zuletzt daraus, daß das Bundesverwaltungsgericht  - normalerweise die letzte Instanz - durch die sogenannten Beschleunigungsgesetze gezwungen sei, nicht nur Rechtsfragen zu entscheiden, sondern auch den objektiven Sachverhalt zu ermitteln. Für diese meist schwierige Aufgabe sind üblicherweise die darauf spezialisierten Verwaltungsgerichte und Oberverwaltungsgerichte der Länder zuständig.

14. August 1996

Lebensraum des Monats August: Das Altwasser

Zum Lebensraum des Monats August hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Landesverband Thüringen, das Altwasser erklärt. Das Altwasser gehört ebenso wie die "naturnahen Kleingewässer" zu den besonders geschützten Biotopen nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes. Es ist ein Teil eines ehemaligen Fluß- oder Bachlaufes, der durch natürliche Vorgänge oder künstlich vom Fluß oder Bach abgetrennt wurde. Durch ihre Lage in Auen werden Altwasser oftmals noch durch Überflutungen beeinflußt oder besitzen zum Teil zeitweilig oder ständig Verbindung zum Fließgewässer, ohne daß sie dadurch den Charakter von Fließgewässern annehmen.

Die Altwasservegetation einschließlich des Uferbereiches kann sehr variabel sein. Zu den hier vorkommenden Pflanzengesellschaften können unter anderem Wasserpflanzengesellschaften, Röhrichte und Großseggenriede, Weidengebüsche und -wälder (Weichholzaue !) sowie Laubwaldgesellschaften an den Ufern gehören. Typische Bewohner dieses Lebensraumes sind unter anderem Seefrosch, Ringelnatter und Braune Mosaikjungfer.

Beispiel: Ehemalige Kiesgrube bei Berga
Als Beispiel für einen Altwasser-Biotop stellt die BUND Ortsgruppe Berga eine ehemalige Kiesgrube am linken Ufer der Weißen Elster bei Berga (Landkreis Greiz) im mittleren Elstertal vor. Das Gelände war ursprünglich eine große Feuchtwiese, die von den ortsansässigen Bauern teilweise urbar gemacht wurde. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurden hier die Vorbereitungen für den Kiesabbau so getroffen, daß sich später künstlich ein Altwasser-Biotop entwickeln konnte. Aus dieser Zeit stammen ebenfalls noch alte Brückenreste. Nach dem Krieg wurde der Kiesabbau nicht weiter betrieben; das Gelände diente der Stadt Berga bis zur Wendezeit als Mülldeponie.

Nach der Wende wurde die Deponie abgedeckt und teilweise bepflanzt. Ein kleiner Rest der ehemaligen Kiesgrube hat sich zu einem Altwasser entwickelt, das aus mehreren Tümpeln, sumpfigen Bereichen und Feuchtwiese besteht. In manchen Jahren finden sich hier große Mengen Laich verschiedener Lurche, die ihre Verwandlung von der Kaulquappe zum Jungtier durchleben. Hier kommen beispielsweise Erdkröte, Seefrosch und Teichmolch vor. Auch Eisvogel, Ringelnatter, Libellen und verschiedene Wasserkäfer, zum Beispiel der vom Aussterben bedrohte Gelbbrandkäfer, wurden beobachtet. Das Altwasser-Biotop bei Berga wurde bereits 1992 in einer Belegarbeit von Katja Scheffel, welche in der BUND-Landesgeschäftsstelle vorliegt, ausführlich beschrieben. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, daß in den durch das Bergbauamt Gera gesicherten Stollen am gegenüberliegenden Elsterufer eine der größten Mopsfledermaus-Populationen Thüringens überleben kann ! Die Fledermäuse nutzen unter anderem das reichhaltige Nahrungsangebot an Insekten in der Altwasser-Kiesgrube.

Das Gelände war seit der Wende jedoch nicht immer das ideale Refugium für viele vom Aussterben bedrohte Arten. Zeitweilig war der Lebensraum argen Störungen unterworfen: Noch vor drei Jahren war die "Kiesi" für Kinder und Halbwüchsige eine willkommene BMX-Bahn. Ältere Jugendliche haben hier zuweilen "romantische" Abende am Lagerfeuer verbracht. Durch viele Gepräche, Presseartikel und Sicherungsmaßnahmen konnte die Ruhe in der ehemaligen Kiesgrube wiederhergestellt werden. Das von Katja Scheffel beschriebene Biotop ist inzwischen als "Geschützter Landschaftsbestandteil" ausgewiesen worden.

Seit 1995 hat die BUND-Ortsgruppe Berga mit der Unteren Naturschutzbehörde Greiz einen Pflegevertrag abgeschlossen. Im Spätherbst mähen die Naturschützer etwa 0,4 Hektar Wiese und verhindern so die Verbuschung des Geländes. Dabei helfen ihnen einige Schüler der achten und neunten Klasse der Regelschule Berga sehr tatkräftig und zuverlässig.
Inzwischen hat sich die Stadt daran gewöhnt, daß die "Grünen" alle Hände über die Kiesgrube halten. Bliebe ihnen nur noch der Wunsch, daß die ortsansässige Agrar-GmbH ihre Felder nicht unmittelbar bis an den Rand der Grube bestellen würde.

12. August 1996

"Grünes Band mit braunen Flecken" – BUND kritisiert Naturzerstörung im ehemaligen Todesstreifen

Eisenach. "Weiterhin akut gefährdet" sind nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Biotope im Bereich des ehemaligen Grenzstreifens. "Das Grüne Band ist in Gefahr", heißt es in einer Presseerklärung, die der Landesverband Thüringen des BUND heute veröffentlicht hat. Darin übt der Umweltverband heftige Kritik an dem "fehlenden Engagement" der Thüringer Landesregierung und der Bundesregierung.

"Während die Schutzgebietsausweisung in Thüringen nur schleppend vorankommt und bislang nur rund zehn Prozent der schützenswerten Flächen endgültig anerkannt sind, werden gleichzeitig immer mehr der wertvollen Biotope durch den Sand-und Kiesabbau, den Neubau von Straßen und Gewerbegebieten und vor allem durch die landwirtschaftliche Nutzung zerstört. Hier drohen sowohl ein ökologischer als auch ein ökonomischer Skandal", schätzt Frank Henkel, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Thüringen, die Situation ein.

"Überall im Lande bemühen sich Bürger, Gemeinden, Naturschutzverbände und zunehmend auch Fachbehörden mit großem Engagement und Steuermitteln, in der ausgeräumten Agrarlandschaft wieder neue Hecken, Tümpel, Gehölze und Brachen anzulegen, während die zuständigen Behörden, insbesondere das Bundesvermögensamt, gleichzeitig tatkräftig mithelfen, die Zerstörung des Grünen Bandes voranzutreiben." Es sei "agrarpolitischer Wahnsinn", einerseits bundesweit viele tausend Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche – so auch im Thüringer Becken – stillzulegen und andererseits die seit über 40 Jahren nicht mehr genutzten, wertvollsten Brachflächen neu umzupflügen.

Der BUND betont, daß sowohl das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt als auch das Bundesumweltministerium beim Umgang mit staatlichen Flächen dem gesetzlichen Naturschutzauftrag besonders verpflichtet seien. Speziell in Thüringen mit dem größten Anteil am insgesamt etwa 1400 Kilometern langen ehemaligen Todesstreifen sei das Grüne Band eine national bedeutsame Biotopverbundachse, in der viele vom Aussterben bedrohte Tier-und Pflanzen arten ein letztes Refugium gefunden haben. Die Bundesregierung habe sich wiederholt für den Schutz des Grünen Bandes ausgesprochen, jetzt sei es höchste Zeit, daß sowohl die Bundesumweltministerin Merkel als auch der Thüringer Umweltminister Dr. Sklenar endlich handelten und die Unterschutzstellung vorantrieben.

Der BUND hatte bereits im vergangenen Jahr – dem "Europäischen Naturschutzjahr" – vorgeschlagen, den ehemaligen Grenzstreifen als langfristige Dauerbrache in das bundesweit laufende Flächenstillegungsprogramm aufzunehmen, um somit nicht nur dem Überleben vieler Rote-Liste-Arten, sondern auch dem Erhalt des Grenzstreifens als Denkmal des einst geteilten Deutschlands Rechnung zu tragen. Nun sei es an der Zeit, diese längst überfälligen Forderungen endlich in die Tat umzusetzen.

6. August 1996

Die Thüringer Naturschutzverbände fordern: "Im Hainich Buchenwald-Nationalpark ausweisen!"

In einem gemeinsamen Positionspapier zum Nationalpark Hainich fordern die acht anerkannten Thüringer Naturschutzverbände die Thüringer Landesregierung auf, einen Teil des Hainich unverzüglich als Buchenwald-Nationalpark auszuweisen. Ministerpräsident Bernhard Vogel und Umweltminister Sklenar sollten dieses Anliegen zur "Chef-Sache" erklären. Die rechtlichen Grundlagen für die Schaffung des Nationalparkes seien durch den Thüringer Landtag zu beschließen.

"Der Hainich hat aufgrund der vorhandenen Naturausstattung und des Entwicklungspotentials eine gesamtstaatliche wie auch globale Bedeutung. Besonders durch die Vielzahl der hier vorkommenden natürlichen Buchenwaldgesellschaften sowie die Unzerschnittenheit des Gebietes ist dieser Bereich für die Ausweisung geradezu prädestiniert", heißt es in dem Positionspapier.
Den beiden Truppenübungsplätzen "Weberstedt" und "Kindel" komme dabei als etwa 7500 Hektar große Kernzone eine besondere Bedeutung zu. Das großräumig unzerschnittene Gebiet erfülle auf dem überwiegenden Teil der Fläche die Voraussetzungen, die an Naturschutzgebiete gestellt würden. Es sei in hervorragender Weise für wissenschaftliche Untersuchungen geeignet, bei denen wichtige waldökologische und forstwissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden könnten.

Auch die Bundesregierung müsse ihre Verantwortung für dieses "Weltnaturerbe" erkennen und die noch in ihrem Besitz befindlichen Flächen zum Zwecke der Folgenutzung "Nationalpark" dem Freistaat Thüringen zur Verfügung stellen, betonten die Thüringer Naturschutzverbände. Bundeskanzler Helmut Kohl und Finanzminister Theo Waigel sollten eine Möglichkeit finden, die "Weberstedt-Flächen" dem Freistaat ohne finanzielle Forderungen zu überlassen. Zudem müsse der Holzeinschlag in diesem Gebiet sofort eingestellt werden.

Die acht Naturschutzverbände treten aber nicht nur für einen Nationalpark, sondern auch dafür ein, daß die bestehenden Plenterwälder in ihrer bisherigen Form weiter bewirtschaftet werden. Die Plenterwälder im Hainich seien eine "historisch gewachsene, bäuerliche Nutzungsform von kulturhistorischem Wert" und sollten nicht in den Nationalpark integriert werden, falls damit längerfristig eine Nutzungsaufgabe verbunden sei.

Der Nationalpark müsse darüberhinaus in ein Gebiet mit geeignetem Schutzstatus integriert werden, um anthropogene Einflüsse auf das unter Schutz zu stellende Buchenwald-Ökosystem weitgehend zu minimieren. Das Umfeld des Nationalparkes solle daher von der obersten Naturschutzbehörde schnellstens als großräumiger Naturpark "Eichsfeld-Hainich-Werratal" ausgewiesen werden.

Auch in einem künftigen Nationalpark bleibt nach Ansicht der Naturschutzverbände eine Bejagung des Schalenwildes notwendig. Dabei seien ortsansässige Jäger einzusetzen. Die Durchführung des Jagdbetriebes im Nationalpark habe sich jedoch den Schutzzielen anzupassen. Sollten durch die Einrichtung des Nationalparkes in den daran angrenzenden Bereichen größere Wildschäden auftreten als vor der Ausweisung, seien diese zu entschädigen.

5. August 1996

Illegale Baumaßnahme im Zusammenhang mit Talsperre Leibis vermutet – BUND erstattet Strafanzeige

Eisenach. Strafanzeige gegen Unbekannt hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bei der Staatsanwaltschaft Meiningen gestellt. Damit reagiere der BUND auf Baumaßnahmen, die illegal und offenbar im Zusammenhang mit der geplanten Trinkwassertalsperre Leibis seit einiger Zeit im Bereich des Naturschutzgebietes "Meuraer Heide" (Schwarza-Kreis) durchgeführt worden seien, teilte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, heute in Eisenach mit. Es sei zumindest eine Straße errichtet und mit einer bituminösen Tragschicht versehen worden. Darüber hinaus seien in der Vergangenheit möglicherweise noch weitere ungenehmigte Eingriffe in dem Naturschutzgebiet erfolgt.

Dies ist nach Ansicht des BUND ein klarer Verstoß gegen das Thüringer Naturschutzgesetz und den §329 des Strafgesetzbuches, der die Gefährdung schutzwürdiger Gebiete unter Strafe stellt. Die Verantwortlichen müßten demnach auch mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Als "Skandal" bezeichnet es Spielmann, daß der Vorgang dem Thüringer Landesverwaltungsamt als der zuständigen Behörde offensichtlich seit längerem bekannt sei, ohne daß gegen die fortschreitenden Baumaßnahmen vorgegangen worden sei. "Wir haben die Staatsanwaltschaft deshalb um Ermittlung gebeten, ob und inwieweit hier strafrechtlich relevante Versäumnisse, Duldungen oder Hilfestellungen von Seiten der damit bislang befaßten Ämter und Behörden festzustellen und gegebenenfalls zu ahnden sind", so Spielmann.

An Angaben des BUND handelt es sich bei dem betroffenen Naturschutzgebiet um ein von Seiten der Bundesregierung gemäß der europäischen "Vogelschutzrichtlinie" als Gebiet mit besonderer Bedeutung für den Schutz wildlebender Vögel benanntes Areal, welches vor allem dem Schutz des Auerhuhns diene. "Das Auerhuhn ist eine Vogelart mit großem Lebensraumanspruch und benötigt großflächig ungestörte Waldbereiche. Diese Vogelart gehört zu den vom Aussterben bedrohten "Rote-Liste-Arten", dessen Bestandsabnahme als dramatisch eingeschätzt werden muß", erklärte Spielmann.

Spielmann betonte, daß das betroffene Naturschutzgebiet "Meuraer Heide" zu den letzten Rückzugsgebieten des Auerhuhns in der Region Südthüringen gehöre. Allein dort seien seit 1970 die Bestände von 300 auf 20 Vögel zurückgegangen. "Es ist zu befürchten, daß es bereits durch den Bau der Straße zu einer Lebensraumzerschneidung gekommen ist. Zukünftig drohen durch Transporte, Verlärmungen und Staubeintrag weitere schwerwiegende und nachhaltige Beeinträchtigungen des Auerhuhnbestandes sowie weiterer vom Aussterben bedrohter Arten, wie z.B. dem Rauhfußkauz.

"Daß illegale Baumaßnahmen für die geplante Talsperre Leibis unter den Augen der Behörden stattfinden, rückt das gesamte Projekt einmal mehr ins Zwielicht und läßt für das anstehende Planfeststellungsverfahren Schlimmes erwarten", so Spielmann abschließend.

2. August 1996

BUND erhebt Klage gegen das Pumpspeicherwerk Goldisthal

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, wird gegen den Planfeststellungsbeschluß für das von der Vereinigte Energiewerke Aktiengesellschaft Berlin (VEAG) geplante Pumpspeicherwerk Goldisthal beim Verwaltungsgericht Weimar Klage erheben. Dies erklärte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, heute in Eisenach.

Nachdem das Thüringer Landesverwaltungsamt den Widerspruch des BUND zurückgewiesen habe, sei angesichts der schwerwiegenden Mängel des Planfeststellungsbeschlusses eine solche gerichtliche Überprüfung zwingend: "Die vorgelegten Planungsunterlagen zeigen, daß es keinen energiewirtschaftlichen Bedarf für ein PSW Goldisthal gibt. Damit fehlt auch die Planrechtferigung für einen solchen irreparablen Eingriff mitten im Herz des Thüringer Waldes", erläuterte Spielmann das Vorgehen des Umweltverbandes. Ein zur Bedarfsbegründung vorgelegtes Gutachten aus dem Jahr 1992 sei veraltet und schreibe zudem die bisherige Energieverschwendungspolitik in die Zukunft fort. Außerdem sei es "geradezu absurd", wenn derzeit in Thüringen Gasturbinenkraftwerke der Thüringer Energiewerke (TEAG) stillgelegt und die dortigen Arbeitsplätze abgebaut würden."Um den Ausbau des PSW Goldisthal überhaupt zu rechtfertigen, müssen also Kapazitäten stillgelegt werden, die bislang genau die Spitzenleistungen erbringen, die das geplante Vorhaben in Zukunft liefern soll", kritisiert Spielmann.

Auch die Standortentscheidung aus dem Jahre 1965, die noch immer die Grundlage der heutigen Planung sei, entspreche in keiner Weise den gesetzlichen Anforderungen zur Prüfung der Umweltverträglichkeit. "Hier wird eindeutig gegen das naturschutzrechtliche Vermeidungsgebot verstoßen", so Spielmann.

Zudem sieht der BUND erhebliche Mängel bei der Abwägung durch die zuständige Behörde: "Obwohl die mit dem Vorhaben verbundenen Eingriffe in Natur und Landschaft offensichtlich nicht ausgleichbar sind und durch die ICE-Strecke und die Talsperre Leibis in diesem sensiblen Naturraum eine weitere Naturzerstörung enormen Ausmasses zu erwarten ist, wurden die Belange des Naturschutzes nur ungenügend erfaßt und gewichtet". Auch sei eine Stellungnahme der EU-Kommission nicht eingeholt worden, obschon es sich bei dem vom Projekt betroffenen Naturschutzgebiet "Wurzelbergfarmde" um ein Gebiet handele, das aufgrund der europäischen Vogelschutzrichtlinie und der sogenannten Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie besonderen Schutz genieße.

16. Juli 1996

Mit Anti-Dosen-Bier der Marke "Dr. Sklenars" gegen die Dosenflut - BUND-Aktion gegen Verschlimmbesserung der Verpackungsverordnung

Eisenach. "Prost! Daß es nütze und uns stärkt im Kampf gegen die Einwegflut." Mit diesem Trinkspruch übergab heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, zehn Mehrweg-Bierkästen, gefüllt mit BUND-"Anti-Dosen-Bier" der Marke "Dr. Sklenars", dem Thüringer Umweltminister.

Mit dieser Aktion vor dem Ministerium wolle der BUND an den Minister appellieren, sich gegen die Dosenflut in Thüringen einzusetzen und der Verschlimmbesserung der Verpackungsordnung einen Riegel vorzuschieben.

Die Novelle der Verpackungsverordnung sehe vor, die heute gültigen Zwangsmaßnahmen beim Unterschreiten der Mehrwegquote entfallen zu lassen. Die Menge der Ex- und Hopp-Verpackungen könne dann ungebremst wachsen. "Wenn die Bierdosenproduktion weiter boomt und Mehrweg an Marktanteilen verliert, müssen die Bundesländer in Zukunft noch nicht einmal reagieren; die heute noch vorgesehene Rücknahme- und Pfandpflicht für Einweg wird entsorgt", erklärte Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Neueste Zahlen der "Gesellschaft für Konsumforschung" (GfK) ließen befürchten, daß die in der Verpackungsverordnung vorgeschriebene Mindest-Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen von 72 Prozent bereits unterschritten wird. "Die Zeit der Appelle an Industrie und Handel sei damit endgültig vorbei. Auch Selbstverpflichtungen der Wirtschaft führten - wie die Erfahrung gezeigt hat - nicht zum Ziel. Die Politik muß handeln. Wir brauchen Regelungen, die ökologisch sinnvolle Mehrwegsysteme bei Bier, Mineralwasser und Erfrischungsgetränken sichern, optimieren und ausbauen", so Beck weiter. Die Einführung einer Einweg-Steuer wäre ein erster Schritt hin zu ökologisch gerechteren Preisen. Die Europäische Verpackungsverordnung nenne ausdrücklich ökonomische Instrumente wie Steuern oder Abgaben als geeignete Mittel zur Förderung der Abfallvermeidung. Der BUND-Landesvorsitzende appellierte an Dr. Sklenar, die für diesen Sommer absehbaren neuen Werbe- und Absatzrekorde für Dosen-Getränke nicht tatenlos hinzunehmen.

"Es ist Sache des Ministers, eben 'Sklenars Bier', sich für ein 'NEIN' Thüringens im Bundesrat gegen diese Novelle der Verpackungsverordnung stark zu machen. Wir erwarten außerdem, daß der Minister für ein dosenfreies Thüringen wirbt. Zudem kann er Gemeinden ermutigen und stärken, eine kommunale Einwegsteuer einzuführen. Auch sollten Unternehmen unterstützt werden, die Standardmehrwgkästen einführen wollen."

Der BUND hält es für einen Skandal, daß ökologisch bewußte Mehrweg-Genießer bis zu 55 Mark pro Jahr mehr für Bier bezahlen müssen als die Ex- und Hopp-Dosen-Trinker. Eine Unterstützung des Mehrwegsystems beim Bier komme übrigens nicht nur der Umwelt und den Bier-Genießern zugute: "Auf diese Weise können auch viele hochwertige Arbeitsplätze in den regionalen Brauereien gesichert werden, die sonst ebenfalls in der Dosenschwemme weniger marktbeherrschender Firmen untergehen", so Beck wörtlich.

11. Juli 1996

Lebensraum des Monats: Der Fluß

Einer der wichtigsten, schönsten, aber auch am stärksten gefährdeten Lebensräume sind unsere Fließgewässer, die Bäche und Flüsse. Dem Wasserbauingenieur der Vergangenheit war der Fluß ein Gegenstand technischer Gestaltung, ein "Vorfluter". Das Bett wurde begradigt, vertieft, zwischen Deiche, in Stein und Beton gezwängt. Alles nach der Devise "Das Wasser muß so schnell wie möglich 'raus aus der Landschaft !" Auch Mangel- und Notsituationen war nach diesem Konzept wieder nur mit viel Beton zu begegnen. Der Lebensraum Fluß bot so dem Leben keinen Raum mehr. Auf die Gratisleistungen der Natur wurde verzichtet.

Heute hat dank der kontinuierlichen Aufklärungsarbeit der Naturschutzverbände, z.B. des BUND, ein Umdenken begonnen. "Revitalisierung der Fließgewässer" heißt das Mittel, mit dem Hochwasserkatastrophen, dem Trinkwassernotstand und dem Artensterben begegnet werden soll. Die "Unstrut-Revitalisierung" ist ein Beispiel für Thüringen.
Mit gleichem Aufwand, mit dem zuvor der Naturzustand zerstört wurde, wird nun versucht, ihn wenigstens teilweise wiederherzustellen. Leider wird das Zerstörungswerk im Flußsystem der Schwarza, einer unserer schönsten Gebirgsflüsse, gleichzeitig aber weiter fortgeführt.

Das Ziel der Revitalisierung ist, den Wasserdurchfluß wieder auf die landschaftstypische Geschwindigkeit zu verringern, die Grundwasserbildung zu fördern, das Selbstreinigungsvermögen zu erhöhen, die Trinkwasserbereitstellung und den Artenschutz zu sichern.

Im Auenbereich muß jede Bebauung und Bodenversiegelung unterbleiben, der Rückbau vorhandener Bebauung ist anzustreben. Damit verbleibt außerhalb der Siedlungen als Nutzungskonkurrent für den Ausbreitungsbedarf der Bäche und Flüsse allein die Landwirtschaft. Mit der Umstellung auf extensive, umweltschonende Bewirtschaftung werden sich hier aber sicher die entsprechenden Kompromisse finden lassen.

Revitalisierung - das heißt, der Fluß lebt und leistet die anstehenden "Arbeiten" bei der Gestaltung seines Bettes selbst. Hat er ausreichenden Raum, dann schafft er Kolke, Sand- und Kiesbänke, Steilabbrüche, Flutmulden und Altarme. Die Finanzen werden entlastet; dafür kann man Land erwerben, Landwirtschaftsbetriebe stützen, Hochwassersicherung im Siedlungsbereich finanzieren.
An diesem Fluß findet beispielsweise der Flußregenpfeifer wieder Kiesbänke zum Brüten. Und niemenden mehr stört der Wurzelteller einer umgestürzten Pappel im Flußbett. Er verlangsamt den Wasserabfluß und bietet dem Eisvogel einen Brutplatz.
Die Fische suchen sich dann wieder ihren angestammten Flußabschnitt als Laichraum, und die den Fluß heute belebenden künstlichen Aussetzaktionen der Angelsportler wären eines Tages nicht mehr nötig.

11. Juli 1996

BUND Thüringen: "PVC-Einsatz viel zu riskant!" - Umweltfreundlichere Ersatzstoffe sind längst auf dem Markt

Als Konsequenz aus den Brandkatastrophen im Aachener Klinikum und auf dem Düsseldorfer Flughafen sowie aus dem Eisenbahnunglück bei Schönebeck fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die öffentliche Hand des Freistaates auf, künftig bei allen Neuanschaffungen, Bau- und Renovierungsarbeiten auf Polyvinylchlorid (PVC) zu verzichten. In einem Brief an die Thüringer Landtagsfraktionen wurde dieser Forderung mit einem Musterantrag auf PVC-Verzicht Nachdruck verliehen.
Thüringer BUND-Orts- und Kreisverbände, so beispielsweise der OV Krayenberg (Bad Salzungen), der KV Eichsfeld und der OV Eisenach, werden darüberhinaus die Verwaltungen ihrer Heimatkommunen und -kreise über entsprechende Anträge an die Gemeinde- und Kreisparlamente auffordern, bei Neuanschaffungen, Bau- und Renovierungsarbeiten zukünftig generell auf PVC-haltige Materialien zu verzichten.

Bei den Katastrophen in Aachen (1995) und Düsseldorf (April 1996) waren verbrennende PVC-Teile und -kabel am Entstehen hochgiftiger Dioxine beteiligt, Todesopfer waren bedauerlicherweise zu beklagen. In Schönebeck (1.6.96) war ein Kesselwagen mit der hochgiftigen PVC-Vorläufersubstanz Vinylchlorid entgleist und ausgebrannt; 17 Menschen mußten daraufhin stationär behandelt werden, weil sie ätzende Salzsäuredämpfe eingeatmet hatten.

"Aus PVC entstehen im Brandfall nicht nur Dioxine, sondern es ist außerdem die Bildung von Phosgen und anderen toxischen und ätzenden Chlorverbindungen möglich. Mit dem Verzicht auf PVC könnte die öffentliche Hand Thüringens einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Gesundheits- und Umweltschäden vorzubeugen", so Klaus Fink, Diplomchemiker und derzeit Fachreferent beim BUND Thüringen. Aber nicht nur PVC-Brände sind gefährlich, auch die Herstellung von PVC und dessen Entsorgung sind äußerst problematisch.

Bei vielen Produkten sind inzwischen umweltfreundlichere Materialien auf dem Markt. Beim Kauf von Kabeln, Fenstern, Bodenbelägen, Möbeln, Wandverkleidungen, Rohren, Dachrinnen, Computern, Folien und Büromaterialien sollten die Verwaltungen immer auf PVC-freien Produkten bestehen.
"Im Baubereich gibt es längst umweltfreundliche Alternativen", so Thomas Lenius, Chemie-Experte des BUND-Bundesverbandes. Als Beispiel nennt er Fenster aus einheimischen Hölzern oder Stahl, Bodenbeläge aus Linoleum oder Holzparkett, Tapeten aus Papier sowie Naturleder statt Kunstleder. Auch für Rohre, Kabel und Kinderspielzeug seien PVC-freie Kunststoff im Handel erhältlich. Verpackungen aus PVC müssen nach Ansicht des BUND sofort verboten werden.

25. Juni 1996

Gemeinsame Position der Naturschutzverbände Thüringens zum Nationalpark "Hainich"

Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. (AHO)

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
Landesverband Thüringen e.V.

GRÜNE LIGA Landesverband Thüringen e.V.

Kulturbund e.V., Landesverband Thüringen

Landesjagdverband Thüringen e.V.

Naturschutzbund Deutschland (NABU),
Landesverband Thüringen e.V.

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW),
Landesverband Thüringen e.V.

Verband der Fischweid und zum Schutz der Gewässer und Natur e.V.


Im "Hainich" soll ein Buchenwald-Nationalpark ausgewiesen werden!
Mit einer Flächengröße von etwa 18.500 ha ist der Hainich eines der größten, unzerschnittenen Laubwaldgebiete in Deutschland, in denen die Rotbuche dominiert. Hinsichtlich seiner Geschlossenheit und Ausdehnung gibt es in Zentraleuropa keine vergleichbaren Buchenwaldgebiete.
Der Hainich stellt einen repräsentativen Ausschnitt der mitteleuropäischen Trias-Landschaft dar. Auf großer Fläche sind hier noch naturnahe und artenreiche Laubmischwaldgesellschaften vorhanden, die die natürlichen Vegetationsverhältnisse für diesen Naturraum dokumentieren.
Der Hainich hat aufgrund der vorhandenen Naturausstattung und des Entwicklungspotentials eine gesamtstaatliche wie auch globale Bedeutung. Besonders durch die Vielzahl der hier vorkommenden natürlichen Buchenwaldgesellschaften sowie die Unzerschnittenheit des Gebietes ist dieser Bereich für die Ausweisung eines Buchenwald-Nationalparks geradezu prädestiniert.
Die Verbreitung der Rotbuche ist im wesentlichen auf das nördliche West- und Mitteleuropa sowie auf südöstlich angrenzende Gebiete beschränkt. Darüberhinaus gibt es weltweit keine Rotbuchenwald-Ökosysteme.
In Deutschland gibt es bis heute kein großflächiges Schutzgebiet mit der Zielsetzung, die Buchenwald-Ökosysteme einschließlich des genetischen Reichtums zu erhalten.
Mit der Ausweisung des Buchenwald-Nationalparkes "Hainich" durch den Freistaat Thüringen würde ein entscheidender Beitrag zur Sicherung dieses typisch mitteleuropäischen Ökosystems geleistet werden. Gleichzeitig käme die Bundesrepublik Deutschland ihrer internationaler Verpflichtung nach, die sie mit ihrer Zustimmung zur "Konvention zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt" auf der Konferenz in Rio 1992 gegeben hat.
Im südlichen Hainich befinden sich die ehemaligen Truppenübungsplätze "Kindel" und "Weberstedt". Durch die Einrichtung der Übungsplätze (Kindel bereits 1935) entstanden Offenlandflächen von etwa zweitausend Hektar (Schießbahnen). Sie bieten heute ideale Voraussetzungen, um die natürliche Regeneration zu beobachten, d.h. die Entwicklungsabfolge von der Freifläche über verschiedene Sukzessionsstadien bis zum Klimaxstadium der Buchenwälder erforschen zu können.
Die an die Schießbahnen angrenzenden Wälder wurden nicht oder nur sehr extensiv forstwirtschaftlich genutzt. Auf großen Flächen haben sich einzigartige Naturwaldstrukturen herausgebildet. Nahezu unbeeinflußt vom Menschen können hier natürliche Stoffkreisläufe und Prozesse (wie Alterung-Zerfall-Verjüngung), wie sie für Urwälder typisch sind, ablaufen und beobachtet werden.
 
Die Truppenübungsplätze "Kindel" und "Weberstedt" sollen den Kernbereich des Nationalparks "Hainich" bilden.
Die beiden ehemaligen Truppenübungsplatz "Kindel" und Weberstedt" erfüllen alle Voraussetzungen für den Kernbereich eines Nationalparkes:

  1. Großräumigkeit - Die Fläche von etwa 7.500 ha entspricht den Empfehlungen der Föderation der Natur- und Nationalparke Europas (FÖNAD) für Nationalparke im Mittelgebirge, Hügelland und Tiefland. Vergleichbare Flächengrößen sind auch bei anderen Waldnationalparken in Deutschland gegeben (Sächsische Schweiz 9.292 ha, Jasmund 3.000 ha).
  2. Besondere Eigenart - Die Geschlossenheit und Ausdehnung dieses Laubmischwaldgebietes sucht in Europa seinesgleichen. Durch die geographischen, geologischen und klimatischen Ausgangsbedingungen sind alle für den Naturraum typischen Buchenwaldbiotope vorhanden bzw. können sich entwickeln.
  3. Das Gebiet erfüllt auf dem überwiegenden Teil der Fläche die Voraussetzungen, die an Naturschutzgebiete gestellt werden - insbesondere durch
    - das Vorhandensein von naturnahen, "reifen" Buchenwäldern, in denen (bedingt durch den militärischen Übungsbetrieb) seit Jahrzehnten teilweise keine oder nur geringe Nutzung stattfand,
    - die standörtlich und klimatisch bedingte Differenzierung natürlicher Waldgesellschaften in zusammenhängenden großen Flächen,
    - das Vorhandensein von großen Sukzessionsflächen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, die die Möglichkeit bieten, die natürliche Wiederbewaldung auf großen Flächen zuzulassen und
    -die Unzerschnittenheit und geringe Störung des Gebietes (keine Verkehrswege, keine Siedlungen).
  4. Vom Menschen nicht oder wenig beeinflußter Zustand - Im Gebiet der Truppenübungsplätze gibt es Bereiche, die nur sehr gering beeinflußt sind, dagegen sind jedoch auch Bereiche vorhanden, die in Folge des Übungsbetriebes gänzlich verändert oder devastiert wurden. Mit der Ausweisung des Nationalparkes im Bereich der Truppenübungsplätze würden, aufbauend auf die günstigen Ausgangsbedingungen, die Voraussetzungen für die unbeeinflußte Entwicklung auf großer Fläche geschaffen werden.
  5. Erhaltung einer artenreichen heimischen Tier- und Pflanzenwelt - Der Hainich beherbergt eine große Zahl von in Mitteleuropa typischen, z.T. gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten.

Die Plenterwälder im Hainich sind als Plenterwälder zu erhalten!

Die Plenterwälder im Hainich sind eine historisch gewachsene, bäuerliche Nutzungsform. Neben ihrem kulturhistorischen Wert sind diese Waldbestände ein hervorragendes Beispiel für die nachhaltige Nutzung von Naturressourcen.
Die Bewirtschaftung dieser Wälder sollte als Modell für eine extensive Landnutzung erhalten und weitergegeben werden. Durch die einzelstammweise, und damit kahlschlagslose Nutzung wird der Rohstoff "Holz" in sehr naturverträglicher Form bereitgestellt.
Die natürlichen Stoffkreisläufe im Wald bleiben dauerhaft erhalten und der Einsatz von Fremdenergie und -stoffen (z.B. Bioziode) ist relativ gering.
Diese Art der Waldbewirtschaftung ist in Deutschland zum Leitbild der modernen, nachhaltigen Forstwirtschaft geworden. Darüber hinaus haben die Plenterwälder des Hainichs eine besondere Bedeutung auf Grund ihrer Strukturvielfalt, ihrer Eigenart und Schönheit sowie aus forstgeschichtlich - waldbaulicher Sicht.
Die Thüringer Naturschutzverbände treten dafür ein, daß die Plenterwälder in ihrer bisherigen Form weiter genutzt werden.
Die Plenterwälder sollten nicht in einem Nationalpark integriert werden, falls damit längerfristig eine Nutzungsaufgabe verbunden ist.

Die Regulierung der Schalenwildbestände ist auch weiterhin notwendig!
Zur Sicherung der Nationalparkzielstellung sowie insbesondere zur Vermeidung von Wildschäden in den angrenzenden Feldgebieten und zur Verhütung von Tierseuchen ist eine Bejagung - besonders des Schwarzwildes - im künftigen Nationalpark notwendig. Dabei sind ortsansässige Jäger einzusetzen.
Die Durchführung des Jagdbetriebes (einschließlich Wildbergung und Nachsuchen) im Nationalpark hat sich den Schutzzielen anzupassen, sie muß am Schutzzweck gemessen notwendig, geeignet, angemessen und nachvollziehbar sein, (z.B. durch räumlich und zeitlich differenzierte Jagdausübung, geeignete Jagdmethoden - wie Bewegungsjagden in begrenzter Anzahl, Ansitzdrückjagden). Jagdliche Einrichtungen (Kanzel und Ansitzleitern) sind in Absprache mit der Nationalparkverwaltung an dafür geeigneten Stellen zu errichten und zu unterhalten. Sie dienen neben der Jagdausübung auch zur wissenschaftlichen Erforschung und Beobachtung des Gebietes. Im Kernbereich des Nationalparkes sind keine Fütterungen, Kirrungen, Luder sowie Fallen für die Bejagung zulässig. Außerhalb der Kernzone (Puffer- oder Randzone) ist die Jagd im Einvernehmen mit der Nationalparkverwaltung nach den Vorschriften des Thüringer Jagdgesetzes durchzuführen.
Sollten durch die Einrichtung des Nationalparkes in den daran angrenzenden Bereichen größere Wildschäden auftreten als vor der Ausweisung (insbesondere durch höhere Schwarzwildbestände), sind diese zu entschädigen.
 
Zusammenfassung:
Im Hainich sind die Ausgangsbedingungen für die Entwicklung eines Naturwaldgebietes besonders günstig. Größere Flächen (Truppenübungsplätze) bleiben seit mehreren Jahrzehnten im wesentlichen ungenutzt. Der hohe Anteil von Totholz und alten Baumriesen dokumentiert dies eindrucksvoll. Andererseits entstanden durch den militärischen Übungsbetrieb waldfreie Bereiche, auf denen zur Zeit die natürliche Wiederbewaldung zu beobachten ist.
Aus den oben genannten Gründen eignet sich dieses Gebiet in hervorragender Weise für wissenschaftliche Untersuchungen. Wichtige waldökologische und forstwissenschaftliche Erkenntnisse können dadurch gewonnen werden.
Ein Nationalpark "Hainich" bietet weiterhin hervorragende Möglichkeiten für Umwelterziehung und Umweltbildung an praktischen Beispielen. Nirgendwo sonst können in Thüringen in so eindrucksvoller Weise die naturästhetischen Dimensionen von "Wildnis" erlebt werden, die dem Besucher das Gegenstück der sonst allgegenwärtigen Kulturlandschaft zeigen. Angesichts der fortschreitenden Entfremdung der Industriegesellschaft von der Natur, in der immer weniger Menschen deren Gesetzmäßigkeiten kennen und verstehen, ist in ein Nationalparkkonzept auch ein attraktives Erlebnis- und Bildungsprogramm einzubinden.
Dies kann auch der Schlüssel für die erfolgversprechende Entwicklung des sanften Tourismus in der Region sein. Bei entsprechender Nachfrage werden die Anliegergemeinden sicherlich bereit sein, in eine für den Fremdenverkehr erforderliche Infrastruktur zu investieren (und Fördermittel erhalten ?)

Die Thüringer Naturschutzverbände fordern:

  1. Unverzügliche Ausweisung eines Nationalparkes "Hainich" mit den Flächen der beiden ehemaligen Truppenübungsplätze als Kerngebiet.
    Ministerpräsident, Bernhard Vogel, und Umweltminister, Volker Sklenar, sollten dieses Anliegen zur "Chef-Sache" erklären. Weiterhin sind die rechtlichen Grundlagen für die Schaffung des Nationalparkes durch den Thüringer Landtag zu beschließen.
  2. Die Bundesregierung muß ihre Verantwortung für dieses "Weltnaturerbe" erkennen, und die noch in ihrem Besitz befindlichen Flächen zum Zwecke der Folgenutzung "Nationalpark" dem Freistaat Thüringen zur Verfügung stellen.
    Bundeskanzler Helmut Kohl und Bundesfinanzminister Theo Waigel werden dringend aufgefordert, eine Möglichkeit zu finden, die "Weberstedt-Flächen" dem Freistaat Thüringen ohne finanzielle Forderungen zu überlassen.
  3. Alle Maßnahmen und Handlungen im Bereich des geplanten Nationalparkes sollten auch vor der formellen Unterschutzstellung so gestaltet werden, daß sie das angestrebte Ziel nicht gefährden.
    Mit der Bundesforstverwaltung muß eine schnelle Einigung in der Frage der weiteren forstwirtschaftlichen Behandlung des Waldes des ehemaligen Truppenübungsplatzes "Weberstedt" erzielt werden. Da die entsprechenden Flächen mit Sicherheit Bestandteil eines möglichen Nationalparks sein werden, sind auf ihnen alle Holzeinschlagsarbeiten, Erschließungsmaßnahmen und sonstige Eingriffe auf die gesamte Liegenschaft unverzüglich einzustellen!
    Diese Forderung dient der Erhaltung möglichst optimaler Ausgangsbedingungen für den Fall einer baldigen Nationalparkgründung.
  4. Das Umfeld des zu schaffenden Nationalparks "Hainich" ist mit einem geeigneten Schutzstatus zu versehen.
    Die oberste Naturschutzbehörde sollte dazu umgehend den Naturpark "Werratal-Eichsfeld" ausweisen und den Nationalpark "Hainich" in diesen integrieren. Darüber hinaus sollte die Schaffung eines Biosphärenreservates als international anerkanntes Schutzinstrument für die umgebende Kulturlandschaft geprüft werden.
    Der Naturpark und/oder das Biosphärenreservat bildet dann eine breite Pufferzone um den Nationalpark, in der der Fremdenverkehr als wichtigster potentieller Wirtschaftsfaktor entwickelt werden kann. Weiterhin können dadurch störende Einflüsse für den Nationalpark und die Region, insbesondere naturraumstörende Ressourcennutzungen (Bergbau) unterbunden bzw. minimiert werden.
25. Juni 1996

Der BUND und die Reformhäuser fordern: Gen-Food kennzeichnen!

Eisenach/Erfurt. Mit einer sieben mal sieben Meter großen, zähnefletschenden Monster-Gen-Tomate haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen und die örtlichen Reformhäuser heute auf dem Erfurter Domplatz dagegen protestiert, Nahrungsmittel genetisch zu manipulieren.

"Die Gefahren für unsere Gesundheit sind unkalkulierbar", so Frank Augsten, Sprecher des BUND-Landesarbeitskreises Landwirtschaft. "Nahrungsmittel sollten möglichst naturbelassen sein. Und wenn überhaupt Gen-Food, dann nur mit klarer Kennzeichnung - egal, wie groß oder klein das Risiko für unserer Gesundheit ist. Denn wir haben das Recht zu wissen, was wir essen."

Gentech auf dem Teller - da rührt sich der Widerstand vor allem in Deutschland. 70 bis 90% der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher sind gegen die Anwendung der Gentechnik im Lebensmittelbereich. Und das aus gutem Grund. Die ersten kleinen "Betriebsunfälle" treiben Allergikern den Angstschweiß auf die Stirn. Wie sich vor dem krankmachenden Gen schützen, wenn bald alles mit allem vermischt wird? Denn die Tomate aus der Retorte ist nur der Anfang, in den Stadtlöchern sitzen noch ganz andere "Kreationen": Schweine mit Wachstums-Genen des Menschen, Erdnüsse mit Erbanlagen aus Blumenkohl. "Niemand wird mehr wissen, was auf seinem Teller landet", kritisiert Frank Augsten.

Die Kritiker befürchten neben möglichen Veränderungen in der Verträglichkeit und der Verdaulichkeit gentechnisch veränderter Lebensmittel vor allem die Bildung unbekannter Stoffwechselprodukte oder Zellgifte und eine Zunahme allergischer Erkrankungen.

Ebenso unabschätzbar sind die ökologischen Folgen des Freilandanbaus genmanipulierter Pflanzen, deren Erbanlagen - wie jüngst bewiesen - auf Bodenmikroben und Wildpflanzen überspringen können.
Zukünftig soll es in Thüringen neben Friemar/Landkreis Gotha einen zweiten Standort am Ortsrand von Hohlstedt bei Weimar geben, wo gentechnisch manipulierten Nutzpflanzen freigegesetzt werden sollen.

Alle Zeichen aus Brüssel deuten darauf hin, daß die zu erwartende EU-Kennzeichnungsverordnung keinen hinreichenden Schutz vor Gentech-Lebensmitteln bieten wird. "Die Kennzeichnung wird die Ausnahme sein, die Ahnungslosigkeit der Käufer die Regel", so Frank Augsten weiter.

Der BUND Thüringen und die Reformhäuser fordern deshalb das Bündnis aller Verbraucherinnen und Verbraucher gegen diese Entwicklung ein. "Wehren wir uns gemeinsam gegen die weitere Verkünstlichung unserer Nahrung, die die Taschen der Macher füllt und uns mit dem Risiko allein läßt. Gen-Food ist überflüssig, da sich wirklich gesunde Lebensmittel auf andere Art und Weise erzeugen lassen", so Augsten abschließend.

24. Juni 1996

Gemeinsames Symposium von BUND Thüringen und Naturkundemuseum Erfurt: "Intensive und fruchtbare Diskussion über Nationalpark Hainich"

Auf dem von BUND Thüringen und Naturkundemuseum Erfurt durchgeführten Symposium "Nationalpark Hainich - Chance für Mensch und Natur?" waren sich die etwa 60 Teilnehmer am vergangenen Wochenende in Erfurt darüber einig, daß der "Nationalpark Hainich" beschlossen werden sollte. Die Thüringer Landesregierung wird aufgerufen, im August eine klare Entscheidung für die entsprechende Unterschutzstellung zu treffen. Lediglich über die Ausgestaltung des Nationalparks besteht nach Ansicht des BUND noch Diskussionsbedarf.

Einig waren sich die Teilnehmer nicht nur über die Schutzwürdigkeit des Hainich, sondern auch darüber, die Plenterwälder im nördlichen Hainich zu erhalten und weiterhin waldwirtschaftlich zu nutzen.

Eine Reihe von Vorträgen bot eine gute Grundlage für eine "intensive und fruchtbare Diskussion" zum Nationalpark Hainich. Professor Volker Schurig, Biologe, ging im Einführungsreferat auf die ökologische und politische Sonderrolle ein, die der Nationalpark Hainich spielen würde. Von seinen Erfahrungen auf dem Hochharz mit möglichen Problemen in einem Nationalpark berichtete Dr. Uwe Wegener, stellvertretender Leiter des Nationalpark Hochharz. Dr. Harald Braun vom Landratsamt des Unstrut-Hainich-Kreises erläuterte die Rolle eines Nationalparkes als eines von drei Standbeinen zur Stabilisierung der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Kreises. Am Nachmittag machte Michael Hüge vom VDF mit seinen Diafotos vom Hainich Appetit auf die samstägsliche Exkursion. Dr. Lebrecht Jeschke vom Nationalparkamt Mecklenburg-Vorpommern erörterte die besondere Qualität des Buchenwaldgebietes aus vegetationskundlicher Sicht.

Zu herrlichen Naturwaldbeständen führte Michael Hüge die Exkursionsteilnehmer am Samstag. Forstamtsleiter Hubertus Biel zeigte die Schönheit der genossenschaftlichen Plenterwälder und berichtete von deren ökologischen Schwierigkeiten seit der Wende.

Erwähnenswert ist, daß die Veranstaltung vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt gefördert wurde.

20. Juni 1996

Lebensraum des Monats Juni: Quellbiotop - Nesselsee bei Gotha

Zum Lebensraum des Monats Juni hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, das Quellbiotop erklärt. Dieses gehört zu den besonders geschützten Biotopen nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes (VorlThürNatG). Je nach Quellentyp handelt es sich bei den Quellbereichen um Sturzquellen, Tümpelquellen oder Sickerquellen mit Quellfluren, Quellsümpfen oder Quellmooren.

Als Beispiel für einen Quellbiotop stellt der BUND Kreisverband Gotha das etwa 1 Hektar große Feuchtgebiet „Nesselsee“ bei Gotha-Siebleben vor. Beim „Nesselsee“ handelt es sich um ein typisches Sumpf- und Sickerquellgebiet mit einem kleineren Tümpelquellbereich. Das Biotop liegt östlich von Gotha an der nördlichen Hangsenke des Großen Seeberges. Im gesamten Bereich tritt großflächig Wasser aus und vernäßt die vorhandenen Böden, wodurch eine gewisse Moorbildung ermöglicht wird und das Areal insgesamt den Charakter eines Feuchtgebietes hat.

Seit Herbst 1993 widmen sich Naturschützer von BUND und NABU Gotha ehrenamtlich der regelmäßigen Pflege des Quellbiotopes „Nesselsee“.
Damals wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Gotha mit der Beseitigung von illegal abgelagertem Bauschutt begonnen. Im darauffolgenden Herbst wurde illegal abgelagerter Müll in den Randbereichen entfernt. Bei einem weiteren Einsatz im Herbst letzten Jahres wurde der direkte Quellbereich entschlammt und von Abfällen gereinigt; gleichzeitig wurde eine kleine, offene Quellfläche mit flachem Uferbereich angelegt.
Im letzten Jahr wurde mit der systematischen Untersuchung der Naturausstattung im Bereich „Nesselsee“ begonnen. Während das Artenspektrum bei den Pflanzen bereits zum großen Teil erfaßt wurde, stehen die Naturschützer bei den Tierarten erst am Anfang der Untersuchungen. Ziel ist es jedoch, noch in diesem und in den Folgejahren den Bestand an weiteren hier vorkommenden Tierarten weitgehend zu ermitteln.

Zur Vegetation gehören neben Kopfweiden, die das Feuchtgebiet umsäumen, mehrere Seggenarten, Kleinseggenriede, Röhrichte, Knotenbinsen und Simsen-Quellwiesen.
Der „Nesselsee“ ist entsprechend seines Biotopcharakters ein willkommenes Rückzugsgebiet unter anderem für viele bestandsgefährdete Vogel-, Fledermaus-, Amphibien-, Tagfalter-, Käfer-, Libellen-, sonstige Insekten-, Spinnen- und Quellschneckenarten. Erdkröte und Grasfrosch, Landkärtchen (ein Tagfalter), Adonis- und Vierflecklibelle wurden unter anderem bereits von den Naturschützern gesichtet.

17. Juni 1996

Umweltverbände und Bürgerinitiativen fordern Alternativen zur Müllverbrennung - Wichtigstes Argument ist die Gebührenschraube

"Brauchen wir in Thüringen eine Müllverbrennung ?" - Diese Frage wurde auf dem von BUND Thüringen und QUERDENKEN ausgerichteten, gut besuchten Tagesseminar am vergangenen Samstag in Hausen mit einem klaren "Nein" beantwortet.

Die Referenten, Rechtsanwalt Martin Stichel, Diplomchemiker Dr. Christian Koth und Abfallexperte Dr. Matthias Mann stellten klar, daß im Freistaat noch kein Zwang zur Müllverbrennung besteht. Um jedoch den Weg für Alternativen freizumachen, müssen die bestehenden Abfallgesetze und -verordnungen sowie die Technische Anleitung Siedlungsabfall (TASi) einer dringenden Novellierung unterzogen werden. Die TASi sowie die 17. Bundesimmissionsschutzverordnung schreiben unter anderem vor, daß nach dem Jahre 2005 nur noch solche Restabfallentsorgungsanlagen genehmigt werden dürfen, die die Forderung nach Einhaltung des Grenzwertes für den Glühverlust erfüllen. Kritikwürdig dabei ist, daß andere wichtige Parameter, wie zum Beispiel der Schwermetallgehalt in der Schlacke, für die Genehmigung keine Rolle spielen. Die anfallende Schlacke muß zudem wie Sonderabfall behandelt und deponiert werden.

Die Novellierung des Abfallrechtes ist dringend erforderlich, da seit einigen Jahren eine rückläufige Tendenz im Abfallaufkommen zu verzeichnen ist. Der Landesabfallentsorgungsplan des Freistaates basiert im Wesentlichen auf dem dünnen Bein der TASi und auf vagen Zahlen von 1992. Die von Dr. Matthias Mann und Heidrun Osse (Bündnis 90/Die Grünen) erarbeitete Studie "Unser Müll" stellt klar, daß selbst die gegenwärtigen Zahlen zum Abfallaufkommen in Thüringen noch keine gesicherte Grundlage für die Planung von Müllverbrennungsanlagen sein können. Noch gar nicht absehbar sind die Auswirkungen des im Herbst dieses Jahres in Kraft tretenden Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes. "Danach geht der Abfall möglicherweise ganz neue Wege", so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND.

Die anwesenden Mitglieder des BUND, der Grünen Liga, des NABU Thüringen und weiterer Umweltgruppen und Bürgerinitiativen waren sich darüber einig, daß in der Landesabfallpolitik auf Alternativen zur Müllverbrennung orientiert werden muß. Die Kommunen und Zweckverbände sollten nicht "wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren", bis es kein Zurück mehr für den Bau von Müllverbrennungsanlagen gibt, sondern selbst mit Alternativlösungen beginnen. Eine mögliche Alternative zur thermischen Restabfallbehandlung ist die biologisch-mechanische Abfallaufbereitung oder als Einstieg wenigstens die mechanische Abfalltrennung, da bei diesen
Verfahren deutlich geringere Investitionskosten als bei Müllverbrennungsanlagen anfallen. Die Restabfallbehandlung muß dezentralisiert werden, um flexibler auf Änderungen im Abfallaufkommen reagieren zu können.

Die politischen Aktivitäten der Thüringer Umweltverbände und Bürgerinitiativen müssen jedoch zuallererst auf Abfallvermeidungsstrategien ausgerichtet sein. "Je weniger Müll anfällt, desto schwieriger wird es, Müllverbrennungsanlagen durchzusetzen. Andererseits wird es umso schwieriger, Müll zu vermeiden, je mehr Müllverbrennungsanlagen vorhanden sind. Die Betreiber müssen dann regelrecht um Müllnachschub betteln - es ist ein Teufelskreis, aus dem dann nur noch schwer auszubrechen ist", so Werner Gottstein, Abfallexperte vom BUND Kreisverband Main-Kinzig-Kreis, der seine langjährigen Erfahrungen an die Seminarteilnehmer vermittelte.

Ein wesentliches Argument gegen die Errichtung von thermischen Restabfallentsorgungsanlagen ist schließlich die Gebührenschraube. "Die Bürger Thüringens müssen mit mindestens dreimal so hohen Müllgebühren rechnen, wenn im Freistaat etwa drei Müllverbrennungsanlagen mit einer Jahreskapazität von jeweils über 200.000 Tonnen gebaut werden. Der wesentlichste Grund dafür ist, daß die immensen Investitionskosten für die neuen Anlagen im Abschreibungszeitraum gedeckt werden müssen. Die Chance für Abfallvermeidungsstrategien wäre dann endgültig auf Kosten und zum Leidwesen der Bürger vertan", so Gottstein abschließend.

16. Juni 1996

BUND präsentiert Computer-Umwelt-Liste 1996: Sieben Hersteller zeigen sich überdurchschnittlich "grün" – Pluspunkte für Umweltmanagement und PVC-freie Kabel – BUND-Recherchen verändern Herstellerverhalten

Eisenach. Gefährliche Flammschutzmittel im Gehäuse, strahlungsintensive Monitore, Billig-Bauteile aus Fernost, über deren Inhaltsstoffe selbst der Hersteller keine Informationen hat – die Liste der Umweltprobleme rund um den PC und die PC-Produktion ist lang. Und groß sind die Unterschiede in Sachen Umweltverträglichkeit zwischen den Computerherstellern. Die Computer-Umwelt-Liste 1996 des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bringt sie an den Tag:

Sieben PC-Produzenten wurden mit "grün" für überdurchschnittliches Umweltengagement bewertet, drei bekamen lediglich ein" durchschnittlich" und bei vier Herstellern sah der BUND "rot" wegen gravierender Öko-Mängel. Die meisten Pluspunkte konnte die Firma Siemens-Nixdorf verbuchen – zum Beispiel für recyclinggerechte Konstruktion der Geräte, PVC-freie Kabel, für Umweltmanagement und Rücknahmeservice für Altgeräte.

Positive Ergebnisse erzielten außerdem Acer, ASI, Compaq, Hewlett Packard, IBM und NEC. Schlechte Noten erhielten ComTec, die Branchenriesen Escom und Vobis sowie Olivetti – zum Beispiel für fehlende Kunststoffkennzeichnung, den Einsatz halogenierter Flammschutzmittel oder Schwermetalle im Rechnergehäuse. Selbst aus dem Rennen geworfen haben sich zudem die Firmen Actebis, PC-Spezialist, Deli und Packard Bell. Diese Firmen – die erste drei gehören immerhin zu den dreizehn größten PC-Anbietern in Deutschland, Packard Bell zu den Top Ten weltweit – verweigerten Antworten auf die BUND-Fragen.

"Von solchen Verweigerern der Vogel-Strauß-Sorte gibt's erfreulicherweise immer weniger", bilanzierte Andreas Fußer, Kommunikations-Geschäftsführer des BUND die bisherigen Erfahrungen. So habe sich der Computer-Discounter Escom in der Vergangenheit stets ausgeschwiegen über die Umweltauswirkungen seines Tuns, diesmal habe er jedoch geantwortet. Seit der ersten Computer-Umwelt-Umfrage vor drei Jahren habe sich einiges bewegt bei den PC-Produzenten.

"Nicht nur die Offenheit ist gewachsen; das Nachhaken des BUND hat auch Folgen für das Handeln vieler Firmen", freute sich Fußer. So verzichten einige Firmen auf problematische, halogenhaltige Flammschutzmittel und zeigen damit, daß technisch möglich ist, was lange als unmöglich hingestellt wurde. Ein weiterer Erfolg des BUND: Die Kriterien für die Vergabe des Öko-Labels "Blauer Engel" für Computer wurden den aktuellen ökologischen Entwicklungen der Branche angepaßt. Rechner mit PVC-Gehäuse dürfen sich künftig nicht mehr mit dem begehrten Signet schmücken.

Dennoch bleibt nach Ansicht des BUND noch viel zu tun bevor ein Computer sich "Öko-PC" nennen kann. So ist das Problem mit den Flammschutzmitteln, trotz des Verzichts von Vorreiter-Firmen, noch nicht vom Tisch, erklärte Thomas Lenius, Chemie-Experte des BUND. Halogenierte Flammschutzmittel enthalten Chlor und Brom. Sie reichern sich in der Umwelt an und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Besonders problematisch sind die polybromierten Diphenylether. Sie führen dazu, daß selbst bei normalen Betriebstemperaturen Dioxine und Furane aus dem Gehäuse ausgasen können. Lenius forderte deshalb ein Verbot halogenierter Flammschutzmittel. "Sie sind gefährlich und überflüssig, denn es gibt Alternativen. Mit Konstruktionen aus Stahlblech und Kunststoff oder durch die Verwendung bestimmter neuer Kunststoffe haben einige Firmen die brenzligen Flammhemmer vollständig ersetzt, ohne daß der Brandschutz leidet".

Lenius forderte alle Computerproduzenten auf, ökologische Einkaufsrichtlinien einzuführen: "Die meisten Hersteller bauen nur Teile ihrer Geräte selbst, der Rest wird auf dem Weltmarkt eingekauft. Ökologische Richtlinien -zum Beispiel der Verzicht auf die gefährlichen kurzkettigen Chlorparaffine in den Kabeln müßten für Einkäufer und Zulieferer bindend sein. Wer sich rausreden will, er wisse nicht, was er produziere, wird seiner Unternehmerverantwortung nicht gerecht.“

Die Firma Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG versucht dieser Umweltverantwortung gerecht zu werden , indem sie die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen über den gesamten Produktzyklus – Entwicklung, Produktion, Nutzung, Recycling – betrachtet, erklärte Alois Hampp, Leiter des Referates Umweltschutz bei SNI. Dreh-und Angelpunkt sei die Produktentwicklung, "denn hier werden die Weichen gestellt für spätere Umweltschäden". SNI habe deshalb eine hausinterne Konstruktionsnorm zur umweltgerechten Produktgestaltung erarbeitet und konkrete Anforderungen für Umweltverträglichkeit und Recyclingfähigkeit der Produkte definiert. "Die Altgeräte nehmen wir zurück und recyceln sie. Die daraus resultierenden Erfahrungen fließen wieder in die Produktentwicklung zurück." Das jährliche "Öko-Ranking des BUND" leiste einen "wichtigen Beitrag zu mehr ökologischer Transparenz der Computerhersteller".

Wer einen möglichst umweltfreundlichen Computer kaufen wolle, so rät der BUND-Experte Lenius den Verbraucherinnen und Verbrauchern, solle darauf achten, daß dieser aufrüstbar und damit möglichst lange einsetzbar ist. Lange Garantiezeiten (drei Jahre bei Neugeräten, für Ersatzteile fünf bis sieben Jahre) stellen sicher, daß man keinen Ex-und-Hopp-PC kauft. Energiesparende Modelle erkennt man an der Kennzeichnung "energy star" für den Rechner und "NUTEK" für Monitore. Die Monitore sollten außerdem die Strahlungsnorm TCO'92 erfüllen. Und: Umweltbewußte Verbraucher meiden die PVC-Gehäuse und -Tastaturen von IBM.

14. Juni 1996

BUND: Desaster Leibis-Beschluß "feiert" seinen ersten Geburtstag - Beschluß des Thüringer Landtages nach einem Jahr noch immer nicht umgesetzt

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, erinnert heute an ein "Jubiläum", das sich am morgigen Samstag zum erstenmal jährt. Am 15. Juni 1995 hatten die Abgeordneten des Thüringer Landtages die Landesregierung per Beschluß aufgefordert, die umstrittene Talsperre Leibis bedarfsgerecht fertigzustellen, die Finanzierung für nicht benötigte Rohwassermengen aus Talsperren zur Sicherung sozialverträglicher Wasserpreise aus dem Landeshaushalt zu realisieren sowie die Verrechnung für Roh- und Fernwasser nach dem Vorhalteprinzip auf abnahmeorientierte Bestellungen umzustellen.

Zwar hatte die Landesregierung bereits auf ihrer nächsten Sitzung am 22. Juni 1995 die Modalitäten für den Weiterbau der Talsperre festgelegt, jedoch wurden die anderen Punkte bis heute nicht umgesetzt, kritisiert der BUND.
Als die SPD im Januar 1996 im Umweltausschuß die Umsetzung der anderen Punkte einforderte, stimmte die CDU dagegen und damit gegen den von ihr mitgetragenen Leibis-Beschluß, erinnert der BUND.

"Der Weiterbau der Talsperre gerät mehr und mehr ins Wanken", so Jens Krause vom Landesarbeitskreis Wasser des BUND. Er verweist auf weitere Ungereimtheiten: Hatte das Kabinett noch am 22. Juni 1995 beschlossen, daß Umwelt-, Finanz- und Innenressort ein "optimales Finanzierungsmodell" erarbeiten sollen, vergrätzte Finanzminister Trautvetter im Herbst 1995 die SPD mit seiner Forderung, die Talsperre privat zu finanzieren. Das für Februar angekündigte Finanzierungsmodell konnte nicht vorgelegt werden, die Vorlage wurde auf Juni 1996 vertagt. "Man darf gespannt sein, ob in diesem Monat noch etwas auf den Tisch kommt", so Krause weiter.

14. Juni 1996

"Laß das Auto stehen!" - Bundesweiter Aktionstag "Mobil ohne Auto" in Thüringen

"Laß das Auto stehen!" ist die Devise, die "Mobil ohne Auto" der Bevölkerung nahebringen will. "Dabei geht es nicht darum, das Auto generell zu verdammen", so Steffen Müller vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), in einer heute veröffentlichen Presseerklärung. "Wir laden die Bevölkerung ein, als Alternative die umweltfreundlichen Verkehrsmittel wieder zu entdecken". Denn nicht immer werde das Auto gebraucht und viele Wege könnten ohne Pkw schneller und bequemer erledigt werden.

In vielen dezentralen Aktionen im gesamten Bundesgebiet wird am Aktionstag, Sonntag den 16. Juni 1996 eine breite Koalition von Umweltvereinen bis hin zu Firmen und Kirchen für eine neue Mobilität werben: Rad, Bus, Bahn und Fuß werden dabei im Mittelpunkt stehen.

Auch in Thüringen veranstalten mehrere BUND-Gruppen - teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Umweltverbänden, Gewerkschaften und Kirchen - Radtouren, Fahrradmärkte, Umweltgottesdienste und viele weitere spannende und unterhaltsame Veranstaltungen im Zeichen einer neuen Mobilität.

So wurden zum Beispiel in Meiningen die Stadträte zu einer Fahrradtour durch Meinigen eingeladen, in Bad Langensalza ist nach der Fahrradtour zur Kettelburg eine Führung durch diese geplant, und auch in Sondershausen sei eine Fahrraddemo mit anschließendem Umweltgottesdienst organisiert worden.

In Eisenach veranstaltet die Kreisgruppe des BUND Thüringen in Zusammenarbeit mit anderen Umweltvereinen und Kirchgruppen eine Fahrradtour durch die von der Verlegung der A4 Autobahn betroffenen Gemeinden, außerdem werden "Danke-Zettel" mit einem Hinweis auf den Aktionstag für Radfahrer und ÖPNV-Benutzer verteilt . Zudem ist ein Fahrradmarkt in der Uferstraße 1 organisiert worden.
Auch die Deutsche Bahn AG in Eisenach beteiligt sich mit einem eigenen Programm am Aktionstag.

"Also lassen auch Sie Ihr Auto am Aktionstag einfach stehen und entdecken Sie eine "neue" Mobilität, appelliert BUND-Sprecher Müller.

13. Juni 1996

Tränende Augen, Hustenreiz, Atemprobleme - BUND Thüringen informiert über Smog

"Auch in diesem Jahr erhöht sich die Zahl derer, die aufgrund der Ozonbelastung mit bleibenden gesundheitlichen Schäden zu rechnen haben", so der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Thüringen in einer heute veröffentlichten Presseerklärung.

"Ozonsmog" sei die übermäßige Konzentration des Reizgases Ozon in Bodennähe, entstanden durch hohe Konzentrationen von Schadstoffen in unserer Atemluft. Vor allem Stickoxide und flüchtige Kohlenwasserstoffe würden bei intensiver Sonneneinstahlung (UV-Strahlung) zu diesem gefährlichen Reizgas reagieren.

Erste Wirkung sei schon bei 40 Mikrogramm/Kubikmeter durch Wahrnehmung des Geruchs zu verzeichnen, allerdings setze sehr schnell ein Gewöhnungseffekt ein, der dies leicht wieder vergessen mache. Ab einer Konzentration von 70 Mikrogramm/Kubikmeter sei der Pflanzenwuchs nachweislich beeinträchtigt und es können erste Symptome einer "Ozonvergiftung" auftreten (Augenreizung). Bei einer Konzentration von 120 Mikrogramm/Kubikmeter seien Kopfschmerzen und irreversible Schäden der Lunge, vor allem bei Kleinkindern und älteren Menschen, möglich. Während eine derartige Dosis von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Grenzwert vorgeschlagen worden sei, nenne die VDI -Richtlinie in Deutschland dies eine "tolerierbare Dosis". Erst ab 180 Mikrogramm/Kubikmeter würde ein Hinweis durch bundesdeutsche Behörden erfolgen und Verhaltensempfehlungen ausgesprochen. Eine Warnung der Bevölkerung und Fahrverbote würden erst bei einer Konzentration von 240 Mikrogramm/Kubikmeter von den Bundesbehörden erfolgen.

Der BUND Thüringen fordere daher die Thüringer Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für eine Verschärfung der Ozonverordnung von 1995 einzusetzen und den Richtwert der WHO zu übernehmen. Zudem solle sie verstärkt die Möglichkeit nutzen auf Landesebene schon bei geringerer Konzentration und um Vorfeld besonders belastender Tage Fahrverbote und Verhaltensempfehlungen auszusprechen.

Aber auch jeder einzelne könne zur Vermeidung von Smog beitragen. „Wenn man anstatt immer mit dem Auto zu fahren, haüfiger die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, mit dem Fahrrad fährt oder zu Fuß geht, ist der Umwelt mehr geholfen als wenn man in jedes Auto einen Katalysator einbaut;" so Müller abschließend.

12. Juni 1996

Podiumsdiskussion über die Notwenigkeit eines Thüringer Abgrabungsgesetzes

Gemeinsam mit der Stiftung Querdenken e.V. lud der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) am 6. Juni 1996 die Fraktionen des Landtages CDU, SPD und PDS, sowie Vertreter der Bündnis 90/ Die Grünen und der FDP ein, um im Nachgang der Rechtsangleichung zwischen Ost und West beim Bergrecht über die Notwendigkeit neuer gesetzlicher Regelungen zu diskutieren.

In einem einleitenden Referat gab die Rechtsamwältin Frau Ursula Philipp einen Überblick über die derzeitige Rechtssituation im Bergrecht und daraus resultierende Anforderungen an zukünftige landespolitische Regelungen.
Denn darin herrschte nach der Veranstaltung bei allen Diskussionspartnern Übereinstimmung, daß bei der derzeitigen Rechtslage im Bergrecht für Thüringen neue gesetzliche Regelungen notwendig sind, um beispielsweise eine frühzeitige und qualifizierte Beteiligung der Öffentlichkeit bei zukünftigen Genehmigungsverfahren von Bergbauvorhaben zu gewährleisten. Ob dies in einem Abgrabungsgesetz ähnlich dem Nordrhein-Westfahlens, Ausdruck finden soll oder ob zu den jeweiligen Fachgesetzen neue Regelungen getroffen werden müssen, diese Frage blieb in dieser Diskussionsrunde vorerst offen.

Das die wichtigste Entscheidungsgrundlage für den zukünftigen Abbau von Rohstoffen in Thüringen die Konkretisierung der Regionalen Raumordnungspläne Teil B, bzw. der Landesplanung, mit der genauen Festlegung der für den Rohstoffabbau vorrangigen Flächen ist, kam mehrheitlich zu Ausdruck.

Der BUND Thüringen setzt große Erwartungen in das Versprechen der Parteifraktionen, mit Initiative der Thüringer Landesregierung eine Novellierung des Bundesberggesetzes im Bundesrat in Gang zu setzen.

Abschließende Forderungen des BUND Thüringen an neue gesetzliche Regelungen für den Rohstoffabbau in Thüringen sind:

  • die frühzeitige und qualifizierte Beteiligung der Kommunen und Naturschutzverbände bei zukünftigen Abbauvorhaben,
  • Festlegung von Kriterien und Grundsätzen für einen umweltschonenden Rohstoffabbau, 
  • transparente Genehmigungsverfahren (Bündelungswirkung),
  • Genehmigungserteilung nur im Einvernehmen mit der jeweiligen Kommune,
  • behördliche Zuständigkeit der oberen Naturschutzbehörden,
  • Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen auch bei Vorhaben unter der 10 ha Grenze,
  • Aufnahme von Regelungen zur Wiedernutzbarmachung, bzw. zur Rekultivierung von bergbaulich genutzten Flächen.
22. Mai 1996

BUND: „Ozonloch macht auch vor Thüringen nicht Halt“

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, warnt in einer heute veröffentlichten Presseerklärung vor den wachsenden Gefahren eines längeren Aufenthaltes im Freien bei strahlendem Sonnenschein.

Auch über Europa habe die Ozonschicht in der Stratosphäre drastisch abgenommen. Es häuften sich die Meldungen, nach denen sich insbesondere im Frühjahr und im Frühsommer das „Ozonloch“ explosionsartig vergrößere und 1996 Ausmaße „bisher nie gekannter Größe“ angenommen habe. Auch der Freistaat bleibe davon nicht verschont. Zu den Ozonkillern gehören laut BUND nicht nur die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), sondern beispielsweise auch die sogenannten „Ersatzstoffe“ aus der Kältetechnik. Dazu zählen beispielsweise teilhalogenierte Kohlenwasserstoffe.

Der BUND kritisiert, daß seitens der Politik oftmals nur FCKW für die Entstehung des Ozonlochs verantwortlich gemacht werde. „Lachgas und Methan aus den Kreisläufen der Landwirtschaft sowie Stickoxide und Wasserdampf aus dem zunehmenden stratospärischen Flugverkehr gehören ebenso zu den Ozonkillern und haben zudem ein zum Teil noch höheres Treibhauspotential als die FCKW“, so Klaus Fink, Diplom-Chemiker und Fachreferent beim BUND Thüringen. Besonders Wasserdampf aus stratosphärischen Flügen habe in großen Mengen in der natürlichen, trockenen Stratospäre nichts zu suchen. Stratospärischer Wasserdampf konserviere in den Wintermonaten sowohl Chlorverbindungen als auch Salpetersäure. Letztere stamme nicht nur aus den Stratosphärenflügen, sondern sei auch Oxidationsprodukt des Lachgases. Diese Ozonkiller würden im Frühjahr bei verstärkter UV-Einstrahlung explosionsartig als Radikale freigesetzt. Ein einziges Chlor- oder Stickoxidradikal könne dabei bis zu 10.000 Ozonmoleküle abbauen - so entstehe das „Ozonloch“. Die harte UV-Strahlung der Sonne dringe aufgrunddessen verstärkt bis in die unteren Luftschichten vor und sorge dort nicht nur für vermehrte „Sonnenbrände“, sondern auch für eine Zunahme der schädlichen Ozonkonzentration am Boden.

Als notwendige, sofortige Konsequenzen sieht der BUND nicht nur den Verzicht insbesondere der öffentlichen Hand auf FCKW-haltige Erzeugnisse bei Neuanschaffungen, sondern auch die schleunigste Abkehr von der Massentierhaltung sowie die drastische Reduzierung stratosphärischer Flüge. Die Thüringer Landesregierung wird daher aufgefordert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten den ökologischen Landbau stärker zu fördern, die herkömmliche Landwirtschaft inklusive Massentierhaltung und Pestizideinsatz zurückzudrängen und vom Bau weiterer Flughäfen im Freistaat Abstand zu nehmen.

10. Mai 1996

Intelligenz statt Beton – BUND-Ost-Landesverbände appellieren an die Dessauer CDU-Konferenz

Eisenach/Dessau. Eine "Bruchlandung Ost" muß nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verhindert werden. Die sechs östlichen Landesverbände des Umweltverbandes begrüßten das Vorhaben der CDU-Landtags-Fraktionsvorsitzenden, zusammen mit Bundeskanzler Helmut Kohl den "Aufschwung Ost" auf den Prüfstand zu stellen.

Eine Kurskorrektur sei überfällig, da "den westlichen Wachstumskonzepten der fünfziger Jahre die finanzielle Puste ausgeht", wie der thüringische BUND-Vorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende Ralf-Uwe Beck in Eisenach betonte.

Beck kritisierte, daß in den letzten Jahren bereits eine Vielzahl von Chancen verspielt worden seien, die neuen Bundesländer an den Anforderungen des 21. Jahrhunderts zu orientieren. Beck: "Der Traum vom schnellen Reichtum für alle ist ausgeträumt." Der Fehlstart werde vielerorts als Bankrott der "Demokratie" fehlinterpretiert. Ein "Weiter-so!" sei undenkbar.

Nun müßten – wie von den Umweltverbänden seit Jahren gefordert – alternative Wege der wirtschaftlichen Entwicklung beschritten werden. Die CDU trage hierfür eine besondere Verantwortung, denn die vergangenen fünf Jahre seien nicht nur durch eine gigantische Deindustrialisierung, sondern auch durch eine kostenintensive, aber arbeitsplatzarme Förderpolitik gekennzeichnet.

Nach Ansicht der BUND-Landesverbände müssen vor allem die gigantischen Investitionsmittel in die Verkehrsinfrastruktur (Autobahnbau, Havel-und Elbe-Ausbau, Großflughafen Berlin-Brandenburg, ICE-Strecke München-Berlin, Transrapid) umgelenkt werden.

Für eine dauerhafte Entwicklung müßte stattdessen die Unterstützung regionaler Wirtschaftskreisläufe in Angriff genommen werden. Förderschwerpunkte könnten umweltverträglich gestaltete Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung, Forstwirtschaft, das Handwerk, die Energieeinsparung und verstärkte Nutzung regenerativer Energiequellen sowie eine Dezentralisierung des Handels bis hin zu Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften sein.

Eine stärkere Förderung der Teilzeitbeschäftigung/Familienarbeitszeit und der Abbau teilweise gigantischer Überstundenberge müsse im Übrigen für mehr Verteilungsgerechtigkeit – im Osten wie im Westen – sorgen.

8. Mai 1996

"Grünes Band mit braunen Flecken" - BUND kritisiert Naturzerstörung im ehemaligen Todesstreifen

Eisenach. "Weiterhin akut gefährdet" sind nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Biotope im Bereich des ehemaligen Grenzstreifens. "Das Grüne Band ist in Gefahr", heißt es in einer Presseerklärung, die der Landesverband Thüringen des BUND heute veröffentlicht hat. Darin übt der Umweltverband heftige Kritik an dem "fehlenden Engagement" der Thüringer Landesregierung und der Bundesregierung.

"Während die Schutzgebietsausweisung in Thüringen nur schleppend vorankommt und bislang nur rund zehn Prozent der schützenswerten Flächen endgültig anerkannt sind, werden gleichzeitig immer mehr der wertvollen Biotope durch den Sand- und Kiesabbau, den Neubau von Straßen und Gewerbegebieten und vor allem durch die landwirtschaftliche Nutzung zerstört. Hier drohen sowohl ein ökologischer als auch ein ökonomischer Skandal", schätzt Frank Henkel, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Thüringen, die Situation ein. "Überall im Lande bemühen sich Bürger, Gemeinden, Naturschutzverbände und zunehmend auch Fachbehörden mit großem Engagement und Steuermitteln, in der ausgeräumten Agrarlandschaft wieder neue Hecken, Tümpel, Gehölze und Brachen anzulegen, während die zuständigen Behörden, insbesondere das Bundesvermögensamt, gleichzeitig tatkräftig mithelfen, die Zerstörung des Grünen Bandes voranzutreiben." Es sei "agrarpolitischer Wahnsinn", einerseits bundesweit viele tausend Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche - so auch im Thüringer Becken - stillzulegen und andererseits die seit über 40 Jahren nicht mehr genutzten, wertvollsten Brachflächen neu umzupflügen.

Der BUND betont, daß sowohl das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt als auch das Bundesumweltministerium beim Umgang mit staatlichen Flächen dem gesetzlichen Naturschutzauftrag besonders verpflichtet seien. Speziell in Thüringen mit dem größten Anteil am insgesamt etwa 1400 Kilometern langen ehemaligen Todesstreifen sei das Grüne Band eine national bedeutsame Biotopverbundachse., in der viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten ein letztes Refugium gefunden haben. Die Bundesregierung habe sich wiederholt für den Schutz des Grünen Bandes ausgesprochen, jetzt sei es höchste Zeit, daß sowohl die Bundesumweltministerin Merkel als auch der Thüringer Umweltminister Dr. Sklenar endlich handelten und die Unterschutzstellung vorantrieben.

Der BUND hatte bereits im vergangenen Jahr - dem "Europäischen Naturschutzjahr" - vorgeschlagen, den ehemaligen Grenzstreifen als langfristige Dauerbrache in das bundesweit laufende Flächenstillegungsprogramm aufzunehmen, um somit nicht nur dem Überleben vieler Rote-Liste-Arten, sondern auch dem Erhalt des Grenzstreifens als Denkmal des einst geteilten Deutschlands Rechnung zu tragen. Nun sei es an der Zeit, diese längst überfälligen Forderungen endlich in die Tat umzusetzen.

8. Mai 1996

Illegale Baumaßnahme im Zusammenhang mit Talsperre Leibis vermutet - BUND erstattet Strafanzeige

Eisenach. Strafanzeige gegen Unbekannt hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bei der Staatsanwaltschaft Meiningen gestellt. Damit reagiere der BUND auf Baumaßnahmen, die illegal und offenbar im Zusammenhang mit der geplanten Trinkwassertalsperre Leibis seit einiger Zeit im Bereich des Naturschutzgebietes "Meuraer Heide" (Schwarza-Kreis) durchgeführt worden seien, teilte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, heute in Eisenach mit. Es sei zumindest eine Straße errichtet und mit einer bituminösen Tragschicht versehen worden. Darüberhinaus seien in der Vergangenheit möglicherweise noch weitere ungenehmigte Eingriffe in dem Naturschutzgebiet erfolgt.

Dies ist nach Ansicht des BUND ein klarer Verstoß gegen das Thüringer Naturschutzgesetz und den § 329 des Strafgesetzbuches, der die Gefährdung schutzwürdiger Gebiete unter Strafe stellt. Die Verantwortlichen müßten demnach auch mit strafrechtlichen Kon-sequenzen rechnen. Als "Skandal" bezeichnet es Spielmann, daß der Vorgang dem Thü-ringer Landesverwaltungsamt als der zuständigen Behörde offensichtlich seit längerem bekannt sei, ohne daß gegen die fortschreitenden Baumaßnahmen vorgegangen worden sei. "Wir haben die Staatsanwaltschaft deshalb um Ermittlung gebeten, ob und inwieweit hier strafrechtlich relevante Versäumnisse, Duldungen oder Hilfestellungen von seiten der damit bislang befaßten Ämter und Behörden festzustellen und gegebenenfalls zu ahnden sind", so Spielmann.

Nach Angaben des BUND handelt es sich bei dem betroffenen Naturschutzgebiet um ein von Seiten der Bundesregierung gemäß der europäischen "Vogelschutzrichtlinie" als Gebiet mit besonderer Bedeutung für den Schutz wildlebender Vögel benanntes Arreal, welches vor allem dem Schutz des Auerhuhns diene. "Das Auerhuhn ist eine Vogelart mit großem Lebensraumanspruch und benötigt großflächig ungestörte Waldbereiche. Diese Vogelart gehört zu den vom Aussterben bedrohten "Rote-Liste-Arten", dessen Bestandsabnahme als dramatisch eingeschätzt werden muß", erklärte Spielmann.

Spielmann betonte, daß das betroffene Naturschutzgebiet "Meuraer Heide" zu den letzten Rückzugsgebieten des Auerhuhns in der Region Südthüringen gehöre. Allein dort seien seit 1970 die Bestände von 300 auf 20 Vögel zurückgegangen. "Es ist zu befürchten, daß es bereits durch den Bau der Straße zu einer Lebensraumzerschneidung gekommen ist. Zukünftig drohen durch Transporte, Verlärmungen und Staubeintrag weitere schwerwiegende und nachhaltige Beeinträchtigungen des Auerhuhnbestandes sowie weiterer vom Aussterben bedrohter Arten, wie z.B. dem Rauhfußkauz.

"Daß illegale Baumaßnahmen für die geplante Talsperre Leibis unter den Augen der Behörden stattfinden, rückt das gesamte Projekt einmal mehr ins Zwielicht und läßt für das anstehende Planfeststellungsverfahren Schlimmes erwarten", so Spielmann abschließend.

8. Mai 1996

Lebensraum des Monats Mai: Die Erdfallquelle

Zum Lebensraum des Monats Mai hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die Erdfallquelle erklärt.

Entstehung von Erdfallquellen
Die Entstehung von Erdfallquellen hängt mit dem Kohlendioxidgehalt des Wassers im Untergrund zusammen. Durch das leicht saure Grundwasser werden im mittleren Muschelkalk Gipse, Stein- und Kalisalze sowie Kalkstein gelöst. Es kommt zur Bildung unterirdischer Kluft- und Hohlraumsysteme. Bricht die Decke eines solchen Hohlraumes ein, entsteht ein Erdfall, auch Doline genannt. Wenn das Grundwasser in einem solchen Schlot aufsteigen und abfließen kann, spricht man von einer Erdfallquelle.

Beispiel: Kleine und große Golk bei Bad Langensalza
Zu den ökologisch und geologisch besonders bemerkenswerten Erdfallquellen zählen die kleine und große Golk bei Bad Langensalza. Die „Kleine Golk“ befindet sich etwa 700 Meter vom Stadtteil Ufhoven entfernt. Der Quelltrichter hat einen kreisförmigen Umfang, die größte Tiefe beträgt ca 3 Meter. Das Wasser ist reich an gelösten Salzen: Hier finden sich Natriumchlorid, Natriumsulfat, Calciumsulfat und -carbonat sowie Magnesiumcarbonat, der Härtegrad liegt bei 32. Die Temperatur des Quellwassers schwankt jahreszeitlich zwischen 9,5 und 11,2 Grad Celsius. 120 Liter Wasser pro Sekunde entströmen der Quelle (Quellschüttung).
Die „Große Golk“, unweit der „Kleinen Golk“, ist nahezu kreisrund mit abgeböschten Ufern. Der Quelltrichter ist etwa 8 Meter tief, die Wassertemperatur liegt bei 10 Grad Celsius. Die Quellschüttung beträgt bis zu 240 Liter Wasser pro Sekunde. Der Härtegrad wurde mit etwa 46 bestimmt.

Geschichtliches
Eine erste urkundliche Erwähnung der beiden Golken erfolgte 1537. Im Jahr 1821 wurde die Kleine Golk vom Bodenschlamm gereinigt und mit einem Erdwall umgeben. Seit 1937 stehen beide Quellen unter Naturdenkmalschutz.

Ökologische Bedeutung
Die Golken sind Ursprungsort des Flüßchens „Salza“. Gleichzeitig sind sie für die Stadt Bad Langensalza und deren nähere Umgebung von großer wasserwirtschaftlicher Bedeutung. Sie liefern ein qualitativ hochwertiges Trinkwasser. Das aus den Golken fließende Wasser der Salza führt viel Tuffgestein mit sich und friert im Winter nicht zu. In der Salza tummeln sich Forellen, an ihren Ufern findet man Korbweiden vor.

Die Golken liegen jeweils in einem kleinen Auenwäldchen in einem Naturschutzgebiet unweit der Bundesstraße B 84 in Richtung Eisenach. Wichtigste botanische Vertreter sind Schwarzerle, Schwarzpappel, Weide, gemeine Esche, schwarzer Holunder und gemeiner Weißdorn. Rund um die Quellen befindet sich ein hoher Totholzanteil, der für viele Klein- und Kleinstlebewesen Lebensraum bietet. Im unmittelbaren Quellbereich finden sich unter anderem Algen, Moose und schilfartige Gewächse.

Neben den bedrohten Vogelarten wie Eisvogel und Wasseramsel kann man auch Specht, Wasserhuhn, Enten und Fischreiher beobachten. Desweiteren kommen hier unter anderem die Rotbauchunke, welche in der Roten Liste Thüringens, Kategorie 1, zu finden ist, sowie Gelbbauchunke, Igel und mehrere Fledermausarten vor.

3. Mai 1996

BUND Thüringen zur Diskussion um Talsperre Leibis: Lob für die SPD, Mahnung an die CDU

Eisenach. Mit Zustimmung hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die jüngste Ankündigung der Thüringer SPD reagiert, die Fernwasserversorgung im Freistaat auf den Prüfstand zu stellen. Der Landesgeschäftsführer des Umweltverbandes, Michael Spielmann, spricht von "erfreulichen Anzeichen dafür, daß die Thüringer SPD in der Wasserpolitik zukunftsfähig wird". Damit trage sie einer immer stärker werdenden Strömung im Lande Rechnung: "Viele Bürger haben längst bemerkt, daß der Weiterbau der Talsperre Leibis und das einseitige Setzen auf die Fernwasserversorgung anachronistisch sind und sich in überhöhten und unsozialen Gebühren niederschlagen. Der zunehmende Widerstand, wie er sich erst unlängst wieder durch Bürgerinitiativen und Bürgermeisterprotest im Landkreis Gotha bemerkbar gemacht hat, bringt nun offensichtlich auch die SPD zur Vernunft", so Spielmann.

Gleichzeitig richtet der BUND Thüringen an die Adresse der Thüringer CDU die "ernste Mahnung, nun endlich auch eines ihrer "Goldenen Kälber" zu schlachten und nicht länger an dem unsinnigen und unökologischen Großprojekt aus DDR-Zeiten festzuhalten". Der am kommenden Wochenende in Stadtroda stattfindende CDU-Landesausschuß mit dem Schwerpunkt Umweltpolitik sei - so Spielmann - "eine gute Gelegenheit, mit solchen ökologischen Altlasten und Fehlentscheidungen wie dem Weiterbau von Leibis aufzuräumen. Durch eine Entscheidung für den Vorrang dezentraler und damit billigerer und umweltfreundlicherer Lösungen kann die CDU damit zumindest in der Trinkwasserpolitik ihren selbstformulierten Anspruch umsetzen, wonach ökologische und ökonomische  Entwicklung in eine harmonische Beziehung zu bringen sind", appellierte Spielmann an die Delegierten. Wer dagegen Steuergelder in Millionenhöhe für unnötige Talsperreprojekte verschleudere und gleichzeitig Sozialleistungen kürze, der mache sich umwelt- und sozialpolitisch gleichermaßen unglaubwürdig.

Scharfe Kritik äußerte Spielmann in diesem Zusammenhang an der Thüringer Talsperrenverwaltung. Diese hatte den Bedarf für Leibis mit dem Argument begründet, daß die Auslastung der Trinkwassertalsperren des Landes mit mehr als 65 Prozent über dem bundesdeutschen Schnitt liege. Dem hält der BUND Thüringen die Zahlen des Deutschen Verbandes der Gas- und Wasserversorger entgegen, wie sie der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Dieter Mäde erst gestern veröffentlicht hatte. "Wenn diese Angaben zutreffen, liegt Thüringen mit nur 56 Prozent Auslastung der Fernwassersysteme deutlich niedriger. Offensichtlich nimmt es die Talsperrenverwaltung mit der Wahrheit wieder einmal nicht so genau, um das Projekt Leibis doch noch schönzurechnen", so Spielmann abschließend.

25. April 1996

BUND Thüringen: Mitgliederversammlung mit zukunftsweisenden Themen

Eisenach. Am vergangenen Samstag, 20. April, fand in Erfurt, Johannes Lang-Haus, die diesjährige Landesmitgliederversammlung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, statt.

Wichtige inhaltliche Schwerpunkte waren die von BUND und Misereor in Auftrag gegebene Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“, die vom Wuppertal-Institut herausgegeben wurde, sowie eine Resolution zum Bergrecht mit wichtigen Forderungen an die Bundesregierung und die Landesregierung Thüringens.

Bezugnehmend auf die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ verwies Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen, unter anderem auf Probleme des Ressourcenverbrauches und der damit verbundenen globalen Konsequenzen. „Wenn wir das deutsche Lebensmodell auf den Rest der Welt übertragen würden, stiege der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre um 30 Prozent an“, so Beck. Ein Umdenken in den Industriestaaten sei daher dringendstes Gebot der Zeit. Die Studie, die die Lösungswege aufzeige, sage weiterhin aus, daß „wir insgesamt nur soviel Ressourcen verbrauchen können, wie insgesamt auch nachwachsen.“ Desweiteren ging Beck auf den zunehmenden Flächenverbrauch ein. „Wenn das jetzige Versiegelungstempo beibehalten wird, dann gibt es in etwa 80 Jahren nicht einen Quadratmeter unversiegelte Fläche mehr in Deutschland“, so Beck. Spätestens im Jahre 2010 müsse die Flächenversiegelung endgültig zum Stillstand kommen. Wichtig sei deshalb, die Ergebnisse der Studie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die notwendigen Konsequenzen auch in Thüringen schnellstmöglich auf den Weg zu bringen. Der BUND Thüringen habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, in der nächsten Zeit Leitfäden und Maßnahmen für ein "Zukunftsfähiges Thüringen" zu entwerfen und einzufordern.

Als weiterer wichtiger Schwerpunkt wurde eine Resolution zum Bergbau mit großer Mehrheit verabschiedet. Der BUND Thüringen fordert von Bund und Land, „keine rücksichtslose Ausbeutung von Rohstoffen mehr“ zuzulassen. Dabei müsse der Grundsatz der Rohstoffsicherung auf der Grundlage eines langfristigen Ressourcenschutzes beachtet werden. Bestehende rechtliche Möglichkeiten müßten ausgenutzt und neue rechtliche Grundlagen für den Rohstoffabbau erarbeitet werden. Unter anderem sei die schnellstmögliche Umsetzung eines Thüringer Abgrabungsgesetzes notwendig, wie z.B. Bündnis 90/ Die Grünen jüngst als Entwurf vorgelegt hätten. Diese rechtliche Grundlage müsse für alle Abbauvorhaben oberflächennaher Rohstoffe gelten, die nach Verabschiedung des „Gesetzes zur Vereinheitlichung der Rechtsverhältnisse bei Bodenschätzen“ nicht mehr nach Bergrecht entschieden werden.

22. April 1996

10 Jahre nach Tschernobyl: BUND Thüringen hält Gedenk- und Mahnwache auf dem Erfurter Anger - Traurige Bilanz der Folgen der Katastrophe und fehlende politische Konsequenzen

Erfurt. "Die Katastrophe von Tschernobyl ist nicht zehn Jahre her. Sie begann am 26. April 1986. Seither dauert sie an und wird immer dauern, nach menschlichem Ermessen immer. Mehr noch: sie potenziert sich", so markiert Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen und Umweltbeauftragter der Evangelischen Kirche, der selbst im Katastrophengebiet war, die traurige Bilanz im zehnten Jahr nach Tschernobyl.

Mit einer Gedenk- und Mahnwache auf dem Anger in Erfurt am Montag nachmittag weist der BUND Thüringen darauf hin, daß Strahlenkrankheiten wie Leukämie und Schilddrüsenkrebs in den Regionen um die evakuierte Zone ständig zunehmen. Besonders betroffen seien Kinder. 2,5 Millionen Menschen würden heute noch in verstrahlten Gebieten leben, radioaktiv verseuchte Nahrung auf dem Tisch haben und radioaktiv verseuchte Luft atmen.

Die sogenannte friedliche Nutzung der Atomenergie sei alles andere als friedlich und schon gar nicht sauber, so der BUND. Wer so argumentiere, habe Scheuklappen auf, zwischen denen sich ökologische Konflikte der Superlative türmen. Schließlich gehören zur Atomenergienutzung eben auch noch der Uranbergbau vorher und die ungeklärte Atommüllentsorgung nachher.

Pfarrer Wolfram Hädicke aus Ronneburg erinnerte während der Gedenkstunde an die verheerenden Folgen des Uranbergbaus in Thüringen. „Die Sanierung hat zwar begonnen. Aber sie läuft ohne ausreichende Beteiligung der Öffentlichkeit; angesichts der Geheimhaltungspolitik der Wismut zu DDR-Zeiten ein unerträglicher Zustand. Wir fordern einen Sanierungsbeirat mit Vetorecht", so Hädicke.

Der BUND bekräftigt seine Forderung nach politischen Konsequenzen. In Richtung Bundesregierung formuliert Beck: "Das zehnte Jahr der Katastrophe von Tschernobyl ist ein guter Anlaß, den Kopf aus dem Sand zu nehmen und endlich den längst fälligen Ausstiegsbeschluß zu fassen." Der Bevölkerung ein Restrisiko zuzumuten, sei zynisch und unverantwortlich. Schließlich sei der Reaktorunfall im Kernkraftwerk Tschernobyl zwar der schwerste, aber längst nicht der einzige. Seit 1942 habe es 30.000 sogenannte "Ereignisse" in Kernkraftwerken gegeben, darunter eine Vielzahl schwerer Unfälle.

Der BUND zu den Alternativen: Der Ausstieg aus der Atomenergie müsse beglei-tet werden vom Einstieg in eine ökologische Energiewirtschaft. Die neue Zeit sei die Solarzeit. Jede Mark, die weiter in den Atomdinosaurier investiert werde, fehle den Maßnahmen für Energieeinsparung und erneuerbare Energien.

16. April 1996

Kritik an Baubeginn von Autobahn und ICE durch den Thüringer Wald: "Symbol wirtschaftspolitischer Phantasielosigkeit und ökologischer Ignoranz" - BUND Thüringen fordert "Intelligenz statt Beton in der Verkehrspolitik"

Eisenach. Aus Anlaß des ersten Spatenstiches im Bündlungsbereich der Thüringer-Wald-Autobahn A 71 und der ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt-Berlin bei Rudisleben (Ilmkreis) hat der BUND Thüringen seine Kritik an den "umweltzerstörenden Mammutprojekten" erneuert und die Umsetzung "zukunftsfähiger Alternativen" angemahnt.

"Während Bundes- und Landesregierung derzeit mit allen Mitteln Haushaltslöcher stopfen und dabei auch vor der Demontage des Sozialstaats nicht zurückschrecken, sollen gleichzeitig zwischen Erfurt und der bayrisch-thüringischen Landesgrenze 15 Milliarden buchstäblich in den Sand gesetzt werden", bemängelt Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen und stellvertretende Bundesvorsitzender in einer heute veröffentlichten Presseerklärung.

An die Adresse des Bundesverkehrsministers, Matthias Wissmann (CDU), richtet der BUND den Vorwurf der "Scheinheiligkeit": "Erst am vergangenen Wochenende hat Wissmann beim Treffen der EU-Verkehrsminister eine klare marktwirtschaftliche Strategie für umweltfreundlichen Verkehr gefordert. Mit der heutigen Propagandaveranstaltung für Autobahn und ICE straft er seine ökologischen Sonntagsreden Lügen", so Beck.

Als "makaberes Spektakel" und "Volksverdummung" rügt der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, den heutigen Baubeginn: "Jeder weiß, daß der Bundesverkehrswegeplan hoffnungslos unterfinanziert ist. Die hektischen Spatenstiche im Thüringer Wald und unlängst im Südharz sind nichts anderes als Beweise für die Angst der Planer vor dem drohenden Bankrott der bisherigen Verkehrspolitik", so Spielmann. Am Ende würden knappe Steuergelder für unsinnige Trassenfragmente verschleudert, während für den dringend notwendigen Ausbau des bestehenden Schienen- und Straßennetzes das Geld fehle. "Verbaut wird so nicht nur die einzigartige Landschaft im Grünen Herzen Deutschlands, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft Thüringens".

Autobahn und ICE sind für den BUND "Symbole wirtschaftspolitischer Phantasielosigkeit und ökologischer Ignoranz" von Bundes- und Landespolitik: "Es ist absurd, daß derart teure und umweltzerstörende Trassen quer durch den Thüringer Wald geschlagen werden, damit noch schneller Güter aus ganz Europa nach Thüringen geschafft werden und der regionalen Wirtschaft den Boden entziehen". "Intelligenz statt Beton" sei die Forderung des BUND für eine "moderne Verkehrsplanung der Zukunft".

Die Zerschneidung des Thüringer Waldes durch neue Transitstrecken sei jedoch nicht zukunftsfähig, sondern "rückwärtsgewandte Fortschrittsgläubigkeit" und Ausdruck einer "Raubrittermentalität gegenüber der Natur". Der BUND weiter: "Wir klagen die maßgeblichen Politiker in Bund und Land der Zerstörung und Verschandelung des Grünen Herzen Deutschlands an. Bundesverkehrsminister Wissmann und Ministerpräsident Vogel sind damit verantwortlich für eine der größten Bausünden der Republik".

12. April 1996

BUND: "Nicht im Sozialbereich, sondern bei Leibis sparen!"

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, begrüßt die Bereitschaft der Thüringer SPD-Landtagsfraktion, beim Sparkurs der Landesregierung anstelle der Einsparungen im Sozialbereich auch die Investitions- und Folgekosten für die Talsperre Leibis einzubeziehen.

Der BUND steht dem Projekt „Talsperre Leibis“ wie schon in der Vergangenheit strikt ablehnend gegenüber. Nach wie vor sei angesichts der leeren Staatskasse die Finanzierung der Talsperre nicht abgesichert. Allein der Bau der Staumauer verschlinge rund 200 Millionen Mark. Die Folgekosten für die Verbraucher seien unvorhersehbar. Unklar sei nach wie vor, ob das aufgestaute Wasser jemals gebraucht würde.

Die SPD müsse nun ihren Worten auch Taten folgen lassen und gegenüber dem Koalitionspartner klar machen, daß sie den Weiterbau der Talsperre Leibis nicht mehr mitträgt.
Es sei jetzt endlich an der Zeit und eine gute Gelegenheit, so der BUND, beim Sparen ernst zu machen und dabei dieses ökologisch und wirtschaftlich unsinnige Großprojekt aus DDR-Zeit von der Liste der Investitionen zu streichen.

10. April 1996

Lebensraum des Monats April: Der Waldlabkraut - Eichen - Hainbuchenwald

Zum Lebensraum des Monats April hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, den Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald erklärt. Dieser steht als bestandsgefährdete Pflanzen- und Tiergesellschaft in der Roten Liste Thüringens, Kategorie 3.

Der Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald war als gemäßigt kontinentale Waldgesellschaft früher in den Niederungen und Hügelländern Thüringens weit verbreitet. Infolge der zunehmenden Acker- und Grünlandnutzung sowie der infrastrukturellen Erschließung wurden diese Wälder weitgehend verdrängt und sind heute nur noch als kleine Reste in der Agrarlandschaft zu finden.

Der durch eine große Artenvielfalt gekennzeichnete Waldbestand ist vertikal gegliedert, aber stockwerkartig aufgebaut, wobei in der oberen Baumschicht Traubeneiche, Rotbuche, Sommerlinde, Bergahorn und Fichte vergesellschaftet sind. Die mittlere Baumschicht wird von Hainbuche, Feldahorn, Eberesche und Birke gebildet. In der Strauchschicht dominieren Weißdorn, Haselnuß, Schwarzer Holunder und Roter Hartriegel. Vegetationsaufnahmen in der Krautschicht ergaben den Nachweis von knapp 100 Blütenpflanzenarten. Entsprechend viele Tierarten finden sich in diesem Refugium.

Beispiel: Das Bettelmannsholz bei Görbitzhausen im Ilmkreis
Das kleine, nur einige Hektar große Bettelmannsholz bei Görbitzhausen im Ilmkreis ist ein typischer Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald. Es bietet im Biotopverbund mit der angrenzenden Feldflur sowie mit anderen benachbarten Biotopen ideale Lebensbedingungen für Greifvögel, z.B. Mäusebussard, Turmfalke, Roter Milan, Sperber und Kornweihe.

Der BUND Thüringen besaß hier noch bis vor kurzem ein etwa 0,6 Hektar großes Waldgrundstück, das demnächst der Trasse für die „Thüringer-Wald-Autobahn“ und ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt zum Opfer fallen wird. Einem weiteren Mosaiksteinchen gleich wird dann abermals ein Stück naturnaher Lebensraum dem „Fortschritt“, so wie ihn die Politiker (nicht nur) der Bonner Regierungskoalition verstehen, weichen müssen.

Ungeachtet dessen hat der BUND Thüringen zusammen mit dem Verband für Naturschutz und biologischen Landbau Thüringen und weiteren Verbündeten Anfang des Jahres 1994 eine Nutzungskonzeption für das Bettelmannsholz erarbeitet. Da der

BUND nicht an einer wirtschaftlichen Nutzung seiner Waldparzelle interessiert war, sollten die entsprechenden Flächen ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Ein Naturlehrpfad mit Hinweistafeln, der das Wäldchen einschließt, eine Walderlebnisstelle für Kinder sowie ein Beobachtungsstand für Greifvögel wurden teilweise eingerichtet oder waren vorgesehen.

Wenigstens soll nun das stille Wäldchen das Auge seiner ehemaligen Besitzer noch solange erfreuen, solange hier die Bulldozer für den Bau der „Waldautobahn“ noch nicht rollen und ihr Vernichtungswerk verrichten werden.

25. März 1996

BUND: Striktes Nein zur "Nordumgehung" der BAB A 4

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, hat sich in seiner Stellungnahme im Rahmen der Beteiligung der Naturschutzverbände am Raumordnungsverfahren eindeutig gegen den sechsstreifigen Neubau der Bundesautobahn A 4 im Raum Eisenach/Hörselberge ("Nordumgehung") ausgesprochen.

Seine ablehnende Haltung gegenüber der in den Planungsunterlagen als "Mittelvariante" bezeichneten Nordumgehung hat der BUND vor allem mit massiven naturschutzfachlichen Einwänden, aber auch mit der Verlärmung ganzer Landstriche und verkehrspolitischen und wirtschaftlichen Bedenken begründet. Mit dem nordwestlich von Eisenach gelegenen Mosewald und dem Hainaer Holz bei Ettenhausen/Nesse durchschneidet die Mittelvariante mindestens zwei für den Artenschutz unverzichtbare Refugialräume.

Allein im 1993 von den Kreistagen Gotha und Eisenach beantragten Naturschutzgebiet "Hainaer Holz und Nesseaue" sind über 150 vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten vom Trassenbau betroffen. Darunter befindet sich die Gelbbauchunke, die auf der Roten Liste der BR Deutschland unter Kategorie 1 steht und deren hiesiges Vorkommen von bundesweiter Bedeutung ist. Ein Ausgleich des mit dem Trassenbau verbundenen Eingriffs ist nach Einschätzung des BUND nicht möglich.

Der BUND nimmt auch zu der verfehlten Verkehrspolitik der Bundesregierung Stellung, die „sowohl kritisierbar als auch korrigierbar“ bleiben muß. „Als Alternative zum sechsstreifigen Neubau der Mittelvariante fordern wir auf der bestehenden Trasse ein generelles Tempolimit und Verkehrsleiteinrichtungen zwischen Eisenach West und Sättelstädt. Den begrenzten Ausbau der jetzigen Autobahn, mit entsprechenden Lärmschutzmaßnahmen, gegebenfalls mit einer Standspur entlang der Steigungen am Hörselberg, würden wir tolerieren“, so Klaus Fink, Fachreferent beim BUND Thüringen. Unabhängig von den verkehrspolitischen Vorgaben der Bundesregierung bezüglich des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 15 schlägt der BUND vor, einen Großteil der Schwerlasttransporte auf die Bahn zu verladen, um den „Engpaß“ Eisenach/Hörselberge auf diese Weise zu umgehen.

Der BUND erhebt auch schwere wirtschaftliche Bedenken gegenüber der Mittelvariante. Über 120 Hektar werden neu überbaut, wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche geht dabei verloren. Pleiten einheimischer Landwirtschaftsbetriebe sowie ein weiterer Arbeitsplatzabbau bei der Bahn und ein Einbruch im Fremdenverkehr sind zu befürchten. Dagegen kann der versprochene „Aufschwung“ mit der neuen Transitstrecke, wenn überhaupt, frühestens in 10 Jahren greifen, da die Planer mit einer Bauzeit von rund 8 Jahren rechnen und sich den „ersten Spatenstich“ für etwa 1998 erhoffen. So lange können die Arbeitslosen im Freistaat jedoch nicht warten; eine zukunftsfähige Verkehrs- und Infrastrukturpolitik unter stärkerer Berücksichtigung der Schiene sind jetzt unabdingbar.

Der BUND weist darauf hin, daß mit dem Abschluß des Raumordnungsverfahrens noch kein Baurecht besteht. Dieses wird frühestens mit dem Planfeststellungsbeschluß hergestellt. Bürgerinitiativen und Betroffene, die sich gegen die geplante Autobahn wehren wollen, können im weiteren Verfahren mit der Unterstützung durch den BUND rechnen.

21. März 1996

BUND zum Baubeginn der Südharzautobahn: „Noch schnell ein Spatenstich, bevor das Geld ausgeht“

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, kritisiert den heute angekündigten „ersten Spatenstich“ zur A 38 (Südharzautobahn) bei Sundhausen (Landkreis Nordhausen) als erneuten Versuch, Fakten zu schaffen, um den zunehmenden Widerstand gegen das unsinnige und umweltzerstörende Großprojekt zu entmutigen.

Laut BUND liege im vorliegenden Fall lediglich die Plangenehmigung für ein einziges Brückenbauwerk vor, bei dessen Planung noch nicht einmal eine Bürger- und Verbandsbeteiligung stattgefunden habe. „Der Bevölkerung soll wieder einmal vorgegaukelt werden, daß mit diesem Spatenstich nun endlich die vollständige Autobahn quasi über Nacht gebaut wird und damit der langersehnte Aufschwung und viele Arbeitsplätze in aller Kürze kommen“, so Ralf-Uwe Beck, Vorsitzender BUND Thüringen. Dies sei jedoch nicht der Fall, denn bei allen anderen Streckenabschnitten seien die Planer vom Planfeststellungsbeschluß, mit dem das Baurecht hergestellt werde, noch weit entfernt. Bis zu einer Inbetriebnahme der A 38 würden im günstigsten Falle 10 Jahre vergehen. Beck beklagt hierbei, daß die Bevölkerung auch über die Bauphase, deren Länge und die damit verbundenen Eingriffe und Konsequenzen bewußt im Unklaren gelassen würde.

Der BUND kritisiert in diesem Zusammenhang grundsätzlich die vorherrschende Praxis, bei der mit Hilfe undemokratischer Plangenehmigungen Rudimente von Großprojekten in die Landschaft gesetzt würden, von denen heute niemand exakt sagen könne, ob sie in über 10 Jahren wirklich gebraucht würden. Hier solle zur Vortäuschung falscher Hoffnungen noch schnell ein teurer „erster Spatenstich“ erfolgen, bevor angesichts der dramatischen Haushaltslage des Bundes die Finanzen für die umstrittenen „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ drastisch gekürzt würden. Mit der derartigen Schaffung von Fakten wolle man seitens der Planer offensichtlich das Großprojekt A 38 durchboxen, obwohl die „Südharzautobahn“ weder finanziell noch baurechtlich abgesichert sei.

14. März 1996

BUND-Kritik: Verbraucher entmündigt

Eisenach. Mit großer Bestürzung hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die Entscheidung des Europaparlaments zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel zur Kenntnis genommen.

Die Strasbourger Entschließung vom 11.3.96 besagt, daß lediglich gentechnisch veränderte Organismen in Lebensmitteln als solche gekennzeichnet werden müssen. Alle Nahrungsmittel, bei deren Herstellung Gentechnik in irgendeiner Art beteiligt war, sind hingegen von der Kennzeichnungspflicht ausgeschlossen.

Für Frank Augsten, dem gentechnischen Sprecher des BUND-Landesarbeitskreises "Landwirtschaft", ist es besonders bitter, daß "...das EU-Parlament damit von seiner bisherigen Forderung nach einer umfassenden Kennzeichnung gentechnisch manipulierter Lebensmittel abgewichen ist. Damit werden nicht nur der Einsatz einer fragwürdigen Technologie mit vielen Unbekannten hofiert, sondern darüber hinaus die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Herkunft von Nahrungsmitteln im Unklaren gelassen..."

Angesichts der bevorstehenden Beratungen zwischen Rat, Parlament und der sich gegen jegliche Kennzeichnung wehrenden Kommission verlangt der BUND Thüringen von den verantwortlichen deutschen Politikern eine klare Positionierung im Sinne der Verbraucher, von denen 80 bis 90 Prozent eine umfassende Kennzeichnung fordern.

12. März 1996

BUND Thüringen: Änderung des Bergrechts ist ein Teilerfolg, aber noch nicht ausreichend

Eisenach. Den kürzlich vom Bundestag verabschiedeten Gesetzentwurf zur Vereinheitlichung des Bergrechtes wertet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, als einen positiven Kompromiß für Thüringen, der aufgrund des massiven Drucks von Verbanden, Vereinen, Bürgerinitiativen, Kommunen und Medien zustande gekommen sei und Anlaß zu verhaltenem Optimismus gebe.

Alle nach dem Einigungsvertrag zum Staatseigentum zählenden bergfreien Bodenschätze würden wieder den Grundstückseigentümern zugesprochen. Zukünftige Anträge für den Abbau dieser Bodenschätze würden gemäß der Gesetzesänderung nach Naturschutz-, Immissions-, und Wasserrecht entschieden. Davon seien die vor Inkrafttreten des Gesetzes bereits erteilten Bergbaugenehmigungen jedoch nicht betroffen. Diese würden weiterhin nach altem Bergrecht Ost behandelt. Eine der wesentlichen Forderungen des BUND Thüringen, den Bestandsschutz für bereits bewilligte Abbauflächen aufzuheben, sei damit nicht erfüllt worden. "Diese Regelung kommt sicherlich sehr den Abbaufirmen zugute", so Michaela Gebhardt, Fachreferentin beim BUND Thüringen.

Nur ein kleiner Trost sei der zeitlich begrenzte Bestandsschutz für bereits genehmigte Flächen mit einer Fristenregelung. Danach sollen in einer vorgeschriebenen Frist die Abbaufirmen für ihre Vorhaben Anträge für Betriebsplane einreichen. Werde die Frist nicht erfüllt, erlösche die Genehmigung.

Der BUND kritisiert, daß trotz Vereinheitlichung des Bergrechtes alle vorliegenden, über 1800 Anträge auf Bewilligung zum Abbau nach dem Bundesberggesetz abgearbeitet würden. Sowohl kommunale als auch naturschutzrechtliche Belange blieben dabei nach wie vor weitgehend unberücksichtigt.

Es wird an die Thüringer Landesregierung appelliert, ihre bestehenden Möglichkeiten auszuschöpfen und endlich mit der Vorlage der regionalen Raumordnungsplane für Thüringen räumlich konkrete Entscheidungen über die bergbauliche Entwicklung bestimmter Räume zu benennen. Für den Abbau der nicht mehr nach dem Berggesetz zu genehmigenden Rohstoffe müsse ein umweltverträgliches Abgrabungsgesetz erarbeitet werden.

Der BUND Thüringen tritt nach wie vor für eine umfassende Novellierung des Bundesberggesetzes ein, da das bisherige Ergebnis zwar ein Schritt in die "richtige Richtung", aber noch nicht ausreichend sei.

6. März 1996

Lebensraum des Monats März: Kalkhalbtrockenrasen

Zum Lebensraum des Monats März hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, den Kalkhalbtrockenrasen erklärt.
Dieser ist wie alle Trocken- und Halbtrockenrasen ein besonders geschützter Biotop nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes. Hier finden sich eine der artenreichsten Pflanzengesellschaften überhaupt und entsprechend viele Tierarten, vor allem wirbellose Tiere: Insekten, Käfer und Spinnen, darunter viele vom Aussterben bedrohte und bestandsgefährdete Arten. Als Rote-Liste-Arten kommen z.B. Golddistel, Silberdistel, Küchenschelle und Bienenragwurz sowie Zauneidechse und Schwarze Röhrenspinne vor.
Allgemein sind Trocken- und Halbtrockenrasen oft lückige, von nieder- bis mittelwüchsigen Gräsern und Kräutern geprägte Magerrasen trockener bis mäßig trockener Fels-, Kies-, Sand-, Kalk-, Gips-, Lehm- und Tonstandorte, z.T. mit eingestreuten Büschen und Bäumen. Geschützt sind alle Bestände ab 100 Quadratmetern Fläche, die mindestens 3 Meter breit sind.

Beispiel: Der Petersberg bei Eisenach
Der 344 Meter hohe Petersberg im Osten von Eisenach ist vorwiegend aus Muschelkalk aufgebaut. Besonders seine sonnige Südseite, die zum Hörseltal abfällt, ist der ideale Standort für einen Kalktrocken- und halbtrockenrasen, der unter anderem Orchideen wie Bienenragwurz und Helmknabenkraut beherbergt. Der karge, trockene Boden erweist sich als Eldorado einer für mitteleuropäische Verhältnisse außerdordentlich artenreichen Pflanzen- und Tiergesellschaft. Aber auch offene Mischwaldbestände, die durch teilweise Aufforstung oder durch Samenanflug entstanden sind, sowie offene Trockengebüsche sind hier zu finden. Auf dem Plateau sowie auf seiner Nordseite finden sich neben Mischwald- und Kiefernbeständen z.B. auch Kalkhalbtrockenrasen, Trockengebüsche, offene Kirschplantagen mit Halbtrockenrasencharakter sowie Streuobstbestände. Der Petersberg ist aber nicht nur ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch - insbesondere wegen seiner herrlichen Aussicht auf Eisenach und seine Umgebung - für Spaziergänger zu jeder Jahreszeit attraktiv.

Der BUND Wartburgkreis pflegt regelmäßig den Petersberg. Überließe man den Petersberg der fortschreitenden Sukzession, so entstünde dort langfristig ein sommergrüner Laubmischwald als Endstadium. Dies wäre zwar mit einer Zunahme der Waldfläche, jedoch auch mit einem einschneidenden Rückgang sonstiger wertvoller Lebensräume verbunden. Viele Tier- und Pflanzenarten, die sich erst in einer vom Menschen mit seinen Tieren geprägten Kulturlandschaft entwickeln konnten, würden verschwinden, weil sie nicht in der Lage wären, sich unter den neuen Lebensbedingungen erfolgreich durchzusetzen.

Besonders betroffen von dieser Entwicklung wären die Trocken- und Halbtrockenrasen. Zur Erhaltung dieses Lebensraumes wäre eine regelmäßige Beweidung durch Schafe und Ziegen notwendig. Da unter den jetzigen wirtschaftlichen Bedingungen diese Form landwirtschaftlicher Kultur jedoch kaum noch „rentabel“ ist und damit die Zahl der Schafe drastisch zurückgeht, bleibt als einzige Möglichkeit die Durchführung von Entbuschungsarbeiten auf manuellem Wege.
Mitglieder des BUND Wartburgkreis und Schüler des Eisenacher Ernst-Abbe-Gymnasiums haben sich daher der Entbuschung und Pflege einer Kirschplantage mit Halbtrockenrasencharakter angenommen. Anfang März dieses Jahres wurden unter anderem vor allem den Kalkhalbtrockenrasen überwuchernde Weißdorngebüsche und die inzwischen vielerorts auf dem Petersberg allgegenwärtige Gemeine Waldrebe stellenweise entfernt. Die Pflegemaßnahmen werden jährlich zweimal durchgeführt und vom Umweltamt der Stadt Eisenach finanziell unterstützt.

4. März 1996

Benefizkonzert für den Thüringer Wald: Liedermacherin Bettina Wegner zu Gast in Meiningen

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, freut sich auf ein ganz besonderes Ereignis am kommenden Wochende. Die Liedermacherin Bettina Wegner gibt am 9. März, 19 Uhr, in Meiningen, Schloß Elisabethenburg, Konzertsaal „Johannes Brahms“, ein Benefizkonzert für den Thüringer Wald.

Seit vielen Jahren hat Bettina Wegner ihren festen Stammplatz in der Liedermacher-Szene. Mit einfühlsamen Texten, verknüpft mit literarischem Können, begeistert sie ihr Publikum und sorgt für volle Konzertsäle. Gemeinsam mit dem Münchner Gitarrenvirtuosen Jürgen Birlinger sowie dem Lyriker Rainer Lindner, der mit seinen kritisch-satirischen Texten stets großen Beifall erntet, schließt sie sich am kommenden Samstag dem Protest vieler Bürger und Umweltschützer gegen die „Waldautobahn“ an. Einen Teil ihrer Einnahmen will die Sängerin dem Rechtshilfefonds für betroffene Bürger, die sich gegen die geplante „Thüringer-Wald-Autobahn“ mit juristischen Mitteln zur Wehr setzen wollen, spenden.

Viele von der „Thüringer-Wald-Autobahn“ direkt betroffene Grundstückseigentümer, Landwirte und Lärmbetroffene in Thüringen und Franken bereiten sich laut BUND derzeit auf Klageverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht vor.

1. März 1996

BUND verlangt: Alternativen zur Autobahn suchen!

Eisenach. Angesichts des zum wiederholten Male angekündigten Baubeginns für die „Thüringer-Wald-Autobahn“ hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, seine Kritik an dem Projekt erneuert. Gleichzeitig rief der Umweltverband alle Autobahnbefürworter zu "sachlichen Gesprächen über Alternativen" auf.

„Dieser neuerliche erste Spatenstich soll die Öffentlichkeit offenbar in die Irre führen und von der Angst der Planer vor der Nichtfinanzierbarkeit des Projektes ablenken“, so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Um die Autobahngegner einzuschüchtern, wird die Bevölkerung bewußt zum Narren gehalten.“

Tatsächlich sei die Waldautobahn weder finanziell noch baurechtlich abgesichert. Nach aktuellen Schätzungen hätten sich die Baukosten seit Beginn der Diskussion fast verdreifacht und belaufen sich nach Angaben des BUND auf nunmehr 6,5 Milliarden Mark. Die Bundesregierung habe daher bereits angekündigt, die A 71 zwischen Suhl und der bayrischen Landesgrenze aus finanziellen Gründen nicht vor dem Jahre 2005 zu bauen. Der BUND wertet diese neue Situation als Eingeständnis einer völlig verfehlten Verkehrspolitik: „Um sachliche Gespräche über finanzierbare Alternativen kommen jetzt wohl auch die eingefleischtesten Autobahnbefürworter nicht umhin“, erklärte Spielmann.

Der BUND verweist auf verschiedene unabhängige Gutachten, die das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Waldautobahn analysiert haben. Sowohl die Planungsgruppe Nord aus Kassel als auch die Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung in Bonn seien zu dem Ergebnis gekommen, daß die Waldautobahn kaum Vorteile für die Region bringen würde. Regionalwirtschaftliche Impulse durch eine neue Autobahn seien nicht in Sicht. Dagegen würden der internationale Straßentransitverkehr auf lange Sicht gefördert sowie die Verlagerung von Güterverkehr von der Schiene auf die Straße forciert. Bei Eintreten des im Bundesverkehrswegeplan prognostizierten Verkehrsaufkommens müsse zudem mit einer Zunahme der Kohlendioxidemissionen des Straßenverkehrs um rund 50 Prozent gerechnet werden, wodurch alle Klimaschutzziele konterkariert würden.

„Der BUND Thüringen ist nicht grundsätzlich gegen den Ausbau von Verkehrswegen. Die Realisierung muß jedoch umweltverträglich erfolgen und tatsächlich eine positive Wirkung für die Region haben. Bei der ,Thüringer-Wald-Autobahn’ ist beides nicht zu erkennen“, so Spielmann abschließend.

21. Februar 1996

BUND lobt Umweltministerium für Broschüre „Besonders geschützte Biotope in Thüringen“

Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in einer heute veröffentlichten Presseerklärung die Broschüre „Besonders geschützte Biotope in Thüringen“ gelobt. Das Werk, das anschaulich, übersichtlich und prägnant auf die verschiedenen, nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes besonders geschützten Lebensräume eingeht, wurde vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt in Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt herausgegeben.

„Endlich wird unseren Bürgern von Seiten einer einflußreichen Behörde in geeigneter Weise nahe gebracht, welche wertvollen Naturschätze unser grünes Herz Thüringen birgt“, so Klaus Fink, Fachreferent des BUND Thüringen. Mit der jetzt vorgelegten Broschüre würden wertvolle Hinweise zum Erkennen der besonders geschützten Biotope gegeben. Mit ihrer Hilfe sei eine Klassifizierung der einzelnen Biotoptypen gut möglich.

Nun komme es darauf an, diese Refugien nachhaltig vor wirtschaftlichen Nutzungsansprüchen zu schützen. Die in der Broschüre beschriebenen Lebensräume böten vielen vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten gute Entwicklungsmöglichkeiten. Voraussetzung für den Erhalt dieser Refugien seien jedoch Schutz- und Pflegemaßnahmen.

Gemeinsam mit dem Arten- und Biotopschutzprogramm und dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) seien nunmehr gute Voraussetzungen für effektive Schutzmaßnahmen gegeben. Dazu sei jedoch eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Thüringer Naturschutzbehörden dringend notwendig. Zudem fehle es der Landesregierung offensichtlich an dem politischen Willen, der allgegenwärtigen Landschaftszerstörung, vor allem durch Bergbauvorhaben, mit Entschiedenheit entgegenzutreten.

14. Februar 1996

Allergiker sollten auf Karnevalsschminke verzichten - BUND weist auf gesundheitliche Risiken hin

Weiberfastnacht, Rosenmontag, Faschingsdienstag – in diesen Tagen erreicht das närrische Treiben allerorts seinen Höhepunkt. Damit aus dem fröhlichen Fest kein Trauerspiel wird, warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, vor aller-gischen Reaktionen bei der Verwendung von Faschingsschminken.

Wie aus den Angaben des BUND hervorgeht, seien vor allem die in den Kosmetika verwendeten Duft,- Farb- und Konservierungsstoffe hinsichtlich ihrer Hautverträglichkeit problematisch. Zudem sei zu bemängeln, daß nur wenige Produkte über eine Auflistung der verwendeten Inhaltsstoffe laut CTFA (Abkürzung für die US-amerikanische Organisation der Körperpflege und Parfümindustrie) verfügten. Die Herstellerfirmen würden häufig eigene Namen für verwendete Inhaltsstoffe gebrauchen und so zu einer Irreführung der Verbraucher beitragen. "Die Folge ist, daß Menschen, die allergisch auf manche Stoffe reagieren, zu einem Glücksspiel beim Hautarzt gezwungen sind, da nicht überprüft werden kann, welche Stoffe allergieauslösend sind", so Steffen Müller vom BUND Thüringen. Ein weiterer Nachteil sei, daß in den wenigsten Produkten natürliche Fette und Öle verwendet würden. "In den Kosmetika findet sich oft die gesamte Erdölindustrie wieder - vom Paraffin über Mineralöl bis zur Vaseline", so Müller weiter.

Diese Öle können bei großflächiger Auftragung die Hautatmung und Feuchtigkeitsabgabe der Haut behindern und zum Hitzestau führen. Natürliche Fette und Öle wie Avocadoöl, Kakaobutter, Wollwachsöl oder Kokosnußöl dagegen seien nur in den wenigsten Kosmetikartikel zu finden. Daneben beanstandet der BUND Thüringen, daß in der Regel keine Angaben zur Haltbarkeit der Faschingsschminke auf den Etiketten zu finden seien. Laut Kosmetikverordnung seien nur Erzeugnisse mit einer Mindesthaltbarkeit von 30 Monaten und weniger mit einem Haltbarkeitsnachweis zu versehen. So liege die Vermutung nahe, daß einige Konservierungsstoffe nur hinzugefügt würden, um die Gebote der Kosmetikverordnung zu umgehen. Deshalb fordert der BUND Thüringen vom Hersteller neben der unverschlüsselten Auflistung der Inhaltsstoffe nach CTFA auch, daß das Herstellungs- und Verfallsdatum in jedem Fall auf dem Etikett zu erkennen ist. Zur Durchsetzung dieser Forderungen sei auch der Gesetzgeber maßgeblich gefragt, so der Umweltverband.

Den Närrinnen und Narren rät der BUND allgemein: Riecht der Lippenstift ranzig, trennt sich das Wasser vom Öl des Make-ups, treten ungewöhnliche Verfärbungen auf und kommt auch nach längerer Zeit nur Flüssiges aus der Tube, sollten diese Kosmetika besser nicht mehr verwendet werden." Ferner solle man generell eine Tagescreme unter der Faschingsschminke verwenden und bei allergischen Reaktionen nicht nur den Arzt aufsuchen, sondern auch der Herstellerfirma Meldung darüber erstatten.
Für Allergiker gelte grundsätzlich, auf Faschingsschminke zu verzichten, um allergische Reaktionen auszuschließen. "Diese Personengruppe soll sicherheitshalber ganz von Schminke Abstand nehmen und auf Masken, Brillen, Pappnasen und ähnliches zurückgreifen", so Müller abschließend.

9. Februar 1996

Lebensraum des Monats Februar: Der Graben

In Thüringen wurden schon im vergangenen „Europäischen Naturschutzjahr“ 1995 keine Meilensteine für den Naturschutz gesetzt. Im „Jahr danach“ droht dem Naturschutz im Freistaate mehr denn je zuvor, vielen anderen Belangen untergeordnet zu werden.
Das ist für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, Grund genug, die Reihe „Lebensraum des Monats“ beharrlich weiterzuführen. Sie soll auch ein Lichtblick im traurigen Einerlei der Meldungen über die fortschreitende Naturzerstörung beispielsweise durch Bergbau-Vorhaben sein. Der Öffentlichkeit sollen dabei gefährdete Lebensräume für Tiere und Pflanzen bewußter gemacht werden. Vorrangig wird auf die nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes besonders geschützten Biotope eingegangen.

Der Merzegraben bei Tiefenort (Wartburgkreis)

Als aktuellstes Vorhaben der BUND-Ortsgruppe Krayenberg im Wartburgkreis soll die Unterschutzstellung des etwa 1100 Meter langen, durchschnittlich 25 breiten Merzegrabens in der Flur Tiefenort unterstützt werden.
Die Untere Naturschutzbehörde des Wartburgkreises hat dazu bereits ein Gutachten erstellen lassen, das die Schutzwürdigkeit unter Beweis stellt und diese auch dringend anrät.

Bedeutsam wird der Merzegraben durch eine Vernetzung verschiedener Biotopformen. Magerrasen wechselt mit Streuobstwiesen, hier finden sich Solitärbestände (z.B. einzelne Großbäume) inmitten von Feldgehölzstreifen - die Vielfalt der Flora fördert eine Vielzahl der unterschiedlichsten Tierarten. Als Rote-Liste-Arten kommen beispielsweise Gemeine Grasnelke, Zauneidechse und Rebhuhn vor. Unter anderem sind im Merzegraben auch viele Insekten- und Käferarten beobachtet worden.

Für die Bewohner der näheren Umgebung ist das Gebiet als Ziel von Spaziergängen lukrativ. Der BUND will einen Lehrpfad einrichten und so naturnah Bildung am konkreten Objekt ermöglichen. Die Mitglieder der Ortsgruppe Krayenberg wollen zusammen mit allen Interessierten in diesem Gebiet Naturschutz praktizieren. Bis dahin sind noch behördliche Schritte nötig. Der BUND wird sich als kompetenter Partner für alle erweisen, denen ernsthaft an der nachhaltigen Entwicklung des Merzegrabens liegt.

1. Februar 1996

BUND-Kritik zur Talsperre Leibis: Landesregierung legt versprochenes Finanzierungskonzept nicht vor

Eisenach. „Die Thüringer Regierung hat der Öffentlichkeit bisher kein Finanzierungskonzept für die Talsperre Leibis vorgelegt“, kritisiert Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, in einer heute veröffentlichten Presseerklärung.

Im November letzten Jahres war nach Querelen in der Regierungskoalition, vor allem in Bezug auf eine eventuelle Privatfinanzierung der Talsperre, der 1. Februar als spätester Termin für die Vorlage eines Finanzierungskonzeptes zwischen CDU und SPD vereinbart worden. Ein entsprechendes Konzept sei aber entweder überhaupt nicht erarbeitet worden, oder es werde vor der Öffentlichkeit geheimgehalten.

Der BUND Thüringen verlangt umgehend eine öffentliche Diskussion des Konzepts. „Die Geheimniskrämerei ist ein weiterer Beleg dafür, daß die überdimensionierte Talsperre eigentlich nicht finanzierbar ist“, so Spielmann weiter. Selbst die im letzten Jahr tätigen Sachverständigen, die der Landesregierung zum Bau der Talsperre Leibis geraten hatten, hätten bestätigt, daß nach der Vollendung der Talsperre auf den Freistaat und die Talsperrenverwaltung jährliche Kosten von 67,8 Millionen Mark allein für die Talsperre Leibis zukämen. Die jährlichen Ausgaben der Talsperrenverwaltung für die Thüringer Trinkwassertalsperren würden sich durch den Bau der Talsperre Leibis von 34,5 Millionen auf 102,3 Millionen praktisch verdreifachen und müßten durch entsprechende Einnahmen gedeckt werden. Bei Umlegung aller Kosten auf das Rohwasserentgelt würde bei gleichem Fernwasserabsatz wie 1994, rund 50 Millionen Kubikmeter, der Preis für das Rohwasserentgelt von derzeit 34 Pfennigen je Kubikmeter auf 1,63 Mark hochschnellen.

30. Januar 1996

Gigantische Naturzerstörung im Herzen des Thüringer Waldes: BUND-Beschwerde bei EU-Kommission wegen geplantem Pumpspeicherwerk Goldisthal

Eisenach. In Zusammenhang mit der Planung des Pumpspeicherwerkes Goldisthal hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, bei der Europäischen Union Beschwerde über mehrere Verstöße gegen geltendes EU-Recht erhoben.

Mit dem Pumpspeicherwerk Goldisthal halte die Thüringer Landesregierung weiter an einem überflüssigen Projekt aus DDR-Zeit fest, kritisiert der BUND in einer heute ver-öffentlichten Presseerklärung. Mit dem Bau des Pumpspeicherwerkes, das eines der größten seiner Art in Mitteleuropa werden solle, gehe nicht nur eine „gigantische Naturzerstörung“ mitten im Herzen des Thüringer Waldes einher, sondern das Projekt sei auch ökonomisch und energiepolitisch unsinnig.

Oberhalb der Gemeinde Goldisthal im Kreis Sonneberg sei geplant, die Schwarza mit einem 67 Meter hohen Damm aufzustauen. 300 Meter darüber solle der Gipfel des Farmdenkopfes, einer der höchsten Erhebungen im Thüringer Wald und Lebensraum des vom Aussterben bedrohten Auerhuhns, weggesprengt und an seiner Stelle ein mehrere Millionen Kubikmeter großes Oberbecken untergebracht werden. Im Berg solle ein riesiges Kavernenkraftwerk entstehen. Bei Stromüberschuß würden die Wassermassen aus dem Unterbecken den Berg hochgepumpt; bei Strombedarf flössen sie über Turbinen wieder hinab. Gigantische Wasserbewegungen würden im Unterbecken eine tägliche Hebung und Senkung des Wasserspiegels bis zu 30 Metern hervorrufen.

„Solch gigantische Pumpspeicherwerke sind keine umweltfreundlichen Stromerzeuger, sondern Steigbügelhalter der Energieverschwendung“, so Michael Spielmann, BUND-Landesgeschäftsführer in Thüringen. Sie seien die technische Voraussetzung für den Betrieb von Atommeilern und anderen Großkraftwerken. Denn einerseits müßten bei Ausfall eines Großkraftwerkes große Strommengen in Sekundenschnelle im Netz verfügbar sein, und andererseits verlangten Großkraftwerke einen vom schwankenden Stromverbrauch unabhängigen Dauerbetrieb. Mit Pumpspeicherwerken ließe sich dafür „überschüssiger“ Strom speichern, bis er zur Anwendung käme.

„Dieses Projekt steht einer Wende in der Energiepolitik entgegen, weil hier mit Steuer-geldern die Energieverschwendung subventioniert wird“, so Spielmann weiter.

Mit der Planung des Pumpspeicherwerkes Goldisthal werde zudem gegen die EU-Richtlinie über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP-Richtlinie - 85/337/EWG), gegen die europäische Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) und gegen die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU (FFH-Richtlinie - 92/43/EWG) verstoßen, so der BUND in seinem Brief an die EU. Der BUND kritisierte darin neben der Ausrottung von Rote-Liste-Arten in den Naturschutzgebieten Schwarzatal und Wurzelfarmde vor allem, daß die Raumordnungsbehörde keine Alternativen zum Bau des überflüssigen Pumpspeicherwerkes geprüft habe. Der Vorhabensträger, das Stromversorgungsunternehmen VEAG, berufe sich bei der Planung lediglich auf Standortuntersuchungen, die bereits zu DDR-Zeiten den Standort Goldisthal als für das Bauvorhaben „am besten geeignet“ festgeklopft hätten.

Von der zuständigen EU-Kommission fordert der BUND nun, den Sachverhalt zu prüfen und mögliche Verstöße gegen das Gemeinschaftsrecht umgehend zu ahnden. Angesichts des in Kürze zu erwartenden Planfeststellungsbeschlusses und des noch für dieses Frühjahr angekündigten Baubeginns fordert der BUND seitens der EU ein rasches Einschreiten.

24. Januar 1996

Mobilität um jeden Preis? BUND unterstreicht Forderung auf Salzverzicht

Eisenach. "Eis auf Straßen und Wegen bedeutet nicht nur Lebensgefahr für Mensch und Tier, sondern auch für Straßenbäume", so Steffen Müller vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), in einer heute veröffentlichten Presseerklärung. Der Umweltverband weist darin erneut auf die Umweltbelastung durch Streusalze hin.

Was für den Menschen die "Rettung" darstelle, sei nicht nur für die Bäume ein todbringendes Gift. Auch die Qualität des Grundwassers sinke dadurch erheblich:"Da jedes Jahr ein Einpökeln der Natur praktiziert wird, haben die Bäume am Straßenrand und andere Pflanzen und Kleinlebewesen im Boden praktisch keine Chance zum Überleben. Und dies auch, um unseren übertriebenen Mobilitätswahn jeden Tag auf das Neue zu garantieren", so Steffen Müller weiter.

Der BUND schätzt, daß in diesem Winter allein im Raum Eisenach mehr als 200 Tonnen Auftausalze verwendet worden seien. Hinzu komme der private Verbrauch. Rechne man dies auf Thüringen hoch, so müsse man von einer Menge jenseits der 10.000 Tonnen ausgehen, die in diesem Winter bereits gestreut worden seien. Der BUND bedauere jedoch, daß aufgrund der geringen Kooperationsbereitschaft der zuständigen Behörden, die entweder keine oder nur sehr unvollständige Angaben machten, keine genaueren Schätzungen über den Salzverbrauch in Thüringen möglich seien.

Dabei sei die Versalzung der Böden durch Streusalz die häufigste Todesursache für Bäume am Straßenrand. Das Salz schneide die lebensnotwendigen Versorgungsleitbahnen der Bäume ab. Laubbäume würden mitten im Sommer ihr Laub verlieren und schließlich absterben: "Die Bäume verhungern und verdursten innerhalb von wenigen Jahren."

Statt des flächendeckenden Salzeinsatzes, um die Straßen jederzeit eis- und schneefrei zu halten, rät der BUND, vorsichtig und langsam fahren, und möglichst oft das Auto stehen zu lassen. Zugleich begrüßt der BUND, daß in einigen Städten bereits Salzverbote für Nebenstraßen und Salzstreu-Beschränkungen für Hauptstraßen im Winterdienst erlassen worden seien. "Auf Gehwegen reicht meist der Einsatz der Schneeschaufel aus. Sand, Split und ein bißchen Umsicht tun das Übrige", so der BUND abschließend.

17. Januar 1996

Schutzgebietsausweisungen: BUND erneuert seine Kritik

Eisenach. Bezugnehmend auf die jüngsten Äußerungen von Umweltstaatssekretär Stephan Illert hinsichtlich der Schutzgebietsausweisungen erneuert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, heute seine Kritik an der derzeit gängigen Verfahrenspraxis. Der BUND Thüringen betrachte Illerts Ankündigung, noch in diesem Jahr etwa ein Drittel der 203 einstweilig gesicherten Naturschutzgebiete endgültig ausgewiesen zu haben, mit großer Skepsis.

„Die bloße Ankündigung heißt für uns noch lange nicht, daß es wirklich so kommt. Unabdingbare Voraussetzung für zügige und effektive Unterschutzstellungen ist, daß die Spitze des Thüringer Umweltministeriums die Arbeit der ‘Projektgruppe Schutzgebiete’ nicht wieder durch willkürliche und unsachgemäße Eingriffe behindert“, so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Zudem kündigte der Umweltverband an, die Ankündigung Illerts sehr aufmerksam nicht nur bezüglich der Quantität, sondern auch der Qualität der Schutzgebietsverordnungen zu beobachten: „Wir werden sehr wohl registrieren, wenn dabei erneut der Naturschutz anderen Belangen untergeordnet wird.“

Im übrigen komme die echte Nagelprobe, ob hinter den neuen vollmundigen Ankündigungen tatsächlich ein ernstzunehmender politischer Wille stehe, erst noch: „Nur mit einer dauerhaften personellen Verstärkung ist zukünftig die Verwaltung der neuen Schutzgebiete und die überfällige Novellierung vieler älterer Verordnungen machbar“, so Spielmann weiter. Hierbei sei neben dem Umweltminister auch Thüringens Innenminister Richard Dewes gefordert.

12. Januar 1996

Lebensraum des Monats Januar: Der Friedhof

Zum Biotop des Monats Januar hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen den Friedhof gekürt. Als besonderes Großstadtrefugium stellt Dieter Holzapfel vom BUND Jena den altehrwürdigen Jenaer Johannisfriedhof vor.

„Eintreten erwünscht!“ könnte über den Eingängen zu den ehemaligen Grabfeldern stehen, zwischen denen große Ahorn- und Eschenbäume ungestört alt werden konnten. Nur drei Minuten von der City entfernt, bietet der Johannisfriedhof hinter seinen Mauern idealen Lebensraum beispielsweise für 27 verschiedene Vogelarten sowie eine ganze Palette von Käfern, Insekten und Mikroorganismen, die es reichlich in den Mauerfugen, im Totholz und im humusreichen Boden gibt. Durch partielle Mahd der Grünflächen konnten sich im Laufe der Zeit artenreiche Wiesen entwickeln, in denen Glockenblume, Storchenschnabel und wilder Kerbel dominieren. Zusammen mit dem Pflanzenbestand des benachbarten botanischen Gartens wirken sich Mikroklima und Sauerstoffproduktion bis in das Stadtzentrum aus. Über die leicht stadteinwärts geneigten, naturnahen Grünflächen gleiten die Kaltluftströme durch die Straßenzüge - ein mittelalterlicher Bestattungsort sorgt für den „frischen Atem“ einer modernen Industriestadt.

In der Geschlossenheit, scheinbaren Unberührtheit und nachdenklichen Ruhe des Friedhofes liegt für den Besucher ein Reiz, der über den eines künstlichen oder rekonstruierten Parks hinausgeht.
Zu allen vier Jahreszeiten zieht es nicht nur Ruhe- und Erholungssuchende auf den etwa 1,7 Hektar großen Johannisfriedhof. Er ist auch Begegnungsstätte: Sonntags wird andächtig und mit religiöser Würde in der barocken Friedenskirche der evangelische Gottesdienst mit dem Abendmahl gefeiert; in der warmen Jahreszeit trifft man sich im Freien unter anderem zu Kindergeburtstagsfesten, Hochzeiten, Einschulungen, Altennachmittagen und Führungen. Tagesgäste aus aller Welt finden sich ein, um die Grabstätten bekannter Jenaer Bürger zu besichtigen.

Sie alle gehen erholt und um einige Erfahrungen reicher, mit den Einblicken in einen differenzierten Lebensraum, den die evangelische Kirchgemeinde Jena geschaffen und erhalten hat, den sie aufwendig unterhält und als Denkmal schützt. Naturschutz und Denkmalschutz konnten auf dem 700-jährigen, ehemaligen Stadtfriedhof beispielhaft miteinander in Einklang gebracht werden.



BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

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Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
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Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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