22. Dezember 1999

BUND: Siechtum in Thüringens Wäldern hält an

Erfurt. Der heute vom Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar, vorgestellte Waldschadensbericht 1999 zeigt nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V., dass das Siechtum des Waldes auch in Thüringen anhält. Im Gegensatz zu Umweltminister Dr. Sklenar lässt sich nach Ansicht des BUND Thüringen aus dem vorgelegten Lagebericht keine positive Tendenz ablesen.

"Der Waldschadensbericht ist nach wie vor eine Krankenakte. Die Zahlen geben keinen Anlaß zur Euphorie", sagte Ralf-Uwe Beck, Vorsitzender des BUND Thüringen. Mehr als zwei Drittel des Waldes sind sichtbar geschädigt. Die Abnahme der deutlichen Schäden im Vergleich zu Anfang der 90er Jahre sei auf optimale Wetterbedingungen zurückzuführen. Im Gegensatz zum Wetter habe sich aber die Schadstofflast, die dem Wald zugemutet werde, nicht verändert. Sie ist weiter ungebremst.

"Alle schauen auf die Kronen. Der Wald stirbt aber von unten, vom Boden aus" erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Der unverminderte Stickstoffeintrag aus der Intensivlandwirtschaft und dem Autoverkehr führt zur Überdüngung der Waldböden. Dadurch kommt es zu radikalen Veränderungen in der Bodenvegetation. Stickstoffzeiger verdrängen andere Pflanzenarten. Die Artenvielfalt schwindet und die Naturverjüngung bleibt aus. Im offiziellen Waldschadensbericht der Bundesregierung ist bei 99% der deutschen Wälder die Stickstoffbelastung überschritten.

"Wir brauchen eine Gesundheitsvorsorge für den Wald", fordert der Vorsitzende des BUND, Ralf-Uwe Beck. Das heißt für den BUND: eine Politik, die konsequent auf Emissionsminderung ausgelegt ist, durch
-    eine Verkehrspolitik, die auf Verkehrsvermeidung setzt
-    eine Landwirtschaftspolitik, die auf Extensivierung setzt
-    eine Energiepolitik, die auf regenerative Energien setzt.

7. Dezember 1999

Naturschutzrechtliches Verfahren im Gipskarstgebiet "Rüdigsdorfer Schweiz" nur eine Farce? – BUND kritisiert Rechtsauffassung von Staatssekretär Illert

Mit Verwunderung hat der BUND Landesverband Thüringen Äußerungen von Stephan Illert, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt zum Befreiungsverfahren im Naturschutzgebiet "Rüdigsdorfer Schweiz" zur Kenntnis genommen. Die Südharzer Gipswerke wollen einen Weg quer durch das NSG für Schwerlastverkehr nutzen, um Gips aus dem angrenzenden Steinbruch abzufahren. Im Verfahren soll geprüft werden, ob für den Weg eine Befreiung aus der Naturschutzgebietsverordnung erteilt werden kann. In einem Interview mit einem regionalen Anzeigenblatt stellte Staatssekretär Illert die Befreiung unter Hinweis auf den "Gipskompromiss" bereits als beschlossen dar. Zeitgleich führte der für das Verfahren zuständige Leiter der Abteilung Naturschutz im Landesverwaltungsamt, Dr. Krapf, vor Ort eine Anhörung mit den Naturschutzverbänden und Vertretern der Gipsindustrie durch.

"Damit wird das gesamte Verfahren zu einer Farce degradiert", kritisierte Michael Spielmann, vom Landesvorstand des BUND. Das stört den Staatssekretär scheinbar wenig. Für ihn kommt es nur noch darauf an, daß der Weg "nach seiner Befreiung von der dort wirksamen Naturschutzverordnung rechtlich abgehandelt" wird. "So ist es abgemacht und so geschieht es auch", wird Herr Illert in dem Interview weiterhin zitiert. Dabei bezieht sich der Staatsekretär auf einen Kompromiss, der zwischen der Landesregierung und der Gipsindustrie ausgehandelt wurde. In diesem Kompromiss wurden den weltweit operierenden Gipsunternehmen Heidelberger Zement und Knauf Teile der einzigartigen Nordhäuser Gipskarstlandschaft zum Abbau überlassen. Auch die Nutzung des Weges durch das NSG "Rüdigsdorfer Schweiz" ist Bestandteil dieses Kompromisses.

"Jetzt soll der Deal zwischen Gipsindustrie und Landesregierung nachträglich durch ein förmliches Befreiungsverfahren legitimiert werden", vermutet Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND. "Der Ortstermin in der Rüdigsdorfer Schweiz war zwar eine reine Show-Veranstaltung. Wir freuen uns aber schon auf den nächsten Akt der Vorstellung, weil wir dann die Regie übernehmen werden. " Dr. Vogel kündigte an, daß der BUND gemeinsam mit Initiativen und Interessensgruppen aus der Region gegen den Raubbau im Südharzer Gipsgürtel mobil machen wird.

11. November 1999

Naturparkverordnung "Thüringer Wald" BUND bezeichnet Verordnungsentwurf als "zahnlosen Papiertiger"

Als "zahnlosen Papiertiger" bezeichnet der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e. V. in einer heute veröffentlichten Presseerklärung den Entwurf der Naturparkverordnung "Thüringer Wald". In einer Stellungnahme zum Verordnungsentwurf kritisiert der BUND, daß die Naturparkverordnung ihre selbst formulierten Schutzziele verfehlt.

"Der Verordnung wurden die Zähne gezogen. Der Schutz der naturnahen Wälder und der historisch gewachsenen Kulturlandschaft mit ihrer Arten-und Biotopvielfalt ist nicht mehr gewährleistet", erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Er verweist dabei auf die Tatsache, daß in einem ursprünglichen Entwurf ein dreistufiges Zonierungskonzept vorgesehen war. In Zone 1 sollte auf 20 % der Fläche Naturschutz Vorrang haben. Dadurch sollte der Naturschutzwert der Landschaft gesichert und eine ausreichende Steuerung der nachhaltigen Regionalentwicklung ermöglicht werden.

In den kürzlich veröffentlichten Regionalen Raumordnungsplänen ist eine entsprechende Zonierung für den Naturpark Thüringer Wald bereits vorgesehen. Obwohl diese Pläne mit allen Trägern öffentlicher Belange im politischen Raum abgestimmt wurden und obwohl sie behördenverbindlich sind, hat das Thüringer Landesverwaltungsamt die Zonierung im vorliegenden Verordnungsentwurf nicht umgesetzt. Stattdessen soll der Naturpark in Landschaftsschutzgebiete; Naturschutzgebiete und nicht geschützte Flächen gegliedert werden. Vorbild für dieses Konzept ist der Naturpark Nossentiner-Schwintzer Heide. Während dort jedoch der Anteil der Naturschutzgebietsfläche bereits rund 20% des gesamten Parks beträgt, liegt er im Thüringer Wald nur bei 3-4 %.

Für den Landesgeschäftsführer Dr. Vogel widerspricht der Verordnungsentwurf eindeutig den in den RROP verbindlich festgelegten Zielen der Landesplanung.

"Ohne eine naturschutzfachlich begründete Zonierung verkommt die einzigartige Landschaft des Naturparks "Thüringer Wald" im Herzen Europas zu einem drittklassigen Freizeitpark", prophezeit Dr. Vogel.

1. Oktober 1999

Bund Thüringen zur neuen Landesregierung: " Verpaßte Chance für einen Neuanfang in der Umweltpolitik"

"Eine verpaßte Chance für einen Neuanfang in der Umweltpolitik Thüringens". Mit diesen Worten kommentierte Ralf-Uwe Beck, Vorsitzender des BUND Landesverband Thüringen, die Zusammensetzung der neuen Landesregierung anläßlich der heutigen Vereidigung des Kabinetts. "Offenbar war Ministerpräsident Dr. Vogel nicht bereit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und Natur und Umwelt am Kabinettstisch eine eigenständige Stimme zu verleihen", so Beck.

Der Vorsitzende des BUND kritisierte, daß auch in der neuen Landesregierung Landwirtschaft und Umwelt gemeinsam in der Verantwortung nur eines Ministers lägen. "Wir haben überhaupt keine Probleme mit dem bekanntermaßen guten Verhältnis von Minister Dr. Sklenar zu den Landwirten. Natur-und Umweltschutz dürfen aber nicht zu den ungeliebten Stiefkindern in der künftigen Regierungspolitik des Freistaates werden", sagte Beck.

Deshalb habe der BUND auch mit großem Interesse die Verlagerung der Raumordnung und Landesplanung in die Staatskanzlei registriert. "Wir werden aufmerksam verfolgen, ob Minister Gnauck seine neu gewonnenen Kompetenzen nutzen wird, um die Weichen für eine nachhaltige Landesentwicklung im Sinne der AGENDA 21 in Thüringen zu stellen", erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND.

Der BUND-Vorsitzende Beck forderte die Minister Jürgen Gnauck und Dr. Volker Sklenar auf, mit der neuen Legislaturperiode auch eine Trendwende in der Thüringer Umweltpolitik einzuleiten. Der BUND stünde hierzu als Partner jederzeit bereit.

23. September 1999

Fehlender ICE war nicht "Killerkriterium" für Porsche-Entscheidung – BUND ruft zu mehr Sachlichkeit auf

Der fehlende ICE-Anschluß ist nicht das "entscheidende Killerkriterium" für die Nichtansiedlung des Porschewerkes in Erfurt, erklärte der Chef der Porsche-Presseabteilung, Christian Dau, am Donnerstag in Stuttgart gegenüber dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Thüringen. Dau bestätigte, dass die Entscheidung für Leipzig aus einem Mix an Gründen heraus getroffen worden sei. Der BUND ruft daher zu mehr Sachlichkeit in der Diskussion auf. Wenn Porsche sich für Leipzig als Standort entschieden hat, dann darf dies nun in Thüringen nicht als demagogische Kampagne gegen verkehrspolitische Entscheidungen der Bundesregierung mißbraucht werden, fordert der BUND.

Es ist auch nicht seriös, immer wieder zu behaupten, Erfurt sei nun ohne ICE vom Rest der Welt abgehängt. Diese Stimmungsmacher benutzen wahrscheinlich keine Züge. Denn erstens gibt es gut funktionierende IC-Anbindungen und zweitens wird es ja bereits im nächsten Jahr eine ICE-T Anbindung Erfurt-Kassel-Paderborn geben. Der BUND wiederholt seine ablehnende Haltung gegenüber einer ICE-Neubautrasse Nürnberg-Erfurt. Die Eingriffe in den Thüringer Wald sind zu gravierend. Statt unzumutbar hohe Kosten für schnellste Verbindungen mit wenigen Haltepunkten auszugeben, sollte mehr in die Mitte-Deutschland-Bahn, die Sachsen-Franken-Magistrale und in effektive Verbindungen innerhalb Thüringens investiert werden.

26. August 1999

BUND Thüringen: Entscheidung des VG Gera zur Talsperre Leibis ist ein Teilerfolg für den Naturschutz

Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e. V. (BUND Thüringen) bewertet die Entscheidung des VG Gera zur Talsperre Leibis als Teilerfolg. Zwar sei es nicht gelungen, den Baubeginn zu verhindern. Allerdings habe man erreicht, daß die Ausgleichsmaßnahmen für das Auerhuhn, welches durch den Talsperrenbau in Thüringen vom Aussterben bedroht ist, gleichzeitig mit dem Baubeginn umgesetzt werden müßten. Außerdem habe das Gericht die Erfolgsaussichten des vom BUND eingelegten Widerspruchs gegen das geplante Großprojekt beim Landesverwaltungsamt ausdrücklich als offen bezeichnet.

"Wir sind optimistischer denn je, daß das endgültige Aus für die Talsperre Leibis kommt", sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer BUND Thüringen. "Das Gericht hat unsere Bedenken gegen das Großprojekt Leibis aufgrund eines rückläufigen Trinkwasserbedarfes in Thüringen anerkannt. Das sollte auch den Politikern hinsichtlich der Notwendigkeit von Leibis zu denken geben."

Allerdings habe das Gericht zur Überprüfung der Bedarfsprognosen auf ein entsprechendes Hauptsacheverfahren verwiesen. Da es sich bei den jetzt beginnenden Baumaßnahmen um vorbereitende Maßnahmen handelt, die jederzeit rückgängig gemacht werden können, werde der BUND voraussichtlich keine Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Gera einlegen. Der BUND werde vielmehr die Entscheidung des Landesverwaltungsamtes zu dem von ihm eingelegten Widerspruch gegen das Planfeststellungsverfahren abwarten. Erst danach werde der BUND entscheiden, ob er in einem Hauptsacheverfahren gegen das Großprojekt klagen werde. Der BUND erwartet, daß die seit fast einem Jahr ausstehende Entscheidung des Landesverwaltungsamtes nun endlich gefällt wird. Weiterhin werde der BUND voraussichtlich zeitnah eine Beschwerde bei der Kommission in Brüssel wegen des Verstoßes gegen die FFH-Richtlinie einreichen.

"Es ist noch nicht zu spät, umzudenken. Für das Milliardenprojekt Leibis gibt es keinen Bedarf!", appellierte Dr. Vogel an die Politiker.

19. August 1999

Renaturierungsgutachten zeigt Chancen für ein grünes Lichtetal – Renaturierung kostengünstiger als offiziell prognostiziert – Gutachten ist ein weiteres Argument gegen die Talsperre Leibis

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) und die BUNDstiftung David haben heute in Erfurt ein Konzept für die Renaturierung des durch den Bau der Talsperre Leibis bedrohten Lichtetales vorgestellt. In dem von Prof. Wolfgang Schmidt vom Institut für Waldbau der Universität Göttingen erstellten Gutachten wird in drei Szenarien aufgezeigt, wie sich das vor 5 bis 10 Jahren kahlgeschlagene Lichtetal in den nächsten Jahrzehnten entwickeln könnte. Das von der BUNDstiftung David in Auftrag gegebene Gutachten widerspreche dem von Leibis-Befürwortern immer wieder vorgebrachten Argument eines ,,verlorenen Tales“, das nur noch überstaut werden könne, resümiert der BUND.

Prof. Wolfgang Schmidt prognostiziert, daß sich auf den ehemals kahlen Flächen langfristig auch ohne das Zutun des Menschen ein natürlicher und stabiler Mischwald entwickeln wird. Schon heute ist der größte Teil des Tales wieder bewaldet. Im Schutz eines dichten Birkenwaldes würden bald andere Baumarten wie Fichte und Buche emporwachsen. „Das Gutachten geht von drei möglichen Wegen der Renaturierung aus. Eines der Szenarien sieht eine Aufforstung nach forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten vor. Das zweite ist ein Naturschutzkonzept mit intensiver Biotoppflege. Und das dritte Szenarium setzt auf Sukzession, also darauf, den Wald einfach wachsen zu lassen“, stellt Adrian Johst von der BUNDstiftung David den Inhalt vor.

Zudem bilanziere das Gutachten die Kosten der Renaturierung. Selbst die Realisierung des ersten und teuersten der drei Szenarien würde nur 2,5 Millionen DM kosten und läge damit weit unter den bisher von offizieller Seite prognostizierten Renaturierungskosten von 50 Millionen DM.

Die Kostenreduzierung resultiere unter anderem daraus, daß auf den Rückbau der Asphaltstraßen verzichtet werden könne. Das wieder grüne und sich wiederbewaldende Tal könne mit seiner Offenheit viele Besucher anlocken. Die Straßen könnten dann für eine sanfte Besucherlenkung genutzt werden.

,,Das Gutachten zeigt, daß das Lichtetal ohne die Talsperre nicht verloren ist, wie immer wieder behauptet wird. Die Wunden im Lichtetal heilen schneller als angenommen. Die Natur holt sich das Tal zurück. Wenn auf den Bau der unsinnigen Talsperre verzichtet wird, bleiben keine zerstörten Hänge zurück, sondern ein grünes Lichtetal mit Chancen für die ganze Region“, so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Der BUND Thüringen mache sich dafür stark, den Wald im Lichtetal auf natürliche Weise wachsen zu lassen. Dies sei mit nur 120.000 DM die billigste Variante. Außerdem könne so die gewaltige Regenerationsfähigkeit der Natur miterlebt werden, was sowohl wissenschaftlich als auch touristisch interessant sei.
Das Gutachten entlarvt nach Ansicht des BUND, daß die Kosten bei einem Verzicht auf die Talsperre bisher künstlich hochgerechnet Worden seien. Mit dem Ausstieg aus dem ökologisch wie ökonomisch sinnlosen Talsperrenprojekt könne der Freistaat erhebliche Summen sparen. Der BUND fordere deshalb mehr denn je, auf das Dinosaurierprojekt aus DDR-Zeiten zu verzichten.

5. August 1999

BUND Thüringen: Holzeinschlag im Nationalpark Hainich Affront des Bundes gegen Thüringen – Sklenar darf ,,Ein Schritt vor, zwei zurück“ nicht mitmachen – Nationalpark braucht Holzeinschlag wie der Fisch das Fahrrad

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat Umweltminister Sklenar aufgefordert, einen weiteren Holzeinschlag des Bundes im Nationalpark Hainich nicht zuzulassen. In dem am 01. Oktober beginnenden Forstwirtschaftsjahr 2000 plane die Bundesforstverwaltung, so der BUND, insgesamt 30.000 Festmeter einzuschlagen.

Nachdem zwischen Bund und Land vereinbart Worden war, im Forstwirtschaftsjahr 1999 lediglich ca. 6.000 Festmeter Nadelholz einzuschlagen, sei die geplante Verfünffachung des Holzeinschlages und die damit verbundenen Eingriffe in Laubholzbestände ein Affront des Bundes gegen die Naturschutzinteressen des Freistaates Thüringen und den Nationalpark Hainich.

„Minister Sklenar muß mit geradem Rückgrat die Verhandlungen führen und den Bund an seine Verantwortung für das nationale Naturerbe erinnern. Faule Kompromisse auf Kosten des Nationalparks darf er nicht zulassen“, fordert Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Im letzten Jahr sei ein Schritt in die richtige Richtung gemacht Worden. Sklenar selbst habe die Vereinbarung für das Forstwirtschaftsjahr 1999 als wesentlichen Schritt für die Entwicklung des Nationalparks bezeichnet und das Ergebnis zum Maßstab für den Pflege- und Entwicklungsplan gemacht. Dies müsse Ausgangspunkt für die Verhandlungen sein. Sklenar dürfe diesen Affentanz „Ein Schritt vor, zwei zurück“ nicht mitmachen.

„Die Bäume im Nationalpark Hainich müssen da bleiben, wo sie sind. Der Nationalpark braucht den Holzeinschlag wie der Fisch das Fahrrad“, so Beck abschließend.

2. August 1999

Dr. B. Vogel jetzt beim BUND – BUND Thüringen hat neuen Landesgeschäftsführer

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat seit Anfang August einen neuen Landesgeschäftsführer. Dr. Burkhard Vogel hat die Nachfolge des Ende 1998 ausgeschiedenen Michael Spielmann angetreten.

Der aus dem Saarland stammende 34jährige Biologe hat über ein Naturschutzthema promoviert und war bisher im universitären Bereich als Projektleiter tätig. „Ich verlasse bewußt die wissenschaftliche Laufbahn, weil ich mich dafür einsetzen möchte, daß der Naturschutz politikfähig wird. Der Naturschutz darf sich nicht nur in der Biotoppflege erschöpfen, er verlangt nach politischem Engagement, deshalb bin ich zum BUND Thüringen gegangen“, so der neue Landesgeschäftsführer.

Die Entscheidung, einen politisch ambitionierten Biologen in das Amt zu berufen, sei auch vor dem Hintergrund der zögerlichen Naturschutzpolitik der Landesregierung erfolgt, erläuterte der Landesvorsitzende des BUND Thüringen, Ralf-Uwe Beck. Der BUND Thüringen wolle seine Aktivitäten für die Entwicklung des Nationalpark Hainich, die Sicherung des Grünen Bandes und ein Biosphärenreservat Südharz verstärken.

Zu den Aufgaben von Dr. Burkhard Vogel gehört neben der Leitung der Landesgeschäftsstelle die Koordination der politischen Arbeit des BUND Thüringen. Dabei sei der Kontakt zu den BUNDgruppen wichtig. Sie seien die eigentliche Stärke des BUND. Gefragt sei der Landesgeschäftsführer aber auch bei der Erarbeitung von fachlichen Positionen und Stellungnahmen bei Planungsverfahren.

29. Juli 1999

Neue Chance für das Bessere Bahnkonzept: BUND Thüringen und der Bund Naturschutz in Bayern fordern schnelle und attraktive Fernverkehrsverbindungen für Thüringen und Nordbayern als Konsequenz der neuen Bahnstrategie Netz 21 und der Aufgabe der ICE-Neubaus

Als hoffnungsvolles Signal für ökologische und ökonomische Vernunft in der Bahnpolitik und Gewinn für das bestehende Bahnnetz in Bayern, Thüringen und Sachsen bewertet der BUND die neue Investitionsstrategie Netz 21 und das Aus für die ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt. Der Beschluß, die bestehende Strecke Nürnberg-Lichtenfels-Saalfeld—Berlin und die Sachsen-Franken-Magistrale für ICE mit Neigetechnik auszubauen ist ein erster, wichtiger Schritt für das vom BUND und Bürgerinitiativen vorgeschlagene "Bessere Bahnkonzept". Diese mutige Entscheidung von Verkehrsminister Franz Müntefering und Bahnchef Johannes Ludewig eröffnet der gesamten Region eine bessere Bahnzukunft, wenn die Vorschläge für einen attraktiven Ausbau des Gesamtnetzes schnell umgesetzt werden.

In einer vom Bund Naturschutz mit in Auftrag gegebenen "Untersuchung der Notwendigkeit von Ausbau-/Neubaumalinahmen im Eisenbahnverkehr zwischen Bayern und Thüringen/Sachsen" wurde schon im Jahr 1993 dieses Alternativkonzepts wissenschaftlich untersucht und seine Machbarkeit in Bezug auf Kapazität im Personen und Güterverkehr, Streckenführung, Kosten, Fahrplangestaltung/Taktverkehr und Erschließungsfunktion nachgewiesen. Das Alternativkonzept setzt auf den konsequenten Ausbau/Lückenschluß mit Kurvenbegradigungen und kurzen Neubauabschnitten, Elektrifizierung, Beschleunigung und Einsatz von modernen ICE mit Neigetechnik auf den bestehenden Hauptlinien

  • Nürnberg-Lichtenfels-Saalfeld-Jena-Berlin
  • Nürnberg-Bayreuth-Hof-Plauen-Berlin 1
  • München-Regensburg-Hof-Leipzig-Berlin
  • Stuttgart-Würzburg-Suhl-Erfurt-Berlin
  • Coburg-Hildburghausen-Suhl-Erfurt

Bei einem Investitionsvolumen von 5.500 Millionen Mark bei einer Gesamtlange aller Baumaßnahmen von 900 km würde für den Fern-, Regional- und Nahverkehr in Nordbayern und Thüringen und Sachsen ein attraktiver "Integraler Taktfahrplan" möglich.

Bei den Reisegeschwindigkeiten würden sich erhebliche Verbesserungen ergeben: Die derzeitige Fahrtzeit von Nürnberg über Saalfeld nach Berlin würde von fünf Stunden und 20 Minuten auf unter vier Stunden verkürzt, obwohl außer Erfurt und Halle/Leipzig auch Zentren wie Erlangen, Bamberg, Coburg, Saalfeld und Jena angebunden würden. Die Fahrzeit auf der aufgegebenen ICE-Neubaustrecke war von der Bahn AG mit ca. drei Stunden angegeben worden.

Für Nordostoberfranken und den Südthüringer Raum wurden unter Berücksichtigung des kurzen in Bau befindlichen Neubaustreckenabschnitts zwischen Erfurt und Traßdorf im Auftrag der Bürgerinitiative "Das bessere Bahnkonzept" detaillierte Planungen von der VIEREGG-RÖSSLER-BOHM GmbH im März 1999 vorgelegt. Sie ermöglichen bei Baukosten von 1,9 Milliarden Mark ein attraktives Fernverkehrsangebot mit Fahrtzeiten z.B. zwischen Erfurt und Nürnberg von einer Stunde und 35 Minuten oder Suhl und Coburg 19 Minuten. Suhl und Lichtenfels würden Knotenbahnhöfe für einen integralen regionalen Taktverkehr.

Der BUND Thüringen und Bund Naturschutz fordern daher:

  • Beschleunigter Ausbau der ICE Strecke Berlin —Saalfeld-Leipzig- Nürnberg für ICE mit Neigetechnik. Prüfung von kurzen Neubau- und Tunnelabschnitten zur Kurvenbegradigung vor Probstzella und Saalfeld.
  • Hildburghausen, Suhl und Coburg sind mit dem Ausbau der Strecke Rodach-Coburg-Lichtenfels und kurzen Ausbau-/Neubauabschnitten zwischen Suhl-Traßdorf-Themar-Rodach in das Fernverkehrsnetz einzubinden und für den Neigetechnik-ICE auszulegen.
  • Für die Durchsetzung dieser offensiven Ausbaustrategie sind die Planfeststellungsbeschlüsse für die alte Planung aufzuheben.
  • Die Thüringer Waldautobahn A71/A73, die teuerste verkehrspolitische Todsünde Deutschlands muß zugunsten intelligenter regionaler Straßenausbaulösungen mit Ortsumfahrungen aufgegeben werden, damit die Bahn nicht zusätzlich konkurriert wird.

Der BUND hat zusammen mit der Bürgerinitiative "Das Bessere Bahnkonzept" vor sieben Jahren die erste Geheimplanung des damaligen Verkehrsministers Günther Krause für die ICE-Neubaustrecke veröffentlicht. Seither wurden fast eine halbe Million Mark und tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit für die Ausarbeitung und Durchsetzung der Alternativen aufgewandt. Obwohl die Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht unter Verweis auf die politische Bedarfsfestlegung gescheitert waren, war der Widerstand in der Region ungebrochen und hat zum Erfolg geführt.

An den Thüringer Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, den Wirtschaftsminister Franz Schuster und die CDU appelliert der BUND, ihre Blockadehaltung gegen die neue Bahnpolitik aufzugeben. Die Landesregierung sollte im Interesse Thüringens und Nordbayerns die Entscheidung der Bundesregierung akzeptieren und in einer Allianz mit allen zukunftsorientierten Kräften länderübergreifend für das bessere Bahnkonzept eintreten.

14. Juli 1999

Neue Bevölkerungsstatistik widerlegt Leibis-Planung – BUND Thüringen sieht Bedenken gegen das Projekt bestätigt

Erfurt. Der Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht sich in seinen Bedenken gegen die Talsperre Leibis durch die jüngsten amtlichen Schätzungen der Europäischen Union zur Bevölkerungsentwicklung bestätigt. Nach Angaben von Eurostat, dem statistischen Amt der EU, wird die Bevölkerung Thüringens bis zum Jahr 2025 deutlich zurückgehen. Gegenüber dem Jahr 1995 werde sich der Bevölkerungsrückgang in diesem Zeitraum auf voraussichtlich 15 Prozent belaufen. „Mit diesen aktuellen Prognosen werden die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zur Talsperre Leibis als Planrechtfertigung zugrunde gelegten Daten nun auch amtlicherseits widerlegt“, kommentiert Michael Spielmann, Landesvorstandsmitglied des BUND Thüringen, die neueste Entwicklung. Der BUND sehe sich damit in seinen Bedenken gegen das Großprojekt bestätigt und erwarte, daß dies auch Auswirkungen im laufenden Verwaltungsgerichtsverfahren haben werde.

Im Gegensatz zu dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Eurostat-Bericht „Regionaler Bevölkerungsrückgang in der EU: Jüngste Trends und künftige Perspektiven“ hatte die Thüringer Landesanstalt für Umwelt in ihrem ,,Bericht: Zweite Prognose Trinkwasserbilanz des Freistaates Thüringen“ von 1998, einen wesentlich geringeren Bevölkerungsrückgang prognostiziert. In einem als „wahrscheinlich“ dargestellten Szenarium würden im Jahr 2015 rund 2.391.000 Menschen in Thüringen leben, 12 Prozent mehr als nun von der EU prognostiziert. Der BUND hatte diese Angaben zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung als ein wesentliches Argument zur Begründung eines Weiterbaus der Talsperre Leibis bereits im Genehmigungsverfahren kritisiert und dies auch zum Bestandteil seiner Klage gegen den Planfeststellungsbeschluß gemacht. Nach Angaben von Spielmann liegen die Euro-Statistiker sehr nahe an den Trendrechnungen, die bereits 1998 im Auftrag des BUND Thüringen angefertigt und im Planfeststellungsverfahren vorgelegt worden seien.

8. Juli 1999

BUND bezeichnet Abschied vom ICE als gute Entscheidung für Thüringen - Ausbau bestehender Strecken verkehrspolitisch, ökologisch und ökonomisch sinnvoller als ICE-Prestigeprojekt

Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat die Entscheidung gegen die ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt und für die Verlagerung der Mittel auf den Ausbau bestehender Strecken als gute Entscheidung für Thüringen begrüßt.

Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen: "Eine gute Entscheidung. Es ist allemal effektiver die Mittel in den Ausbau des Bahnnetzes zu stecken als sie für eine Rennstrecke zu verschwenden. Die Erschließungseffekte für Thüringen sind bei dem angestrebten Netzausbau deutlich größer als bei einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung und dementsprechend auch die wirtschaftlichen Impulse. Die Mitte-Deutschland-Bahn und die Sachsen-Franken-Magistrale sind für die Region entscheidend und werden Fahrgäste anlocken. Die ICE-Trasse hätte nur Magistralen schneller erreichbar gemacht, mehr nicht."

Der BUND sieht in der Entscheidung auch einen großen Erfolg seines jahrelangen Engagements gegen das Großprojekt, Michael Spielmann, ehemaliger Geschäftsführer des BUND Thüringen und Mitglied des Landesvorstandes, erinnerte daran, daß der BUND von Beginn an auf die verkehrspolitisch, ökologisch und ökonomisch verhängnissvollen Folgen einer Querung des Thüringer Waldes hingewiesen habe. Dies habe der Verband auch im Rahmen seiner bereits 1997 angestrengten Klage gegen die sogenannte Bündelungstrasse von A 71 und ICE vorgetragen. "Leider hat das Bundesverwaltungsgericht unsere Argumente gegen die ICE-Trasse, die sich nunmehr als richtig herausgestellt haben, zum damailgen Zeitpunkt schlicht ignoriert. Eine sorgfältigere Prtüfung und mutigere Entscheidung der obersten Verwaltungsrichter hätte verhindert, daß die damalige Bundesregierung kurz vor Toresschluß in Bereich der Bündelungstrasse millionenschwere Bauwerke errichtet und damit den jetzt erfolgten Ausstieg aus dem unsinnigen ICE-Projekt erschwert. Trotzdem ist der jetzt gefundene Kompromiß ein großer Erfolg, weil dem Thüringer Wald nicht ausgleichbare Eingriffe erspart und Gelder für die Mitte-Deutschland-Bahn und andere verkehrspolitische Alternativen freigeschaufelt werden", so Spielmann.

Nach Ansicht von Spielmann besteht Hoffnung, daß sich auch bei anderen Prestigeprojekten, vor allem bei der Südharz-Autobahn A 38 und der Thüringer-Waldautobahn A 71/A 73, nunmehr "realistische Denkweisen durchsetzen und kleine Lösungen anstelle dieser Luftschlösser verwirklicht werden."

1. Juli 1999

BUND: Landesregierung und IHK ignorieren mit starrer ICE-Haltung Thüringer Situation – Anstatt Verschwendung von Steuermilliarden für Prestigeprojekt sollten bestehende Strecken erhalten und ausgebaut werden

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat nach der Mitteilung von Bundesverkehrsminister Müntefering, daß die Entscheidung über die ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt vermutlich erst im September fallen wird, Landesregierung und IHK aufgefordert, die Zeit bis dahin zu nutzen, ihre Position den Thüringer Erfordernissen anzupassen.

Die starre Forderung von Landesregierung und IHK nach Weiterbau der geplanten ICE-Trasse ignoriert nach Ansicht des BUND die tatsachliche Thüringer Situation. Landesregierung und IHK sollten sich für Lösungen einsetzen, die ganz Thüringen zugute kommen, anstatt die Realisierung des ICE-Prestigeprojektes und damit die Verschwendung von Steuermilliarden zu fördern. Sinnvoller sei, mit den für die ICE-Trasse vorgesehenen Mitteln das bestehende Bahnnetz zu erhalten und auszubauen. So käme es nach Ansicht des BUND auf den raschen Ausbau der Mitte-Deutschland-Bahn und der Sachsen-Magistrale an, sowie auf eine bessere Anbindung Südthüringens an den Fernverkehr. Es sei viel effektiver, das bestehende Gesamtnetz zu optimieren als Rennstrecken zu bauen. Erst wenn Regionen angeschlossen würden, würden auch Fahrgaste angelockt.

„Die Landesregierung erweist Thüringen einen Bärendienst, wenn sie auf der selbst in Bahn-Kreisen umstrittenen ICE-Trasse beharrt. Sie riskiert angesichts des unterfinanzierten Bundesverkehrswegeplanes eine alles-oder-nichts-Entscheidung. Besser wäre, für Alternativen einzutreten, so daß die vorgesehenen Mittel auch wirklich in das Thüringer Bahnnetz investiert werden“, so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Die Position der ICE-Lobbyisten sei auch hinsichtlich wirtschaftlicher Argumente nicht nachvollziehbar. Wenn das Investitionsniveau insgesamt erhalten bleibe, seien die Erschließungseffekte bei einem Netzausbau anstatt der Punkt-zu-Punkt-Verbindung deutlich größer. Dies würde nicht nur einen Impuls für die Landeshauptstadt bedeuten sondern für mehrere Zentren.

„Auch die Landesregierung muß einsehen, daß die Mehrzahl der Thüringer nicht in der Landeshauptstadt wohnt und insgesamt nur eine Bahn interessant ist, die Lösungen dafür bietet, schneller von Haustür zu Haustür zu kommen und nicht nur schneller von Metropole zu Metropole“, so Beck abschließend.

Der BUND hat Bundesverkehrsminister Müntefering wiederholt aufgefordert, sich von der Prestigetrasse Nürnberg-Erfurt zu verabschieden und die dafür vorgesehenen Mittel in den tatsächlich dringend erforderlichen Schienenausbau in der Fläche fließen zu lassen.

16. Juni 1999

Der BUND Thüringen veranstaltet großen Umwelt-Kinder-Tag auf dem Erfurter Domplatz: „Kinder erobern die Straße zurück“

Unter dem Motto ,,Kinder erobern die Straße zurück“ haben sich am Mittwoch, dem 16. Juni, auf Einladung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) Erfurter Kinder mehrerer Schulklassen an dem Umwelt-Kinder-Tag auf dem Domplatz beteiligt. In ganz Deutschland haben mehr als 50.000 Kinder bei dem von der BUNDjugend ausgerufenen bundesweiten Umwelt-Kinder-Tag die Frage beantwortet „Was läuft verkehrt am Verkehr?“

Gemeinsam mit den Kindern will der BUND auf den ständig anwachsenden Autoverkehr und die Folgen für die Jüngsten aufmerksam machen. „Kinder sind durch die Körpergröße von Autoabgasen besonders betroffen. Während Kinder meist bis 1,50 Meter groß sind, werden die Schadstoffkonzentrationen oft in 3 Metern Höhe gemessen. Grenzwerte sollten sich aber dort orientieren, wo Kinder die Schadstoffe einatmen.“, so Daniela Hofer vom Landesvorstand des BUND Thüringen. Zusätzlich könnten die kleineren Körper Schadstoffe schlechter verkraften als Erwachsene. Deshalb wolle der BUND bei dem Umwelt-Kinder-Tag die Betroffenen selbst zu Wort kommen lassen.

Nach einer Demonstration zum Erfurter Domplatz mußten sich Erwachsene den Fragen der Kinder stellen. Straßenbahn- und Radfahrern wurde mit kleinen Geschenken „Danke“ gesagt für ihr umweltfreundliches Verhalten. Autofahrer dagegen wurden von den Kindern auf die Probleme und Folgen des Verkehrs aufmerksam gemacht. Ein von den Kindern gestalteter Bus hat die Alternative zum Autoverkehr bunt und spielerisch ins Blickfeld gerückt.

„Autos machen Lärm und Dreck - Fahrräder sind leise. Die Botschaft der Kinder ist so einfach, daß sie auch Erwachsene verstehen können“, sagte Umweltpädagogikstudentin Kristin Bein. ,,Damit die Forderungen und Wünsche der Kinder nicht auf dem Domplatz zurückbleiben, haben sie eine Bildergalerie gestaltet und sie außerdem mit Luftballons überallhin verschickt.“

Damit seien einmal den Erwachsenen Hausaufgaben gestellt. Sie seien gefragt, Antworten zu geben, so der BUND.

24. Mai 1999

Europäischer Tag der Parke am 24. Mai – BUND Thüringen fordert: Nationalpark Hainich entwickeln, Naturschutzgebiete ausweisen und Naturparkverordnung vorlegen, die ihren Namen verdient

Aus Anlaß des ersten „Europäischen Tages der Parke“ am 24. Mai plädiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), die Bewahrung des nationalen Naturerbes als wichtige gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen und den Naturschutz nicht als Stiefkind der Politik zu behandeln.

Der Tag der Parke sei von der europäischen Föderation der Natur— und Nationalparke, EUROPARC, für den 24. Mai ins Leben gerufen Worden. An diesem Tag waren vor 90 Jahren in Schweden die ersten Nationalparke in Europa gegründet worden, erinnert der BUND. Die Nationalpark-Idee, der Schutz wilder Natur, allerdings sei älter. Bereits 1872 sei mit dem Yellowstone Nationalpark im Westen der Vereinigten Staaten von Amerika der erste Nationalpark weltweit geschaffen worden.

Mit der Ausweisung des Nationalpark Hainich am 31.12.1997 habe sich der Freistaat Thüringen in die für die Natur hoffnungsvolle Liste der bisher 14 deutschen Nationalparke eingeschrieben. Aufgabe müsse es jetzt sein, den Nationalpark Hainich zu entwickeln. „Die Schutzzone I mit bisher nur 25 Prozent an der Gesamtfläche des Nationalparks kann und muß ausgeweitet werden. Dabei sollte sich Thüringen an den internationalen IUCN-Kriterien orientieren, die vorsehen, daß 75 Prozent der Nationalparkfläche ungenutzt b1eiben“, so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Von der Bundesregierung verlangte der BUND erneut, den Holzeinschlag im Hainich endlich einzustellen. Hier würden Tatsachen geschaffen, die der Nationalpark-Idee zuwiderlaufen. Gerade für den Bund gelte der Verfassungsgrundsatz ,,Eigentum verpflichtet“. Die Bundesregierung könne sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Deutschland sei im europäischen Vergleich ohnehin Schlußlicht hinsichtlich des Nationalparkanteils, der nur 0,5 Prozent der Landfläche betrage. „Wenn das verantwortliche Bundesfinanzministerium den Nationalpark auf Langholzwagen ablegt, ist das Frevel an unserem Naturerbe“, protestierte Beck.

Von Umweltminister Sklenar forderte der BUND Thüringen aus Anlaß des Tages der Parke eine Muster-Verordnung für die vier Thüringer Naturparke vorzulegen, die auf der Höhe der Zeit sei. Hier komme es darauf an, den Schutz von Landschaft und Kulturlandschaft zu koordinieren. Der derzeit vorliegende Entwurf für den Naturpark Thüringer Wald, der auf eine Zonierung mit entsprechenden Entwicklungszielen verzichte, sei aus Sicht des Naturschutzes wirkungslos und kein Beispiel für eine ernsthafte Naturschutzpolitik, kritisierte der BUND Thüringen.

Außerdem malmt der BUND eine raschere Ausweisung der ehemals einstweilig gesicherten Naturschutzgebiete an. Beim gegenwärtigen Arbeitstempo würde, so rechnet der BUND vor, die Ausweisung der 130 Naturschutzgebiete noch 10 Jahre dauern. Hier sei auch der für das Landesverwaltungsamt zuständige Innenminister Richard Dewes gefragt.

Abschließend, so der BUND, müsse als nächstes größeres Naturschutzvorhaben die Ausweisung des länderübergreifenden Biosphärenreservates Südharz ernsthaft angegangen werden.

18. Mai 1999

Berta Bio-Sau in Thüringen – BUND startet mit aufblasbarem Riesen-Schwein und Info-Ständen Aktionswoche für tiergerechte Haltung – BUND informiert über unhaltbare Zusagen des Fleisch-Handels

In Erfurt hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) am Dienstag seine Aktionswoche „Fleisch ohne Risiko“ gestartet. Mit der 5 Meter großen, aufblasbaren Bio-Sau Berta informiert der Umweltverband über Mißstände im Fleischhandel und wirbt für tiergerechte Haltung.

„Der BUND hat bundesweit 2.500 Supermärkte und Metzger befragt und festgestellt, daß an den Fleischtheken oft mit halbgaren Qualitätssiegeln und Sicherheitszusagen für Fleischqualität geworben wird“, sagte Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen in Erfurt. Außerdem sorge der Wust an Qualitätssiegeln für Verwirrung bei den Kunden. Über 90 Prozent des deutschen Rind- und Schweinefleischs lassen sich nicht mehr garantiert von der Fleischtheke bis zum Ursprungstier zurückverfolgen, so das Ergebnis der BUND-Recherche. Der Umweltverband wirft dem deutschen Fleischhandel und der Bundesregierung „Verbrauchertäuschung und lasche Kontrollvorschriften“ vor.

Zwischen einzelnen Unternehmen habe der BUND große Unterschiede bei Fleischsicherheit und -qualität festgestellt. Generell gelte: „Der konventionelle Fleischhandel ist meist außerstande, Fleischprodukte bis zum Herkunftstier zurückzuverfolgen. Zudem bewirbt er mit großem Aufwand ein vernachlässigbar kleines Öko- oder Markenfleisch-Angebot mit idyllisch klingenden Namen, die auch den Rest des Fleischs zieren sollen“, sagte Beck. Der BUND prangerte vor allem Handelsketten wie Rewe, Lidl & Schwarz und Metro an. Beispielhaft seien dagegen die tegut-Märkte. Besser als Massenware sei freilich auch Fleisch von Metzgern, die noch selber schlachteten.

Nur maximal fünf Prozent des konventionellen Rindfleischs und zehn Prozent des üblichen Schweinefleischs fallen laut BUND unter das Prüfsiegel-Programm der Centralen Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA), das eine Herkunftskontrolle und tiergerechte Haltung gewährleisten soll. Aber auch Fleisch mit CMA-Prüfsiegel stamme oft aus Intensivtierhaltung, die Rinder oder Schweine auf Spaltenböden zwingt und sie mit antibiotisch wirksamen Leistungsförderern mästet. Das sei alles andere als tiergerecht, protestiert der BUND.

„Wer echte Qualität will, kauft Öko-Fleisch.“ Leider liege dessen Anteil in Deutschland erst bei zwei Prozent. „Unser Ziel ist es, den Anteil Öko-Fleisch auf dem deutschen Markt auf zehn Prozent zu steigern“, sagte Beck. Deshalb kooperiere der BUND bei den Aktionen mit ökologisch orientierten Landwirtschaftsbetrieben und regionalen Vermarktungsinitiativen.

Mit seiner Kampagne „Fleisch ohne Risiko“ setzt sich der BUND nicht nur für eine Steigerung des Öko-Fleisch-Anteils ein. Weitere Hauptziele sind ein Totalverbot von Antibiotika in der Tiermast sowie die Verhinderung weiterer Großanlagen der Intensivtierhaltung. „Mit dem EU-weiten Verbot von vier besonders gefährlichen Tiermast-Antibiotika Ende 1998 sind endlich erste Konsequenzen aus tragischen Krankheitsfällen gezogen, bei denen Human-Antibiotika nicht mehr wirksam gegen resistente Bakterien waren“, erklärte Dr. Frank Augsten, Landwirtschaftssprecher des BUND Thüringen. Die Massentier-Ställe der Agrarindustrie seien „regelrechte Trainingslager für widerstandsfähige Bakterien“, da sie im Dauerkontakt mit Antibiotika-Zusätzen im Tierfutter Resistenzen auch gegen bauähnliche Human-Antibiotika entwickeln würden, die dann im Notfall ihre lebensrettende Wirkung verloren. Deshalb müßten auch die vier noch erlaubten Tiermast-Antibiotika verboten werden.

Leider sei die Intensivtierhaltung weiter auf dem Vormarsch. Nach BUND-Recherchen sind, deutschlandweit Käfigbatterien und Gehege für weitere 4,4 Millionen Legehennen und Masthähnchen sowie Anlagen für 320.000 Mastschweine in Planung – bundesweit 56 Großanlagen, davon 34 in den neuen Bundesländern, neun in Thüringen. Trotz aller Beteuerungen der alten und neuen Bundesregierung, sich für tiergerechte Haltung einzusetzen, sei der Trend zu agrarindustriellen Großanlagen ungebrochen. „Ein gigantisches Ausbauprogramm, unter dem vor allem die Tiere, aber auch zarte Ansätze regionaler Landwirtschaft und tiergerechter Haltung zu leiden haben“, schloß Augsten.

Von der Landesregierung verlangte der BUND Thüringen eine stärkere Förderung des ökologischen Landbaus und die Festsetzung von Entwicklungszielen für diesen ,,Königsweg der Landwirtschaft“. Außerdem sei ein stärkeres Engagement gegen die Käfighaltung von Legehennen gefragt. Hier müsse die Umstellung auf Freilandhaltung gefördert werden.

Die Ergebnisse der Fleischrecherche konkret:

Schwarze Schafe: Rewe, Lidl & Schwarz, Metro und Spar

Der Marktführer Rewe geht mit dem nebulösen Slogan, „kontrollierte Fleischqualität“ auf Kundenfang. Das Fleisch stammt aus der Intensivtierhaltung, ein Herkunftsnachweis zurück zum Einzeltier gelingt nicht. Die „Qualität“ beschränkt sich vorrangig auf die Fleischbeschaffenheit, nicht auf die Vorgänge im Stall. Eine unabhängige Kontrolle kann Rewe nicht zweifelsfrei gewährleisten. Das Öko-Programm "Thüringer Naturkost" der Marktgemeinschaft Ökoflur, das Rewe mittlerweile in einigen Filialen Thüringens anbietet, ist zwar lobenswert, aber mengenmäßig sehr gering.

Lidl & Schwarz und Metro bieten nicht einmal Fleisch aus einem Markenprogramm an, sichern keine unabhängige Kontrolle zu und werben nichtssagend mit ,,geprüfte Fachmetzgerei“. Öko-Fleisch fehlt!

Die Spar-Gruppe wirbt mit dem Markenfleisch Güldenländer (CMA-Prüfsiegel), doch dieses wird nicht in allen Filialen angeboten und hat keinen nennenswerten Anteil am Gesamt-Fleischangebot aller Spar-Filialen.

Positivbeispiel: tegut
Die tegut-Kette führt in ihren Märkten zu 100 Prozent CMA-Prüfsiegel-Fleisch. Sie hat ein eigenes Öko-Fleisch-Sortiment (KFF Bio), und vermarktet regional. tegut ist laut Beck „unser Kronzeuge für eine gelungene Symbiose von regionaler Versorgung, Einsatz für eine ökologische und tiergerechte Haltung und Angebot in einem verbraucherfreundlichen, gut erreichbaren Supermarkt“.

21. April 1999

„Moore schützen durch Verzicht auf Torf“ – BUND-Appell an Verbraucher zum Tag der Erde morgen/ Düngewirkung von Torf ein „Ammenmärchen“/ Boden mit Kompost verbessern / Noch knapp 7 Prozent früherer deutscher Moore naturnah

Gartenfreunde und Balkonpflanzen-Liebhaber sollten auf Torf als Mutterboden-Zusatz verzichten und stattdessen möglichst selbst erzeugten Kompost einsetzen. Dazu ruft der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) zum Tag der Erde am kommenden Donnerstag aus Sorge um die europaweit rapide schwindenden Moore auf.

„Allein aus deutschen Hochmooren landen hierzulande Jahr für Jahr rund 7,2 Millionen Kubikmeter Torf in Garten, Blumenkästen und in Pflanzenzucht-Betrieben; Weitere 1,8 Millionen Kubikmeter werden zu Torfkoks, Torfaktivkohle oder zu medizinisch eingesetztem Badetorf verarbeitet. Von unseren ehemals 9000 Quadratkilometer bedeckten Natur-Mooren sind heute nur noch 600 naturnah erhalten, also weniger als sieben Prozent“, sagte Frank Henkel, Stellvertretender Vorsitzende des BUND Thüringen.

„Es ist ein Ammenmärchen, daß Torf in guter Dünger sei und Gartenböden auf Dauer verbessere. Die düngende Wirkung ist sehr gering, weshalb Torf im Erwerbsgartenbau gezielt mit Nährstoffen angereichert wird. Zudem versauert Torf die Gartenboden“, fügte der BUND-Experte hinzu. Besser, billiger und naturverträglicher sei Kompost, wie er in Gärten und Grünanlagen ohnehin anfalle. Mit geringem Aufwand und etwas Geschick lasse sich so der perfekte Bodenverbesserer selber herstellen.

Umweltbewußten Verbrauchern riet der BUND-Experte, auch auf Komposttorf-Gemische zu verzichten, wie sie in Garten-Centern angeboten werden; wenigstens aber sollten Hobby- Gärtner den auf der Verpackung aufgedruckten Torf-Gehalt beachten: „Je mehr Torf drin steckt, umso mehr Moor ist praktisch dahin.“ Zwar begegne die Torf-Industrie Umweltbedenken, indem sie auf das natürliche Nachwachsen von Torfmoosen verweist. „Doch die jetzt geplünderten Moore sind vor 10-20.000 Jahren in der Spät- und Nacheiszeit entstanden. Sie wachsen pro Jahr nur um 0,5 bis 1 Millimeter nach und benötigen mindestens einige hundert Jahre, um sich halbwegs zu regenerieren.“ Nach Ansicht des BUND dürfe Torf nur noch in möglichst nachhaltiger Form zu medizinischen Zwecken (Badetorf) abgebaut werden - in kleinen, von Bauern genutzten Torfstichen.

Bereits 95 Prozent der deutschen Niedermoore seien durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung überformt. In den Hochmooren der Bundesrepublik würden jährlich rund sechs Millionen Kubikmeter Schwarztorf und drei Millionen Kubikmeter schwächer zersetzten Weißtorfs abgebaut, zu 90 Prozent im sehr moorreichen Niedersachsen. „Das Abtorfen zerstört nach und nach auch die letzten Standorte von Tier- und Pflanzenarten, die auf Moore spezialisiert sind“, beklagte Frank Henkel. Darunter seien sehr selten gewordene Gewächse wie das Schmalblättrige Wollgras und der Rundblättrige Sonnentau, viele Libellenarten wie die vom Aussterben bedrohte Hochmoor-Mosaikjungfer, Schmetterlinge wie der in Niedersachsen bereits ausgestorbene Hochmoorgelbling oder die fast ausgerottete Kreuzotter.

15. April 1999

Im 10. Jahr nach Grenzöffnung endlich Hoffnung für das Grüne Band – BUND Thüringen begrüßt Schutzkonzeption von Umweltminister Sklenar

Als Meilenstein des Naturschutzes in Thüringen hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) die heute von Umweltminister Dr. Sklenar vorgestellte Schutzkonzeption für das Grüne Band begrüßt. Damit sei, so der BUND, in Thüringen der Weg zu einer endgültigen Sicherung der ökologisch kostbaren und längsten Biotop-Perlenkette Deutschlands eingeleitet.

„Der BUND hat in den vergangenen Jahren immer wieder den Schutz des Grünen Bandes gefordert. Es freut uns, daß damit jetzt Ernst gemacht wird. So kann tatsachlich noch aus dem ehemaligen Todesstreifen eine geschützte ökologische Lebenslinie werden“, meint Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Das Projekt vermittle den Eindruck modernen Managements. Damit bestünde nunmehr die Chance, das Grüne Band als Lebensraum hunderter bedrohter Pflanzen- und Tierarten, aber auch als „Mahnmal gegen das Vergessen“ zu erhalten.

Mehr als 80% des Grünen Bandes seien nach einer länderübergreifenden Luftbild-Analyse des BUND noch erhalten. „Das Konzept ist so angelegt, daß Probleme bei der Flächensicherung und Koordinierung der Flächennutzung durch eine konstruktive Zusammenarbeit von Naturschutzbehörden, Umweltverbänden und den Betroffenen vor Ort gelöst werden können“, würdigt Frank Henkel, stellvertretender Vorsitzender des BUND Thüringen. Der Dialog mit der Landwirtschaft sei dabei besonders wichtig.

Bereits in den letzten Monaten sei es durch die Konstituierung einer ministeriellen Projektgruppe gelungen, wieder Hoffnung für das „Naturschutzprojekt Deutsche Einheit“ zu wecken. Mit dem erfolgreich angelaufenen länderübergreifenden Pilotprojekt Steinachtal/Linder Ebene, dessen zentraler Bestandteil ein Grenzabschnitt im Landkreis Sonneberg bilde, seien dem Projekt bereits sichtbare Konturen verliehen worden.

Positiv wertet der BUND Thüringen auch den Beschluß der Bundesregierung, keine bundeseigenen Naturschutzflächen mehr aus dem Grünen Band auf dem freien Grundstücksmarkt zu veräußern. Gerade hiergegen hatte der BUND immer wieder protestiert. Der BUND werde sich auch weiterhin für das Grüne Band engagieren und, wo dies notwendig ist, auch Flächen an besonders wertvollen Standorten ankaufen. Bei einer Rettungsaktion des BUND Bundesverbandes im vergangenen Jahr waren Spenden in Hohe von mehr als 300.000 DM zusammengekommen.

26. März 1999

BUND: Auch Hühner haben das Recht auf ein Leben vor dem Tod – Zu Ostern Eier aus artgerechter Tierhaltung bevorzugen

Zum Boykott von Eiern aus Legebatterien hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) aufgerufen. "Wer Kindern zu Ostern mit gefärbten Eiern eine Freude machen mochte, sollte Eier aus artgerechter Tierhaltung bevorzugen und auf solche aus unverantwortbarer Käfighaltung verzichten", so Matthias Kirsten, stellvertretender Vorsitzender des BUND Thüringen. Hühnerbarone und Tierqual-Profiteure dürften nicht länger am Osterfest verdienen. Der BUND fordert das Verbot der Käfigbatterie-Haltung. Vom Land verlangte der BUND, die Umstellung auf Freilandhaltung zu fördern.

Nur die für Legehennen grausame Käfighaltung mache es möglich, daß die Verbraucher für ein Käfig-Ei bloß 15 Pfennig zahlen müßten, sagte Kristina Werner aus der Landesgeschäftsstelle. Das setze freilich den Einsatz von Industriefutter, Wuchsbeschleunigern, Tiermedikamenten und Dauer-Kunstlicht voraus. "Wer heute ein konventionell erzeugtes Ei aufklopft oder Eiernudeln ißt, unterstützt unwissentlich einen der unerträglichsten Auswüchse der industriellen Tierhaltung", so Kristina Werner. Die Hälfte der rund 50 Millionen Käfighennen in Deutschland produzierten in nur rund zweihundert Betrieben Eier am laufenden Band. Manche Eierproduzenten hielten mehr als eine Million Tiere, 94 Prozent der deutschen Eier würden der Intensivhaltung entstammen.

Der BUND ruft dazu auf, verstärkt Eier aus artgerechter Tierhaltung zu kaufen, auch wenn diese teurer seien. Auch Hühner hatten ein Recht auf ein Leben vor dem Tod.

Bei der Vorbereitung des Osterfestes sollten die Bürger auch auf unnötige Verpackung und auf Kunststoffprodukte verzichten. Osternester könnten aus Stroh und Gras gefertigt und so den Kindern die Nähe zur Natur vermittelt werden.

Für das Färben der Eier empfiehlt der BUND Pflanzenfarben, gut geeignet seien aber auch Zwiebelschalen, Gelbwurz, Rote Bete oder Rotkohl, Brennessel, Kamille. Die Pflanzenteile müßten dazu in einem Liter Wasser ausgekocht, die Eier mit Essigwasser abgerieben und in dem Sud hartgekocht werden.

19. März 1999

BUND Thüringen fordert zum Tag des Wassers am 22. März – Erhalt des Gesprings – Lebensgut Nr. 1 nicht Verschmutzung preisgeben – Zusammenhang mit Talsperre Leibis offenkundig

Zum Tag des Wassers am 22. März hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) von der Landesregierung gefordert, an dem Ziel einer lokalen Trinkwasserversorgung festzuhalten. Der Freistaat solle die Plane zur Schließung der ergiebigsten Trinkwasserquelle in Südthüringen, dem Schmalkalder Gespring, aufgeben. Ansonsten werde der lokalen Trinkwasserversorgung ein schwerer Schlag zugefügt.

„Das Lebensgut Nr. 1 muß allen Menschen vor Ort zur Verfügung stehen. Dieser Anspruch wird vom Land hintergangen, wenn der Grundwasserschutz für die Gespringquelle aufgehoben wird", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Schmalkalden solle nach den Planen des Landes mit Fernwasser aus der Talsperre Schönbrunn versorgt werden. Statt der notwendigen Sanierung der Quelle würde sie so der dauerhaften Verschmutzung preisgegeben.

Als Grund für die geplante Schließung des Gesprings führe das Land eine geologisch bedingte Empfindlichkeit der Quelle gegen Verschmutzungen an. Der BUND Thüringen geht jedoch davon aus, daß das Gespringwasser technisch aufbereitet werden könne. Außerdem würden mögliche Belastungen durch den Anschluß Schmalkaldens an die neue Kläranlage deutlich reduziert. Auch sei das Schönbrunn-Wasser nicht besser, es weise hygienische Probleme auf.

„Seit Jahrhunderten versorgt das Gespring Schmalkalden mit Wasser. Die Schmalkalder hängen an ihrer Quelle. Mit der Versorgung aus Talsperrenwasser rückt auch das Bewußtsein für das hohe Gut Wasser in die Ferne", warnt Dietrich Cerff, BUND-Sprecher aus Schmalkalden.

Nach Ansicht des BUND werde mit der Schließung des Gesprings auch der Bau der Talsperre Leibis begründet, die Ostthüringen mit Wasser versorgen soll. Dies könnte allerdings auch von der Mittelthüringer Wasserversorgung her geschehen. Die allerdings müsse nach den Planen der Wasserwirtschaftler herhalten, sollte die Talsperre Schönbrunn mittelfristig renoviert werden. Das Wasser, das von Mittelthüringen aus nach Ostthüringen fließen könnte, muß dann Schmalkalden versorgen. Bleibe also das Gespring erhalten, gäbe es einen guten Grund weniger für den Bau der unsinnigen Talsperre Leibis, folgert der BUND.

12. Februar 1999

BUND wirft IHK und Wirtschaftsminister Ignoranz gegenüber intelligenten Vorschlägen vor - Geldverschwendung und Umweltschäden vorprogrammiert

Erfurt. „Ich nenne das Ignoranz gegenüber intelligenten Vorschlägen“, so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) zu der vorschnellen Ablehnung einer „Kleinen Lösung“ für die Straßenverbindungen zwischen Suhl und Bayern durch den Thüringer Wirtschaftsminister und die IHK Südthüringen.

Die sogenannte „Kleine Lösung“ stärke die regionale Verkehrsleistung und halbiere die Kosten und die Umweltschäden. Außerdem würden Ortsdurchfahrten entlastet. „Wer solche Vorschläge ignoriert, ist verantwortliche für Geldverschwendung und die Zerstörung unserer Landschaften“, kritisiert Beck. Milliardenprojekte verlangten, daß Gutachten, wie das des renommierten Kassler Planungsbüros Prof. von Winning & Partner, erneut geprüft und nicht vorschnell vom Tisch gewischt werden. Den Aufschwung an betonierten Autobahnkilometern festzumachen, offenbare einen verengten Blick.

Die ideologischen Scheuklappen von IHK und Wirtschaftsministerium machten zudem blind gegenüber den unmittelbaren Chancen für die Thüringer Wirtschaft. Das Gutachten weise ausdrücklich daraufhin, daß gerade bei der „Kleinen Lösung“ die regionale Straßenbauwirtschaft Thüringens durch kleine Baulose, eine kontinuierliche Bautätigkeit, angepasste Bautechnik und regionale Vergabe stärker beteiligt würde als beim Autobahnbau, bei dem oft standardisierte Großtechnologie „importiert“ würde.

Der BUND Thüringen biete IHK und Wirtschaftsministerium an, das Gutachten vorzustellen und in ein konstruktives Gespräch einzutreten.



Jahresbericht 2016

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
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Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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