7. Dezember 2000

BUND Thüringen: Waldsterben im Freistaat nimmt zu!

Erfurt. Nach Einschätzung des Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. nimmt das Waldsterben auch in Thüringen weiter zu. Nach kurzer Verschnaufpause in den Jahren 1998 und 1999 zeichne sich vor allem für die Hauptbaumart in Thüringen, die Buche, im heute vorgelegten Waldzustandsbericht des Freistaates wieder ein deutlich negativer Trend ab.

Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen: "Der Wald ist in Thüringen noch längst nicht über dem Berg. Trotzdem begnügt sich die Landesregierung damit, durch die Kalkung der Böden oder den Einschlag geschädigter Bäume an den Symptomen herum zu doktern, statt die Ursachen zu bekämpfen. Das zeigt, wie weit bei der Landesregierung in Sachen Umwelt nicht die Vorsorge sondern die Reparatur-Politik Maßstab des Handelns ist." Nach Ansicht des BUND Thüringen sei die weitere Zunahme der Waldschäden auch auf die anhaltende Schadstoffbelastung von Luft und Böden zurückzuführen. Beim Schwefeldioxid habe sich in den letzten Jahren zwar eine deutliche Verbesserung eingestellt. Dafür steige aber die Belastung durch bodennahes Ozon, welches aus den Auspuffgasen der Kraftfahrzeuge entstehe, weiter. So habe 1999 die Ozonbelastung in den Waldgebieten Thüringens den in der Bundesimmissionsschutzverordnung festgelegten Grenzwert für den Vegetationsschutz um das 2 bis 2,5fache überschritten! Auch die Stickstoffeinträge aus der Intensivlandwirtschaft und dem Autoverkehr hielten sich weiter auf hohem Niveau.

"Der Wald wird regelrecht in die Zange genommen", erklärte Burkhard Vogel. "Saurer Regen und die hohe Ozonbelastung schädigen die Bäume von oben im Kronenbereich. Gleichzeitig führt die Überdüngung und Versauerung der Waldböden zu radikalen Veränderungen an den Baumwurzeln. Kronenverlichtung und absterbendes Wurzelwerk leiten dann den langsamen aber sicheren Tod des Baumes ein."

Ein Waldzustandsbericht, der nur nach oben schaue, zeige daher nur die halbe Wahrheit, vermutet Vogel. Solange sich die Datenerhebung nur auf den Zustand der Kronenverlichtung (noch) stehender Bäume beschränke, sei eine objektive Bewertung des Waldzustandes nicht möglich. Vor allem aber ließe sich durch die jährliche Verkündigung der neuesten Schadensbilanzen nicht die bedrohliche Zunahme der Waldschäden verhindern.

"Gerade beim Wald muss die Vorsorge Vorrang vor der Reparatur haben. Die Zeitmaßstäbe, in denen ein komplexes Ökosystem wie der Wald reagiert, erfordern langfristiges und vorausschauendes Handeln. Die Landesregierung hat es in der Hand, die Emissionen aus dem Verkehr zu reduzieren, die Landwirtschaft zu extensivieren und die Nutzung regenerativer Energien statt der Verfeuerung fossiler Brennstoffe zu forcieren."

30. November 2000

BSE: Mehr Öko-Landbau mit weniger Risiko

Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. und der Thüringer Ökoherz e.V. fordern Landesregierung und Bundesregierung auf, im Interesse der Verbraucher gemeinsam endlich die längst überfällige Ökologisierung und Extensivierung der Agrarpolitik durchzusetzen.

„BSE zeigt, dass die industrielle Intensivtierhaltung in der Landwirtschaft unabschätzbare Risiken für den Verbraucher birgt. Diese Art und Weise des Umgangs mit den landwirtschaftlich genutzten Tieren ist nicht nur ethisch verwerflich und unwürdig, sie stellt auch eine konkrete Gefahr für den Menschen dar. Trotzdem haben Politik und Landwirtschaftslobby immer wieder versucht, die Lebensmittelskandale der letzten Jahre herunterzuspielen.“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Nach Einschätzung von Vogel sind BSE-verseuchtes Rindfleisch, Kontaminationen  mit Dioxinen, Hormonen und Antibiotika, Gen-Food und Salmonellen Auswüchse einer großindustriellen Landwirtschaft, die nicht mit ein paar halbherzigen Verboten und neuen Verordnungen in den Griff zu bekommen sind. Notwendig sei vielmehr eine grundsätzliche Neuorientierung in der Agrarpolitik. Dazu gehöre an erster Stelle die vorrangige Förderung des ökologischen Landbaus und der Regionalvermarktung einheimischer Produkte.

„Im ökologischen Landbau bzw. bei Programmen zur artgerechten Tierhaltung wie Neuland, ist die Verfütterung von Tiermehl schon immer verboten. Insofern hat es letztlich auch der Verbraucher selbst in der Hand, zu entscheiden, welches Risiko er für sich und seine Familie eingehen möchte“, erklärte Vogel.

28. November 2000

BSE: Politik hat jahrelange Warnungen der Umweltverbände ignoriert

Erfurt. Es ist gekommen, wie es kommen musste: Es gibt keine BSE-Freiheit, nicht in Deutschland und vermutlich nirgends in Europa. Der Kampf gegen die Rinderseuche, die für eine neue Form der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit verantwortlich sein soll, ist die Geschichte voller Untätigkeiten, Vertuschungen und Lobbyistentum.

1985 beschreibt ein englischer Tierarzt erstmals neurologische Störungen bei einem Rind, ein Jahr später wird BSE als spezifische Rindererkrankung anerkannt, hervorgerufen durch infiziertes Tiermehl. Die Europäische Kommission lässt sich mit dem Fütterungsverbot von Tiermehl an Wiederkäuer bis 1994 Zeit. Seit dem übertreffen sich Politik, Teile der Wissenschaft und auch der deutsche Bauernverband mit Beteuerungen, dass Deutschland BSE-frei sei. Kein Wort von britischen Rindern, die mit gefälschten Kennzeichnungen über Holland auch nach Deutschland gekommen sind, kein Wort von illegaler Tiermehlverfütterung.

Dazu Dr. Frank Augsten, Geschäftsführer des Fördervereins Thüringer Ökoherz und Agrarexperte des BUND Thüringen: "Umwelt-und Verbraucherschutzorganisationen haben immer auf die kriminelle Energie im internationalen Tierhandel und bei der Konzentrat-Futterproduktion hingewiesen und deshalb stärkere Kontrollen gefordert ¬leider umsonst."

Und auch nach dem Nachweis des ersten offiziellen BSE-Falles in Deutschland scheinen sich Politiker mehr um die eigene reine Weste als um den Verbraucherschutz zu sorgen. Dabei gibt es klare Vorstellungen und Konzepte, wie zunächst einmal das mögliche Ausmaß der BSE-Verseuchung unserer Rinderbestände bestimmt und damit verbunden wirksame Gegenmaßnahmen eingeleitet werden könnten.

Augsten weiter: "Es muss endlich Schluss sein mit dem Politikergezänk auf Kosten der Verbraucher und der Bauern. Statt Schuldzuweisungen brauchen wir jetzt größtmögliche Aufklärung in der Sache. Und den Lobbyisten der gegenwärtigen Agrarpolitik schreiben wir ein weiteres Mal in' s Stammbuch: Es wird endlich Zeit für eine Ökologisierung der landwirtschaftlichen Erzeugung, denn auch die BSE-Krise ist – wie viele Lebensmittelskandale zuvor – die Folge von Profitsucht in Verbindung mit der industriemäßigen Tierhaltung."

25. September 2000

BUND Thüringen: Landesregierung verpasst wieder mal den Anschluss – Bisher kein Forderungskatalog des Freistaates für die Sanierung von Bahnstrecken in Thüringen

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt das Vorhaben von Bundesregierung und Bahn, 2,5 Milliarden aus den UMTS-Versteigerungen ausschließlich für Investitionen in das bestehende Bahnnetz zu nutzen. Gleichzeitig fordert der BUND Thüringen Wirtschaftsminister Schuster auf, schnellstmöglich den Sanierungsbedarf für bestehende Bahnstrecken in Thüringen bei der Bahn anzumelden. Bis Ende September muss die Bahn dem Bundesverkehrsministerium mitteilen, auf welchen Bahnstrecken die zusätzlichen 2,5 Milliarden DM aus dem Erlös der UMTS-Versteigerungen investiert werden sollen.

"Bisher hat die Landesregierung in der Öffentlichkeit immer eifrig auf dem ICE bestanden. Wenn es aber darum geht, Milliardeninvestitionen für die Sanierung bestehender Bahnstrecken einzufordern, bildet Thüringen das Schlusslicht", erklärte Adrian Johst, bahnpolitischer Sprecher des BUND Thüringen. "Vermutlich trübt der "Tunnelblick" bei einigen Landespolitikern die Wahrnehmung für das, was mit den bestehenden Bahnstrecken in Thüringen passiert." Johst appellierte an die Landesregierung, sich endlich für die Sanierung des gesamten Bahnnetzes in Thüringen einzusetzen.

Nach Ansicht des BUND Thüringen sollten die zusätzlichen Finanzmittel in erster Linie für die folgenden Streckenabschnitte eingesetzt werden:

  • zweigleisiger Ausbau und Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Bahn
  • Ausbau der Strecke Naumburg -Erfurt auf Geschwindigkeiten von 160-200km/h
  • Ausbau der Saale-Bahn (Naumburg-Jena-Saalfeld) für Geschwindigkeiten von 160 km/h
  • Wiederherstellung der Thüringer-Wald-Strecken. Hier ruht durch einen Investitionsstopp der Bahn der Verkehr vollständig

"In der Sanierung vieler baufälliger Bahnstrecken sind die 2,5 Milliarden wesentlich zukunftsträchtiger angelegt, als in einer U-Bahn durch den Thüringer Wald", erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

22. September 2000

BUND Thüringen: Naturparkverordnung "Thüringer Wald" ist wie eine taube Nuss

Erfurt. Der BUND Thüringen lehnt den überarbeiteten Entwurf zur Naturparkverordnung "Thüringer Wald" erneut ab. In einer Stellungnahme zum Verordnungsentwurf kritisiert der BUND, dass die Naturparkverordnung fachlich völlig unzureichend und rechtlich wirkungslos sei.

"Der Verordnungsentwurf ist wie eine taube Nuss: außen eine schöne Verpackung, wenn man aber rein schaut, steht nichts drin.", erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. "Eigentlich ist nur noch die Abgrenzung des Naturparks und die Zusammensetzung des Beirates geregelt", so Vogel weiter.

Bei der aus formalen Gründen notwendig gewordenen Neuauslegung habe man sich endgültig vom ursprünglichen Konzept des "Naturparks neuer Prägung" verabschiedet. Wie in den alten Bundesländern habe man mit dem nochmals überarbeiteten Verordnungsentwurf in erster Linie eine Wirtschaftsregion definiert, die dem Massentourismus und der Ansiedelung von Großindustrie im Thüringer Wald alle Möglichkeiten einräume. Auf das Siegel "Naturpark" wolle man nur deshalb nicht verzichten, weil es die Ausschüttung von Fördermitteln garantiere.

Ursprünglich sollte nach Angaben von Vogel der Naturpark "Thüringer Wald" Modell stehen für alle Naturparke "neuer Prägung". Mit einem dreistufigen Zonierungskonzept sollte er gegliedert werden, wie es auch im Thüringer Naturschutzgesetz vorgesehen ist. In Zone 1 sollte auf 20 % der Fläche Naturschutz Vorrang haben. Dadurch sollte der Naturschutzwert der Landschaft gesichert und eine sinnvolle Steuerung der nachhaltigen Regionalentwicklung ermöglicht werden. In den Regionalen Raumordnungsplänen, welche mit allen Trägern öffentlicher Belange im politischen Raum abgestimmt worden seien, sei dieses Konzept bereits vorgesehen worden.

Noch bevor dieses Konzept jedoch in die öffentliche Anhörung ging, sei es ausgehöhlt worden. Statt einer Zonierung mit 20% Naturschutzfläche habe es nur noch eine Gliederung in Naturschutzgebiete mit 4% der Fläche, weitgehend unverbindliche Landschaftsschutzgebiete und nicht geschützte Flächen gegeben. Immerhin habe diese Verordnung noch eine Liste von Vorhaben enthalten, welche innerhalb des Naturparks verboten waren, wie z.B. der Bau von großen Abfallbeseitigungsanlagen.

"Wenn der Verordnungsentwurf so durchgeht, bleiben die naturnahen Wälder und die historisch gewachsenen Kulturlandschaften mit ihrem Artenreichtum im Thüringer Wald auf der Strecke", befürchtet Dr. Vogel.

5. September 2000

10 Jahre BUND Thüringen -Bundesvorsitzende Dr. Angelika Zahrnt zieht positive Bilanz

Erfurt. Die Bundesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Dr. Angelika Zahrnt hat aus Anlass des 10jährigen Bestehens des BUND Thüringen eine überwiegend positive Bilanz gezogen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Landesvorsitzenden des Verbandes, Michael Spielmann, stellte Frau Dr. Zahrnt die Erfolge der bisherigen Arbeit dar, kritisierte jedoch gleichzeitig den geringen Stellenwert, den die Umweltpolitik in Thüringen und insgesamt beim "Aufbau Ost" habe. Den unbestreitbaren Erfolgen beim nachsorgenden Umweltschutz, etwa im Bereich der Luftreinhaltung und der Gewässersanierung, stünden gravierende Fehlentwicklungen wie das gestiegene Müllaufkommen, die zunehmende Flächenversieglung und die ungebremste Verkehrslawine entgegen. Frau Dr. Zahrnt forderte eine "große Koalition aus Politik, Wirtschaft und Verbrauchern, um 10 Jahre nach der Wende endlich eine echte ökologische Modernisierung in den neuen Bundesländern einzuleiten". Nur so könne den drängenden Problemen des Umweltschutzes, vor allem der Klimaveränderung und dem Verlust der biologischen Vielfalt durch das fortschreitende Artensterben, entgegengetreten werden:

"Gerade Thüringen muss begreifen, dass der wichtigste Standortfaktor für das Grüne Herz Deutschlands eine unverbaute Natur ist. Ein intakter Naturhaushalt ist Voraussetzung und Garant zugleich für ein zukunftsfähiges Thüringen", unterstrich die Bundesvorsitzende des BUND, Dr. Angelika Zahrnt. Nach den "Verkehrsprojekten Deutsche Einheit" müssten jetzt endlich die "Naturschutzprojekte Deutsche Einheit" folgen. In Thüringen gehöre dazu der Erhalt des "Grünen Bandes" und die Sicherung landes-und bundeseigener Naturschutzflächen ebenso wie eine "Überlebensbrücke für die Wildkatze" vom Hainich in den Thüringer Wald. Die Bundesvorsitzende forderte den Bundesumweltminister Jürgen Trittin auf, zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ein deutliches Signal für den Erhalt des Grünen Bandes als Biotopverbundsystem zu setzen.

In ihrem Rückblick auf die Arbeit des 1990 gegründeten Verbandes betonte Frau Dr. Zahrnt, dass es gelungen sei, den BUND als ernstzunehmende politische Kraft in Thüringen zu etablieren: "Der BUND Thüringen meldet sich immer wieder zu Wort und er wird gehört", so Frau Dr. Zahrnt. Innerhalb von nur 10 Jahren habe sich der BUND Thüringen zu einem der fachlich kompetentesten und politisch aktivsten Umweltverbände in Ostdeutschland entwickelt. Heute hat der Verband rund 3000 Mitglieder und Förderer, die in 38 Kreis-und Ortsverbänden die vielfaltige Arbeit des BUND auf lokaler und Landesebene tragen.

Als "echter Gewinn" für die Arbeit des Verbandes habe sich der Umzug der Landesgeschäftsstelle von Eisenach nach Erfurt erwiesen. Die räumliche Nähe zur Landespolitik, habe sich positiv auf die politische Lobbyarbeit ausgewirkt, betonte der Landesvorsitzende des BUND Thüringen, Michael Spielmann. Er kündigte an, dass sich der Naturschutzverband zukünftig noch intensiver in die Landespolitik einbringen wolle und dabei verstärkt auch Kooperationen mit anderen Organisationen und Verbänden außerhalb des engeren Umweltbereiches suchen werde. Dabei gehe es dem Verband zunehmend darum, nicht nur ökologische Missstände anzuprangern, sondern umweltverträgliche Alternativen aufzuzeigen und diese selbst umzusetzen.

Spielmann erinnerte daran, dass der BUND Thüringen von Beginn an gegen ökologisch verhängnisvolle Großprojekte gekämpft habe, indem er sie zu politisch umstrittenen Themen gemacht hat. Auch dabei ist er niemals nur als Nein-Sager aufgetreten, sondern habe immer "intelligente Lösungen" als Alternativen zu Naturzerstörung und Landschaftsverbrauch angeboten. Als herausragende Beispiele aus der 10jährigen BUND-Aktivität nannte Spielmann: den Widerstand gegen die großflächige Landschaftszerstörung durch den ungehemmten Rohstoffabbau, vor allem in der Gipskarstlandschaft des Südharzes, den Konflikt um die "Thüringer-Wald-Autobahn" und die .ICE-Strecke, der in der Klage des BUND beim Bundesverwaltungsgericht zum "Bettelmannsholz" gipfelte, sowie die juristische Auseinandersetzung um das VEAG-Pumpspeicherwerk "GoldisthaI" im Thüringer Wald, die in einem außergerichtlichen Vergleich endete. Der BUND Thüringen stiftete das Geld aus dem Vergleich und rief damit die Naturstiftung DA VID ins Leben, die heute Projekte in den Bereichen Naturschutz und regenerative Energien in den Neuen Bundesländern fördert.

Weiterhin aktuell sei der Widerstand gegen die Talsperre Leibis, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des BUND Thüringen ziehe. Mit Anhörungen, Protesten, Veröffentlichungen und vielfaltigen Aktionen habe der BUND bereits frühzeitig auf die Unsinnigkeit dieses Großprojektes hingewiesen. Dabei habe der Verband auch immer wieder Alternativen für eine langfristig gesicherte Trinkwasserversorgung vorgelegt und Perspektiven für das kahlgeschlagene Lichtetal ohne Talsperre eröffnet. Vorläufiger Höhepunkt sei die am 19. April diesen Jahres beim Verwaltungsgericht Gera eingereichte Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss. Spielmann zeigte sich zuversichtlich, dass der BUND auf diesem Weg den Bau der Talsperre und damit die Zerstörung eines der letzten Wildflüsse und die Vernichtung der letzten Auerhuhnpopulation in Thüringen verhindern könne.

BUND-Landesvorsitzender Spielmann hob die besondere Bedeutung des Naturschutzes für die Arbeit des BUND Thüringen hervor. Er wies in diesem Zusammenhang insbesondere auf das "Artenschutzprogramm für die Wildkatze in Thüringen" hin. Mit finanzieller Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt hat der BUND Thüringen von 1995 bis 1999 die Spuren der letzten Raubkatzen in Thüringens Wäldern verfolgt und dabei einzigartige Erkenntnisse zur Lebensweise und zu Schutzmaßnahmen für diese heimlichen Räuber ans Licht gebracht. Nun gelte es diese Erkenntnisse umzusetzen, damit die Wildkatze in Thüringen langfristig eine Überlebensperspektive habe.

Zusätzliche Anstrengungen forderte der BUND auch im Zusammenhang mit der Sicherung des "Grünen Bandes" im ehemaligen Grenzstreifen. Hier sei aktuell vor allem der Bund gefordert, den weiteren Ausverkauf bundeseigener Naturschutzflächen zu stoppen. Doch auch von der Thüringer Landesregierung erwarte der B UND hier ein stärkeres Engagement, etwa durch eine Beschleunigung der derzeit stagnierenden Schutzgebietsausweisungen.

21. September 2000

BUND Thüringen fordert Bürger landesweit zur Beteiligung an der Aktion "In die Stadt - ohne mein Auto" auf

Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) fordert die Bürger in Thüringen dazu auf, sich am europaweiten autofreien Tag zu beteiligen. Das Motto des Tages "In die Stadt -ohne mein Auto" sei eine gute Gelegenheit, die eigenen Mobilitätsgewohnheiten zu überdenken.

Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen: "Die Bürger haben an diesem Tag die Möglichkeit, die Version von der autofreien Stadt Wirklichkeit werden zu lassen. Eine Stadt ohne Verkehrslärm, ohne Abgase, ohne den Stress des Autoverkehrs und mit Raum für die individuelle, autounabhängige Mobilität auf den Straßen ist ein Erlebnis der besonderen Art. Wer sich darauf bewusst einlässt, wird nicht mehr die Frage stellen, was wir tun müssen, um die zunehmenden Verkehrsströme in unseren Städten aufzunehmen. Er wird sich fragen, was wir tun müssen, um die Stadt als Lebensraum für den Menschen wieder zurück zu gewinnen."

Der BUND weist weiter darauf hin, dass gerade in den Städten das Auto längst nicht mehr Garant für uneingeschränkte Freiheit ist. Eine Untersuchung der Europäischen Kommission ergab im Gegenteil, dass europaweit der Straßenverkehr als größte Beeinträchtigung der Lebensqualität gesehen wird. Gleichzeitig hat sich der Verkehr nach Angaben des BUND auch zum Klimakiller Nr. 1 entwickelt. Während in allen klimarelevanten Handlungsfeldern in den letzten Jahren eine Reduktion der Emissionen erreicht werden konnte, haben sich seit 1990 die CO2-Emissonen im Verkehrsbereich um 11 Prozent erhöht.

"Wir brauchen eine ökologische Steuerreform, wenn wir den drohenden Verkehrsinfarkt verhindern wollen", erklärte Vogel. "Der dadurch geförderte Umstieg auf eine ökologische Mobilität wäre ein Gewinn nicht nur für den Umweltschutz sondern auch für die Lebensqualität in unseren Städten."

5. September 2000

BUND Thüringen: Kein Gipsabbau am Kuhberg!

Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. fordert den sofortigen Stopp des Raumordnungsverfahrens zum Gipsabbau am Kuhberg im Landkreis Nordhausen. Die Firma BPB Formula GmbH plant, Gips auf einer Fläche von ca. 18 ha am Kuhberg abzubauen. Die für den geplanten Gipsabbau erforderliche Änderung des Regionalen Raumordnungsplanes Nordthüringen (RROP NTH) lehnt der BUND Thüringen entschieden ab.

"Es ist ganz schön dreist von der Gipsindustrie, den Gipsabbau als "nachhaltige Bewirtschaftung endlicher Ressourcen" zu bezeichnen", erklärte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Dr. Burkhard Vogel anlässlich einer Bürgerversammlung zum Gipsabbau am Dienstag dieser Woche in Niedersachswerfen. "Wenn etwas nachhaltig ist an diesem Gipsabbau, dann die Zerstörung weltweit einzigartiger Lebensräume. Der Gipsabbau reißt Wunden in die Landschaft, die auch nach Jahrhunderten noch sichtbar sind."

In einer ausführlichen Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren hat der BUND Thüringen die von der Firma BPB Formula GmbH als Begründung für den Gipsabbau vorgelegten Zahlen zurückgewiesen. Weder beim allgemeinen Rohgipsbedarf noch beim Bedarf an der Sicherung bestimmter Spezialgips-Qualitäten seien die vorgelegten Zahlen nachvollziehbar.

"Die Firma BPB Formula GmbH prognostiziert als Begründung für ihr Abbauvorhaben einen zusätzlichen Bedarf von 3,8 Mio Tonnen Rohgips pro Jahr in Deutschland. Allein beim Energiekonzern VEAG liegen aber bereits jetzt schon über 3 Mio Tonnen Gips aus der Rauchgasentschwefelung der Braunkohlekraftwerke, sog. REA-Gips, auf Halde. Für diesen Gips, der ohne große Schwierigkeiten als Ersatz für Naturgips verwendet werden kann, sucht die VEAG dringend Abnehmer", erklärte Friedrich Wulf, stellvertretender Vorsitzender des BUND Thüringen.

Wulf wies außerdem auf die vielfachen Möglichkeiten hin, die endlichen Gipsressourcen durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Alleine durch den Ersatz von Gipsplatten, wie sie im Innenausbau verwendet werden, mit Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen (Hanf-, Schilf-, Holz-, oder Strohplatten) könne der jährliche Bedarf an Naturgipsen in Deutschland um mehr als ein Viertel gesenkt werden.

Vogel betonte, dass im Landkreis Nordhausen sich eine ganze Region gegen die Ausdehnung des Gipsabbaus und für eine nachhaltige Tourismusentwicklung in ihrer Landschaft ausgesprochen habe: "Bürger, Politiker, Kommunen und der Landkreis kämpfen gemeinsam gegen die Gipsindustrie, weil sie einer weiteren Zerstörung ihrer Heimat nicht tatenlos zusehen wollen. Die Leute wollen auch dann noch in einer intakten Umwelt und in einer Region mit wirtschaftlichen Perspektiven leben, wenn die Gipsindustrie in 10, 20 oder 30 Jahren längst weitergezogen ist, um sich neue Abbaufelder zu erschließen."

Vogel forderte daher Herrn Minister Dr. Sklenar auf, sich an sein eigenes Credo zu erinnern, nichts im Land Thüringen gegen den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung durchzusetzen. "Wenn der Minister seine eigenen Worte wirklich ernst nimmt, muss er die Ausdehnung des Gipsabbaus stoppen."

18. August 2000

BUND Thüringen: Her mit dem UMTS-Moneten!

Der BUND Thüringen fordert, einen Teil der UMTS-Milliarden für eine grundlegende Sanierung und Modernisierung der Bahn in den neuen Bundesländern. Einen vordringlichen Bedarf sieht der BUND Thüringen bei der sog. Mitte-Deutschland-Verbindung.

„Die Bahn braucht eine kräftige Finanzspritze, wenn sie wieder in die Spur kommen soll. Mit dem unverhofften Geldsegen aus der UMTS-Versteigerung ließen sich die dringendsten Problemfälle angehen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Vogel verwies dabei auf die Mitte-Deutschland-Verbindung, welche von Nord-Rhein-Westfalen kommend entlang der Thüringer Städtekette bis nach Sachsen führt.

„Leider ist für die Bahn und auch viele Landespolitiker Thüringen hinter Weimar zu Ende. Ab dort verläuft die Strecke zum größten Teil nur noch eingleisig und nicht elektrifiziert. Wichtige Städte wie Gera, immerhin die zweitgrößte Stadt im Freistaat und Jena sind vom Fernverkehrsnetz weitgehend abgekoppelt.“ Nach Angaben von Vogel ist die Strecke wegen des schlechten Zustands nur noch mit Tempo 50 km/h befahrbar. Weil für die Reparatur einer einzigen Weiche im Bereich des Bahnhofes Gera das Geld fehlt, kommt es dort zu erheblichen Behinderungen. Die erste Konsequenz aus dieser Miesere war die Streichung von Nahverkehrsverbindungen. Der BUND befürchtet, dass die Bahn den Fernverkehr ab Weimar ganz einstellen wird, wenn nicht bald eine grundlegende Sanierung der Strecke erfolgt. Dann wäre der Osten Thüringens vollständig vom Bahnverkehr abgekoppelt, weil ein reiner Nahverkehr auf diesem Streckenabschnitt nicht rentabel ist. Inzwischen sollen zwar 660 Millionen Mark für die Sanierung der Strecke bereitgestellt werden. Diese reichen aber gerade mal für notdürftigste Reparaturen. Mit dem Geld soll die Strecke auf drei Abschnitten zweigleisig ausgebaut und die wichtigsten Gefahrenzonen beseitigt werden. Experten schätzen, dass rund die doppelt Summe notwendig wäre, um die Strecke vollständig zweigleisig auszubauen und auch zu elektrifizieren.

„Das sind immer noch Peanuts im Vergleich zu den Unsummen, die für die Ersteigerung der UMTS-Lizenzen auf den Tisch geblättert werden“, erklärte Michael Spielmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Die Bundesregierung sollte das zusätzliche Geld in die Zukunftsfähigkeit Deutschlands investieren. Der bundesweite Ausbau der Bahn zur Flächenbahn wäre ein wichtiger Beitrag dazu.“

24. Juli 2000

Thüringens Alleebäume sterben an Salz

Auf den desolaten Gesundheitszustand der Alleebäume an Thüringens Bundes- und Landesstraßen verweist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V..

Die immer erst in den Sommermonaten auftretenden Symptome einer chronischen Salzschädigung seien nicht mehr zu übersehen. Diese äußerten sich in Form einer von den Blatträndern her einsetzenden Welke, die bis zum totalen Abstoßen der Blattmasse führen könne. Nachdem die Schäden bereits 1999 für jeden aufmerksamen Betrachter augenfällig wurden, setze sich dieser Trend in diesem Jahr unvermindert fort.

„Wird diese Entwicklung nicht gestoppt, bedeutet dies das Ende der ostdeutschen Alleekultur“, befürchtet der stellvertretende Landesvorsitzende Frank Henkel. Bis zu einem gewissen Maße werde Natriumchlorid von den Bäumen abgepuffert. Bei den über Jahre hinweg hohen Aufwandmengen an Streusalz komme es jedoch irgendwann zur Überschreitung des pflanzenphysiologisch verkraftbaren Schwellenwertes und damit zum Ausbruch des Krankheitsbildes.

Besonders das Ausmaß der leichten bis mittelschweren Schadsymptome sollte nach Ansicht des BUND als Anlaß gesehen werden, dringend über die gängigen Straßenräumungspraktiken nachzudenken. Dies gehe insbesondere an die Adresse der Thüringer Straßenbauämter und der ihnen vorgesetzten obersten Behörde, dem Thüringer Wirtschaftsministerium. Entlang alleegesäumter Straßen müsse die Salzmenge in den kommenden Winterperioden entweder drastisch reduziert oder besser ganz durch verträglichere Streumaterialien ersetzt werden, so die wichtigste Forderung des Naturschutzverbandes.

In diesem Zusammenhang verweist der BUND auch auf den §30 des Thüringer Naturschutzgesetzes, gemäß Abs. 1, Satz 2, sei es danach unter anderem verboten, Alleen zu beseitigen. Der schleichende Salztod könne mit diesem Tatbestand gleichgesetzt werden. Henkel: „Wir apellieren an die Verantwortung der Straßenverwaltungen gegenüber den Alleen als Teil des Tafelsilbers, das die neuen Bundesländer in das vereinte Deutschland eingebracht haben:“

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass in den letzten Jahren erfreulicherweise an vielen
Straßenabschnitten Alleen komplettiert oder neu angelegt wurden. Gerade deshalb dürfe die Zukunft dieser Bäume nicht versalzen werden.

20. Juli 2000

BUND Thüringen: Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Talsperre Leibis ist rechtswidrig

Der Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Talsperre Leibis ist nach Auffassung des Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) rechtswidrig. In einer jetzt vorgelegten über 40seitigen Begründung zu der am 19.04.2000 beim Verwaltungsgericht Gera eingereichten Klage hat der BUND Thüringen die Argumente gegen die Erteilung des Baurechtes für die Talsperre zusammengestellt. Die Rechtswidrigkeit des Planfeststellungsbeschlusses ergibt sich aus dem Verstoß gegen die Bestimmungen des §19c Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), der den Umgang mit den nach Europarecht geschützten Vogelschutz- und FFH-Gebieten regelt.

Mit dem Bau der Talsperre Leibis werden die Naturschutzgebiete „Schwarzatal“ und „Meuraer Heide“ erheblich beeinträchtigt. Beide Gebiete sind europäische Vogelschutzgebiete. Das NSG „Schwarzatal“ wurde außerdem als Schutzgebiet europäischer Bedeutung im Rahmen des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 an die EU gemeldet (sog. FFH-Gebiet). Darüber hinaus befinden sich in beiden Schutzgebieten sog. prioritäre Lebensräume und Arten, für die nach europäischem Naturschutzrecht besondere Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind.

Die Beeinträchtigung von Europäischen Vogelschutzgebieten bzw. FFH-Gebieten ist nach § 19c BNatSchG grundsätzlich unzulässig. Ausnahmen hiervon sind nur möglich, wenn es keine Alternativen gibt, mit denen sich der Zweck des Vorhabens verwirklichen lässt und darüber hinaus zwingende Gründe des öffentlichen Interesses für die Verwirklichung des Vorhabens vorliegen. Wenn von dem Vorhaben prioritäre Lebensräume bzw. Arten betroffen sind, zählen als zwingend nur solche Gründe, wie die der Gesundheit des Menschen oder der Landesverteidigung bzw. des Schutzes der Zivilbevölkerung.

Der BUND Thüringen vertritt die Auffassung, dass die Voraussetzungen für Abweichungen vom § 19c BNatSchG im Fall der Talsperre Leibis nicht gegeben sind.

Alternativen zum Bau der Talsperre
Mit dem Bau der Talsperre Leibis soll angeblich das Ziel verfolgt werden, die Trinwasserversorgung für den Versorgungsraum Ostthüringen quantitativ und qualitativ sicherzustellen. Nach Ansicht des BUND Thüringen gibt es zu dem mit erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft und Beeinträchtigungen der genannten europäischen Naturschutzgebiete verbundenen Bau der Talsperre Leibis jedoch Alternativen, die vor allem in der Nutzung und im Ausbau der bereits vorhandenen Kapazitäten liegen.
 
Die Thüringer Talsperrenverwaltung begründet den Bau der Talsperre Leibis zunächst mit einem steigenden Bedarf an Trinkwasser, der insbesondere in Ostthüringen nur durch den Bau einer weiteren Talsperre gedeckt werden könne. Während die TTV für Ostthüringen von einem Wasserbedarf von ca. 77 Tm3/d ausgeht, hält der BUND knapp 60 Tm3/d für realistisch. Der BUND stützt sich dabei auf eigene Gutachten von 1998, in denen der Wasserbedarf vor dem Hintergrund rückläufiger Bevölkerungszahlen prognostiziert wird. Diese Gutachten werden durch jüngste Veröffentlichungen des Thüringer Landesamtes für Statistik (TLS) bestätigt. Darüber hinaus hält der BUND es für möglich und notwendig, durch die Sanierung des maroden Leitungsnetzes die Wasserverluste von derzeit 40% auf unter 20% zu senken. Gleichzeitig verweist der BUND auf das vorhandene Wasserangebot. Neben den bestehenden Kapazitäten in örtlichen Trinkwasserbrunnen und den Talsperren Weida-Zeulenroda-Lössau und Deesbach könnten durch eine Überleitung aus den Überschusskapazitäten des Fernwasserverbundes Nordthüringen 30 Tm3/d bereitgestellt werden. Insgesamt ergibt sich für den BUND auch ohne die Talsperre Leibis ein Wasserangebot von knapp 127 Tm3/d. Aus der Gegenüberstellung von Wasserbedarf und Wasserangebot ergibt sich damit ein Überschuss von 67 Tm3/d.

Für den BUND besteht die Alternative zur Talsperre Leibis in der Nutzung und im Ausbau der vorhandenen Kapazitäten. Dadurch kann die Trinkwasserversorgung in Ostthüringen auch in Zukunft sichergestellt werden, ohne dass der Bau von Leibis notwendig wird.

Für Leibis gibt es keinen zwingenden Grund

Da durch den Bau der Talsperre Leibis auch prioritäre Lebensräume und Arten betroffen wären, könnten nach EU-Recht und den entsprechenden Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes nur zwingende Gründe des öffentlichen Interesses in Zusammenhang mit dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung den Bau der Talsperre rechtfertigen.

Die TTV sieht solche Gründe unter Hinweis auf die schlechte Wasserqualität in den Talsperrensystemen Deesbach und Weida-Zeulenroda-Lössau gegeben. Ein von der TLU 1998 in Auftrag gegebenes Gutachten belegt jedoch, dass durch technische Wasseraufbereitung und die ohnehin notwendige Sanierung des Einzugsbereiches die Wasserqualität in den genannten Talsperren dauerhaft verbessert werden kann. Durch eine einzige Kläranlage am zufließenden Gewässer könnte z.B. in der Talsperre Deesbach über 80% der Verschmutzung vermieden werden. Insgesamt lässt sich bei Realisierung entsprechender Maßnahmen eine qualitativ sichere Trinkwasserversorgung gewährleisten.  

Auch vor dem Hintergrund der Wasserqualität sind die mit dem Bau der Talsperre Leibis verbundenen erheblichen Beeinträchtigungen von Arten und Lebensräumen mit europäischem Schutzstatus nicht gerechtfertigt.

Eine gesicherte Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser ist eine Aufgabe im öffentlichen Interesse, zu der sich auch der BUND Thüringen uneingeschränkt bekennt. Zahlreiche Untersuchungen und Gutachten belegen aber, dass der Bau der Talsperre Leibis hierzu nicht notwendig ist. Um den Trinkwasserbedarf in Ostthüringen sowohl qualitativ als auch quantitativ zu decken, gibt es Alternativen zu Leibis. Da mit dem Bau der Talsperre Leibis europaweit einzigartige Lebensräume bedroht wären, darf die Realisierung der Alternativen nicht den wirtschaftlichen Erwägungen der TTV geopfert werden.

3. Juli 2000

BUND Thüringen fordert Landesregierung auf, das nationale Naturerbe zu sichern

Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen, hat nach der Einigung auf Bundesebene die Landesregierung aufgefordert, alle Naturschutzflächen, die sich in Thüringen im Eigentum der Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG) befinden, zu übernehmen. Nachdem am Freitag Bundesfinanzministerium und Bundesumweltministerium beschlossen hatten, 50.000 Hektar kostenlos an die Länder abzugeben und 50.000 Hektar zu verkaufen, sind die Länder jetzt aufgefordert, innerhalb eines halben Jahres ihre Ansprüche geltend zu machen. Thüringen will von ca. 20.000 Hektar BVVG-Flächen in Naturschutzgebieten nur 1.000 Hektar übernehmen und den Rest privatisieren.

„Damit würde Thüringen eine historische Chance zur Sicherung des nationalen Naturerbes verspielen“, kritisierte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Die Flächen gehören zu den ökologisch wertvollsten Gebieten, welche Thüringen besitzt. Wir werden in Deutschland wahrscheinlich nie wieder die Gelegenheit erhalten, einmalige Naturlandschaften in diesem Umfang für Generationen zu sichern.“

Bei einer Privatisierung der Flächen fürchtet Vogel, dass Konflikte vorprogrammiert seien. Privateigentümer würden entweder versuchen, Nutzungsbeschränkungen zu umgehen oder finanzielle Entschädigungen für Nutzungsausfälle geltend machen.

An die Landesregierung appellierte Vogel daher, sich der Verantwortung für die Sicherung des nationalen Naturerbes bewusst zu sein und dementsprechend zu handeln. „Die Sicherung der Naturschutzflächen ist eine Generationenaufgabe, welche die Gesellschaft als Ganzes wahrnehmen muss und die nicht an Privatleute abgewälzt werden darf“, erklärte Vogel.

11. Juni 2000

BUND Thüringen und THÜRINGER ÖKOHERZ e.V. fordern von der Thüringer Landesregierung: Vernichtung von illegal ausgesätem Gentech-Raps und Entschädigung der betroffenen Landwirtschaftsbetriebe

Wie vor Pfingsten vom Bioland-Landesverband Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt festgestellt und vom Thüringer Sozialministerium bestätigt wurde, ist auch der Freistaat von der Aussaat von mit Genraps verunreinigten Sommerraps betroffen. Auf drei Feldern mit insgesamt etwa 100 Hektar sind im Frühjahr ca. 280 kg Saatgut ausgebracht worden.

Der Gentechnik-Experte des BUND Thüringen, Dr. Frank Augsten, erklärt dazu: „Der Anbau des gentechnisch veränderte Raps-Saatgutes ist in der EU wegen ungeklärter Risiken verboten, die Aussaat von verunreinigtem Saatgut deshalb illegal. Vor allem der Ökologische Landbau befürchtet durch Pollenflug Auskreuzungen der Gen-Veränderungen in Wildpflanzen und in der Folge Kontaminationen seiner Felder. Da der Einsatz von Gentechnik im Ökolandbau verboten ist, geht es hier um die Existenz der Biohöfe.“

Nach den bisherigen Verlautbarungen sehen die verantwortlichen Thüringer Ministerien bisher keine Veranlassung zur Vernichtung der betroffenen Pflanzen, wie sie in Großbritannien, Frankreich aber auch in Nordrhein-Westfalen vorgenommen werden.

Der BUND-Landesverband Thüringen und der THÜRINGER ÖKOHERZ e.V. fordern deshalb die Landesregierung auf, im Interesse des Verbraucherschutzes und zur Sicherstellung der gentechnikfreien Produktion im ökologischen Landbau die Vernichtung der Gen-Raps-Felder sofort vorzunehmen und die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe zu entschädigen.

26. Mai 2000

BUND begrüßt Anschluss Thüringens an deutschlandweites ICE-Netz

Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. begrüßt den Anschluss des Freistaates an das bundesweite ICE-Netz zum Wochenende. In Jena, Weimar, Erfurt, Saalfeld und Eisenach halten von Sonntag an die modernsten ICE-Züge, welche die Bahn gegenwärtig zu bieten hat. Dadurch verkürzen sich die Fahrzeiten erheblich. Von Jena nach München fährt man 25 Minuten schneller, von Erfurt nach Dresden sogar 30 Minuten.

„Das zeigt deutlich, welche Reserven es in den bestehenden Strecken gibt“, führt Adrian Johst, bahnpolitischer Sprecher des BUND Thüringen aus. Der Umweltverband fühle sich in seinen Forderungen nach der zügigen Sanierung bestehender Bahnstrecken bestärkt „Das ist billiger, geht schneller und außerdem hat eine ganze Region etwas davon. Denn eines ist klar: Wenn der ICE eines Tages doch noch durch den Thüringen Wald rast, werden die ICE-Halte in Jena, Weimar und Saalfeld ersatzlos gestrichen“ so der Bahnexperte Johst weiter.

Der Thüringer Landesregierung, die noch vor wenigen Wochen den Teufel an die Wand malte und von einer „Abkopplung einer ganzen Region“ sprach, wirft Johst Panikmache vor. Er fordert die Landesregierung erneut auf, sich endlich von dem Phantom einer Express-U-Bahn durch den Thüringer Wald zu verabschieden. Stattdessen sei eine Politik für vernünftige Bahnverbindungen im Land angesagt.

„Es ist ein Skandal, dass die Bahn mehr Züge zwischen Weimar, Jena und Gera einsetzen möchte – das Land aber nicht Willens ist, hier einen vernünftigen Bahnverkehr zu bestellen“, erklärt Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. In seiner Bahnpolitik interessiere sich das Land scheinbar nur für ein paar Geschäftsreisende, die schnell von Erfurt nach München reisen wollen. Die Tausenden Berufspendler entlang der Städtekette scheinen der Landesregierung egal zu sein.

23. Mai 2000

BUND Thüringen zum Tag der Parke: „Mehr Wildnis in Thüringen“

Aus Anlass des heutigen Tags der Parke fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. mehr Wildnis in Thüringen. Mit dieser Forderung nimmt der BUND Thüringen auf die von seinem Bundesverband geplante Kampagne „Wildnis in Deutschland“ Bezug.

„Wildnis ist überall dort, wo natürliche Prozesse ungestört ablaufen können“, erläutert der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Dr. Burkhard Vogel. Vogel weist darauf hin, dass gerade in einem waldreichen Land, wie Thüringen, dem Wildniskonzept eine besondere Bedeutung zu kommt. Das Zulassen natürlicher Dynamik schaffe in Wäldern erst die Voraussetzung für einen großen Reichtum an heimischen Tier- und Pflanzenarten. „Überall dort, wo wir Wildnis bewahren, bewahren wir uns ein Stück unseres heimischen Naturerbes.“

Handlungsbedarf sieht der BUND Thüringen vor allem im Nationalpark Hainich. Zwar ist der Hainich der erste Buchenwaldnationalpark in Deutschland. Die Schutzzone 1, in der eine vom Menschen ungestörte Entwicklung zugelassen wird, macht aber deutlich weniger als ein Drittel der Gesamtfläche aus. „Über 90% der Nationalparkfläche befinden sich im Eigentum des Bundes bzw. des Land Thüringen. Hier sollte die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen und auf ihren eigenen Flächen Wildnis zulassen.“, erklärte Vogel.

Auch im Naturpark Thüringer Wald fordert der BUND die Landesregierung auf, Mut zur Wildnis zu zeigen. Im ursprünglichen Verordnungsentwurf waren auf 20% der Fläche Vorranggebiete für den Naturschutz vorgesehen. Diese Flächen könnten nach Ansicht des BUND für die Entwicklung von Wildnisgebieten genutzt werden.

23. Mai 2000

BUND Thüringen bietet Thüringer CDU Nachhilfeunterricht in Sachen Umwelt an

Erfurt. Hocherfreut hat der BUND Thüringen die Ankündigung von Dieter Althaus, Fraktionschef der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, aufgenommen, das Thema Umweltschutz stärker zu besetzen.
BUND-Landesgeschäftsführer Dr. Burkhard Vogel hierzu: „Wir sind glücklich über diese Ankündigung und werden die CDU dabei tatkräftig unterstützen. Wir haben in unserer Landesgeschäftsstelle sofort damit begonnen, ein Nachhilfeprogramm für Umweltfragen zu konzipieren, welches speziell auf die Bedürfnisse der CDU-Abgeordneten im Landtag zugeschnitten sein wird. Die folgenden Veranstaltungen könnten wir sofort anbieten:“

  • Solar na klar! – Grundlagen der Solartechnik (Vorlesung)
  • Überleben in der Wildnis (Vorlesung mit Übungen)
  • Mobil ohne Auto (Oberseminar)
  • Mit der Draisine von Weimar nach Gera (Exkursion)
  • Müll sortieren – aber richtig! (Praktikum)

Bei Interesse nimmt die Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen Anmeldungen der Abgeordneten vom 24.05.00 bis 02.06.00 von 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr entgegen. Die Höhe der Teilnehmergebühr für die einzelnen Veranstaltungen steht allerdings noch nicht fest.

28. April 2000

BUND Thüringen: Klage gegen Leibis ist keine Verzögerungstaktik - Talsperrenverwaltung und Landesverwaltungsamt zögern selbst Baubeginn hinaus

Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), weist den vom Landesverwaltungsamt erhobenen Vorwurf der Verzögerung durch die vom BUND eingereichte Klage gegen den Bau der Talsperre Leibis als billig und haltlos zurück. Gleichzeitig macht der BUND die Talsperrenverwaltung und das Landesverwaltungsamt selbst für Verzögerungen beim Baubeginn in Leibis verantwortlich.

„Wer im Glashaus sitzt, sollte tatsächlich nicht mit Steinen werfen“, kommentierte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen die Kritik des Landesverwaltungsamtes. Vogel wies darauf hin, dass erstens seit 16. August letzten Jahres in Leibis Baurecht bestehe, welches es der Talsperrenverwaltung ermögliche, mit den vorbereitenden Baumaßnahmen zu beginnen. Trotzdem sei bis heute kein einziger Spatenstich erfolgt. Zweitens habe die Talsperrenverwaltung vor wenigen Tagen den Vertrag mit der Firma, welche die Maßnahmen ausführen sollte, gekündigt. Es sei zu erwarten, dass sich der Baubeginn dadurch um ein weiteres halbes Jahr verzögern wird. Drittens habe das Landesverwaltungsamt den Widerspruch, den der BUND am 20. Juli 1998(!) gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereicht hat, erst am 22.03.00 beschieden. Die Behörde habe hierfür also mehr als 20 Monate in Anspruch genommen!

Der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen sieht zwischen den öffentlichen Äußerungen der Talsperrenverwaltung und des Landesverwaltungsamtes und deren tatsächlichem Handeln erhebliche Diskrepanzen. „Wenn die Talsperrenverwaltung es sich leisten kann, den Baubeginn hinaus zu zögern und den Vertrag mit der ausführenden Baufirma noch vor Baubeginn wieder zu kündigen und sich das Landesverwaltungsamt mehr als eineinhalb Jahre Zeit für den Widerspruchsbescheid nimmt, kann es mit der Dringlichkeit von Leibis zur Sicherung der Wasserversorgung in Ostthüringen nicht sehr weit her sein“, sagte Vogel.

Dem BUND gehe es mit der Klage nicht darum, durch irgendwelche Verfahrenstricks das Bauprojekt unnötig in die Länge zu ziehen. Vielmehr wolle man mit der Klage eine gerichtliche Überprüfung der Zulässigkeit des Vorhabens vor dem Hintergrund eklatanter Verletzungen europäischen Naturschutzrechtes erreichen. Vogel forderte das Landesverwaltungsamt auf, sich als Landesbehörde auf Verwaltung und Sacharbeit zu konzentrieren, statt Politik zu machen.

26. April 2000

Talsperre Leibis: BUND hat Klage gegen Planfeststellungsbeschluss eingereicht

Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. (BUND), hat gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Talsperre Leibis Klage beim Verwaltungsgericht Gera eingereicht.

„Nach der Ablehnung unseres Widerspruchs gegen das Bauvorhaben, ist die Klage der nächste, konsequente Schritt, um die Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses zu erreichen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Vogel zufolge wendet sich der BUND mit der Klage gegen die eklatante Verletzung europäischen Naturschutzrechts durch den Planfeststellungsbeschluss und die damit verbundene, massive Gefährdung europaweit schützenswerter Tierarten und Lebensräume. Der Landesregierung wirft Vogel trotz sinkenden Wasserbedarfes in Thüringen und bestehender Alternativen zu Leibis realitätsblindes Festhalten am Bau der Talsperre vor.

Eine ausführliche Begründung der Klage wird der BUND umgehend vorlegen.

13. April 2000

Thüringer CDU-Abgeordnete verhindern Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz

Die Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz ist mit der Abstimmung im Deutschen Bundestag am 13.04.2000 erneut gescheitert. Die CDU/CSU-Fraktion verhinderte mit ihren Nein-Stimmen den gemeinsamen Beschluss von SPD, Bündnisgrünen, FDP und PDS.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Thüringen verurteilt das Abstimmungsverhalten, vor allem der Thüringer CDU-Bundestagsabgeordneten, aufs Schärfste. Dazu der agrarpolitische Sprecher des Landesverbandes, Dr. Frank Augsten: „Mit dieser Entscheidung wird nicht nur der Wille einer Mehrheit der Bevölkerung missachtet, darüber hinaus nehmen diese Herrschaften mit dem „C“ in ihrem Parteinamen diverse Gerichtsentscheidungen der letzten Jahre einfach nicht zur Kenntnis. Dass die CDU-Abgeordneten aus Thüringen ebenfalls gegen diese Grundgesetzänderung stimmten, scheint besonders makaber, denn im Freistaat ist der Tierschutz in der Verfassung verankert.“

Mit der gestrigen Abstimmung ist ein Vorhaben gescheitert, welches seit Jahren überfällig ist. Damit dürften die sogen. Christlichen Parteien ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Tierschutz endgültig verloren haben.

7. April 2000

BUND Thüringen: Hoffnung auf ICE-Neubaustrecke gehört aufs Abstellgleis

Erfurt. Nach dem Vorstoß des Freistaates Sachsen fordert der BUND Thüringen Ministerpräsident Vogel auf, die Hoffnungen auf eine ICE-Neubaustrecke durch den Thüringer Wald endgültig aufs Abstellgleis zu verbannen. Stattdessen sollten die bestehenden Strecken beschleunigt ausgebaut werden – allen voran die Mitte-Deutschland-Linie.

„In Sachsen hat die Erkenntnis gesiegt, dass die geplante ICE Strecke Leipzig – Erfurt – Nürnberg in den nächsten Jahrzehnten nicht zu finanzieren ist. Bei unseren Nachbarn hat man die Weichen richtig gestellt und forciert nun den Ausbau bestehender Strecken. Thüringen sollte diesem Beispiel folgen!“ so der bahnpolitische Sprecher des BUND Thüringen, Adrian Johst.

In den letzten Wochen hatte sich gezeigt, dass eine Finanzierung der Neubaustrecke in immer weitere Ferne rückt. Selbst Bahnchef Mehdorn spricht inzwischen von „Visionen“ und „Träumen“. Die von den Ländern Thüringen und Bayern in Aussicht gestellte private Vorfinanzierung von 50 Millionen Mark sind für Johst ein Witz: „Damit lässt sich gerade einmal 1 Kilometer ICE-Strecke bauen. Bei gleichbleibender Finanzierung würde die Gesamtstrecke dann in 200 Jahren in Betrieb gehen!“

Der BUND Thüringen fordert, dass das Land bei der Bedarfsmeldung für den zukünftigen Bundesverkehrswegeplan auf die ökonomisch und ökologisch fragwürdige Rennpiste durch den Thüringer Wald verzichtet. Stattdessen muss der Ausbau der bestehenden Bahnstrecken Erfurt – Halle/Leipzig, Saalfeld – Halle/Leipzig sowie Erfurt – Jena – Gera – Chemnitz (Mitte-Deutschland-Bahn) für Geschwindigkeiten von 160 – 200 km/h als vordringlichen Bedarf eingestuft werden. Mit dem Ausbau bestehender Strecken für Züge mit ICE-Neigetechnik kann eine Beschleunigung des gesamten Systems Eisenbahn erreicht werden. Gleichzeitig kommen damit weitaus mehr Bürgerinnen und Bürger des Landes in den Genuss eines ICE-Anschlusses als nur der Sitz der Landesregierung.

„Thüringen muss aufpassen, dass es den Anschluss nicht verpasst. In Sachsen und Sachsen-Anhalt wird gegenwärtig bereits an Konzepten für den Ausbau bestehender Strecken gearbeitet. Die Thüringer Landesregierung hat sich dagegen im aussichtslosen Kampf um eine U-Bahn durch den Thüringer Wald verrannt und lässt Lobbyarbeit für den Ausbau der Mitte-Deutschland-Bahn sowie den Erhalt des Nebenbahnnetzes vermissen. Hier werfen wir der Landesregierung Versagen vor!“, so Dr. Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

6. April 2000

BUND Thüringen: Fragwürdigkeit der Talsperre Leibis erneut bestätigt

Erfurt. Der BUND Thüringen sieht die Fragwürdigkeit der Talsperre Leibis erneut bestätigt. In dem vor wenigen Tagen ergangenen Bescheid des Thüringer Landesverwaltungsamtes wurde zwar der Widerspruch des BUND gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Talsperre Leibis zurückgewiesen. Gleichzeitig hat das Landesverwaltungsamt die tägliche Wasserentnahmemenge aus der geplanten Talsperre aber um 16% reduziert.

„Für uns ist das ein beachtlicher Teilerfolg, weil er zeigt, dass die Talsperrenverwaltung mit völlig überzogenen Bedarfsprognosen versucht hat, dieses Großvorhaben zu rechtfertigen“, kommentierte Michael Spielmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen, den Widerspruchsbescheid des Landesverwaltungsamtes.

Am 03.08.1998 hatte der BUND Thüringen beim Landesverwaltungsamt Widerspruch gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Talsperre Leibis eingelegt. In dem jetzt ergangenen Bescheid wurde die Wasserentnahmemenge von 52.100 Kubikmeter pro Tag auf 43.700 Kubikmeter reduziert. Trotzdem soll die Staumauer selbst nicht kleiner werden. Der BUND Thüringen kann nun innerhalb eines Monats Klage beim Verwaltungsgericht Gera einreichen.

„Bevor wir uns für die Klage entscheiden, werden wir den Widerspruchsbescheid sehr sorgfältig prüfen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Gleichzeitig wies Dr. Vogel aber darauf hin, dass die mit dem Vorhaben verbundene Naturzerstörung und die Beeinträchtigung der letzten Auerhuhnpopulation Thüringens europäisches Naturschutzrecht verletze. Die Talsperrenverwaltung müsse im Falle einer Klage daher nachweisen, dass ohne Leibis die Trinkwasserversorgung in Thüringen nicht mehr sichergestellt sei. Vogel vermutet, dass angesichts der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung, des dramatischen Rückgangs im Trinkwasserverbrauch und des Überangebotes an Trinkwasser in Nordthüringen und Westsachsen dieser Nachweis schwer zu führen sein wird.

25. Februar 2000

Drohende EU-Sanktionen wegen Verstoß gegen europäisches Naturschutzrecht - BUND Thüringen: Empörung der Thüringer Landesregierung ist scheinheilig

Erfurt. Der Freistaat Thüringen hat nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) angesichts der wegen ungenügender Umsetzung der europäischen Naturschutzbestimmungen drohenden EU-Sanktionen keinen Anlaß zur Selbstgerechtigkeit.

In einer heute veröffentlichten Presseerklärung weist der BUND Thüringen darauf hin, dass auch Thüringen bis heute die europäische „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie“ (FFH) nicht ordnungsgemäß umgesetzt habe. Zwar habe die Landesregierung angesichts des laufenden Gerichtsverfahrens der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik und der drohenden Strafmaßnahmen zwischenzeitlich den größten Teil der FFH-Gebiete benannt. Angesichts der fünfjähigen Verspätung und der weiterhin vorhandenen Mängel in der FFH-Gebietsliste sei die Empörung über weiterhin drohende EU-Sanktionen mehr als scheinheilig. Im Vergleich zu einigen anderen Bundesländern, die ihrer Meldepflicht noch immer nicht nachgekommen seien, sei der Freistaat „kein Musterknabe, sondern der Einäugige unter den Blinden.“

Als „geradezu grotesk“ bezeichnete Michael Spielmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen, in diesem Zusammenhang das Auftreten des Staatskanzlei-Ministers Jürgen Gnauck: „Nachdem Gnauck in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes europäisches Naturschutzrecht jahrelang missachtet und eine Fundamentalopposition gegen die Umsetzung der FFH-Richtlinie betrieben hat, beschwört er nun pathetisch die Beschädigung der europäischen Idee. Angesichts des fortdauernden europarechtswidrigen Verhaltens der Landesregierung ist diese Aufregung schlicht Heuchelei“, kritisiert Spielmann.

Spielmann kündigte an, dass der BUND die Mängel in der jetzt vorliegende FFH-Gebietsliste des Freistaates zum Gegenstand einer Beschwerde bei der EU-Kommission machen werde. Dabei gehe es um einzelne Gebiete, wie etwa im Südharz, die trotz ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung nicht gemeldet worden seien, sowie um die insgesamt mangelhafte Berücksichtigung von in der FFH-Richtlinie aufgeführten und vom Aussterben bedrohten Tierarten.

18. Februar 2000

BUND Thüringen zur Ansiedlung des Laubholzsägewerks Pollmeier im Landkreis Hildburghausen - Investitionsförderung für ein Großprojekt mit fatalen Folgen für Wirtschaft und Umwelt

Erfurt. Die Firma Pollmeier plant im Landkreis Hildburghausen unmittelbar an der thüringisch-fränkischen Landesgrenze die Neuansiedlung ihres bundesweit dritten Laubholzsägewerkes. Dabei spielt die vom Land Thüringen in Aussicht gestellte Investitionsförderung eine zentrale Rolle. Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen) lehnt daher die Ansiedlung des Großsägewerkes am geplanten Standort ab.

Mit der Ansiedelung dieses Großsägewerkes ist nicht nur die Existenz der klein-und mittelständischen Laubholzsägewerke im weiteren Umfeld bedroht. Der bei Realisierung dieses Projektes sich verschärfende Nachfragedruck nach Buchenstammholz gefährdet auch den Fortbestand der als Erholungsraum wie auch als Lebensraum für viele seltene Arten unersetzlichen Buchen-Altbestände in Thüringen und auch in Franken.

Hinzu kommen massive Umweltgefährdungen durch unnötige Holztransporte, und durch die Errichtung des Werkes an einem problematischen Standort.

Im Folgenden ist die Position des BUND Thüringen zu dem Vorhaben ausführlich erläutert:

Position des BUND Thüringen zum Großsägewerk

Der Verarbeitung des Rohstoffes Holz zu möglichst wertvollen Produkten steht der BUND Thüringen uneingeschränkt positiv gegenüber. Dennoch ist die Schaffung von Verarbeitungskapazitäten in der geplanten Größenordnung mit Aspekten verbunden, die von uns wie folgt beurteilt werden:

Standort und Größenordnung

Die bei den zur Diskussion stehenden Standorte Käßlitz und Schweickershausen liegen gemäß dem Regionalen Raumordnungsplan Südthüringen im ländlichen Raum, der als Vorbehaltsgebiet für Natur und Landschaft bzw. für Fremdenverkehr und Erholung ausgewiesen ist. Ein Ziel der Raumordnung ist es, Industrie-und Gewerbeflächen dort bereitzustellen, wo die verkehrstechnischen und infrastrukturellen Voraussetzungen dafür günstig sind. Der Wieder-und Nachnutzung von Altstandorten soll dabei Vorrang eingeräumt werden. Bei der Standortwahl für das Massivholzwerk, scheinen aber letztere Kriterien keine Rolle gespielt zu haben.

Die Realisierung des Projektes würde somit zur weiteren Zersiedelung des ländlichen Raumes beitragen und Belastungsquellen schaffen, die sich bei besserer Standortwahl geringer auswirken würden. Wir schlagen deshalb vor, die Standortwahl noch einmal zu überdenken und sich an einem Raum mit vorhandenen Verdichtungstendenzen zu orientieren.

Auch die Größenordnung des Werkes mit Einschnittkapazitäten von 250.000 Festmetern Laubholz pro Jahr wirft Fragen auf. Zwar liegt das Einschlagsaufkommen aus Thüringens Laubwäldern auch gegenwärtig noch unter dem jährlichen Zuwachs, die Etablierung eines weiteren Großabnehmers in der Region könnte aber einen Nachfragedruck erzeugen, der sich negativ auf den Waldzustand auswirkt, besonders was die Verfügbarkeit von guten Holzqualitäten angeht.

Aus den Unterlagen geht weiterhin der große Einzugsbereich des Sägewerkes hervor. Dabei wird von Transportentfernungen von bis zu 300 km ausgegangen. Das steht nun in jedem Falle dem allgemeinen Umweltschutz, sowie dem Anliegen der AGENDA 21 entgegen. So lautet eine der wichtigen Forderungen: Wirtschaftskreisläufe zu dezentralisieren um sie in den Regionen überschaubar zu gestalten. Der Bau eines weiteren Großsägewerkes forciert hingegen den Konzentrationsprozeß in der Branche zum Nachteil der kleineren Unternehmen, besonders-auf der bayrischen Seite. Auch ist es wenig sinnvoll, die positive Umweltbilanz des Holzes durch lange Transportwege auf der Straße wieder zunichte zu machen.

Auswirkungen auf die Umwelt


Wasserversorgung
Obwohl laut Planungsunterlagen mit negativen Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel und den Naturhaushalt, insbesondere aber auch auf schutzwürdige bzw. geschützte Gewässer-bzw. Feuchtbiotope im Umfeld der geplanten Standorte zu rechnen ist, bleibt völlig offen; wie die Wasserversorgung erfolgen soll. Es wird weder ermittelt, ob die gedachten Varianten überhaupt realisierbar sind, noch näher untersucht und dargestellt, welche Auswirkungen bzw. Konflikte damit für den Grundwasserspiegel, den Naturhaushalt oder Biotopflächen verbunden wären. Verschärft wird die Situation dadurch, als es sich hier um ein ausgesprochenes niederschlagsarmes Grundwassermangelgebiet hangelt.
Schon heute ist absehbar, dass die geplante Brauchwasserversorgung von 20 -30 m3/h für die Beregnung des Rundholzes in den Monaten April -Oktober die Wasserversorgung dieses Trockengebietes erheblich belasten wird. Bei einer Bedarfsdeckung über Tiefbrunnen, ist eine Grundwasserabsenkung und damit erhebliche Beeinträchtigungen der umliegenden Trinkwasserversorgungsanlagen zu befürchten.

Verkehrsaufkommen
Der Antragsteller behauptet zwar, den Großteil seiner Transporte über Bundesstraßen mit Ortsumgehungen abwickeln zu können, für den Thüringer Teil des Einzugsgebietes trifft dies jedoch keinesfalls zu. Die Zufahrt zum Werk wird hier durch eine Vielzahl von zum Teil engen Ortsdurchfahrten führen und eine erhebliche Belastung der Anwohner mit sich bringen; eine zwangsläufige Konsequenz der ungünstigen Standortwahl.

Angrenzende Schutzgebiete
Beide Standorte befinden sich in unmittelbarer Nähe von bestehenden bzw. geplanten Naturschutzgebieten. Die mit dem Werksbetrieb verbundene mögliche Grundwasserabsenkung und Gewässerverschmutzung stellen erhebliche Eingriffsrisiken dar, in deren Folge die Schutzgebiete massiv beeinträchtigt werden können.
Insbesondere für den Standort Käßlitz ist dies naturschutzfachlich unhaltbar, da das NSG "Alstergrund mit Grenzstreifen" mit seinen Wasserläufen und Feuchtflächen gegenüber den o.g. Eingriffen eine besonders hohe Empfindlichkeit aufweist und zudem auch noch den vom Aussterben bedrohten Steinkrebs beherbergt, der in besonderem Maße auf natürliche und unbelastete Gewässer angewiesen ist.
Diese unzureichende Eingriffsermittlung verstößt gegen Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes, sowie gegen die FFH -Richtlinie. Aufgrund dieser Defizite verstößt die Planung auch gegen Art. 8, Abs. 1, Satz 2, ThürNatSchG, der für eingriffsrelevante Genehmigungsanträge fordert, dass daraus alle für die Beurteilung des Vorhabens und des zu erwartenden Endzustandes nach Abschluß des Eingriffs wichtige Einzelheiten ersichtlich sein müssen.

In Anbetracht der hier vorgetragenen Überlegungen fordert der BUND Thüringen, das geplante Vorhaben nicht zu realisieren.

25. Januar 2000

BUND wirft IHK Südthüringen mangelnde Sachlichkeit und Kompetenzüberscheitung vor

„Die Art und Weise, in der die IHK Südthüringen die Diskussion zur Ökosteuer mit völlig unzutreffenden und unsachlichen Argumenten aufheizt und damit unnötig Ängste bei Bevölkerung und Lkw-Fahrern schürt, ist erschreckend. Mit ihrer offenen Sympathiebekundung für das Vorhaben der Spediteure, öffentliche Verkehrswege zu blockieren, geht die IHK zu weit." Mit diesen deutlichen Worten reagierte Thüringens Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND), Dr. Burkhard Vogel, auf die jüngste Erklärung der IHK Südthüringen.

Deren Vize-Hauptgeschäftsführer Reinhard Gänsler hatte am Samstag vergangener Woche in einer Pressemeldung behauptet, die Öko-Steuer habe die Speditionsunternehmen im Thüringer Wald in eine Existenzkrise geführt und „das Fass zum Überlaufen" gebracht und zeigte dabei Verständnis für deren geplante Blockade von Autobahnen und Bundesstraßen.

Die Argumentation von Speditionen und IHK, so Vogel weiter, sei völlig unverständlich. Die Benzinpreiserhöhung betreffe alle Kraftfahrer in Deutschland gleichermaßen. Im Ausland sei der Preis meist noch höher, etwa in Frankreich, das den Blockierwilligen als Vorbild gilt. Im bundesweiten Vergleich liege der Benzinpreis im Thüringer Wald deutlich unter dem Durchschnitt. Gerade die Unternehmer im Thüringer Wald seien also im Vorteil gegenüber ihren Kollegen in anderen Teilen Deutschlands.

„Die IHK überschreitet mit ihrer Unterstützung des Aufrufs zur Blockade nicht nur ihre Kompetenzen, sie läuft Gefahr, sich angesichts der realen Situation der Spediteure mit ihrer Argumentation lächerlich zu machen“, erklärte der Landesgeschäftsführer. Er forderte die IHK auf, sich von dem Blockadeaufruf zu distanzieren.

24. Januar 2000

Landesversammlung des BUND Thüringen mit Schwerpunktsetzung und Wahlen

Erfurt. Bei der für Samstag, den 29.01.2000 einberufenen Landesversammlung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) stehen Wahlen zum Vorsitz auf dem Programm. Ralf-Uwe Beck tritt nach 10jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Vorsitzender des BUND Thüringen nicht wieder zur Wahl an.

"Jeder Tag ist ein guter Tag, die Arbeit in einem Umweltverband zu beginnen. Nicht jeder Tag aber ist ein guter Tag, die Arbeit aus der Hand zu legen. Ein 10jähriges Jubiläum aber ist ein guter Anlaß", sagt Ralf-Uwe Beck. Dem Umweltschutz werde er sich weiterhin als Umweltbeauftragter der Evangelischen Landeskirche und als Stellvertretender Bundesvorsitzender des BUND widmen.

Beck sieht die Entwicklung des 'BUND in den vergangenen 10 Jahren positiv. Es sei gelungen, nach der Wende einen der fachlich kompetentesten und politisch aktivsten Umweltverbände in Ostdeutschland aufzubauen. Der BUND habe ökologisch verhängnisvolle Großprojekte -wie die Autobahnen durch den Thüringer Wald oder die Talsperre Leibis -zu politisch umstrittenen Themen gemacht. Gleichzeitig habe er sich stark gemacht für zukunftsfähige Projekte und Modelle. "Damit hat der BUND immer wieder eine Politik auf der Höhe der Zeit angemahnt, die akzeptiert, daß wir auf Dauer nur mit der Natur und nicht gegen sie leben können", sagte Beck. In den letzten Jahren sei der BUND für viele Menschen zum parteiunabhängigen Hoffnungsträger für eine ökologische Umkehr geworden. Dies würden auch die stetig steigenden Mitgliederzahlen zeigen. Mehr als 2.000 Mitglieder und einige Hundert Förderer in 35 BUND-Gruppen tragen die BUND-Politik auf lokaler und auf der Landesebene.

Beck zog auch eine kritische Bilanz der Umweltpolitik in den 90er Jahren. Zwar habe sich die Luftsituation und der Zustand der Fließgewässer gebessert: Auch seien Altlastenflächen erfaßt und saniert worden. Das Bauen auf der Grünen Wiese aber sei ein Großangriff auf die Grüngürtel der Städte und Gemeinden gewesen. Ein anderes Negativbeispiel sei die Thüringer Verkehrspolitik, die banal und anachronistisch auf erhöhtes Verkehrsaufkommen immer nur mit dem Schrei nach neuen Straßen reagieren würde. "Vorschnell, unreflektiert und ziellos sind Konzepte aus der Zeit der Wirtschaftswunderjahre des Westens auf den Osten übertragen und positive Ansätze im Osten ignoriert worden", warf Beck der Politik vor.

Noch immer würden ökologische Belange weit hinter ökonomische Interessen verwiesen. Seitdem die Umwelt keine eigene Stimme am Thüringer Kabinettstisch mehr habe, sei dies auch strukturell erschwert. Der Naturschutz sei in der Vergangenheit das Stiefkind Thüringer Politik gewesen. Das Grüne Herz Deutschlands spiele auf Werbebroschüren eine größere Rolle als bei politischen Entscheidungen. Hier sei mehr Mut und Engagement von Seiten der Landesregierung gefragt, die einmaligen Kulturlandschaften in Thüringen dauerhaft unter Schutz zu stellen.

Die Landesversammlung des BUND am kommenden Samstag steht auch unter dem Zeichen der politischen Schwerpunkte für das Jahr 2000. Hier wird der BUND Thüringen sich konzentrieren auf den Erhalt des Grünen Bandes im einstigen Grenzstreifen. Außerdem wird der BUND sich für die Ökologisierung des Landesentwicklungsprogramms einsetzen. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Widerstand gegen den Einstieg in die Müllverbrennung sein. Und nicht zuletzt soll die BUND-Basis motiviert und befähigt werden, sich in die lokalen Agenda 21-Prozesse einzubringen.

17. Januar 2000

BUND startet mit Ökostrom ins neue Jahrtausend

Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen e.V., startet mit Ökostrom ins neue Jahrtausend. Seit Anfang des Jahres bezieht die Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen in Erfurt zu 100% Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

„Billigstrom kommt bei uns nicht mehr in die Steckdose“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Der Schutz des Klimas und der Aufbau einer zukunftsfähigen Energieversorgung ist uns wichtiger als Strom zu Tiefstpreisen“, so Vogel weiter.
Über die Hälfte der 550 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom, die jährlich in Deutschland erzeugt würden, stammten aus C02-trächtigen Kohlekraftwerken, etwa ein Drittel aus Atomstrom und knapp 10% aus Gaskraftwerken. Der sog. REG-Strom aus regenerativen Energiequellen, also aus Sonne, Wind, Biomasse und Geothermie mache gerade mal 5% aus. Durch diesen Mix im herkömmlichen Stromangebot verursache eine vierköpfige Familie im Jahr bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3500 kWh rund 2500 kg des klimaschädlichen C02.

Nach dem Motto „Global denken, lokal handeln“ habe man sich in der Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen daher nach einem geeigneten Anbieter für Grünen Strom umgesehen. Man habe sich für die Naturstrom AG entschieden, weil sie ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen, vermarktet. Dafür hat die Naturstrom AG als eine der ersten Anbieter von Grünem Strom das „Goldene Label“ des Vereins „Grüner Strom Label e.V.“ erhalten. Der von Umweltverbänden gegründete Verein hat strenge Kriterien für die Vergabe von Öko-Strom-Zertifikaten aufgestellt.

Auch wenn die Geschäftsstelle jetzt für die Kilowattstunde höhere Kosten kalkulieren müsse, mache sich, nach Ansicht von Dr. Vogel, die Entscheidung für Grünen Strom gleich zweifach bezahlt: „Der höhere Strompreis ist für uns ein guter Anreiz, noch effektiver den Stromverbrauch zu senken. Außerdem zeigen wir, dass wir als Umweltverband auch dann nicht mit dem Strom schwimmen, wenn es um unseren eigenen Geldbeutel geht.“



BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Jahresbericht 2015

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
.

Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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