22. November 2002

BUND Thüringen: Ignoranz der Politik und nicht der Wachtelkönig kostet Millionen

Erfurt. In der Auseinandersetzung um die Ausweisung von EU-Vogelschutzgebieten kontra Strassenbauvorhaben entlang der Werra macht der BUND Thüringen Lokalpolitiker für schwere Fehlentscheidungen verantwortlich. Die verantwortlichen Politiker hätten bewusst geltendes EU-Recht und die eindringlichen Mahnungen der Umweltverbände ignoriert, um die Einzelinteressen von Kiesabbauunternehmen durchzusetzen.

„Das ist ein billiges Schauspiel, mit dem die für die Entwicklung in der Region Verantworlichen, von eigenen Fehlentscheidungen und Versäumnissen abzulenken versuchen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Schließlich ist durch die geplante Verlegung der B62 im Bereich der Werraquerung um ganze 150 Metern kaum der wirtschaftliche Kollaps der gesamten Region zu befürchten, wie es einige Politiker jetzt behaupten“.

Nach Angaben des BUND Thüringen sei bereits seit den 1960er Jahren bekannt, dass die  Werraauen zwischen Barchfeld und Bad Salzungen ein international bedeutendes Brut- und Rastgebiet für seltene Vogelarten seien. Im März 1990 seien die wertvollsten Teile als Naturschutzgebiet und die gesamte Werraaue als Landschaftsschutzgebiet zum Schutz vor nachteiligen Veränderungen einstweilig sichergestellt worden. Mit der Wende seien diese Gebiet nach der 1979 erlassenen EU-Vogelschutzrichtlinie sog. „faktische Vogelschutzgebiete“ geworden. Dennoch habe das Immelborner Kieswerk die teilweise unter Naturschutz stehenden Abbaufelder von der Treuhand erworben.

Um den nach der Wende notwendigen Neubau der B 62 zwischen Bad Salzungen und Barchfeld und weiteren Kiesabbau zu ermöglichen, habe man sich vor Ort zügig auf einen von allen Beteiligten gestützten Kompromiss geeinigt. Dieser sei bereits 1994 von den damaligen Ministern Bohn und Sieckmann auf Regierungsebene bestätigt worden.

Als die Kiesindustrie trotz des Kompromisses im Nachhinein Schadensersatz forderte für Flächen, die bereits beim Kauf unter Naturschutz standen, hätten auch die verantwortlichen Lokalpolitiker den Konsens ohne Not wieder aufgekündigt. Statt dessen hätten die Entscheidungsträger fünf Jahre gebraucht, um schließlich 1999 ohne Raumordnungsverfahren eine neue Trassenvariante mitten durch das geplante Naturschutzgebiet „Erlensee“ festzulegen. Die Verletzung europäischen Rechts habe man dabei ebenso billigend in Kauf genommen, wie die Vernichtung wertvoller Brutgebiete für den Wachtelkönig.

„Der Wachtelkönig ist der einzige Brutvogel in Deutschland, dessen Bestand weltweit vom Aussterben bedroht ist“, erklärte Landesgeschäftsführer Vogel. „Eine Verschiebung der Werraquerung um 150 Meter auf die alte Kompromisslinie von 1994 könnte zur Sicherung dieser vom Aussterben bedrohten Art beitragen ohne den Bau der B 62 grundsätzlich zu gefährden. Die Planungsverzögerungen haben diejenigen zu verantworten, die den Kompromiss von 1994 einseitig aufgekündigt haben!“

Der BUND Thüringen rief die Bevölkerung dazu auf, die Chancen des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 für die Entwicklung ländlicher Räume zu erkennen. Schließlich sei spätestens ab 2006 eine verstärkte Förderung des ländlichen Raumes durch die EU nur noch innerhalb dieser Schutzgebietskulisse zu erwarten.

5. November 2002

Sparhaushalt gefährdet Thüringer Kulturlandschaften - Naturschutzverbände fordern Umschichtungen

Erfurt. Die Einsparungen im Landeshaushalt gefährden jahrhunderte alte Kulturlandschaften in Thüringen. Zu dieser übereinstimmenden Einschätzung kommen die Vertreter der Thüringer Naturschutzverbände Arbeitsgemeinschaft Heimischer Orchideen, Landesverband Thüringen e.V. (AHO Thüringen), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), Grüne Liga, Landesverband Thüringen e.V. (GRÜNE LIGA Thüringen) und der Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (NABU Thüringen) bei einer Bewertung des Haushaltsentwurfs der Landesregierung für 2003/2004.

„Wenn die zweite Doppel-Nullrunde in Folge kommt, werden wir uns von vielen Bergwiesen und Trockenrasen in Thüringen endgültig verabschieden müssen. Ohne Pflege lassen sich diese hochgradig bedrohten Lebensräume nicht mehr halten“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Volker Kögler, Vorsitzender des AHO Thüringen wies darauf hin, dass bereits im Doppelhaushalt 2001/2002 die Mittel für den Vertragsnaturschutz um über 50% gekürzt worden sind. Darauf hin mussten hunderte von Pflegeverträgen gekündigt werden. Ohne eine Aufstockung der Mittel im neuen Haushalt, müssten diese Flächen endgültig aufgegeben werden. „Jahrzehntelange gemeinsame Bemühungen von Verbänden, Landwirten und Kommunen um den Erhalt dieser Perlen des Naturschutz sind dann vergeblich gewesen“, so Kögler.

„Mit den Sparmaßnahmen setzt die Landesregierung den Konsens zwischen Naturschutz und Landnutzern leichtfertig aufs Spiel“, warnte Johannes Schubert, Landesgeschäftsführer des NABU. Wenn die Landesregierung immer wieder den Vorrang der „Freiwilligkeit“ vor hoheitlichem Naturschutz fordere, müsse sie auch die finanziellen Mittel für eine naturschutzgerechte Landbewirtschaftung zur Verfügung stellen.

„Teure Naturschutzkonzepte verschimmeln in den Schubladen der Naturschutzbehörden, weil das Geld für deren Umsetzung gestrichen wurde“, kritisierte Andreas Leps die Einsparungen der Landesregierung. Darüber hinaus riskiere der Freistaat ein Vertragsverletzungsverfahren bei der EU, wenn er seiner Berichtspflicht im Rahmen der FFH-Umsetzung nicht nachkomme. Bisher seien hierfür im Landeshaushalt keine Mittel vorgesehen.

Einstimmig fordern die Vertreter der Naturschutzverbände mehr Geld für den Naturschutzhaushalt. Insgesamt sollen die entsprechenden Titel um 4,4 Mio. Euro erhöht werden. Das mache gerade mal 0,8 % Prozent im Gesamthaushalt des Umweltministeriums aus. Zur Deckung dieser Summe sehen die Verbände u.a. Einsparmöglichkeiten beim Land- und Forstwirtschaftlichen Wegebau. Gerade im Forst seien die Wälder ausreichend erschlossen. Durch weiteren Wegebau würden Lebensräume unnötig zerschnitten und Unruhe in den Wald gebracht.

Darüber hinaus fordern die Verbände, die Modulationsgelder zur Finanzierung der Pflege wertvoller Naturschutzflächen einzusetzen. Diese Mittel stammen aus den Agrarsubventionen der EU und sind für Umweltmaßnahmen in den Ländern vorgesehen. Die Verbände fordern, dass diese Mittel nicht in irgendwelchen Subventionstöpfen versickern, sondern für den Erhalt wertvoller Lebensräume und bedrohter Arten eingesetzt werden.

9. Oktober 2002

Erstes Thüringer Holzpelletsgespräch

Erfurt. Der BUND Thüringen hat am vergangenen Dienstag den ersten Thüringer Holzpellets-Workshop in Hainichen, Ostthüringen veranstaltet. Über vierzig Experten aus Unternehmen, Behörden und Verbänden diskutierten, wie sich die Marktchancen für Holzpellets als nachwachsender und klimafreundlicher Energieträger in Thüringen verbessern lassen. Als Gastgeber der Veranstaltung, die durch das Thüringer Umweltministerium finanziell gefördert wurde, präsentierte die Firma Nestro Lufttechnik GmbH die erste in Thüringen produzierende Holzpelletierungsanlage und machte damit die Perspektiven dieser umweltfreundlichen Technologie für Thüringer Unternehmen anschaulich.

„Wenn wir Klimaschutz ernstnehmen, müssen wir konsequent auf regenerative Energieträger umsteigen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen zu Beginn der Veranstaltung. „Holzpellets sind ideal, weil der Rohstoff aus heimischen Resthölzern stammt, bei der Verbrennung die Atmosphäre nicht zusätzlich mit C02 belastet wird und der Komfort der Heizungen mit Öl- oder Gasheizungen vergleichbar ist. Außerdem bleibt bei Holzpellets die gesamte Wertschöpfung von der Produktion, über die Installation der Anlagen bis zum Vertriebe der Pellets im Land. Damit profitieren Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen von dieser Technologie.“

Am Vortragsprogramm beteiligten sich Vertreter des Umweltzentrums des Handwerks in Thüringen, der Thüringer Architektenkammer, des Thüringer Wirtschaftsministeriums und des Biomasseinformationszentrums. Dabei wurde deutlich, dass die Technologie für Pelletsheizungen längst marktfähig ist und ein breites Spektrum unterschiedlicher Systeme angeboten wird. Dennoch ist diese Technologie im Gegensatz zu Bayern oder Baden-Württemberg trotz großzügiger Förderung durch das Thüringer Wirtschaftsministerium in Thüringen nicht sehr weit verbreitet. Der Einsatz der Pelletsheizungen scheitert häufig entweder am mangelnden Fachwissen von Architekten oder Installationsfirmen oder an veralteten Bauvorschriften, welche den Einsatz von Festbrennstoffheizungen in Bebauungsplänen von Gemeinden verbieten. Auch Produktion und Vertrieb der Pellets sind in Thüringen noch unterentwickelt.

Einen großen Wachstumsmarkt für Holzpellets sieht Dr. Fischer vom Biomasseinformationszentrum gerade auch in Thüringen. Nach seinen Angaben ist der Anteil der Pellets-Heizungen bundesweit noch verschwindend gering. Perspektivisch ist jedoch ein Marktanteil von 5% realistisch, der sich vor allem auf waldreiche Bundesländer wie Thüringen konzentrieren wird.

Als Ergebnis des Workshops forderten die Teilnehmer eine gemeinsame Informationskampagne für Thüringer Handwerksunternehmen, Architekten und Bauherren, um die Nachfrage nach Pellets-Heizungen anzukurbeln. Dazu soll eine gemeinsame Informationsplattform geschaffen werden und das Thema auf einschlägigen Messen, wie der naro.tec-Messe für nachwachsende Rohstoffe im Herbst 2003 präsentiert werden.

Dr. Vogel, BUND Thüringen:„Wir bieten unsere Zusammenarbeit beim Aufbau eines Holzenergie-Netzwerkes mit Thüringer Unternehmen an und werden uns weiterhin aktiv für umweltgerechte Technologien wie Holzpellets in Thüringen stark machen.“

6. September 2002

BUND Thüringen macht Öko-Check bei Bundestagskandidaten

Erfurt. Der BUND Thüringen hat mit einem Öko-Check bei Thüringer Bundestagskandidaten die Einstellung zu Umweltthemen getestet. Die Kandidaten erhielten Gelegenheit, ihre Position zu den Themen Agrarwende, Klimaschutz, Verkehrswende und Ökologische Steuerreform per Abstimmung in speziellen Wahlurnen deutlich zu machen. Geprüft werden dabei die Positionen zu vier Umweltthemen:

  • Wie soll es mit der Agrarwende weitergehen? Setzt sich der Kandidat dafür ein, die schleichende gentechnische Kontamination von Lebensmitteln zu stoppen? Welche Position vertritt der Kandidat zum besseren Schutz der Nutztiere?
  • Welche Klimaschutzmaßnahmen unterstützt der Kandidat? Fühlt er sich dem Ziel verpflichtet, bis 2020 die CO2-Emissionen um 40 % gemessen am Stand von 1990 zu senken?
  • Will sich der Kandidat für eine Ökologisierung des Verkehrs stark machen? Kann er dem Plan zustimmen, 2010 bei Gütertransporten über 300 Km einen Anteil von 70 % auf Bahn- oder Wasserwegen zu erreichen? Will er sich dafür einsetzen, den Flächenverbrauch und die Lärmbelastung durch den Verkehr drastisch zu reduzieren?
  • Wie weiter mit der ökologischen Steuerreform? Was denkt der Kandidat über den Vorschlag, die Mineralölsteuer in Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen und den Fortschritten in den Nachbarländern jährlich um mindestens 5, maximal 15 Cent pro Liter, die Stromsteuer um 0,25 Cent pro kWh, die Heizöl- und Erdgassteuer um 2 Cent pro Liter Heizöläquivalent zu erhöhen? Sollen die Einnahmen aus Ökosteuern durch Steuer- und Abgabensenkungen vollständig und sozial ausgewogen an die Bürgerinnen und Bürger zurückgegeben werden?

Frank Henkel, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied im BUND Thüringen: „Wir erwarten, dass die Kandidaten Umweltschutz und Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft ins Zentrum ihrer Politik stellen.“

Die Auswertung von vier Wahlkreisen ergab, dass Bündnis 90 / Die Grünen sich den Forderungen des BUND im wesentlichen anschließen, ohne sich jedoch auf konkrete Zahlen festzulegen. CDU und FDP lehnen die Fortsetzung der Ökosteuer ab. Die SPD ist für eine Fortsetzung der Ökosteuer. Die PDS fordert eine Ökosteuer mit veränderten Rahmenbedingungen. Bei der Agrarwende wollen die Kandidaten der CDU nicht auf Genfood verzichten. Die FDP bezeichnete die Agrarwende als „Sackgasse“. SPD und PDS unterstützen wie die Grünen die Agrarwende, allerdings machten die Kandidaten der SPD keine Aussage zu Genfood. Beim Kampf gegen den Klimawandel fordern die Kandidaten der SPD eine Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2005 um 25% und eine Verdoppelung der erneuerbaren Energien bis 2010. FDP und CDU setzen auf einen Energiemix unter Einschluss der Kernenergie bzw. auf unspezifische, internationale Maßnahmen. Die Kandidaten der PDS sind wie die Grünen für einen Ausstieg aus der Kernenergie.

Die Verkehrswende ist für die CDU u.a. durch den Weiterbau der ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg bzw. durch die Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen wie z.B. Krötentunnel bei Verkehrsprojekten zu erreichen. Die FDP lehnt Einschränkungen im Verkehr ab. Die SPD fordert Mobilität ohne Naturzerstörung und die PDS eine Förderung des ÖPNV. Die Grünen setzen sich ebenfalls für den ÖPNV ein, aber auch für das 3-Liter-Auto, die LKW-Maut ab 2003 und einen Öko-Bonus für Privatpersonen bei verkehrsbewusstem Verhalten.

Nach Ansicht von Dr. Frank Augsten, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied im BUND Thüringen weisen die Aussagen der Kandidaten markante Unterschiede in punkto Umweltschutz auf. „Die anspruchsvollsten Umweltziele werden von Bündnis 90/Die Grünen vertreten“, erklärte Augsten. Die Kandidaten der PDS zeigten zwar auch Sympathien für die BUND-Forderungen hielten sich aber in der Verbindlichkeit ihrer Aussagen zurück. Die SPD unterstütze zwar die Ökosteuer und die Agrarwende, spreche sich aber auch wie die CDU für den Einsatz von Genfood aus. Die Aussagen der CDU-Kandidaten zu den Umweltzielen des BUND blieben vage bis ablehnend. Die FDP setzten in Sachen Umweltschutz allein auf die Wirkungen des Marktes.

6. September 2002

BUND Thüringen begrüßt Beschlüsse von Meiningen und Untermaßfeld für Waldzertifizierung nach FSC

Erfurt/Meiningen/Untermaßfeld. Der BUND Thüringen begrüßt die Beschlüsse des Stadtrates von Meiningen sowie des Gemeinderates von Untermaßfeld, als erste Kommunen in Thüringen ihre Gemeindewälder vom Forest Stewardship Council (FSC) zertifizieren zu lassen. Die beiden Kommunen verpflichten sich, auf einer Fläche von 1300 ha den Wald nach ökologischen und sozialen Kriterien zu bewirtschaften und erhalten dafür das weltweit anerkannte Öko-Siegel des FSC.

„Mit ihren beispielhaften Beschlüssen bekennen sich die beiden Kommunen zu einer ökologisch und sozial glaubwürdigen Waldbewirtschaftung, die international anerkannt ist“, freut sich Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Wir hoffen, dass jetzt möglichst viele Waldbesitzer in Thüringen dem Beispiel von Meiningen und Untermaßfeld folgen und sich von den Vorzügen des FSC überzeugen lassen.“

Nach Angaben des BUND Thüringen verfolgt der Forest Stewardship Council einen umfassenden Zertifizierungsansatz für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Grundlage bilden 10 internationale Prinzipien, zu denen auch der Erhalt der biologischen Vielfalt und die Sicherung sozialer Rechte gehören. Der BUND hat gemeinsam mit anderen Umweltverbänden maßgeblich an der Entwicklung der FSC-Kriterien für Deutschland mitgearbeitet.

In den Wäldern von Meiningen und Untermaßfeld werde in Zukunft der Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden und Kahlschlägen verboten sein, erläuterte Vogel. Mindestens fünf Prozent der Waldfläche werde einer natürlichen Entwicklung überlassen bleiben und das Pferd seinen Stammplatz als Helfer bei der Waldarbeit behalten. Dafür könne das Holz mit dem FSC-Gütesiegel international als Holz aus nachhaltiger und ökologischer Forstwirtschaft vermarktet werden.
Nach Angaben von Vogel sind die Ansprüche des FSC an die waldbaulichen Standards sowie an die Vollständigkeit und Strenge der betrieblichen Kontrollen deutlich höher als beim „Pan European Forest Certification (PEFC)“, welches von der Landesregierung favorisiert werde.

„Wir sind zuversichtlich, dass sich das FSC-Gütesiegel auch in Thüringen durchsetzen wird, wie es bereits in Hamburg, Schleswig-Holstein, Saarland und Nordrhein-Westfalen geschehen ist.“
Die Verbraucher in Thüringen rief der BUND auf, mit ihrer Kaufentscheidung die Etablierung von FSC zu unterstützen. Baumarktketten wie OBI und Praktiker böten bereits eine breite Produktpalette an, welche mit der Aufschrift FSC gekennzeichnet sei. Jeder Bürger könne somit einen persönlichen Beitrag zum Erhalt naturnaher und artenreicher Wälder vor seiner Haustür leisten.

6. September 2002

BUND Thüringen: Talsperre Leibis ist ein Fass ohne Boden

Erfurt. Der BUND Thüringen hält den Bau der Talsperre Leibis für überflüssig und die Zerstörungen von Natur und Landschaft für nicht gerechtfertigt. Das hat er heute anlässlich der Grundsteinlegung für die Staumauer deutlich gemacht. Um die Sinnlosigkeit dieses Vorhabens zu unterstreichen, hat der BUND Thüringen dem Geschäftsführer der Thüringer Talsperrenverwaltung, Jens Peters, ein Fass ohne Boden  überreicht.

„Die Talsperre Leibis ist so sinnlos wie dieses Fass ohne Boden.“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, heute während der Grundsteinlegung in Unterweißbach. „Wenn die Talsperre fertiggestellt ist, wird niemand das Trinkwasser aus der Talsperre benötigen. Viele Arten werden dann endgültig ihren Lebensraum verloren haben und das einzigartige “Tal der Lichte“ wird hinter einer fast einhundert Meter hohen Mauer aus Beton im Wasser versinken.“

Vogel betonte, dass stellvertretend für diese Arten das Auerhuhn stehe, welches in den Wäldern um das Lichtetal seinen letzten Rückzugsraum in Thüringen hatte. Der Bau dieser Talsperre treffe die Population ins Herz und lasse ihr und vielen anderen Arten keine Chance mehr zu Überleben. Diese ökologische Katastrophe werde zur Verwirklichung des Projektes von der Landesregierung billigend in Kauf genommen.

Nach Ansicht des BUND Thüringen wurden zur Rechtfertigung der Talsperre Leibis im Laufe der langen Geschichte des Projektes immer neue Argumente aus dem Hut gezaubert. Während ganz zu Anfang die Talsperre gebaut werden sollte, um den Ballungsraum Leipzig-Halle-Bitterfeld mit Trinkwasser zu versorgen, stand kurz nach der Wende die Versorgung der Thüringer Bevölkerung mit Trinkwasser im Vordergrund. Erst als der BUND nachgewiesen hatte, dass die Bevölkerungsentwicklung in Thüringen stark rückläufig ist und der Trinkwasserverbrauch stagniert, wurde die schlechte Wasserqualität im Talsperrensystem Weida-Zeulenroda-Lössau ins Spiel gebracht. Mit dem Bau von Leibis soll dieses System abgelöst werden. Inzwischen werde darüber diskutiert, weitere Talsperren aus der Nutzung zu nehmen, wie z.B. die Talsperre Schmalwasser, die erst Mitte der 90er Jahre in Betrieb genommen wurde. Parallel dazu sei die geplante Wasserentnahme aus der Talsperre kontinuierlich gesunken. Zu Beginn der 90er Jahre sollten aus der Talsperre noch 220.000m3 entnommen werden. Jetzt sind es nur noch knapp 44.000m3.
Diese Entwicklungen machen nach Ansicht des BUND Thüringen deutlich, dass in Thüringen bereits heute Überkapazitäten im Trinkwasserangebot vorhanden sein. Von den 100.000 Mio. Kubikmeter, die zur Zeit an Trinkwasser in Thüringen pro Jahr zur Verfügung stehen, würden nur ca. 50 Mio. Kubikmeter genutzt.

„Mit diem Fass ohne Boden wollen wir mahnend daran erinnern, dass der Bau von Talsperren ins Bodenlose führt und den Weg für eine zukunftsfähige, nachhaltige und sichere Trinkwasserversorgung verbaut“, erklärte Vogel anlässlich der Übergabe.

13. August 2002

BUND lädt Joschka Fischer zum "Lauf am Grünen Band" ein - 41 Jahre nach Mauerbau Todesstreifen zur Lebenslinie machen

Berlin/Eichsfeld. Anlässlich des Besuches von Joschka Fischer am "West-Östlichen Tor" - einem Kunstdenkmal des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf der früheren innerdeutschen Grenze im Eichsfeld zwischen Thüringen und Niedersachsen - überreichte Frank Henkel, Geschäftsführender Vorstand des BUND Thüringen ihm heute die Einladung für einen Lauf am "Grünen Band". Damit will der Umweltverband bei Fischer um Unterstützung für den Schutz dieses wertvollen Biotopverbundes werben, "sollte nach dem Wahlmarathon unerwartet einmal mehr Zeit sein für echte läuferische Herausforderungen" - so BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm.

Der BUND hat kürzlich eine Bestandsaufnahme der schützenswerten Lebensräume entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze vorgestellt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass 41 Jahre nach dem Mauerbau auf dem früheren Grenzstreifen ungewollt außergewöhnlich viele wertvolle Naturschätze vorhanden sind.

Timm: "Von der Ostsee bis ins Vogtland bildet das Grüne Band eine Perlenkette wertvollster Biotope. Zugleich erinnert es an die Teilung Deutschlands und Europas. Das Grüne Band verbindet Naturschutz und politische Geschichte. Wir zeigen Außenminister Fischer gern beim Joggen in ausgewählten Teilstrecken des Grünen Bandes diese natürlichen Schätze. Er kann uns dabei behilflich sein, das Gebiet zu schützen um so den Todesstreifen zur Lebenslinie zu machen."

Der BUND bietet für Naturschützer eine "Grüne Aktie" an, mit deren Erlösen Teilstücke des "Grünen Bandes" aufgekauft werden. Auf diese Weise wurden bereits mehr als 120 Hektar für den Biotopschutz gesichert. Darunter auch 20 Hektar Lebensraum, die jetzt vom „WestÖstlichen Tor“ „bewacht“ werden. Um den aktuellen Zustand der Biotope auf dem ehemaligen Grenzstreifen zu ermitteln und Schutzkonzepte zu erarbeiten, hat der BUND eine Bestandsaufnahme der seltenen Tier- und Pflanzenarten im "Grünen Band" durchgeführt. Dabei wurden über 80 verschiedene Biotoptypen erfasst. Knapp die Hälfte der Fläche des Grünen Bandes besteht aus Biotopen, die von der Roten Liste als gefährdet eingestuft werden, wie zum Beispiel Halbtrockenrasen, orchideenreiche Buchenwälder, Zwergstrauchheiden. In einigen ausgewählten Gebieten wurden auch Tier- und Pflanzenarten aufgenommen. Dabei wurden bereits 1044 Arten nachgewiesen, die in Deutschland gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind.

Durch die Vielfalt der Biotope bietet das Grüne Band Rückzugsräume für seltene Tiere wie Laubfrosch, Braunkehlchen, Raubwürger und Wachtelkönig. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme untermauern die hohe Schutzwürdigkeit des 194 km2 großen und 1393 km langen Grünen Bandes, das vor allem durch Flächenverkäufe, landwirtschaftliche Eingriffe und Straßenbauprojekte bedroht wird.

14. Juni 2002

„Spur in der Landschaft – Eine Reise entlang des Grünen Bandes in Thüringen“

Erfurt. So lautet der Titel des Reiseführers, den der BUND Landesverband Thüringen heute präsentierte. Vom Vogtland bis zum Harz führt diese Reise entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze durch fast alle Landschaftsräume Thüringens. „Wir wollen dazu einladen, das Grüne Band zu erleben, auf Wanderungen Spuren der Geschichte und der Natur zu entdecken, statt nur in Büchern darüber zu lesen“, so Autorin Karin Kowol vom BUND Landesverband Thüringen.

Seit zwölf Jahren verfolgt der BUND das Projekt „Das Grüne Band“. Im Schatten der früheren innerdeutschen Grenze hatte sich ein einzigartiger Rückzugsraum für die Natur entwickelt, ein Streifen Wildnis von 1400 km Länge, davon alleine in Thüringen 763 km.

Dieses Grüne Band sieht im Thüringer Schiefergebirge ganz anders aus als im Werrabergland oder der Rhön. Lauschige Bergwiesen inmitten von Fichtenforsten im Thüringer Wald, Halbtrockenrasen in der Rhön, Feuchtwiesen und Auwald in der Werraaue. Es gibt überall viel zu entdecken. Neben Naturschönheiten erinnern vereinzelt vergessene Beobachtungstürme oder Grenzpfosten in der Landschaft an die Vergangenheit.

Zwölf Stationen entlang des Grünen Bandes in Thüringen sind Ausgangspunkte für Wanderungen, aber auch für die Auseinandersetzung mit den vielen Themen um die ehemalige innerdeutsche Grenze. Vom Umgang mit der Vergangenheit zum Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, von LandArt zu den Eigentumsverhältnissen im Grünen Band werden im Reiseführer einige der Themen angerissen, die sich um das Grüne Band stellen.

„Wir hoffen, mit dieser Broschüre die Neugier zu wecken, die Neugier auf die Natur und auf die Geschichte.“ so Karin Kowol. „Es wäre schön, wenn das Kind, das mit seinen Eltern am Grünen Band spazieren geht, fragt, warum die Landschaft hier anders aussieht und wenn die Eltern eine eigene ganz persönliche Erklärung abgeben könnten, was hier passiert ist und wie sie die Vergangenheit erlebt haben. Wir hoffen auch, dass mit der Neugier das Bestreben der Bevölkerung wächst, diese einzigartige Spur in der Landschaft für unsere Kinder zu erhalten.

5. Juni 2002

BUND Thüringen präsentiert Jahresbericht 2001

Erfurt. Der BUND Thüringen hat heute seinen Jahresbericht für das Jahr 2001 präsentiert. Er zieht darin eine positive Bilanz seines Engagements im vergangenen Jahr.
„Von A wie Abfall bis Z wie Zerschneidung reicht das Spektrum der Themen, mit denen sich der BUND Thüringen im vergangenen Jahr auseinandergesetzt hat“, erklärte Frank Henkel, Vorstandsprecher im BUND Thüringen. „Dabei haben wir uns nie damit zufrieden gegeben, umweltgefährdende Vorhaben einfach nur zu kritisieren. Immer haben wir auch Alternativen aufgezeigt.“

Als Beispiel nannte Henkel die ehemalige innerdeutschen Grenze. Der BUND fordere nicht nur die Unterschutzstellung der Flächen im Grünen Band, sondern habe selbst Verantwortung durch den Ankauf der wertvollsten Flächen übernommen. Als weiteres Beispiel nannte er den Widerstand gegen den Bau weiterer Schweinefabriken in Thüringen. Hier habe der BUND Thüringen gleichzeitig die Verbraucher mit landesweiten Informationsveranstaltungen über Produkte aus dem ökologischen Landbau informiert.

„Mit dem Gerichtsurteil zum Bau der Talsperre Leibis haben wir im vergangenen Jahr die größte, politische Niederlage in der Geschichte des BUND Thüringen hinnehmen müssen“, gestand Wigbert Schorcht, ebenfalls Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des BUND Thüringen. „Dafür ist es aber auch der größte Pyrrhussieg für den Freistaat Thüringen.“ Schorcht wies darauf hin, dass jetzt das eintrete, wovor der BUND im Falle des Baus der Talsperre jahrelang gewarnt habe: Überkapazitäten beim Fernwasser, explodierende Fernwasserpreise, Stillegung von neuwertigen Talsperren mit hohen Folgekosten. „Leibis ist eine Fehlplanung, die den Freistaat Thüringen und seine Bürger und die Natur auf Jahrzehnte teuer zu stehen kommt.“

„Wir sind das umweltpolitische Gewissen in Thüringen und wollen es auch bleiben“, zeigte Dr. Frank Augsten, drittes Mitglied im geschäftsführenden Vorstand sich selbstbewusst. „Deshalb greifen wir die Umwelt- und Naturschutzthemen auf, welche die Menschen im Land berühren, um sie zum Bestandteil der politischen Auseinandersetzung für eine nachhaltige Entwicklung in Thüringen zu machen.“ Zufrieden zeigte sich Augsten über die positive Mitgliederentwicklung im Verband. Im vergangen Jahr hätten sich fast 400 neue Mitglieder für den BUND Thüringen entschieden. Insgesamt habe der Verband am Jahresende mehr als 2.600 Mitglieder gezählt. Augsten ist zuversichtlich, dass in diesem Jahr die 3000er Marke überschritten wird.

31. Mai 2002

Grüne Energie aus heimischen Wäldern

Erfurt. Zum Tag der Umwelt ruft der BUND Thüringen e.V. unter dem Motto „Holz, das Erdöl der Region“ zu modernem Heizen mit dem klimafreundlichen und umweltschonenden Brennstoff Holz auf.

„In Deutschland verbrauchen private Haushalte ca. 30 % des gesamten Energieauf-kommens. Davon benötigen sie allein 80 % zur Beheizung.“, sagt Frau Reinhardt vom BUND Thüringen. Bisher ungebremster Verbrauch fossiler Brennstoffe führe durch Emission von Treibhausgasen, insbesondere von CO2, weltweit zu erheblichen Klima-schäden. Im Rahmen der geforderten und mit dem Kyoto-Protokoll auch politisch an-gestrebten Energiewende müssen oft noch ungenutzte Potenziale im Bereich der klimafreundlichen heimischen Alternativ-Energien ausgeschöpft werden.

Im waldreichen Deutschland wird der Wärmeerzeugung mit Holz die weitaus größte Wachstumsdynamik prognostiziert. „Für unsere heimischen Wälder entsteht durch energetische Holznutzung keine Gefahr. Zur Wärmeerzeugung werden ausschließlich bisher nicht verwertbare Holzreste aus der Waldpflege und der Sägeindustrie verwendet.“, so Frau Reinhardt weiter.

Für private Haushalte sind Holzpellets, kompakte Energiepakete aus gepressten Restspänen, besonders interessant. Hoch wirksame Holzfeuerungstechnik garantiert Sicherheit und den gewohnten Komfort. Die Brennstoffzufuhr und die Entnahme der Asche erfolgen voll automatisch. Holzpellets kommen per Tankwagen nach Hause. Der Bedarf für ein normal gedämmtes Einfamilienhaus liegt bei ca. 6 m³, also 4 t Holz-pellets für 700 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Die gleiche Heizleistung mit Öl oder Gas kosten jährlich 990 Euro. Bei Anschaffung der teuren Holzheizung geben Förderprogramme von Bund, Ländern und privaten Institutionen wichtige Impulse für die klimabewusste Wärmeerzeugung.

„Wer Holz verbrennt, spart nicht nur bares Geld bei gewohntem Komfort, sondern senkt seinen CO2-Ausstoß um 4,8 Tonnen mit jedem Jahr.“, erklärt Frau Reinhardt abschließend. Holz verbrenne CO2-neutral. So lange Bäume wachsen, speichern sie CO2. Die gleiche Menge werde dann bei der natürlichen Verrottung genauso wie beim Verbrennen wieder freigesetzt.

27. Mai 2002

Keine Gentech-Landwirtschaft durch die Hintertür - Landesversammlung des BUND Thüringen verabschiedet Resolution gegen Gen-Mais in Thüringen

Erfurt. Die Landesversammlung des BUND Thüringen hat am Samstag einstimmig eine Resolution gegen den Anbau von Gen-Mais in Thüringen verabschiedet. Außerdem hat die Versammlung eine neue Führungsstruktur im BUND Thüringen beschlossen.

„Thüringen mit seiner Vielzahl hervorragender regionaler Produkte läuft Gefahr, die „Original Thüringer Qualität“ einer landwirtschaftsfeindlichen Pharmalobby zu opfern, die mittels der Gentechnik die Nahrungsmittelproduktion von Feld und Stall in die Industrielabore verlagern will“, so Landwirtschaftsexperte Dr. Frank Augsten.

Augsten wies daraufhin, dass über 80 % der Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen, dass keine ausreichenden Kenntnisse über die Risiken der Aussaat vorliegen und dass für benachbarte Felder die Gefahr der gentechnischen Veränderung der Ernte besteht.
Der BUND fordert daher die zuständigen Ministerien auf, die vorgesehenen Flächen bekannt zu geben, die Aussaat zu stoppen, bzw. die Jungpflanzen zu vernichten.

Die Neuordnung der Führungsstruktur im BUND Thüringen war ebenfalls auf der Tagesordnung der Landesversammlung.

„Wenn wir einen professionellen Umweltverband wie den BUND weiterhin ehrenamtlich führen wollen, müssen wir die Lasten breiter verteilen“, erklärte Wigbert Schorcht, Vorstandssprecher im Landesvorstand des BUND Thüringen.

Auf Vorschlag des Vorstandes soll der BUND Thüringen daher nicht mehr nur durch die Person eines einzelnen Vorsitzenden, sondern durch einen dreiköpfigen geschäftsführenden Vorstand geführt werden. Der geschäftsführende Vorstand vertritt den BUND entsprechend der thematischen Schwerpunkte nach außen. Im erweiterten Vorstand befinden sich SchatzmeisterIn, der (die) LandesjugendsprecherIn sowie bis zu drei weitere Personen.

Den geschäftsführenden Vorstand bilden derzeit Dr. Frank Augsten, Frank Henkel und Wigbert Schorcht. Schatzmeisterin ist seit einem Jahr Kerstin Schnelle.

Schorcht erwartet von dieser Vorstandsstruktur eine höhere Flexibilität in der ehrenamtlichen Führungsspitze und eine Stärkung der ehrenamtlichen Präsenz des Vorstandes in der Öffentlichkeit.

16. Mai 2002

Moderne Wärmeerzeugung mit Holz - klimafreundlich, komfortabel, preisgünstig

Erfurt/Meiningen. „Holz – das Erdöl der Region“, unter diesem Motto führt der BUND am Dienstag den 21. Mai ab 11.00 Uhr einen Infostand auf dem Meininger Wochenmarkt. Der BUND stellt seine Holzpellets-Broschüre vor und infor-miert alle interessierten Bürger zum Brennstoff Holz.

„Holz ist ein klimafreundlicher und umweltschonender Energieträger. Seine Nutzung bedeutet weder Verzicht auf gewohnten Komfort noch finanzielle Einbußen.“ sagt Frau Reinhardt vom BUND. Ob in Form von Scheitholz, Hack-schnitzeln, Holzbriketts oder Holzpellets, die grüne Energie erzeuge verbunden mit ausgereifter Heizungstechnik wohlige Wärme. Zahlreiche Förderprogramme machen Holzheizungen schon heute für private Haushalte zu einer lukrativen Alternative gegenüber fossilen Energieträgern wie Erdöl und –gas.

Energetisch genutzt werden vor allem Resthölzer aus der Waldpflege und der Sägeindustrie. Für unsere heimischen Wälder besteht also keine Gefahr. Im Gegenteil, die heimische Industrie verdient an einer solchen Verwendung, weil derzeit in Thüringen jährlich bis zu 700.000 Tonnen Holzspäne als „Abfälle“ teuer deponiert werden müssen. Außerdem bietet solches Energie-Holz eine Chance für die regionale Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze.

Vor allem private Verbraucher aber auch kommunale Träger stehen der rasanten Entwicklung auf dem Markt für regenerative Energien noch oft ratlos gegen-über. Der BUND möchte deshalb allen Interessierten Bürgern und Planungs-trägern ein breites Basiswissen über die energetische Holzverwendung und deren ökologischen und finanziellen Konsequenzen vermitteln.

20. April 2002

Dieter Althaus Schirmherr – Rückenwind für die Lebendige Werra

Erfurt. Dieter Althaus, Fraktionsvorsitzender der CDU im Thüringer Landtag, engagiert sich als Schirmherr der Initiative „Lebendige Werra“. „Dies bedeutet für die gemeinsame Initiative von NABU, BUND und Deutscher Umwelthilfe wichtigen Rückenwind“ erklärt Jörg Dürr-Pucher, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Die Schirmherrschaft von Dieter Althaus sei eine Anerkennung für die vorbildlichen Leistungen, die das Projektteam „Lebendige Werra“ in den ersten 1 ½ Jahren erbracht habe.

Dank der großzügigen Förderung der Stiftung Naturschutz Thüringen konnten die drei Umweltverbände in der ersten Projektphase im Einzugsgebiet der Werra ein funktionierendes Netzwerk aus Umweltverbänden, Kommunen und Schulen aufbauen. Wichtige Kontakte in die Umwelt- und Landwirtschaftsverwaltung sowie zu Tourismusexperten und Bürgermeistern wurden geknüpft. Das Büro am Fluss, das vom BUND in Meiningen betrieben wird, hat sich als Kommunikationszentrum im Einzugsgebiet etabliert. Durch das Infoblatt „Lebendige Werra“ und die erste Ausgabe des Rundbriefes „Werra-Nixe“ konnten die angegangenen Projekte einer breiten Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Schwerpunkte der Aktivitäten lagen in der Schaffung neuer Lebensräume in der Tal-aue der Werra und ihrer Zuflüsse und in der Verbesserung der Durchgängigkeit, insbesondere in den sogenannten Waldfließgewässern des Thüringer Waldes. Zudem engagierte sich die Initiative beim Aufbau des Netzwerkes „Schulen für eine lebedige Werra“, an dem mehr als 20 Schulen teilnehmen sowie bei der Förderung sanfter, naturschonender Tourismusangebote im Einzugsgebiet der Werra.

Dieter Althaus begrüßt insbesondere den kooperativen Ansatz der Umweltverbände. Er sieht hier die ausgestreckte Hand in Richtung Tourismus, Verwaltung und Kommunen, um gemeinsam die Flüsse und Bäche im Einzugsgebiet der Werra wieder zu Lebensadern der Landschaft zu machen. Als Pädagoge freut er sich insbesondere über die Einbeziehung der Schulen durch das Netzwerk „Schulen für eine lebendige Werra“ und will den Fortgang der Initiative durch eigene Akzente zukünftig positiv beeinflussen.

4. April 2002

Naturschutz kommt zu seinem Recht - BUND Thüringen begrüßt Inkrafttreten des neuen Naturschutzgesetzes

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt das Inkrafttreten des neuen Naturschutzgesetzes als historisches Datum für den Naturschutz in Deutschland. Er fordert die Landesregierung auf, das Gesetz so schnell wie möglich in Landesrecht umzusetzen.

„Endlich haben wir ein Gesetz, dass seinem Namen auch gerecht wird“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Nach Ansicht des BUND können mit dem neuen Gesetz Anstrengungen im Naturschutz nicht mehr wie bisher durch die sogenannte ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft neutralisiert werden. Statt dessen gebe es jetzt klare Anforderungen an die „gute fachliche Praxis“ einer naturverträglichen Landwirtschaft. Der übermäßige Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sei jetzt ebenso verboten wie auch der Grünlandumbruch in den empfindlichen Flussauen.

Vogel betonte, dass mit der Einführung eines bundesweiten Biotopverbundes auf 10% der Landesfläche endlich Erkenntnisse des wissenschaftlichen Naturschutzes im Gesetz ihren Niederschlag fänden. Naturschutz funktioniere nicht, wenn er sich nur auf Schutzgebiete beschränke. Die Vernetzung von Lebensräumen und die Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Lebensgemeinschaften seien eine Voraussetzung für das Überleben von Tier- und Pflanzenarten in einer immer intensiver genutzten Industrielandschaft.

Der BUND forderte die Landesregierung auf, das Gesetz so schnell wie möglich umzusetzen. Dazu müsse nicht nur das Landesnaturschutzgesetz an das neue Rahmengesetz angepasst werden.
„Jetzt ist die Landesregierung am Zug“, erklärte Vogel. „Wir brauchen einen Naturschutzbedarfsplan für Thüringen, in dem die notwendigen Flächen für einen landesweiten Biotopverbund ausgewiesen werden. Außerdem müssen KULAP und Vertragsnaturschutz finanziell besser ausgestattet werden, damit Landwirte für besondere Naturschutzleistungen auch angemessen bezahlt werden.“

4. April 2002

BUND fordert Raumordnungsverfahren für Gipsabbau in der Rüdigsdorfer Schweiz

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert ein Raumordnungsverfahren zum Gipsabbau in der Rüdigsdorfer Schweiz im Landkreis Nordhausen. Bei einer ersten Anhörung am Mittwoch vor dem Oberbergamt in Erfurt übte der BUND massive Kritik am Vorhaben der Südharzer Gipswerke zur Ausdehnung des Gipsabbaus im Südharzer Zechsteingürtel.

„Wir sind doch nicht in einer Bananenrepublik, in der private Absprachen zwischen Regierungsvertretern und Wirtschaft demokratisch legitimierte Verfahrenswege aushebeln“, erklärte der Landesgeschäftsführer des BUND, Dr. Burkhard Vogel zum sog. Gipskompromiss, auf den sich die Südharzer Gipswerke mit ihrem Abbauvorhaben berufen.. „Auch Staatssekretäre und Minister haben nicht das Recht, Unternehmen Zusagen für Vorhaben zu machen, ohne dass die gesetzlich geregelten Zulassungsverfahren überhaupt eingeleitet worden sind.“

Der BUND wies noch einmal darauf hin, dass die Südharzer Gipskarstlandschaft ein weltweit einmaliges Naturjuwel sei. Durch den großflächig anstehenden Gips habe sich ein vielgestaltiges Relief mit unterschiedlichsten Standortbedingungen ausgebildet. Dadurch beherberge die Landschaft eine einmalige Artenvielfalt auf engstem Raum. Das Gebiet der Rüdigsdorfer Schweiz mit dem Winkelberg repräsentiere in besonderer Weise die für den Südharz typischen Lebensraumbedingungen. Durch den Gipsabbau würden diese Lebensräume vollständig und unwiederbringlich zerstört werden.

Deshalb sei auch im Regionalen Raumordnungsplan Nordthüringen (RROP) das Gebiet am Winkelberg als sog. „Weiße Fläche“ von Funktionszuweisungen freigehalten worden. Für den Fall, dass die Gipsindustrie hier den Abbau beantrage, werde im RROP ausdrücklich die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens verlangt.

Der BUND Thüringen betonte, dass auch aus wirtschaftlicher Sicht die Ausdehnung des Gipsabbaus im Interesse einzelner Wirtschaftskonzerne auf Kosten einer nachhaltigen Entwicklung in der Region gehe. „Schon jetzt schafft der sanfte Tourismus in der Region mehr Arbeitsplätze als alle Gipsunternehmen gemeinsam. Eine Ausdehnung des Gipsabbaus würde der Tourismusentwicklung schaden und in wenigen Jahren eine devastierte und unansehnliche Landschaft hinterlassen“, warnte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Die Landesregierung forderte der BUND Thüringen dazu auf, den Willen der Regionalen Planungsgemeinschaft, der Kommunen und der Bürger in der Region nicht zu ignorieren. „Die Landesregierung muss den Bürgern die Gelegenheit geben, in einem demokratischen Entscheidungsprozess über das Schicksal ihrer Region mitzubestimmen. Deshalb fordern wir von Herrn Minister Gnauck die Einleitung eines Raumordnungsverfahrens für den Gipsabbau am Winkelberg!“ betonte Vogel.

26. Februar 2002

BUND warnt vor Aufweichung von Umweltstandards im Osten

Erfurt. Der BUND Thüringen warnt davor, Umweltstandards im Osten aufzuweichen. Der Umweltverband reagiert damit auf entsprechende Pressemeldungen zum Besuch des Kanzlerkandidaten der Union, Edmund Stoiber, am Montag in Erfurt.

„Einen Umweltschutz light für den Osten darf es nicht geben“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Die Menschen im Osten haben ein Anrecht auf dieselbe Lebensqualität wie die Menschen im Westen. Wer die Senkung von Umweltstandards mit verantwortungsvoller Wirtschaftspolitik verwechselt, setzt leichtfertig die Chancen für eine nachhaltige Entwicklung in den neuen Ländern aufs Spiel.“

Vogel wies darauf hin, dass gerade auch in Thüringen die Situation der Umwelt keinen Anlass biete, sich entspannt zurückzulehnen und die Anforderungen an eine umweltverträgliche Wirtschaftsweise runter zu schrauben. So seien die Fließgewässer in Thüringen zu weniger als 10% gering bis unbelastet. Neben Einträgen durch die Landwirtschaft sei gerade die Einleitung unbehandelter Abwässer für die z.T. starke Belastung der Gewässer verantwortlich. Auch beim Klimaschutz sei eine wirkungsvolle Reduktion der klimaschädlichen Treibhausgase bisher nicht gelungen. Im Verkehrssektor steige der Ausstoß von Treibhaus-Emissionen sogar an.

Auch den Forderungen nach Vereinfachungen beim Baurecht in den neuen Bundesländern erteilte Vogel eine Absage. In Thüringen werde jährlich eine Fläche von 6.100 ha für Siedlungs- und Straßenbau versiegelt. Die steigende Tendenz im Flächenverbrauch werde auch durch die abnehmende Bevölkerungszahl nicht gebremst. Eine ökologisch ausgerichtete Bauweise und eine nachhaltige Siedlungsentwicklung müsse daher gestärkt und nicht geschwächt werden.

Auf Kritik beim BUND Thüringen stieß auch die Forderung des Kanzlerkandidaten der Union nach einem zügigen Weiterbau der ICE-Trasse: „Wer den Aufschwung in der ostdeutschen Wirtschaft unterstützen will, der muss vor allem die Anbindung regionaler Wirtschaftszentren an das überregionale Verkehrsnetz fördern. Mit einer milliardenschweren ICE-Trasse quer durch Thüringen, die ihren einzigen Halt in der Landeshauptstadt hat, ist das nicht möglich. Die Wirtschaftszentren Suhl und Ilmenau sehen dann nur noch Schlusslichter“, erklärte Vogel.

Der BUND Thüringen forderte den Kanzlerkandidaten der Union, Edmund Stoiber, auf, die ökologische Erneuerung in den Mittelpunkt seines Programms zu stellen. In der Einheit von Ökologie, Ökonomie und Sozialem läge die Zukunft der Neuen Bundesländer und Deutschlands insgesamt und nicht in der Abkoppelung des Umweltschutzes von der Wirtschaftsentwicklung.

15. Februar 2002

Schilder statt Scheine für den Nationalpark Hainich? - BUND Thüringen kritisiert mangelhafte Finanzausstattung des Nationalparks

Erfurt. Scharfe Kritik übte der BUND Thüringen heute anlässlich der Aufstellung eines Hainich-Autobahnschildes an der mangelhaften Finanzausstattung des Nationalparks Hainich. Er forderte die Landesregierung auf, mehr Geld für dringend notwendige Infrastrukturprojekte, wie z.B. die Einrichtung des Nationalparkhauses im Nationalpark zur Verfügung zu stellen, bevor Hinweisschilder am Rand aufgestellt würden.

„Der Nationalpark Hainich verhungert am ausgestreckten Arm des Finanzministers,“, befürchtet Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Projekte, wie der Bau des Nationalparkhauses oder die Einrichtung eines Wildfreigeheges liegen auf Eis, weil die Landesregierung für den Nationalpark kein Geld übrig hat.“ Nach Informationen des BUND Thüringen können noch nicht einmal Projekte realisiert werden, für die bereits Fördermittel in Aussicht stehen. So habe die Deutsche Bundesstiftung Umwelt vorläufig grünes Licht für die Einrichtung eines Baumkronenerlebnispfades gegeben. Die Umsetzung scheitere jedoch daran, dass die Landesregierung nicht bereit sei, den Eigenanteil für dieses Projekt aufzubringen. Damit verschenke die Landesregierung bares Geld für die Entwicklung des Nationalparks und der Region.

Während Umweltminister Sklenar neue Schilder an der Autobahn aufstelle, mache auch die Bahn Umwege um den Nationalpark. In ihrer gemeinsamen Kampagne mit den Umweltverbände WWF, NABU und BUND unter dem Slogan „Fahrtziel Natur“ werbe die Bahn in Thüringen unter dem Motto „Fahrtziel Wald“ für den Harz. Bemühungen, den Nationalpark Hainich in die Kampagne mit aufzunehmen, seien bei der Bahn bisher gescheitert. Nach Informationen des BUND Thüringen vermissen die Verantwortlichen bei der Bahn attraktive Besuchermagneten, wie z.B. ein Wildfreigehege im Nationalpark Hainich.

„Die Landesregierung stattet zwar den Förderverein Naturpark Thüringer Wald e.V. mit jährlich 250.000 € aus, der Nationalpark Hainich geht aber leer aus“, kritisierte Vogel. „Diese Politik gefährdet nicht nur die Entwicklung im Nationalpark, sie gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region.“ Vogel verwies dabei auch auf den deutschen Musternationalpark Bayerischer Wald. Dort habe Ministerpräsident Edmund Stoiber eindrucksvoll gezeigt, wie man einen Nationalpark als Motor für eine nachhaltige Entwicklung in einer strukturschwachen Regionen nutzen könne.

Der BUND Thüringen forderte die thüringische Landesregierung auf, dem bayerischen Vorbild zu folgen: „Es wird Zeit, dass Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel zeigt, wie viel ihm der Nationalpark Hainich wirklich wert ist. Die Investition in den Nationalpark ist eine Investition mit Zukunft“, erklärte der Landesgeschäftsführer.



Jahresbericht 2016

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

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Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
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Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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