12. Dezember 2003

Ökologischer Umbau des Hochwasserrückhaltebeckens Grimmelshausen in der Werra - BUND, Hydrolabor Schleusingen und Thüringer Fernwasserversorgung präsentieren Machbarkeitsstudie

Der BUND Thüringen präsentiert gemeinsam mit dem Hydrolabor Schleusingen und der Thüringer Fernwasserversorgung am Montag, dem 15. 12.2003 im Schützenhaus Themar um 17.00 Uhr die Ergebnisse einer Studie zum Ökologischen Umbau des Hochwasserrückhaltebeckens Grimmelshausen. Hierzu sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger der Region eingeladen.

Wie lassen sich die Ziele des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes miteinander in Vereinbarung bringen? Diese Frage untersucht eine Studie des Hydrolabors Schleusingen im Rahmen des Projekts „Lebendige Werra“ des BUND Thüringen.

Noch behindern mehr als 60 Querbauwerke in der Werra die natürliche Wanderung von Fischarten. Sie sind der Hauptgrund für das Aussterben von Wanderfischen wie Lachs und Nase im Werra-Einzugsgebiet.

Das Hochwasserrückhaltebecken Grimmelshausen ist eines der größten Querbauwerke an der Werra und trennt derzeit noch ein Einzugsgebiet von 270 Quadratkilometern im Oberlauf der Werra vom restlichen Flussverlauf. Erste Ergebnisse einer Studie des Hydrolabors Schleusingen zeigen, dass der Umbau unter Beibehaltung des Hochwasserschutzes möglich ist. Das wird sich nicht nur positiv für viele Fischarten auswirken. Die Werra erhält auch die Dynamik eines lebendigen Flusses wieder zurück. Die Selbstreinigungskraft der Werra wird wieder gestärkt.

Zu der Bürgerveranstaltung sind auch die Vertreter der Medien herzlich eingeladen.

5. Dezember 2003

BUND Thüringen: CDU und PDS machen Kormoran zur lebenden Zielscheibe - Erleichterung über Stopp des Heckenrodungsgesetzes

Erfurt. Auf scharfe Kritik des BUND Thüringen stößt die Entscheidung im Agrarausschuss des Thüringer Landtages, den Abschuss des Kormorans freizugeben. Nach dem Willen von CDU und PDS soll der Abschuss des Kormoran in Zukunft uneingeschränkt erlaubt werden.

„CDU und PDS machen den Kormoran zur lebenden Zielscheibe“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen zu der Entscheidung im Agrarausschuss. „In Zukunft kann jeder, der eine Waffe trägt, die Vögel einfach abknallen. Das hat mit einem verantwortlichen Management nichts mehr zu tun. Das ist die gesetzliche Aufforderung zur Ausrottung dieser Art!“
Ber BUND Thüringen kritisiert u.a., dass die Regelung keinerlei zeitliche Einschränkung und auch keine zahlenmäßige Begrenzung des Abschusses vorsehe. Die Regelung sei daher auch nicht geeignet, ein Versachlichung in der Kormorandiskussion herbeizuführen.

Als fadenscheinig bezeichnete Vogel die Argumentation, die Regelung diene dem Schutz seltener Fischarten in Thüringen. „Der Kormoran wird nicht von seltenen Fischen satt, weil die schwer zu finden und zu fangen sind. Er ist deshalb auf häufige Arten spezialisiert.“

Nach Angaben des BUND Thüringen ist für den Rückgang der Fischarten in Thüringen in erster Linie die großflächige Verbauung der Flusssysteme verantwortlich. Diese Einschätzung werde auch vom Thüringer Umweltministerium in der offiziellen Roten Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten geteilt. Die Zerstörungn natürlicher Kies- und Sandbänke und fehlende, naturnahe Uferstrukturen raubten den Fischen ihre Laichplätze und Versteckmöglichkeiten. Durch die zunehmenden Querbauwerke in den großen Flüssen, verwandelten sich diese in eine Kette von Stauseen, die das natürliche Wanderverhalten der Fische verhinderten.

Vogel forderte die Landtagsabgeordneten auf, der neuen Kormoranregelung nicht zu zustimmen. Statt dessen solle der Landtag die nötigen Mittel für das Thüringer Wanderfischprogramm und für die Renaturierung der Fließgewässer bereit stellen.

Die Entscheidung des Agrarausschusses, das Heckenrodungsgesetz zu streichen, wurde vom BUND Thüringen dagegen ausdrücklich begrüßt. „Wir sind sehr erleichtert darüber, dass die Landtagsabgeordneten hier mit Sachverstand und Augenmaß und nicht mit dem Häcksler entschieden haben“, erlärte Ron Hoffmann, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen. Hecken und Waldränder gehörten hinsichtlich der Artenvielfalt zu den „hot spots“ in der Kulturlandschaft. Auch für das Landschaftsbild und das Naturerleben in freier Landschaft hätten sie einen unschätzbaren Wert. Schließlich sei durch die Entscheidung Schaden vom Wald abgewendet worden.

Positiv bewertete Hoffmann auch die konstruktive Auseinandersetzung des BUND Thüringen mit allen am Diskussionsprozess beteiligten. „Ein solchen, sachlichen Dialog würden wir uns auch für das Kormoranthema wünschen.“, sagte Hoffmann.

1. Dezember 2003

BUND kritisiert Thüringer Landesregierung für ihre Befürwortung der tierquälerischen Käfighaltung

Erfurt. Die Zustimmung Thüringens zur Verlängerung der Käfighaltung bei Legehennen am vergangenen Freitag im Bundesrat wird vom BUND Thüringen scharf kritisiert. Der Verband wirft dem Freistaat vor, bei der Abstimmung vor der Eierlobby eingeknickt zu sein.

Ron Hoffmann, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen: „Die Käfighaltung ist Tierquälerei. Daran ändern auch „ausgestaltete Käfige“ nichts.“ Hoffmann kritisierte, dass die Landesregierung sich vor den Karren der Hühnerbarone haben spannen lassen und deren unwissenschaftlichen Argumente ungeprüft übernommen habe. Thüringen habe mit seinem Abstimungsverhalten das Leid der Legehennen in Käfighaltung auf unbestimmte Zeit verlängert.

Jahrzehntelang haben Umweltschutz-, Verbraucherschutz- und Tierschutzorganisationen für ein Verbot der tierquälerische Käfighaltung von Legehennen gekämpft. Der BUND habe sich mit seinen Agrarwendekampagnen sehr deutlich gegen alle Formen der nicht-artgemäßen Nutztierhaltung gewandt und Alternativen aufgezeigt. Die Grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast habe reagiert und auf der Grundlage der entsprechenden EU-Regelungen eine Legehennenverordnung für Deutschland erlassen, wonach Hennen ab 2007 nicht mehr in Käfigen gehalten werden dürfen.

Die Argumentation der Käfigbefürworter, mit einem Verbot der Käfighaltung seien Arbeitsplätze in Gefahr wies der BUND Thüringen zurück. Die hochindustrialisierte Hühnerhaltung arbeite nur mit geringsten Personaleinsatz. Im Gegensatz dazu werde bei artgerechter Tierhaltung wie zum Beispiel unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus ein vielfaches an Arbeitskräften benötigt.
„Wenn es dazu noch eine verlässliche und aussagekräftige Kennzeichnung der Eierpackungen gäbe, würde die Nachfrage nach Eiern aus Boden- und Freilandhaltung stark ansteigen. Das würde zu neuen Beschäftigungseffekten führen, ganz im Gegensatz zur Kaffeesatzleserei der Thüringer Landesregierung.“ zeigte sich Hoffmann überzeugt.

Der BUND Thüringen fordert deshalb die Thüringer Landesregierung und vor allem den Ministerpräsidenten auf, sich im Sinne des Verbraucher- und Tierschutzes sowie der Arbeitsplätze im ländlichen Raum für den baldmöglichsten Ausstieg aus der tierquälerischen Käfighaltung einzusetzen.

18. November 2003

„Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen“ gegründet

Erfurt. Als Reaktion auf den starken Druck der Gentechnik-Lobby und dem dadurch zu erwartenden Fall des bestehenden GMO-Anbau- und Vermarktungs-Moratoriums in der EU haben der BUND Thüringen, die GRÜNE LIGA und der Thüringer Ökoherz e.V. in der vorigen Woche Thüringer Verbände und Organisationen aufgerufen, die Gründung eines „Aktionsbündnisses für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen“ zu unterstützen.

Mit der Verabschiedung der EU-Verordnungen zur Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln sowie zur Rückverfolgbarkeit gentechnisch erzeugter Produkte wurde die Grundlage für den Einzug der Gentechnologie in unseren Alltag geschaffen. Die Frage lautet also nicht, OB die Gentechnik kommt, sondern WIE wir mit ihr umgehen.

Auf dem Spiel steht vor allem die Wahlfreiheit für Verbraucher und Landwirte. Wie groß die Gefahren zum Beispiel für die Landwirtschaftsbetriebe sind, zeigt sich daran, dass sich die EU außer Stande sah, Regelungen der Koexistenz und der Haftung in die Verordnungen aufzunehmen. Statt dessen sollen das die Nationalstaaten in ihrer Verantwortung klären. Und noch etwas sollte uns zu denken geben: Immer mehr Versicherungen weigern sich, eventuelle Schäden durch die Gentechnologie zu versichern.

Dazu Dr. Frank Augsten, Gentechnikexperte des BUND Thüringen: „Wir können und wollen nicht tatenlos zu sehen, wie die Zukunft der Landwirtschaft und unserer Ernährung einer Handvoll Pharmakonzernen geopfert wird. Eigeninitiative und Selbsthilfe sind also gefragt. Solange nicht entschieden ist, wie gentechnikfreie Landwirtschaft (z.B. Ökolandbau per Gesetz) und Landwirtschaft, die Gentechnik bewusst einsetzt, nebeneinander existieren können (sogen. Koexistenz) und solange die Fragen der Haftung nicht geklärt sind, muss der Einsatz der Gentechnologie unterbleiben.“

Damit werden wir auch der Forderung einer überdeutlichen Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher gerecht, die keine gentechnisch veränderten Lebensmittel möchte. Gleiches gilt für den Großteil der Landwirte – gleich ob konventionell oder ökologisch produzierend – , auch sie wollen angesichts der völlig unklaren Risiken auf diese Technologie verzichten.

„Die Resonanz auf unseren Gründungsaufruf gibt uns Recht.“ so Grit Tetzel von der GRÜNEN LIGA weiter. „Obwohl erst wenige Tage vergangen sind, haben sich neben dem BUND, der GRÜNEN LIGA und dem Thüringer Ökoherz e.V. als Aufrufer bereits die Ökoanbau-Verbände GÄA und DEMETER, der Thüringer Ökoflur-Naturfrucht e.V. sowie die ÖKOTREND-Dienstleistungs-GmbH angeschlossen. Besonders freut uns, dass auch zahlreiche Landwirtschaftsbetriebe und Privatpersonen dem Bündnis beitreten wollen.“

Unterstützung erwartet das Aktionsbündnis auch von der Evangelischen Kirche in Thüringen. Die Landessynode der evangelisch-lutherischen Kirchen in Thüringen hatte bereits vor zwei Jahren beschlossen, den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf Kirchenland zu untersagen. Nach diesem Vorbild hoffen die Initiatoren auf ähnliche Selbstverpflichtungen von Kommunen, denen sich Landwirte, die ohne Gentechnik arbeiten möchten, anschließen. Auf diese Weise sollen in möglichst vielen Regionen des Freistaates gentechnikfreie Zonen entstehen.

17. November 2003

Gipskarstlandschaft weiter gefährdet - Neue Broschüre des BUND wirbt für einen großräumigen Schutz im Südharz

Hannover/Erfurt/Magdeburg. Unter dem Titel „Raubbau auf Raten – Gipskarst-Landschaft Südharz“ wirbt der BUND in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einer neuen Broschüre für den Schutz der Gipskarstlandschaft im Südharz. Die Verbände kritisieren die schleichende Zerstörung dieses einzigartigen Naturraumes durch den Abbau von Naturgips. Zum Schutz fordert der BUND ein länderübergreifendes Biosphärenreservat.

„Wir treten dafür ein, dieses Naturerbe langfristig zu erhalten“, sagte Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler, Geschäftsführer des BUND Niedersachsen. „Seit zehn Jahren diskutieren Sachsen–Anhalt, Thüringen und Niedersachsen über die Einrichtung eines gemeinsamen Biosphärenreservates `Karstlandschaft Südharz´. Allein Sachsen–Anhalt baut eine Reservatsverwaltung auf“, so der BUND-Sprecher weiter. Bodenstein-Dresler fordert die Regierungen der beiden anderen Bundesländer auf, dem Beispiel Sachsen-Anhalts zu folgen.

„Die Gipsindustrie verschlingt mit ihrem Hunger nach dem „Weißen Gold“ eine ganze Region“, kritisiert Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Es ist höchste Zeit, dass die Bagger endlich gestoppt werden und die Menschen in der Region wieder eine Chance auf eine nachhaltige Zukunft bekommen.“

Die von der Umweltlotterie BINGO und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) geförderte Broschüre beschreibt die geologische Entstehung von Karstlandschaften und die außergewöhnlichen Merkmale der Tier- und Pflanzenwelt. So beeinflusst die kleinräumige Wechselwirkung von atlantisch-feuchtem und kontinental-trockenerem Klima die natürliche Vielfalt der Fauna und Flora und ermöglicht ein einzigartiges Nebeneinander von bedrohten Arten, wie dem Schwarzstorch, seltenen Orchideen oder der Wasserfledermaus.

13. November 2003

Thüringer Landesregierung setzt sich für tierquälerische Käfighaltung ein

Erfurt. Das Käfigverbot in der Hennenhaltung steht auf der Kippe. Am 28. November will der Bundesrat beschließen, die tierquälerische Käfighaltung quasi durch die Hintertür als sogenannte „ausgestaltete Käfige“ wieder einzuführen. Die Thüringer Landesregierung hat ihre Zustimmung bereits signalisiert. Der BUND hat eine Online-Aktion gegen die Aufweichung der bestehenden Legehennenverordnung gestartet.

Jahrzehntelang haben Umweltschutz-, Verbraucherschutz- und Tierschutzorganisationen gegen die tierquälerische Käfighaltung von Legehennen protestiert. Verbraucherschutzministerin Renate Künast hat reagiert und auf der Grundlage der entsprechenden EU-Regelungen eine Legehennenverordnung für Deutschland erlassen, wonach Hennen ab 2007 nicht mehr in Käfigen gehalten werden dürfen.

„Künast hat in dieser Angelegenheit Rückgrat bewiesen und gegen eine starke Lobby industrieller Großbetriebe, die längst nichts mehr mit Landwirtschaft zu tun haben, diese Verordnung durchgedrückt. So ist es nicht verwunderlich, dass es Versuche gibt, das Gesetz zu Lasten der Tiere wieder aufzuweichen.“ schätzt Dr. Frank Augsten, Agrarexperte des BUND Thüringen, die Situation ein.

Der BUND Thüringen kritisiert, dass sich die Thüringer Landesregierung vor den Karren einer Lobby spannen lässt, die ohne Rücksicht auf unsere Mitlebewesen, die Umwelt und die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher das Leid und das Elend von Millionen Legehennen in Kauf nimmt, nur um möglichst billige Eier auf den Markt zu bringen.

„Der Vorstoß der Thüringer Landesregierung zur Verlängerung des Leids der Legehennen ist ein weiteres Beispiel für die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ihrer Politik.“ so Augsten weiter. „Thüringen hat als eines der ersten deutschen Bundesländer den Tierschutz in seine Verfassung aufgenommen und dafür von vielen Seiten Lob bekommen. Doch wenn es um die Umsetzung dieser hehren Ziele geht, knickt die CDU vor einer Handvoll Lobbyisten ein.“

Der BUND hat am 10. November eine Online-Aktion zur Rettung der Legehennenverordnung gestartet. Über ein Formular auf der Internetseite www.bund.net können alle Interessierten Emails an Ministerpräsidenten Dieter Althaus schicken und ihn auffordern, die Thüringer Verfassung einzuhalten.

29. Oktober 2003

Waldkonferenz endet mit Resolution für eine nachhaltige Entwicklung der „Hohen Schrecke“

Am 23. und 24. dieses Monats fand in Nordthüringen auf Schloss Beichlingen eine vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ausgerichtete Konferenz zum Schutz des Naturraums Hohe Schrecke-Finne und zur Entwicklung des Tourismus in der Region statt. Unter intensiver Beteiligung der Anliegergemeinden, bundesweit anerkannter Forstfachleute und erfahrener Regionalplaner wurden Naturschutzstandards für Buchenwälder und deren nachhaltige Nutzung in Verbindung mit einer Stärkung der Erholungsfunktion in der Region diskutiert.

Hintergrund ist das gemeinsame Anliegen des BUND und der Anliegergemeinden, die die einzigartigen Buchenwälder der „Hohen Schrecke“ als Naturerbe sichern wollen. Ausgehend von diesem für Deutschland einzigartigem Waldgebiet, soll in enger Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und BUND eine Modellregion für naturgemäße Waldbewirtschaftung und nachhaltige Regionalentwicklung geschaffen werden.

„Unser Ziel ist der Schutz der Natur durch entsprechende Nutzung, damit die gesamte Region und der Wald eine Zukunft haben.“, sagte Frank Henkel, Vorstand des BUND Thüringen. „Ich bin zuversichtlich“, so Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz Bayern, „dass wir gemeinsam dieses großartige Projekt schultern werden.“

Auch der Sprecher der Anliegergemeinden, Wilhelm Willomitzer, unterstrich die enge Zusammenarbeit der Gemeinden mit dem BUND und sagte: “Der Wald ist das Herzstück der Gemeinden um die Hohe Schrecke. Nur wenn wir diesen Wald als unseren Reichtum erhalten und nutzen, wird es eine Entwicklung hin zu einem sanften, naturverträglichen Tourismus geben.“
In der zum Abschluss der Konferenz verabschiedeten Resolution heißt es: Die langfristige wirtschaftliche Erstarkung der Region hin zu einem attraktiven Tourismusmagneten im Nordosten Thüringens ist nur möglich, wenn die Schönheit und der naturschutzfachliche Wert der „Hohen Schrecke“ erhalten werden. Wir fordern das Land Thüringen auf, die „Hohe Schrecke“ als Zukunftskapital der Region zu sichern. Eine Übertragung der Flächen an den BUND als anerkannten Naturschutzverband würde ein Zeichen setzen für die weitere Entwicklung der Region und den nachhaltigen Schutz dieses Naturerbes in Thüringen.

21. Oktober 2003

Weiche Standortfaktoren als Entwicklungschancen - Zur aktuellen Diskussion um die FFH-Gebietsnachmeldungen des Landes Thüringen

Die in Thüringen engagierten Vereine: Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen, Arbeitskreis Heimische Orchideen, BUND Thüringen, GRÜNE LIGA Thüringen, Heimatbund Thüringen und der NABU Thüringen sehen in der Ausweisung von FFH-Gebieten nicht nur die Chance, europaweit selten gewordene Biotope und Arten zu schützen, sondern auch einen Beitrag zum Erhalt unserer typischen Thüringer Kulturlandschaft, daß was gemeinhin auch als Heimat bezeichnet wird.

Auf Unverständnis bei den Verbänden trifft die harsche und unsachliche Kritik vor allem aus Südwestthüringen. Entgegen der unlängst veröffentlichten Meinung einiger kommunaler Vertreter bietet die EU-Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen die Möglichkeit der langfristigen Förderung von Landwirtschaft und der Entwicklung des ländlichen Raumes. Insbesondere vor dem Hintergrund der künftigen EU-Agrarförderpolitik, die eine stärkere Förderung des ländlichen Raumes und hier vor allem für Agrar-Umwelt-Maßnahmen vorsieht. Die Förderung einer nachhaltigen Landbewirtschaftung bedeutet gerade für Gebiete mit einem hohem FFH-Anteil eine hervorragende Entwicklungschance. Neben dem Erhalt und der Pflege der besonderen Natur- und Landschaftsgüter, sind auch positive Effekte für den Arbeitsmarkt zu erwarten, denn nachweislich werden durch eine umweltverträgliche (ökologische) Landwirtschaft neue Arbeitsplätze geschaffen.

Für uns Verbände ist es nicht nachvollziehbar, daß sich Landräte und Bürgermeister insbesondere aus Südwestthüringen so vehement gegen die FFH-Gebietsausweisung aussprechen und diese als Hindernis für wirtschaftliche Entwicklung bezeichnen. Trotz des Löwenanteils der schon bestehenden Gebietskulisse in Südwestthüringen, liegt diese Region in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung vor Ost- und Nordthüringen. Die Halbzeitbewertung des Operationellen Programms Thüringens (Mai 2003) weist eine überdurchschnittliche Förderung der Region Südwestthüringen durch EU-Strukturfondmittel aus, z. Bsp. bei Investitionen in die Infrastruktur für die gewerbliche Wirtschaft. Aber auch Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe flossen verstärkt in die Region Südwestthüringen. Insbesondere wurden Gelder aus dem Kultur-Landschaftsprogramm (KULAP) in Anspruch genommen.

Thüringen hat eine besondere Verantwortung für Habitate und Arten, die sich hier noch wohl fühlen und ausbreiten, so die Philosophie der FFH-Richtlinie. Genau diese damit verbundenen  Strukturen sind es, die Thüringen so attraktiv machen, auch für den Tourismus. Ausgedehnte Buchenwaldbestände, Bergwiesen und Orchideenstandorte auf Trockenrasen, um nur einige zu nennen, können mit Hilfe der Ausweisung als Schutzgebiet nicht nur erhalten werden, aufgrund der Förderung durch die EU haben diese Strukturen auch eine Zukunft. Die FFH-Ergänzungsförderung von 50,00 €/ha für die Beweidung von Streuobstwiesen leistet da einen wichtigen Beitrag.

Die Thüringer Kulturlandschaft ist einer der wichtigsten weichen Standortfaktoren. Ohne die Erhaltung von sogenannten „weichen Standortfaktoren“ wird es keine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation geben. Angestellte und Arbeiter wollen nicht mehr identifiziert werden mit grau verhangenen Industriestandorten und „Arbeiterschließfächern“. Der Anspruch auf ein attraktives Wohnumfeld ist bei einer Standortwahl ebenso bedeutend wie eine gute verkehrliche Erschließung. Eine Abwägung zu Ungunsten des typischen Landschaftsbildes einer Region führt zur Entwertung z.B. eines Industrie- oder Dienstleistungsstandortes.

Die Thüringer Vereine fordern daher die Landesregierung auf, die schützenswerten Lebensräume und Arten an die EU zu melden und somit deren Fortbestand und die einmalige Thüringer Kulturlandschaft zu sichern. Die Thüringer Regierung sollte alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Bevölkerung über die Chancen, die mit der FFH-Gebietsausweisung verbunden sind, zu informieren und aufzuklären.

16. Oktober 2003

BUND Thüringen übergibt Kaufangebot für Waldgebiet „Hohe Schrecke“

Erfurt. Der BUND Thüringen hat heute der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) ein Kaufangebot für eine Fläche von 1.088 ha im Waldgebiet Hohe Schrecke übergeben. Durch sein finanzielles Engagement will der BUND Thüringen die „Hohe Schrecke“ als Teil des Buchenwald-Naturerbes in Deutschland sichern. Gleichzeitig sollen die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung in der Region geschaffen werden.

„Wir sind bereit, die Verantwortung für eines der ältesten und unberührtesten Buchenwaldgebiete Deutschlands zu übernehmen. Wir wollen die Waldflächen in der Hohen Schrecke kaufen, um sie durch naturgemäße Waldbewirtschaftung endgültig für nachfolgende Generationen zu sichern.“, erklärte Ron Hoffmann, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen. Er unterstrich, dass die große Unterstützung der Anrainerkommunen rund um die Hohe Schrecke maßgeblich zur Kaufentscheidung des BUND beigetragen habe: „Wir haben das gemeinsame Ziel, durch den Kauf der wertvollen Waldflächen den Grundstock für eine nachhaltige Entwicklung in der Region zu legen.“

Frank Henkel, waldpolitischer Sprecher des BUND Thüringen: „Die „Hohe Schrecke“ gehört zu den ursprünglichsten Waldgebieten Mitteleuropas.“ Der größte Teil des über 6.500 ha großen Gebietes habe über Jahrzehnte hinweg als Truppenübungsplatz gedient. Weite Waldbereiche seien von forstlicher Nutzung verschont geblieben. Mehr als zweihundertjährige Buchen prägten das Waldbild. Zu den Bewohnern dieses Waldparadieses zählten Wildkatze, Schwarzstorch und Rothirsch.

Hoffmann verwies darauf, dass sich der BUND in erheblichem Umfang in der Region engagiere. Als Beispiel nannte er Fachkonferenzen zur Wald- und Regionalentwicklung, die Aufnahme der Region in den Angebotskatalog der BN Reisen GmbH des Bund Naturschutz in Bayern e.V., die Mitfinanzierung eines Antrages bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Volumen von 100.000,- Euro zu konkreten Maßnahmen für eine nachhaltige Regionalentwicklung und bundesweite Öffentlichkeitsarbeit zu den Natur- und Kulturschätzen der Region.

Hoffmann erwartet, dass sich auch die Landesregierung ihrer Verantwortung für den Erhalt dieses Waldgebietes stellt. „Der Freistaat hat die Wälder der Hohen Schrecke 1992 kostenlos von der Bundesregierung übertragen bekommen. Wir gehen davon aus, dass die Flächen jetzt nicht ohne Rücksicht auf naturschutzfachliche Belange und die Interessen in der Region meistbietend vermarktet werden.“

14. Oktober 2003

BUND Thüringen fordert Ende der Werra-Versalzung

Erfurt/Meiningen. Der BUND Thüringen fordert ein Ende der Werra-Versalzung durch den Kalibergbau. Die Salzbelastung im Unterlauf der Werra ist so stark, dass die meisten Gewässerorganismen dort nicht mehr überleben. Das ergab eine gemeinsame Tagung des BUND Thüringen und der Grünen Liga zur EU-Wasserrahmenrichtlinie.

„Die Salzbarriere trennt den Fluss vom Oberlauf und von den Nebengewässern.“ erklärte Wigbert Schorcht, Gewässerexperte im Landesvorstand des BUND Thüringen. „Ohne die Einstellung der Salzeinleitungen durch Kali-Bergbau kann der von der europäischen Union geforderte gute ökologische Zustand der Werra nicht erreicht werden.“

Auf der Tagung erläuterte Prof. Dr. Ulrich Braukmann, Limnologe an der Universität Kassel, dass von 32 typischen Fließgewässerarten nur noch vier im Unterlauf der Werra nachzuweisen seien. Alle übrigen Arten könnten dort wegen der hohen Salzkonzentration nicht mehr überleben.
Nach Angaben von Schorcht wurde durch die Veranstaltung deutlich, dass auch im geringer belasteten Oberlauf der Werra noch viel zu tun bleibe: über 50 Wehre, Dämme und andere Querbauwerke befänden sich im Flusslauf der Werra. Noch nicht einmal ein Fünftel davon sei so konstruiert, dass wandernde Fischarten zu ihren Laichplätzen gelangen könnten.

Weiterhin fehlten an den zahlreichen Nebengewässern finanzielle Hilfen für die Gemeinden vor Ort. Obwohl Thüringen mit der Richtlinie zur "Förderung wasserwirtschaftlicher Maßnahmen an Gewässern zweiter Ordnung" gute gesetzliche Vorgaben habe, sei der Fördertopf fast leer. Tatsächlich passiere daher an vielen Nebengewässern nichts. Auch fehle in Thüringen trotz Wanderfischprogramm eine verbindliche Restwasserrichtlinie, damit an Wasserkraftanlagen ausreichend Wasser im Flusslauf verbleibe und Wanderfischen somit die Durchwanderbarkeit der Gewässer ermöglicht wird.

Im Rahmen des Projektes „Lebendige Werra“ tritt der BUND Thüringen seit Jahren für eine Verbesserung des Zustands der Werra ein. In Pilotprojekten werden beispielsweise die Durchgängigkeit für Wanderfische und die Sicherung von Flächen für den ökologischen Hochwasserschutz gefördert.

Schorcht begrüßte die geplante Meldung der Werra als FFH-Gebiet durch das Thüringer Umweltministerium. Gleichzeitig forderte er alle zuständigen Behörden, auf die Anstrengungen zum Schutz der Werra und ihrer Zuflüsse als Lebensadern in der Landschaft erheblich zu verstärken.

9. Oktober 2003

BUND Thüringen veranstaltet Werra-Tagung

Erfurt/Meiningen. Der BUND Thüringen veranstaltet am Samstag, dem 11.10.2003, eine Tagung zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im Werra-Einzugsgebiet. Die Veranstaltung wird im Rahmen des Projekts „Lebendige Werra“ gemeinsam mit der GRÜNEN LIGA durchgeführt.

„Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union legt neue Maßstäbe für den Gewässerschutz an,“ so Wigbert Schorcht vom BUND-Landesvorstand, „erstmals werden die Mitgliedsstaaten verpflichtet, einen guten ökologischen Zustand ihrer Gewässer bis 2015 zu erreichen.“ Außerdem sollen die Gewässer nicht mehr isoliert betrachtet, sondern für das gesamte Einzugsgebiet sollen Bewirtschaftungspläne aufgestellt werden.

Das Land Thüringen hat drei Gebietsforen zur Öffentlichkeitsbeteiligung eingerichtet. Der BUND wird sich unter anderem im Werra-Main-Forum aktiv in den Umsetzungsprozess einbringen. Das Projekt „Lebendige Werra“ tritt schon seit Jahren für eine Verbesserung des Zustands der Werra ein.
In Pilotprojekten werden beispielsweise die Durchgängigkeit für Wanderfische, der Wiederanschluss von Altarmen und der naturnahe Waldumbau gefördert.

Die Tagung im Hotel „Sächsischer Hof“ in Meiningen soll weitere Anregungen für ökologische Verbesserungen, z.B. hinsichtlich der Versalzung und der ökologischen Durchgängigkeit, geben.

25. September 2003

BUND Thüringen begrüßt Einigung der Länder bei Flächenübertragung im Grünen Band

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt die grundsätzliche Einigung der Länder bei der Übernahme der Bundesflächen im Grünen Band. Er fordert Mecklenburg-Vorpommern auf, die historische Chance für den Naturschutz in Deutschland nicht in letzter Sekunde noch durch ein Veto zu blockieren.

„Für uns ist die Entscheidung der Länder ein großer Erfolg.“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Damit rückt das Ziel unserer jahrelangen Bemühungen, der Erhalt des Grünen Bandes, in greifbare Nähe. Jetzt hängt es von Mecklenburg-Vorpommern ab, ob Deutschlands längster Biotopverbund erhalten werden kann.“

Bundesfinanzminister Eichel hatte sich im Sommer überraschend bereit erklärt, die bundeseigenen Flächen im Grenzstreifen an die Länder zu übertragen. Das Angebot war an die Voraussetzung geknüpft, dass alle betroffenen Bundesländer zustimmen.

In einer gemeinsamen Besprechung haben heute die Länder Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Brandenburg sich grundsätzlich bereit erklärt, das Angebot des Bundes anzunehmen. Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Entscheidung noch vorbehalten.

Vogel forderte den Freistaat Thüringen auf, bei einer Übernahme der Flächen, dem Naturschutz im Grünen Band den Vorrang einzuräumen. „ Das Grüne Band ist eine Perlenkette wertvoller Biotope. Diese Kette darf nicht durch kleinliche Auseinandersetzungen über künftige Nutzungsansprüche zerrissen werden.“

12. September 2003

Rodung von Hecken und Waldrändern Thema für den Thüringer Landtag

Erfurt. Das Thüringer Umweltministerium hat einen Gesetzentwurf zur Änderung des Waldgesetzes vorgelegt. Damit soll für Landwirte die Möglichkeit geschaffen werden, Waldränder und Feldgehölze ohne Ersatzpflanzungen zu beseitigen. Die Regelung soll für solche Hecken, Waldränder und Feldgehölze gelten, die sich im Zeitraum von 1960 bis 1992 auf ungenutzten Landwirtschaftsflächen ausgedehnt haben. Bei der Beantragung von EU-Fördermitteln haben Thüringer Landwirte in zahlreichen Fällen diese Flächen als landwirtschaftliche Nutzfläche angegeben, obwohl durch die Gehölze keine Nutzung möglich war. Jetzt drohen den Landwirten Rückzahlungsforderungen für zuviel erhaltene Fördermittel. Der BUND Thüringen geht davon aus, dass durch das neue Gesetz bis zu 4000 ha Hecken und Waldränder in Thüringen verschwinden würden, was einen dramatischen Verlust der Artenvielfalt in Thüringens Kulturlandschaft zur Folge hätte.

Der BUND Thüringen hat sich seit dem Bekannt werden der Gesetzesinitiative mit einer Vielzahl von Aktivitäten an die politisch Verantwortlichen im Freistaat gewandt. Dazu Dr. Frank Augsten, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen: „Mit der gestrigen Entscheidung des Thüringer Landtages, den Gesetzesvorschlag in den Umwelt- und in den Landwirtschaftsausschuss zur Beratung zu überweisen, ist uns ein wichtiger Etappensieg zur Verhinderung dieser für Natur und Landwirtschaft gleichermaßen widersinnigen Aktion gelungen. In den Beratungen mit Fachexperten wird den Politikern hoffentlich klar werden, dass es hier anderer Lösungsmöglichkeiten bedarf als dem geplanten Tabula rasa mit der Kettensäge.“

Der BUND Thüringen forderte Umweltminister Dr. Sklenar auf, den Erhalt der Strukturvielfalt in der Kulturlandschaft zu garantieren und umweltgerecht wirtschaftende Landwirte für ihr Verhalten zu belohnen. Um die Interessen von Landeigentümern und Landnutzern zu wahren, sollten auch Programme der EU zur Förderung von Waldrändern und Hecken auf landwirtschaftlichen Nutzflächen in Anspruch genommen.

Der BUND Thüringen hat gemeinsam mit den anderen Thüringer Umweltverbänden eine Unterschriftenaktion gegen den Gesetzentwurf des Umweltministeriums zur Rodung von Waldrändern und Hecken gestartet. Die Bürger sind aufgerufen, mit ihrer Unterschrift gegen die beabsichtigte Rodungswelle in Thüringens Kulturlandschaft zu protestieren.

„Die Beratungen in den Expertengremien und die breite Unterstützung der Bevölkerung werden das Umweltministerium hoffentlich umstimmen,“ hofft Augsten. Der BUND würde sich dann gern mit einbringen, um eine für Natur und Landwirtschaft gleichermaßen zufriedenstellende Lösung zu finden.

11. August 2003

FÖJ-Bundesaktionstag 2003 findet in Erfurt statt

Erfurt. Der diesjährige bundesweite Aktionstag des “Bundesarbeitskreis Freiwilliges Ökologisches Jahr” findet am Samstag, den 16.08.2003 in Erfurt statt. Auf dem Gelände am Hirschgarten wird den Besuchern ein breites Aktions- und Informationsangebot rund um das FÖJ präsentiert. FÖJ'lerInnen aus ganz Deutschland bieten an Info- und Mitmachständen, sowie bei kostenlosen Workshops Einblicke in Arbeit.

“Unsere Angebote reichen von solch' alten Kulturtechniken wie Wolle filzen, Holz drechseln, Kräuter mischen und Basteln mit Naturmaterialien bis hin zu Tipps zur ressourcenschonenden Energiegewinnung.”, so die Sprecherin des Bundesaktionstages Kathrin Ripcke. “Wir wollen aber auch Jugendlichen, die Ihre Schullaufbahn beenden und noch nicht wissen, was sie mal werden wollen, eine Berufsorientierung bieten. Wer später vielleicht mal mit Kindern oder im Umweltbereich arbeiten will, kann mit einem FÖJ viele nützliche Erfahrungen sammeln.”

Deshalb bietet der Aktionstag auch Information über die Einsatzmöglichkeiten bei den bundesweit ca. 1800 Stellen. Diese sind speziell im ökologischen Sektor angesiedelt.
Die FÖJ-Stellen werden von verschiedenen dezentralen Bildungsträgern bezahlt.
“Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich 12 Monate aktiv im Umwelt- und Naturschutzbereich, sowie sozial zu engagieren”, meint Kathrin Ripcke weiter.

Der BUND Thüringen, der auch eine FÖJ-Stelle anbietet, wird sich mit seiner Ausstellung zum Grünen Band präsentieren. Dessen MitarbeiterInnen beantworten den Besuchern gerne Fragen.

Interessierte können den Bundesaktionstag am Samstag zwischen 11 und 17 Uhr im Hirschgarten, gegenüber der Staatskanzlei, besuchen.
Vorab-Infos zum FÖJ gibt es im Internet unter www.foej.de und www.foej.net zu lesen.

30. Juli 2003

BUND Thüringen gewinnt Klage gegen Freistaat - Strassenbau durch Naturschutzgebiet war illegal

Weimar. Der BUND Thüringen hat vor dem Oberverwaltungsgericht Weimar auch in der zweiten Instanz die Klage gegen den Freistaat Thüringen wegen des Neubaus einer Landesstrasse gewonnen. Das Gericht bestätigte, dass der Bau der Landesstrasse zwischen Mengersgreuth-Hämmern und Steinach im Landkreis Sonneberg durch das Naturschutzgebiet Röthengrund ohne Genehmigung und damit illegal erfolgt ist.

„Diese Entscheidung ist ein großartiger Erfolg für uns. Jetzt wird hoffentlich auch dem Thüringer Wirtschaftsministerium endlich klar, dass es sich nicht einfach über geltendes Planungs- und Naturschutzrecht hinwegsetzen kann.“, kommentierte Dr. Frank Augsten, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen, das Urteil.  

Nach Angaben des BUND Thüringen habe das Thüringer Wirtschaftsministerium bereits im Jahr 1994 ein Genehmigungsverfahren zum Neubau der Strasse durch das Naturschutzgebiet eingeleitet. Das Planfeststellungsverfahren sei jedoch aus naturschutzfachlichen Gründen gescheitert. Daraufhin habe das zuständige Strassenbauamt in Suhl den Straßenneubau kurzerhand als Instandsetzungsmaßnahme deklariert. Durch den Kreisverband Sonneberg des BUND Thüringen sei zwar ein vorläufiger Baustopp beim Verwaltungsgericht Meiningen erwirkt worden. Über diesen habe sich die Straßenbaubehörde aber hinweg gesetzt, die Baumaßnahme teilweise umgesetzt und die Straße für den öffentlichen Verkehr freigegeben.

„Die Strasse ist ein „Schwarzbau“ und muss sofort zurückgebaut werden, damit sie nicht noch mehr Schaden anrichtet.“, forderte Sylvia Frenzl, Vorsitzende des Kreisverband Sonneberg, nach der Urteilsverkündung.

Frenzel wies darauf hin, das für einige Arten des Naturschutzgebietes das Urteil bereits zu spät komme. So sei im Naturschutzgebiet die geschützte Pflanzenart „Sonnentau“ und die in Südthüringen stark gefährdete Moosbeere  nach dem Bau der Strasse ausgestorben. Für andere, störungsempfindliche Arten, wie Birkhuhn, Schwarzstorch oder Wachtelkönig drohe der Verlust von Brut- und Nahrungsflächen durch den Strassenverkehr.

Wie der BUND Thüringen weiterhin mitteite, ist das Naturschutzgebiet von der Landesregierung auch als sog. Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) für das europaweite Schutzgebietsnetz NATURA 2000 gemeldet worden. Damit gelte im Gebiet auch ein sog. Verschlechterungsverbot.
Augsten kündigte daher an: „Wenn das Wirtschaftsministerium jetzt aus dem Urteil nicht sofort die Konsequenzen zieht, werden wir uns mit diesem Fall an die Europäische Union wenden.“

28. Juli 2003

Protest gegen Gesetz zur Rodung von Waldrändern - BUND Thüringen startet Unterschriftenaktion

Erfurt. Der BUND Thüringen hat heute eine Unterschriftenaktion gegen den Gesetzentwurf des Umweltministeriums zur Rodung von Waldrändern und Hecken gestartet. Die Bürger sind aufgerufen, mit ihrer Unterschrift gegen die beabsichtigte Rodungswelle in Thüringens Kulturlandschaft zu protestieren. Von Erfurt aus werden ab heute Info-Stände des BUND Thüringen in verschiedenen Städten unterwegs sein.

„Wir wollen die größte Zerstörung von Hecken und Feldgehölzen seit der sozialistischen Agrarreform zu Beginn der 60er Jahre in letzter Minute verhindern.“, erklärte Frank Henkel, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen. „Deshalb rufen wir alle Thüringer Bürgerinnen und Bürger auf, mit ihrer Unterschrift gegen dieses Gesetzesvorhaben abzustimmen.“
Mit dem Gesetz sollen nach Angaben des BUND Thüringen Landwirte in die Lage versetzt werden, Waldränder und Feldgehölze, zu beseitigen ohne Ersatz pflanzen zu müssen. Betroffen sind solche Feldgehölze, welche sich im Zeitraum von 1960 bis 1992 auf landwirtschaftliche Nutzflächen ausgebreitet haben. Bisher hatten Thüringer Landwirte in vielen Fällen für diese Flächen Fördermittel der EU beantragt, obwohl sie diese nicht als landwirtschaftliche Fläche genutzt haben.

Jetzt drohen Rückzahlungsforderungen der EU. Der BUND Thüringen geht davon aus, dass durch das neue Gesetz bis zu 4000 ha Hecken und Wadränder in Thüringen verschwinden werden. Das hätte nicht nur einen dramatischen Verlust der Artenvielfalt in Thüringens Kulturlandschaft zur Folge. Weite Teile Thüringens würden in ausgeräumte Agrarsteppen verwandelt.

Der BUND Thüringen forderte Umweltminister Dr. Sklenar auf, den Erhalt der Strukturvielfalt in der Kulturlandschaft zu garantieren und umweltgerecht wirtschaftende Landwirte für ihr Verhalten zu belohnen. Um die Interessen von Landeigentümern und Landnutzern zu wahren, sollen auch Programme der EU zur Förderung von Waldrändern und Hecken auf landwirtschaftlichen Nutzflächen in Anspruch genommen.

„Wir brauche eine Lösung der Feld-Wald-Problematik, die sowohl den Ansprüchen der Landwirtschaft als auch den Belangen des Naturschutzes gerecht wird.“, forderte Vogel. „Der Ansatz mit dem Hächsler, wie ihn Landwirtschaftsminister Sklenar durch das Änderungsgesetz offenbar bevorzugt, schafft nur neue Konflikte, bei denen Landwirtschaft und Natur als Verlierer auf der Strecke bleiben.“

26. Juli 2003

Pressemitteilung des BUND-Kreisverbandes Nordhausen: BUND lehnt Brückenbau in Harzungen ab

Nordhausen. Im Zuge der Erneuerung der Brücke über den Karrenbach im Ort Harzungen, plant das Nordthüringer Straßenbauamt auch eine Verbreiterung der Brücke und eine damit verbundene Erhöhung ihrer Belastbarkeit durch den Schwerverkehr.

Diese Planung lehnt der BUND in der vorgelegten Form strikt ab. Viele der Gründe, die eine Verbreiterung erforderlich machen, können vom BUND nicht nachvollzogen werden.
So soll es laut den Planungen zu einer „Infrastrukturverbesserung“ in diesem Bereich kommen, da mit einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit der L 1037 dem angeblich erwarteten höheren Verkehrsaufkommen, auch des Schwerlastverkehrs, Rechnung getragen werden soll. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung wären hier die geeigneteren Instrumente, denn der ganze Verkehr (wiederum Schwerlast) muss auch den Luftkurort Neustadt passieren.
Mit einem „Entgegenkommen“ an den Schwerlastverkehr würde gerade diese, auf touristische Entwicklung ausgerichtete Region, schweren Schaden nehmen!

Die Erhöhung der Brückenbelastbarkeit ist zudem ein wichtiger Faktor für die von der Gipsindustrie favorisierte, sogenannte „Abfahrtsroute A“ des angestrebten Gipsabbaus am Winkelberg. Der BUND ruft daher die Stadt und den Landkreis Nordhausen, die sich mehrfach gegen den Gipsabbau am Winkelberg ausgesprochen haben, auf, hier dringend zu intervenieren. Es darf nicht passieren, dass quasi durch die „Hintertür“ dem Abbau des Winkelberges Tür und Tor geöffnet werden.
Eine erneuerte Brücke muss sich lohnen und da stände die Gipsindustrie bereit, mit dem Argument, die Brücke sei nur wirtschaftlich, wenn man am Winkelberg Gipsabbau betreiben könne.

25. Juli 2003

Grünes Band – Historische Entscheidung für den Naturschutz in Deutschland? Bundesregierung verzichtet auf Privatisierung bundeseigener Flächen

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, ihre Flächen im Grünen Band unentgeltlich den Ländern zu übertragen. Mehr als 80 % der Gesamtfläche des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens stehen jetzt unmittelbar für den Naturschutz zur Verfügung. Der BUND Thüringen erwartet, dass die Thüringer Landesregierung jetzt dieses Chance nutzt, die einzigartige Perlenkette wertvoller Biotope im Grünen Band in Thüringen für die Zukunft endgültig zu sichern.

„Für diese Entscheidung haben wir uns seit dem Fall der Mauer eingesetzt“, erklärte Dr. Frank Augsten, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen. „Endlich zahlt sich das jahrelange Engagement des BUND für den Erhalt des Grünen Bandes aus. Die Übertragung der Flächen im Grünen Band ist einer der größten Erfolge in der Verbandsgeschichte des BUND.“

Der BUND Thüringen dankte nachdrücklich Bundesumweltminister Jürgen Trittin für seinen persönlichen Einsatz, der die Voraussetzung für die Entscheidung der Übertragung der Bundesflächen war.

Durch Thüringen verläuft mit 763 km knapp die Hälfte des Grünen Bandes, welches eine Gesamtlänge von 1393 km hat. Nach Schätzungen des BUND Thüringen befinden sich mehr als 80 % der Gesamtfläche von 6741 ha im Grünen Band Thüringens noch im Besitz der Bundesregierung. Hätte die Bundesregierung, wie bisher beabsichtigt, diese Flächen an private Investoren verkauft, wäre die einmalige Vielfalt dieses längsten Biotopverbunds quer durch Deutschland rasch zerstört worden. Daher hat sich der BUND Thüringen seit dem Fall der Mauer für eine Übertragung der Flächen an den Naturschutz eingesetzt.

Ausdrücklich lobte Augsten auch die gute Zusammenarbeit mit dem Thüringer Umweltministerium im Grünen Band. Die Landesregierung habe sich in den vergangenen Jahren selbst im Grünen Band engagiert und auch Projekte des BUND Thüringen im Eichsfeld und im Landkreis Sonneberg großzügig unterstützt.

„Ohne den beharrlichen, politischen Druck aus Thüringen wäre die Entscheidung der Bundesregierung möglicherweise nicht so schnell gekommen.“, vermutet Augsten. Er forderte die Landesregierung auf, jetzt diesen Weg konsequent weiter zu gehen, und das ganze Grüne Band unter Schutz zu stellen.

„Zur Zeit stehen nur knapp 20 % der Fläche des Grünen Bandes unter Naturschutz. Wir erwarten, dass die Thüringer Landesregierung jetzt diese einzigartige Perlenkette wertvoller Biotope als durchgehenden Verbund vollständig unter Schutz stellt“.

16. Juli 2003

BUND Thüringen begrüßt Flächenübertragung im Grünen Band an die Länder

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, ihre Flächen im Grünen Band unentgeltlich den Ländern zu übertragen. Zwei Drittel der Gesamtfläche des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens stehen jetzt unmittelbar für den Naturschutz zur Verfügung. Der BUND Thüringen erwartet, dass die Thüringer Landesregierung jetzt diese Chance nutzt, die einzigartige Perlenkette wertvoller Biotope im Grünen Band in Thüringen für die Zukunft endgültig zu sichern.

„Für diese Entscheidung haben wir uns seit dem Fall der Mauer eingesetzt“, erklärte Frank Henkel, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen. „Endlich zahlt sich das jahrelange Engagement des BUND für den Erhalt des Grünen Bandes aus. Die Übertragung der Flächen im Grünen Band ist einer der größten Erfolge in der Verbandsgeschichte des BUND.“

Durch Thüringen verläuft mit 763 km knapp die Hälfte des Grünen Bandes, welches eine Gesamtlänge von 1393 km hat. Ungefähr ein Drittel der Flächen im Grünen Band in Thüringen befinden sich noch im Besitz der Bundesregierung. Hätte die Bundesregierung, wie bisher beabsichtigt, diese Flächen an private Investoren verkauft, wäre die einmalige Vielfalt dieses längsten Biotopverbunds quer durch Deutschland rasch zerstört worden. Daher hat sich der BUND Thüringen seit dem Fall der Mauer für eine Übertragung der Flächen an den Naturschutz eingesetzt. Dabei hat der BUND Thüringen auch selbst Verantwortung übernommen und an zwei Stellen in Thüringen wertvolle Biotopflächen erworben, um sie für den Naturschutz langfristig zu sichern.

„Wir erwarten, dass die Thüringer Landesregierung jetzt mit ihren Bekenntnissen zum Grünen Band Ernst macht, und das Grüne Band in Thüringen als durchgehenden Biotopverbund unter Schutz stellt.“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

3. Juli 2003

EU-Kennzeichnungsverordnung für Gentech-Lebensmittel: Licht und Schatten

Mit dem gestrigen Beschluss des EU-Parlamentes wird die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Bestandteilen verschärft. Der BUND Thüringen begrüßt große Teile der neuen Regelungen, kritisiert aber gleichzeitig die beträchtlichen Lücken in der Gesetzgebung.

Erfurt. Künftig muss der Verbraucher informiert werden, wenn ein Lebensmittel mehr als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile enthält bzw. wenn bei der Herstellung von Lebensmitteln Gentechnik mit im Spiel war. Dazu Dr. Frank Augsten, geschäftsführender Vorstand und Gentechnikexperte des BUND Thüringen: „Mit diesen Regelungen werden ein Großteil der Forderungen der Umwelt- und Verbraucherschutzverbände erfüllt. Der Grenzwert von 0,9 Prozent birgt zwar die Gefahr, dass es nun zu einer schleichenden Kontamination der Lebensmittel kommt, aber letzten Endes haben es die Verbraucher jetzt selbst in der Hand, an der Einkaufstheke die Zukunft unserer Nahrungsmittelerzeugung mit zu bestimmen.“

Heftige Kritik übt der BUND Thüringen an den weiterhin bestehenden Lücken in der europäischen Gentechnik-Gesetzgebung. „Der größte Teil der Bevölkerung möchte sich gentechnikfrei ernähren, genauso, wie die meisten Landwirte dieser neuen Technologie skeptisch gegenüber stehen. Die Frage, wie eine gentechnikfreie neben der Gentech-Produktion weiterhin möglich sein soll, ist in den Gesetzen nicht geregelt.“ so Augsten weiter. „Es fehlen Haftungsregelungen im Falle einer Kontamination von gentechnikfreien Feldern zum Beispiel durch Pollenflug.“

Der BUND Thüringen fordert von Agrarministerin Renate Künast weitere Anstrengungen etwa bei der Festlegung des Grenzwertes von gentechnischen Verunreinigungen beim Saatgut. Dieser muss nach Meinung der Umweltschützer so niedrig wie möglich gehalten werden, weil sich Saatgutverunreinigungen im Erntegut potenzieren. Ebenso verlangt der BUND Thüringen, bei der Novellierung der deutschen Gentechnikgesetzes die Haftungsregelungen im Sinne des Schutzes der Landwirte und der Verbraucher festzuschreiben.

An die im Thüringer Landtag vertretenen Parteien richtet der BUND Thüringen den Appell, Einfluss auf die Mitglieder der EU-Parlamentes zu nehmen, um das seit 1998 bestehende Moratorium für die Zulassung von Gentech-Pflanzen aufrecht zu erhalten. Dazu Augsten: „Mit den fehlenden Haftungsregelungen ist eine wichtige Voraussetzung für das Aufheben des Moratoriums nicht erfüllt. Im Interesse einer auch in Zukunft möglichen gentechnikfreien Produktion müssen wir nun dafür sorgen, dass die Politiker zu ihrem Wort stehen.“

1. Juli 2003

BUND Thüringen kritisiert Entscheidung des Kabinetts für Gesetz zur Heckenrodung

Erfurt. Auf scharfe Kritik des BUND Thüringen stößt die Entscheidung des Thüringer Kabinetts für das Gesetz zur Rodung von Waldrändern in Thüringen. Der BUND Thüringen befürchtet, dass mit dem neuen Gesetz eine Rodungswelle für Hecken und Waldränder in ganz Thüringen ausgelöst wird.

„Das Gesetz ist ein Freibrief für die Beseitigung von Strukturelementen in der Agrarlandschaft ohne Rücksicht auf ökologische Belange. Im Handumdrehen werden Landnutzer traditionell gewachsene Kulturlandschaften in Agrarsteppen verwandeln“, fürchtet Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Der BUND geht davon aus, dass durch das neue Gesetz bis zu 4000 ha Hecken und Waldränder in Thüringen verschwinden werden. Besonders betroffen seien die ohnehin bereits strukturarmen und intensiv genutzten Agrarlandschaften sein. Hier werde die Rodung von Gehölzstrukturen zu einer Monotonisierung der Landschaft führen. Aber auch in den noch strukturreichen werde es zur Verarmung des Landschaftsbildes und zu negativen Auswirkungen auf den Tourismus und die Siedlungsentwicklung in diesen Gebieten kommen.

Nach Ansicht des BUND Thüringen werden sich die Rodungen im praktischen Vollzug nicht, wie vom Umweltministerium immer wieder betont, nur auf Waldränder beschränken. Zum einen sei es häufig nicht eindeutig zu entscheiden, ob es sich bei einer linienförmigen Gehölzstruktur um Wald nach dem Thüringer Waldgesetz oder um eine Hecke handele. Zum anderen seien die Forstbehörden, welche die Genehmigung für die Rodung zu erteilen hätten, mit der Prüfung jedes einzelnen Antrages personell völlig überfordert.

Für faktisch ebenfalls nicht kontrollierbar hält der BUND Thüringen die Regelung, Rodungen in dem Umfang zu genehmigen, in dem sich Wald über die ehemaligen Wald-Feld-Grenzen von 1960 hinaus auf angrenzende Ackerflächen ausgedehnt hat.

„Wie sollen die Forstbehörden, welche die Anträge genehmigen sollen, die Wald-Feld-Grenzen von 1960 im Gelände zweifelsfrei ermitteln und wie soll entschieden werden, ob der betroffene Wald tatsächlich erst seit 1960 in die Feldfläche hineingewachsen ist und sich nicht bereits schon vorher dorthin ausgedehnt hat?“, fragt sich der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Vogel wies darauf hin, dass die EU bereits Fördermöglichkeiten für den Erhalt von Hecken und Waldrändern im Gründland vorsieht.

Vogel appellierte an Umweltminister Dr. Sklenar, den Gesetzentwurf zurück zu ziehen und Alternativen zu entwickeln, welche den Erhalt der Strukturvielfalt in der Kulturlandschaft garantieren und gleichzeitig umweltgerecht wirtschaftende Landwirte für ihr Verhalten belohnen.

1. Juli 2003

BUND Thüringen: Das Grüne Herz darf nicht verscherbelt werden - Kritik an Plänen der Landesregierung zum Verkauf von Waldflächen

Erfurt. Der BUND Thüringen kritisiert entschieden die Pläne der thüringischen Landesregierung, 8000 ha Staatswald zu verkaufen. Am kommenden Donnerstag soll der Thüringer Landtag dem Verkauf von 8000 ha Landeswald zustimmen.

„Staatswald ist öffentlicher Wald und dient damit in erster Linie den Gemeinwohlinteressen der Bürger. Ein Waldverkauf ist demnach gleichzusetzen mit einem Rückzug aus der Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern“, so die Bewertung von Frank Henkel, Geschäftsführender Vorstand des BUND Thüringen.

Der staatliche Waldbesitz sei keine Manövriermasse zum Ausgleich von Haushaltsdefiziten. Selbst das Thüringer Waldgesetz schreibe in § 31, Abs.4 einen unbedingten Erhalt der staatlichen Waldflächen vor. Diese Regelung dürfe unter keinen Umständen in Frage gestellt werden.

Die Gemeinwohlleistungen die der Staatswald den Menschen biete, seien heute und gerade für die Zukunft unverzichtbar. Der in großen Teilen dem Freistaat Thüringen gehörende Thüringer Wald als eines der bekanntesten Erholungsgebiete Deutschlands liefere nicht nur wertvolles Trinkwasser und saubere Luft, sondern leiste auch für den Boden – und Hochwasserschutz unbezahlbare Dienste.

Gleiches gelte auch für seine Bedeutung als Lebensraum für eine artenreiche Tier –und Pflanzenwelt.
Nach einer Privatisierung würden diese Gemeinwohlleistungen nicht mehr in dieser Qualität erbracht werden können und schon gar nicht kostenlos. Die Erwirtschaftung von Gewinnen stünde dann an erster Stelle, andere Belange rückten zwangsläufig in den Hintergrund.

Der BUND Thüringen appelliert an die Abgeordneten des Thüringer Landtages, keinen wertvollen Staatswald auf Kosten künftiger Generationen zu opfern in dem er scheibchenweise verkauft wird.

27. Juni 2003

BUND Thüringen: Umweltpolitik muss Querschnittsaufgabe der Regierungspolitik werden

Erfurt. Die Landesversammlung des BUND Thüringen hat heute in Erfurt einen Leitantrag zur Neuorientierung der Umweltpolitik im Freistaat verabschiedet und einen neuen Landesvorstand gewählt.

„Wir fordern den neuen Ministerpräsidenten Dieter Althaus zu einem Kurswechsel in der Umweltpolitik des Freistaates auf. Natur- und Umweltschutz dürfen nicht länger als Mauerblümchen der Landespolitik behandelt werden. Die Umweltpolitik muss zu einer Querschnittsaufgabe der Regierungspolitik werden. Das Prinzip der Gleichrangigkeit von Ökologie, Ökonomie und Sozialem muss in allen Politikfeldern zum Handlungsmaßstab werden“, erklärte Ron Hoffmann, neugewähltes Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes, heute vor der Landesversammlung des BUND Thüringen in Erfurt.

Die Landesversammlung verabschiedete zur Umweltpolitik in Thüringen einstimmig einen Leitantrag des Landesvorstandes. Darin sind 10 Punkte benannt, in denen der BUND Thüringen unmittelbar zum Handeln auffordert. Hierzu gehören u.a. eine finanzielle Stärkung von Naturschutz und Umweltbildung, eine nachhaltige Verkehrspolitik, der Stopp des Gesetzes zur Rodung von Hecken und Waldrändern, der Ausstieg aus der Müllverbrennung und der ökologische Hochwasserschutz.

Die Neuwahl des Landesvorstandes war ebenfalls auf der Tagesordnung der Landesversammlung. In den Geschäftsführenden Vorstand wurden Frank Henkel, Frank Augsten und Ron Hoffmann gewählt. Der erweiterte Vorstand besteht aus Wigbert Schorcht und Evelyn Höhn. Schatzmeisterin ist Kerstin Schnelle.

Die Landesversammlung beschloss darüber hinaus die Fortführung der Schwerpunkt-Projekte des BUND Thüringen. Auch in den kommenden Jahren wird sich der BUND Thüringen verstärkt für den Schutz des Grünen Bandes und die Initiative „Lebendige Werra“ einzusetzen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schutz der Wildkatze. Mit einem Brückenschlag vom Nationalpark Hainich in den Thüringer Wald soll die großräumige Vernetzung der Lebensräume in Thüringen wieder hergestellt werden. Schließlich setzt sich der BUND Thüringen für den Erhalt des Waldgebietes „Hohe Schrecke“ ein. Unter dem Motto „Alter Wald mit Zukunft“ soll hier gemeinsam mit den Anrainer-Kommunen eine nachhaltige Entwicklung der gesamten Region angestoßen werden. Den Grundstock dafür sollen die alten Buchenwälder der Hohen Schrecke bieten.

26. Juni 2003

BUND Thüringen: Klimawandel ist längst Realität

Erfurt. Der Klimawandel ist auch in Thüringen längst Realität. Darauf hat der BUND Thüringen anlässlich der heute stattfindenden Klimastatus-Konferenz der Landesregierung in Gera hingewiesen.

„Wer wissen möchte, welche Folgen der Klimawandel für uns hat, braucht sich nur den  Wetterbericht anzuschauen. Inzwischen gibt es nahezu täglich Unwetterwarnungen“, erklärte Dr. Frank Augsten, Geschäftsführender Landesvorstand des BUND Thüringen. „Dürreperioden, Starkregen, Hitzwellen, Gewitterstürme, von einem normalen Wetter kann längst keine Rede mehr sein. Wir erleben inzwischen hautnah genau das Wetter, was die Klimaforscher längst vorausgesagt haben. Die extremen (Un)Wetter-Ereignisse nehmen zu.“

Für den BUND Thüringen besteht auch ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und den Überschwemmungskatastrophen, von denen auch Thüringen in der Vergangenheit schwer betroffen war.

„Wenn eine „Klimahysterie“ festzustellen ist, dann bei den selbsternannten KlimaexpertInnen, die den Zusammenhang zwischen Klimawandel und dem Ausstoß schädlicher Treibhausgase leugnen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen mit Blick auf Äußerungen der Thüringer CDU-Bundestags¬abgeordneten Vera Lengsfeld. In Übereinstimmung mit Umweltstaatssekretär Stefan Baldus bezeichnete Vogel den Autoverkehr in Thüringen als Klimakiller Nr. 1. Nach Angaben des BUND Thüringen hat jeder zweite Thüringer inzwischen ein Auto, Tendenz steigend. Diese Entwicklung mache die Erfolge bei der Reduktion des Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in der Industrie zunichte. Vogel forderte als Konsequenz wirksame Maßnahmen in der Verkehrspolitik: „Wir brauchen nachhaltige Verkehrskonzepte, die nicht einseitig auf den Ausbau von Straßen setzen.“  

Für den BUND Thüringen gehört hierzu der konsequente Ausbau des Schiennetzes in Thüringen. Im Vordergrund stehe dabei der Ausbau der Mitte-Deutschland-Bahn, um die Anbindung der Thüringer Städtekette und des ostdeutschen Wirtschaftsraumes an ein leistungsfähiges Schiennetz sicher zu stellen. Wichtig sei auch, Nord- und Südthüringen stärker an das überregionale Bahnnetz anzuschließen. Weiterhin fordert der BUND die Wirtschaftsförderung für Unternehmen mit hohem Transportaufkommen an die Ansiedelung in Güterverkehrszentren zu koppeln. Insgesamt muss nach Einschätzung des BUND Thüringen der Öffentliche Personennahverkehr in Thüringen durch transparente Tarifsysteme,  höhere Taktfrequenzen und eine stärkere Anbindung der Orte außerhalb der Ballungszentren attraktiver werden.

Vogel forderte die Landesregierung auf, über den Klimwandel nicht nur zu reden, sondern endlich auch zu handeln. „Wir brauchen dringend wirksame Gegenmaßnahmen, wenn wir Schlimmeres verhindern wollen.“

12. Juni 2003

BUND Thüringen: Gipsabbau verbaut Zukunft im Südharz

Neustadt. Unter dem Motto „Gipsabbau verbaut Zukunft im Südharz“ protestierte der BUND Thüringen heute in Neustadt gegen eine weitere Ausdehnung des Gipsabbaus. Anlass der Aktion war die Regionalkonferenz zur Tourismusentwicklung im Südharz.

„Wenn die Entwicklung so weitergeht, sieht die Landschaft hier bald wie ein Schweizer Käse aus.“, kommentierte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen die Abbaupläne der verschiedenen Gipsfirmen. Erst kürzlich ist das Vorhaben des britischen Gipskonzerns BPB Formula bekannt geworden, im Bergwerksfeld Günzdorf unmittelbar vor den Toren des Luftkurortes Neustadt den Gipsabbau zu eröffnen. Gleichzeitig laufen nach Angaben des BUND Thüringen die Voruntersuchungen zur Gipsgewinnung im Harzfelder Holz. Das dritte Vorhaben, der Abbau der Rüdigsdorfer Schweiz zwischen Neustadt und Nordhausen durch die Firma Südharzer Gipswerke befindet sich bereits in der Genehmigungsphase.

Nach Ansicht des BUND Thüringen besteht für die von der Gipsindustrie geforderten Ausdehnungen des Gipsabbaus kein Bedarf. Das zeige auch die Insolvenz der Firma Wico am Kohnstein, dem größten Gipssteinbruch der Region gegenüber. Obwohl hier noch für mehrere Jahrzehnte Rohstoffreserven brach lägen, habe sich bisher keine Firma bereitgefunden, den Steinbruch zu übernehmen. Außerdem stünden mit dem sog. REA-Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen und der Nutzung von Ersatzstoffen ausgereifte Alternativen zur Verfügung, welche den Einsatz von Naturgips überflüssig machten.

Der BUND Thüringen wies darauf hin, dass die Südharzer Gipskarstlandschaft ein weltweit einmaliges Naturjuwel sei. Durch den großflächig anstehenden Gips habe sich ein vielgestaltiges Relief mit unterschiedlichen Standortbedingungen ausgebildet. Dadurch beherberge die Landschaft eine einmalige Artenvielfalt auf engstem Raum.

Ausdrücklich warnte der BUND Thüringen davor, dass eine Ausdehnung des Gipsabbaus im Interesse einzelner Wirtschaftskonzerne auf Kosten einer nachhaltigen Entwicklung in der Region gehe. Der sanfte Tourismus in der Region schaffe schon heute mehr Arbeitsplätze als alle Gipsunternehmen gemeinsam.

„Eine mit Gipskratern übersäte Landschaft verbaut sämtliche Zukunftsperspektiven der Region.“, erklärte Vogel. Er forderte die Landesregierung auf, nicht länger einseitig die Interessen der Gipsindustrie zu vertreten, sondern die Anliegen der Menschen in der Region und deren wirtschaftliche Zukunft zum Maßstab politischer Entscheidungen zu machen.

23. Mai 2003

BUND Thüringen: Gesetz zur Rodung von Hecken und Wald ist verfassungswidrig

Erfurt. Der BUND Thüringen hält den vom Umweltministerium vorgelegten Gesetzentwurf zur Rodung von Wald in der freien Landschaft für verfassungswidrig. Nach Einschätzung des BUND verstößt das Änderungsgesetz nicht nur gegen Landesrecht sondern auch gegen geltendes Bundesrahmenrecht. Das erklärte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Dr. Burkhard Vogel, heute in Erfurt.

Vogel: „Mit dem Gesetzentwurf sollen bestehende Regelungen zum Schutz von Wald und Hecken in der freien Landschaft außer Kraft gesetzt werden. Wenn der Entwurf umgesetzt wird, hat das verheerende Konsequenzen für Thüringens Kulturlandschaft.“

Eine Genehmigung zur Rodung sei nach dem Entwurf immer dann zu erteilen, wenn sich zwischen 1960 und 1992 Wald auf landwirtschaftlicher Nutzfläche entwickelt habe. Nach Schätzungen des BUND wären zwischen 2.500 ha und 4.000 ha Wald und Hecken hiervon betroffen. Auch solche Biotope, die nach dem Thüringer Naturschutz-gesetz und nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt sind, könnten gerodet werden. Eine im Bundesnaturschutzgesetz vorgeschriebene Prüfung der Zulässigkeit eines solchen Eingriffes sei nicht vorgesehen.

Normalerweise sehen Bundes- und Landesrecht zwar vor, dass Eingriffe in den Naturhaushalt durch geeignete Maßnahmen zu kompensieren sind. Von dieser Pflicht zur Kompensation, die für jeden Häuslebauer und auch jeden Unternehmer gelte, würden Eigentümer von Agrarflächen durch die Änderung des Thüringer Naturschutzgesetzes kurzer Hand entbunden.

„Der Verzicht auf Kompensation geht an die Substanz des Rechtsverständnisses im Naturschutz“, kommentierte Vogel diese Regelung. „Bisher bestand Konsens darüber, dass Verursacher von Eingriffen hierfür auch Kompensationsmaßnahmen erbringen müssen. Wenn jetzt per Gesetz einzelne private Landeigentümer von dieser Pflicht entbunden werden, kann sich in Zukunft jeder auf diesen Präzedenzfall beziehen und Gleichbehandlung fordern. Dann wird es bei Eingriffen bald überhaupt keine Kompensationsmaßnahmen mehr geben.“

Der BUND Thüringen sieht in dem Verzicht auf Kompensationsmaßnahmen einen Verstoß gegen die Rahmengesetzgebung des Bundesnaturschutz¬gesetzes. Dieser Verstoß ist nach Einschätzung des BUND Thüringen verfassungswidrig, da die Bundesländer nicht die Kompetenz besitzen, die bundesrechtliche Rahmengesetzgebung durch Landesrecht einzuschränken.

Nicht nachvollziehbar bleibt für den BUND Thüringen, warum Landwirtschaftsminister Dr. Sklenar nicht eine Durchführungsbestimmung der EU aus dem Jahr 2000 zur Anwendung bringt. Damit könne die Feld-Wald-Problematik weitgehend entschärft werden. Die EU habe längst die Möglichkeit eröffnet auch Waldränder und Hecken in die förderfähige Agrarfläche mit einzubeziehen. Damit müssten auch umweltverträglich wirtschaftende Landwirte keine Einbußen befürchten, wenn sie die Entwicklung von Hecken und Waldrändern auf ihren Flächen zulassen. Diese Möglichkeit sei in Thüringen bisher noch nicht umgesetzt worden.

„Wir brauchen eine Lösung der Feld-Wald-Problematik, die sowohl den Ansprüchen der Landwirtschaft als auch den Belangen des Naturschutzes gerecht wird.“, forderte Vogel. „Der Ansatz mit dem Hächsler, wie ihn Landwirtschaftsminister Sklenar durch das Änderungsgesetz offenbar bevorzugt, schafft nur neue Konflikte, bei denen Landwirtschaft und Natur als Verlierer auf der Strecke bleiben.“

16. April 2003

„Tabula rasa“ in Thüringens Agrarlandschaft – Umweltministerium plant Gesetz zur Beseitigung von Hecken

Erfurt. Die Thüringer Umweltverbände befürchten eine großräumige Rodungswelle von Hecken in der Thüringer Agrarlandschaft. Das teilten die Umweltverbände AHO, BUND, Grüne Liga und NABU heute auf einer Pressekonferenz in Erfurt mit.

Hintergrund sind nach Angaben der Umweltverbände Planungen des Umweltministeriums zur Änderung des Waldgesetzes. Damit soll für Landwirte die Möglichkeit geschaffen werden, Hecken ohne Ersatzpflanzungen zu beseitigen. Die Gesetzesänderung kommt nach Angaben der Umweltverbände auf massiven Druck der Landwirtschaftslobby zustande.

„Wenn Umweltminister Sklenar der Landwirtschaftslobby nachgibt, werden wir in Thüringen die größte Zerstörung von Hecken und Feldgehölzen seit der sozialistischen Agrarreform zu Beginn der 60er Jahre erleben“, befürchtet Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Von der Gesetzesänderung wären mindestens 2.500 ha Hecken und Feldgehölze betroffen.“
Die geplante Gesetzesänderung soll nach dem Willen von Minister Sklenar Abhilfe schaffen bei Rückforderungen der EU für zu Unrecht gezahlte Fördermittel an Thüringer Landwirte, erklärten die Umweltverbände. Bei der Beantragung von EU-Fördermitteln hätten Thüringer Landwirte in zahlreichen Fällen die gesamte katastermäßig erfasste landwirtschaftliche Nutzfläche angegeben.

Vielfach hätten sich aber durch die jahrzehntelange Bewirtschaftungspraxis Waldränder und Hecken auf ungenutzten Landwirtschaftsflächen ausgedehnt. Die tatsächlich bewirtschaftete und somit auch förderfähige Fläche sei daher kleiner als die Katasterfläche. Durch Überprüfungen der EU-Kommission seien diese Diskrepanzen aufgedeckt worden. Jetzt drohten den Landwirten Rückzahlungsforderungen für zuviel erhaltene Fördermittel. Um diese künftig zu vermeiden, sollten Landwirte in die Lage versetzt werden, Hecken ohne Ersatzpflanzungen zu beseitigen. Der Umfang der Rodungen soll sich dabei am Zustand der Wald-Feld-Grenzen von 1960 orientieren.
„Weil Landwirte in Thüringen bei der Beantragung von Fördermitteln falsche Angaben gemacht haben, sollen jetzt großflächig Hecken an Waldrändern verschwinden“, kritisierte Volker Kögler, Vorsitzender der AHO Thüringen. Diese Heckenstrukturen hätten aber eine hohe ökologische Funktion. Deshalb sind nach Angaben von Kögler die Landwirte bereits Anfang der 90er Jahre durch die Landwirtschaftsämter schriftlich auf die Diskrepanz zwischen förderfähiger Nutzfläche und katastermäßig erfasste Größe der Schläge hingewiesen worden. Offensichtlich hätten sie jedoch darauf vertraut, dass die EU diese Diskrepanzen nicht bemerken würde.

„Seit die EU mit Rückforderungen droht, werden überall in Thüringen Hecken bereits in großem Stil ohne Genehmigung und ohne Ersatzpflanzungen beseitigt“, berichtete Christian Bollensdorff, Vorsitzender des NABU Thüringen. Die zuständigen Behörden gingen gegen diese Gesetzesverstöße nur unzureichend vor.

„Leider sind unsere Gespräche mit Landwirtschaftsminister Sklenar zur Lösung des Konfliktes bisher erfolglos verlaufen“, erklärte Andreas Leps, Vorsitzender der Grünen Liga Thüringen. Der Vorschlag zur Neuvermessung der Flächen sei ebenso abgelehnt worden, wie auch die Hinweise auf die Möglichkeit, Hecken und Waldränder in die EU-Förderung mit einzubeziehen.

Die Umweltverbände fordern Minister Sklenar auf, die Gesetzesänderung unverzüglich zu stoppen und gegen die flächige Rodung von Hecken mit geeigneten Mitteln vorzugehen.

11. April 2003

Erfolgreicher Widerstand des BUND Thüringen gegen Gen-Weizen-Aussaat in Friemar – Syngenta verzichtet auf Freisetzungsversuch

Erfurt. Der BUND Thüringen hat sich von Anfang an die Spitze des Widerstandes gegen den von der Syngenta Seeds GmbH in Friemar geplanten Gen-Weizen-Versuch gestellt und begrüßt deshalb die Syngenta-Entscheidung, auf Grund der breiten Proteste auf die Aussaat zu verzichten.

Mit dem Antrag der Syngenta Seeds GmbH sollte erstmalig in Deutschland gentechnisch veränderter Weizen außerhalb von Labor und Gewächshaus sozusagen in „freier Natur“ ausgesät werden. Damit hätten die Freisetzungsversuche eine neue Qualität erreicht, denn mit Weizen wird nicht nur die am meisten angebaute Feldfrucht freigesetzt, sondern auch die Getreideart, die unmittelbar der menschlichen Ernährung dient.

Der BUND Thüringen hatte gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Gruppen beim Robert-Koch-Institut (RKI) offiziell Einwand gegen den für dieses Frühjahr in Friemar geplanten Freisetzungsantrag mit gentechnisch verändertem Weizen erhoben. Damit wurde das RKI aufgefordert, auf Grund der unzureichenden Antragsunterlagen der Syngenta Seeds GmbH und der ungeklärten Risiken derartiger Freisetzungsversuche die Genehmigung für den Versuch nicht zu erteilen.

Das RKI hatte trotz der offensichtlichen Mängel im Antrag am 09. April „Grünes Licht“ für den Versuch gegeben. Weil dies auf Grund der offensichtlichen Industrienähe des RKI zu erwarten war, hatten Umweltverbände und Initiativen vor Ort die Verhinderung der Aussaat „in die eigenen Hände“ genommen. Mit einer logistischen Meisterleistung von Greenpeace gelang es, Syngenta zu Aufgabe des Vorhabens zu bewegen.

Dazu Dr. Frank Augsten vom geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes: „Wo die Politik versagt, kann der Bürgerwille trotzdem viel bewegen. Nachdem das RKI dem Versuch auf der Grundlage einer völlig unzureichenden Gesetzgebung stattgegeben hatte, half nur noch Bürgerengagement. Die tolle Zusammenarbeit zwischen dem BUND, Greenpeace, der Gemeinde Friemar und den anderen Initiativen hat gezeigt, dass es sich lohnt, für seine Rechte zu streiten.“
Der BUND Thüringen bedankt sich ausdrücklich für die Unterstützung von Greenpeace, ohne deren Engagement eine solche Entscheidung nicht so schnell hätte herbeigeführt werden können. Der BUND Thüringen hofft, dass mit der zweiten erfolgreichen Verhinderung eines Freisetzungsversuches in Thüringen Gentech-Firmen den Freistaat in Zukunft mit ihren unkalkulierbaren und riskanten Versuchen verschonen.

10. April 2003

Entscheidung des Robert-Koch-Instituts für den Gen-Weizen-Versuch in Friemar ist ein Skandal!

Erfurt. Der BUND Thüringen verurteilt die Genehmigung des Freisetzungsversuches durch das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Schärfste. Damit habe das RKI ein weiteres Mal bewiesen, dass es nicht bereit ist, Entscheidungen im Interesse des Gemeinwohls zu fällen.

Der BUND Thüringen hatte gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Gruppen beim Robert-Koch-Institut (RKI) offiziell Einwand gegen den für dieses Frühjahr in Friemar geplanten Freisetzungsantrag mit gentechnisch verändertem Weizen erhoben. Damit wurde das RKI aufgefordert, auf Grund der unzureichenden Antragsunterlagen der Syngenta Seeds GmbH und der ungeklärten Risiken derartiger Freisetzungsversuche die Genehmigung für den Versuch nicht zu erteilen.
Mit dem Antrag der Syngenta Seeds GmbH soll erstmalig in Deutschland gentechnisch veränderter Weizen außerhalb von Labor und Gewächshaus sozusagen in „freier Natur“ ausgesät werden. Damit erreichen die Freisetzungsversuche eine neue Qualität, denn mit Weizen wird nicht nur die am meisten angebaute Feldfrucht freigesetzt, sondern auch die Getreideart, die unmittelbar der menschlichen Ernährung dient.

Der BUND Thüringen lehnt den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und der Lebensmittelverarbeitung auf Grund der ungeklärten Risiken für die Umwelt, die Pflanzen und Tiere sowie für den Menschen ab. Dazu Dr. Frank Augsten vom geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes: „Die Antragsunterlagen der Syngenta Seeds GmbH lesen sich wie eine Wunschliste der Gentech-Wissenschaftler, kritische Quellen werden einfach ignoriert. Der BUND Thüringen hat sich in seiner Einwendung wissenschaftlicher Studien bedient, die zeigen, dass Syngenta Seeds die Risiken bewusst herunterspielt. Für den BUND Thüringen ist das eine gezielte Irreführung der Bevölkerung.“
Um so bemerkenswerter ist die Tatsache, dass das RKI als Genehmigungsbehörde mit dem unzulänglichen Antrag von Syngenta offenbar keine Probleme hat. „Allein die Tatsache, dass die Herkunft des in den Weizen eingebauten Gens und die Wirkungen der dadurch gebildeten Proteine nicht benannt werden, lösen bei jedem seriösen Wissenschaftler Kopfschütteln aus,“ so Augsten weiter. „Bleibt die Frage, ob das RKI hier wirklich die Interessen der Bevölkerung vertritt.“

Bei derartigen Entscheidungen muss man sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Verbraucher in die Gentechnik nachhaltig gestört wird. Und auch nicht, wenn die Bevölkerung und engagierte Gruppen zur Selbsthilfe greifen. In diesem Sinne unterstützt der BUND alle legalen Aktionen, die zur Verhinderung der Aussaat des genmanipulierten Weizens führen.

31. März 2003

Mehr Natur in die Stadt: BUND und Deutsche Post starten Projekt „Klimaoase“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Deutsche Post starten am 2. April 2003 in Berlin die Aktion „Klimaoase“ für mehr Lebensqualität in der Stadt. Damit werden in den kommenden Monaten Umweltprojekte gefördert, die mehr naturnahes Grün in die Städte bringen. Die Auswahl erfolgt durch ein Auswahlgremium von BUND und Deutsche Post in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kommunen. Die Deutsche Post stellt dafür einen Betrag in Höhe von 250.000 Euro zur Verfügung. In Thüringen beteiligen sich die Städte Erfurt und Weimar an der Aktion.
              
„Die Aktion "Klimaoase" bietet uns die Möglichkeit, gemeinsam mit dem BUND Umweltprojekte zu fördern, um Städte lebens- und liebenswerter zu machen. Als führender Logistikkonzern und einer der größten zivilen Fuhrparkbetreiber in Deutschland zeigen wir damit einmal mehr Verantwortung für den Umweltschutz.“, so Dr. Monika Wulf-Mathies, Leiterin des Zentralbereichs Politik und Umwelt der Deutschen Post.

Für den BUND ist die Kooperation mit der Deutschen Post eine wichtige Unterstützung, um städtische Naturprojekte voranzubringen. „Wir wollen in Erfurt und Weimar beispielhaft Naturoasen schaffen, als Orte des Naturerlebens und der Naherholung für die Menschen in der Stadt. Solche Flächen mit  ihrer Vielfalt von Pflanzen und Tieren schaffen ein günstiges Stadtklima. Sie sind entscheidende Faktoren für die Lebensqualität in unseren Städten", so Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen in Erfurt. Der BUND will in Weimar die Herzquelle wieder zu einem naturnahen Quellbiotop renaturieren. Noch bis zu Beginn der siebziger Jahre war diese Travertin-Quelle als Naturdenkmal geschützt. Als die Quelle dann zur Trinkwassergewinnung gefasst wurde, wurde der  Quellbiotop zerstört. In Erfurt will der BUND ebenfalls eine Naturerlebnisfläche schaffen.
"Diese Flächen sind wichtig für die Erholung der Menschen und als Oasen für die Natur. Besonders für Kinder ist es schön, wenn sie mitten in der Stadt raus in die Natur können", so Vogel weiter.

Für die Deutsche Post ist das Projekt "Klimaoase" ein weiterer Baustein ihres Umweltengagements. Andere Maßnahmen betreffen z.B. die Senkung des Schadstoffausstoßes des Fuhrparks durch ein systematisches Spritspartraining für die Zusteller oder die Anschaffung moderner emissionsarmer Fahrzeuge. Weitere betriebliche Maßnahmen sind auf die Reduzierung des Energieverbrauchs in den Produktionsstätten gerichtet. Auf der Grundlage der vom Vorstand verabschiedeten umweltpolitischen Leitlinien wird der Konzern im Mai diesen Jahres erstmals der Öffentlichkeit einen Umweltbericht vorlegen.

Speziell für das private Grün im Blumentopf oder dem Balkonkasten bietet die Deutsche Post in ihren 3000 größten Filialen im April, Mai und Juni eine Frühlingsgrußkarte an, die Blumensamen enthält. "Eine gute Gelegenheit, Freunden und Verwandten einen Brief zu schreiben und ihn mit Blumengrüßen zu verbinden", betont Dr. Monika Wulf-Mathies.

6. März 2003

Frühstücksbrötchen ohne GEN-Weizen – Keine Freisetzungsversuche in Friemar oder anderswo!

Erfurt. Der BUND Thüringen hat beim Robert-Koch-Institut (RKI) offiziell Einwand gegen den für dieses Frühjahr in Friemar geplanten Freisetzungsantrag mit gentechnisch verändertem Weizen erhoben. Er fordert damit das RKI auf, auf Grund der unzureichenden Antragsunterlagen der Syngenta Seeds GmbH und der ungeklärten Risiken derartiger Freisetzungsversuche die Genehmigung für den Versuch nicht zu erteilen.

Mit dem Antrag der Syngenta Seeds GmbH soll erstmalig in Deutschland gentechnisch veränderter Weizen außerhalb von Labor und Gewächshaus sozusagen in „freier Natur“ ausgesät werden. Damit erreichen die Freisetzungsversuche eine neue Qualität, denn mit Weizen wird nicht nur die am meisten angebaute Feldfrucht freigesetzt, sondern auch die Getreideart, die unmittelbar der menschlichen Ernährung dient.

Der BUND Thüringen lehnt den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und der Lebensmittelverarbeitung auf Grund der ungeklärten Risiken für die Umwelt, die Pflanzen und Tiere sowie für den Menschen ab. Dazu Dr. Frank Augsten vom geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes: „Besonders perfide ist im Zusammenhang mit den Freisetzungen das Argument, dass man die Risiken ja nur erkennen könne, wenn man es darauf ankommen lässt und die Versuche in der freien Natur durchführt. Für uns ist das ein einziger großer Menschenversuch, denn wenn es schief geht, lassen sich die gentechnisch veränderten Organismen nicht einfach wieder einsammeln.“

So lesen sich auch die Antragsunterlagen der Syngenta Seeds GmbH wie eine Wunschliste der Gentech-Wissenschaftler, kritische Quellen werden einfach ignoriert. Der BUND Thüringen hat sich in seiner Einwendung wissenschaftlicher Studien bedient, die zeigen, dass Syngenta Seeds die Risiken bewusst herunterspielt. Für den BUND Thüringen ist das eine gezielte Irreführung der Bevölkerung.

Der BUND Thüringen hofft, dass das Robert-Koch-Institut als Zulassungsbehörde der Argumentation des BUND Thüringen folgt und den Freisetzungsversuch in Friemar untersagt. Das wäre für Augsten ein deutliches Signal für eine Neuorientierung in der Landwirtschaft und der Lebensmittelverarbeitung: „Die Gentechnik verschärft den mittlerweile ruinösen Wettbewerb unter den Landwirten. Sie füllt die Taschen weniger Konzerne und beschert uns eine neue Form von Lebensmittelproduktion, die uns Verbrauchern schwer auf den Magen schlagen wird. Wir müssen dafür sorgen, dass eine gentechnikfreie Landwirtschaft auch in Zukunft möglich ist. Eine entsprechende Entscheidung zu Friemar wäre ein erster Schritt.“

19. Februar 2003

Dioxinskandal in Thüringen: So kommen uns Billiglebensmittel teuer zu stehen

Erfurt. Eines haben die Lebensmittelskandale der letzten Jahre gemein: Es mangelt nicht an gegenseitigen Schuldzuweisungen, und die Verbraucher stehen fassungslos daneben, weil letzten Endes niemand mehr durchblickt. So stellt sich in etwa auch die Situation im jüngsten Dioxinskandal in Thüringen dar. Vom Futtermittelhersteller, der möglicherweise mehr weiß, als er sagt, bis zu den Behörden, die sich angesichts der unglaublich langen „Reaktionszeiten“ sehr gelassen geben, reicht die Palette der typischen Reaktionen.

Für den BUND Thüringen ist diese Diskussion nicht das Hauptproblem. Dazu Dr. Frank Augsten vom geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes: „Beim letzten großen Dioxinskandal 1999 mit belgischen Geflügelprodukten hatten Futtermittelhersteller absichtlich entsorgungspflichtige Substanzen ins Futter gemischt, das war kriminell. Anders in Apolda, dort kann höchstenfalls von Fahrlässigkeit gesprochen werden. Und dass die Behörden um die Weihnachtszeit nicht besonders schnell arbeiten, ist auch kein Geheimnis.“

Zum Problem werden die erhöhten Dioxinwerte für den BUND Thüringen vor allem durch die vielfältigen Geschäftsbeziehungen des Trockenwerkes. Erst nach und nach wird klar, wohin das kontaminierte Futter geliefert wurde und dass hier mehrere `zig Betriebe betroffen sein werden. Für die Verwunderung der Verbraucher über ein derartiges Geflecht von Handelsbeziehungen allein beim Futtermittel hat Augsten kein Verständnis: „Natürlich muss sich jeder, der beim Discounter einkauft – und das werden ja immer mehr – auf die Unbedenklichkeit der Produkte verlassen können. Aber dass der Landwirt dem ständigen Kostendruck irgendwann nicht mehr gewachsen ist und sich dann von unrentablen Produktionszweigen trennt, liegt auf der Hand. So schaffen die viehhaltenden Betriebe ihre Futterproduktion ab und kaufen möglichst billiges Futter auf dem freien Markt.“

Es ist also auch der Verbraucher, der mit seinem Griff nach Billigstlebensmitteln dafür sorgt, dass die Spezialisierung in der Landwirtschaft immer mehr zunimmt. Und dass bei einem „Unfall“ die entsprechenden Konsequenzen nicht regional begrenzt bleiben, sondern weite Kreise ziehen.
Der BUND Thüringen fordert deshalb, die von Ministerin Künast gestartete und vom Deutschen Bauernverband unterstützte Kampagne gegen eine immer weitergehende Verbilligung von Lebensmittel zu unterstützen. Während der Thüringer Bauernverband hier bereits Unterstützung zugesagt hat, steht ein derartiges Bekenntnis seitens des Thüringer Landwirtschaftsministeriums auch weiterhin aus.

30. Januar 2003

BUND fordert Ausdehnung der Schutzzone I im Nationalpark Hainich

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert den Thüringer Landtag auf, bei den Beratungen zur Zukunft des Nationalpark Hainich die Ausdehnung der vom Menschen unbeeinflussten Kernzone zu beschließen. Nachdem sich Bund und Freistaat auf die Übertragung der bundeseigenen Flächen im Nationalpark in Landesbesitz geeinigt haben, steht nach Ansicht des BUND Thüringen der Ausweitung der nutzungsfreien Zone auf über 90% der Nationalparkfläche nichts mehr entgegen.

„Es ist Zeit, dass die Kettensägen im „Urwald mitten in Deutschland“ für immer verstummen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Nachdem der Bund endlich eingelenkt hat, kann die Landesregierung jetzt zeigen, wie ernst es ihr mit der Verwirklichung der Nationalpark-Idee ist“.

Nach Angaben des BUND Thüringen nimmt die Zone I, in der die Natur einer ungestörten Entwicklung überlassen bleibt, zur Zeit nur knapp 30% der Nationalparkfläche ein. In Nationalparks nach internationalem Standard sind aber nach den Kriterien der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) mindestens zweidrittel der Fläche als natürliche Entwicklungsfläche ohne menschliche Nutzung auszuweisen. Der BUND wies darauf hin, dass im Nationalpark Hainich außerhalb der Kernzone sowohl Jagd als auch Holzeinschlag erlaubt seien. Der BUND Thüringen geht davon aus, dass durch die Erfüllung der IUCN-Kriterien das Image des Nationalparks erheblich gesteigert werde.

Als wichtigen Schritt, den Bekanntheitsgrad des Nationalparks bundesweit zu erhöhen, wertete der BUND Thüringen die Aufnahme des Hainich Anfang diesen Jahres in das Projekt „Fahrtziel Natur“, welches die Bahn AG gemeinsam mit den vier großen Umweltverbänden BUND, NABU, WWF und VCD gestartet habe. Diese Werbekampagne werde sich positiv auf die Besucherzahlen und die gesamte Tourismusbranche in der Region auswirken.

„Jetzt muss der Nationalpark auch der Erwartungshaltung der Besucher gerecht werden“, forderte Vogel. „Projekte, wie die Einrichtung des Nationalparkhauses und der Baumkronenerlebnispfad, müssen endlich auf den Weg gebracht werden. Der Nationalpark Hainich ist längst zum Antriebsmotor für die wirtschaftliche Entwicklung in der Nationalparkregion geworden. Es liegt jetzt an der Landesregierung, diesem Motor nicht den Sprit ausgehen zu lassen.“

21. Januar 2003

GEO Tag der Artenvielfalt 2003: BUND Thüringen betreut Satellitenprojekte am Grünen Band

Erfurt. Am 14. Juni 2003 findet der fünfte GEO-Tag der Artenvielfalt statt. Für die eigene Arten-Suche wird GEO in diesem Jahr gemeinsam mit dem BUND das Grüne Band unter die Lupe nehmen. Neben der Hauptveranstaltung in den beiden Nationalparks Harz und Hochharz sind bundesweit fünf Satellitenprojekte ausgewählt worden. Die beiden Standorte in Thüringen werden vom BUND Thüringen gemeinsam mit den angrenzenden Landesverbänden betreut.

„Naturfreundinnen und Naturfreunde sind aufgerufen, innerhalb von 24 Stunden in einem selbst festgelegten Gebiet möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu entdecken. Gesucht werden kann überall - im Park, am Stadtrand, im Feldgehölz. Wir werden uns auf das Grüne Band konzentrieren, weil wir das Bewusstsein für die Artenvielfalt in diesem einzigartigen Lebensraum wecken wollen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Das Grüne Band, der ehemalige innderdeutsche Grenzstreifen, zieht sich auf einer Länge von 1.400 Kilometern durch Deutschland. Von der Lübecker Bucht über Harz und Rhön bis zum Frankenwald verbindet es eine Vielzahl unterschiedlicher Naturräume und bildet den größten Biotopverbund Deutschlands.

Die Satellitenprojekte des BUND Thüringen liegen im unteren Eichsfeld von Weilrode bis Freienhagen und am Rand der Rhön zwischen Henneberg und der Schlechtsarter Schweiz. An beiden Standorten lädt ein kleinräumiges Mosaik unterschiedlichster Lebensräume, wie Feuchtbiotope, Halbtrockenrasen und Mittelwälder zur Erkundung ein. Interssierte Laien, Biologen und Fachleute aus Vereinen sind eingeladen, an der Kartierung teilzunehmen.

Der "GEO-Tag der Artenvielfalt" hat sich zur größten Feldforschungsaktion in Mitteleuropa entwickelt. Bei den Hauptveranstaltungen der vergangenen Jahre wurden regelmäßig verschollene Arten wiederentdeckt und damit ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung und Dokumentation der Tier- und Pflanzenwelt geleistet. 2002 beteiligten sich über 10.000 Personen an der Aktion, darunter zahlreiche renommierte Zoologen und Botaniker. Doch nicht nur Experten sind gefragt: Jeder, der sich für die Natur und deren Schutz interessiert, kann mitmachen. Gemeinden, Schulen, Museen, Naturschutzverbände und andere Organisationen sind zudem aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen oder Begleitaktionen direkt in der eigenen Umgebung zu starten.

7. Januar 2003

BUND begrüsst Initiative des Umweltministeriums zum Erhalt der Bergwiesen

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüsst die vom Thüringer Umweltministerium angekündigte Initiative zum Erhalt der Bergwiesen. Gleichzeitig betont der Umweltverband, dass die Finanzmittel für die Pflege wertvoller Naturschutzflächen in Thüringen insgesamt verbessert werden müssen. Der BUND Thüringen fordert daher das Umweltministerium auf, die Initiative auf alle wertvollen Biotope auszudehnen.

„Eine Initiative, welche mehr Geld für die Pflege der wertvollen Bergwiesen in Thüringen bringen soll, wird natürlich von uns begrüsst“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Allerdings hätten wir uns eine solche Initiative gewünscht, bevor die Mittel für die Landschaftspflege in Thüringen halbiert worden sind. Außerdem hoffen wir, dass die Initiative nicht im Sande verläuft.“

Vogel wies daraufhin, dass bereits für den Doppelhaushalt 2001/2002 die Mittel für die Pflege wertvoller Biotope, zu denen auch die Bergwiesen gehören, um ca. 50% gekürzt worden waren. Diese Kürzung sei im neuen Landeshaushalt 2003/2004 beibehalten worden. Ohne Mittel für die Pflege drohten diese Biotope zu verbuschen. Sie stünden dann gefährdeten Tier- und Pflanzenarten als Lebensräume nicht mehr zur Verfügung. Ein für Thüringen typisches Landschaftsbild mit blühenden Bergwiesen oder orchideenreichen Trockenrasen ginge verloren.

„Der Vorschlag des Ministeriums, den Kreis der Empfänger für das Kultur- und Landschaftspflegeprogramm (KULAP) zu erweitern, ist vernünftig“, erklärte Vogel weiter. Allerdings dürfe sich diese Erweiterung nicht nur auf die Pflege von Bergwiesen beschränken, sondern müsse für alle wertvollen Biotopflächen gelten.

Vogel wies darauf hin, dass der BUND Thüringen mit seinen Gruppen bereits seit vielen Jahren in der Pflege der Thüringer Bergwiesen und anderer Biotope tätig sei. Diese Pflege werde von den Gruppen überwiegend ehrenamtlich in der Freizeit durchgeführt. Häufig würde auch die Wartung der technischen Geräte aus privater Tasche finanziert. Mit der Ausweitung des Empfängerkreises für KULAP-Mittel auf Naturschutzverbände und Landschaftspflegebetriebe könnten in Zukunft wieder mehr Naturschutzflächen gepflegt und erhalten werden. Allerdings müssten dann auch die Ansätze für das KULAP erhöht werden.

Auch der Vorschlag des Ministeriums, die Gruppen finanziell an der Pflege von Naturschutzflächen zu beteiligen, die mit der Kulturlandschaft werben bzw. davon profitieren, wird vom BUND Thüringen ausdrücklich unterstützt.

„Der Erhalt historisch gewachsener Kulturlandschaften in Thüringen ist nicht zum Nulltarif zu haben“, erklärte Vogel. „Diese Landschaften gehören zu den wichtigsten Standortfaktoren für den Thüringer Tourismus. Deshalb müssen Finanzministerin Dietzel und Wirtschaftsminister Schuster endlich erkennen, dass Investitionen in den Naturschutz höhere Renditen bringen als Investitonen in Spassbäder.“

7. Januar 2003

BUND fordert Aktionsplan zum Schutz der Thüringer Flussauen - Ankündigungen von Minister Sklenar zur Einschränkung der ufernahen Bebauung nicht ausreichend

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert einen landesweiten Aktionsplan zum Schutz der Thüringer Flussauen. Nach Angaben des Verbandes müssen neue Investitionen im Hochwasserschutz vorrangig in die Wiederherstellung der natürlichen Überschwemmungsgebieten fließen. Ein Neubau von Rückhaltebecken und Dämmen würde die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte nur fortsetzen.

„Thüringen holt sich bald mehr als nur nasse Füße, wenn der Schutz der Flussauen weiter missachtet wird“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Nach Angaben des BUND sind Bebauung und Versiegelung der Auen, fast vollständige Vernichtung der Auwälder, Begradigung der Flüsse und die Eindeichung von Ackerflächen für eine Verschärfung der Hochwassersituation in Thüringen verantwortlich.

„Die Hochwassergefahr in Thüringen ist zum großen Teil hausgemacht“, erklärte Vogel weiter. Als Beispiel nannte er die Hochwassersituation an der Unstrut. Hier hätte sich die Lage nicht so dramatisch zugespitzt, wenn die Konzepte zur Renaturierung der Unstrutaue umgesetzt worden wären. Bereits im Jahr 1997 habe Umweltminister Dr. Sklenar öffentlich den Rückbau von Deichen angekündigt, welche Ackerflächen in der Aue vor der Überflutung schützen. Mit dem Rückbau und der Umwandlung der Äcker in Grünland sollten Überschwemmungsgebiete an der Unstrut als natürlicher Hochwasserschutz geschaffen werden. Nach lautstarkem Protest der Landwirtschaft sei das Konzept aber in den Schreibtischschubladen der Amtsstuben begraben worden.

Als weiteres Beispiel nannte der BUND Thüringen die Werra. Straßenbaumaßnahmen und intensive Landwirtschaft würden hier die natürliche Hochwasserschutzfunktion der Aue teilweise massiv beeinträchtigen.

Nach Einschätzung des BUND Thüringen reicht die Ankündigung von Umweltminister Dr. Sklenar, die ufernahe Bebauung einzuschränken, nicht aus.  „Wir fordern ein landesweites Auenschutzprogramm. Dazu gehört ein Verbot für alle Baumaßnahmen einschließlich der Infrastrukturprojekte in Überschwemmungsgebieten“, erklärte Wigbert Schorcht, Hochwasserexperte des BUND Thüringen. „Durch den Rückbau von Deichen müssen natürliche Überschwemmungsgebiete wieder hergestellt werden. Schließlich fordern wir in allen Überschwemmungsgebieten ein Verbot der Ackernutzung und eine Umstellung auf extensive Grünlandbewirtschaftung“. Für die Umstellung müssten die Landwirte einen finanziellen Ausgleich erhalten, erklärte Schorcht.

Investitionen in den technischen Hochwasserschutz müssen sich nach Angaben von Schorcht auf den Schutz der Ortschaften konzentrieren. „Ein Hochwasserdamm unmittelbar um eine Ortschaft ist viel effektiver als den ganzen Fluss einzudeichen und von seinem natürlichen Überschwemmungsgebiet abzuschneiden, nur um noch ein paar Hektar Ackerfläche zu gewinnen“, machte der Hochwasserexperte des BUND deutlich.

Schorcht forderte Minister Gnauck in seiner Zuständigkeit für die Landesplanung auf, den Schutz der Thüringer Flussauen im neuen Landesentwicklungsplan verbindlich festzuschreiben und auch bei der Fortschreibung der Regionalen Raumordnungspläne umzusetzen.



BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

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Jahresbericht 2015

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
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Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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