17. November 2005

Transitland oder „grünes Herz“ Deutschlands - Thüringen und das Ergebnis der Koalitionsvereinbarung

Erfurt. Nach dem Vorliegen des Koalitionsvertrags der neuen Bundesregierung zieht der BUND eine erste Bilanz im Bereich der Verkehrspolitik. Für Thüringen stelle sich die Frage, ob es zukünftige nur noch die Rolle eines Transitlands spielen will, das von großen Verkehrsinfrastrukturen durchzogen und von europäischen Verkehrsströmen in Ost-West und Nord-Süd-Richtung durchfahren wird, gibt Dr. Burkhard Vogel eine erste Einschätzung des Vertrags. “Der BUND wird sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass Thüringen das grüne Herz Deutschlands bleibt.“

In der Koalitionsvereinbarung und den Koalitionsabsprachen sollen insbesondere die beiden großen Thüringer Verkehrsinfrastrukturprojekte der ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke Erfurt-Nürnberg sowie der Rhöntrasse der B 87n Fulda – Meiningen festgeschrieben werden.
Mehr als 6 Milliarden Euro will die große Koalition allein in die ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt investieren. Untertunnelung des Thüringer Waldes inklusive. Auch die Rhöntrasse Fulda-Meiningen soll Herzenssache der künftigen Verkehrspolitik bleiben. Mit solchen Maßnahmen soll das Grüne Herz Deutschlands zur Verkehrsdrehscheibe in Europa gemacht werden.

„Statt auf Zukunftsinvestitionen und intelligente Lösungen setzt die Große Koalition weiter auf Beton und Asphalt“, kritisierte Werner Reh, Verkehrsexperte des BUND.
Für den Verkehrsexperten ist die ICE-Hochgeschwindigkeitstrasse durch den Thüringer Wald ein milliardenschweres Prestigeobjekt, von dem Wirtschaft und Bevölkerung im Freistaat kaum profitieren werden. Während Steuergelder im Milliardengrab ICE versenkt würden, fehlten dringend notwendige Mittel, um öffentliche Verkehrssysteme an die rapide sinkenden Bevölkerungszahlen im Freistaat an zu passen.

Als staatlich geplante und mit Steuermitteln zu finanzierende Mautausweichstrecke bezeichnete Reh die „Rhöntrasse“, die als B 87n von Fulda nach Meiningen verlaufen soll. Diese mautfreie Bundesstrasse solle nach dem Willen des Bundesverkehrsministeriums dem aus Süden kommenden Schwerlastverkehr auf der Autobahn A7 mit Fahrtrichtung Osten den Umweg über die Autobahn 4 ersparen.

Verkehrsprobleme lassen sich in einem hoch erschlossenen Land wie der Bundesrepublik nicht mehr durch Straßenbau lösen. Positive regionalwirtschaftliche Effekte sind – das ist mittlerweile Konsens in der Wirtschaftswissenschaft – nicht mehr nachweisbar. Hier bedarf es gerade auch in Thüringen eines neuen, integrativen Ansatzes der nachhaltigen Mobilitätspolitik mit einer Schwerpunktsetzung im öffentlichen Verkehr.

Dr. Werner Reh: „Thüringen darf nicht unter die Räder kommen. Die Landesregierung muss jetzt Weichen stellen für eine ökologisch und ökonomisch tragfähige Landes- und Verkehrsentwicklung der Zukunft.“

14. November 2005

Einigung zur Sicherung des Nationalen Naturerbes im Koalitionsvertrag wird begrüßt - BUND Thüringen fordert Verkaufsmoratorium für das Waldgebiet „Hohe Schrecke“

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt die Vereinbarung im schwarz-roten Koalitionsvertrag, bis zu 125.000 Hektar national bedeutsame Naturschutzflächen und die bundeseigenen Flächen im Grünen Band unentgeltlich an eine Bundesstiftung oder die Länder zu übertragen. Der Verband fordert die Landesregierung auf, auch für die Flächen des nationalen Naturerbes im Landeseigentum einen sofortigen Verkaufsstopp zu verhängen. Besonderen Handlungsbedarf sieht der BUND bei dem Waldgebiet „Hohe Schrecke“. 

Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen: „Die Ankündigung der großen Koalition, national bedeutsame Naturschutzflächen im Bundeseigentum ab sofort nicht mehr zu verkaufen, ist ein Meilenstein für den deutschen Naturschutz!“ Der BUND habe sich - gemeinsam mit anderen Naturschutzorganisationen - über viele Jahre für einen solchen Privatisierungsstop eingesetzt. „Endlich hat der bürokratische Hickhack um den Schutz des Grünen Bandes ein Ende.“

Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, forderte die Landesregierung nun zum Handeln auf: „Ministerpräsident Althaus war einer der Verhandlungsführer bei der Formulierung des schwarz-roten Koalitionsvertrages. Deshalb muss die dort gefundene Lösung auch für national bedeutsame Naturschutzflächen im Landeseigentum gelten!“. Vogel nannte das Waldgebiet „Hohe Schrecke“. Die „Hohe Schrecke“ sei in ihrer Größe und Naturausstattung deutschlandweit einzigartig – trotzdem wolle der Freistaat Thüringen den Wald an private Wald- und Jagdinteressenten verscherbeln. Vogel forderte: „Wenn Herr Althaus in Berlin A sagt muss er in Thüringen auch B sagen. Ministerpräsident Althaus muss den Verkauf des national bedeutsamen Waldgebietes Hohe Schrecke sofort stoppen!“

Der Landesvorsitzende Hoffmann betonte, dass der BUND gemeinsam mit verschiedenen bundesweit und international tätigen Stiftungen sowie mit den Anliegerkommunen ein Nutzungs- und Schutzkonzept erarbeitet hat. Er verwies auf die hohe Zustimmung der örtlichen Kommunen und auf das finanzielle Engagement der Partner: „Der BUND, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die Louisoder-Umweltstiftung aus München und die Naturstiftung David würden gemeinsam über 1 Million Euro für die Regionalentwicklung aufbringen – auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat signalisiert, mit erheblichen Mitteln im Bereich der Hohen Schrecke zu investieren“. Voraussetzung für das Engagement der Stiftungen ist jedoch eine langfristige naturschutzgerechte Eigentums-Sicherung des Gebietes.

22. September 2005

„Willi Wanstschrecke will ins Grüne Band“ - BUND-Fest für ehrenamtliche Helfer bei Artenschutzprojekt in Schloss Bedheim am 23.9. ab 16 Uhr

Nach vielerlei Aktivitäten zugunsten von Willi Wanstschrecke feiern am 23.9. ab 16 Uhr ehrenamtliche Artenschützer des BUND in Schloss Bedheim bei Hildburghausen ein Fest.
Bei leckerem ökologischem Essen aus der hauseigenen Gärtnerei werden die bisherigen Aktivitäten vorgestellt und künftige Aktionen geplant. Überraschungen für die aktivsten Mithelfer sind ebenfalls vorgesehen.

Willi Wanstschrecke ist eine für deutsche Verhältnisse sehr große (bis 4,5 cm) grüne Heuschrecke mit schwarzen Punkten und einem ausgeprägten Sattelschild. Man erkennt ihn an seinem lauten sehr charakteristischen Sirren.

In Thüringen gilt er als stark gefährdet, da sein Lebensraum, spät gemähte krautreiche Wiesen, immer mehr verschwindet. Nur in der Nähe des Grünen Bandes zwischen Rhön und Grabfeld, den Naturoasen auf und bei der ehemaligen innerdeutschen Grenze gibt es ihn noch in einzelnen Enklaven. Da er sich nur langsam fortbewegt, gehört sie zu den vielen Arten, die aus der Kulturlandschaft fast verschwunden sind. Sie hat sich nur noch in einzelnen Enklaven gehalten.

Mit einer Erfassung seiner verbliebenen Lebensräume und Landschaftspflegemaßnahmen will der BUND die Lebensbedingungen nicht nur für die Wanstschrecke verbessern.
Viele ehrenamtliche Helfer vor Ort waren an Kartierung und Pflegemaßnahmen beteiligt. Insbesondere Jugendliche aus Römhild haben tatkräftig mitgeholfen und wollen sich auch künftig weiter engagieren.

Das Grüne Band – Rückzugsraum seltener Arten
Was für die Menschen eine Katastrophe war, die gefährliche Grenze zwischen West- und Ostdeutschland, hat der Natur genutzt. Hier hat zwangsläufig niemand außer den Grenzern die Wiesen betreten. Sie wurden nicht gedüngt und auch nur selten gemäht. Es entstand ein „Grünes Band“ quer durch Deutschland. Hier konnte die Wanstschrecke wie viele andere in den letzten Jahrzehnten selten gewordene Tiere und Pflanzen überleben, auch wenn sich die Landschaft ansonsten sehr verändert hat.

Infos zur Wanstschrecke und zu künftigen Aktionen des BUND können Sie unter bund.thueringen@bund.net anfordern.

8. September 2005

BUND Thüringen stellt Kernforderungen für künftige Umweltpolitik vor

Erfurt. Der BUND Thüringen hat heute 10 Kernforderungen für die künftige Umweltpolitik einer neuen Bundesregierung vorgestellt. Der 10-Punkte-Katalog soll den Wählerinnen und Wählern ermöglichen, die Parteien darauf hin zu prüfen, ob sie sich für mehr Umwelt- und Naturschutz einsetzen wollen oder nicht.

Der BUND Thüringen fordert, die Förderung erneuerbarer Energien aus zu bauen und den Ausstieg aus der Atomenergie zu beschleunigen. Das Recht der Verbraucher auf gentechnikfreie Lebensmittel auch und gerade bei Babynahrung müsse gesichert werden. Gefährliche Chemikalien hätten im Alltag nichts zu suchen. Der Schutz des nationalen Naturerbes zu dem in Thüringen auch das Grüne Band und das Waldgebiet „Hohe Schrecke“ gehören, sei Voraussetzung für die Sicherung der Biologischen Vielfalt und Verpflichtung gegenüber nachfolgenden Generationen. Der Öffentliche Verkehr müsse ausgebaut und die Agrarreform fortgesetzt werden. Umweltschädliche Subventionen müssten abgebaut und die Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze in der Wachstumsbranche Umweltschutz vorangetrieben werden.

Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen: „Wir geben keine Wahlempfehlung für eine Partei. Aber am 18. September ist die Chance zwischen Zukunft und Vergangenheit zu wählen.“

Ein Zurück ins Atomzeitalter dürfe es eben so wenig geben, wie die Aufweichung des Verbraucherschutzes durch die Rücknahme des Gentechnikgesetzes. Wer Umweltschutz kurzsichtig als Wachstumsbremse diskreditiere, verhafte einer rückwärtsgerichteten Ideologie. Zukunftsperspektiven für den Standort Deutschland sieht Hoffmann dagegen in der Entwicklung moderner, umweltschonender Technologien. So habe sich Thüringen längst zu einem herausragenden Standort für die Entwicklung und Produktion von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Bereich der Windenergie, der Sonnenenergie und bei Biogasanlagen entwickelt.

Hoffmann betonte, dass Umwelt und Naturschutz kein Luxus seien, auf dem man in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verzichten könne. Wie notwendig eine konsequente Klimaschutzpolitik für eine Volkswirtschaft sei, werde durch den Hurrikan „Katrina“ und die Flutkatastrophe im Alpenraum erneut auf dramatische Weise deutlich.

Nach Auffassung des BUND Thüringen ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, Ökologie, Ökonomie und soziale Fragen in einem zukunftsfähigen Konzept zu verbinden. Dies sei die zentrale Herausforderung für alle Parteien in den nächsten Jahren.
Hoffmann: „Die Umweltpolitik muss auch in der neuen Bundesregierung wieder eine eigene Stimme am Kabinettstisch erhalten. Sie muss zur Querschnittsaufgabe in allen Ressorts werden. Denn Zukunft hat nur eine Politik der Nachhaltigkeit – in jedem Politikbereich. Deshalb ist es wichtig, am 18. September wählen zu gehen und Umweltschutz zu wählen.“

Kernforderungen zur Bundestagswahl

  1. Für eine zukunftsfähige Energieversorgung: Atomkraft beenden - Erneuerbare Energie gezielt fördern
    Jederzeit ist in Deutschland ein AKW-Unfall mit katastrophalen Folgen möglich. Deshalb ist eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher AKW inakzeptabel. Notwendig ist ein beschleunigter Atomausstieg. Längere Laufzeiten bedeuten noch mehr Atommüll und ein weiteres Hinausschieben der wichtigen Energiewende.
    Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ist sehr erfolgreich. Gerade Thüringer Unternehmen haben hiervon außerordentlich profitiert. Wirksamer Klimaschutz braucht den ambitionierten Ausbau von Ökostromanlagen und verstärkte Anstrengungen für mehr Energieeffizienz. Dies unterstützt eine Wachstumsbranche für die Zukunft. Der europäische Vergleich zeigt: Der Ausbau funktioniert am besten über das System des jetzigen EEG.
  2. Für eine gesunde Ernährung: Das Recht der VerbraucherInnen auf gentechnikfreie Lebensmittel sichern
    Damit sich VerbraucherInnen auch in Zukunft noch garantiert gentechnikfrei ernähren können, müssen Landwirte in Deutschland weiterhin die Möglichkeit haben, gentechnikfrei zu produzieren. Dafür muss das Gentechnikgesetz Mindeststandards festlegen: Haftungsregelungen für gentechnische Verunreinigungen nach dem Verursacherprinzip, freier Zugang zum Standortregister, Abbruchkriterien für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, wenn sie ökologische und ökonomische Schäden verursachen, die Nulltoleranz für die Verunreinigung von Nachbarernten durch Freisetzungsexperimente und Schutz von Naturschutzgebieten vor der Ausbringung gentechnisch veränderter Pflanzen.
  3. Für eine Zukunft ohne Gift: Unkontrollierten Chemieeinsatz beenden - Gefährliche Chemikalien verbieten
    Viele alltägliche Dinge enthalten gefährliche Chemikalien, die unser Körper aufnimmt. Allergien, Krebs und Unfruchtbarkeit sind die Folge. 100 000 Chemikalien sind unkontrolliert auf dem Markt. Die EU berät einen Gesetzesentwurf, der die Bürger und die Umwelt besser schützen soll. Mit „REACH“ (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) muss die Industrie in Zukunft beweisen, dass ein Stoff unschädlich ist, bevor er vermarktet werden darf. Doch das Gesetz ist in Gefahr: Auf Druck der Industrie droht es so weit verwässert zu werden, dass es keinen effektiven Umwelt- und Gesundheitsschutz gewährleistet. Eine Zukunft ohne Gift ist machbar. Dafür muss sich die Regierung konsequent einsetzen.
  4. Für nachhaltige Arbeitplätze: Umwelt und Naturschutz schaffen Arbeit und sichern unsere Zukunft
    Mehr als 1,5 Millionen Jobs gibt es im Umweltbereich. 500.000 Arbeitsplätze können zusätzlich entstehen, wenn der ökologische Strukturwandel ernsthaft angepackt wird. Umweltorientierte Unternehmen schaffen mehr Arbeitsplätze als die alten Industrien - zum Beispiel: dezentrale Energieerzeugung und erneuerbare Energien statt ineffiziente Großkraftwerke, ökologischer Landbau statt Massentierhaltung, Altbausanierung statt Straßenbau. Es ist Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass zukunftsfähige Unternehmen und Dienstleistungen eine Chance haben.
  5. Für naturnahe Flüsse: Kein Ausbau von Donau und Elbe
    Flüsse und ihre Auen gehören zu den artenreichsten und am stärksten gefährdeten Naturräumen Europas. Durch Flussbegradigung und -ausbau sowie Eindeichung der Auen wurden Lebensräume zerstört und die Hochwassergefahr vergrößert.
    In Thüringen hat der Ausbau der Flüsse durch Beton immer noch Vorrang vor dem ökologischen Hochwasserschutz. Unsere Flüsse brauchen aber keinen weiteren Ausbau, sondern eine Politik für lebendige Flüsse, eine Politik, die Flüsse und Auen als natürliche Lebens- und Retentionsräume schützt bzw. wiederherstellt.
  6. Die Schöpfung bewahren: Für die Sicherung des Nationalen Naturerbes
    Eine Vielzahl für den Naturschutz wichtiger Gebiete sind Eigentum des Bundes und der Länder – vor allem ehemals militärisch genutzte Flächen, Flächen in den Bergbaufolgelandschaften und an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Viele dieser Flächen sind als Lebensraum seltener bzw. bedrohter Tiere und Pflanzen unverzichtbar. Doch diesen Flächen droht die Privatisierung zur kommerziellen Nutzung, wie in Thüringen z.B. das Waldgebiet „Hohe Schrecke“. Dies muss verhindert werden.
    Um die national bedeutsamen Naturschutzflächen zu sichern, ist ein neues Finanzierungsinstrument – eine (Bundes)Stiftung – dringend notwendig. Als Zwischenlösung fordert der BUND einen Verkaufsstop für die 125.000 Hektar national bedeutsamer Naturschutzflächen.
  7. Für den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere: Mehr Tierschutz in der Landwirtschaft - Fortführung der Agrarwende
    Für eine sozial und ökologisch verträgliche Landwirtschaft muss die Agrarwende national und in der EU fortgeführt werden. Hauptaufgabe ist es, die Subventionen umzuschichten und streng an Arbeitsplätze, ländliche Wirtschaftsentwicklung und höhere Umwelt- und Tierschutzstandards zu koppeln. Leitbild sollte der ökologische Landbau sein, der naturverträglich ist, gesunde Lebensmittel produziert und Arbeitsplätze schafft. Er ist besonders zu fördern.
    Käfighaltung für Hühner und die industrielle Tierhaltung ohne Flächenbindung müssen verboten bleiben bzw. werden. Die Überschusserzeugung von Milch und Zucker muss unverzüglich beendet werden.
  8. Für Intelligenz statt Beton im Verkehr: Kein sinnloser Straßenbau mit hohem Flächenverbrauch - Mobilität durch attraktiven öffentlichen Verkehr sichern
    Mit Rekordinvestitionen in den Straßenbau wird versucht, Staus zu bekämpfen und Arbeitsplätze zu schaffen. Erreicht wurden mehr Staus, mehr Lärm, mehr Flächenverbrauch und Naturzerstörung. Thüringen braucht kein milliardenschweres ICE-Projekt. Thüringen braucht auch keine Rhöntrasse, die das einzigartige Biosphärenreservat zerschneidet und den Tourismus abwürgt.
    Intelligente Verkehrsplanung zielt auf zukunftsfähige Mobilitätslösungen für alle Bürger. Wir brauchen verkehrsträgerübergreifende Investitionen, die die Umwelt entlasten und die Gesundheit der Menschen schützen. Wir brauchen lebenswerte Städte mit einem leistungsfähigen, flexiblen und vernetzten Umweltverbund.
  9. Für die Sanierung der öffentlichen Finanzen: Umweltschädliche Subventionen abbauen - Steuerbefreiung von Flugbenzin aufheben, Eigenheimzulage abschaffen, Entfernungspauschale sozialverträglich abbauen
    Zahlreiche Subventionen schädigen die Umwelt, reißen tiefe Löcher in die öffentlichen Haushalte und sind obendrein unsozial. So ruinieren Billigflieger mit steuerlich subventionierten Dumpingangeboten die Bahn und heizen das Klima auf. Der BUND fordert eine Kerosinsteuer für Inlandsflüge. Die Eigenheimzulage fördert den Neubau auf der grünen Wiese und beschleunigt die Zersiedlung der Landschaft. Diese Fehlinvestition muss schnell gestoppt werden. Wenn ein Teil der frei werdenden Mittel für die Altbausanierung eingesetzt wird, schafft das Arbeitsplätze und schont die Landschaft. Die Entfernungspauschale erzeugt zusätzlichen Verkehr, beeinträchtigt die Lebensqualität in den Städten und begünstigt Besserverdienende. Der BUND fordert eine Pendlerzulage, die geringer ist als die bisherige Entfernungspauschale, aber dafür Arbeitnehmern und Auszubildenden mit geringem Einkommen in vollem Umfang zugute kommt.
  10. Für globale Gerechtigkeit: Die Globalisierung gerecht gestalten - Kein Wohlstand für Wenige zu Lasten der Mehrheit
    Alle Menschen haben das gleiche Recht, die Ressourcen unserer Erde zu nutzen. Aber nicht alle haben die Chance dazu. Denn wenn alle soviel verbrauchen würden wie die Industrienationen, bräuchten wir fünf Erdkugeln. Das westliche ressourcenfressende Wirtschaftsmodell raubt den Armen in Nord und Süd die Chance auf Entwicklung. Die gegenwärtige Globalisierung verschärft diese Ungerechtigkeit. Sie bedient einseitig die Interessen der Besitzenden und vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich. Der BUND fordert: Keine weitere Liberalisierung der Weltmärkte auf dem Rücken der sozial Schwachen und auf Kosten der Umwelt.
1. September 2005

Maßloser Flächenverbrauch durch Gewerbegebiete - BUND stellt bundesweit einmalige Studie zu Ursachen und Alternativen vor

Der zunehmende Flächenverbrauch wird immer deutlicher als Ursache vieler Natur- und Umweltprobleme in Deutschland erkannt. Zwar wurden laut Statistischem Bundesamtes in den vergangenen Jahren pro Tag weniger Flächen bebaut, aber der Flächenfraß pro Einwohner steigt weiter an. Inzwischen hat sich die Bundesregierung das ehrgeizige Ziel gesetzt, den täglichen Flächenverbrauchs in Deutschland von derzeit 93 Hektar auf 30 Hektar (2020) zu verringern. Viele Landesregierungen verfolgen ein ähnliches Ziel. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) belegt in seiner aktuellen Studie „Gewerbeflächenausweisung und Flächenverbrauch – Beitrag zur naturverträglichen Siedlungsentwicklung“ mit bundesweit einmaligen Analysen und Luftbildern die Schlüsselrolle, die den Gewerbegebieten beim Flächenverbrauch zukommt.

Der BUND hat exemplarisch 51 Gebiete in Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen untersucht. Dabei wurden insbesondere die Einhaltung regional- und landesplanerischer Ziele bei der Ausweisung der Gewerbegebiete überprüft und die durch den Flächenverbrauch entstandenen Folgen für die Schutzgüter und die Lebensqualität der Menschen analysiert. Nur elf der Beispiele wurden aufgrund von gelungenen Konversionen und Umnutzungen von bereits bestehenden Flächen positiv eingeordnet, 40 Flächen mussten dagegen als negative Beispiele gewertet werden. Die Studie leitet aus den Fallbeispielen Gesetzmäßigkeiten ab, die bundesweit bei Gewerbegebietsausweisungen auf¬treten, und zeigt umweltverträgliche Lösungen auf. Die zweibändige Broschüre wurde vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.

Wie die negativen Beispiele zeigen, gelingt es Investoren leicht, die Bauleitpläne oder Regionalpläne in ihre gewünschte Richtung ändern zu lassen. Vorschläge für Alternativflächen werden häufig nicht akzeptiert, selbst wenn diese bereits erschlossen und gut angebunden sind. Gerade größere Unternehmen bevorzugen die grüne Wiese als Standort. Entgegenstehende Pläne werden im Parallelverfahren angepasst. Weiche Faktoren wie den Schutz von Boden, Klima oder Landschaftsbild stufen die Kommunen oft ohne Begründung als nachrangig ein. Ein großes Gewicht hat das Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen, ohne dass überprüft wird, ob durch das Gewerbegebiet auch tatsächlich neue Stellen geschaffen oder Jobs nur verlagert wurden.

Gewerbeparks werden ursprünglich für störende Gewerbebetriebe ausgewiesen, doch mittlerweile finden sich dort häufig Einzelhandel, Bürobauten oder sogar Arztpraxen. Mit den vielen kostenlosen Parkplätzen werden Kunden aus der Innenstadt abgeworben. Die Erschließung nicht ausgelasteter Gewerbegebiete bezahlen die öffentlichen Haushalte, subventioniert werden sie durch die Allgemeinheit. Doch weiterhin konkurrieren die Kommunen, Landkreise und Bundesländer um Betriebsansiedlungen und um neue Gewerbegebiete, auch wenn die schwache Konjunktur den Prozess verlangsamt hat.  Zwar werden Schutzgebiete bei der Ausweisung von Gewerbegebieten noch verschont, doch Biotopverbundflächen, Erholungslandschaften, klimatisch bedeutsame Gebiete und historische Kulturlandschaft werden weiter zerschnitten und entwertet. Rasches Handeln ist nötig. Denn sobald sich die Konjunktur erholt hat, droht ein schneller Anstieg des Flächenverbrauchs.

Eine bessere Entwicklung der Innenstädte lässt sich nur durch die Begrenzung der Gewerbegebiete erreichen. Denn Betriebe in den Innenstädten unterliegen stärkeren Beschränkungen und müssen ihre Produkte teurer vermarkten als Firmen, die auf die grüne Wiese ausweichen. Eine angemessene Kostenverteilung würde für mehr Gerechtigkeit  im verzerrten Wettbewerb zwischen den Standorten sorgen. Auch die demographische Entwicklung wird derzeit nicht ausreichend berücksichtigt: Mit knappen Steuermitteln werden heute die Erschließungsstraßen für die Altlasten von Morgen finanziert. Deshalb müssen die stagnierenden und rückläufigen Bevölkerungszahlen auf allen Planungsebenen genauso berücksichtigt werden wie das bereits vorhandene Gewerbeflächenpotenzial. Ziele müssen kompakte Siedlungen mit abgestuften Funktionen je nach Zentralität sein, mit kurzen Wegen und funktionierendem öffentlichen Nahverkehr. Nur so können ausreichend Erholungsbereiche für die Allgemeinheit, wertvolle Böden, Wasservorräte und andere Ressourcen sowie ein tragfähiges Biotopverbundsystem wirkungsvoll geschützt werden.

25. August 2005

Hochwasserkatastrophe: Thüringen setzt weiter auf Beton - BUND Thüringen fordert Auenschutzprogramm für Thüringen

Erfurt. Ökologischer Hochwasserschutz muss auch in Thüringen endlich Vorrang vor technischen Gewässerausbau haben, forderte der BUND Thüringen heute angesichts der Hochwasserkatastrophe im Alpenraum. Der Verband wies die Einschätzung der Landesregierung zurück, der natürliche Rückhalt beim Hochwasserschutz sei in Thüringen optimal.
„Während in unmittelbarer Nachbarschaft Städte und Dörfer in den Fluten versinken, setzen die Wasserbauer in Thüringen ungerührt auf Beton“, kritisiert Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Statt Deiche rück zu verlegen und Auen zu renaturieren, fasst die Landesregierung den millionenschweren Bau neuer Stauanlagen in Angelroda und Eisfeld ins Auge.“

Hoffmann verwies darauf, dass die Landesregierung bis zum Jahr 2010 146 Mio. Euro überwiegend für technischen Hochwasserschutz ausgeben wolle. Den Schwerpunkt der Ausgaben bildeten der Bau neuer Staubecken und die Sanierung von Deichen. Maßnahmen zur Auenrenaturierung würden dagegen nur punktuell verwirklicht, wie z.B. in dem vom BUND Thüringen initiierten Projekt zur Auenrenaturierung an der Werra zwischen Wartha und Sallmannshausen.

Anders als in Bayern, wo innerhalb der nächsten 20 Jahre 2.500 km Fließgewässer und 10.000 ha Uferfläche renaturiert werden sollten, fehle ein Auenschutzprogramm für Thüringen.
„Dabei liegen die Konzepte schon längst in den Schubladen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Sowohl für die Werra als auch für die Unstrut gebe es konkrete Vorstellungen, wo Überschwemmungsflächen durch Deichrückverlegungen zurück gewonnen werden könnten, Auwälder entstehen könnten und eine stärkere Vernetzung von Fluss und Aue wieder hergestellt werden könnten.

Zur Umsetzung dieser Konzepte bedarf es nach Einschätzung von Vogel einer landwirtschaftlichen Förderpolitik, welche die extensive Gründlandbewirtschaftung in der Aue mindestens ebenso lukrativ gestalte wie die bisherige Ackernutzung. Mit der Reform der europäischen Agrarpolitik seien die Rahmenbedingungen hierfür bereits geschaffen worden. Jetzt sei der Thüringer Landwirtschaftsminister gefragt, die entsprechenden Förderprogramme bereit zu stellen.
„Wo heute noch Deiche die Flüsse in ein enges Bett zwingen, um Äcker vor Überflutung zu schützen, könnten dann morgen schon Rinder und Pferde in einer naturnahen Aue weiden“, erklärte Vogel.

25. August 2005

Eröffnung des Baumkronenpfads im Hainich: BUND Thüringen informiert über Wildkatze, Hornissen und Co.

Am Eröffnungswochenende des Baumkronenpfads vom 26. bis 28. August im Hainich wird der BUND Thüringen mit den Themen Wildkatze, Hornissen und Co. vor Ort sein.

Interessierte können sich über das länderübergreifende Projekt "Rettungsnetz Wildkatze" informieren. Das Vorhaben wurde im Juli 2004 gestartet und widmet sich der Vernetzung der Lebensräume der Wildkatze und anderer im Wald lebender Tierarten. Seit einem Jahr arbeitet das Wildkatzen-Team in Thüringen gezielt an der Umsetzung eines „Grünen Korridors“ zwischen Nationalpark Hainich und Naturpark Thüringer Wald. Da Wildkatzen offene Landschaften konsequent meiden, war eine Ausbreitung der Tiere aus dem Hainich in südlicher Richtung bisher unmöglich. Unsere Ehrenamtlichen erläutern gerne den Stand des Projekts und informieren auch über den Lebensraum dieser scheuen Waldbewohner.

Jochen Zippel, Experte auf dem Gebiet der Hornissen, erklärt mit Hilfe von Schaukästen die faszinierende Welt der oft zu unrecht gefürchteten Insekten. Für alle Fragen rund um Hornissen, wie Gefährdung und Gefahren, Umgang und Umsiedlung, hat er die richtigen Antworten.
Die kleinen Besucher können beim Wildkatzen-Malwettbewerb mitmachen, bei dem tolle Preise winken.

Der grüne Pavillon des BUND Thüringen ist an diesen Tagen auch Anlaufstelle für alle weiteren Fragen rund um Umwelt- und Naturschutz im Freistaat.

26. Juli 2005

Aktion: Umweltfreundlich durchs Schuljahr - BUND Thüringen und Karstadt geben Tipps für ökologische Schulsachen

Für die meisten Schüler ist er noch weit weg, viele Eltern machen sich aber schon jetzt Gedanken: über den neuen Schulbeginn. Nicht nur die ABC-Schützen brauchen dann eine „neue Ausrüstung“. Die Auswahl an Produkten ist groß, ebenso die Ratlosigkeit der Eltern. Denn die Schulsachen sollen den Kindern gefallen, nicht zu teuer und gut für die Umwelt sein. Deshalb bieten das Karstadt im Anger 1 in Erfurt und der BUND Thüringen ab sofort Hilfe für ein umweltfreundliches Schuljahr.

Die Broschüre "Das könnt ihr für die Umwelt tun! Clever durch alle Klassen" erklärt Eltern, Lehrern und Schülern, worauf man beim Kauf von Schulmaterialien unbedingt achten sollte und gibt Tipps für den gesunden und sicheren Schulanfang. Herausgegeben wird die Broschüre vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Karstadt Warenhaus AG, Umweltbundesamt und Initiative Pro Recyclingpapier.

"Mit diesen Schulsachen macht der umweltfreundliche Schulanfang richtig Spaß“, erklärt Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Die ökologischen Schulsachen funktionieren nicht nur tadellos, sie sind auch unbedenklich für die Schüler und die Umwelt.“ Die nachhaltigen Schulsachen kommen nämlich ohne bedenkliche Inhaltsstoffe aus, die sich zum Beispiel oft in herkömmlichen Wassermalfarben oder Filzstiften verstecken. Außerdem sind sie meist langlebiger und dadurch günstiger als die Wegwerfvariante. So etwa Lineale aus unbehandeltem Holz mit Metallkante oder Bleistiftspitzer aus Metall.

Bei Papier belastet solches aus 100 Prozent Altpapier die Umwelt am geringsten. Das Öko-Papier von heute ist nicht mehr grau, die Tinte verläuft nicht und das Radieren fällt nicht schwerer als auf anderem holzfreien Papier. Malstifte mit dem CE-Zeichen erfüllen die Ansprüche der EU-Spielzeugrichtlinie und sind unbedenklich. Mäppchen aus natürlichen Materialien wie Leinen oder Leder sehen nicht nur toll aus, sondern sind auch nachhaltiger als Kunststoffmäppchen.
Die Broschüre mit dem Karstadt-Umweltigel Clemens Clever ist in ab sofort im Kartstadt Warenhaus im Anger 1 in Erfurt erhältlich. Sie kann auch kostenlos bestellt werden über http://www.clemens-clever.de oder beim BUND Thüringen, Trommsdorffstrasse 5, 99084 Erfurt.

13. Juli 2005

BUND Thüringen fordert Raumordnungsverfahren für unterirdischen Gipsabbau

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert auch bei untertägigem Gipsabbau im Südharz die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens. Entsprechenden Plänen des Unternehmen BPB Formula erteilte der Verband heute bei einer Anhörung vor dem Landesbergamt in Gera eine Absage, solange nicht die Verträglichkeit des Vorhabens mit der nachhaltigen Entwicklung der Region nachgewiesen sei.

„Gipsabbau ist ob oberirdisch oder unterirdisch ein gravierender Eingriff in die Landschaft“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Deshalb muss in dem schmalen Karstgürtel erst einmal geklärt werden, ob Mensch und Umwelt weitere Eingriffe dieser Art überhaupt noch verkraften.“

Nach Angaben des BUND Thüringen hat das Unternehmen BPB Formula neue Pläne für die untertägige Gipsgewinnung im FFH-Gebiet Harzfelder Holz zur Genehmigung vorgelegt. Eine dünne Deckschicht von 10 m solle nach den Plänen des Unternehmen den Abbau von der Erdoberfläche trennen.

Da diese Deckschicht im Wesentlichen auch aus wasserlöslichem Gips bestehe, hält der BUND Thüringen einen späteren Einbruch der oberirdischen Lebensräume nicht für ausgeschlossen. Der BUND Thüringen geht außerdem davon aus, dass mit dem Abbau u.a. unterirdische Fledermausquartiere zerstört werden.

Durch den Abtransport des Gipsgesteins rechnet der Verband mit erheblichen Staub- und Verkehrsbelastungen in der Region. Negative Auswirkungen hierdurch auf den Luftkurort Neustadt und den Fremdenverkehr seien zu befürchten. Hoffmann forderte: „Die Unternehmen der Gipsindustrie müssen sich einer Diskussion um die Zukunft des Gipsabbaus in der einzigartigen Karstlandschaft stellen und endlich ihre Versuche aufgeben, diese Diskussion durch immer neue Abbauanträge zu unterlaufen.

28. Juni 2005

Auf Entdeckungsreise am Grünen Band Thüringen-Hessen

Erfurt. Vom Todesstreifen zur Lebenslinie so lautet der Titel eines neuen Buchs über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Das 200 Seiten umfassende Werk, das mit 295 farbigen Fotos ausgestattet ist, animiert zur Erkundung der ehemaligen Sperrzone hinter Bad Salzungen, Eisenach, Mühlhausen und Bad Heiligenstadt. Während die Grenze für die Menschen eine schwere Belastung darstellte, fanden in dem makabren Schutz von Wachtürmen und Stahlgitterzäunen viele seltene Tier- und Pflanzenarten eine Zuflucht. Als 1989 die Grenzbefestigungen fielen, hatte sich ein grünes Band entwickelt, das mittlerweile zum Besten gehört, was unsere heimische Natur zu bieten hat.

Doch in dem Buch geht es nicht alleine um die Natur, sondern auch um Spurensuche in Sachen innerdeutsche Grenze, um das gemeinsame Kulturerbe, um regionale Produkte und kulinarische Besonderheiten und- nicht zuletzt- um Ausflugsgaststätten: Der Autor führt zu den Bergwiesen um das Eisenacher Haus und zu den bereits in Bayern bzw. in Hessen liegenden Rhönmooren. Es werden Rundgänge durch die Fachwerkstädte Geisa, Vacha, Treffurt sowie ihren hessischen Pendants Wanfried, Eschwege und Bad Sooden Allendorf beschrieben. Natürlich kommt auch Creuzburg nicht zu kurz, das in den letzten Kriegstagen schweren Schaden erlitt, aber dennoch voller Sehenswürdigkeiten ist. Es geht zur Burg Hanstein, die früher in der Schutzzone lag und von der aus man zur hessischen Schwesterburg Ludwigstein wandern kann. Und es werden die Wege zur Teufelskanzel und zum wieder eröffneten Waldgasthaus auf den Werra-Grenzhöhen beschrieben, von denen aus man einen wunderschönen Blick über das thüringisch-hessische Werratal hat.

Das Ganze ist in Form von 24 Spaziergängen und Wanderungen sowie einer 5 Etappen umfassenden Radtour verpackt, die zu den schönsten Orten der ehemaligen thüringisch-hessischen Grenzregion und zu spannenden und geschichtsträchtigen Stellen der ehemaligen innerdeutschen Grenze leiten. Detaillierte Wegbeschreibungen, 47 Karten und zahlreiche Tipps sorgen für eine sichere und komfortable Erkundung des Grünen Bandes. Das Buch ist für 15,95 Euro im Buchhandel oder beim BUND Thüringen zu beziehen.

16. Juni 2005

Rhöntrasse B87 neu: Widerstand wird jetzt koordiniert - Trassen-Info-Fest am 26.6. in Tann

Meiningen/Fulda. Die nach außen gern dargestellt „Einheitsfront“ von Befürwortern der neuen Bundesstrasse von Meiningen nach Fulda mitten durch die Rhön beginnt zu bröckeln. Der BUND Hessen und der BUND Thüringen haben sich jetzt zu einem gemeinsamen Aktionsbündnis „Kein Transit durch die Rhön“ zusammen geschlossen.
„Es gibt eine ganze Reihe von stichhaltigen naturschutzfachlichen Argumenten, die gegen das Projekt sprechen“, so betonte bei dieser Gelegenheit der thüringer Landesgeschäftsführer des BUND, Dr. Burkhard Vogel. „Aber auch aus wirtschaftlichen Gründen halten wir die geplante Transittrasse für eine Katastrophe. Der Tourismus in der Rhön würde mit Sicherheit geschädigt und das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung im Biosphärenreservat ad absurdum geführt.“

Inzwischen haben weitere Naturschutzverbände ihr Interesse an einer fachlichen und organisatorischen Verknüpfung der Aktivitäten bekundet.
Die in der hessischen Arbeitsgruppe Naturschutz (AGN) zusammengeschlossenen Verbände, u.a. des NABU, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Angler und Wandervereine, haben bereits eine umfangreiche Stellungnahme verfasst.

„Auch in einigen Thüringer Gemeinden haben sich schon Leute zusammengefunden, die mit den Planungen in dieser Form nicht einverstanden sind.“ so berichtet Koordinator Thomas Wey vom BUND. Seine Aufgabe sieht er darin , diese Kräfte zu bündeln, einen Informationsaustausch sicherzustellen und neue Mitstreiter zu gewinnen.
„Bei der Umfrage einer großen Lokalzeitung im Dezember letzten Jahres stimmten schließlich 59% der Teilnehmer gegen die neue Bundesstrasse, nur 40% waren dafür. Daran wollen wir anknüpfen und weitere Aufklärungsarbeit leisten.“
Angesiedelt ist die länderübergreifende Koordinationsstelle beim Kreisverband des BUND in Meiningen.

Was nach Meinung von Thomas Wey auf die Dorfbewohner tatsächlich zukommt, würden nur die Wenigsten ahnen: durch die ökonomisch begründete, aber auch ökologisch wünschenswerte Straßenführung jeweils unmittelbar am Ortsrand werden die Orte durch die Ortsumgehungen eine wesentlich höhere Lärmbelastung aushalten müssen. Nicht nur die unmittelbaren Anwohner der neuen Trasse seien davon betroffen. Schließlich werden dann nicht 50 km/h sondern 100 gefahren und der Anteil an Schwerlast-LKW wird wesentlich zunehmen.

Trassen-Info-Fest
Die Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen auf der hessischen Seite planen für Sonntag, den 26.6., ein Trassen-Info-Fest in der Nähe von Tann-Wendershausen. Nicht bierernst soll es zugehen, sondern die Aktiven aus der Umgebung werden mit phantasievollen Beiträgen für ein unterhaltsames und kinderfreundliches Fest sorgen. Haupt“redner“ ist z.B. ein Moritatensänger. Vor allem geht es den Veranstaltern darum, über den Verlauf und die Auswirkungen der Rhöntrasse zu informieren. Und natürlich wird auch für das leibliche Wohl gesorgt.

15. Juni 2005

„Willi Wanstschrecke will ins Grüne Band“ - Ein länderübergreifendes Artenschutzprojekt des BUND

Mit einer Kartiererschulung am Grünen Band zwischen Mendhausen und Rothausen startete am Montag ein Artenschutzprojekt mit dem Ziel, die Lebensraumbedingungen für die in Thüringen vom Aussterben bedrohte Wanstschrecke und einige andere seltene und gefährdete Arten zu verbessern.
Sechzehn Kartierer sind bereit, in den nächsten Wochen mit viel ehrenamtlichem Engagement, diese fast nur noch im ehemaligen Grenzstreifen auftretende Art zu erfassen und damit die Basis zu schaffen für Schutzmaßnahmen, die die einzelnen Lebensräume dieser und vieler anderer Arten zu verbessern sollen.   

Das Grüne Band – Rückzugsraum seltener Arten
Was für die Menschen eine Katastrophe war, die gefährliche Grenze zwischen West- und Ostdeutschland, hat der Natur genutzt. Hier hat zwangsläufig niemand außer den Grenzern die Wiesen betreten. Sie wurden nicht gedüngt und auch nur selten gemäht. Es entstand ein „Grünes Band“ quer durch Deutschland. Hier konnte die Wanstschrecke wie viele andere in den letzten Jahrzehnten selten gewordene Tiere und Pflanzen überleben, auch wenn sich die Landschaft ansonsten sehr verändert hat.

Die Wanstschrecke
Die Wanstschrecke ist eine der Arten, deren Vorkommen in Thüringen erst nach der Grenzöffnung erfasst wurden. Vorher hielt man die Schwäbische Alb für das nördlichste Vorkommen, dabei gab es im Grenzgebiet ein Vorkommen von mehreren Tausend Individuen. Sie ist damit eine von mehreren Arten, die in Thüringen verschwinden würden, würde man auf den Schutz des Grünen Bandes verzichten. Die im Grünen Band durchgeführten Minenräumungsaktionen, die abschnittsweise Wiederaufnahme landwirtschaftlicher Nutzung und allgemeine Erschließungsmaßnahmen im grenznahen Raum haben bereits zu einer Verschlechterung der Lebensraumbedingungen geführt.
Sie ist die größte heimische Sichelschrecke, erkennbar an ihrem großen Sattelschild, der breiten Stirn und dem dicken „Wanst“. Da sie sich nur langsam fortbewegt, gehört sie zu den vielen Arten, die aus der Kulturlandschaft fast verschwunden sind. Sie hat sich nur noch in einzelnen Enklaven gehalten.

Gerade für diese Arten sind funktionierende Biotopverbundlinien von immenser Bedeutung, da die verstreut lebenden Populationen ansonsten voneinander abgeschnitten sind.
Die Wanstschrecke benötigt im Juni/Juli hochwüchsiges Gras.Wenn bei Grünlandmahd vor dem 15. Juli einzelne Streifen stehen gelassen werden, könnte das der Wanstschrecke sehr weiter helfen.

2. Juni 2005

Klinik beispielhaft für Klimaschutzengagement in Thüringen: BUND-Gütesiegel „Energie sparendes Krankenhaus“ geht an die Rehabilitationsklinik Frankenhausen der BfA

Bad Frankenhausen. Als erste Klinik in Thüringen erhält heute die Rehabilitationsklinik Frankenhausen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) in Bad Frankenhausen das Gütesiegel „Energie sparendes Krankenhaus“. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) überreicht der Klinik diese Auszeichnung für ihre Anstrengungen zur Energieeinsparung und zur Nutzung erneuerbarer Energien.

Im Vergleich zu anderen Krankenhäusern kommt die Klinik mit gut einem Fünftel weniger konventioneller Energie aus. Diesen Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung erreicht die Klinik durch ein modernes Energiemanagement mit einer Reihe aufeinander abgestimmter Energieeinsparmaßnahmen und der Nutzung von Sonnenenergie zur Wassererwärmung (Solarthermie). Mit knapp 650 Quadratmetern Kollektorfläche stellt die Solarthermie-Anlage das weithin sichtbare Herzstück der Klimaschutzmaßnahmen dar. Eine Besonderheit liegt darin, dass sie als Solardach eine konventionelle Dacheindeckung auf den Südflächen vollständig ersetzt. Die Anlage, eines der größten Projekte im Rahmen des Förderprogramms „Solarthermie 2000“, erzeugt fast 40 % des Energiebedarfs für die Warmwasserbereitung und unterstützt die Heizung der Klinik.

Dem entsprechend geringer, als bei vergleichbaren Krankenhäusern, ist die Menge an  Kohlendioxid, die durch die Energieversorgung an die Atmosphäre abgegeben wird und den Klimawandel vorantreibt. Die Rehabilitationsklinik Bad Frankenhausen erfüllt damit als 16. Krankenhaus bundesweit die anspruchsvollen Kriterien des BUND und erhält das Gütesiegel „Energie sparendes Krankenhaus“ als Anerkennung für ihr Engagement.

„Die Rehabilitationsklinik in Bad Frankenhausen zeigt, wie sich der Verbrauch an fossilen Energien durch intelligente Lösungen senken lässt. Durch die Nutzung erneuerbarer Energien bleiben die Energiekosten auch bei steigenden Öl- und Gaspreisen langfristig kalkulierbar. Eine moderne Energietechnik bewirkt eine Wertsteigerung des Hauses und leistet einen deutlichen Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltiger Entwicklung“, so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Die Verwaltungsleiterin Frau Dr. Herzog freut sich über die Auszeichnung. „Unsere Rehabilitationsklinik trägt einem umfassenden Verständnis von Nachhaltigkeit Rechnung. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Patientin und der Patient, aber ein umweltfreundliches und effizientes Wirtschaften gehört eben auch zu unserem hohen Qualitätsstandard“, so Frau Dr. Herzog.

1. Juni 2005

Wildkatze setzt zum Sprung an: „Rettungsnetz Wildkatze“ wird Hainich und Thüringer Wald verbinden

Eine „Grüne Brücke“ wird es den scheuen Waldtieren zukünftig ermöglichen, vom Nationalpark Hainich in den Naturpark Thüringer Wald zu wandern, wo sie seit Jahrzehnten verschwunden waren. Erreicht wurde dies durch die Einigung von Landwirten, Naturschützern und Vertretern der Straßenbaubehörden auf die Schaffung eines Grünkorridors, der zunächst die Südspitze des Nationalparks mit den Hörselbergen verbinden wird.

„Von dort ist es nur ein Katzensprung in den Thüringer Wald“ freute sich Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Mit der gemeinsamen Flächenbereitstellung habe sich gezeigt, dass der Naturschutz und die Ziele weiterer Landnutzer durchaus vereinbar seien.
Thomas Mölich, Projektleiter im „Rettungsnetz Wildkatze“, erklärte, der Korridor sichere langfristig den Lebensraum der Wildkatze und damit das Überleben der Thüringer Population. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts seien die Tiere erbarmungslos verfolgt und dabei nahezu ausgerottet worden. Nur in wenigen abgelegenen Waldgebieten wie eben dem Hainich hätte die Wildkatze bislang überlebt. Obwohl der Thüringer Wald von dort nur 20 km entfernt sei, hätten die Tiere wegen der Autobahn A4 und der wald- und heckenlosen Agrarlandschaft keinen Weg dorthin gefunden. „Das war bislang eine Sackgasse“, so Mölich, „denn Wildkatzen setzen keine Pfote in ausgeräumte Agrarlandschaften.“

Der Grünkorridor wird am südöstlichen Rand des Hainichs beginnen und auf das 400m lange und 50m hohe Brückenbauwerk über der Nesseaue zulaufen, das im Zuge der Autobahnverlegung gebaut wird. Dort können die Wildkatzen die Autobahn gefahrlos unterqueren. Bis 2006 wird der Grünkorridor mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt, die den Tieren natürliche Deckung geben. Währenddessen befasst man sich im Rettungsnetz Wildkatze schon mit der Arbeit an ähnlichen Biotopverbundstrukturen in Nordthüringen, in Hessen und in Bayern.

Vogel bedankte sich bei Rainer Franke, dem Leiter des Amt es für Landentwicklung und Flurneuordnung Meiningen, für dessen persönlichen Einsatz bei der Vermittlung zwischen Straßenbau, Naturschutz und Landwirtschaft. Gemeinsam mit der Naturschutzabteilung des Thüringer Umweltministeriums sei es gelungen, alle Interessen zu vereinbaren.

Das „Rettungsnetz Wildkatze“ ist ein Dreiländerprojekt des BUND in Thüringen, Hessen und Bayern. Es wurde im Juli 2004 gestartet und widmet sich der Vernetzung der Lebensräume der Wildkatze. Auf deren Spuren können dann auch andere Waldarten wieder zueinander finden.

30. Mai 2005

BUND Thüringen: Sichere und friedliche Nutzung der Atomenergie bleibt Illusion

Erfurt. „Die sichere und friedliche Nutzung der Atomenergie bleibt eine Illusion“, stellte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen heute in Erfurt fest. Hoffmann übte scharfe Kritik an dem  heutigen Transport von hoch radioaktiven Brennelementen aus dem ehemaligen Atommeiler in Dresden-Rossendorf in das Zwischenlager in Ahaus.

„Die Atomindustrie hat die Endlagerfrage für hochradioaktiven Atommüll längst auf ihre Weise gelöst. Sie hat den Castor zum rollenden Endlager gemacht, in dem sie Atommüll von Zwischenlager zu Zwischenlager karrt. Dabei trägt der Steuerzahler die Kosten für die Sicherung der Transportstrecke. Die Anwohner tragen das Risiko atomarer Verseuchung im Falle einer Havarie und die Industrie kann weiter sorglos strahlenden Atommüll produzieren.“

Nach Informationen des BUND Thüringen sollen insgesamt 18 Castorbehälter mit 951 abgebrannten hochradioaktiven Brennstäben in drei Transporten auf über 600 km Autobahn von Dresden-Rossendorf in das nordrhein-westfälische Ahaus gebracht werden. Die Transporte sollen zwischen dem 30. Mai und dem 14. Juni rollen. Auch aus dem Forschungsreaktor FRM II in Garching und der Plutoniumfabrik in La Hague in Frankreich soll Atommüll nach Ahaus gebracht werden.

Nach Angaben des BUND Thüringen ist mit einer weiteren Zunahme der gefährlichen  Atomtransporte zu rechnen. Selbst wenn eine neue Bundesregierung den Atomkonsens zwischen Regierung und Stromwirtschaft nicht kippe, werde sich bis zum Abschalten des letzten Atommeilers in 15 Jahren der radioaktive Müll in Deutschland verdoppeln. Bei dem von der CDU angekündigten Ausbau der Kernenergie nehme die Menge des strahlenden Mülls auf unbestimmte Zeit weiter zu.

„Die Risiken der Atomenergie sind nicht beherrschbar und die Endlagerfrage ist nicht dauerhaft lösbar“, erklärte Hoffmann. „Mit einem Beitrag von 2,7 Prozent am weltweiten Endenergiebedarf trägt die Atomwirtschaft auch nicht substantiell zum Klimaschutz bei. Deshalb fordern wir den sofortigen Stopp aller Atomtransporte und den dauerhaften Ausstieg aus der Atomenergie.“

2. Mai 2005

BUND Thüringen zieht positive Bilanz für Jahr 2004

Erfurt. Der BUND Thüringen hat heute in Erfurt seinen aktuellen Jahresbericht für das Jahr 2004 präsentiert. Trotz großer umweltpolitischer Erfolge zeichnet der Verband ein kritisches Bild der aktuellen Umweltpolitik in Thüringen.
„Im vergangenen Jahr konnten wir wieder große Erfolge für Natur und Umwelt in Thüringen erreichen“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Der Stopp der Zerstörungen im Gipskarst war die Krönung für unser jahreslanges Engagement. Die aktuellen Entwicklungen zeigen aber, dass  Versprechen der Politik nur eine kurze Halbwertszeit haben.“

Hoffmann verwies darauf, dass wieder neue Abbauanträge zur Genehmigung vorliegen. Er kündigte an, dass der BUND Thüringen seinen Widerstand gegen die Zerstörung der einzigartigen Naturlandschaft fortsetzen werde.
Als weiteren Erfolg nannte Hoffmann den Start des Projektes „Ein Rettungsnetz für die Wildkatze“. Im Juni 2004 gaben die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt ihr o.K. zum Start dieses bundesweiten Leuchtturmprojektes. „Dieses Vorhaben setzt neue Maßstäbe im Naturschutz und beim Aufbau eines bundesweiten Biotopverbundes.

Trotzdem sieht der Landesvorsitzende die Entwicklungen der Umweltpolitik im Freistaat kritisch.
„Die Auflösung der Staatlichen Umweltämter steht exemplarisch für den Stellenwert von Umwelt und Naturschutz in der Landesregierung. Unter dem Vorwand von Kosteneinsparungen soll staatliche Umweltverwaltung demontiert werden“, sagte Hoffmann.

Als weitere Beispiele nannte er drastische Kürzungen für das ehrenamtliche Engagement der Umweltverbände und den kurzsichtigen Ausverkauf des nationalen Naturerbes in der Hohen Schrecke.
Positiv bewertet Hoffmann die innerverbandliche Entwicklung: Mich persönlich hat besonders gefreut, dass es uns im vergangenen Jahr gelungen ist, die BUNDJugend zu gründen. Das zeigt mir, dass Umwelt und Naturschutz eine Zukunft haben werden.“

29. April 2005

Protestaktion gegen Müllverbrennung in Suhl

Bad Salzungen. Mit einer Protestaktion will der BUND Thüringen gemeinsam mit dem Verein „Ein besseres Müllkonzept für Südwestthüringen“ den Zweckverband für Abfallwirtschaft in Südwestthüringen (ZASt) in letzter Sekunde von der Müllverbrennung in Suhl abbringen. Der BUND Thüringen fordert den ZAST auf, heute in Bad Salzungen gegen den Bau der MVA zu entscheiden.
„Heute ist die letzte Gelegenheit für die Verbandsräte, die nüchternen Fakten anzuerkennen und die politische Vernunft nicht im Rauch der Verbrennungsanlage aufgehen zu lassen“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Trotz der hohen Auflagen durch das Landesverwaltungsamt in Weimar sieht der BUND Thüringen in der geplanten Müllverbrennungsanlage weiterhin ein erhebliches Risiko für die Gesundheit der Bürger in Südwestthüringen. Außerdem zeige sich immer stärker, dass die Kalkulationen für einen wirtschaftlichen Betrieb der geplanten Anlage Wunschvorstellungen seien, die nur noch wenig mit den realen Entwicklungen beim Abfallaufkommen zu tun hätten. Die für rund 160 000 Tonnen pro Jahr ausgelegte Anlage könne nur zu etwa zwei Drittel ausgelastet werden. Für einen wirtschaftlichen Betrieb müsste zusätzlich Müll aus anderen Regionen angeliefert werden. Grund dafür seien die Gewerbeabfälle, welche bei den Planungen für die Anlage etwa ein Drittel des  Aufkommens ausmachten. Schon jetzt sei absehbar, dass die Unternehmen sich wegen der hohen Kosten für ihren Gewerbemüll billigere Anbieter suchten. Darüber hinaus werde sich auch beim Hausmüll der rückläufige Trend bei den Müllmengen weiter fortsetzen.

Der BUND Thüringen kündigte an, gemeinsam mit dem Verein „Ein besseres Müllkonzept für Südwestthüringen“ die Stadt Zella-Mehlis und betroffene Bürger bei rechtlichen Schritten gegen den Müllofen zu unterstützen, sollte sich der ZASt heute für den Bau der Anlage entscheiden.

26. April 2005

BUND übergibt sauberes Grundwasser an Thüringer EU-Abgeordnete

Erfurt/Weimar. Der BUND hat heute symbolisch je 1 Flasche sauberes Thüringer Wasser in den Büros der EU-Abgeordneten Dr. Dieter-Lebrecht Koch (CDU) und Gabriele Zimmer (PDS) übergeben.
Anlaß sind die Beratungen des Europaparlaments zur neuen Grundwasserrichtlinie am 28. April in Brüssel.
Der BUND fordert die Europaabgeordneten des Freistaats Thüringen auf, sich für einen effizienten Grundwasserschutz stark zu machen.

"Etwa 2/3 unseres Grundwassers in Thüringen ist so stark belastet, dass es nicht direkt als Trinkwasser zu verwenden ist. Der größte Teil sind diffuse Belastungen aus der Landwirtschaft." so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. "Auffällig bei Betrachtung der Kartendarstellung ist die flächenmäßige Übereinstimmung der landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiete mit dem bedrohten Grundwasser"
Der Grenzwert für Nitrat von 50 mg/Liter Grundwasser würde in einigen Regionen sogar deutlich überschritten, so Hoffmann.

Nach Angaben des BUND sind besonders Kleinkinder gefährdet. Durch Umwandlung des Nitrats in Nitrit könne es sogar zu Todesfällen kommen. Aus diesem Grund liegt der Richtwert für Babynahrung in Deutschland bei 10 mg/l.
Starker Stoffeintrag in die Oberflächengewässer führe zu Sauerstoffmangel im Gewässer, bei extremen Belastungen könne Fischsterben und Faulschlammbildung die Folge sein.
Die gesamte Stofffracht gelange über die Flüsse in die Nordsee. Im letzten Gutachten des „Rates von Sachverständigen für Umweltfragen“ (SRU) würden daher Nitratwerte unterhalb von 8 Milligramm pro Liter in den der Nordsee zufließenden Flüssen gefordert, um die vorhandene Eutrophierung in der Nordsee zu verringern.

Um schädliche Folgen für Mensch und Natur zu vermeiden, fordert der BUND:

  • keine Privilegierung der intensiven Landwirtschaft auf Kosten unserer Kinder
  • eine Berücksichtigung ökologischer Parameter im Grundwasser
  • eine ressourcenschonende, ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft
23. April 2005

Resolution zum Erhalt der Staatlichen Umweltämter in Thüringen

Erfurt. Die Landesversammlung des BUND Thüringen lehnt die geplante Auflösung der Staatlichen Umweltämter ab. Mit ihrer Entscheidung setzt die Landesregierung die Politik der vergangenen Jahre fort, Natur- und Umweltschutz in Thüringen systematisch abzubauen.
Während in den letzten Jahren vor allem Finanzmittel für Umwelt- und Naturschutz überproportional stark gekürzt wurden und gesetzliche Standards aufgeweicht wurden, soll jetzt durch den Wegfall der Staatlichen Umweltämter die Umweltverwaltung in Thüringen nachhaltig geschwächt werden.

In den letzten Jahren haben sich die vier Staatlichen Umweltämter in Thüringen zu effizienten und bürgernahen Kompetenzzentren der Thüringer Umwelt- und Naturschutzverwaltung entwickelt. Die Umweltämter überwachen die Luftreinhaltung und das Grundwasser, sie kontrollieren die Abfallentsorgung und die Deponien, sie sind zuständig für die Landschaftspflege und für den Handel mit besonders geschützten Arten.

Eine Schlüsselrolle nehmen die Umweltämter bei der Umsetzung europäischer Umwelt- und Naturschutzrichtlinien ein. Bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie werden landesweite Erhebungen zum Gewässerzustand durch das Fachpersonal der SUAs übernommen. Beim Aufbau des europäischen Naturschutznetzes NATURA 2000 liefern die Umweltämter die notwendigen Daten zur Gebietsabgrenzung und zum ökologischen Zustand der Gebiete.
Den steigenden Anforderungen, welche sich aus den europäischen Umweltrichtlinien ergeben, steht in Thüringen bereits heute eine unzureichende Kapazität an Fachpersonal zur Verfügung, da bereits seit Jahren vakant werdende Stellen nicht mehr besetzt werden.

Kritisch beurteilt der BUND Thüringen auch Überlegungen, Aufgaben der SUAs auf die Landkreise zu übertragen. Dort sind fachliche Beurteilungen z.B. zur Ausweisung von Gewerbegebieten in Überschwemmungsgebieten oder zur FFH-Verträglichkeit von Industrieansiedlungen in einem Landkreis einer unmittelbaren, politischen Einflussnahme zugänglich.
Der BUND Thüringen fordert die Landesregierung auf, die Staatlichen Umweltämter zu erhalten und als effiziente Verwaltungsinstrumente zur Sicherung und Verbesserung der Lebensgrundlagen in Thüringen weiter zu entwickeln.

23. April 2005

Ausverkauf im Buchenwaldnaturerbe „Hohe Schrecke“ - Landesregierung verhökert Zukunftskapital einer ganzen Region

Erfurt. Die Landesversammlung des BUND Thüringen verurteilt den Verkauf der Waldflächen in der Hohen Schrecke an einen privaten Investor. Die Entscheidung der Landesregierung unter Federführung des Thüringer Umweltministeriums verhindert die Sicherung der Hohen Schrecke als Teil des europäischen Buchenwald-Naturerbes. Die Landesregierung verhökert damit das Zukunftskapital einer ganzen Region.

Die Hohe Schrecke ist ein „hot spot“ unter den Buchenwäldern Europas. Bis zu dreihundert Jahre alte Baumriesen prägen das Waldbild. Nicht nur Wildkatze, Schwarzstorch oder Hirschkäfer, auch rund ein Dutzend Fledermäuse und mehr als 600 Pilzarten kommen hier vor.
Der BUND Thüringen geht davon aus, dass mit der Verkaufsentscheidung der Landesregierung dort wo heute noch Spechte trommeln und Hirsche röhren, morgen schon Kettensägen in Jahrhunderten entstandene Urwaldriesen vernichten.

Auch aus ökonomischer Sicht ist der Verkauf eine Fehlentscheidung. Den Einnahmen des Landes aus dem Verkaufserlös an einen privaten Anbieter stehen erhebliche und dauerhafte Ausgaben gegenüber. Ausgleichszahlungen für Bewirtschaftungseinschränkungen im FFH-Gebiet Hohe Schrecke, Fördermittel des Landes für forstwirtschaftlichen Wegebau und Kosten für  Munitionsberäumung zur Sicherung der forstlichen Nutzbarkeit der ehemaligen Militärflächen stellen den Netto-Erlös für den Freistaat durch Privatisierung des Waldgebietes in Frage.

Demgegenüber steht das Ziel des BUND, gemeinsam mit den dreizehn Anrainerkommunen, das einzigartige Naturpotenzial in der Hohen Schrecke als Motor für eine nachhaltige Regionalentwicklung zu erhalten. Die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung, die Naturstiftung David, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützen dieses Ziel. Die Stiftungen haben für die „Hohe Schrecke“ als eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung erhebliche Fördermittel in Aussicht gestellt.

Bleibt die Landesregierung bei ihrer Entscheidung, verspielt sie leichtfertig die Chance, millionenschwere Fördermittel von außen in eine strukturschwache Region des Freistaates zu lenken und die Kommunen in ihrem Bemühen um eine nachhaltige Entwicklung der Region zu unterstützen. Bundesweit verspielt die Landesregierung Ansehen durch die Nicht-Wahrnehmung von Verantwortung für das einzigartige Naturerbe „Hohe Schrecke“.

21. April 2005

Wer singt denn da? Was wächst denn da? - Vogelstimmenwanderung und naturkundliche Exkursion

Sallmannshausen/Lauchröden. Feldschwirl?  Hopfenseide? Nie gehört?! „Amsel, Drossel, Fink und Star...“, das singen schon unsere Kinder. So weit reichen die Kenntnisse der Meisten von uns gerade noch, diese Vögel zu unterscheiden. Aber da gibt es natürlich wesentlich mehr, was da kreucht und fleucht, oft im Verborgenen und für den Laien schwer zu unterscheiden.
Während der Feldschwirl ein relativ selten gewordener Singvogel unserer Heimat ist, handelt es sich bei der Hopfenseide um eine parasitär lebende Pflanze mit sehr interessantem Lebenszyklus. Was beide miteinander verbindet, ist die Vorliebe für ungenutzte Brachflächen, wie sie in unserer Kulturlandschaft kaum noch anzutreffen sind.

Zu einer naturkundlichen Exkursion in ein solches Areal laden der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Thüringen und das Staatliche Umweltamt Suhl alle Interessenten am 24. April recht herzlich ein!

Zwischen Sallmannshausen und Lauchröden , westlich von Eisenach gelegen, gibt es einen Abschnitt an der Werra, der auf ca. 10 km Länge für Jahrzehnte die innerdeutsche Staatsgrenze bildete. In diesem „Grünen Band“ haben sich in der zwangsweisen Abgeschiedenheit viele Tier- und Pflanzenarten erhalten können, die woanders kaum noch intakte Lebensräume besetzen konnten.

Inzwischen führt dort das Staatliche Umwelt Suhl in Zusammenarbeit mit dem BUND ein Modellvorhaben zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie durch. Ziel ist die langfristige Strukturverbesserung der Werra und ihres Umfeldes. Stephan Gunkel, Projektkoordinator des BUND-Naturschutzprojektes "Lebendige Werra" wird den Teilnehmern einige geplante Maßnahmen des  Modellvorhabens vor Ort erläutern.

Unter sachkundiger Leitung von Carl und Karola Schneider aus Bad Sooden-Allendorf , beide passionierte Ornithologen und Naturschützer und mit dem Projektgebiet seit Jahren bestens vertraut, soll es am Sonntag zu einem ehemaligen Altarm an der Werra gehen. Die Wanderung wird etwa 3 Stunden dauern, entsprechende Kleidung und Schuhwerk sind angemessen. Mit etwas Glück können Flussuferläufer, Feldschwirl und einige andere Vogelarten beobachtet werden.

18. April 2005

Gen-Mais-Versuch in Dachwig: Zweifelhafter Nutzen bei hohem Risiko

Erfurt. Das Bundessortenamt hat im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums den Anbau von genmanipulierten Mais auf einem Versuchsfeld bei Dachwig im Kreis Gotha beantragt. Der BUND Thüringen und der Thüringer Ökoherz e.V. rufen die betroffenen Landwirte und Imker, aber auch die Bürger in der Region dazu auf, sich öffentlich gegen dieses Vorhaben auszusprechen. Am 19.04.05 besteht dazu Gelegenheit, dann wird die Versuchsstation Dachwig die umliegenden Landwirtschaftsbetriebe über den Versuch informieren.

Ein Blick in das Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigt: Dem deutschen Gentechnikgesetz folgend haben mehrere Landwirtschaftsbetriebe und Versuchsstationen ihr Vorhaben zum Anbau von gentechnisch verän-derten Nutzpflanzen angemeldet. Thüringen ist mit einem Versuchsantrag des Bundessortenamtes vertreten, das im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums in der Gemarkung Dachwig im Kreis Gotha gentechnisch veränderten Mais auszubringen gedenkt. Nachdem das Vorhaben zunächst zurückgezogen wurde, stehen mittlerweile potentielle Aussaattermine fest.

„Wir bedauern sehr, dass sich das Bundessortenamt für Dachwig entschieden hat, vor allem, weil in diesem Jahr kein einziger Landwirtschaftsbetrieb in Thüringen  gentechnisch veränderten Mais anbaut,“ so Dr. Frank Augsten, Gentechnikexperte des BUND und Ökoherz-Geschäftsführer. „Während die Landwirte gut daran tun, weitere internationale Erfahrungen und vor allem die Offenlegung der Ergebnisse der 2004er Versuche in Deutschland abzuwarten, schafft ausgerechnet eine Bundesbehörde Tatsachen mit potentiellen Gefährdungen für die Umwelt und den Menschen.“

Der BUND Thüringen und der Ökolandbau-Förderverein Thüringer Ökoherz e.V. begrüßen die Entscheidung der Versuchsstation Dachwig, Vertreter der Umweltverbände zur Informationsveran-staltung am 19.04.05 in die Außenstelle des Bundessortenamtes einzuladen. Landwirte und Vertre-ter der Medien haben somit Gelegenheit, ihre Fragen von „beiden Seiten“ beantworten zu lassen und sich so ein genaueres Bild von den geplanten Versuchen zu machen.

14. April 2005

BUND Thüringen warnt vor Aufweichung von Umweltstandards - Blick durch die rosarote Brille wenig hilfreich

Erfurt. Der BUND Thüringen warnt vor einer Aufweichung von Umweltstandards in Deutschland. Der Forderung der unionsregierten Länder anlässlich der Amtschefkonferenz in Thüringen, Umweltschutz müsse wieder stärker hinter aktuelle Wirtschaftsinteressen zurücktreten, erteilte der Umweltverband eine klare Absage.
„Entweder hatten die Amtschefs bei ihrem Treffen alle eine rosarote Brille auf oder die Sicht war durch zu hohe Feinstaubkonzentratioen getrübt“, kommentierte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen, das Treffen.

„Wenn die für den Umweltschutz in den Ländern zuständigen Staatsskretäre und Abteilungsleiter tatsächlich versuchen glaubhaft zu machen, in Deutschland sei beim Umweltschutz „alles paletti“, stellt man sich schon die Frage nach ihrer Amtsauffassung.“
Hoffmann verwies darauf, dass gerade in Thüringen bei den auf dem Treffen diskutierten Themen Feinstaub, Abfall-, Wasser- und Naturschutzpolitik vieles im Argen liege.

Bis heute gebe es im Freistaat keinen gültigen Aktionsplan gegen die Minderung der Feinstaubbelastung in den Thüringer Städten. Dabei drohe neben Erfurt auch mindestens fünf weiteren Städten eine Überschreitung der Grenzwerte. Statt hier einen weltweiten Spitzenplatz in den Umweltstandards einzunehmen, habe die deutsche Autoindustrie mit ihrer Verweigerungshaltung gegenüber Rußfiltern einen Offenbarungseid leisten müssen.

In der Abfallpolitik setze der Freistaat einseitig auf die Müllverbrennung und den Bau überdimensionierter Müllöfen. Diese stellten nicht nur ein gesundheitlich unkalkulierbares Risiko dar, sondern bildeten wegen der hohen Investitonssummen schwere Hypotheken für die Bürgerinnen und Bürger im Freistaat.
Angesichts landesweiter, gesundheitsgefährdender Überschreitungen der Nitratwerte im Grundwasser könne auch hier von einem Spitzenplatz der Umweltstandards in Deutschland keine Rede sein.

Auch im Naturschutz werde durch die geplante Auflösung der staatlichen Umweltämter oder die radikale Kürzung von Fördermitteln der Abbau qualitätssichernder Maßnahmen kontinuierlich voran getrieben. Die Konsequenzen für den Verlust der biologischen Vielfalt seien bereits absehbar.
„Wer eine Umweltpolitik mit und für die Menschen fordert, muss auch den Mut haben, hierfür die Rahmenbedingungen zu schaffen. Zu einer lebenswerten Zukunft für die Menschen gehört saubere Luft ohne Feinstaub, Wasser ohne Gift und blühende Schmetterlingswiesen statt güllegetränkter Agrarsteppen“, erklärte Hoffmann.

22. März 2005

BUND Thüringen und SUA Suhl: Modellvorhaben zur Auenrenaturierung an der Werra ist ein Baustein auf dem Weg zum „Guten Zustand“ der Gewässer

Erfurt. Zum Tag des Wassers wird die Bundesrepublik in diesem Jahr die Ergebnisse der Gewässer-Bestandsaufnahme an die Europäische Union melden. Um kommenden Generationen saubere und lebendige Gewässer zu hinterlassen, sollen alle Mitgliedsstaaten bis zum Jahr 2015 den "guten Zustand" erreichen. Zum heutigen Zeitpunkt, das hat die Bestandsaufnahme ergeben, würden rund zwei Drittel der Thüringer Flüsse und Seen diesem Ziel noch nicht durchgängig genügen. Auch beim Grundwasser sieht die Situation ähnlich aus.

Durch Stoffbelastungen aus der Fläche, noch ungenügend gereinigte häusliche Abwässer und wegen begradigter und mit für Gewässerlebewesen unpassierbaren Hindernissen bestückter Fließgewässer ergibt sich daher auch in Thüringen ein erheblicher Handlungsbedarf.
Das Staatliche Umweltamt Suhl hat aus diesem Grund in Zusammenarbeit mit dem BUND Thüringen an der Werra eines von 9 Modellvorhaben in Thüringen gestartet, um die Werra von Sallmannshausen bis Göringen zu renaturieren.

Ziel des Projektes ist es, die Gewässerstruktur der Werra zu verbessern. Dies soll unter anderem durch Aufweitungen und Abflachungen des Ufers, Anschluss eines Altarms und Schaffung von Stillwasserzonen am Fließgewässer erreicht werden. In Zusammenarbeit mit den Landwirten wird nach Lösungen gesucht, wie die landwirtschaftliche Nutzung in sensiblen Bereichen, z.B. am Gewässerrand, betriebsverträglich extensiviert werden kann.

Insgesamt wurden durch das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt für das Vorhaben EU-Fördermittel in Höhe von rund 600.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Vor wenigen Tagen fand dazu eine Bürgerversammlung in Lauchröden statt, auf der die abgestimmten Planungen vorgestellt wurden. Eingeladen waren Anwohner, Flächeneigentümer und Nutzer, um sich von dem Vorhaben ein Bild zu machen. Auf der sehr gut besuchten Veranstaltung wurden mögliche Maßnahmen vorgestellt und diskutiert. Die Flächen für die vorgesehenen Maßnahmen sollen durch freiwilligen Landtausch zur Verfügung gestellt werden.
“Die Aufwertung der Werra durch das Modellvorhaben wird die Attraktivität des Gebietes deutlich erhöhen“, so Karsten Pehlke, Flussgebietsmanager beim Staatlichen Umweltamt Suhl, auf der Veranstaltung.
 
Weitere Infos finden Sie auf der Seite des Umweltministeriums zur Wasserrahmenrichtlinie: www.flussgebiete.thueringen.de sowie auf der Internetseite des BUND-Projekts „Lebendige Werra“: www.living-rivers.de/werra 

10. März 2005

Bundesweites Leuchtturmprojekt in der Hohen Schrecke - Naturschutz und Regionalentwicklung Hand in Hand

Erfurt. Der BUND Thüringen sieht die Chance, in der „Hohen Schrecke“ ein bundesweites Leuchtturmprojekt zu verwirklichen. Ein Naturwaldzentrum mit „gläsernem Forstbetrieb“ soll als einzigartige Projektidee die Region bundesweit bekannt machen. Voraussetzung dafür ist nach Angaben des Verbandes, dass eine kommerzielle Vermarktung der Waldflächen unterbleibt. Der BUND Thüringen appelliert daher an die Landesregierung, die alten Buchenwälder in der Hohen Schrecke nicht, wie bereits angekündigt, an einen Privatinvestor zu verkaufen.

„Die alten Buchenwälder der Hohen Schrecke sind das Zukunftskapital für die gesamte Region“ erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Deshalb stehen sie im Zentrum unserer Projekte, die wir gemeinsam mit den Anrainerkommunen und mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) entwickelt haben.“

Die Idee eines Naturwaldzentrums mit gläsernem Forstbetrieb entstand im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, welche die Anrainerkommunen mit finanzieller Unterstützung des BUND und der DBU in Auftrag gegeben hatten. Dabei sollen Naturschutz, naturnahe Forstbewirtschaftung und Umweltbildung miteinander verknüpft werden.

Nach Angaben des BUND Thüringen hat die DBU bereits ihr besonderes Interesse an der Verwirklichung dieser Idee signalisiert und finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.
„Wir gehen davon aus, dass bei Verwirklichung des Leuchtturmprojektes Fördermittel in sechstelliger Höhe in die Region fließen“, erklärte der Landesvorsitzende des BUND Thüringen. Nach Angaben des Verbandes ist die Voraussetzung dafür aber, dass in dem Buchenwaldgebiet keine kommerzielle Forstbewirtschaftung stattfindet und die urwaldähnlichen Bestände erhalten bleiben.

Deshalb habe sich der BUND gemeinsam mit den Anrainerkommunen, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, der Gregor-Louisoder-Stiftung in München und der Naturstiftung David zum Bündnis „Hohe Schrecke“ zusammengeschlossen, um die zum Verkauf ausgeschriebenen Buchenwälder der Hohen Schrecke zu erwerben. Ziel des Bündnis sei es die Hohe Schrecke zu einer Modellregion zu machen, in der Naturschutz und Regionalentwicklung Hand in Hand gehen.

7. März 2005

Gewässer-Bestandsaufnahme zeigt großen Handlungsbedarf - EU-gefördertes Modellvorhaben zur Auenrenaturierung verbessert Gewässerdynamik

Erfurt. Die Ergebnisse der Gewässer-Bestandsaufnahme für das Flussgebiet der Weser zeigen: etwa zwei Drittel der Gewässer werden den "guten ökologischen Zustand" nicht erreichen, den sich die Europäische Union bis zum Jahr 2015 zum Ziel gesetzt hat. Thüringen hat mit der Werra einen der beiden Hauptzuflüsse im Wesereinzugsgebiet.
Die Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen und ökologischen Faktoren im Einzugsgebiet der Weser ist nur der erste Schritt zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Die Richtlinie verpflichtet alle EU-Mitgliedsstaaten zur Erstellung von Plänen, wie ein "guter Zustand" der Gewässer zu erreichen ist. Wegen der Nährstoffbelastung und ungenügender Gewässerstruktur ergibt sich auch in Thüringen ein erheblicher Handlungsbedarf.

"Von einer naturnahen Flusslandschaft sind wir an der Werra noch weit entfernt", so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Wir müssen dem Fluss wieder mehr Raum zurückgeben“.
Das Staatliche Umweltamt Suhl hat daher in Zusammenarbeit mit dem BUND Thüringen an der Werra eines von 9 Modellvorhaben in Thüringen gestartet, um die Werra von Sallmannshausen bis Göringen zu renaturieren.

Ziel des Projektes ist es, die Gewässerstruktur der Werra zu verbessern. Dies soll unter anderem durch Aufweitungen und Abflachungen des Ufers, Anschluss eines Altarms und Schaffung von Stillwasserzonen am Fließgewässer erreicht werden. In Zusammenarbeit mit den Landwirten wird nach Lösungen gesucht, wie die landwirtschaftliche Nutzung in sensiblen Bereichen, z.B. am Gewässerrand, betriebsverträglich extensiviert werden kann.

Insgesamt wurden durch das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt für das Vorhaben EU-Fördermittel in Höhe von rund 600.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Der Amtsleiter des Staatlichen Umweltamtes Suhl, Herr Roth, erklärte dazu: "Mit dem Modellvorhaben werden vorgezogene Maßnahmen umgesetzt, wie sie in den kommenden Jahren auch in anderen Werra-Abschnitten notwendig sind.“
Am 16. März ist in Lauchröden eine öffentliche Bürgerversammlung zur Vorstellung des Projektes geplant.

Weitere Infos und Bilder finden Sie auf der Homepage des Umweltministeriums zur Wasserrahmenrichtlinie: www.flussgebiete.thueringen.de
Und auf Internetseite des Projektes „Lebendige Werra“: www.lebendige-werra.de

15. Februar 2005

Hochwasserschutz darf nicht verwässert werden - Thüringen blockiert neues Hochwasserschutzgesetz

Erfurt. Der BUND Thüringen warnt die Landesregierung vor einer Blockadehaltung beim neuen Hochwasserschutzgesetz. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung soll morgen im Vermittlungsausschuss des Bundestages abgestimmt werden. Gemeinsam mit den anderen CDU/CSU-geführten Bundesländern verweigert die Thüringische Landesregierung wichtigen Passagen im Gesetzentwurf bisher ihre Zustimmung.

„Bevor man einem Gesetzentwurf der Rot-Grünen Bundesregierung die Zustimmung gibt, riskiert man lieber neue Hochwasserkatastrophen und Schäden in Millionenhöhe im eigenen Land“, kritisierte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen die Haltung der Landesregierung. „Wenn sich die Landesregierung weiterhin für die Bebauung und Versiegelung der Auen und intensive Landwirtschaft in Überschwemmungsgebieten einsetzt, provoziert sie eine weitere Verschärfung der Hochwassersituation in Thüringen“.

Nach Angaben des BUND Thüringen konnte trotz mehrerer Hochwasserkatastrophen in den vergangenen Jahren in Deutschland noch immer kein Gesetz zum Hochwasserschutz verabschiedet werden. Mehrere Bundesländer, unter ihnen auch Thüringen, hätten wichtigen Passagen im Bundesrat nicht zugestimmt. Strittig seien unter anderem das Bauverbot sowie die Einschränkung der intensiven Landwirtschaft in Überschwemmungsgebieten gewesen.

Nicht nur auf Bundesebene solle der geplante Hochwasserschutz aufgeweicht werden: auch in Thüringen gebe es noch keine sinnvolle landesweite Strategie zur Vorsorge. Statt einer Renaturierung von Überschwemmungsgebieten setze Thüringen auf veraltete Konzepte mit Beton und Planierraupe.

In diese Politik passe auch das jüngste Vorhaben des Umweltministeriums, den gesetzlichen Schutz von Uferrandstreifen auf zu heben. Damit würde die letzte Pufferzone zwischen Gewässerrand und Landwirtschaftsfläche aufgehoben und eine Bewirtschaftung bis unmittelbar an das Ufer ermöglicht.

Der BUND-Landesgeschäftsführer Vogel fordert die Landesregierung auf, dem Hochwasserschutzgesetz zuzustimen, um endlich einen bundesweit einheitlichen Hochwasserschutz zu ermöglichen.



Jahresbericht 2016

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

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Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
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Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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