21. Dezember 2006

BUND kritisiert Schneetransport von Bremerhaven nach Oberhof - Umwelt wird mit 54.000 LKW-Kilometern belastet

Erfurt. Der BUND Thüringen kritisiert die Schneetransporte von Bremerhaven nach Oberhof. Nach Angaben des Verbandes wird die Umwelt mit 54.000 LKW-Kilometern belastet.
„Transport von Kunstschnee von der Nordseeküste in den Thüringer Wald, das ist Wahnsinn“, kommentierte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen den Versuch, den Biathlon-Weltcup Anfang Januar in Oberhof ab zu sichern.

Für die rund 3.000 Kubikmeter Schnee, die aus Bremerhaven angeliefert werden sollen, seien 120 LKW-Transporte nötig. Mit den Transporten werde die ganze Region durch Lärm und Abgase belastet. Etwa 11.000 Liter Diesel würden durch die LKW-Transporte in die Luft gepustet. Dabei würden ca. 200 Tonnen CO2 freigesetzt. Der Treibhauseffekt werde weiter angeheizt und der Klimawandel beschleunigt. Die für den Wintersport Verantwortlichen würden damit kräftig am eigenen Ast sägen, auf dem sie sitzen.

„Offensichtlich ist den Verantwortlichen für den Wintersport im Thüringer Wald trotz Weihnachtszeit bei frühlingshaften Temperaturen immer noch kein Licht aufgegangen“, erklärte Vogel. „Der Klimawandel ist bereits in vollem Gang. Wintersport hat im Thüringer Wald keine Zukunft mehr.“
Es sei höchste Zeit, für den Tourismus im Thüringer Wald Alternativen zum Wintersport zu entwickeln, statt weiterhin „Wasser in die Wüste zu tragen“.
Die Landesregierung forderte Vogel auf, ihre Anstrengungen zum Klimaschutz in Thüringen zu verstärken.

20. Dezember 2006

BUND klagt gegen Müllgebührensatzung im Landkreis Sömmerda

Erfurt/Sämmerda. Der BUND Thüringen hat Klage gegen die Müllgebührensatzung des Landkreis Sömmerda eingereicht. Der Verband kritisiert den übermäßig hohen Anteil an Festgebühren für die Müllentsorgung. Dadurch sei für die Bürger kein Anreiz zur Müllvermeidung gegeben.
„Müll vermeiden zahlt sich im Landkreis Sömmerda nicht aus“, kritisierte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Zumindest für 2-Personen-Haushalte ist es egal, ob viel oder wenig Müll anfällt. Gezahlt werden muss das Gleiche.“

Damit verstoße die Gebührensatzung des Landkreises gegen das Thüringer Abfallwirtschaftsgesetz. Dieses sehe vor, dass die Maßstäbe für die Müllgebühren auch Anreize zur Vermeidung enthielten.
Nach Angaben des BUND Thüringen hat der Bürger im Landkreis Sömmerda neben einer Grundgebühr für die Müllentsorgung auch eine Gebühr für eine festgelegte Zahl von Mindestentleerungen zu entrichten. Für einen Zwei-Personen-Haushalt seien acht Mindestentleerungen pro Jahr festgelegt. Haushalte, die weniger als acht Entleerrungen pro Jahr benötigen, zahlen dennoch nicht weniger Gebühren. Daher lohne es sich nicht, das eigene Müllaufkommen zu reduzieren.

Mit der Müllgebührensatzung des Landkreis Sömmerda hatte sich bereits der Petitionsausschuss des Thüringer Landtages beschäftigt. Er hatte den Landkreis aufgefordert, die Satzung so zu ändern, dass mehr Anreize für Müllvermeidung geschaffen werden.
„Wir wollen mit unserer Klage den Landkreis gerichtlich zum Handeln bewegen, damit sich Müllvermeidung auch im Landkreis Sömmerda endlich lohnt“, erklärte Ron Hoffmann. „Den Bürgern des Landkreises empfehlen wir, die Müllgebühren nur unter schriftlichem Vorbehalt zu bezahlen“.

20. November 2006

Wie wild ist die Wildkatze? - BUND Thüringen und Universität Jena starten gemeinsames Forschungsvorhaben zum Schutz der Wildkatze

Erfurt/Jena. Sind Wildkatzen wirklich noch wild oder haben sich die wenigen Vorkommen längst mit Hauskatzen vermischt? Zur Beantwortung dieser Frage haben der BUND Thüringen und die Universität Jena heute den Start eines gemeinsamen Forschungsvorhabens bekannt gegeben.
Katzenhaare werden im Freiland gesammelt und mit einem genetischen Verfahren, vergleichbar dem Gentest, untersucht. Für die genetischen Analysen und den Aufbau einer Gendatenbank konnte mit dem Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum unter Leitung von Prof. Dr. Martin Fischer an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein international renommierter Partner gewonnen werden.

„Wenn wir die Wildkatze schützen wollen, brauchen wir Gewissheit, dass die Katzen in den Wäldern noch echte Wildkatzen sind und ihre genetische Identität nicht durch die Vermischung mit Hauskatzen verloren haben,“ erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Durch die Analyse von Haarproben aus dem Freiland könne auch die Wirksamkeit von Vernetzungsmaßnahmen, welche im Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ umgesetzt werden, großräumig untersucht werden.

„Wir vermuten, dass sich Wildkatzen in waldreichen Landschaften nicht mit Hauskatzen vermischen. Erst wenn der ursprüngliche Lebensraum verloren geht, steigt die Anzahl von sog. Blendlingen in der Population“, erläuterte Prof. Dr. Martin Fischer vom Lehrstuhl für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Uni Jena. Anlass für diese Hypothese gebe der Vergleich Thüringer und schottischer Wildkatzen. Während das Ergebnis einer eigenen Pilotstudie an Thüringer Wildkatzen zeige, dass sich unter 69 untersuchten Katzen lediglich ein einziger Blendling fand, wiesen die Arbeiten an schottischen Wildkatzen eine Bastardrate von über 40% aus. Um diese Hypothese zu stützen, seien weitergehende Untersuchungen notwendig. Der BUND und die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Fischer wollen Wildkatzenpopulationen aus ganz Europa in die Untersuchungen mit einbeziehen.

Ziel der Kooperation zwischen BUND und Uni Jena ist es, die Wildkatze als Indikator für die Qualität von Programmen zur Vernetzung von Wäldern zu etablieren. Dazu soll eine wissenschaftlich abgesicherte Langzeitbeobachtung zur Wiederausbreitung der Europäischen Wildkatze am Lehrstuhl für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie eingerichtet werden.

13. November 2006

Grünes Band, Wildkatze und Co. – Natur und Umwelt in Thüringen brauchen Hilfe

Jena/Gera/Erfurt. Unter dem Motto „Die Erde braucht Freunde“ macht der BUND Thüringen in den nächsten Tagen Station in Jena und Gera. An mobilen Infopoints können sich die Thüringer über Umwelt und Naturschutz und über die konkrete Arbeit des BUND in ihrer Region informieren.  

„Im BUND sind Menschen, die das Schicksal ihrer Umwelt nicht unberührt lässt“, erklärt Landesgeschäftsführer Dr. Burkhard Vogel. „Auch unsere Enkel sollen noch Wildkatzen im Hainich erleben und das Grüne Band als Lebendiges Mahnmal unserer Geschichte in der Landschaft erkennen können. Ebenso machen wir uns stark für eine saubere Luft ohne Feinstaub in Erfurt, Jena oder Gera und für Lebensmittel ohne Gentechnik und Chemie.“

Seit über 30 Jahren setzt sich der BUND für den Natur- und Umweltschutz ein. Die vielen Menschen, die diese Arbeit unterstützen, machen ihn zu dem größten Umweltverband Deutschlands. Vor Ort arbeiten BUND-Mitglieder in mehr als 2.000 Ortsgruppen im Dienst der Natur.

In seiner Arbeit ist der BUND auf die Unterstützung der Mitglieder angewiesen. "Jedes Mitglied stärkt unsere Stimme, jeder Euro hilft, unsere Projekte zu verwirklichen. Nur als starker und von öffentlichen Geldern unabhängiger Umweltverband können wir uns wirkungsvoll für Umwelt- und Naturschutz einsetzen. Für alle, die wissen wollen, was mit Ihrem Mitgliedsbeitrag passiert, ist der Infopoint die beste Anlaufstelle. Im direkten Gespräch können sich Menschen ganz konkret über die Arbeit, die Kampagnen und aktuellen Projekte des BUND Thüringen informieren. Denn uns ist der persönliche Kontakt zu unseren UnterstützerInnen sehr wichtig", versichert Vogel.  
Die Erde braucht Freunde

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Face2Face Fundraising werden in dieser Woche im Auftrag des BUND in Jena und Gera unterwegs sein. „Wir möchten den Leuten etwas von der Faszination der Natur vermitteln, die uns bewegt“, beschreibt Alexander Buchegger, Teamleiter, seine Aufgabe. „Und wir wollen den Leuten vermitteln: Wir müssen gemeinsam etwas tun! Jeder kann helfen!“ fügt er hinzu.

Wer sich entschließt, einen regelmäßigen Beitrag für die Natur zu leisten, erhält Informationen über die Naturschutzarbeit des BUND und viermal im Jahr das BUND-Magazin. Zudem bekommt man kostenlos Verbrauchertipps, kann an spannenden Führungen & Vorträgen teilnehmen und vieles mehr. „Selbstverständlich können Mitglieder jederzeit und unbürokratisch wieder zurück treten“, betont Vogel. „Wir hoffen, dass viele Menschen unsere Infopoints besuchen und sich entschließen, unsere Projekte zu unterstützen.“

3. November 2006

Schwarzpappel – Baum des Jahres 2006 wird an der Werra gepflanzt

Lauchröden. Das Staatliche Umweltamt Suhl hat in Zusammenarbeit mit dem BUND Thüringen an der Werra eines von 9 Modellvorhaben in Thüringen durchgeführt, um Teilabschnitte der Werra von Sallmannshausen bis Göringen zu renaturieren.
Im Rahmen dieses Vorhabens finden derzeit Pflanzungen in der Werraaue unterhalb der Burgruine Brandenburg bei Lauchröden statt. Dabei werden typische Arten des Auwaldes, wie Weide und Erle, aber auch die inzwischen selten gewordene Schwarzpappel gepflanzt. Der Baum des Jahres 2006, die Schwarzpappel, ist inzwischen selten geworden an unseren Flüssen. Nach Informationen des BUND Thüringen gibt es am Oberlauf der Werra nur noch ein erhaltenes Exemplar. Ziel der Pflanzungen ist die naturnahe Gestaltung von Uferbereichen der Werra.

Außerdem sollen durch die Baumanpflanzungen die malerischen Werramäander geschützt werden. Die Bäume werden in Zukunft eine Bodenerosion an Schmalstellen und damit eine Laufverkürzung der Werra verhindern, so die Hoffnung der Fachleute aus dem Staatlichen Umweltamt. Da bestimmte Baumarten wie die Schwarzpappel sich in den letzten Jahrzehnten nicht mehr auf natürlichem Wege verbreiten konnten, sind Initialpflanzungen hilfreich, damit sich ein naturnaher Gehölzbestand am Werraufer entwickeln kann.

Dabei sei die konstruktive Zusammenarbeit mit den Flächeneigentümern und den Landwirten vor Ort sehr wichtig für die erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens gewesen, teilte Herr Roth, der Leiter des Staatlichen Umweltamtes Suhl, mit. In den letzten Monaten fanden umfangreiche Arbeiten zur Aufwertung der Gewässerstruktur der Werra statt. Zur  naturnahen Gestaltung der Eltemündung wurden insgesamt schon 120 t Aushub und Bauschutt sowie 190 Quadratmeter Betonplatten abgefahren. Neben der Umgestaltung der Eltemündung wurde unter anderem ein Altarm wieder an die Werra angebunden sowie Aufweitungen und Abflachungen des Ufers und Stillwasserzonen am Fließgewässer geschaffen.

Herr Gunkel vom Projekt „Lebendige Werra“ des BUND Thüringen hob die Bedeutung der Maßnahmen für den Naturschutz hervor. Er hoffe, dass sich vor allem im Bereich der Abflachungen und des Altarmes Lebensräume für bedrohte Arten, wie z.B. den Flussuferläufer, entwickeln. Der BUND wolle sich auch in Zukunft für den Erhalt der Schwarzpappeln einsetzen.
Die Mittel zur Umsetzung der Maßnahmen werden durch die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland und den Freistaat Thüringen durch Fördermittel zur Verfügung gestellt.

12. Oktober 2006

BUND demonstriert vor Saturn gegen Stromfresser und berät Verbraucher beim Strom sparen

Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat heute vor der Filiale des Saturn-Elektromarkts in Erfurt gegen die zahlreichen Strom verschwendenden Geräte im Sortiment der Elektrohandelskette protestiert. Mit großen Schildern „Stop Stromfresser!“ und Bannern „Klima schützen, ich bin dabei!“ warben die Umweltschützer für die Umstellung des Angebots auf Energie sparende Geräte.
Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen: „Stromfresser treiben die Stromrechnung der Verbraucher in die Höhe und bringen das Klima aus dem Gleichgewicht. Saturn/Media Markt muss endlich sparsamere Geräte anbieten, damit wir nicht auf den Klimakollaps zusteuern.“

Die Stromerzeugung in den Kraftwerken verursache 43 Prozent des Kohlendioxids in Deutschland und sei damit klimaschädlicher als der gesamte PKW- und LKW-Verkehr, so der BUND. Wenn die Elektrohandels¬ketten nur noch effiziente Elektrogeräte verkaufen würden, könnten mindestens drei alte Kohlekraftwerke ersatzlos abgeschaltet werden. Die zum Metro-Konzern gehörenden mehr als 550 Filialen von Media Markt und Saturn sollten anstatt Geiz ist geil-Parolen ihr Sortiment und ihre Werbung am Klimaschutz ausrichten. Davon würden auch die Kunden profitieren: Rund 300 Euro könne ein Haushalt im Jahr sparen, wenn nur noch effiziente Geräte gekauft würden.

Der BUND hatte bei Stichproben in Filialen von Media Markt und Saturn jedoch überwiegend Stromfresser gefunden. Die bei Saturn verkauften Kühl- und Gefriergeräte verbrauchten im Durchschnitt rund 300 Kilowattstunden pro Jahr. Ein sparsames Gerät benötigt nur die Hälfte. Der BUND rät den Verbrauchern, nur Kühlgeräte der Effizienzklassen „A plus plus“ oder „A plus“ zu kaufen. Ein Gerät der Klasse „A“ verbrauche bis zu doppelt so viel Strom.

Bessere Kundeninformationen fordert der Umweltverband vor allem bei den Fernsehgeräten. Viele der neuen Fernseher mit großen Flachbildschirmen verbrauchen wesentlich mehr Strom als die herkömmlichen Röhren-Fernseher. Plasma-Fernseher verbrauchen sogar fünf bis achtmal soviel Strom. Dennoch stünden auf den meisten Geräten keine Angaben zum Stromverbrauch. Nur in jedem dritten der von BUND-Testern durchgeführten Kundengespräche informierten die Saturn-Verkäufer korrekt über den Verbrauch der Geräte.

Der BUND berät die Verbraucher heute, am 5. Oktober von 11:00 bis 15:00 Uhr, vor dem Saturn Elektromarkt in Erfurt, Anger 1 über Energie sparende Haushaltsgeräte und gibt Tipps, wie unnötiger Stand-by-Betrieb vermieden werden kann.

14. September 2006

1. LebensLauf für die Wildkatze am 17.9.: Biathlet Frank Luck gibt Startschuss

Erfurt. Vertauschte Rollen beim „1. LebensLauf für die Wildkatze“ am kommenden Sonntag: Ex-Biathlet Frank Luck gibt den Startschuss und Gerold Wucherpfennig, Thüringer Minister für Europangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei läuft. Der Politiker ist einer von 200 bereits gemeldeten Startern des Geländelaufs. Mit dabei auch die amtierende Junioren Weltmeisterin und aktuelle Weltranglistenerste im Skispringen der Damen, Juliane Seyfarth aus Thal. Gemeinsam weihen die „Lebensläufer“ einen 20 Kilometer langen Korridor zwischen Nationalpark Hainich und Naturpark Thüringer Wald ein. Angelegt wird der Korridor vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der BUND will so schon in wenigen Jahren der vom Aussterben bedrohten Wildkatze Wanderungen zwischen den Waldgebieten ermöglichen. Interessierte Freizeitsportler, Läufer und Nordic Walker können sich wahlweise für die 20 km Strecke mit Start um 11.00 Uhr oder die 12 km Strecke mit Start um 12.00 Uhr melden. Eine Nachmeldung ist bis kurz vor dem Start möglich. Die Startgebühr beträgt € 18 und beinhaltet Bus-Shuttle, Gepäckaufbewahrung und ein Läufer-T-Shirt.

Am Ziel, dem Sportplatz in Thal bei Ruhla, erwartet die Läufer und andere Besucher ein großes Fest mit Konzerten, Infoständen, Markt und Kinderspielbereich. Highlights: ein Konzert der Gruppe Keimzeit und ein Auftritt der Schauspielerin und Wildkatzenpatin Felicitas Woll. Moderiert wird das Fest von der Fernseh-Moderatorin Victoria Herrmann vom MDR. Der Eintritt ist frei für alle interessierten Besucher - nicht nur für die Läufer. Der BUND rechnet mit weit über tausend Gästen für das auch für Familien ausgelegte Fest.

Für den LebensLauf rechnen der Veranstalter BUND und der unterstützende Landessportbund Thüringen (LSB) noch mit weiteren Meldungen vor Ort. Ralf Ulitzsch vom LSB: “Der Lebenslauf für die Wildkatze bietet die einmalige Möglichkeit vom Hainich bis an den Rand des Thüringer Waldes zu laufen. Die Teilnehmer können sich auf eine landschaftlich schöne und abwechslungsreiche Strecke freuen. Und dabei dient der Lauf einem guten Zweck und nicht zuletzt der eigenen Gesundheit! Schönes Wetter wurde vorsorglich bestellt.“

Der LSB und auch der Thüringer Skiverband haben den 1. LebensLauf und das gesamte Projekt von der ersten Idee an unterstützt. Rolf Beilschmidt, Hauptgeschäftsführer im LSB: „Sport in der freien Natur macht Spaß, ist erholsam und erlebnisreich. Das ist nur möglich, wenn wir die Natur auch erhalten und für Tiere und Pflanzen weiterhin ungestörte Lebensräume zulassen. Aus diesem Grund unterstützen Thüringer Sportler und der Landessportbund Thüringen dieses Projekt zur Rettung der Wildkatze“.

Ron Hoffmann, Vorsitzender des BUND Thüringen, freut sich über das bereits jetzt große Interesse an Lauf und Fest: „Der Wildkatzen-Korridor zwischen Hainich und Thüringer Wald ist der erste Abschnitt eines Netzes von gleichartigen Verbindungen. In den nächsten Jahren werden wir die Thüringer Wälder mit Waldgebieten in Bayern, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz verbinden. Diesen Sonntag feiern wir in Thüringen den Start eines der größten Naturschutzprojekte Europas.“ Der BUND wird bei diesem „Rettungsnetz für die Wildkatze“ genannten Projekt von vielen Mitstreitern in Politik und Gesellschaft unterstützt. „Um der Wildkatze und anderen Tieren das Überleben zu sichern, sind wir auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Es ist daher großartig mit anzusehen, wie viele Partner aus ganz Thüringen mitmachen und sich auch bei dem Fest präsentieren werden“, so Ron Hoffmann.

Die Organisation des Laufes wird unterstützt von den Veranstaltern des Rennsteiglaufes, dem Laufladen Erfurt und dem Kreissportbund Eisenach. Das Fest wird unterstützt u.a. von der Gemeinde Ruhla, dem Naturpark Thüringer Wald e.V., dem Ökomarktanbieter Öko Herz und der Eisenacher Brauerei.

12. September 2006

Kritik an den Plänen für eine Müllverbrennungsanlage in Heringen

Erfurt. Am 12. September beginnt im hessischen Heringen um 9.30 Uhr das dreitägige Erörterungsverfahren zum Bauantrag einer Müllverbrennungsanlage auf dem Werksgelände der Firma Kali+Salz. Der BUND Thüringen befürchtet einen erheblichen Anstieg der Schadstoffbelastungen bei den angrenzenden Thüringer Gemeinden durch die künftige Anlage.

„Durch den häufigen Südwestwind würde der Großteil der Luftschadstoffe die angrenzenden Thüringer Gemeinden erreichen.“ befürchtet Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.
„Der Untersuchungsrahmen der bisherigen Abwägungen deckt mit seinem Radius von 3,5 km um die potentielle Müllverbrennungsanlage das durch sie geschädigte Gelände nur unzureichend ab, weil die Verteilung durch den Wind vernachlässigt wird.“ erklärt Vogel weiter.
Veraltete Verordnungen verhindern hier eine sachgerechte Einschätzung der Folgewirkungen. Hinzu kommen noch die indirekten Belastungen wie durch die Zulieferungen von zusätzlichem Gewerbemüll oder die Wechselwirkungen mit den durch den Bergbau schon bestehenden Altlasten in der Region.

Die zusätzlichen Schadstoffbelastungen würden negative Auswirkungen auf die nahe im Nordwesten gelegenen, europaweit geschützten Flora und Fauna Habitate und auf die dortigen Vogelschutzgebiete haben, welche nahe der thüringischen Orte Dankmarshausen, Dippach und Berka liegen.
Die bisherige Firmenpolitik, die eigenen Anlagen nicht nach dem neuestem Stand der Technik zu errichten, sondern als "Billigmodelle", welche die Grenzwerte von Schadstoffen zwar nicht überschreiten, aber weitgehend ausschöpfen sollen, sind eine weiterer Grund zur Sorge.
„Zumal die Auswirkungen einer solchen Firmenpolitik ja schon an der Werra sichtbar geworden sind, wo durch die Salzlaugeneinspeisung des selben Unternehmens seit Jahren die Entwicklung einer naturnahen Süßwasserflora und –fauna verhindert wird.“ wie Stephan Gunkel, Projektkoordinator „Lebendige Werra“ zu berichten weiss.

8. September 2006

BUND Thüringen kritisiert Schönfärberei bei Präsentation des Umweltberichts 2006

Erfurt. Der neue Umweltbericht der Landesregierung nennt die großen Umweltprobleme in Thüringen nach Einschätzung des BUND Thüringen nicht deutlich genug beim Namen. Fortschreitende Verlust biologischer Vielfalt, anhaltende Feinstaubbelastung in den Städten oder flächenhafte Belastung der Gewässer sind nur einige der Probleme, welche nicht nur die Umwelt sondern auch Gesundheit und Lebensqualität der Menschen in Thüringen beeinträchtigen. Forderungen von Umweltminister Dr. Sklenar nach Aufweichung von EU-Umweltstandards weist der BUND Thüringen vor dem Hintergrund dieser ungelösten Fragen entschieden zurück.

„Solange Minister Sklenar nicht die rosarote Brille absetzt, werden Mensch und Natur vergebens auf wirksame Entlastung hoffen“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Am Beispiel des Gewässerschutzes werde deutlich, wie sich Thüringen eine „1 zu 1“-Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu Erreichung eines guten ökologischen Zustandes der Gewässer bis zum Jahr 2015 vorstellt. Aktuell verfehlen nach Angaben der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie 86% der Oberflächengewässer und 64% der Grundwasserkörper den von der Europäischen Union geforderten „guten ökologischen Zustand“. Auch im Jahr 2015 müssten die Thüringer damit leben, dass 57% der Oberflächengewässer und 42% des Grundwassers nicht den EU-Standard erreicht hätten.

Auch bei der Umsetzung des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 habe Thüringen längst nicht alle Hausaufgaben gemacht. Die Liste der gemeldeten Vogelschutzgebiete in Thüringen sei immer noch unvollständig. Die gemeldeten Gebiete würden durch Bergbauvorhaben, Holzeinschlag oder Straßenbauprojekte zunehmend beeinträchtigt.

Das Ziel, den Verlust biologischer Vielfalt bis 2010 zu stoppen, lasse sich weder mit drastischen Kürzungen im Naturschutzhaushalt noch mit der Herabsetzung von Naturschutzstandards bei der FFH-Umsetzung erreichen.

Beim Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Feinstaubemissionen setze Thüringen auf weiteren Forschungsbedarf und die Notwendigkeit europäischer Lösungen, statt die Belastungen im Land durch geeignete Maßnahmen so weit wie möglich zu reduzieren.

Hoffmann forderte: „In eine Bilanz zur Umweltpolitik gehört, dass man auch die Probleme offen anspricht und Lösungen hierfür anbietet. Von Umweltminister Dr. Sklenar erwarten wir, dass er sich für eine verbesserte Umsetzung bestehender Standards im Interesse der Umwelt einsetzt und nicht für deren Abschaffung im einseitigen Interesse der Wirtschaft.“

29. August 2006

Fest und Volkslauf am 17. September in Ruhla: Thüringen feiert die Wildkatze

Ruhla/Erfurt. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) lädt ein zu einem großen Fest mit Bühnenprogramm, Volkslauf und Markt am 17.9. in Ruhla. Gemeinsam mit vielen Partnern aus ganz Thüringen feiert der BUND an diesem Tag die Einweihung eines der größten Artenschutzprojekte Europas. Zu den Highlights des Festtages zählt der „1. LebensLauf“ zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Naturpark Thüringer Wald, sowie Auftritte der Band Keimzeit, der Schauspielerin Felicitas Woll und des Biathleten Frank Luck. Durch den Tag führt die MDR Moderatorin Victoria Herrmann. Der Eintritt ist frei.

Am 17. September feiert der BUND in Thal bei Ruhla die Einweihung des ersten Teils des „Rettungsnetz für die Wildkatze“. An diesem Tag wird ein erster „Wildkatzenkorridor“ der Öffentlichkeit vorgestellt: Diese 20 km lange Verbindung aus Büschen und Bäumen wird es schon bald der scheuen und vom Aussterben bedrohten Katzenart ermöglichen, vom Hainich aus den Thüringer Wald zu erobern.

Die sehr seltenen Wildkatzen kommen in Deutschland nur noch in wenigen großen Waldgebieten vor, so im Nationalpark Hainich. Entlang des jetzt entstehenden Grün-Korridors aus Büschen, Bäumen und speziellen Unterführungen sollen sie schon in wenigen Jahren vom Nationalpark Hainich aus in den Naturpark Thüringer Wald einwandern. Weitere Verbindungen sind geplant, um Waldgebiete in Thüringen, Bayern, Hessen und Niedersachsen mit dem Hainich zu vernetzen. Und auch über die Bundesgrenzen hinaus sind Korridore in Vorbereitung. Das in Thüringen beginnende „Rettungsnetz für die Wildkatze“ wird so das wohl größte Artenschutzprojekt Europas. Mit dem Volkslauf (Titel: „LebensLauf für die Wildkatze“) und einem anschließenden Fest mit viel Musik, Unterhaltung und Information wird dieser Anlass gefeiert. Eröffnet wird die Veranstaltung vom thüringischen Minister Gerold Wucherpfennig. Auf der Fest-Bühne werden die Gruppe Keimzeit, die Schauspielerin Felicitas Woll, der Biathlet Frank Luck und weitere Prominenz auftreten. Die bekannte Fernsehmoderatorin Victoria Herrmann vom MDR führt durch das Programm. Unterstützt wird sie dabei vom Sportmoderator Siegfried Weibrecht (Moderator des Rennsteiglaufs), der den LebensLauf kommentieren wird und dem BUND Experten Michael Spielmann.

Abgerundet werden der Volkslauf und das Bühneprogramm durch einen Markt mit Verpflegungs- und Verkaufsständen, dabei auch Anbieter von ökologischen Lebensmitteln und Produkten. Für Kinder gibt es einen eigenen Spielbereich mit dem Spielmobil des Landessportbundes Thüringen, einem Wasserspielpark sowie Angebote der Kita Thal (direkt am Festplatz) für die kleineren Gäste. Höhepunkt für die jüngeren Besucher ist sicherlich das Wildkatzen-Schminken mit der Schauspielerin Felicitas Woll (bekannt als Lolle aus der Serie „Berlin, Berlin“ und dem Film „Dresden“), Ehrenpatin des Rettungsnetzes. Zudem können sich die Besucher an Infoständen des BUND und seinen Partnern über das „Rettungsnetz für die Wildkatze“ und an weiteren Infoständen auch über die Region Naturpark Thüringer Wald informieren. Bei einem Quiz gibt es wertvolle Sachpreise zu gewinnen, u.a. einige Exemplare der neuen Live-CD von Keimzeit, die erst am 29.9. in den Handel kommt.

Der „1. LebensLauf für die Wildkatze“ verspricht ein ungewöhnliches Erlebnis. Denn die Läufer weihen die Verbindung zwischen dem Nationalpark Hainich und dem 20 Kilometer entfernten Thüringer Wald ein – eine Verbindung, die nicht für Menschen geschaffen wird, sondern für Wildkatzen!

Der Volkslauf ist offen für Läufer, Nordic Walker und Wanderer. Anmeldungen sind für 12 Euro noch bis ca. eine Stunde vor Start möglich, jedoch nur solange noch freie Plätze vorhanden sind. Sicherer ist eine Voranmeldung beim BUND Thüringen. Die Teilnehmer erwartet eine abwechslungsreiche Strecke von wahlweise 12 oder 20 km Länge. Sie führt größtenteils entlang wilder Bachläufe und alter Wälder sowie auf schönen Feld- und Waldwegen mit leichten Steigungen. Teile der Strecke führen aber auch über offene Ackerlandschaften und durch Unterführungen von Straßen und Bahntrassen. Für die Läufer sind diese Hindernisse an diesem Tag dank Absperrungen kein Problem. Für die scheue Wildkatze erweisen sie sich meist als unüberwindbar – noch!

Der Projektname „Rettungsnetz für die Wildkatze“ hat neben der Vernetzung von Lebensräumen noch eine zweite Bedeutung: Ohne die Zusammenarbeit des BUND mit vielen Partnern wäre dieses ehrgeizige Artenschutzprojekt nicht möglich. Im Laufe der Vorbereitungen ist ein Netzwerk aus Unterstützern in Politik, Gesellschaft und Bevölkerung entstanden. Gefördert wird das Rettungsnetz von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Die Landesregierungen von Thüringen (Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt) Hessen und Bayern unterstützen den BUND bei diesem Projekt ebenso wie verschiedene Ämter und Institutionen. Durch die von Anfang an offene Planung konnten auch Straßenbauunternehmen (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH DEGES), Jagdverbände und viele Landwirte für eine Mitarbeit gewonnen werden. So wurde bei der Planung der neuen Trasse der A4 eine Brücke eingeplant, die den Wildkatzen eine Unterquerung der Autobahn ermöglicht. Zudem übernimmt die DEGES die Pflanzungen eines Korridorabschnittes. Die Jäger ergreifen wichtige Maßnahmen, damit Wildkatzen nicht mehr geschossen werden; viele Bauern stellen Land für den Korridorbau zur Verfügung.

Für die Vorbereitungen der Einweihungsfeier ist die Liste der Partner noch länger geworden: die Stadt Ruhla stellt den Festplatz und viel Infrastruktur bereit und hilft bei der Markt- und Festorganisation, der Landessportbund Thüringen gemeinsam mit dem Thüringer Skiverband und der Laufladen Erfurt leisten entscheidende Hilfe bei der Organisation der Laufveranstaltung sowie der Bewerbung, und der Verband Naturpark Thüringer Wald e.V. und die Verwaltung Nationalpark Hainich helfen bei der Bewerbung des Festes und – weiterhin – bei den Korridorplanungen. Der „LebensLauf für die Wildkatze“ ist zudem eine Hauptveranstaltung zum „Jahr der Naturparke“ im Naturpark Thüringer Wald.

Damit das „Rettungsnetz für die Wildkatze“ erfolgreich sein kann, ist auch die Unterstützung durch die Bevölkerung wichtig. Der BUND ist auf Spenden und Beiträge zur Finanzierung des Projektes angewiesen. Wer den bedrohten Katzen helfen will, kann schon ab 2,50 Euro im Monat Wildkatzen-Pate und somit Teil des Rettungsnetzes werden. Paten erhalten eine schöne Urkunde und werden regelmäßig über Fortschritte im Projekt informiert.


Wichtige Infos:

  • Ort: Sportplatz Thal bei Ruhla/Eisenach
  • Tagesablauf entsprechend beiliegendem Programm (Änderungen vorbehalten)
  • Eintritt zum Fest frei
  • Anmeldung für den Lauf (20 oder 12km): 12€ inkl. Shuttleservice. Anmeldung unter unten angegebener Adresse oder bis spätestens 1 Stunde vor dem jeweiligen Start vor Ort.
  • In der Nähe des Sportplatzes stehen nur im begrenzten Umfang Parkplätze zur Verfügung.
  • Die KVG setzt an diesem Tag zu den normalen Fahrtzeiten zwischen Eisenach und Thal Großbusse ein. (Bitte Zeiten aus neuem Fahrplan angeben)


Anmeldung zum Lebenslauf sowie weitere Infos zum Rettungsnetz für die Wildkatze, zum LebensLauf und über Patenschaften unter www.wildkatze.info oder beim
BUND Landesverband Thüringen e.V. - Trommsdorffstr. 5 - 99084 Erfurt
Tel.: 0361-55503-10 Fax: -19 - bund.thueringen@bund.net

Wildkatzenbilder und das Logo des Projekts stehen unter www.wildkatze.info kostenfrei zum Download bereit.

19. Juli 2006

Running Wild – Der Lebenslauf für die Wildkatze am 17. September 2006

Am 17. September findet in Thüringen ein Sportereignis der besonderen Art statt.
„Running Wild – Der Lebenslauf für die Wildkatze“ will Zeichen setzen für unzerschnittene Landschaftsräume in Deutschland und Verbündete für die Wildkatze gewinnen.

Die Königin der Wälder ist vom Aussterben bedroht. Ihre letzten Rückzugsräume liegen wie Inseln im Meer verstreut. Deshalb hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein Projekt gestartet, um Wildkatzenwälder durch „Grüne Korridore“ wieder miteinander zu vernetzen. Die Vorbereitung für den ersten Korridor von stolzen 20 km Länge zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Thüringer Wald sind fast abgeschlossen. In Zukunft können Wildkatzen aus dem Nationalpark Hainich ihre ursprünglichen Lebensräume im Thüringer Wald wieder zurück erobern. Das „Rettungsnetz für die Wildkatze entsteht!“

Entlang dieses Korridors führt der Lebenslauf vorbei an wilden Bachläufen und alten Wäldern, auf Feld- und Waldwegen, aber auch über Ackerlandschaften, Straßen und Bahntrassen. Für die Teilnehmer von Running Wild sind diese kein Hindernis - für die Wildkatze jedoch unüberwindbar.

Die Wildkatze findet neue Wege – laufen Sie mit! Im Zielbereich wird es im Anschluss ein großes Fest mit viel Live-Musik und Unterhaltung geben. Mit dabei sind unter anderem die Band „Keimzeit“ und die Schauspielerin Felicitas Woll.

Der BUND Thüringen und der Landessportbund laden alle Läufer und Gäste herzlich ein: Anmeldungen online unter www.wildkatze.info 
Weitere Infos: Alexandra Schubert, BUND Thüringen, Landesgeschäftsstelle Thüringen, Trommsdorffstrasse 5, 99084 Erfurt, Tel.: 0361/ 555 03 18, lebenslauf@bund.net.

17. Juli 2006

Rhöntrasse: Naturschutzverbände ziehen an einem Strang

Erfurt/Meiningen. NABU und BUND haben sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise gegen die so genannte „Rhöntrasse“ von Fulda nach Meiningen verständigt. Bei einem Treffen von Landes- und Kreisvertretern der beiden Verbände im thüringischen Meiningen wurde schnell Einigkeit bezüglich der Bewertung des Vorhabens und der gemeinsamen Strategie hergestellt.
„Wir werden unsere Kräfte bündeln und das völlig überzogene Straßenbauprojekt verhindern,“ erklärte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Dr. Burkhard Vogel. Er zeigte sich angesichts der ersten Kostenzahlen für den Bau der Trasse entsetzt. „Mit Taschenspielertricks wurde das Vorhaben offenbar in den Bundesverkehrswegeplan gehievt“.

Für den Bau der B87n seien im Bundesverkehrswegeplan 147 Millionen eingestellt und durch die Parlamentarier bestätigt worden. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen Fulda habe aber bereits im Jahr mit ca. 250 Millionen Baukosten gerechnet. Im vorliegenden Raumordnungsverfahren Walldorf für den ersten Bauabschnitt in Thüringen werde eine glatte Verdopplung der ursprünglichen Kostenschätzung von 16 auf 32 Millionen Euro erwartet.
Vogel ist sicher: „Hätte man die tatsächlich zu erwartenden Kosten für das Vorhaben angesetzt, wäre die Trasse wegen zu hoher Kosten und zu niedriger Verkehrseffekte niemals in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden.“

Für Thomas Pohler, Landesgeschäftsführer des NABU Thüringen ist der angestrebte Ausbau als Bundesstrasse besonders gravierend: „Damit wird überregionaler Transitverkehr in die Rhön gezogen. Die Landschaftszerstörung ist aufgrund der Ausbaustandards gigantisch.“
Der Bedarf einer mautfreien Querverbindung zwischen A7 und A71 mitten durch die Rhön werde in frage gestellt. Planer rechneten mit 40.000 Fahrzeugen pro Tag, überwiegend Schwerverkehr, der auf der neuen Trasse die Rhön queren solle. Eine solche Blechlawine sei von den empfindlichen Ökosystemen in der Rhön nicht zu verkraften.

Scharf kritisierten BUND und NABU die Salamitaktik der Landesregierung. Durch die Aufteilung in einzelne Teilvorhaben sollten die Auswirkungen der Bundesstrasse verharmlost werden. Nach übereinstimmender Einschätzung von BUND und NABU ist diese Vorgehensweise nicht mit europäischem Umweltrecht vereinbar.

13. Juli 2006

Helfer gesucht für Volkslauf im Zeichen der Wildkatze!

Zur Organisation und Durchführung des Lebenslaufs am 17.September 2006 sucht der BUND und die Stadt Ruhla freiwillige Helfer.

Am 17. September findet in Thüringen ein Sportereignis der besonderen Art statt: Mit „Running Wild – Der Lebenslauf für die Wildkatze“ wollen wir ein Zeichen setzen für unzerschnittene Landschaftsräume in Deutschland und Verbündete für die Wildkatze gewinnen. Der ca. 20 km lange Geländelauf, der vom Landessportbund und dem BUND Thüringen in Zusammenarbeit mit dem Laufladen Erfurt, der Stadt Ruhla, dem Naturpark Thüringer Wald und dem Thüringer Skiverband veranstaltet wird, führt von der Südspitze des Nationalpark Hainich bis nach Thal im Thüringer Wald. Am Ziel erwartet die Teilnehmer ein buntes Fest mit verschiedenen Lifebands, u.a. Keimzeit, Kinderattraktionen, Ständen mit Produkten aus der Region, ein Ökomarkt und eine Tombola für alle Läufer.

Die Freiwilligen werden als Streckenposten, als Helfer auf dem Ökomarkt, zum Check-in der Läufer und verschiedene andere kurze Tätigkeiten eingesetzt. Für die Einweisung und Verpflegung der Helfer ist gesorgt. Außerdem organisieren wir die An- und Abfahrt an den jeweiligen Einsatzorten.

Wir würden uns freuen wenn auch Sie aktiv für den Sport und den Naturschutz werden!
Wenn Sie bei der Organisation helfen möchten können Sie Kontakt aufnehmen unter Lebenslauf@bund.net oder direkt an die BUND Thüringen Landesgeschäftsstelle:
Trommsdorffstraße 5, 99084 Erfurt, Tel.: 0361/ 555 03 10, Fax: 0361-555 03 19.

29. Juni 2006

Thüringen verschleudert Nationales Naturerbe - BUND kritisiert Verkauf der Hohen Schrecke

Erfurt. Der BUND bedauert den Verkauf des Waldgebietes Hohe Schrecke durch die LEG. Damit werde eines der wertvollsten Buchenwaldgebiete in ganz Europa privaten Wirtschaftsinteressen preisgegeben.
„Das Land ist in einen billigen Deal eingestiegen, der unsere Kinder und Enkel noch teuer zu stehen kommen wird“, kommentierte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen den Verkauf des Waldgebietes. „Eines der wertvollsten Gebiete des Nationalen Naturerbes wurde weit unter Wert abgestoßen, nur um mit dem Erlös kurzfristig Haushaltslöcher zu stopfen.“

Hoffmann bedauerte, dass Ministerpräsident Althaus auf Gesprächsangebote des BUND zur Zukunft des Waldgebietes nicht eingegangen ist. Auch Kaufangebote des Bündnis „Hohe Schrecke“, dem neben dem BUND auch die Anrainerkommunen, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die Gregor-Louisodor-Stiftung in München und die Naturstiftung David angehören, habe der Ministerpräsident ignoriert. Nach Angaben von Hoffmann sollten Fördermittel in siebenstelliger Größenordnung in das Waldgebiet und die naturnahe Entwicklung der gesamten Region fließen.

„Offensichtlich sind dem Ministerpräsidenten kurzfristig erzielbare Einnahmen wichtiger als die langfristige Sicherung der Biologischen Vielfalt in Verbindung mit nachhaltigen Zukunftsperspektiven für eine ganze Region“, erklärte Hoffmann.

Scharf kritisierte Hoffmann auch die LEG. Diese habe sich offensichtlich von reinem Profitinteresse leiten lassen. Den möglichen Kauferlös vor Augen, sei man wohl blind gewesen für die Chancen, welche eine naturschutzgerechte Entwicklung für die Region und ganz Thüringen gebracht hätte.
Hoffmann kündigte seine Bereitschaft an, mit dem neuen Eigentümer des Waldgebietes über die Zukunft der Hohen Schrecke zu reden: „Natürlich sind wir im Gegensatz zu Anderen gesprächsbereit. Leider hat sich bisher aber immer wieder gezeigt, dass privatwirtschaftliche Holznutzung mit naturschutzgerechten Entwicklungszielen schwer vereinbar ist.“

29. Juni 2006

In der Werra baden? Warum nicht? Werra – Wasser – Badespaß am Sonntag, dem 2. Juli im Meininger Schlosspark

Meiningen. Unter dem Motto „Werra – Wasser – Badespaß“ startet der BUND am kommenden Sonntag, dem 02. Juli ab 13 Uhr einen Kinder-Aktionstag im Meininger Schlosspark. Dabei gibt es neben zahlreichen Attraktionen wie Entenrennen, Riesenseifenblasen, Wasserspielen und Wasseruntersuchungen auch die Gelegenheit, selbst ein Bad im Fluss zu nehmen.

Nachdem sich die Wasserqualität der Werra in den letzten Jahren verbessert habe, sei es im Prinzip gefahrlos möglich, im Fluss zu baden. Allerdings gibt es Ausnahmen: bei Hochwasser und Niedrigwasser sowie ohne Aufsicht sei von einem Flussbad abzuraten.

Trotz Verbesserungen bleibe jedoch noch viel zu tun. So bahnt sich derzeit sogar eine Verschlechterung an, die das europäische Wasserrecht eigentlich verbietet: die Kaliindustrie treibt Planungen für eine zusätzliche Salzeinleitung durch ein über 60 Kilometer langes Rohr vom hessischen Fulda an die Werra voran.

„Oben hui unten pfui, das trifft leider auch für die Werra zu“, so Burkhard Vogel, Geschäftsführer des BUND, „während die Werra im Oberlauf schon gute Wasserqualität aufweist, wird der untere Flusslauf durch Kalisalzeinleitungen stark verschmutzt. Die Salzeinleitungen müssen auf ein ökologisch verträgliches Maß reduziert werden.“

Wer mit Bodenschätzen Profit mache, dürfe dies nicht auf Kosten der Umwelt tun.
Jedoch der Druck zu handeln scheint gering: so wurde nach Angaben des BUND in den letzten Jahren trotz mehrfacher Überschreitung des Grenzwertes durch die zuständigen Behörden keine Strafe ausgesprochen.

„Der zu hohe Grenzwert und fehlende Bußgelder sind geradezu eine Einladung für die Kaliindustrie, ihre Abwässer weiter in den Fluss zu kippen“ ärgert sich Stephan Gunkel, Koordinator des Projekts „Lebendige Werra“ beim BUND. Der BUND ruft deshalb mit einer Unterschriftensammlung dazu auf, die neu geplante Rohrleitung zu stoppen und die Salzeinleitungen zu reduzieren.

Am kommenden Wochenende können Sie also das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und sich für eine „Lebendige Werra“ engagieren! Wir laden Sie zum Werrabaden ein!

6. Juni 2006

Trinkwasser in Gefahr: BUND fordert besseren Grundwasserschutz

Erfurt. Am 28. April wird im Europaparlament eine neue Grundwasserrichtlinie beraten. Obwohl das Ziel des Grundwasserschutzes Konsens ist, gibt es eine Reihe von Anträgen, die den Schutz unserer Wasserressourcen unterlaufen würden.
Daher fordert der BUND die Europaabgeordneten des Freistaats Thüringen auf, sich für einen effizienten Grundwasserschutz stark zu machen. Dazu wurden am Dienstag in Weimar an die Mitarbeiter der EU-Abgeordneten Gabi Zimmer (PDS) und Dr. Dieter Lebrecht Koch (CDU) symbolisch je eine Flasche reines Wasser übergeben.

Etwa 2/3 unseres Grundwassers in Thüringen ist so stark belastet, dass es nicht direkt als Trinkwasser zu verwenden ist.
Der größte Teil davon ist durch diffuse Belastungen (vorwiegend Nitrat, aber auch Phoshor) aus der Landwirtschaft gefährdet. Augenfällig bei Betrachtung der Kartendarstellung ist die flächenmäßige Übereinstimmung der landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiete mit den bedrohten Grundwasserkörpern. Dabei wird der Grenzwert für Nitrat von 50 mg/Liter in einigen Regionen deutlich überschritten. Neben diesen Nährstoffbelastungen wird das Grundwasser auch durch Pestizide und Salz sowie punktuelle Belastungen z.B. durch Schwermetalle gefährdet.

Der angesetzte Grenzwert von 50 mg/l Nitrat gilt aus ökologischer Sicht als zu hoch.  Denn durch die hohe Nitratbelastung ist nicht nur das Ökosystem Grundwasser selbst betroffen. Nitrat kann aus dem Trinkwasser nur schwer eliminiert werden. Besonders Kleinkinder sind durch hohe Nitratmengen gefährdet, da es durch Bildung von Nitrit zu Vergiftungen führen kann. Aus diesem Grund liegt der Richtwert für Babynahrung bei 10 mg/l.
Starker Nährstoffeintrag in die Oberflächengewässer führt zu verstärkter Algenbildung, zur Sauerstoffzehrung im Gewässer, bei extremen Belastungen oder niedrigen Wasserständen können Fischsterben und Faulschlammbildung die Folge sein.
Die gesamte Stofffracht gelangt über die Flüsse in die Nordsee. Im letzten Gutachten des „Rates von Sachverständigen für Umweltfragen“ (SRU) werden daher Nitratwerte unterhalb von 8 Milligramm pro Liter in den der Nordsee zufließenden Flüssen gefordert, um die vorhandene Eutrophierung in der Nordsee zu verringern.

Eine nachhaltig produzierende Landwirtschaft muss ökologisch ausgerichtet sein, um Schäden für Ökosystem und Menschen abzuwenden.
Neben der eigentlichen Bekämpfung der Ursachen wie unsachgemäßer Bewirtschaftung und Düngung in Flußauen kann auch die Anlage von Gewässerrandstreifen eine Pufferwirkung zum Gewässer hin haben. Diese Gewässerrandstreifen können bei einer Breite von 10-20m bis zu 20% des Stickstoffs und 50% des Phosphors zurückhalten. Obwohl das Thüringer Wassergesetz hier nur 10m Randstreifen bei Gewässern 1. Ordnung vorschreibt, wird selbst das oftmals nicht eingehalten.

Der BUND fordert:

  1. Berücksichtigung des Ökosystems im Grundwasser (hat eine entscheidende Funktion für die Reinigung des Grundwassers und damit für die gute Qualität unseres Trinkwassers).
  2. Unterstützung eines stärkeren Vorsorgeansatzes (Nachweispflicht, dass gegen alle problematischen Stoffe im Flusseinzugsgebiet effektive Massnahmen zur Verhinderung/ Begrenzung ihres Eintrages getroffen werden).
  3. Streichung der Landwirtschaftsklausel (Antrag 44 im Bericht des EP-Umweltausschusses), damit  besonders die Einträge aus der Landwirtschaft effektiv angegangen werden können. Andernfalls wäre die unverbindliche "gute landwirtschaftliche Praxis" bzw. der Eintrag des Dungs vom eigenen Hof von jeder Minderungsmaßnahme befreit.
1. Juni 2006

BUND präsentiert Jahresbericht 2005: Große Erfolge für Grünes Band und Wildkatze – Neue Bedrohung für Biosphärenreservat Rhön

Erfurt. Der BUND Thüringen hat heute in Erfurt seinen aktuellen Jahresbericht für das Jahr 2005 präsentiert. Trotz großer umweltpolitischer Erfolge zeichnet der Verband ein kritisches Bild der aktuellen Umweltpolitik in Thüringen. „Mit ihrer Entscheidung, 120.000 ha als Nationales Naturerbe der Natur buchstäblich zu schenken, hat die Große Koalition einen Meilenstein für den Naturschutz in Deutschland gesetzt“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

„Dagegen nimmt sich die Haltung der Thüringer Landesregierung wie Kleinkrämerei aus. Immer noch beharrt sie auf dem Verkauf von 3.700 ha landeseigener Waldfläche in der Hohen Schrecke. Dabei steht die Hohe Schrecke in der Rangliste des Nationalen Naturerbes auf Platz 1.“

Positiv bewertete Hoffmann das Engagement des Freistaates für die Sicherung des Grünen Bandes. Das Engagement dürfe aber nicht mit der Übertragung der bundeseigenen Flächen an das Land enden. Vielmehr müsse Umweltminister Sklenar die Voraussetzungen schaffen, dass der Vorrang des Naturschutzes in Europas längstem Biotopverbund dauerhaft gewährleistet bleibe. Dazu sei auch ein Machtwort des Ministers bei der Verwirklichung der geplanten Naturschutzgroßprojekte im Eichsfeld und in Südthüringen nötig.

Als außerordentlich erfolgreich bezeichnete Hoffmann das Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“. „Unser Ansatz, ein Netzwerk nicht nur für die Katze sondern auch zwischen Mensch und Natur zu knüpfen, zahlt sich aus. Das macht nicht nur die großartige Beteiligung am Malwettbewerb mit über 1.500 Einsendungen deutlich. Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Flurneuordnungsamt Meiningen und den Thüringer Naturschutzbehörden wird in einem deutschlandweit einzigartigen Brückenschlag eine Verbindung zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Naturpark Thüringer Wald geschaffen. In Zukunft können die Katzen gefahrlos zwischen diesen beiden Großschutzgebieten wandern.“

Die Gefahr einer großräumigen Zerschneidung drohe dagegen dem Biosphärenreservat Rhön. Bei Verwirklichung der geplanten Transitstrecke von Fulda nach Meiningen würde sich in Zukunft eine Lärm- und Gestankschneise quer durch das Kerngebiet der Rhön ziehen und diese in zwei Teile zerschneiden. Etwa 40 Tausend Fahrzeuge täglich würden die Tourismusregion Rhön dann passieren.

Hoffmann forderte die Landesregierung auf, die großen Potenziale des Umweltschutzes in Thüringen für die Schaffung von Arbeitsplätzen zu erkennen. Die wirtschaftliche Zukunft Thüringens könne nicht am Umwelt- und Naturschutz vorbeigehen.

10. Mai 2006

K+S verpestet weiter die Werra - Radtour gegen Werra-Versalzung geplant

Erfurt. Mit steigenden Gewinnen der K+S Aktiengesellschaft steigt auch die Salzbelastung der Werra durch das Unternehmen. Die Werra ist auf einer Länge von 150 Kilometern versalzen. Mit einer zusätzlichen Pipeline aus Hessen plant die K+S AG weitere Salzabwässer in die Werra zu leiten. Der BUND protestiert gemeinsam mit anderen Organisationen gegen die geplante zusätzliche Salzbelastung mit einer Radtour am Sonnabend, dem 13. Mai.

„Während K+S steigende Gewinne vermeldet, wurden die Umweltausgaben des Unternehmens in den letzten Jahren zurückgefahren“, erklärt Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Die Entsorgungspolitik von K+S geht zunehmend zu Lasten der Allgemeinheit.“
Die Salzabwässer würden nicht nur in Flüsse eingeleitet sondern auch im Untergrund verpresst. Inzwischen seien nicht nur weiträumig Grundwasserkörper versalzen. Neue Salzquellen würden zu Tage treten, die offenbar durch die Salzverpressung in den Untergrund hervorgerufen worden seien.
Nach Angaben von Stephan Gunkel, Koordinator des Projektes „Lebendige Werra“, werde eine zusätzliche Salzeinleitung nicht nur den Flusslauf, sondern die ganze Aue der Werra massiv belasten, da die zusätzlichen Salzfrachten offenbar bei Hochwasser in die Werra gekippt werden sollten. Dabei berufe sich das Unternehmen auf wasserrechtliche Genehmigungen. Diese berücksichtigten aber nicht den Schutz der Auen: „Wir wollen die Werra zu einem Lebendigen Fluss entwickeln. Die Werraaue darf nicht gepökelt werden!“

Für den kommenden Sonnabend, 13. 05. 06 wird zu einer Radtour gegen die Werra-Versalzung aufgerufen. Start ist um 10:00 Uhr in Eisenach geplant, die etwa 65 km lange Tour führt dann weiter nach Hörschel an die Werra und folgt von dort dem Werralauf flussaufwärts bis nach Bad Salzungen.

6. Mai 2006

BUND Thüringen: Landesversammlung bestätigt Ron Hoffmann im Amt des Vorsitzenden - Widerstand gegen die Rhöntrasse soll verstärkt werden

Erfurt. Die Landesversammlung des BUND Thüringen hat heute Ron Hoffmann als Landesvorsitzenden in seinem Amt bestätigt. Das Votum der Mitgliederversammlung war einstimmig. Mit der Zustimmung zum Haushalt stellte die Versammlung die Weichen für die Fortsetzung der erfolgreichen Schwerpunktprojekte „Grünes Band“, „Rettungsnetz Wildkatze“ und „Lebendige Werra“ des BUND Thüringen. Verstärkt wird sich der BUND Thüringen ab sofort im Widerstand gegen die Rhöntrasse Fulda-Meiningen engagieren.
„Die Rhön darf nicht unter die Räder des Schwerlastverkehrs kommen“, warnte der alte und neue Landesvorsitzende Ron Hoffmann. „Deshalb lehnen wir die geplante Transitstrecke von Fulda nach Meiningen ab.“

Neben Ron Hoffmann wurden auch die übrigen Mitglieder des Landesvorstandes Evelyn Höhn und Frank Henkel als Stellvertreter, Kerstin Schnelle als Schatzmeisterin und Dr. Frank Augsten als Beisitzer in ihren Ämtern bestätigt. Als neuer Beisitzer wurde Falko Stolp in den Landesvorstand gewählt.

In der Podiumsdiskussion zum Thema „Streitfall Gentechnik“ machte Dr. Frank Augsten deutlich, dass sich der BUND Thüringen auch in Zukunft für eine Gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen einsetzen werde. Solange ein Restrisiko nicht aus zu schließen sei, habe Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln nichts zu suchen.

Einstimmig verabschiedeten die Mitglieder der Landesversammlung einen Leitantrag zur Föderalismusreform. Darin wird die Reform in ihrer aktuellen Fassung abgelehnt.
Statt eines bundeseinheitlichen Umweltgesetzbuches, welches das bislang stark gesplitterte Umweltrecht bündele und europarechtlichen Anforderungen genüge, werde ein unklarer Kompetenzwirrwarr geschaffen. Werde die Reform umgesetzt, drohe in den Bundesländern ein Konkurrenzkampf um die niedrigsten Umweltstandards.

Die Landesversammlung des BUND Thüringen forderte die Thüringer Abgeordneten der im Bundestag vertretenen Fraktionen daher auf, im anstehenden Gesetzgebungsverfahren die letzte Chance für eine effiziente Umwelt- und Naturschutzgesetzgebung in Deutschland zu nutzen und gemeinsam mit ihren Fraktionskollegen der geplanten Grundgesetzänderung in ihrer jetzigen Fassung eine Absage zu erteilen.

25. April 2006

20 Jahre nach Tschernobyl: BUND Thüringen fordert Zukunft ohne Atomkraft

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert anlässlich des 20. Jahrestages der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl eine Zukunft ohne Atomkraft. Für den Verband sind die Risiken der Atomkraft auch 20 Jahre nach dem Super-GAU nicht beherrschbar.
„Tschernobyl ist nicht nur vor 20 Jahren Jahren passiert. Die Katastrophe dauert bis heute an und wird auch in Zukunft andauern“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Auch heute, 20 Jahre nach der Reaktorexplosion werden Kinder mit schweren Missbildungen in der Region um Tschernobyl geboren. Immer noch leben Menschen auf verseuchtem Boden, atmen vergiftete Luft und nehmen radioaktiv belastete Nahrung zu sich.“

Auch in einigen Regionen Deutschland seien die Folgen des radioaktiven Fall Outs noch vor allem bei Pilzen und Wild deutlich nachweisbar. „Die Atomenergie birgt nicht einfach nur ein Restrisiko, sie birgt ein Risiko, das uns den Rest gibt“, sagte Hoffmann. Die Folgen eines Atomunfalls sprengten sämtliche Maßstäbe menschlicher Vorstellungskraft.

Die Forderung der Atomwirtschaft nach einer Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke in Deutschland erhöhe dieses Risiko. Auch ohne schweren Reaktorunfall steige mit jedem Tag Laufzeitverlängerung die Menge strahlenden Atommülls, für den es bis heute keine sichere Entsorgung gebe.
„Kein Entscheidungsträger aus Politik oder Wirtschaft kann eine sichere Endlagerung des strahlenden für mindestens eine Million Jahre garantieren“, sagte Hoffmann. „Deshalb fordern wir den Sofortausstieg aus der Atomenergie“.

Der Freistaat Thüringen müsse als Innovationszentrum für Erneuerbare Energien auch aus wirtschaftspolitischer Sicht ein besonderes Interesse am Ausstieg aus der Atomwirtschaft haben. Hoffmann forderte Ministerpräsident Althaus daher auf, sich gegen die Fortsetzung der Atompolitik zu positionieren.
„Es gibt nur einen Weg in eine zukunftsfähige und gerechte Energieversorgung, und der führt über die Erneuerbaren Energien.“.

23. April 2006

„Lebendige Werra“ verleiht Werra-Schutz Preis: Eltetalschule in Oberellen ist Preisträger 2006

Eisenach. Der Werra-Schutz-Preis, eine lebensgroße Werra-Nixe der Künstlerin Eva Skupin, wird als Wanderskulptur für besonderes ehrenamtliches Engagement zum Schutz und zur Entwicklung von lebendigen und naturnahen Gewässern im Werra Gebiet verliehen.

Zur Preisverleihung des Werra-Schutz-Preises als Auftakt des Wettbewerbs „Für eine lebendige Werraaue“ zum Werratal-Tag am 22. April 2006 um 10.30 Uhr auf dem Eisenacher Marktplatz waren Bürgermeister und zahlreiche Gäste aus der ganzen Werra-Region vertreten.
Der Wettbewerb wurde von der Initiative „Lebendige Werra“ gemeinsam mit dem Verein Werratal-Touristik, der Deutschen Umwelthilfe und dem Naturschutzzentrum Mittelmühle ins Leben gerufen.
„Wir wollen Initiativen, Ideen und ehrenamtliches Engagement für eine lebendige Werra-Aue mit dem Werra-Schutz-Preis fördern. Dabei geht es uns darum, Aktivitäten zur Entwicklung der Werra und ihrer Nebenflüsse, die über gesetzliche Vorgaben hinausgehen, zu würdigen.“ sagte Stephan Gunkel vom BUND Thüringen.

Beteiligen können sich Städte und Gemeinden, Schulen, Betriebe, sowie Vereine im gesamten Einzugsgebiet der Werra.
In diesem Jahr wurde der Werra-Schutz-Preis an die Eltetalschule für das besondere und langfristige Engagement zum Gewässerschutz an der Elte verliehen. Die Elte mündet bei Lauchröden in die Werra. Bei Ihren Aktivitäten zur Gewässeruntersuchung, Säuberung und zur Entwicklung der Elte arbeiteten Schüler und Lehrer der Eltetalschule mit verschiedenen Partnern, unter anderem dem örtlichen Anglerverein, zusammen.
Zusätzlich zur Wanderskulptur "Werra-Nixe" bekamen die Preisträger als Auszeichnung eine Paddeltour auf der Werra für die Mitstreiter des Projektes.
Damit soll das Engagement von Schülern und Lehrerinnen für ihren Beitrag zum Gewässerschutz öffentlich gewürdigt werden. Die Kontinuität, mit der das Kollegium Aspekte des Bildungsauftrages mit Umweltbildungsinhalten lebensnah vermittelt und darüber hinaus ein Netz von Partnern für die vielfältigen Aufgabenstellungen entwickelt hat, ist beispielhaft. Dieses Engagement stärkt und fördert die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Herr Helge Fibich nahm den Preis stellvertretend für die engagierten Schüler und Lehrer der Eltetalschule in Empfang und freute sich über die Würdigung. „Es ist für uns ein Ansporn, sich weiter für den Gewässerschutz einzusetzen. Wir freuen uns auch über die Gelegenheit, die Werra mit einer Paddeltour noch besser kennen zu lernen.“

Die diesjährige Preisverleihung in Eisenach war der Auftakt für den Start des Wettbewerbs über die Grenzen des Landkreises Schmalkalden-Meiningen im ganzen Werratal. Jedes Jahr soll nun die Weitergabe der Wanderskulptur „Werra-Nixe“ im Eröffnungsprogramm des Werrataltages stattfinden.

Unterstützt wurde die Initiative von der Deutschen Umwelthilfe, Kyocera, C&A sowie von dem lokalen Sponsor, der Meininger Privatbrauerei, die damit das Engagement für saubere, lebendige Gewässer befördern möchte.

29. März 2006

E-Card-Aktion „Kein Zurück zur Käfighaltung!“

Berlin/Erfurt. Der BUND und das Online-Netzwerk Campact starten eine gemeinsame E-Card-Aktion an die Ministerpräsidenten der Bundesländer, die am 7. April über eine Entschärfung der Legehennenverordnung entscheiden. Etliche Ministerpräsidenten wollen das von der rot-grünen Bundesregierung erlassene Verbot der Käfighaltung von Hühnern, das zum 1. Januar 2007 in Kraft treten soll, jetzt kippen. Die Organisationen rufen Bürger/innen auf, über die Webseite http://www.campact.de E-Cards an den Ministerpräsidenten ihres Bundesland zu schicken.

„Die Verbraucher erwarten ein Ende der Tierquälerei für unser Frühstücksei“, so Christoph Bautz von Campact. „Die Ministerpräsidenten müssen jetzt im Sinne der Verbraucher und nicht der Agrar-Industrie entscheiden und der Käfighaltung endlich den Riegel vorschieben.“

Die Ministerpräsidenten planen, das Verbot herkömmlicher Batteriekäfige um weitere zwei Jahre aufzuschieben. Ab dem Jahre 2009 sollen dann nur noch „ausgestaltete“ Käfige erlaubt sein. „Von neuen Wortkreationen verbessert sich nicht das Leben der Hühner“, so Landesgeschäftsführer Dr. Burkhard Vogel. „Mit dem ausgestalteten Käfig wird die Tierquälerei in den Hühnerfarmen fortgesetzt. Jedes Huhn erhält lediglich eine Handbreit mehr Platz.“

Kampagnenhomepage: http://www.campact.de/henne/home   
Hintergrundinformationen und Studien zur Tierhaltung: http://www.bund.net/

21. März 2006

Kali + Salz AG plant neue Salzeinleitung in die Werra - BUND fordert zum Weltwassertag 2006 Ende der Werra-Versalzung

Erfurt. Die Kali+Salz AG plant eine mehr als 60 Kilometer lange Rohrleitung, um zusätzlich mehr als 500.000 Kubikmeter Salzabwasser pro Jahr in die Werra einzuleiten. Die Rohrleitung soll von Neuhof bei Fulda bis zu den Kaliwerken bei Unterbreizbach an die Werra führen. Der BUND Thüringen kritisiert die zusätzliche Belastung der Werra mit Salzwasser.

Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen: „Mit 2.500 mg Salz pro Liter Werrawasser überschreitet der gesetzlich genehmigte Grenzwert für die Einleitung von Salzwasser in die Werra das ökologisch verträgliche Maß um das Zehnfache. Dieser Grenzwert stammt noch von 1947 und entspricht längst nicht mehr dem Stand moderner Umwelttechnik. Uns ist für ganz Europa kein höherer Grenzwert bekannt. Damit hat K+S eine unrühmliche Spitzenposition.“
 
Nach Angaben von Stephan Gunkel, Gewässerexperte beim BUND Thüringen, gibt es kaum eine Stelle an der unteren Werra, an der mehr als drei Fischarten nachgewiesen werden können. Normalerweise würden 20-30 Arten in diesem Flussabschnitt, der zur Barbenregion zählt, vorkommen. Selbst die Barbe als Leitfisch dieser Region kommt kaum noch vor. Das Salzwasser ist nicht nach ihrem Geschmack.
Auch vom Makrozoobenthos, den Kleintieren im Wasser, die maßgeblich für gute Wasserqualität verantwortlich sind, gebe es nur noch 3 von mehr als 30 Arten. Damit könne der salzbelastete Fluss seine Selbstreinigungskraft nicht mehr entfalten und zusätzliche Stoffeinträge nicht abbauen.

„Offenbar betrachtet Kali + Salz AG die thüringische Werra weiterhin als Abwasserkanal zur billigen Entsorgung ihrer Industrieabwässer“, kritisierte Gunkel.

Der BUND Thüringen fordert die zuständigen Behörden auf, die Grenzwerte für die Salzeinleitung in die Werra endlich auf ein ökologisch erträgliches Maß zu reduzieren. Anders sei die Kali + Salz AG offensichtlich nicht dazu zu bewegen, in für Mensch und Natur erträgliche Alternativen ihrer Abwasserentsorgung zu investieren.

20. März 2006

Planungen zur Rhöntrasse in Teilabschnitte zerstückelt - BUND fordert Gesamtbetrachtung statt „Salamitaktik“

Meiningen/Erfurt. Der BUND Thüringen wirft den Thüringer Behörden anlässlich der Eröffnung des Raumordnungsverfahrens für den ersten Teilabschnitt der „Rhöntrasse“ von Meiningen nach Fulda „Salamitaktik“ vor. Vor der Presse erläuterte heute der Rhön-Beauftragte des Verbandes, Thomas Wey, die Kritik an den Thüringer Behörden: „Allein für Thüringen sind entlang der Trasse insgesamt fünf unabhängige Raumordnungsverfahren vorgesehen“, erklärte Wey. „Hinzu kommen in Hessen die Hochrhönquerung und der Lückenschluss bis Fulda.“

Für jedes Verfahren werden nach Angaben von Wey nur die Auswirkungen des betrachteten Teilabschnittes auf Mensch und Natur untersucht. Die Gesamtbetrachtung einer Bundesstrasse quer durch das Biosphärenreservat Rhön werde ebenso vernachlässigt, wie auch die Prüfung echter Alternativen. „Mit der Salamitaktik sollen scheibchenweise Tatsachen geschaffen werden und Zwangspunkte für den weiteren Trassenverlauf gesetzt werden“, kritisierte Wey.

Keine nennenswerten Effekte für Ortsdurchfahrten in der Rhön
Ernüchternd sei die Bewertung der neuen Bundesstraße hinsichtlich ihrer Effekte für die Rhön selbst. Ein Ergebnis der vom Bundesverkehrsministerium erstellten Analyse laute: „Das Projekt wird für die Entlastung von Ortsdurchfahrten keine nennenswerten Effekte zeigen.“ Stattdessen komme auf die Einwohner der Dörfer gravierende Belastungen durch Dauerlärm und Schwerlastverkehr zu.
Thomas Wey verweist in diesem Zusammenhang auf den eigentlichen Hintergrund der Planungen. Bestehende Autobahnen, nämlich die A7 bei Fulda sowie die A71 bei Meiningen, sollen durch eine Trasse für den Fernverkehr miteinander verbunden werden.

Kostenexplosion
Der BUND Thüringen warnte auch vor einer unverantwortlichen Kostenexplosion für das Projekt.
„Während zur Abstimmung über den Bundesverkehrswegeplan noch Kosten in Höhe von 145 Millionen Euro veranschlagt wurden“, so Wey, „geht man intern bereits von 250 Millionen Euro Baukosten aus.“ Absichtlich sei das Straßenprojekt mit viel zu niedrigen Kosten kalkuliert, um es als „wirtschaftliches Projekt“ überhaupt auf den Weg zu bringen, so das Resümee des Verbandes.
Allein für die vorliegende Planung der Ortsumfahrung Walldorf/Melkers steigerten sich die Kosten von rund 16 Millionen Euro im Bundesplan auf rund 25 Millionen Euro im derzeitigen Planungsstadium.

Alternativen
Günstiger und landschaftsangepasster ließe sich der Bau von einzelnen Ortsumgehungen für besonders vom Verkehr betroffene Dörfer realisieren. Der Status der jeweiligen Strecken als Landesstraße müsse nach Ansicht des BUND Thüringen unbedingt erhalten bleiben, um nicht überregionalen Verkehr in die Rhön zu lenken.
Für den Fernverkehr schlägt der Umweltverband alternativ vor, die bestehende B279 von Fulda nach Bad Neustadt in die erweiterte Variantenprüfung mit einzubeziehen.

17. März 2006

BUND fordert vorsorgenden ökologischen Hochwasserschutz für Thüringen: “Entschleunigung“ der Gewässer statt schnelleren Abfluss!

Erfurt. Während andere Bundesländer Deichrückverlegungen und Auwaldentwicklung vorantreiben, wird darüber in Thüringen noch nicht einmal nachgedacht. Nach Informationen des BUND Thüringen sieht das Hochwasserschutzprogramm für den Freistaat auch 2006 keine einzige Deichrückverlegung und keine nennenswerten Areale für Auwald vor.

Dabei könnten die artenreichen Auwälder als FFH-Lebensräume einen wesentlichen Beitrag zum vorsorgenden Hochwasserschutz leisten, ist Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen überzeugt: „Der Schutz von Auen und die Entwicklung von Auwald fördert nicht nur den Lebensraum von Fischotter, Schwarzspecht und Schwarzpappel, sondern bietet auch eine gute und risikoarme Hochwasservorsorge für die Unterlieger am Fluss.“ Auch, dass von Abflusshindernissen nur negative Wirkungen für den Hochwasserschutz ausgehen, sei ein Irrtum, so Vogel weiter.

Im Gegenteil: der Wasserrückhalt in der Fläche sorgt für flachere Hochwasserwellen und höhere Vorwarnzeiten. Maßnahmen hierzu, wie Deichrückverlegung, Extensivierung und Förderung der Gewässerdynamik sind daher eine wichtige Vorsorge für alle Unterlieger. Anders als bei technischen Rückhaltebecken und Deichen besteht nämlich beim natürlichen Ausufern des Flusses kein zusätzliches Risiko eines Deich- oder Dammbruches für die Anlieger.

Gerade in Bereichen, wo die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie an einen guten Gewässerzustand noch nicht erfüllt werden – und das betrifft 2/3 der Thüringer Gewässer – könnte durch solche Maßnahmen die Gewässerstruktur verbessert werden. Das Land Thüringen setzt hier nach wie vor auf kostspielige technische Lösungen. Solche Lösungen erhöhen jedoch nur scheinbar die Sicherheit. Vor Allem erhöht sich das Schadenspotential, wenn z.B. ein Rückhaltebecken versagt, wie beim Hochwasser in Sachsen 2002 geschehen.

Nach Angaben der Oberen Wasserbehörde wurden seit 1990 derzeit erst 22 von insgesamt etwa 140 Überschwemmungsgebieten durch Rechtsverordnung nach §80 des Thüringer Wassergesetzes verbindlich ausgewiesen. „Wenn die Ausweisung in der Geschwindigkeit weitergeht,“ so Vogel, „sind wir in Thüringen erst in 80 Jahren fertig.“ Die derzeit im Entwurf vorliegende neue EU-Richtlinie zum Hochwasserschutz sieht aber vor, dass die Mitgliedsstaaten ihre Hochwasserrisikogebiete bis 2015 ausweisen und veröffentlichen.

Der BUND kritisiert aber auch die bisher oft fehlenden Konsequenzen einer Ausweisung als Überschwemmungsgebiet. So wird bei aktuellen Planungen zum Hochwasserschutz an der Helme bei Sundhausen derzeit ernsthaft in Erwägung gezogen, in einem neuen Hochwasserpolder intensive Landwirtschaft zu betreiben. Das Elbehochwasser 2002 hat auch hier das Gefahrenpotential aufgezeigt: wegen des starken Nährstoffeintrags durch die intensive Landbewirtschaftung kam es in der Havel zu einem massenhaften Fischsterben. Der BUND fordert die Landesregierung auf, Synergieeffekte zu nutzen und Maßnahmen zum ökologischen Hochwasserschutz mit den internationalen Verpflichtungen zum Schutz unserer Gewässer und Artenvielfalt zu verbinden.

2. März 2006

Fahrlässiger Umgang des Thüringer Sozialministeriums mit Gentech-Mais?

Erfurt. Für das Aktionsbündnis „Für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen“ ist die Verteilung von Gentech-Mais an Jäger zur Wildfütterung angesichts aktueller Meldungen über die Gefährlichkeit von Gentech-Mais ein Skandal. Das Thüringer Sozialministerium hatte die kostenlose Abgabe von genmanipuliertem Mais genehmigt, der im Vorjahr vom Bundessortenamt auf einem Versuchsfeld bei Dachwig im Kreis Gotha angebaut wurde.

Ein Blick in das Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigt: Thüringen gehört zu den wenigen Bundesländern ohne kommerziellen Anbau von gentechnisch verändertem Mais. Damit setzen die Thüringer Landwirte ein eindeutiges Zeichen in Richtung Verbraucher/innen, die mit einer deutlichen Mehrheit gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen. Ganz anders das für den Gentechnikanbau zuständige Sozialministerium, das die Verteilung von Gentech-Mais an Jäger zur Wildfütterung zulässt.

„Uns erschreckt die Sorglosigkeit beim Umgang mit dem Risiko-Mais“, erklärte Dr. Frank Augsten vom Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. „Immer wieder wurde uns versichert, dass die Gefahr der ungewollten Verbreitung des Gentech-Mais gleich Null sei. Der Mais würde den Winter nicht überstehen. Nun hilft der Mensch dem Gentech-Mais über den Winter und sorgt sogar über die Verfütterung an Wildtiere für eine unkontrollierte Verbreitung in alle Himmelsrichtungen.“
Diese Vorgehensweise wird vom Aktionsbündnis scharf kritisiert: zum einen könne der in freier Wildbahn ausgebrachte Gentech-Mais in der Nähe von Flächen mit konventionellem Mais auftauchen und diese Bestände kontaminieren. Da dies unwissentlich geschehe, könne entsprechendes Erntegut ungekennzeichnet in den Handel kommen.

Zum anderen stehe gerade gentechnisch veränderter Mais im Verdacht, gesundheitsschädigend zu wirken. Mehrere internationale Studien belegten inzwischen, dass selbst in der Europäischen Union zugelassene Sorten, wie z.B. der Gentech-Mais MON 863, in Tierversuchen zu Erkrankungen der inneren Organe geführt haben.

Das Aktionsbündnis „Für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen“ hat sich mit einem umfangreichen Fragenkatalog an das Sozialministerium gewandt, um den Umgang mit den Gentech-Versuchen in Thüringen für die Öffentlichkeit transparent zu machen. Die bisherigen Antworten lassen nach Auffassung von Dr. Augsten nur den einen Schluss zu: in Verkennung des Risikopotentials und der vielen ungeklärten Fragen lasse das Ministerium die eigentlich notwenige Sorgfalt vermissen.

23. Februar 2006

Förderpreis für Naturschutzleistungen landwirtschaftlicher Betriebe ausgeschrieben - BUND Thüringen ruft Landwirte zur Teilnahme auf

Erfurt. Landwirte, die besondere Leistungen für den Naturschutz erbringen, können sich für den „Förderpreis Naturschutzhöfe“ bewerben, der jetzt erstmals im Rahmen  eines bundesweiten Wettbewerbs durch die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) verliehen wird. Die Ausschreibung steht allen landwirtschaftlichen Betrieben offen, die Naturschutz in die Praxis ihres Betriebes einbinden. Den 10-seitigen Bewerbungsbogen füllen die Landwirte nach eigener Einschätzung aus und können sich damit bis zum 31.März 2006 bei der SÖL bewerben. Der Förderpreis Naturschutzhöfe ist mit insgesamt 21.000 Euro dotiert.

„Bis heute erbringen  viele Landwirte unbemerkt von der Öffentlichkeit eine Vielzahl von Leistungen für die Natur“, so Landesgeschäftsführer Dr.Burkhard Vogel vom BUND Thüringen. „Wir setzen uns dafür ein, dass im Rahmen der Finanzplanung für den ländlichen Raum am Naturschutz nicht gespart wird, und weiterhin Programme aufgelegt werden, die Natur und Umweltschutz auch finanziell  für landwirtschaftliche Betriebe interessant machen.“ Den Wettbewerb sieht Dr. Burkhard Vogel als gute Möglichkeit, die Partnerschaft von Naturschutz und Landwirtschaft ein weiteres Stück voranzubringen. Gefördert wird der Wettbewerb durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN)mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Bund Naturschutz in Bayern e.V. auch die Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur) und der Naturschutzbund (NABU) sowie der Landesbund für Vogelschutz in Bayern.

Bewertet werden neben dem Vorkommen von Tier und Pflanzenarten auf den Agrarflächen die umweltschonenden Bewirtschaft, Landschaftspflegemaßnahmen und die Anlage von Strukturen, wie Hecken oder Feuchtflächen. Auch Öffentlichkeitsarbeit der Höfe in Verbindung mit Naturschutzmaßnahmen schlägt positiv zu Buch.

Die bis zum 31.3.06 eingesendeten Bewerbungsbögen werden zunächst von einer Jury mit Fachkräften aus dem Bereichen Naturschutz und Landwirtschaft ausgewertet. Die Vorauswahl der besten Betriebe wird anschließend von der Jury besucht, und die Preisträger ermittelt.

20. Januar 2006

Keine industriemäßige Sauen- und Ferkelhaltung in Alkersleben - Verbraucher wollen Fleisch aus tiergemäßer Haltung

Erfurt. Die Poels Mastschweine GmbH will die ehemalige 2000er Milchviehanlage in Alkersleben bei Arnstadt übernehmen und dort 4.000 Zuchtsauen mit ihren über 80.000 Ferkeln im Jahr aufstallen. Das ist nach 2003 der zweite Versuch, in der Anlage eine industriemäßige Tierhaltung zu betreiben. Der BUND Thüringen verurteilt das Vorhaben aufs Schärfste, denn die Auswirkungen auf Tier, Mensch und die Umwelt sind nicht abzusehen.

Anlässlich der für den 21.01.06 im „Angereck“ in Alkersleben (10.00 Uhr) geplanten Vorstellung des Projektes durch den holländischen Investor ruft der BUND Thüringen die Bewohner der umliegenden Gemeinden zu Widerstand gegen die geplante Anlage auf.

„Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum eine derartige Intensivtierhaltung abzulehnen ist.“ so Dr. Frank Augsten, agrarpolitischer Sprecher des BUND Thüringen. „Neben den Problemen des Tierschutzes sind es vor allem die Auswirkungen auf die natürlichen Lebensgrundlagen in der unmittelbaren Umgebung einer solchen Anlage, besonders die zu erwartenden Belastungen von Boden und Grundwasser sowie Geruchs- und Lärmbelästigungen.“ Aus der Sicht des BUND Thüringen sind derartige industriemäßige Sauenhaltungen nicht mehr zeitgemäß, denn in Zeiten von „Gammelfleisch“ und Lebensmittelskandalen interessieren sich immer mehr Verbraucher für die Herkunft ihrer Nahrungsmittel.

Statt auf tierquälerische Intensivtierhaltung setzt der BUND Thüringen auf artgemäße Tierhaltung zum Beispiel nach den NEULAND-Richtlinien bzw. nach der EU-Bio-Verordnung. Neben der Tiergerechtigkeit bedeuten diese Haltungssysteme boden-, wasser- und luftschonende landwirtschaftliche Produktion und beste Produktqualitäten. Die hohen Erlöse für Bio-Schweine sind ein deutliches Indiz für die steigende Nachfrage – derartige Chancen sollten die Landwirte in der Region nutzen.

„In den Niederlanden ist der Schweinebestand seit 1996 um mehr als 20 Prozent zurückgegangen, weil die Regierung wirksame Umweltgesetze vor allem gegen die Überdüngung mit Schweinegülle erlassen hat.“ so Augsten weiter. „Es ist nicht akzeptabel, dass die holländischen Kollegen nun in Deutschland das versuchen, was in ihrem Land verboten ist.“

Der BUND Thüringen wird die kritischen Bewohner aus der Umgebung fachlich unterstützen. Ein BUND-Vertreter wird am 21.01.06 in Alkersleben Rede und Antwort stehen. Der BUND hofft, dass der Widerstand wie schon 2003 erfolgreich sein wird und dass sich endlich ein Investor findet, der die Alkerslebener Anlage mit einer tier- und umweltgerechten Produktion in Betrieb nimmt.



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