9. Dezember 2008

Ein Geschenk für das Grüne Band

Jena. Passend zur Adventszeit erhält der BUND Thüringen ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk: Die Jenaer Firma mso jena Mikroschichtoptik GmbH verzichtete zu ihrem 10. Firmenjubiläum im September zugunsten des Projektes „Das Grüne Band“ auf Geschenke. Stattdessen spendeten Gäste und die Firma mso jena insgesamt 1500 € für den Erhalt des einzigartigen Biotopverbundes an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Auf der heutigen Presseveranstaltung im Grünen Haus in Jena konnte Stefan Jakobs, Geschäftsführer der Firma dem BUND vor der neuen Ausstellung zum Grünen Band Europa, das Geschenk überreichen.

Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND, stellte das Projekt Grünes Band vor und erläuterte, wofür die Gelder eingesetzt werden sollen: „ Wir werden die Mittel für Projekte in Modellregionen einsetzen. Hier können wir zeigen, wie man mit geeigneten Pflegemaßnahmen Lebensräume für seltene und gefährdete Arten erhält und Wanderkorridore für Tiere schafft. Im Tettautal im Thüringer Schiefergebirge können wir nun eine Feuchtwiese aufkaufen, die für den Wiesenknopf-Ameisenbläuling von besonderer Bedeutung ist. Im Südthüringer Grabfeld wollen wir wichtige Vernetzungsstrukturen schaffen und in der Werraaue sollen Auenlebensräume wiederhergestellt werden. Die Spende der Jenaer Firma wird gemeinsam mit weiteren Fördermitteln für diese Projekte eingesetzt. Und wenn sich ein passender Termin findet, können die Spender im nächsten Jahr den Erfolg ihrer Maßnahmen besichtigen.“

Hintergrund
Das Grüne Band stellt als nicht oder nur extensiv genutzter Lebensraumverbund einen Rückzugsraum für viele seltene Arten, die durch zunehmende Zerschneidung der Landschaft und Nutzungsintensivierung bedroht sind. Ausgehend vom Grünen Band will der BUND in Modellregionen beispielhaft die verschiedenen Lebensräume erhalten und vernetzen, die für den Erhalt und Austausch der Arten in Europa wichtig sind.

Dabei kooperieren wir mit vielen Partnern in Deutschland und Europa. Seit dem ersten schon 1989 vom BUND initiierten Treffen ost- und westdeutscher Naturschützer hat sich fast im Schneeballsystem ein Netzwerk zum Schutz des Grünen Bandes entwickelt mit Partnern von Russland bis Griechenland.

In Thüringen stehen mit der kürzlich unterzeichneten Übertragung bundeseigener Grüne-Band-Flächen die Chancen für einen Erhalt des ökologischen Netzwerkes recht gut. Die Gefahr der vollständigen Zerstückelung des Grünen Bandes ist gebannt. Die nächsten Jahre werden der optimalen Ausgestaltung der Flächenpflege gewidmet sein. Der BUND Thüringen wird diese Umsetzung begleiten und parallel in den eigenen Modellregionen Maßnahmen umsetzen.

10. November 2008

Kundgebung gegen Industrielle Massentierhaltung - BUND Thüringen: Wir lassen die Sau raus!

Erfurt. Bürgerinitiativen, Umweltschutzorganisationen, Parteien und der DGB Thüringen veranstalten gemeinsam mit führenden Thüringer Industrieunternehmen eine Protestkundgebung gegen industrielle Massentierhaltung in Thüringen.

Die Veranstaltung findet am Freitag, 14.11.08 ab 14:00 Uhr vor dem Thüringer Landtag in Erfurt statt.

„Wir lassen die Sau raus, weil in Thüringen immer mehr und immer größere Tierfabriken errichtet werden sollen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landgeschäftsführer des BUND Thüringen.
Zu der Kundgebung rufen gemeinsam mit dem BUND Thüringen, die Grüne Liga Thüringen, das Thüringer Ökoherz, die Bürgerinitiative „Land und Leben entlang der Wipfra“ und die Bürgerinitiative gegen Schweinemastanlagen in Immenrode, der Tierschutzbund Deutschland, die SPD Thüringen und Bündnis90/Die Grünen Thüringen auf. Das Bündnis wird außerdem von der evangelischen Kirche Arnstadt und den Unternehmen Ersol und N3 am Standort Erfurter Kreuz unterstützt.
Das Bündnis fordert den Stopp der Ansiedlung neuer Tierfabriken in Thüringen. Dazu soll der Thüringer Landtag die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Thüringen so verändern, dass Tierfabriken keine Chance mehr haben. Die Thüringer Landesregierung soll sich durch Gesetzesinitiative im Bundesrat dafür einsetzen, dass bei der Zulassung von Tierzuachtanlagen Umwelt und Tierschutz stärker berücksichtigt werden.

Teilnehmer der Kundgebung werden gebeten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln an zu reisen.

28. Oktober 2008

Maßnahmenpaket von K+S reicht nicht aus

Erfurt. Der BUND Thüringen hält das von K + S angekündigte Maßnahmenpaket zur Reduzierung der Salzbelastung an der Werra für nicht ausreichend. Mit der angekündigten Reduzierung der Salzbelastung um rund ein Drittel wird der von EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderte gute Zustand der Werra noch lange nicht erreicht. „Das Maßnahmenpakte ist wohl eher ein kleines Päckchen geworden“, kommentierte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen die Ankündigung von K+S.

Nach Angaben des BUND würde bei der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen die Salzbelastung der Werra im Jahr 2015 immer noch doppelt bis dreimal so hoch sein wie der natürliche Salzgehalt der Werra. Eine nachhaltige Verbesserung des Ökosystems werde dadurch nicht erreicht.
Der BUND Thüringen widersprach der Darstellung von K+S, mit dem Maßnahmenpaket bis zur Grenze des technisch Machbaren zu gehen. Aktuelle Studien zur Wiederinbetriebnahme des Kali-Bergbaus in Roßleben zeigten, dass der Salzbergbau in Thüringen auch völlig ohne Einleitung von Salzabwässern und ohne Aufhaldung von Rückständen wirtschaftlich betrieben werden könne. Wenn K+S vor diesem Hintergrund am Bau einer Pipeline zur Einleitung von Salzabwässern in die Werra festhalte, offenbare das nach Einschätzung von Vogel, dass K+S an einer grundlegenden Verbesserung des Ökosystems Werra kein wirkliches Interesse habe.

„Solange K+S weder den Untertageversatz seiner Produktionsrückstände, noch den Bau der Nordseepipeline ernsthaft in Angriff nimmt, bleiben Bekenntnisse zur ökologischen Verantwortung des Unternehmens für uns nicht glaubwürdig“, erklärte Vogel.

28. Oktober 2008

Rhöntrasse wird zur Thüringer Sackgasse - Nach dem Aus in Hessen fordert der BUND den sofortigen Stopp aller Planungen in Thüringen

Erfurt/ Wiesbaden. Die Rhöntrasse auf hessischer Seite steht vor dem Aus. Eine neue rot-grüne Landesregierung in Hessen wird das umstrittene Projekt voraussichtlich kippen: „Im Entwurf des Koalitionsvertrages zwischen SPD und Grünen wird der Bau der Bundesstraße B87n zwischen Fulda und Meiningen abgelehnt. Das ist ein schöner Erfolg der Umweltverbände und Bürgerinitiativen in beiden Ländern, die seit Jahren gegen das unsinnige Projekt kämpfen,“ zeigte sich BUND-Landesgeschäftsführer Dr. Burkhard Vogel hocherfreut über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen in Hessen.

Dieses Verhandlungsergebnis muss von beiden Parteien auf Parteitagen am kommenden Wochenende zwar noch bestätigt werden, aber der BUND geht davon aus, dass das Projekt definitiv zu den Akten gelegt wird. „Thüringen kann es sich nicht leisten, im Alleingang das Landschaftsbild der Rhön zu zerstören und dafür noch Unsummen auszugeben“, so Vogel.

Die Bundesländer Hessen und Thüringen hatten die Straße beim Bund als vordringliches Verkehrsprojekt angemeldet und in den Bundes­verkehrswege­plan2003 eingebracht. Schere Hessen nun aus, werde der Bund bei der Fortschreibung des Verkehrswegeplanes im nächsten Jahr das Projekt und die Mittel dafür streichen.

Thüringer Verkehrsministerium in der Pflicht
Der BUND Thüringen forderte die Landesregierung in Thüringen auf, die Planungen sofort zu stoppen. Es dürfe kein Geld mehr für das von Anfang an sinnlose Vorhaben verpulvert werden. Das Thüringer Verkehrsministerium stehe in der Pflicht: Dessen Sprecher Dr. Thomas Sauer hatte bereits zugegeben, dass Erfurt neu überlegen müsse, falls Wiesbaden aussteige, denn nur als Ganzes mache der Bau der Straße Sinn. „Diese Erkenntnis wünsche ich auch Herrn Althaus. Wer glaubwürdig sein will, lässt Worten Taten folgen,“ so Vogel.

Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs statt Transitrouten
„Die Bewohner der Rhön dürfen nicht als Geiseln der einseitig auf Transitverkehr ausgerichteten Politik der CDU-Landesregierung genommen werden. Nun müssen endlich alternative Lösungen erarbeitet werden,“ forderte Vogel weiter. Dazu gehöre, den Transitverkehr auf bereits leistungsfähigen Trassen zu kanalisieren und den Öffentlichen Nahverkehr in der Rhön auszubauen. „Was die Pendler wirklich brauchen, ist keine Bundesstraße, sondern Schnellbusverbindungen, damit sie sicher und ausgeruht zur Arbeit kommen,“ meint Vogel.

1. Oktober 2008

Drohende Versalzung der Unstrut: BUND fordert strenge Auflagen für geplantes Kalibergwerk bei Rossleben

Erfurt. Die geplante Wiederinbetriebnahme des Kalibergwerkes Rossleben bei Artern bedroht Landschaftsbild und Ökosystem im Unstruttal, wenn nicht effiziente Umweltauflagen für ein nachhaltiges Entsorgungskonzept sorgen.
„Niemand kann wollen, dass sich hier ein weiteres „Monte Kali“-Problem wie an der Werra bei Heringen auftürmt,“ so Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Er kritisiert, dass die K+S Gruppe in ihrem Betreiberkonzept von den Behörden die Genehmigung einer Rückstandshalde und die Einleitgenehmigung für salzhaltige Wasser fordert, wenn im Gegenzug Arbeitsplätze geschaffen würden: „Millionenprofite für die Privatwirtschaft und die Kosten der Umweltbelastung für die Allgemeinheit, das ist das gescheiterte Konzept einer Wall Street von gestern.“

Nur strenge EU-Grenzwerte sichern Trinkwasser und Ökosystem  
Vogel appelliert an die Landesregierung, auf die Einhaltung der strengen Grenzwerte der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu achten. Sonst drohen für das Ökosystem der Unstrut einschließlich der Überschwemmungsgebiete, sowie das Grund- und Trinkwasser im Unstruttal ähnliche Probleme wie an der Werra.

Bei der von Abwässern der Kaliindustrie stark belasteten Werra ist das Süßwasserökosystem stark geschädigt und von salztoleranten Arten verdrängt worden. Dort noch geltende Grenzwerte aus dem 2. Weltkrieg machen Werrawasser teilweise salziger als die Ostsee.
Der BUND Thüringen warnt auch vor Überlegungen, in die wieder zu öffnenden Schächte nach der Salzgewinnung Sondermülle ein zu bringen. Nur wenn das Konzept zur Wiederinbetriebnahme des Kalibergwerkes den Versatz des Salzabraumes unter Tage mit einschließe, könne der Unstrut das Schicksal der Werra erspart bleiben.

Ausdrücklich begrüßt der BUND die Ankündigung der K+S Gruppe, auf neueste Technik wie das abwasserfreie Elektrostatische Trennverfahren zu setzen und strenge Umweltschutzmaßstäbe anzulegen. „Dass K+S dann allerdings eine Rückstandhalde und eine Einleitgenehmigung beantragen will, steht dazu in krassem Widerspruch,“ kritisiert Vogel.

Umweltschutz und Arbeitsplätze sind kein Widerspruch
„Auch der BUND Thüringen begrüßt die Schaffung neuer Arbeitsplätze,“ so Vogel. Gleichzeitig mahnt er die gesellschaftliche Verantwortung an: „Bei einem höchst profitablen Konzern wie K+S, der gerade in den DAX aufgenommen wurde und im letzten Halbjahr mit knapp 400 Millionen Euro nach Steuern seinen Gewinn vervierfacht hat, können die notwendigen Investitionen zur Erfüllung strenger Umweltauflagen kein wirkliches Hindernis darstellen.“ Im Gegenteil lasse sich hier neues Know-how im technischen Umweltschutz gewinnen, der für hoch qualifizierte Arbeitsplätze sorge.

25. September 2008

Goldener Herbst für Grünes Band: Bund überträgt Flächen an Thüringen

Nürnberg/Berlin. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt ausdrücklich den Abschluss der Vereinbarung zwischen der Bundes-regierung und dem Freistaat Thüringen, die bundeseigenen Flächen im ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen mit der Zweckbestim-mung Naturschutz endgültig an das Land zu übertragen. Gestern wurde die Übertragungsvereinbarung zwischen dem Bundesfinanz-ministerium und Thüringen im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschlossen. Mit Blick auf den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ein nachdrückliches Signal an die anderen Länder am Grünen Band, diesem positiven Beispiel zu folgen.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: „Damit wird für den Naturschutz in Deutschland nicht zuletzt auch wegen des jahrzehntelangen Einsatzes des BUND eine Vision Realität. Diese längst überfällige Übertragung ist für den langfristigen Schutz dieses Nationalen Naturerbes von enormer Bedeutung. Das Land Thüringen setzt sich hierfür beispielhaft ein. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen müssen umgehend nachziehen.“

Drohte das Grüne Band vor Kurzem noch am Finanzpoker zwischen Bund und Ländern für immer unter zu gehen, ist zumindest für Thüringen das rettende Ufer erreicht. Die Bundesregierung hatte vor über fünf Jahren die kostenlose Übertragung ihrer Flächen im Grünen Band an die Länder für Zwecke des Naturschutzes zugesagt. Im Besitz des Bundesfinanzminis-teriums befinden sich knapp 9000 Hektar Fläche. Das ist gut die Hälfte des Grünen Bandes.

Der BUND sieht im Erhalt dieses lebendigen Denkmals der Deutschen Einheit eine wichtige Zukunftsaufgabe. Der Umweltverband setzt sich seit 1989 für den Schutz des Grünen Bandes als längstem Biotopverbund durch Deutsch-land, Heimat für über 600 gefährdete Tiere und Pflanzen ein. Im nächsten Jahr feiert das Grüne Band sein 20-jähriges Jubiläum.

9. September 2008

Willi Wanstschrecke will ins Grüne Band

Römhild/Erfurt. Unter diesem Motto hat der BUND Thüringen 2004 ein Artenschutzprojekt am Grünen Band bei Römhild im Südthüringer Grabfeld ins Leben gerufen, mit dem nicht nur für die Wanstschrecke Lebensräume im Umfeld des Grünen Bandes erhalten und vernetzt werden sollen.

Mit bis zu 4,7 mm Länge ist die Wanstschrecke ist Europas größte Sichelschrecke. Sie lebt in Wiesen, die erst spät gemäht werden und brach stehende Säume haben und ernährt sich von Blättern von krautigen Pflanzen wie Löwenzahn, Klappertopf und Wiesen-Storchschnabel. Die Männchen locken während der Balzzeit zwischen Mitte Juni und Mitte Juli die Weibchen an, indem sie von langen Grashalmen ihren charakteristischen „Gesang“ ertönen lassen.

Da sie sich wegen ihrer Größe nur relativ langsam fortbewegen kann und die meisten Wiesen spätestens Anfang Juli gemäht werden (und damit die Singwarten wegfallen), ist sie wie viele typische Arten der Kulturlandschaft in Deutschland sehr selten geworden. In Thüringen hielt man sie für ausgestorben, bis man sie 1990 im Grünen Band an der bayerisch-thüingischen Grenze wieder entdeckte.
Das Grüne Band stellt als nicht oder nur extensiv genutzter Lebensraumverbund einen Rückzugsraum für viele seltene Arten wie die Wanstschrecke, die durch zunehmende Zerschneidung der Landschaft und Nutzungsintensivierung bedroht sind. Mit Projekten wie diesem wollen wir ausgehend vom Grünen Band modellhaft Lebensräume erhalten und vernetzen.

Im Projekt „Willi Wanstschrecke will ins Grüne Band“ hat der BUND zunächst mit Unterstützung des Freistaates Thüringen und vieler Spender eine knapp 10 ha große Ackerfläche zwischen Grünem Band und Pfersbach erworben und stillgelegt, um im Kerngebiet der Wanstschrecke einen größeren Lebensruam hinzuzufügen.

2005 und 2006 wurden Bestände und potentielle neue Lebensräume der Wanstschrecke kartiert, um in der Folge in Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden, Landschaftspflegeverbänden und Landwirten für diese Art ein Verbundsystem aufzubauen, das auch von anderen Tierarten genutzt werden kann. Eine Diplomarbeit liefert konkrete weitere Maßnahmevorschläge, die in den kommenden Jahren durchgeführt werden können.

Eine Infotafel am Grünen Band zwischen Mendhausen (Thür.)und Rothausen (Bay), sowie ein Projektflyer informiert über das Grüne Band und Willi Wanstschrecke.
Das Projekt wurde gefördert von der Naturstiftung David, der Glücksspirale Bayern und der Aktion Mensch.

10. Juli 2008

Das Grüne Band Europa online – Virtuelle Reise entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs von der Ostsee bis Kroatien möglich

Erfurt. Das Grüne Band Europa ist ab sofort unter www.greenbelteurope.eu online erlebbar. Entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs ist eine virtuelle Reise von der Ostsee bis Kroatien zu traumhaften Landschaften im Herzen Europas möglich. Die Internet-Seite ist das Ergebnis einer internationalen Kooperation des BUND Thüringen mit 17 Partnern aus 8 europäischen Ländern.
„Wo 40 Jahre lang Mauern und Stacheldraht die Menschen in ganz Europa trennten, erstreckt sich heute ein Band einzigartiger Naturparadiese“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Wer sich dem Grünen Band nähert, erlebt nicht nur die ursprünglichen Landschaften Europas. Er gewinnt auch einen Eindruck von Europas jüngerer Geschichte und Zukunft“.

Auf der Internetseite ist das Grüne Band Europa in deutsch, englisch, tschechisch, slowakisch, ungarisch, slowenisch und kroatisch online erlebbar. „Man kann einfach nur die Schönheit der Bilder auf sich wirken lassen, oder auch Informationen über Natur und Geschichte am ehemaligen Eisernen Vorhang abrufen“, erklärte Karin Kowol, Projektkoordinatorin beim BUND Thüringen für das Grüne Band. „Die integrierte Karte lädt dazu ein, auf dem Bildschirm von Polen bis Bulgarien zu reisen, sich in die Landschaften hereinzuzoomen und unbekannte Naturschätze zu entdecken.“

Nach Angaben von Kowol sind Landschaften von der Küste, über Flussauen, Moore, Seen und Wälder bis in alpine Gebiete vertreten. Zu den Besonderheiten gehören z.B. der Slowinski-Nationalpark an der polnischen Ostseeküste mit seinen großen Wanderdünen, wie auch das tief eingeschnittene Thayatal an der österreichisch-tschechischen Grenze mit seinen Eichenhangwäldern, in denen Smaragdeidechse und Äskulapnatter Zuflucht finden.

„Obwohl diese Naturparadiese ein lebendiges Denkmal von unschätzbarem Wert bilden, sind sie an vielen Stellen durch menschliche Eingriffe gefährdet“, machte Kowol deutlich.
So drohe die einzigartige Flusslandschaft von Mur und Drau im Grenzgebiet von Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien durch eine Kette von Wasserkraftwerken zerstört zu werden. Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Naturschutzorganisationen soll diese Entwicklung verhindert werden.

„Wie an dieser Stelle trägt die internationale Zusammenarbeit bereits überall entlang des Gründen Bandes Europa Früchte“, ist sich Karin Kowol sicher. „Durch den Erhalt wertvoller Lebensräume wird eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in der ehemaligen Grenzregion in Gang gesetzt und das Zusammenwachsen Europas gefördert.“

3. Juni 2008

BUND Thüringen veranstaltet Gipskonferenz am 09. Juni 2008 in Nordhausen

Erfurt. Der BUND Thüringen veranstaltet am Montag, 09. Juni eine Konferenz „Zukunft der Gipskarstlandschaft im Südharz“ im Bürgersaal des Rathauses Nordhausen. „Die Biologische Vielfalt ist nicht nur am Amazonas bedroht“, erklärte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Dr. Burkhard Vogel. „Wir haben auch in Deutschland einzigartige Lebensräume, wie die Südharzer Gipskarstlandschaft, für deren Erhalt wir eine internationale Verantwortung tragen.“

Der BUND Thüringen verwies darauf, dass sich im Freistaat der größte noch intakte Teil des Gipsgürtels befinde, welcher sich von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt erstrecke. Wegen klimatischer und geologischer Besonderheiten sei dieser Lebensraum weltweit einmalig. Die Landesregierung habe die wertvollsten Lebensräume und Standorte als FFH- bzw. Vogelschutzgebiet im Schutzgebietsnetz Natura 2000 gemeldet. Durch die Abgrenzung der Flächen sei auch eine maßvolle Nutzung des Rohstoffes Gips gewährleistet worden. Ziel dieser Festlegungen sei es gewesen, in der sensiblen Region ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz und nachhaltigem Tourismus, sowie den Interessen der Gipsindustrie in der Region herzustellen. Durch neue Vorstöße, die industrielle Gipsgewinnung über die abgestimmten Bewilligungsfelder hinaus auch in Natura2000-Gebiete aus zu dehnen, stelle sich die Frage nach der Tragfähigkeit des Gleichgewichts neu.

Mit Vertretern der Fraktionen im Thüringer Landtag und politischer Parteien und mit Fachexperten soll die Zukunft der Gipskarstlandschaft im Südharz auf der Konferenz diskutiert werden.

29. Mai 2008

BUND fordert Reform der Kfz-Steuer statt Abschaffung der Ökosteuer

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert eine Reform der Kfz-Steuer, um sparsame und klimaverträgliche Neuwagen zu fördern. Der Forderung der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag zur Abschaffung der Ökosteuer erteilt der Verband eine klare Absage. „Die Forderung von Herrn Mohring ist ein Griff in die umweltpolitische Mottenkiste“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Politische Weitsicht beweist nicht, wer als Reaktion auf steigende Benzinpreise Sprit billiger macht, sondern wer durch Steueranreize dafür sorgt, dass Autos sparsamer werden.“

Vogel wies darauf hin, dass wegen des knapper werdenden Erdöls der Anstieg der Benzinpreise unumkehrbar sei. Gleichzeitig heize der zunehmende Öldurst der Industrie- und Schwellenländer den Klimawandel weiterhin dramatisch an. In Thüringen sei der Verkehr der Klimakiller Nr. 1 mit weiterhin steigender Tendenz. Nur durch sparsamere Motoren und die konsequente Anwendung technischer Neuerung lasse sich dieser Trend umkehren. Langfristig könnten dadurch bundesweit 50 Millionen Tonnen C02 pro Jahr eingespart werden.

Nach Vorschlägen des BUND sollen dazu durch die Reform der Kfz-Steuer neue Pkw ganz von der Steuer befreit werden, wenn deren Kohlendioxid-Ausstoß unter 100 Gramm CO2 pro Kilometer liegt. Für ältere Autos soll es keine Änderungen geben. Die sparsamsten Neufahrzeuge sollen stärker entlastet und weniger sparsame mit zunehmendem Spritverbrauch höher besteuert werden. Die in der EU künftig geltenden Grenzwerte für den Stickoxidausstoß von Pkw sollen ebenfalls einbezogen werden.

Gewinnen würden die sparsamen und sauberen, verlieren die viele Schadstoffe ausstoßenden und Sprit fressenden Autos. Ein solches Steuersystem werde nicht nur das Kaufverhalten beeinflussen, sondern auch für mehr Umweltschutz-Innovationen bei den Pkw-Herstellern sorgen.

19. April 2008

BUND Thüringen: Landesversammlung bestätigt Ron Hoffmann im Amt des Vorsitzenden - Waldschutzprogamm gefordert

Erfurt. Die Landesversammlung des BUND Thüringen hat heute Ron Hoffmann einstimmig als Landesvorsitzenden in seinem Amt bestätigt. Als Stellvertreter wurden Frank Henkel und Dirk Adams gewählt. Evelyn Höhn übernimmt das Amt der Schatzmeisterin, Falko Stolp wurde erneut als Beisitzer gewählt. Mit der Zustimmung zum Haushalt stellte die Versammlung die Weichen für die Fortsetzung der erfolgreichen Schwerpunktprojekte „Grünes Band“, „Rettungsnetz Wildkatze“ und „Lebendige Werra“ des BUND Thüringen. Auch den Widerstand gegen die Rhöntrasse Fulda-Meiningen wird der BUND Thüringen verstärkt fortsetzen.

Über die „Schatzkammern der Artenvielfalt“ sprach Forstdirektor a.D. Dr. Georg Sperber in seinem Vortrag zur „Bedeutung der Rotbuchenwälder für die Biologische Vielfalt in Europa“. Er machte eindrucksvoll deutlich, dass nicht nur die Tropenwälder am Amazonas vor der endgültigen Vernichtung. Auch die Lebensgemeinschaften unserer heimischen Wälder seien durch Übernutzung, Zerschneidung und fortschreitende Verinselung bedroht. Wirklich naturnahe Buchenwälder, welche ursprünglich fast ganz Deutschland bedeckten, seien heute nur noch auf einem Flächenanteil von 0,2% von Deutschland zu finden. Dabei gehörten die Buchenwälder Thüringens zu den „hot spots“ der Artenvielfalt in Mitteleuropa.

„Thüringen wird seiner Internationalen Verantwortung für den Schutz der weitgehend auf Mitteleuropa beschränkten Rotbuchenwälder nicht mehr gerecht.“, stellte Ron Hoffmann fest.
In einem von der Landesversammlung einstimmig beschlossenen Leitantrag fordert der BUND Thüringen daher ein 10-Punkte-Waldschutzprogramm für Thüringen. Zu den wichtigsten Forderungen gehört ein sofortiger Einschlagstopp in allen Waldgebieten des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und ein dauerhaftern Nutzungsverzicht in Beständen über 160 Jahre. Außerdem wird die Ausweisung von Prozessschutzflächen auf 10% der Landeswaldfläche gefordert.
Die Landesversammlung verabschiedete außerdem einen Antrag zur gentechnikfreien Landwirtschaft in Thüringen.

„Thüringens Landwirtschaft muss frei von Gentechnik bleiben“, forderte dazu der Agrarpolitische Sprecher des Landesverbandes, Dr. Frank Augsten. In dem Antrag wird ein Stopp des Anbaus von Gen-Mais durch die Agrarprodukte GmbH in Schmölln gefordert. Die Landesregierung wird aufgefordert, sich klar zu einer gentechnikfreien Landwirtschaft in Thüringen zu positionieren und sich auf Bundes- und Europaebene für eine verbraucherfreundliche Novellierung des Gentechnikgesetzes ein zu setzen.

11. April 2008

Naturschutzverbände verlangen Sofortmassnahmen nach Entdeckung Großhöhle beim Tunnelbau ICE-Trasse Erfurt-Nürnberg

Erfurt. Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat heute in Erfurt zusammen mit seiner fachlich zuständigen Mitgliedsorganisation Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und dem Landesverband Thüringen des BUND Sofortmassnahmen zum Schutz der wohl größten Höhle Thüringens gefordert. Die in ihrem Umfang und ihrer Bedeutung sensationelle Entdeckung der Höhle im Blessbergtunnel der ICE-Strecke Erfurt- Nürnberg in Thüringen macht nach Auffassung der Verbände eine sofortige naturschutzfachliche Bewertung erforderlich. DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen forderte den thüringischen Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt Dr. Volker Sklenar auf, gegenüber der Deutschen Bahn AG die Anforderungen des Thüringer Naturschutzgesetzes umzusetzen. Die bisherigen völlig unzureichenden Schutzmassnahmen auf europäischer Ebene müssen dringend erweitert werden. Mikel Iruju, spanischer Abgeordneter des MEP hat in Abstimmung mit den Höhlenforscherverbänden und Archäologen eine Anfrage zum Höhlenschutz an die EU Kommission bereits in Vorbereitung. Bisher sind lediglich bestimmte Höhlen als Lebensräume von Fledermäusen nach der FFH-Richtlinie geschützt.

Nach einer vom Verband der deutschen Höhlen und Karstforscher erstellten Übersicht sind Höhlen in Deutschland bisher im Bundesnaturschutzgesetz und in den meisten Landesnaturschutzgesetzen als Biotop nicht geschützt. Lediglich Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stufen Höhlen in ihren Landesnaturschutzgesetzen als besonders geschützte Biotope ein. Hier gebe es dringenden Nachholbedarf sowohl auf Seiten des Bundes als auch der übrigen Länder.

Auch wenn die mitteleuropäischen Höhlen auf den ersten Blick als eher lebensfeindlich erscheinen, bieten sie den Lebensraum für seltene und hochspezialisierte Tierarten. Neben Fledermäusen, Amphibien und Schmetterlingen, die Höhlen zum Überwintern aufsuchen, ist erst vor kurzem eine farb- und augenlose Höhlenspinne neu entdeckt worden. Eine andere seltene Art ist der "Urzeitkrebs", der vermutlich mehrere hundert Millionen Jahre fast unverändert in Höhlen überdauert hat. Allein in Deutschland wurden bisher über 3000 Tierarten in Höhlen nachgewiesen.

Bärber Vogel vom Verband der deutschen Höhlen und Karstforscher e.V. fordert gesetzliche Regelungen zur Einbeziehung der Höhlenforschung bei Bauvorhaben im Karst, eine exakte Dokumentationspflicht sowie die Zugänglichkeit der Höhlen, damit potentielle Gefahren langfristig eingeschätzt werden können. Unterirdische Wassersysteme sind keine starren Objekte, sondern ändern sich durch Einflüsse von Außen zum Teil mit gravierenden Folgen. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel sollten alle zu Verfügung stehenden Daten genutzt werden, denn Hochwässer finden ebenso im Untergrund statt. Gefordert wird deshalb die staatliche Unterstützung dieser Forschungen, denn bisher findet Höhlenforschung in Deutschland außnahmslos ehrenamtlich statt.

Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen wertet die Verfüllung des freigelegten Höhlenbereiches mit Beton als einen Verstoß gegen das Thüringer Naturschutzgesetz. Da Höhlen gesetzlich besonders geschützte Biotope seien, müssten Veränderungen durch die zuständige Naturschutzbehörde genehmigt werden. Dafür sei auch eine förmliche Beteiligung der anerkannten Naturschutzverbände erforderlich. Wie der Verband weiter mitteilte, zeige der Vorfall erneut, dass der Bau der ICE-Trasse durch den Thüringer Wald nicht nur oberirdisch sondern auch in den Tunnelbereichen unschätzbare Naturwerte bedrohe. Der geringe Zeitgewinn der mit dem ICE-Trassen-Projekt auf der Strecke Nürnberg-Erfurt erreicht werde, rechtfertige nicht die Zerstörung einzigartiger Naturwunder. Der Verband forderte Bundesregierung und Bahn auf, das Milliardenschwere Prestige-Projekt ökologisch verkehrs- und finanzpolitisch neu zu bewerten.

Anläßlich einer Besprechung am gestrigen Tage auf der Baustelle, an der Vertreter der Bahn-AG, des Eisenbahn-Bundesamtes, der am Bau beteiligten Firmen, des Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, des Thüringer Landesbergamtes, des Landratsamtes Sonnebergs und des Thüringer Höhlenverein e.V.  beteiligt waren, wurde die weitere Verfahrensweise nach der Entdeckung der bedeutenden Karsthöhle besprochen.
Der inzwischen ebenfalls freigelegte Ostteil der Höhle soll zunächst auf seine Einflüsse auf den weiteren Tunnelvortrieb untersucht werden und danach in Tunnelbereich gesichert werden.
Er erhält einen Zugang, durch den während der Tunnelbauzeit ein Zugang  zur Höhle möglich sein wird. Dem Thüringer Höhlenverein e.V. (THV) wird die Forschung in der Höhle zugesichert, solange dieser Zugang besteht. Der THV wurde um kurzfristige Zuarbeiten gebeten, die den Einfluß der Höhle auf den weiteren Vortrieb beurteilen helfen. Dazu werden die nötigen Forschungen sofort in Angriff genommen.
Die Arbeiten des THV werden durch das Thüringer Landesbergamt koordiniert. Die naturschutzfachlichen Belange sind damit allerdings immer noch nicht berücksichtigt.

7. April 2008

BUND Thüringen erstattet Anzeige wegen Karsthöhle in Blessbergtunnel

Erfurt. Der BUND Thüringen hat bei der Staatsanwaltschaft Meiningen Anzeige gegen Unbekannt wegen der Karsthöhle im Blessbergtunnel erstattet. Der Verband sieht in der Verfüllung eines Teils der Höhle mit Beton einen Verstoß gegen § 18 des Thüringer Naturschutzgesetz. Außerdem sieht der Verband seine Rechte als anerkannter Naturschutzverband verletzt. „Die Verfüllung des Höhlenbereiches war illegal“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Weil Höhlen nach dem Thüringer Naturschutzgesetz besonders geschützte Biotope sind, haben wir Anzeige erstattet.“

Vogel kritisierte, dass zwischen der Entdeckung der Höhle und ihrer teilweisen Verfüllung mindestens vier Tage vergangen seien. Dennoch sei die zuständige Naturschutzbehörde nicht eingeschaltet worden. Eine sachgerechte Prüfung der Höhle habe nicht stattfinden können.

Nach Angaben von Vogel sind natürliche Höhlen in Thüringen sehr seltene Lebensräume. Sie werden von sensiblen Lebensgemeinschaften bewohnt, welche sich an die besondere Bedingungen der Dunkelheit und hohen Luftfeuchtigkeit angepasst haben. Bei dem Höhlensystem im Blessbertunnel sei nicht aus zu schließen, dass dieses auch von Fledermäusen als Winterquartier genutzt werde.

„Der Vorfall zeigt wieder einmal, welche Risiken das Prestige-Projekt ICE-Trasse für Natur und Landschaft im Thüringer Wald birgt. Noch ist es nicht zu spät, das unsinnige Vorhaben endlich zu stoppen“, forderte Vogel.

4. April 2008

Biologische Vielfalt in Thüringen ist bedroht - BUND Thüringen fordert Masterplan

Erfurt. Der BUND Thüringen warnt anlässlich des Starts der nationalen Kampagne zum Schutz der Biodiversität vor einem zunehmenden Verlust der Artenvielfalt in Thüringen. Nach Einschätzung des Verbandes wächst die Bedrohung von Arten und Lebensräumen nicht nur durch Infrastrukturprojekte und intensive Landnutzung sondern auch durch die nachlässige Naturschutzpolitik im Freistaat.

„Der Schutz der biologischen Vielfalt ist neben dem Klimawandel die größte Herausforderung für die Menschheit“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Während die internationale Staatengemeinschaft im Mai in Bonn über Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt verhandelt, baut die Landesregierung Naturschutzstandards ab. Die Hälfte der Vögel und Reptilien, zweidrittel der Fische und Amphibien und 90 % der Fledermäuse stehen in Thüringen auf der Roten Liste. Trotzdem findet eine aktive Naturschutzpolitik im Freistaat kaum noch statt.“

Das Beispiel Werra zeige, dass trotz des von der EU-Wasserrahmenrichtlinie vorgeschriebenen, guten ökologischen Zustands der Gewässer das Unternehmen Kali & Salz die Versalzung der Werra ungehindert verstärken könne.

In der Südharzer Gipskarstlandschaft setze sich die Landesregierung für die Fortsetzung des Gipsabbaus und die Eröffnung neuer Tagebaue ein. Dem Schutz der weltweit einzigartigen Karstlebensräume durch die Errichtung eines Biosphärenreservates werde dagegen keine Priorität eingeräumt.

Scharf kritisierte Hoffmann auch die Umsetzung des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 in Thüringen. „Die Schutzgebiete existieren nur auf dem Papier. Eine naturschutzrechtliche Sicherung der Gebiete lehnt die Landesregierung ab. Selbst die von der EU vorgeschriebenen Managementpläne zur Umsetzung der Schutzziele wurden nicht erarbeitet.“

Als jüngstes Beispiel für die Vernachlässigung von Naturschutzbelangen nannte Hoffmann den verstärkten Holzeinschlag in Thüringens Wäldern. „Thüringens Buchenwälder sind die Schatzkammern der Artenvielfalt für Thüringen. Für den Erhalt alter Buchenwälder trägt Thüringen in Deutschland und weltweit eine besondere Verantwortung. Diese Schatzkammern des Naturschutzes werden zunehmend geplündert und forstwirtschaftlichen Interessen geopfert. Dabei macht der Einschlag selbst in Schutzgebieten und in staatlich ausgewiesenen, bewirtschaftungsfreien Zonen nicht halt.“

„Die Sicherung der Biologischen Vielfalt in Thüringen ist eine Zukunftsaufgabe, der sich die Politik nicht mit Lippenbekenntnissen entziehen darf“, erklärte Hoffmann weiter. „Wir fordern die Landesregierung daher auf, einen Masterplan zum Schutz der Artenvielfalt in Thüringen auf zu stellen.“

3. April 2008

Eon-Wasserkraftanlagen an der Werra erfüllen ökologische Standards nicht

Meiningen/Erfurt. Mit ganzseitigen Anzeigen wirbt der Energieriese eon in diesen Tagen für Ökostrom aus Wasserkraftanlagen an der Werra. Die von eon in leuchtenden Farben gemalten Vorteile der Wasserkraft wollen Angler und Naturschützer allerdings nicht unkommentiert stehen lassen. „Natürlich befürworten wir die Energieerzeugung aus regenerativen Quellen, aber die Anlagen müssen auch die ökologischen Erfordernisse berücksichtigen, um den Fluss als Lebensraum nicht zu schädigen. Das ist zumindest bei zwei der drei Wasserkraftanlagen an der Werra nicht der Fall.“ stellt Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, fest.

Das größte Problem der zahlreichen Querbauwerke in der Werra ist die sogenannte Durchgängigkeit für Fische und andere Lebewesen. Nicht nur der Lachs ist in der Werra ausgestorben, weil er seine Laichgründe am Oberlauf der Flüsse nicht mehr erreichen kann, sondern auch andere Arten wie Meerforelle, Barbe, Quappe oder die Nase. Aale gibt es hier nur noch, weil die Angelverbände mit Besatzmaßnahmen versuchen, den Bestand bestimmter gefährdeter Fischarten zu stützen.

„Selbst da, wo durch Fischtreppen oder Umgehungsgerinne der Aufstieg der Fische gewährleistet wird, gelangen dann beim Abstieg in Größenordnungen Fische in die Turbinen und werden zerhäckselt.“ weiß Axel Baumann vom Angelverein in Meiningen aus Erfahrung und Berichten von Angelfreunden. „Oft befinden sich die  Fischauf– und –abstiege außerhalb der Lockströmung und sind somit nutzlos oder die Rechen sind so dimensioniert, dass abwandernde Fische hindurchpassen. Mit Sorge betrachten wir auch den verbotenen Schwallbetrieb bei Niedrigwasser, um teuren Tagstrom produzieren zu können. Wasserschwankungen bis zu 25 Zentimeter können unter Umständen bis zum Trockenfallen des Unterwassers führen.“

Mit welchem Naturschutzverband bei der Rekonstruktion der Wasserkraftanlagen eon wie behauptet „zusammengearbeitet“ hat, ist schleierhaft. „Der BUND hat in seiner Stellungnahme den Neubau des Wasserkraftwerkes Mihla jedenfalls abgelehnt“ stellt Burkhard Vogel klar.
In Mihla habe man zwar sowohl eine Aufstiegs- als auch ein Abstiegsanlage gebaut, mit einer Rechenbreite von 20 mm aber lediglich den Stand der Technik vollzogen. Die Aufstiegsanlagen in Spichra und Falken müssen erst rekonstruiert werden, um die Durchgängigkeit überhaupt herzustellen.

Die Umweltminister der Bundesländer Thüringen, Hessen und Niedersachsen hatten im Juni 2007 in Bad Salzungen eine Erklärung unterzeichnet, bis zum Jahre 2012 die Werra und ihre Nebengewässer komplett durchgängig zu gestalten. Damit erfüllen sie eine der wesentlichen Vorgabe der europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie und des Thüringer Wassergesetzes. Dafür wurden bisher 4,7 Millionen Euro eingesetzt.

Stolz ist eon auf das vom TÜV Thüringen verliehene Zertifikat für „ehrlichen Ökostrom“. Auf Rückfrage beim TÜV heißt es aber von dort, dass lediglich die Herkunft des als Ökostrom verkauften Kontingentes aus den Wasserkraftanlagen an der Werra garantiert werde. Andere ökologische Kriterien, wie die Funktionstüchtigkeit von Fischaufstiegsanlagen, wurden definitiv nicht berücksichtigt.

„Alles in allem also eine reine Werbekampagne von eon, die dem Konzern ein grünes Mäntelchen umhängen soll, tatsächlichen ökologischen Erfordernissen aber nicht entspricht.“ kommentiert Burkhard Vogel. „Der Konzern sollte erst einmal seine Hausaufgaben machen und die Wasserkraftanlagen Spichra und Falken durchgängig gestalten, ehe er sich so weit aus dem Fenster lehnt.“

19. März 2008

BUND begrüßt Stopp des Genmais-Anbau in Großfahner - Verbot von Genmais MON 810 gefordert

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt die Entscheidung der Agrargenossenschaft Großfahner, ihre Anbaupläne für Genmais zurück zu ziehen. Gleichzeitig fordert er Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer auf, den Anbau der gentechnisch veränderten Maissorte MON 810 des Unternehmens Monsanto zu verbieten. „Der Stopp des Genmais-Anbaus in Großfahner ist ein großer Erfolg für das Bündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Dem Agrarkonzern Monsanto werden damit die Grenzen seiner Expansionspolitik in Thüringen aufgezeigt.“

Nach Angaben des BUND Thüringen plante die Agrargenossenschaft Großfahner mit gut 18 ha die größte landwirtschaftliche Fläche in Thüringen mit gentechnisch verändertem Saatgut zu bewirtschaften. Für die zweitgrößte, kommerzielle Anbaufläche mit ca. 3,7 ha sei die Agrar GmbH Schmölln verantwortlich. Der BUND Thüringen forderte die Agrar GmbH auf, ihre Pläne zum Anbau von Genmais MON 810 ebenfalls fallen zu lassen.

Nach einer Rechtsexpertise des BUND sei die Aussaat von MON 810 ohnehin rechtswidrig. Monsanto habe die Genehmigung zum Verkauf von MON 810-Saatgut nur unter der Bedingung erhalten, dass es einen geeigneten Monitoringplan vorlege, der die Umweltauswirkungen des Gentech-Maises erfasse. Die für das Monitoring benannten Einrichtungen seien zur Lieferung der erforderlichen Daten überhaupt nicht in der Lage.

„Gentechnik darf in der Thüringer Landwirtschaft keine Zukunft haben“, forderte Vogel. „Es ist ein entlarvender Zynismus, wenn der Geschäftsführer des Herkunftsverbandes Thüringer Wurst die Verbraucher auffordert, sich an gentechnisch verseuchtes Fleisch in der Thüringer Bratwurst zu gewöhnen. Der mündige Bürger muss auch in Zukunft die Entscheidungsmöglichkeit haben, ob er gentechnisch veränderte Lebensmittel konsumieren will oder nicht. Diese Entscheidungsfreiheit darf nicht den Gewinninteressen großer Agrarkonzerne geopfert werden.“

27. Februar 2008

40.000 Euro für das „Grüne Band“ - Die Stiftung Naturschutz Thüringen übergibt Ihren 150. Förderbescheid dem BUND Thüringen

Erfurt. Der BUND Thüringen ist der 150. Empfänger eines Förderbescheides der Stiftung Naturschutz Thüringen. Dr. Dieter Franz, Vorstandsmitglied der Stiftung, übergab heute den Förderbescheid und symbolisch den Scheck über 40.625 Euro an den Geschäftsführer des BUND, Dr. Burkhard Vogel. Mit dem Geld sollen in ausgewiesenen Schutzgebieten im Landkreis Sonneberg rund 12 Hektar Fläche im Bereich des „Grünen Bandes“ erworben und damit dauerhaft für die Natur gesichert werden.

Die Stiftung Naturschutz Thüringen wurde 1995 auf Beschluss der Thüringer Landesregierung ins Leben gerufen und mit einem Stammkapital von 3,1 Millionen Euro ausgestattet. Aus den Erträgen dieses Kapitals und aus Einnahmen aus der Ausgleichsabgabe soll die Stiftung Maßnahmen zur Erhaltung und zum Schutz der Natur und zur Pflege und Entwicklung der Landschaft unterstützen und selbst durchführen. Sie fördert darüber hinaus das allgemeine Verständnis für Naturschutz und Landschaftspflege in der Öffentlichkeit und kann Projekte anwendungsbezogener Naturschutzforschung unterstützen. „Mit dem heutigen Förderbescheid erhöht sich die von der Stiftung aufgebrachte Summe für solche Projekte auf 2,95 Millionen Euro“ bilanzierte Franz. In der Regel fördert die Stiftung zwischen 15 und 25 Projekte pro Jahr. Bei der satzungsgemäß vorgegebenen Breite des potentiellen Förderspektrums konnten schon über 50 verschiedene Verbände und Organisationen in Thüringen von Fördermitteln der Stiftung profitieren.

Entsprechend breit ist das Spektrum der geförderten Projekte: Landschaftsgestaltungsmaßnahmen wie z. B. die Neuanlage von Tümpeln wurden gefördert, es wurden Druckkostenzuschüsse für naturschutzfachliche Literatur ausgereicht, die Durchführung von Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen wurde gefördert und mit Hilfe der Fördermittel wurden naturschutzfachlich wertvolle Flächen erworben, gepflegt und damit endgültig für den Naturhaushalt gesichert. Mit rund 1,4 Millionen Euro ist die Flächensicherung auch der größte Förderschwerpunkt der Stiftung.

Dass gerade der Antrag auf Förderung des Flächenerwerbs im Großprojekt „Grünes Band“ des BUND zum richtigen Zeitpunkt eingereicht wurde, um den 150. Förderbescheid der Stiftung zu erhalten, wertete Franz als „echten Glücksfall“, weil hierdurch Thüringen auch einen weiteren Baustein für ein europäisches Schutzvorhaben liefern kann.
Vorstand und Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz Thüringen sehen Anträge von Projekten mit möglichst unmittelbar positiven Auswirkungen auf den Naturhaushalt besonders gerne. „Gerade dieser Zielsetzung entsprach der Antrag des BUND in besonders gelungener Form“, wie Franz abschließend betonte.

22. Februar 2008

BUND warnt vor Kostenexplosion bei der Rhöntrasse Fulda-Meiningen

Erfurt. Der BUND Thüringen warnt vor einer Kostenexplosion beim Bau der Bundesstraße B87n von Fulda nach Meiningen. Auf Anfrage der Hessischen SPD im Landtag hat die hessische Landesregierung mitgeteilt, dass die Kosten für das Straßenbauprojekt aktuell auf 225 Mio. Euro veranschlagt werden. Noch im November vergangenen Jahres hatten die Verkehrsminister von Hessen und Thüringen, Rhiel und Trautvetter, bei der Vorstellung der Vorzugsvariante die Gesamtkosten mit 186 Mio. Euro beziffert.

„Die Kosten für die neue Transittrasse laufen völlig aus dem Ruder,“ kommentiert Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen die Entwicklung. „Innerhalb von nur drei Monaten sind Kosten um fast 40 Mio. Euro nach oben korrigiert worden, obwohl noch nicht einmal die Raumordnungsverfahren abgeschlossen sind.“

Nach Angaben von Vogel wurde das Vorhaben in den Bundesverkehrswegeplan mit 147 Millionen eingestellt. Die Kostensteigerung um mehr als 60% lege den Verdacht nahe, dass bei der Aufnahme des Straßenbauprojektes in den Bundesverkehrswegeplan die Gesamtkosten bewusst zu niedrig kalkuliert worden seien. Bei der Veranschlagung realistischer Kosten hätte das Vorhaben nach Einschätzung von Vogel keine Chance gehabt, in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen zu werden.

Nach Angaben von Vogel sind weitere Kostensteigerungen abzusehen, wenn die berechtigten Forderungen der Gemeinden an der geplanten Trasse nach mehr Lärmschutz berücksichtigt werden. Außerdem sei noch völlig unklar, wo und wie die 1,2 Millionen Kubikmeter Erdaushub, die allein bei der sogenannten Hochrhönquerung als Überschuss anfallen, entsorgt werden sollten. Auch die notwendigen Grünbrücken zur Verbindung von durch die Trasse zerschnittenen Lebensräumen und Wanderkorridoren von Wildtieren schlügen zusätzlich zu Buche.

Für Vogel ist auch die neue Kostenkalkulation in Wirklichkeit nur die halbe Wahrheit. Berücksichtigt würden nur die in den Raumordnungsverfahren untersuchten Ortsumgehungen und die Hochrhönquerung. Der darüber hinaus notwendige Ausbau der bestehenden
„Allein schon aus finanziellen Gründen ist es ein Gebot der Vernunft, die Planungen jetzt fallen zulassen und in den Papierkorb zu stopfen,“ forderte Vogel.

14. Februar 2008

DGB Thüringen und BUND Thüringen fordern eine neue Energie- und Klimapolitik für Thüringen per Gesetz

Erfurt. Der DGB Thüringen und der BUND Thüringen haben sich für eine umfassende Energie- und Klimawende in Thüringen ausgesprochen. Anlässlich der am Freitag (15.02.2008) im Thüringer Landtag stattfindenden Anhörung zur Thüringer Klimaschutzpolitik haben die Organisationen ihre Positionen gemeinsam vorgestellt.

Der 2007 veröffentlichte wissenschaftliche Bericht der UN zum Klimawandel (IPCC-Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel) macht deutlich, dass spürbare und vor allem verbindliche Fortschritte im Klimaschutz überfällig sind.

Für DGB und BUND gibt es keine Alternative für eine klare Klimaschutzstrategie mit Zielen, die abrechenbar sind. Fragen der Umwelt und des Klimaschutzes dürfen nicht länger als Einzelfragen der Fachpolitiken behandelt werden. Beide Organisationen fordern, dass Klimaaspekte künftig im Rahmen einer integrierten Umweltpolitik in allen Politikbereichen, von der Sozial- über die Wirtschafts- und Finanzpolitik bis zur Bildungs-, Städtebau-, Verkehrs- und Landwirtschaftspolitik zu berücksichtigen sind. Die Landespolitik ist insgesamt neu auf das Ziel Klima- und Ressourcenschutz auszurichten. Im Rahmen eines Klimagutachtens sollen die vorrangigen Handlungsfelder ermittelt werden, die dann per Gesetz verbindlich festzulegen sind.

Es werden u.a. folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Versorgung öffentlicher Einrichtungen mit Strom aus regenerativen Energiequellen
  • Umstellung der öffentlichen Fuhrparks auf sparsame Fahrzeuge
  • Wärmedämmung und Nutzung von Sonnenenergie in Gebäuden der öffentlichen Hand
  • Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs zu Gunsten von Schiene und ÖPNV
  • Wirtschafts- und Infrastrukturförderung nur mit Klimaschutzauflagen
  • Verstärkte Förderung der Umweltbildung in Schule und Gesellschaft
  • Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes, in dem die jährlichen Reduktionsziele verbindlich festgeschrieben sind.

Die Klimaschutzkonzeption der Thüringer Landesregierung sei völlig unzureichend, da dort nur Absichtserklärungen aufgelistet werden. Eine Politik, die bislang zumeist einseitig auf die Marktkräfte und auf Freiwilligkeit setze, könne, nicht erfolgreich sein. Die Landesregierung stehe in der Pflicht ihre Gestaltungsmöglichkeiten auf allen Ebenen zu nutzen, um die Klimabilanz zu verbessern.

Thüringen darf sich nicht auf den „Erfolgen“ der Abschaltung der DDR-Industrie zu Beginn der 90iger Jahre ausruhen. „Der Freistaat ist nicht der Klassenprimus beim Klimaschutz in Deutschland“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Im Gegenteil: Thüringen pustet heute wieder mehr Treibhausgase in die Atmosphäre als noch Ende der 90iger Jahre.“

Der DGB Thüringen fordert von der Thüringer Landesregierung ein Programm „Arbeit durch Klimaschutz“. „Klimaschutz ist auch eine große Chance für mehr Beschäftigung“ sagt der DGB Landesvorsitzende Steffen Lemme. Die Branche für erneuerbare Energien wächst stetig. Da dürfe die Politik nichts dem Zufall überlassen. Durch eine gezielte Modernisierung von Altbauten, durch Klimaauflagen beim Wohnungsbau, bei Neubauten sowie in Industrie und Gewerbe könnten in Thüringen nach Schätzungen das DGB Thüringen mehrere tausend neue Arbeitsplätze entstehen. Hinzukommen viele neue Arbeitsplätze bei den Wind-, Solar- und Bioenergieunternehmen.

31. Januar 2008

BUND Thüringen fordert Klimaschutzgesetz für Thüringen

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert ein Klimaschutzgesetz für Thüringen. Ohne eine aktive Klimaschutzpolitik der Landesregierung lässt sich nach Einschätzung des Verbandes der steigende Ausstoß von Treibhausgasen in Thüringen nicht umkehren. „Der Freistaat ist nicht der Klassenprimus beim Klimaschutz in Deutschland“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Im Gegenteil: Thüringen pustet heute wieder mehr Treibhausgase in die Atmosphäre als noch Ende der 90iger Jahre.“

Nach Angaben von Vogel hatten sich die Treibhausgasemissionen in Thüringen vor allem in den ersten fünf Jahren nach der Wende wegen des Zusammenbruchs der Industrie drastisch reduziert. Seit Anfang 2000 sei aber wieder ein Anstieg bei den Treibhausgasen zu verzeichnen. Maßgeblich verantwortlich für diese Entwicklung seien Zunahmen beim Verkehr. Auch der Endenergieverbrauch in Thüringen steigt nach Angaben von Vogel seit 2000 wieder an. Verantwortlich für diese Entwicklung sei die passive Haltung der Landesregierung beim Klimaschutz. Dem Freistaat fehle nicht nur eine klare Strategie zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen, das Wirtschaftsministerium fordere sogar Sonderkonditionen für einen erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen in der Industrie.

Nach Angaben des BUND Thüringen müssen die Industriestaaten bis zum Jahr 2050 ihre Treibhausgasemissionen um 80% reduzieren, um den Anstieg der Erderwärmung auf max. 2°C zu begrenzen. „Wir brauchen in Thüringen ein Klimaschutzgesetz, mit dem sich der Freistaat verpflichtet, die Treibhausgasemissionen jährlich um 3% zu reduzieren“, erklärte Dr. Vogel. Nur ein Klimaschutzgesetz könne die notwendige Verbindlichkeit schaffen, um der existenziellen Bedrohung durch die Erwärmung der Erdatmosphäre wirksam entgegen zu treten und der Verantwortung Thüringens beim Schutz des Weltklimas gerecht zu werden.

Er forderte die Landesregierung außerdem auf, ihre Vorbildwirkung beim Klimaschutz stärker als bisher wahr zu nehmen. Kurzfristig umsetzbare Maßnahmen seien:

  • Versorgung öffentlicher Einrichtungen mit Strom aus regenerativen Energiequellen
  • Umstellung der Fuhrparks auf sparsame Fahrzeuge
  • Wärmedämmung in Gebäuden der öffentlichen Hand


Jahresbericht 2016

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
.

Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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