9. Dezember 2010

Breites Anti-Atom-Bündnis ruft zu Anti-Castor-Protest auf

Erfurt. Ein breites Anti-Atom-Bündnis ruft zum Anti-Castor-Protest am 14.12.10 in Erfurt auf. Mit Lampionumzug, Kundgebung und Nachttanz soll dem geplanten Castor-Transport durch Thüringen eine klare Absage erteilt werden.

„Einfach heimlich durchschleichen ist mit uns nicht zu machen“ erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Wir machen den Transport von strahlendem Atommüll durch Thüringen öffentlich und rufen die Menschen zum Protest gegen die Atompolitik der Bundesregierung auf.“

Für Hoffmann ist die Entscheidung der Bundesregierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, ein schwerer politischer Fehler. Die Mehrheit der Bevölkerung lehne die Hochrisikotechnologie ab. Die Akzeptanz für den Transport radioaktiver Abfälle quer durch die Republik in zweifelhafte Zwischenlager sei gleich null. Die Castortransporte seien das Symbol für die zukunftsfeindliche Energiepolitik der Bundesregierung. Wachsende Atommüllberge, die Hilflosigkeit der Politik gegenüber der ungelösten Entsorgungsfrage und die Gefahren des laufenden Betriebes machten die Atomenergie zu einem unkalkulierbaren Risiko.

Nach Angaben des BUND Thüringen soll mit dem geplanten Castortransport durch Thüringen hochradioaktiver Atommüll des atomgetriebenen Forschungsschiffs Otto-Hahn und des Forschungszentrums in Karlsruhe in das sog. Zwischenlager in Lubmin gebracht werden. Die Zwischenlagerung in Lubmin sei aber nur bis 2039 genehmigt. Was mit dem Müll nach der Zwischenlagerung geschehen soll, sei völlig ungewiss, da es bisher weltweit kein Endlager für radioaktiven Müll gebe.

Hoffmann machte deutlich, dass kein Politiker und kein Parlament die Verantwortung für eine sichere Endlagerung übernehmen könne. Ein Zeitraum von mindestens 500 Generationen für eine sichere Lagerung von Atommüll sei nach derzeitigem Stand der Technik überhaupt nicht überschaubar.

„Es gibt nur einen verantwortungsvollen Weg, mit Atomenergie um zu gehen: Abschalten!“, erklärte Hoffmann weiter. „Wir rufen die Menschen dazu auf, mit uns am kommenden Dienstag gegen den geplanten Castor-Transport und die Atomkraft auf die Straße zu gehen!
Die Demo startet nach Angaben des BUND Thüringen am Dienstag, 14.12.10 um 17:00 Uhr in Erfurt vor der Staatskanzlei. Sie führt nach einer kurzen Auftaktkundgebung über den Juri-Gagarin-Ring zum Hauptbahnhof, wo um 18:00 Uhr die Hauptkundgebung stattfindet.

Unterstützer:
Offenes Jugendbüro RedRoXX, Naturfreunde Jugend, Jusos Thüringen, BUNDJugend Thüringen, Linksjugend SolidThüringen, DGB Jugend Thüringen, LINKE Thüringen, Bündnis 90/Die GRÜNEN Thüringen, SPD Erfurt, Grüne Jugend Thüringen, StuKo Weimar, Offene Arbeit, ökologische Plattform, Anti-Atom-Bündnis Erfurt, Anti-Castor-Plenum Jena, Evangelische Kirche Mitteldeutschland

25. November 2010

Luftverkehrssteuer im Bundesrat nicht verzögern: SPD-regierte Länder müssen Sonderinteressen zurückstellen

Wenn der Bundesrat in seiner Sitzung am morgigen Freitag die Einführung einer Luftverkehrssteuer im Rahmen des Haushaltsbegleitgesetzes 2011 (Art. 1 HBeglG, BR-Drucks. 680/10 v. 5.11.2021) verhandelt, dürfen die SPD-regierten Länder dies weder verzögern noch blockieren, fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Ein Antrag dreier SPD-regierter Bundesländer (Rheinland-Pfalz, Berlin, Brandenburg, Bundesrats-Drucksache 680/3/10) verlange vom Bundesrat, die Luftverkehrssteuer zu streichen.

Der BUND begrüßt die Einführung einer nach Entfernung gestaffelten Luftverkehrssteuer von 8, 25 und 45 Euro für jeden Fluggast. Umweltschädliche Subventionen des Luftverkehrs im Umfang von einer Milliarde Euro pro Jahr würden damit in Deutschland abgebaut. Der BUND-Landesgeschäftsführer Dr. Burkhard Vogel dazu: „Dies ein wichtiger Schritt zu mehr Wettbewerbsgleichheit im Verkehr und ein notwendiger Beitrag zur Begrenzung der CO2-Emissionen des Luftverkehrs. Der Luftverkehr ist derzeit für rund fünf Prozent des vom Menschen verursachten Treibhauseffekts verantwortlich – mit stark steigender Tendenz.“
Der BUND Thüringen fordert die Landesregierung auf, im Bundesrat den von den SPD-regierten Ländern gestellten Antrag  zur Abschaffung der Luftverkehrssteuer abzulehnen. Vogel: „Jene SPD-Ministerpräsidenten, die hinter diesem Antrag stehen, stellen regionale Flughafeninteressen opportunistisch über den Klima- und Umweltschutz. Sie verstoßen damit gegen einen eigenen Parteitagsbeschluss vom September diesen Jahres, der die Einführung einer angemessenen Luftverkehrsbesteuerung forderte.“ Damit verspiele die SPD insgesamt ihre ökologische Glaubwürdigkeit.

Der BUND hält die gegen die Luftverkehrsteuer vorgetragenen Argumente für nicht überzeugend. Eine nationale Regelung sei derzeit die einzige realistische Handlungsmöglichkeit im Luftverkehrssektor. Auch die angeblich zu erwartende Abwanderung zu grenznahen Flughäfen in den Nachbarländern sei nicht belegt. Der Umweltverband forderte die Weiterentwicklung der Luftverkehrsabgabe. Erforderlich sei eine Differenzierung zwischen den Komfortklassen. Business-Class-Flieger und Erste-Klasse-Flieger seien für die zwei- bis dreifache Menge an CO2 verantwortlich wie Economy-Kunden. Außerdem müssten Frachtflüge, Transferpassagiere und Lärmemissionen in die Luftverkehrssteuer einbezogen werden.

12. November 2010

BUND Thüringen begrüßt Beitritt Thüringens zum europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt den Beitritt Thüringens zum europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen. Damit setze die Landesregierung den Koalitionsvertrag in diesem Punkt konsequent um.
„Diese Entscheidung von Sozialministerin Taubert ist eine gute Nachricht für Thüringens Landwirte, für Thüringens Verbraucher und für die Natur in Thüringen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Die Praxis im Ausland zeigt, dass der Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln steigert, die bäuerliche Landwirtschaft in die Abhängigkeit von Agrochemie-Konzernen führt und die Verbraucher mit den Risiken dieser Technologie alleine lässt.“
Deshalb lobte Vogel ausdrücklich die Entscheidung der Landesregierung, als bisher einziges Bundesland die „Charta gentechnikfreier Regionen“ zu unterzeichnen. Nach dem Beschluss des Thüringer Landtages, auf den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen auf landeseigenen Flächen zu verzichten und der Entscheidung des Umweltministeriums für Gentechnikfreiheit im Wald sei die Erklärung Thüringens zur gentechnikfreien Region folgerichtig und konsequent.
„Jetzt sind die Landkreise und Kommunen gefordert dem Vorbild der Landesregierung zu folgen“, erklärte Vogel. Weiterhin forderte Vogel die Thüringer Landwirtschaft auf, die Politik der Landesregierung nicht zu unterlaufen.
„Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt diese Risikotechnologie ab. Deshalb sollten auch die Landwirte in Thüringen ein klares Bekenntnis zur Gentechnikfreiheit ablegen.“

27. Oktober 2010

AKW-Laufzeitverlängerung bedeutet erhebliches Sicherheitsrisiko für Thüringen - Thüringer Bevölkerung vor radiaktiver Verseuchung nicht sicher

Erfurt. Der BUND Thüringen warnt vor einer erheblichen Verschärfung des Sicherheitsrisikos für Thüringen bei einer Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Vor allem ältere Meiler wie der südhessische Schrottreaktor Biblis A bildeten ein besonderes Gefährdungspotenzial für den Freistaat. Die Thüringer Bundestagsabgeordneten der Regierungsfraktionen werden aufgefordert, im Interesse Thüringens einer Laufzeitverlängerung nicht zu stimmen.
„Wer der Laufzeitverlängerung zustimmt, nimmt die wachsende Bedrohung der Thüringer Bevölkerung durch eines der ältesten und unsichersten Kernkraftwerke Deutschlands billigend in Kauf“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.
Bereits 2007 habe eine Studie des Öko-Instituts gezeigt, dass sich im Falle eines atomaren Unfalls die radioaktive Wolke von Biblis quer über Thüringen hinweg ausbreite. Die Städte Eisenach, Gotha und Erfurt und Weimar lägen genau im Ausbreitungskorridor der Wolke.
Nach Einschätzung des BUND Thüringen ist das Risiko eines GAU´s bei Biblis A besonders hoch. Der Reaktor sei 1975 in Betrieb genommen worden und habe bereits mehrere Störfälle hinter sich. Unter anderem sei es 1987 durch den Verlust von Kühlmittel zu einem der schwersten Störfälle in einem deutschen Kernkraftwerk gekommen. Besonders riskant sei die Tatsache zu bewerten, dass der Biblis A als einziges deutsches Atomkraftwerk nicht über eine sog. Notstandswarte verfüge, welche ein sicheres Herunterfahren des Kraftwerkes bei schweren Störfällen ermögliche. Im 2000 ausgehandelten Atomkonsens sei die Nachrüstung von Biblis A mit einer unabhängig vom Reaktorgebäude verbunkerte Notstandswarte ausgeklammert worden, weil man davon ausgegangen sei, dass Biblis A nur noch bis zum Jahr 2008 laufen solle.
Jetzt solle der Schrottreaktor Biblis A nach dem Willen der Regierungskoalition für weitere 8 Jahre am Netz bleiben, obwohl das Kernkraftwerk auch nach Auffassung der Bundesregierung nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspreche.
„Atommeiler wie Biblis A sind tickende Zeitbomben“ stellte Vogel fest. „Bei einer Entscheidung für Laufzeitverlängerungen steigt das Risiko einer atomaren Katastrophe. Vor radioaktiver Verseuchung könnten auch große Teile der Thüringer Bevölkerung im Falle eines GAU`s in Biblis nicht geschützt werden. Deshalb fordern wir alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, der Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken nicht zu zustimmen!“

27. August 2010

BUND Thüringen: Atomkraft abschalten: jetzt! - Aufruf zur Anti-Atom-Demo am 18.09.10 in Berlin

Erfurt. Der BUND Thüringen warnt vor einer erheblichen Verschärfung des Sicherheitsrisikos für Thüringen bei einer Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Vor allem ältere Meiler wie der südhessische Schrottreaktor Biblis A bildeten ein besonderes Gefährdungspotenzial für den Freistaat. Die Thüringer Bundestagsabgeordneten der Regierungsfraktionen sollten daher im Interesse Thüringens einer Laufzeitverlängerung nicht zu stimmen.

Gemeinsam mit anderen Verbänden und Bürgerinitiativen ruft der BUND Thüringen die atomkritische Bevölkerung dazu auf, am 18. September in Berlin eine große Anti-Atom-Demonstration durchzuführen, bei der das Regierungsviertel umzingelt werden soll.
„Die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken, welche die Bundesregierung plant, ist moralisch nicht vertretbar, weil kein Politiker und kein Parlament dieser Welt die Verantwortung für diese Hochrisiko-Technologie übernehmen kann“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Atomkraft ist weder berechenbar noch beherrschbar.

Bei Laufzeitverlängerungen würde sich die Menge des gefährlichen Atommülls weiter erhöhen, machte Hoffmann deutlich. Damit werde nachfolgenden Generationen ein strahlendes Erbe hinterlassen, für das es keine Lösung gebe. Der hochradioaktive Müll müsse mindestens 1 Million Jahre verwahrt werden. Nach Angaben von Hoffmann zeigten die jüngsten Vorfälle, wie das absaufende und vom Einsturz bedrohte Atommülllager Asse, dass eine Sicherung Lagerung von Atommüll nicht möglich sei. Bisher gebe es weltweit kein funktionierendes Endlager für den radioaktiven Abfall. Auch die Gefahren durch Störfälle oder Terroranschläge wüchsen mit jedem Tag, den die Reaktoren am Netz blieben.

Längere Laufzeiten erhöhten das atomare Risiko durch Alterungseffekte und Materialermüdung. Betroffen seien wichtige Teile eines Atomkraftwerkes wie der Reaktordruckbehälter, der Kühlkreislauf, die Dampf-Generatoren und Turbinen. Insgesamt führe dies zu einer zunehmenden Ausnutzung der Sicherheitsreserven. Daher sollten Schrottreaktoren wie Brunsbüttel oder Biblis A, die ihre Unsicherheit bereits mehrfach unter Beweis gestellt haben, unverzüglich vom Netz genommen werden. Aber auch die anderen Atomkraftwerke seien nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze oder terroristische Angriffe gesichert.
„Wir rufen die Menschen dazu auf, am 18. September mit uns in Berlin auf die Straße zu gehen, damit die Atomkraftwerke endlich abgeschaltet werden – und zwar jetzt!“

17. August 2010

Rhöntrasse B87n: breiter, schneller, teurer - BUND Thüringen lehnt Raumordnungsverfahren OU Oberkatz ab

Erfurt/Meiningen. Die neue Bundesstraße B 87 n von Meiningen nach Fulda soll breiter und für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt werden als ursprünglich geplant. Das geht nach Angaben des BUND Thüringen aus den Unterlagen zum Raumordnungsverfahren für die Ortsumgehung Oberkatz hervor, zu denen der Verband jetzt eine Stellungnahme abgegeben hat.

„Noch breiter, noch schneller und vor allem noch teurer! Sparen ist für die Straßenplaner offenbar ein Fremdwort“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Von dem ursprünglichen Versprechen, kleinräumige Ortsumgehungen zu bauen und ansonsten die Linie der bestehenden Landesstrassen zu nutzen, ist nichts übrig geblieben! Zwischen Meiningen und Tann wird die Trasse zu 80% aus Neubaustrecken bestehen.“ Gravierende Landschaftszerstörungen und die Zerschneidung wertvoller Lebensräume im Biosphärenreservat Rhön seien die Folge. Die Trasse im jetzt vorliegenden Raumordnungsverfahren bestehe zu 100 Prozent aus Einschnitten und Aufschüttungen und solle zu mehr als 50 Prozent dreispurig ausgebaut werden.

Nach Angaben von Hoffmann soll die sogenannte Entwurfsgeschwindigkeit für die B87n von ursprünglich 80 Kilometern pro Stunde auf 100 Kilometer pro Stunde erhöht werden. Damit verbunden sei eine Verbreiterung der Straße von 10,5 Metern auf 11,5 Meter. „Die Straßenbaubehörden verfolgen offenbar verbissen das Ziel, die neue Bundesstraße für maximale Geschwindigkeit aus zu legen. Da bleibt kein Raum für eine landschaftsangepasste Bauweise. Mit Beton und Asphalt soll die Landschaft der Rhön für die Hochgeschwindigkeitstrasse passend gemacht werden “

Während man im Bundesverkehrswegeplan aus dem Jahr 2003 noch von 140 Mio. Euro für das Projekt ausgegangen sei, rechneten die Verkehrsplaner jetzt bereits mit einer Summe von 225 Mio. Euro, erklärte Hoffmann. „Der völlig überzogene Ausbaustandard treibt die Kosten für die Trasse bereits ins Uferlose, bevor überhaupt der erste Spatenstich gemacht wurde“, so Hoffmann.

„Wenn Verkehrsminister Carius tatsächlich das Geld zum Flicken der Schlaglöcher fehlt, sollte er die Neubauprojekte im Thüringer Straßenverkehr einer dringenden Prüfung unterziehen. Da gibt es ein gigantisches Sparpotenzial auch jenseits der von der Bundesregierung finanzierten Projekte“, empfahl Hoffmann.

16. August 2010

BUND Thüringen: ICE-Neubaustrecke wird zum Milliardengrab - Alternative über Jena–Saalfeld deutlich billiger und effizienter

Erfurt. Der BUND Thüringen sieht sich durch das jüngste Gutachten des Umweltbundesamtes in seiner Kritik an der ICE-Neubaustrecke durch den Thüringer Wald bestätigt. Erneut machte der Verband deutlich, dass eine Fahrzeit von unter vier Stunden zwischen Berlin und München durch den Ausbau bestehender Strecken deutlich billiger zu erreichen sei.

„Jetzt muss die Politik endlich die Notbremse ziehen und aus dem Projekt aussteigen“, forderte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Angesichts der galoppierenden Kostenentwicklung und der vom UBA bestätigten fehlenden Rentabilität ist das Vorhaben nicht mehr zu verantworten“.

Vogel machte deutlich, dass die voraussichtlichen Baukosten alleine für den 107 km langen Abschnitt Erfurt – Nürnberg von ursprünglich 3,7 Mrd. Euro im Jahr 1997auf 5,2 Mrd. Euro gestiegen seien. Den gigantischen Baukosten stehe nur ein geringer wirtschaftlicher Nutzen gegenüber, da die Strecke für den Güterverkehr unattraktiv sei. Die nur zweigleisigen Tunnelröhren ließen die Nutzung der Strecke durch Güterzüge nur nachts zu.

Auch der Nutzen für den Personenverkehr rechtfertige in keinem Fall die exorbitanten Baukosten. Bereits im Jahr 2002 habe der BUND in einem Gutachten nachgewiesen, dass eine Fahrtzeit von unter vier Stunden zwischen Berlin und München auch durch den Ausbau des bestehenden Verkehrsnetzes zu erreichen sei. Durch den Ausbau der Bestandstrecke zwischen Leipzig – Jena – Saalfeld – Nürnberg ließe sich die Fahrzeit zwischen Berlin und München auf 3h57 verkürzen. Das Investitionsvolumen hierfür betrage weniger als 1 Mrd. Euro. Damit wäre diese Variante nicht nur deutlich billiger: In Thüringen würde dadurch auch die Anbindung an das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn deutlich verbessert werden.

„Im Gegensatz zur ICE-Neubaustrecke hätten Jena und Saalfeld dann als ICE-Haltepunkte eine Perspektive“, erklärte Vogel.

Eindringlich appellierte Vogel an die Landesregierung, sich aufgrund des aktuellen UBA-Gutachtens für eine Neubewertung der ICE-Neubaustrecke bei der Bundesregierung ein zu setzen. Vogel betonte, dass es für einen Abbruch des Projektes nicht zu spät sei:

„Bisher wurde weniger als ein Viertel der geplanten Investitionen realisiert. Wenn das Projekt jetzt abgebrochen wird, können mehrere Milliarden für einen sinnvollen Netzausbau bei der Bahn freigesetzt werden.“

10. August 2010

Wald im Wandel – Keine Chance für Thüringen! Umweltverbände lehnen forstpolitisches Positionspapier ab

Erfurt. Die Thüringer Umweltverbände BUND Thüringen, GRÜNE LIGA Thüringen und NABU Thüringen lehnen das forstpolitische Positionspapier „Wald im Wandel – eine Chance für Thüringen“ ab. Die Vertreter von BUND Thüringen, GRÜNE LIGA Thüringen und NABU Thüringen gaben heute in Erfurt bekannt, dass sie sich an der geplanten Unterzeichnung des Positionspapiers nicht beteiligen werden.

„Ohne die Ausweisung zusammenhängender nutzungsfreier Flächen auf mindestens 25.000 ha lassen sich die Lebensgemeinschaften der Wälder nicht dauerhaft schützen“, erklärte Mike Jessat, Landesvorsitzender des NABU Thüringen. „Die Weigerung des Thüringer Forstministeriums, ein entsprechendes Ziel im Positionspapier fest zu schreiben, offenbart, dass in Zukunft die restlose Ausbeutung der Wälder Vorrang vor dem Schutz der Lebensgemeinschaften haben soll.“

„Offenbar hält Minister Reinholz die klare Vereinbarung im Koalitionsvertrag, 25.000 ha Wald aus der Nutzung zu nehmen, für eine Extremposition.“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Wenn sein Ressort diese Vereinbarung ignoriert, wäre das ein Bruch des Koalitionsvertrages.“

Aus Sicht der Umweltverbände ist der Verzicht auf forstliche Nutzung auf mindestens 5% der Waldfläche alternativlos. „Mit dieser Forderung stehen wir nicht alleine, so Grit Tetzel von der GRÜNEN LIGA Thüringen, selbst die Bundesregierung hat sich mit ihrer Biodiversitätsstrategie zu diesem Ziel verpflichtet.“

Auch nachhaltige Forstwirtschaft sei ein schwerwiegender Eingriff in Waldökosysteme. Zwar sei gewährleistet, dass nur so viel Holz geerntet werde, wie nachwachse. Eine natürliche Waldentwicklung werde aber durch die Holzernte unterbunden. Viele Waldarten seien auf eine vom Menschen unbeeinflusste Waldentwicklung angewiesen, in der alle Waldstadien repräsentiert sind. Im Wirtschaftswald fehle in der Regel ein ausreichendes Angebot an Totholz. Außerdem fehle das spezifische Flächenmosaik aus dynamisch wechselnden Waldstadien, welches vor allem für sog. Urwaldarten die Nischen zum Überleben bietet. Arten wie Wildkatze, Bechsteinfledermaus oder Hohltaube sowie Todholz bewohnende Insekten oder Pilzarten seien auf entsprechende Waldgebiete angewiesen.

Thüringen verfüge zwar bereits über ein Netz von Naturwaldparzellen inklusive der Kernzonen in den Biosphärenreservaten, welches die unterschiedlichen Waldstandorte Thüringens repräsentiere. Die durchschnittliche Flächengröße dieser Parzellen liege aber unter 100 ha. Die größte, zusammenhängende nutzungsfreie Waldfläche bildet zur Zeit der Nationalpark Hainich. Aber auch die Flächengröße des Nationalpark Hainich liege an der unteren Grenze des Raumbedarfs, der erforderlich ist, damit sich die für natürliche Waldökosysteme spezifische Sukzessionsdynamik ausprägen kann.

Übereinstimmend forderten die Umweltverbände die Ausweisung eines weiteren Buchenwald-Nationalparks mit einer Mindestgröße von 10.000 ha in Thüringen.

9. August 2010

Running Wild setzt deutliches Zeichen gegen Zerschneidung in Deutschland

Erfurt/Mihla. 255 Teilnehmer setzen bei „Running Wild – Der Lebenslauf für die Wildkatze“ am Sonntag in Mihla ein eindrucksvolles Zeichen gegen die Zerschneidung von Lebensräumen in Deutschland. Die Läufer, Wanderer und Nordic Walker waren unterwegs, um für die Vernetzung von Waldlebensräumen in Deutschland zu werben. Der BUND Thüringen hatte die Veranstaltung gemeinsam mit dem SV Mihla im Rahmen des 13. Hainichlaufs organisiert. Neben den Hauptläufen über 6, 13 und 21 km gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm, das über die schützenswerte Samtpfote und deren Bedürfnisse informierte. Das Startzeichen für die Läufe gab Bob-Vize-Olympiasieger Alexander Rödiger. Aus seinen Händen empfingen die Sieger der Wettkämpfe bei der Siegerehrung auch ihre Urkunden.

„Der Gesamtsieger ist die Wildkatze“, darüber waren sich Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Eckard Krause, Vorsitzender des Sportvereins Mihla und Peter Gösel, Präsident des Landessportbundes Thüringen einig, als sie gemeinsam das Wildkatzen-Lauf-Barometer enthüllten. Stolze 3.161 Kilometer haben die Teilnehmer des Wettkampfes erlaufen und damit symbolisch einen guten Teil der insgesamt 20.000 km zurückgelegt, die notwendig sind, um alle Wildkatzenlebensräume in Deutschland wieder zu vernetzen. Vogel sagte, dass im Rahmen einer von der Europäischen Union geförderten Informationskampagne des BUND in den nächsten drei Jahren bundesweit weitere Wildkatzenläufe nach Thüringer Vorbild an den Start gehen sollen, bis die 20.000 km erreicht sind.

Dafür dass nicht nur symbolische Laufkilometer sondern echte Waldkorridore in Thüringen umgesetzt werden, sagten die anwesenden Abgeordneten des Thüringer Landtages ihre Unterstützung zu. Anja Siegesmund, Vorsitzende der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, forderte, „der Biotopverbundplanung eine eigene Karte bei der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans einzuräumen“. Katja Wolf, Landtagsabgeordnete der Linken, lobte die Allianz zwischen Sport und Naturschutz zum Schutz der Wildkatze und ihrer Lebensräume. Frank Weber, Umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, unterstrich, dass der Freistaat das Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ des BUND Thüringen zum Aufbau weiterer Vernetzungskorridore mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Entwicklung von Natur und Landschaft“ fördere.

Ralf-Uwe Beck, Ehrenvorsitzender des BUND Thüringen, hob in seinem Redebeitrag nochmals die Vorreiterrolle des BUND Thüringen für den Schutz der Wildkatze im Freistaat und darüber hinaus hervor. Seit mehr als 15 Jahren mache sich der Verband dafür stark, die Zukunft der Wildkatze in Thüringen und Deutschland langfristig zu sichern. Dabei sei es gelungen, einer der Hauptursachen für den Artenschwund, der Verinselung von Lebensräumen, mit der Wildkatze ein Gesicht zu geben. Beck forderte die Landesregierung auf, mehr Verantwortung für den Schutz und die Vernetzung naturnaher Laubwälder in Thüringen zu übernehmen.

3. August 2010

20.000 km Biotopverbund: Running Wild – Der Lebenslauf für die Wildkatze startet am Sonntag in Mihla

Erfurt. Am 08. August 2010 ist es soweit: der BUND Thüringen und der Sportverein Mihla laden ein zu „Running Wild – Der Lebenslauf für die Wildkatze“. Im Rahmen einer von der Europäischen Union geförderten Informationskampagne sollen in den nächsten drei Jahren bundesweit Wildkatzenläufe nach Thüringer Vorbild an den Start gehen. Gleichzeitig sollen in Thüringen weitere Wildkatzenkorridore entstehen.

„Wir wollen im „Internationalen Jahr der Biodiversität“ ein Zeichen setzen gegen die Zerschneidung von Lebensräumen in Deutschland und Europa!“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „20 km lang ist Deutschlands erster Wildkatzenkorridor, welcher den Nationalpark Hainich mit dem Naturpark Thüringer Wald verbindet. 20.000 km lang ist ein Netzwerk, welches alle Wildkatzenwälder in Deutschland verbinden würde. Für die Verwirklichung dieses Ziels suchen wir Verbündete.“

Der Volkslauf ist offen für Läufer, Wanderer und Nordic Walker. Die Teilnehmer erwartet eine abwechslungsreiche Strecke von wahlweise 6, 13 oder 21 km Länge im Naturpark „Eichsfeld-Hainich-Werratal“.

Hier sind Wildkatzen nach Angaben des BUND-Experten Thomas Mölich Wildkatzen in Thüringen noch zu Hause. Allerdings finde ein Austausch mit anderen Lebensräumen kaum noch statt. Ausgeräumte Ackerflächen, stark befahrene Straßen und Siedlungsflächen bildeten Hindernisse, welche die Katzen kaum überwinden könnten. Deshalb habe der BUND mit seinen Verbänden in Bayern, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg und in Zusammenarbeit mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig und dem Nationalpark Thayatal in Österreich eine deutschlandweite Kampagne zum Thema „Biotopvernetzung - Netze des Lebens“ gestartet. Das Projekt wird im Rahmen des LIFE+ Programms der Europäischen Union von 2010 bis 2013 gefördert. Mit 29 Einzelmaßnahmen, vom Volkslauf bis zum Kinospot soll für die Vernetzung von Lebensräumen in ganz Deutschland und Europa geworben werden. Damit soll der Aufbau weiterer Wildkatzenkorridore in Deutschland nach Thüringer Vorbild unterstützt werden.

Vogel gab bekannt, dass mit Mitteln der Europäischen Union und des Freistaates Thüringen aus dem Programm Entwicklung von Natur und Landschaft in den nächsten vier Jahren die Errichtung neuer Wildkatzenkorridore besonders in Nord- und Ostthüringen gefördert werde.

„Wir wollen Verbundmaßnahmen auf insgesamt 370 km Länge verwirklichen“ erklärte Thomas Mölich, Projektleiter im Projekt „Ein Rettungsnetz für die Wildkatze“. Nach Angaben von Mölich stehen hierfür seit Jahresbeginn Mittel in Höhe von 350.000,-  Euro zur Verfügung. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Landesverwaltungsamt ausgereicht.

Vogel forderte, bei der anstehenden EU-Agrarreform den Aufbau von Biotopverbundstrukturen zu einem zentralen Element künftiger Agrarförderung zu machen.

1. Juli 2010

BUND Thüringen hat Widerspruch gegen Schweinemastanlage in Oldisleben eingelegt

Erfurt. Der BUND Thüringen hat Widerspruch gegen die Genehmigung der Schweinefabrik für mehr als 8.000 Schweine in Oldisleben eingelegt. Der Widerspruch wird von der Bürgerinitiative Diamentene Aue und dem Deutschen Tierschutzbund unterstützt.

„Der Trend zu immer neuen Tierfabriken in Thüringen muss endlich gestoppt werden“ forderte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Die Haltungsbedingungen für die Tiere sind nicht mehr vertretbar und die Auswirkungen der Anlagen für Mensch und Umwelt nicht mehr hinnehmbar.“

Nach Angaben von Hoffmann sollen laut Genehmigungsbescheid 8.640 Mastschweine in Oldisleben gehalten werden. Die Tiere müssten in den Ställen auf Spaltenböden mit Güllerinnen stehen. Dabei würden sie in Buchten zusammengepfercht werden, in denen jedem Schwein weniger als 1 m2 Fläche zur Verfügung stünde. Als Futter werde den Tieren nicht Kartoffeln oder Getreide sondern ein flüssiger Nahrungsbrei direkt aus Rohrleitungen verabreicht.

„Wer sich die Haltungsbedingungen dieser armen Schweine vor Augen führt, dem vergeht der Appetit auf Thüringer Bratwurst“, sagte Hoffmann.

Nach Angaben des BUND Thüringen sind beim Bau der Anlage auch erhebliche Auswirkungen auf angrenzende Schutzgebiete zu erwarten. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Stickstoffverbindungen über die Luft aus der Anlage in das nahegelegene Esperstedter Ried eingetragen würden. Wenn das der Fall wäre, sei die europaweit einzigartige Salzvegetation des Rieds in Gefahr. Durch den Betrieb der Anlage würden jährlich 24.000 Tonnen Gülle produziert. Deren Ausbringung auf die umliegenden Agrarflächen stelle eine Gefahr für die Böden und die Ökosysteme der angrenzenden Kiesseen dar.

Hoffmann kritisierte, dass sich mit dem Bau weiterer Schweinefabriken die Überproduktion beim Schweinefleisch in Deutschland verschärfe. Die gesamte Produktionskette vom Bau der Ställe, über die Schlachthöfe bis zum Export des Fleischüberschusses werde aus Steuermitteln subventioniert. Mit dem Billigfleisch aus Thüringen und Deutschland würden dann die Märkte der Dritten Welt subventioniert.

„Mit jeder Schweinefabrik, die hier genehmigt wird, steigt die Mitverantwortung für die Zerstörung der regionalen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern“, erklärte Hoffmann.

10. Juni 2010

BUND Thüringen mit Giersch-Pesto und Hornissen im Thüringer Landtag

Erfurt. Mit Giersch-Pesto und Hornissen ist der BUND Thüringen beim Tag der Offenen Tür im Thüringer Landtag vertreten.

Jetzt sind sie wieder unterwegs. Hornissen brummen zwar laut, sind aber weit weniger gefährlich, als ihnen nachgesagt wird. Mit Nestern zum Anschauen und einer Wanderausstellung informiert der BUND Thüringen über diese faszinierenden Räuber der Lüfte. Auch die bedrohte Wildkatze und viele nützliche Informationen zum Schutz der heimischen Artenvielfalt gibt es am Info-Stand in der Sebastian-Koch-Straße.

Jeder, der vorbei schaut, kann außerdem leckeres Gierschpesto aus 100% Bio-Giersch kosten und sich über nachhaltigen Konsum informieren.

Wir freuen uns auf viele neugierige Naturfreunde!

3. Juni 2010

Keine Salzabwasserleitung zur Werra - BUND Thüringen fordert Einstellung des Antragsverfahren

Erfurt. Der BUND Thüringen lehnt den Bau einer Salzabwasserleitung für Haldensickerwässer aus der Kalihalde bei Neuhof zur Werra ab. Der Verband fordert das zuständige Regierungspräsidium in Kassel auf, das von K+S am Dienstag beantragte Planfeststellungsverfahren ein zu stellen, da die weitere Einleitung von Salzabwässer in die Werra nicht genehmigungsfähig sei.

„Die Beantragung der Pipeline zeigt, dass der Konzern K+S zur Gewinnmaximierung seine Politik der Rücksichtslosigkeit und Arroganz gegenüber den Interessen der Region und der Umwelt fortsetzt“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Die Absicht zum Bau der Abwasserleitung steht im klaren Gegensatz zu den Empfehlungen des Runden Tischs.“

Vogel wies darauf hin, dass sich der Runde Tisch mit der geplanten 63 Kilometer langen Abwasserleitung vom Bergwerk in Neuhof-Ellers bei Fulda zur Werra intensiv auseinander gesetzt hatte. Nach dem Willen von K+S sollen Sickerwässer aus der wachsenden Halde bei Neuhof durch das Abwasserrohr in die Werra geleitet werden. Der Runde Tisch hatte in seiner abschließenden Empfehlung gefordert, die Einleitung von Haldensickerwässern in die Werra spätestens bis 2020 vollständig ein zu stellen.

„Wenn die Arbeit des Runden Tisches nicht vollständig zur Farce degradiert werden soll, muss das zuständige Regierungspräsidium in Kassel jetzt die Konsequenzen ziehen“ forderte Vogel. „Die zusätzliche Einleitung der Sickerwässer widerspricht den Bestimmungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und ist nicht genehmigungsfähig. Ein weiteres aufwändiges Antragsverfahren erübrigt sich. Der Antrag von K+S ist ab zu lehnen.

17. Mai 2010

20 Jahre BUND in Thüringen

Erfurt. Ein Gründungsaufruf des damaligen Umweltbeauftragten der evangelischen Landeskirche, Ralf-Uwe Beck, gab den Anstoß: am 18. Mai 1990 wurde der Landesverband Thüringen des BUND in den Räumen der Pädagogischen Hochschule in Erfurt gegründet.

 „Wir haben den BUND Thüringen gegründet, um den Generalangriff gegen Natur und Landschaft ab zu wehren. Dabei ging es uns nicht nur darum, die Umweltsünden der DDR auf zuarbeiten. Von Anfang an war unser Ziel, eine ökologisch nachhaltige Entwicklung in ganz Deutschland ein zu leiten“, sagte Ralf-Uwe Beck, Ehrenvorsitzender des BUND Thüringen.

Werraversalzung, Uranbergbau der Wismut oder die 180.000er-Schweinefabrik im Plothener Teichgebiet waren nach Angaben von Beck am Anfang Themen, die der BUND Thüringen aufgegriffen und zum Gegenstand politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen gemacht habe. Auch den Widerstand gegen Höchstspannungsleitungen habe der BUND Thüringen bereits Mitte der 90er Jahre mit Unterschriftenaktionen und Mastbesetzungen organisiert.

Nicht immer seien die Forderungen des BUND Thüringen erfüllt worden. Die Auseinandersetzung gegen landschaftszerstörende Großprojekte wie die Thüringer Waldautobahn und die ICE-Trasse habe man verloren. Auch gegen das Pumpspeicherwerk Goldisthal und die Talsperre Leibis habe man sich erfolglos zur Wehr gesetzt. Dafür habe sich die Luft- und Wasserqualität in Thüringen seit der Wende spürbar verbessert. Die Sensibilität gegenüber industrieller Massentierhaltung sei gestiegen und der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft sei bisher erfolgreich verhindert worden.

Mit den Projekten „Grünes Band“ und „Rettungsnetz Wildkatze“ habe der BUND Thüringen neue Maßstäbe im Naturschutz in Deutschland gesetzt, betonte Beck.

„Für uns ist nicht das politisch gerade Machbare sondern das für eine zukunftsfähige Gesellschaft Notwendige Maßstab unseres Handelns“, machte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen deutlich. „Der Stopp des Klimawandels und der Schutz der Artenvielfalt sind existenzielle Herausforderungen, denen wir uns in Thüringen stellen müssen.“

Hoffmann forderte einen Anteil von 25% regenerativer Energien am Primärenergieverbrauch bis 2014, um die Energiewende voran zu bringen. Dazu sei auch die Ausweisung weiterer Areale für Windenergie in Thüringen notwendig. Dem Flächenverbrauch erteilte Hoffmann eine Absage. In Zukunft dürfe in Thüringen nur noch so viel Fläche verbraucht werden, wie an anderer Stelle wieder durch Renaturierung bereit gestellt werde. Bei der Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes müsse auf 10% der Landesfläche Raum für die Umsetzung des Biotopverbundes ausgewiesen werden. Beim Schutz der Artenvielfalt habe die Ausweisung des Biosphärenreservates Südharz und die Erweiterung des Biosphärenreservates Vessertal Priorität.

„Wir sind in zwei Jahrzehnten umweltpolitischen Engagements an den Herausforderungen gewachsen. Viele unsere Forderungen haben sich die politischen Parteien zu Eigen gemacht, einige haben Eingang in den Koalitionsvertrag der Landesregierung gefunden. Wir werden auch in den nächsten Jahrzehnten als kritischer Umweltverband Thüringen auf dem Weg in eine lebenswerte Zukunft begleiten“, erklärte Hoffmann.

10. Mai 2010

BUND Thüringen: Ausbau der Windenergie von zentraler Bedeutung für die künftige Energieversorgung

Erfurt. Für den BUND ist der weitere ökologisch verträgliche Ausbau der Windenergie von zentraler Bedeutung für die künftige Energieversorgung in Thüringen. „Nur wenn die erneuerbaren Energien möglichst schnell einen großen Teil unserer Stromversorgung übernehmen, können wir auf den Import von Kohle- und Atomstrom verzichten“, machte der Landesvorsitzendes des BUND Thüringen, Ron Hoffmann deutlich. „Die Windenergie liefert das größte Potenzial bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Thüringen. Deshalb brauchen wir mehr Windkrafträder in Thüringen.“ Besondere Bedeutung komme dabei auch dem Repowering von Windenergieanlagen, d.h. dem Ersetzen älterer kleinerer Anlagen durch größere zu. Dadurch könnten auch störende Eigenschaften einiger älterer Windräder wie Lärm und Schattenwurf deutlich gemildert werden.

Kein Verständnis zeigte Hoffmann für die mangelnde Bereitschaft der regionalen Planungsgemeinschaften in Thüringen, ausreichend Flächen für Windparks aus zu weisen. „Da werden angebliche ökologische Vorbehalte gegen Klimaschutz ausgespielt“, warnte Hoffmann. „Die ökologischen Auswirkungen von Windparks können minimiert werden, wenn die Vorhaben sorgfältig geplant werden und Kriterien wie Mindestabstände zu Schutzgebieten und Siedlungen eingehalten werden“.

24. April 2010

BUND Thüringen warnt vor Etikettenschwindel beim Nationalpark Vessertal - Landesregierung soll Maßnahmen im Koalitionsvertrag zum Schutz der Biodiversität zügig umsetzen

Erfurt. Der BUND Thüringen warnt vor einem Etikettenschwindel bei einem künftigen Nationalpark Vessertal. In einem bei der diesjährigen Landesversammlung verabschiedeten Antrag fordern die Mitglieder die Einrichtung eines Nationalpark Vessertal, welcher die internationalen Kriterien erfüllt. Außerdem wird die Erweiterung des Biosphärenreservat Vessertal auf 30.000 ha gefordert.

Einstimmig wurde Ron Hoffmann als Landesvorsitzenden in seinem Amt bestätigt. Ebenso wurden Frank Henkel und Dirk Adams als Stellvertreter und Evelyn Höhn als Schatzmeisterin in ihren Ämtern bestätigt. Als Beisitzern neu in den Landesvorstand gewählt wurde Dagmar Becker.

„Einen Nationalpark „light“ im Vessertal gibt es nicht mit uns“, erklärte Ron Hoffmann. „Wir fordern die Ausweisung eines Nationalpark Vessertal auf mindestens 10.000 ha Waldfläche. Gemäß der internationalen Standards muss auf 75% der Fläche die Holznutzung eingestellt werden. Nur wenn der Wald sich selbst überlassen bleibt, kann der Nationalpark seine Schutzfunktion entfalten.“

Hoffmann warnte gleichzeitig davor, den Nationalpark als Hemmschuh für Wirtschaftsentwicklung zu sehen. „Die Erweiterung des Biosphärenreservates und die Einrichtung des Nationalparks liefern doch erst die dringend notwendigen Impulse für Tourismus und Gastgewerbe.“

Ausdrücklich lobte Hoffmann die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag zum Schutz der Biodiversität in Thüringen. Hier seien eine Reihe positiver Signale gesetzt worden, wie der Verzicht auf Holznutzung auf 25.000 ha Waldfläche, die Aufnahme des Biotopverbundes in die Landesentwicklungsplanung, die Aussagen zu einer gentechnikfreien Landwirtschaft in Thüringen und die Erarbeitung einer Biodiversitätsstrategie für Thüringen. Nachdrücklich forderte er die Regierungskoalition auf, diese Vereinbarungen jetzt auch zügig um zu setzen. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass diese Landesregierung umweltpolitisch schwach gestartet ist, um dann ganz stark nach zu lassen“, sagte Hoffmann.

Deshalb habe die Mitgliederversammlung auch einen Antrag zur Einrichtung des Biosphärenreservates „Gipskarstlandschaft Südharz“ verabschiedet. Dieses Vorhaben dürfe nicht auf die Lange Bank geschoben würden, sondern müsse zügig umgesetzt werden.

Solidarisch erklärte sich die Landesversammlung des BUND Thüringen mit den Teilnehmern des heutigen Anti-Atom-Tages und forderten den endgültigen Verzicht auf längere Laufzeiten der Atomkraftwerke.

Die Leitanträge der Landesversammlung 2010 können Sie hier einsehen.

22. April 2010

Alternativer Nobelpreisträger Percy Schmeiser warnt vor Gentechnik in der Landwirtschaft - BUND und Thüringer Ökoherz fordern Ausweisung Thüringens als gentechnikfreie Region

Erfurt. Der kanadische Farmer und Träger des Alternativen Nobelpreises 2007, Percy Schmeiser hat heute in Erfurt vor den Folgen des Einsatzes der Gentechnik in der Landwirtschaft gewarnt. Der Einsatz von Genpflanzen durch multinationale Konzerne wie den Agrochemie- und Gentechnikkonzern Monsanto stellt nach Auffassung von Schmeiser eine schwerwiegende Gefährdung für die bäuerliche Landwirtschaft dar.

Schmeiser machte deutlich, dass die Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik in Kanada gescheitert ist. In Kanada gebe es inzwischen keinen gentechnikfreien Raps mehr. Die Veränderungen im industriellen Genraps seien durch Pollenflug auch auf den herkömmlichen Raps übertragen worden. Dadurch sei auch der Export von kanadischem Bienenhonig vollständig zusammengebrochen.

Der BUND-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger sagte: „Noch ist es nicht zu spät ist, den großflächigen Anbau von gentechnisch veränderten Kulturen in Deutschland zu stoppen. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland darf nicht in die Abhängigkeit von multinationalen Konzernen geraten“.

Nach Angaben von Weiger versuchten zwar Monsanto und andere Agrochemie-Konzerne wie BASF, SYNGENTA und PIONEER seit Jahren mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland Fuß zu fassen, bisher aber ohne Erfolg.

Der im vergangenen Jahr verbotene Gen-Mais MON 810 werde auch in diesem Jahr nicht auf deutschen Äckern stehen. Auch die in diesem Jahr erstmals zugelassene Gen-Kartoffel AMFLORA der BASF werde offenbar nur auf einem 20 ha großen Versuchsfeld in Mecklenburg-Vorpommern angebaut.

Der BUND und das Thüringer Ökoherz fordern zum Schutz der Thüringer Landwirtschaft, die Vereinbarung im Koalitionsvertrag für ein gentechnikfreies Thüringen durch die Ausweisung des Freistaates als gentechnikfreie Region um zu setzen. Im Rahmen einer Bundesratsinitiative soll sich Thüringen dafür einsetzen, dass die Bundesländer in Zukunft den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen verbieten können.

21. April 2010

Die „Wildkatzenklasse“ der Regelschule Mihla gewinnt 2. Preis bei Wettbewerb zur biologischen Vielfalt

Mihla. Für den zweiten Preis im Wettbewerb „Entdecke die Vielfalt“ hat die Klasse 9b der Regelschule heute ihre Gewinnerurkunde erhalten. Bei dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ausgerichteten Wettbewerb wurden 86 Beiträge in den beiden Altersgruppen der Zehn- bis Zwölfjährigen und der 13- bis 16-Jährigen eingereicht. Die „Wildkatzenklasse“ konnte sich mit ihrem Wildkatzenprojekt in der Kategorie „Kreativ kommunizieren“ platzieren.

Zum Gratulieren kamen der Schulleiter Uwe Schwanz, Klassenlehrerin Frau Wahnelt, Juliane Balmer und Thomas Mölich vom BUND Wildkatzenbüro in Behringen und Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Juliane Balmer begleitete die Klasse bei ihrer Bewerbung – und die hatte es ganz schön in sich: es musste eine eigene Internetseite gestaltet werden, die das Projekt vorstellen sollte.

Gleich am Anfang musste ein Name gefunden werden. Das „Wildkatzenfilmteam Nationalpark Hainich“ war geboren. Ein Projektteam aus acht Schülern der Klasse traf sich regelmäßig mit Juliane Balmer, um die Gestaltung der Internetseite voranzubringen.

Die Schüler beschäftigen sich schon seit der 5. Klasse mit der Wildkatze. Und welche Aktionen in den vergangenen Jahren zum Thema entstanden sind, konnte die Wettbewerbsjury auf der Internetseite nachlesen. Unterstützt durch zahlreiche Fotos, einen Wildkatzensteckbrief und die Wildkatzengeschichten, die in Klasse 7 von den Schülern geschrieben wurden, ist eine tolle Projektbewerbung entstanden.

Ganz nebenbei haben die Schüler in den vergangenen 5 Jahren Einblicke in die „Wildkatzenforschung“ im Hainich bekommen, Artenvielfalt kennen gelernt und ihre Erfahrungen an andere Schüler weitergegeben.

Weitere Infos unter www.entdecke-die-vielfalt.de und www.wildkatze.info

1. April 2010

„Drei in einem Boot“ an der Werra - Kanuprojekt von Landessportbund und BUND gestartet

Meiningen. „Miteinander Reden“ war das Credo einer Auftaktveranstaltung zum Kanusport und Kanutourismus auf der Werra am vergangenen Montag in Meiningen. Ziel des Projektes ist es, die unterschiedlichen Nutzungsansprüche an den Fluss so unter einen Hut zu bringen, dass das Ökosystem nicht übernutzt und gestört wird.

Angler wollen ungestört ihrem Hobby nachgehen und brauchen Ruhezonen für laichende Fische, damit sich diese reproduzieren können. Kanutouristik-Anbieter wollen den Durchsatz steigern, schließlich leben sie von den Touristen. Kanu- und Seesportler nutzen die Werra zur Sportausübung. Andererseits steht die Werra von der Quelle bis Treffurt als NATURA 2000-Gebiet unter dem besonderen Schutz europäischer Naturschutzgesetze, beherbergt sie doch eine ganze Reihe seltener Tiere und Pflanzen. Da bleiben Konflikte nicht aus.

An dieser Stelle will der organisierte Sport zum Mittler werden. Vom Landessportbund Thüringen (LSB) wurde das Projekt „Sport, Tourismus und Naturschutz: Drei in einem Boot“ ins Leben gerufen. Durchgeführt wird es vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Thüringen e.V. (BUND) mit seinem „Büro am Fluss“ in Meiningen. Weitere Hilfe und Unterstützung erfolgt über die Thüringer Sportorganisation, besonders die ansässigen Wassersportvereine, aber auch der Thüringer Kanuverband und der Thüringer Seesportverband unterstützen dieses Projekt.

Zur Auftaktveranstaltung machte Mario Brömel, Kanutouristik-Anbieter an der Saale und Mitglied der Bundesvereinigung Kanutouristik (BKT), in seinem einführenden Referat schnell klar, dass es nur gemeinsam geht. „Indem sich der Naturschutz für die Erhaltung eines intakten Lebensraumes einsetzt, schafft und erhält er auch die Voraussetzungen für die Touristen und Sportler, die dieses Naturerleben ja suchen.“

„Deshalb wollen wir im Rahmen eines Workshops gemeinsam mit den Sportlern, den touristischen Anbietern, den Anglern und Naturschützern an der Aufstellung von Verhaltensregeln für den Bootstourismus auf der Werra arbeiten.“ , ergänzt Thomas Wey vom BUND.
Außerdem sollen Informationen zu den konkreten naturschutzfachlichen und räumlichen Verhältnissen in den einzelnen Werra-Abschnitten vermittelt werden. Ein „Naturführer Lebendige Werra“ samt Karte der Naturschutzgebiete am Fluss soll dazu entstehen. Und mit einem Untersuchungskoffer für junge Forscher können künftig Projekttage von Schulen an der Werra unterstützt werden.

Bei dem Treffen in Meiningen herrschte schnell Einigkeit darüber, die skizzierten Projektbausteine gemeinsam anzugehen. Als nächster Schritt ist ein Workshop Ende April geplant, wo gemeinsam Verhaltensregeln für das Fahren auf der Werra entwickelt werden sollen. Darüber hinaus soll eine Situationsanalyse für eine bessere Koordination und Entwicklung der verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten sorgen.

Tags darauf traf sich eine ähnliche Runde im Vereinshaus des Wassersportvereins in Mihla, die den Werra-Abschnitt im Wartburgkreis unter ihre Fittiche nehmen will und kam zu vergleichbaren Ergebnissen. Dort spielt zusätzlich das Problem der Vermüllung der Werra durch unvernünftige Zeitgenossen eine besondere Rolle.

Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Naturstiftung David und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) aus Mitteln des DBU-Schwerpunktes „Sport und Umwelt“. „Darüber hinaus bringen wir erhebliche Eigenmittel mit, was die Bedeutung unterstreicht,  die wir dem naturgemäßen Tourismus und Sport auf der Werra beimessen.“, erklärt Thomas Wey das Engagement des Umweltverbandes BUND.

18. März 2010

Infoabend und Kreisverbandsgründung in Nordhausen

Erfurt/Nordhausen. Der BUND Landesverband Thüringen  wird im Landkreis Nordhausen wieder aktiv. Er lädt zu einem Infoabend am 22.3.2010 in den „Eine-Welt-Laden“ in der Barfüßer Straße nach Nordhausen ein.
Um 19.00 Uhr werden Vertreter des BUND Landesverbandes aus Erfurt erläutern, welches Mitwirkungsrecht ein gesetzlicher anerkannter Umweltverband hat und wie er dieses regional einsetzen kann. Gerade in der aktuellen Debatte um Mitbestimmungsfragen im Rahmen der Stadtentwicklung ist es wichtig, dass den Bürgern die Möglichkeit der Einflussnahme auf Maßnahmen, die mit Umweltauswirkungen und damit auf die Lebensqualität der Menschen verbunden sind, im Rahmen der Verbandsbeteiligung deutlich gemacht werden. Beteiligungsrechte gibt es z.B. bei solch wichtigen Eingriffen in Natur und Landschaft im Rahmen von Bauleitplanungen, Straßenbaumaßnahmen, bergbaulichen Vorhaben, im Bereich der Landwirtschaft z.B. beim Bau von Intensivzuchtanlagen, forstwirtschaftlichen Eingriffen, aber auch wasserbaulichen Vorhaben an intakten Flussgebieten und in anderen sensiblen Naturräumen.

Um Erfolge zu erringen, müssen die Menschen vor Ort ihre Beteiligungsrechte kennen und wahrnehmen.
„Letztendlich“, so der Geschäftsführer des BUND Dr. Burkhard Vogel,“ wollen wir den Kreisverband Nordhausen wieder aktivieren“ . Er verweist auf die Erfolge des BUND Thüringen in den letzten Jahren. So wurde die Werra Versalzung durch den BUND thematisiert und die diskutierten Alternativlösungen sind letztendlich auch unser Verdienst. Der Gipsabbau ist nach wie vor ein Thema im Südharz, ebenso wie die Einrichtung eines Biosphärenreservates. Hier sehen wir erheblichen Aufklärungsbedarf vor allem in der Landesregierung, so Dr. Vogel.

Das inzwischen über Thüringen hinaus bekannte Wildkatzenprojekt und die Herstellung eines sog. Wanderkorridors ist in aller Munde, aber auch im Bereich der alternativen Energien und des ökologischen Landbaus sowie beim Einsatz um den Verzicht von genmanipuliertem Saatgut bringt sich der BUND bundesweit ein. Burkhard Vogel beschreibt das Engagement des Umweltverbandes als eine Mischung von aktiven Projekten wie z.B. in der Landschaftspflege und andererseits der theoretisch-rechtlichen Seite in Form von Stellungnahmen bei Projekten mit landschaftsrelevanten Auswirkungen. „ Ein breites Feld, das wir abdecken müssen“, merkt der BUND Geschäftsführer an. Dafür brauche es funktionierender Strukturen auf Landkreisebene.

Wer also Interesse hat sich zu informieren und bei der Wiederbelebung des Nordhäuser Kreisverbandes mit dabei sein möchte, der sollte die Einladung zum Infoabend im „Eine Welt Laden“ am kommenden Montag wahrnehmen.

5. März 2010

BUND Thüringen lehnt Bau der 380kV-Leitung durch Thüringer Wald ab - Dezentraler Ausbau regenerativer Energien notwendig

Erfurt. Der BUND Thüringen lehnt den Bau einer 380kV-Starkstromleitung durch den Thüringer Wald ab. Eine entsprechende Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren für die geplante Starkstromleitung im Abschnitt Altenfeld bis Redwitz hat der BUND Thüringen gegenüber dem Landesverwaltungsamt abgegeben.

„Die mit der Trassenführung verbundenen Eingriffe in Natur und Landschaft sind nicht ausgleichbar“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Außerdem würde der Bau der Starkstromleitung die zentralistische und in weiten Teilen auf Atomstrom gestützte Energiepolitik der großen Stromkonzerne weiter zementieren“.

Nach Angaben des BUND Thüringen durchschneidet die geplante Trasse die sensibelsten Landschaftsteile des östlichen Thüringer Waldes und des Westlichen Thüringer Schiefergebirges. Die betroffenen Regionen um die Orte Altenfeld, Neustadt am Rennsteig, Friedrichshöhe, Goldisthal und Schleusegrund wiesen noch die letzten zusammenhängenden Bergwiesenbiotope mit teilweise hochgradig gefährdeten Arten und Pflanzengesellschaften auf. Im Zuge der Baurealisierung sei die Neuanlage von Zubringerstraßen zu erwarten. Die Zerstörung der schützenswerten Biotope in noch nicht absehbarer Größenordnung solle dabei offenbar billigend in Kauf genommen werden. Weiterhin sei zu befürchten, dass durch den Bau der Hochspannungstrasse die Landschaft derart verfremdet werde, dass eine nachhaltige Nutzung für den Fremdenverkehr erheblich beeinträchtigt werde.

Auch die Erdverkabelung der Hochspannungsleitung stellt nach Angaben von Vogel keine Alternative dar. Durch die Bodenerwärmung entlang der Trasse und die Errichtung von Muffenbauwerken in regelmäßigen Abständen sei auch diese Variante mit schwerwiegenden Eingriffen in den Naturhaushalt verbunden.

Scharfe Kritik übte Vogel an der Darstellung der Vattenfall AG, die als „Thüringer Strombrücke“ bezeichnete Trasse diene dem Klimaschutz. „Diese Darstellung ist Augenwischerei“, sagte Vogel. „Die Vorhabensträger verschweigen, dass mit der neuen Leitung die Anbindung des Pumpspeicherwerks Goldisthal an das Atomkraftwerk im bayerischen Grafenrheinfeld verbessert werden soll.“

Da das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld im sog. Grundlastbetrieb gefahren werde, entstünden vor allem nachts bei geringem Strombedarf Überkapazitäten, welche in der „Monster-Batterie“ Goldisthal gespeichert würden, so Vogel weiter. Tagsüber würde diese Energie bei hohem Strombedarf zu Spitzenpreisen an der Leipziger Strombörse verkauft.

„Wäre Goldisthal nicht gebaut worden, würden wir heute auch keine Diskussion um eine 380kV-Leitung durch den Thüringer Wald führen müssen“, ist sich Vogel sicher.

Der BUND Thüringen fordert, auf den Bau der 380kV-Leitung zu verzichten. Statt dessen sollten alle Potenziale zur Energieeinsparung genutzt werden. Außerdem müsse das Netz dezentraler, regenerativer Energieerzeugungsanlagen ausgebaut werden. Hierzu gehöre in Thüringen vor allem der Ausbau der Solarenergie und der Windenergie.

Lesen Sie hier die vollständige Stellungnahme.

22. Februar 2010

Wohlstand ohne Wachstum: eine Chance in der Krise? Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt

Ist unser Wohlstand zu halten, ohne das Wachstum immer weiter "anzukurbeln", wie es im Politik- und Wirtschaftsjargon heißt? Diese längst überfällige Debatte führen am Mittwochabend, 24. Februar 2010, in Erfurt Experten aus Wirtschaft, Politik und Umweltvertretern (BUND Thüringen). Die Veranstaltung beginnt 19 Uhr in der Kleinen Synagoge in Erfurt, der Eintritt ist frei.

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die schwerste Rezession seit 1945 ausgelöst. Mit Abwrackprämie und dem Bau neuer Straßen versucht die Politik, die globale Krise zu meistern. Brauchen wir in Thüringen mehr Straßen, mehr Gewerbegebiete und eine stetige Intensivierung von Land- und Forstwirtschaft, damit die hier lebenden Menschen eine Zukunftsperspektive haben? Ist überhaupt unser expansives Wachstums-Modell, welches für die Auslösung der Krise mit verantwortlich war, auch zur Lösung der Krise geeignet? Und ist alternativ Wohlstand ohne Wachstum überhaupt denkbar? Wir laden ein zum Diskurs über Lebensstile, Politik- und Wirtschaftskonzepte, sowie der persönlichen und kollektiven Verantwortung für die Zukunft.
Eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Thüringen und des BUND Thüringen.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.ev-akademie-thueringen.de und zum Projekt „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ http://www.zukunftsfaehiges-deutschland.de/

10. Februar 2010

Runder Tisch "Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion" - Ökologische Schäden viel schlimmer als früher bekannt! - Für zukunftsfähige Lösungen bleibt nur ein kleines Zeitfenster

Berlin/Erfurt. Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die Ergebnisse des Runden Tisches „Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion" als gute Grundlage für die dringend notwendigen Maßnahmen.

Die beiden wichtigsten neuen Ergebnisse sind für den BUND die Erkenntnisse, dass die ökologischen Schäden viel schlimmer sind als dies bisher bekannt war und dass eine Fortsetzung der Salzeinleitung in das Grundwasser und in die Flüsse Werra und Weser rechtlich nicht möglich ist. „Insbesondere die Verpressung muss schnellstmöglich gestoppt und das Jahr 2010 muss zur Verständigung auf eine verbindliche Gesamtlösung genutzt werden“, appelliert der BUND Vorsitzende Prof. Hubert Weiger mit Blick auf die Kali und Salz AG (K & S), die der Verursacher der Probleme ist. Klar ist, dass die Grundwasserverschmutzung gestoppt und dass Werra und Weser nach vielen Jahrzehnten endlich wieder Süßwasserflüsse werden müssen. Nur wenn die Beendigung der katastrophalen ökologischen Zustände von K & S selbst angestrebt wird, können auch die 6.000 Arbeitsplätze in der Kaliregion gesichert werden.

Schon Ende 2011 läuft in Hessen eine erste Verschmutzungsgenehmigung aus, auf die K & S die Salzverpressung in den Untergrund noch stützen darf. Die früher übliche Verlängerung dieser Bescheide ist nicht mehr möglich, da sich die Rechtslage geändert hat und die Schäden in der Region mittlerweile zu groß geworden sind. Denkbar sind nur noch Übergangslösungen, die aber ein verbindliches Konzept zur dauerhaften Sanierung voraussetzen. Dies hat das Hessische Umweltministerium in den letzten Jahren mehrfach am Runden Tisch bekräftigt. Kommt es folglich in 2010 nicht zu verbindlichen Festlegungen auf ein Konzept, wie die heute noch praktizierte Verschmutzung der Gewässer schnell und dauerhaft beendet werden kann, dann provoziert der Vorstand von K & S das Aus des Kalibergbaus in der Werra-Region. BUND-Vorsitzender Prof. Dr. Weiger: „Wir haben den Eindruck, dass diese harte Konsequenz noch nicht überall in der Politik verstanden wird.“

Als geradezu gefährlich bewerten die Fachleute des BUND die von K & S kürzlich als Alternative zur Salzabwasser-Pipeline zur Nordsee vorgelegte „Neue Integrierte Salzlaststeuerung“ (NIS). Diese sieht vor, harte und damit stärker belastende Abwässer in den Untergrund zu pressen und dafür weichere Abwässer verstärkt zurückzufördern. „Das ist eine Farce. Zum Glück sehen das auch die hessischen Behörden so“, sagt der Wasserexperte des BUND, Stephan Gunkel. „Die NIS löst das Problem der Grundwasserversalzung nicht und würde eine dauerhafte Belastung von Werra und Weser festschreiben. Das ist für den BUND nicht akzeptabel.“ Auch andere Sachverständige des Runden Tisches stufen das Verfahren als äußerst riskant ein.

Daher hat der BUND am Runden Tisch für folgende Empfehlungen plädiert:
Vollständiger Stopp der Salzeinleitungen in die Werra bis spätestens 2020.
Dem Unternehmen bliebe so genug Zeit, eine Lösung des – lange bekannten – Problems voranzubringen; Sofortiger Stopp der Versenkung/Verpressung von Salzwasser in den Untergrund; spätestens jedoch bis zum Auslaufen der aktuellen Genehmigung 2011 bzw. bis 2015, falls verbindlich eine Gesamtlösung der Versalzung in Angriff genommen wird; Ablehnung der sogenannten „Neuen integrierten Salzlaststeuerung“, soweit sie die Fortsetzung der Verpressung impliziert, Absenkung des bestehenden, extrem hohen Grenzwertes für Chlorid von 2.500 mg/l auf ökologisch verträgliche Werte, Umfassende Reduzierung der Salzrückstände vor Ort und Geregelte Ableitung verbleibenden Restwassers per Pipeline zur Nordsee, sofern eine Lösung vor Ort nicht möglich ist

Der Bau der Salzabwasser-Pipeline zur Nordsee, die der Runde Tisch gestern mehrheitlich empfohlen hat, wäre eine Möglichkeit zur Gewässersanierung. Die mit ihr über eine lange Strecke verbundenen Eingriffe in die Landschaft würde der BUND als Kompromisslösung mittragen, falls sich in den nächsten Wochen die bisherige Erkenntnis am Runden Tisch bestätigt, dass andere Verfahren zur Behandlung des salzhaltigen Abwassers wie Eindampfen, Laugentiefkühlung, trockene Salzaufbereitung nicht ausreichen, um das Problem der Salzabwässer zu lösen und dass die Einleitung in die Nordsee keine wesentlichen ökologischen Schäden hervorruft.
Wie der Runde Tisch sieht auch die Bundesregierung bisher nur im Bau der Salzabwasser-Pipeline zur Nordsee eine „dauerhafte Lösung“ zur „Ableitung des Salzabwassers“ (BT-Drs. 17/360). Diese Einschätzung wird von der hessischen CDU/FDP-Landesregierung und der CDU/SPD-Landesregierung von Thüringen geteilt. Beide plädieren deshalb klar für den Bau der Pipeline.

27. Januar 2010

BUND Thüringen warnt vor Bildung einer Landesforstgesellschaft

Erfurt. Der BUND Thüringen kritisiert die Pläne von Landwirtschaftsminister Reinholz zur Bildung einer privaten Landesforstgesellschaft.
„Das ist der Anfang vom Ende des Einheitsforstamtes“, fürchtet Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Durch die Auslagerung von Forstarbeitern des Staatsdienstes in eine Landesgesellschaft werde die Gemeinwohlfunktion des Staatswaldes in Frage gestellt. Im Gegensatz zur staatlichen Forstverwaltung sei ein Wirtschaftsunternehmen, auch wenn es sich im Eigentum des Landes befinde, in erster Linie der Gewinnmaximierung verpflichtet. Daher sei bei Verwirklichung der Ausgliederung des Forstpersonals in eine GmbH zu erwarten, dass die Waldbewirtschaftung intensiviert werde.

„Ähnliche Entwicklungen in Hessen und Bayern zeigen, dass bei der Privatisierung der Forstverwaltung die Naturschutz- und die Erholungsfunktion des Waldes regelmäßig auf der Strecke bleiben“, erklärte Hoffmann. „Die Wälder werden immer stärker ausgebeutet und Wanderwege und Erholungseinrichtungen im Wald nicht mehr gepflegt, weil sie keinen Gewinn bringen.“
Hoffmanns verwies außerdem darauf, dass bei der Ausgliederung des staatlichen Forstpersonals in eine Landesgesellschaft ein erheblicher Personalabbau zu erwarten sei. Ein verstärkte Mechanisierung der Holzernte und Rationalisierungsmaßnahmen würden dazu führten, dass Personal frei gesetzt werde. Der Einsatz schwerer Erntetechnik führe zu massiven Bodenschäden und zu Schäden an den Beständen und lasse den Aufbau naturnaher und strukturreicher Waldbestände nicht mehr zu.
„Im Staatswald muss Gemeinwohl vor Gewinn stehen“, forderte Hoffmann. „Deshalb lehnt der BUND Thüringen die Privatisierung staatlicher Forststrukturen ab.“

26. Januar 2010

Verbändekampagne fordert zur Senkung der Rußbelastung die Einführung von Umweltzonen in Erfurt, Mühlhausen und Weimar, sowie die Verbesserung von Radverkehr und ÖPNV

Erfurt. Dieselruß schadet nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Klima – Erfurt, Mühlhausen und Weimar brauchen zur Einhaltung der Feinstaubgrenzwerte die Einführung von Umweltzonen und eine konsequentere Förderung von Radverkehr und ÖPNV im innerstädtischen Bereich.
Die bisherigen Anstrengungen des Freistaats Thüringen und der betroffenen Städte, die gesundheits- und klimaschädlichen Rußemissionen zu reduzieren, sind nicht ausreichend. Dies kritisierten heute Vertreter des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und des Verkehrsclub Deutschland (VCD) im Rahmen einer Pressekonferenz der Kampagne “Russfrei fürs Klima“.

Gleich an mehreren Verkehrsmessstellen in Thüringen sei letztes Jahr der EU-Tagesgrenzwert für Feinstaub überschritten worden. Grund dafür sei, dass notwendige Minderungsmaßnahmen in Erfurt, Mühlhausen und Weimar noch immer nicht umgesetzt würden. So sei zum Beispiel die Messstelle ’Weimar/Steubenstraße’ schon seit 2006 unter den Messstellen mit den meisten Überschreitungen in ganz Deutschland, und trotzdem ge-schehe dort nichts. Die Einführung von Umweltzonen in den betroffenen Städten sei eine schnell wirksame Möglichkeit, Dieselruß zu vermeiden und Klima- und Gesundheitsschutzbelange besser zu berücksichtigen.

Für die Verminderung von Ruß gibt es laut Dr. Axel Friedrich, internationaler Verkehrsexperte, sehr kosteneffiziente Lösungen. „Wirksame Rußfilter müssen nicht nur in Pkw und Nutzfahrzeugen, sondern auch in Schienenfahrzeugen, Bussen und alle anderen Fahrzeugen des städtischen Fuhrparks eingebaut werden, auch nachträglich! Vollständig versäumt wurde bisher, auch Baumaschinen mit Partikelfiltern auszustatten, obwohl 30 Prozent der städtischen Rußemissionen von ihnen ausgehen. Die Thüringer Städte müssen hier vorangehen und mit städtebaulichen Vorgaben dafür sorgen, dass Baumaschinen die Atemluft in den Städten nicht länger belasten“, so Friedrich.

Dr. Burkhard Vogel, Geschäftsführer des BUND-Thüringen, kritisierte, dass in Thüringen noch immer keine Umweltzone eingerichtet seien. „Es ist ganz offensichtlich, dass die Thüringer Innenstädte ein massives Feinstaubproblem haben. 222 Überschreitungen in den letzten 4 Jahren an der Messstelle Weimar/Steubenstraße sprechen eine eindeutige Sprache. Wir sehen das Land Thüringen in der Pflicht, gemeinsam mit den Städten die Gesundheit ihrer Bürger und das Klima durch die Schaffung von Umweltzonen und eine ambitionierte Vermeidungsstrategie für den motorisierten Individualverkehr zu schützen“, so Vogel. Auch in der Wanfrieder Straße in Mühlhausen und der Erfurter Bergstraße sei es in den letzten Jahren immer wieder zu mehr, als den erlaubten 35 Überschreitungen pro Jahr gekommen. Handlungsbedarf bestehe also thüringen-weit.

Lucienne Damm, Verkehrsexpertin des NABU-Bundesverbandes, hob hervor, dass die Wirksamkeit von Umweltzonen durch umfangreiche Untersuchungen in Berlin und München nachgewiesen worden sei. So sei in Berlin die verkehrsbedingte Rußbelastung bereits um 24 Prozent und die Stickstoffdioxidbelastung um 14 Prozent zurückgegangen. Mit der Scharfstellung der Umweltzone in Berlin (gültig seit dem 01. Januar 2010) sei sogar mit einer weiteren deutlichen Luftqualitätsverbesserung zu rechnen. „Das Land Thüringen und seine Städte sind zum Wohl der Gesundheit der Bürger dazu verpflichtet, die Feinstaub- und seit dem 01.01.2010 auch die Stickstoffdioxidgrenzwerte der EU einzuhalten. Die Umweltzone ist als Teil eines ganzen Maßnahmenbündels dafür eines der wirksamsten Instrumente“, sagte Damm. Man wolle auch deutlich machen, dass die Umweltzone einen doppelten Effekt habe. Sie helfe dabei die Atemluft zu verbessern und durch die Verminderung von Dieselrußemissionen auch das Klima zu schonen. Letztlich müsse jede Stadt und jede Kommune dazu ihren Beitrag leisten.

Heiko Balsmeyer, Verkehrsexperte des VCD-Bundesverbandes, sieht das Land Thüringen und die Kommunen in der Pflicht, nach jahrelanger Untätigkeit endlich Luftschadstoffe wie Dieselruß zu mindern. „Seit 2008 sind die Überschreitungen in Mühlhausen bekannt. Jetzt muss endlich ein Aktionsplan mit wirkungsvollen Maßnahmen – einschließlich Umweltzone – erstellt werden.“ Auch im Bereich Förderung des Fahrradverkehrs sieht er akuten Handlungsbedarf. Der Anteil des Radverkehrs an den Alltagswegen sei mit 7 Prozent im thüringischen Durchschnitt, mit 9 Prozent in Erfurt oder 8 Prozent in Weimar viel zu gering. Balsmeyer forderte: „Neben der Förderung des touristischen Fahrradverkehrs ist ein Landesprogramm zur Förderung des Alltagsradverkehrs notwendig.“ Auch dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) widme die Landesregierung zu wenig Auf-merksamkeit. Die CDU habe im Wahlkampf die richtige Forderung nach einem Thüringen-Takt erhoben, im Koalitionsvertrag tauche er aber nicht mehr auf. „Mit einem Thüringen-Takt können die Fahrgastzahlen im Nahverkehr zügig verdoppelt werden,“ so Balsmeyer.



Jahresbericht 2016

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
.

Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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