19. Dezember 2014

Kahlschlag an 100 Alleebäume in der Rhön war rechtswidrig - BUND Thüringen stellt Strafanzeige gegen Straßenbauamt

Erfurt/Meiningen. Der Kahlschlag an etwa 100 Alleebäumen entlang der Landesstraße L1123 im Biosphärenreservat Rhön war nach Einschätzung des BUND Thüringen rechtswidrig. Der Verband stellt daher Strafanzeige gegen das für die Abholzungsaktion verantwortliche Straßenbauamt Südwestthüringen.

„Wer eine ganze Allee mit bis zu einhundert Jahre alten, überwiegend gesunden Bäumen auf einen Schlag fällen lässt, hat jedes Maß für Verhältnismäßigkeit verloren“, kritisierte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Offenbar hat man unter dem Vorwand der Verkehrssicherung Tatsachen geschaffen, um eine unliebsame Baumallee los zu werden.“

Nach Angaben des BUND Thüringen hat das Straßenbauamt Südwestthüringen die Anweisung zur Fällung der gesamten Baumallee zwischen Frankenheim, Birx und der Landesgrenze nach Hessen wegen Eisbruchgefahr einzelner Äste gegeben. Dabei habe das Straßenbauamt offensichtlich gegen eine Reihe von Rechtsvorschriften verstoßen.

Die betroffene Allee liege im Biosphärenreservat Rhön und sei außerdem Bestandteil eines Europäischen FFH- und Vogelschutzgebietes sowie eines Landschaftsschutzgebietes. Dennoch habe das Straßenbauamt weder die zuständige Untere Naturschutzbehörde noch die anerkannten Naturschutzverbände vor der Fällaktion in die Entscheidung mit einbezogen. Eine zwingend vorgeschriebene artenschutzrechtliche Prüfung habe das Straßenbauamt ebenso ignoriert wie auch eine FFH-Verträglichkeitsprüfung. Die Begründung des Straßenbauamtes, die Maßnahme wegen „Gefahr im Verzug“ angeordnet zu haben, weist Vogel als abwegig zurück. „Die Straße war bereits für den Verkehr gesperrt. Es hätte genügend Handlungsspielraum gegeben, um Behörden und Verbände ein zu beziehen.“

„Wenn sich eine Landesbehörde über geltendes Recht hinwegsetzt und in einem geschützten Naturraum die Landschaft ohne Not zerstört, müssen die Entscheidungsträger dafür zur Verantwortung gezogen werden. Deshalb hat der BUND Thüringen Strafanzeige gestellt. Eine Klage gegen die Fällaktion werden wir prüfen“, sagte Vogel.

15. Dezember 2014

Kein Gipsabbau am Winkelberg im Landkreis Nordhausen - BUND Thüringen unterstützt Forderung nach Erweiterung des Naturschutzgebietes Rüdigsdorfer Schweiz

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert die Firma Casea aus Ellrich auf, ihre Probebohrungen zur Erkundung von Gipslagerstätten am Winkelberg, Rüdigsdorfer Schweiz, einzustellen. Er unterstützt die Forderung des Landkreises Nordhausen nach der Erweiterung des Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz auf den gesamten Winkelberg.

„Im Koalitionsvertrag haben Rot-Rot-Grün den Neuaufschluss von Gipstagebauen im Südharz ausgeschlossen. Deshalb muss die neue Landesregierung den Plänen der Firma Casea am Winkelberg jetzt endgültig einen Riegel vorschieben“, forderte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Dazu muss der Freistaat den Winkelberg auch als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden.“

Nach Angaben des BUND Thüringen hat die Firma Casea aus Ellrich bereits mit Probebohrungen am Winkelberg begonnen. Durch die Einbindung des Winkelberges in das Naturschutzgebiet „Rüdigsdorfer Schweiz“ könne die notwendige Rechtssicherheit für die wertvollen Lebensräume geschaffen werden.

Allein 14 der insgesamt 20 Thüringer Fledermausarten wurden nach Angaben von Vogel im Gebiet des Winkelberges nachgewiesen. Das Stollensystem „Winkelberg“, in dem viele der Arten überwinterten, gehöre zu den bundesweit bedeutendsten unterirdischen Fledermausquartieren. Im Frühjahr seien die Halbtrockenrasen und Wälder am Winkelberg als Nahrungsflächen für die aus dem Winterschlaf erwachenden Fledermäuse unverzichtbar.

„Das Thüringer Umweltministerium muss sofort handeln, bevor die Gipsindustrie am Winkelberg vollendete Tatsachen schaffen kann und das Herz der Rüdigsdorfer Schweiz den Baggern der Gipsindustrie zum Opfer fällt“, forderte Vogel.

12. Dezember 2014

BUND Thüringen begrüßt Regierungserklärung von Ministerpräsident Bodo Ramelow

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt die erste Regierungserklärung des neuen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Aus Sicht des Verbandes wird der ernsthafte Wille zur Gestaltung einer nachhaltigen Landespolitik deutlich.

„Ministerpräsident Ramelow hat in seiner Regierungserklärung konkrete Akzente für die Neuausrichtung der Umwelt-, Klima- und Naturschutzpolitik im Freistaat benannt“, sagte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Wenn die neue Landesregierung ihre Ankündigungen einlöst, kann der dringend notwendige ökologische Kurswechsel in Thüringen gelingen.“

Für Hoffmann ist die Neuausrichtung der Thüringer Verkehrspolitik auf den Ausbau der Schieneninfrastruktur und des Öffentlichen Personennahverkehrs ein erster Schritt zu einer ökologischen Verkehrswende. Der Vorrang von Schiene vor Straße bedeute weniger CO2-Ausstoß, weniger Flächenverbrauch und weniger Landschaftszerschneidung. Daher müssten überzogene Verkehrsprojekte wie der Bau der B19 zwischen Eisenach und Etterwinden endgültig gestoppt werden.

Ausdrücklich begrüßte Hoffmann die von Ministerpräsident Ramelow angekündigte Stärkung der Naturschutzverwaltung in Thüringen: „Kein anderer Verwaltungsbereich ist in den vergangen Jahren personell so konsequent dezimiert und geschwächt worden, wie die Naturschutzverwaltung“, sagte er. Eine starke, eigenständige Naturschutzabteilung im neuen Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz und die Stärkung der nachgeordneten Fach- und Vollzugsbehörden seien notwendig, wenn der forstschreitende Verlust Biologischer Vielfalt in Thüringen gestoppt werden solle. Mit dem Aufbau eines Netzwerkes Biologischer Stationen in den zehn Naturräumen Thüringens könne der Erhalt und die Pflege schützenswerter Landschaften gesichert werden.

Als ermutigendes Signal bezeichnete Hoffmann auch die Ankündigung eines Klimaschutzgesetzes für Thüringen. „Wenn beim Klimaschutz in der Weltgemeinschaft jeder darauf wartet, dass der andere den ersten Schritt tut, haben am Ende alle verloren! Beim Klimaschutz darf es weder Aufschub noch Ausflüchte geben. Ein Klimaschutzgesetzt in Thüringen zu Reduktion der Treibhausgase kann den klimapolitischen Stillstand der Vorgängerregierungen endlich überwinden.“

„Wir fordern die neue Landesregierung auf, den neuen auf Zukunft und Nachhaltigkeit ausgerichteten Kurs bei zu behalten und die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag ein zu lösen. Die Aufstellung von Aktionsplänen für nachhaltiges Handeln in allen Ressorts ist der richtige Weg dazu. Wir stehen für eine konstruktive Zusammenarbeit zur Verfügung“, so Hoffmann.

5. Dezember 2014

Das Grüne Band wird 25

Ein Viertel Jahrhundert grenzenlose Zusammenarbeit am 1393 Kilometer langen nationalen Lebensraumverbund und lebendigen Denkmal an die friedliche Überwindung des Eisernen Vorhangs. 

ürnberg/Mitwitz, 05.12.2014: Akteure aus Bayern, Thüringen, Sachsen und Hessen feierten heute auf Einladung des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) den 25. Geburtstag von Deutschlands größtem Naturschutzprojekt in der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken (ÖBO) im Wasserschloss Mitwitz – der Keimzelle des Grünen Bandes. Nach 25 Jahren Naturschutzarbeit zu Erhalt und Entwicklung der wertvollen Lebensräume entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze über Länder-, Verwaltungs-, Ressort-, Partei- und Verbandsgrenzen hinweg, zogen die rund 70 haupt- und ehrenamtlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam Bilanz.

Dringender Handlungsbedarf – Bundesprogramm „Grüne Infrastruktur“ gefordert

180 Kilometer des bundesweiten Biotopverbunds sind durch intensive Landnutzung und Straßen zerstört, nur ein Drittel der Fläche des Grünen Bandes steht unter ausreichendem Schutz. Dr. Kai Frobel, Artenschutzreferent beim BN und Initiator des Grüne-Band-Projekts, unterstrich: „Neue Umbrüche zu Acker, Grünlandintensivierungen, Zerschneidungen und Flächenverluste durch Infrastrukturmaßnahmen sind im Grünen Band unbedingt zu verhindern. Der BUND hat 700 Hektar Flächen am Grünen Band durch Ankäufe gesichert, die mit Spenden finanziert wurden. Noch 20 Millionen Euro wären schätzungsweise nötig, um die restlichen privaten Flächen des Grünen Bandes zu erwerben und damit langfristig zu sichern. Den Naturschutzstiftungen der Länder wurden ca. 50 Prozent der Fläche des Grünen Bandes mit Zielbestimmung Naturschutz übertragen.

Das ist ein großer Meilenstein für das Grüne Band aber bei weitem nicht genug. Zukünftig müssen in einem „Bundesprogramm Grüne Infrastruktur“ Gelder bereit gestellt werden, um Lücken im Lebensraumverbund zu schließen, Pufferflächen in sensiblen Bereichen einzurichten und andere großflächige Naturflächen an das Grüne Band anzuschließen.“

Grünes Band als Nationales Naturmonument ausweisen

Bund und Länder sind aufgefordert das Grüne Band als Nationales Naturmonument zu schützen. „Die aktualisierte Bestandsaufnahme belegt, das Grüne Band ist das einzige länderübergreifende Biotopverbundsystem Deutschlands und ebenso einzigartig wie unersetzlich. Es ist nicht nur ökologisches Rückgrat, sondern auch Ort der Erinnerung an die friedliche Überwindung der deutschen Teilung und als solches muss es auch für nachfolgende Generationen erhalten bleiben.“ sagte Dr. Liana Geidezis, Leiterin Grünes Band des BUND.

Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, mahnte, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen. Ungeachtet der Erfolge der letzten 25 Jahre für das Grüne Band, müsse sich der Naturschutz angesichts der Intensivierungswellen in der industriellen Landwirtschaft neuen Herausforderungen stellen. „Bund und Länder müssen gegenüber der Agrarlobby mehr Mut zeigen. Immer wieder fordern wir von anderen Ländern, die wirtschaftlich weitaus schlechter dastehen als Deutschland, ihren Regenwald zum Schutz des Weltklimas nicht zu roden. Selber bekommen wir es aber nicht hin, gerade mal rund 0,005 Promille der Fläche der Bundesrepublik, dies entspricht dem Gebiet des Grünen Bands, ausreichend zu schützen,“ betonte Hubert Weiger.

Dr. Elsa Nickel, Abteilungsleiterin im Bundesumweltministerium: „Die Aufnahme des Grünen Bandes als eigenständige Kategorie in das Nationale Naturerbe war der entscheidende Durchbruch für die langfristige Sicherung des Grünen Bandes. Mit dem vom BMUB geförderten Projekt „Lückenschluss Grünes Band“ werden wir uns nun gemeinsam mit dem BUND dafür einsetzen, dass der Biotopverbund im Grünen Band vervollständigt wird.“

Dr. Burkhard Vogel, Geschäftsführer des BUND Thüringen, unterstrich, „das Grüne Band ist prädestiniert, Deutschlands erstes Nationales Naturmonument zu werden. Ich begrüße daher ausdrücklich die Bemühungen des Landes Thüringen hier als Vorreiter aktiv zu werden“.
Als modellhaft gilt der Vogtlandkreis mit seinem umfassenden Schutz des Grünen Bandes in Sachsen. Hier steht das Grüne Band auf seiner Länge von rund 42 Kilometern komplett unter Naturschutz und konnte durch langjähriges Management sogar über eine Länge von 10 Kilometern um 36 Hektar verbreitert werden. Sachsen ist damit Vorbild für die anderen Länder mit Anteil am Grünen Band.

Hintergrund:
Kurz nach dem Mauerfall, am 09. Dezember 1989, lud der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), der bayerische Landesverband des BUND, zum ersten gesamtdeutschen Naturschützertreffen ins oberfränkische Hof ein. Die mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ost- und Westdeutschland beschlossen in einer Resolution die wertvollen Biotope, die sich im Schatten der unmenschlichen innerdeutschen Grenze entwickelt hatten, als Grünes Band zu sichern. Schon damals war der Todesstreifen ein Rückzugsraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, wie Braunkehlchen und Neuntöter. Nachgewiesen wurde dies weit vor Grenzöffnung durch Untersuchungen der Vogelwelt im Raum Mitwitz, die von ehrenamtlichen Naturschützern unter Federführung des heutigen BN-Artenschutzreferenten Dr. Kai Frobel durchgeführt wurden.
Das 17.712 Hektar umfassende Grüne Band ist laut Nationaler Strategie zur Biologischen Vielfalt Leuchtturmprojekt zum Erhalt der Artenvielfalt und als Rückgrat eines länderübergreifenden Biotopverbundes, der auf 10% der Landesfläche umgesetzt werden soll, im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Es ist Querschnitt durch fast alle deutschen Naturräume, beherbergt rund 150 verschiedene Lebensraumtypen und über 1.200 gefährdete Arten der Roten-Listen.

Die Jubiläumsveranstaltung „25 Jahre Grünes Band“ findet statt in Kooperation mit Ökologische Bildungsstäte Oberfranken, Naturschutzzentrum Wasserschloss Mitwitz und wird finanziell unterstützt von der Sparkasse Kulmbach - Kronach.

5. Dezember 2014

BUND Thüringen gratuliert Bodo Ramelow zur Wahl

Erfurt. Der BUND Thüringen gratuliert Bodo Ramelow zur Wahl als neuem Ministerpräsidenten von Thüringen. Die künftige Landesregierung muss die ökologischen Reformen jetzt zügig anpacken.

„Wir gratulieren dem neuen Ministerpräsidenten Thüringens herzlich zu seiner heutigen Wahl. Das rot-rot-grüne Regierungsbündnis hat im Koalitionsvertrag viele ökologische Fortschritte angekündigt. Diese gilt es, jetzt zügig umzusetzen“, so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Mit dem Schutz der Biologischen Vielfalt, dem Kampf gegen den Klimawandel, einer ökologische Verkehrspolitik und der Förderung der Energiewende kann Thüringen ein ganzes Stück nachhaltiger werden.“

Hoffmann begrüßte, dass die Koalitionspartner mit einem Klimaschutzgesetz aktiv zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen wollen, statt wie bisher nur auf Veränderungen zu reagieren. Der fortschreitende Flächenfraß durch Versiegelung werde durch gesetzliche Ausgleichsvorgaben gestoppt.

Im Naturschutz hob Hoffmann die Errichtung eines Netzwerkes Biologischer Stationen als zentrales Naturschutzvorhaben der neuen Landesregierung hervor. Dadurch könne die Umsetzung des Netzwerk Natura2000 in Thüringen endlich wirksam vorangebracht werden.

Er begrüßte außerdem die Absicht, das Grüne Band als Nationales Naturmonument auszuweisen. 25 Jahre nach dem Mauerfall sei der verbindliche Schutz des Grünen Bandes als Lebendiges Denkmal der Wiedervereinigung längst überfällig. Ähnliches gelte für die Errichtung eines Biosphärenreservates Südharz, welches die bisherige Landesregierung boykottiert habe.

In den Vereinbarungen zur Verkehrspolitik sieht Hoffmann ebenfalls Ansätze für eine Verkehrswende. Die geplante Förderung des ÖPNV mit Einrichtung eines landesweiten Thüringentakts und der Vorrang von Straßenerhalt vor Neubau biete gute Grundlagen für eine Ökologisierung der Verkehrspolitik.

Die künftige Zertifizierung des Thüringer Staatswaldes nach dem FSC-Standard ermögliche eine weitere Verbesserung der Lebensraumqualität für Tier- und Pflanzenarten. Die zügige Umsetzung der Zertifizierung durch die Landesanstalt ThüringenForst ermögliche nachhaltige Bewirtschaftung nach höchstem Standard.

Der BUND Thüringen wird die Umsetzung der umweltpolitischen Vorhaben der Landesregierung kritisch-konstruktiv begleiten.

3. Dezember 2014

BUND Thüringen hilft Ostthüringer Wildkatzen bei der Ausbreitung

  • Waldkorridore entstehen bei Greiz
  • Umweltverband sucht weitere Flächen

Greiz. Der BUND Thüringen pflanzt in Hain und Wittchendorf auf 25.000 Quadratmetern Wanderkorridore für die Wildkatze. Für weitere Biotopverbindungen in Ostthüringen sucht der Umweltverband derzeit Flächen.

„Diese Pflanzungen sind der Beginn einer Verbindung, vom Werdauer Wald zum Thüringer Wald. Sie soll inselhafte Waldbiotope in Ostthüringen wieder vernetzen“, so Biologin Juliane Balmer vom BUND Thüringen. „Mit diesen Korridoren können Wildkatzen und andere Waldlebewesen die durch Agrar- und Siedlungsflächen zerschnittene Landschaft wieder durchqueren. Eigentümer sind eingeladen, weitere Flächen für dieses europaweit bedeutende Naturschutzprojekt anzubieten.“

Die jetzt begonnenen Pflanzungen verbinden Waldstücke zwischen Weißer Elster und der Talsperre Hohenleuben. Eine Baumschule pflanzt im Auftrag des BUND auf ehemaligen Weiden und Ackerflächen einen naturnahen Mischwald. Wenn Bäume und Büsche angewachsen sind, werden die etwa 50m breiten Korridore vielen waldbewohnenden Arten die Ausbreitung in neue Lebensräume ermöglichen.

Möglich wurde die Pflanzung mit Mitteln des BUND-Projekts „Wildkatzensprung”. Dieses Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

Bei Lockstockuntersuchungen vor fünf Jahren konnten der BUND Thüringen erste Wildkatzenvorkommen im Raum Greiz nachweisen. Zusammen mit der Naturschutzbehörde des Landkreises und der Jägerschaft der Region sammelt der BUND Thüringen weiterhin Proben. Aus den Ergebnissen zur jetzigen Verbreitung der Tiere sollen weitere Korridormaßnahmen zur Stärkung der Vorkommen folgen.

Um der seltenen Waldbewohnerin und weiteren Tier- und Pflanzenarten die Ausbreitung in neue Lebensräume zu ermöglichen, möchte der BUND Thüringen weitere Korridore pflanzen. Flächeneigentümerinnen und -eigentümer sind daher bei Interesse aufgerufen, sich direkt im BUND-Wildkatzenbüro unter 036254-85962 oder wildkatze@bund.net zu melden.

Hintergrundinformation:
Das Projekt „Wildkatzensprung“ wird seit 2011 und bis 2017 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.bund.net/wildkatzensprung und www.biologischevielfalt.de/bp_pj_wildkatzensprung.html

Pressefotos: www.bund.net/wildkatzenfotos

21. November 2014

Werra: Naturschutzverbände verlassen unter Protest den Runden Tisch

Kassel, Erfurt. Die Vertreterinnen und Vertreter der Naturschutzverbände BUND und Naturschutzbund NABU aus den Bundesländern Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen haben heute unter Protest ihre Teilnahme am Runden Tisch "Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion" beendet.

BUND-Mitglied Stephan Gunkel, der für die Naturschutzverbände aus Thüringen seit 2008 dem Runden Tisch angehörte, begründete die Entscheidung der Verbandsvertreter mit dem Verhalten der Hessischen Landesregierung: „Unsere Weiterarbeit ist nun sinnlos. Die Hessische Landesregierung hat dem Runden Tisch mit ihrem Alleingang die Arbeitsgrundlage entzogen.“

Elke Meier vom NABU Niedersachsen als Vertreterin der niedersächsischen Naturschutzverbände erklärte: „Die Vereinbarung der Hessischen Landesregierung mit K+S, schreibt eine weitere Belastung der Weser langfristig fest. Dies kann und wird von uns nicht mitgetragen werden. Die Erkenntnis der gemeinsamen Verantwortung, die Notwendigkeit der Transparenz und die Anforderung der Verbesserung von Wasserqualität und Ökologie von Werra und Weser war die Grundlage dieses Runden Tisches. Hessen hat anscheinend die Betrachtung des gesamten Flussgebietes Weser, wie es die Europäische Wasserrahmenrichtlinie vorgibt aufgegeben und damit die Möglichkeit einer positiven Entwicklung für alle Weser Anlieger verhindert.“

Auch die Landesverbände BUND und NABU Nordrhein-Westfalen unterstützen diesen Ausstieg, weil der 4-Phasen-Plan nicht nur die Ergebnisse des Runden Tisches auf den Kopf stellt, sondern auch den schlechten Zustand der Weser in NRW über die nächsten 60 Jahre festschreibt.

Aus der Sicht der Naturschutzexperten gibt der von Hessen eingeschlagene Weg den Interessen von K+S Vorrang vor den Belangen des Umwelt- und Naturschutzes. Werra und Weser werden nach Ansicht der Naturschutzexperten bei Umsetzung der zwischen dem Land Hessen und der Firma K+S ausgehandelten Pläne keine Süßwasserqualität erreichen, und die Versalzung des Grundwassers wird nicht gestoppt.

HINTERGRUND für den Ausstieg der Naturschützer aus dem Runden Tisch ist der völlig überraschend vollzogene Richtungswechsel der Hessischen Landesregierung. Diese will die zunächst begrüßte Empfehlung des Runden Tisches für eine Nordseepipeline zur Verringerung der Umweltbelastung durch den Kalibergbergbau nicht mehr mittragen. Statt dessen hat sich die hessische Umweltministerin Priska Hinz (B90/Grüne) mit K+S in Verhandlungen abseits des Runden Tisches auf die Fortsetzung der Verpressung der Kaliabwässer in den Untergrund und ihrer Einleitung in Werra und Weser verständigt. Dieses Handeln widerspricht dem Arbeitsauftrag und dem Selbstverständnis des Runden Tisches. Der Runde Tisch wurde von den Bundesländern Hessen und Thüringen gemeinsam mit K+S im Jahr 2008 eingerichtet, um „die Diskussion über die Verbesserung der Gewässerqualität von Werra und Weser und die Perspektiven nachhaltigen wirtschaftlichen Handelns in der Region auf eine konsolidierte sachliche Grundlage zu stellen, Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen und tragfähige Lösungsvorschläge zu entwickeln.“

Mit dem jetzt von Hessen vorgelegten Vier-Phasen-Plan soll die Verpressung der Kaliabwässer in den Untergrund erst im Jahr 2021 beendet werden. Dann soll das Volumen über die Oberweser-Pipeline in die Weser eingeleitet werden. Die beträchtlichen Kaliabwassermengen aus den ständig weiter anwachsenden Kalihalden sollen dauerhaft in die Werra eingeleitet werden. Erst mit Einstellung der Kaliproduktion ab 2060 sollen diese Eintragsraten durch eine Teilabdeckung der Halden abnehmen.

20. November 2014

Koalitionsvertrag: Signal für ökologischen Kurswechsel in Thüringen

Erfurt. Der BUND Thüringen sieht im Koalitionsvertrag von Linke, SPD und Bündnis 90 / Die Grünen das deutliche Signal für einen ökologischen Kurswechsel in Thüringen. Der Schutz der Biologischen Vielfalt, der Kampf gegen den Klimawandel, eine ökologische Verkehrspolitik und die Förderung der Energiewende seien im Koalitionsvertrag durch umweltpolitische Vorhaben konkret verankert. Die Bündelung von Umwelt-, Natur- und Klimaschutz gemeinsam mit der Energiepolitik in einem eigenständigen Umweltministerium wertet der Verband als ein klares Bekenntnis zu einer nachhaltigen Politik der künftigen Landesregierung.

„Die Richtung stimmt, jetzt kommt es darauf an, die Vereinbarungen für eine ökologische und zukunftsfähige Politik in Thüringen umzusetzen“, sagte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen, mit Blick auf die Inhalte des Koalitionsvertrages. „Ein starkes Umweltministerium mit einer eigenständigen, durchsetzungsfähigen Stimme am Kabinettstisch bietet dazu die besten Voraussetzungen.“

Hoffmann begrüßte, dass die Koalitionspartner mit einem Klimaschutzgesetz aktiv zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen wollen, statt wie bisher nur auf Veränderungen zu reagieren. Der fortschreitende Flächenfraß durch Versiegelung werde durch gesetzliche Ausgleichsvorgaben gestoppt.

Im Naturschutz hob Hoffmann die Errichtung eines Netzwerkes Biologischer Stationen als zentrales Naturschutzvorhaben einer neuen Landesregierung hervor. Dadurch könne die Umsetzung des Netzwerk Natura2000 in Thüringen endlich wirksam vorangebracht werden.

Er begrüßte außerdem die Absicht, das Grüne Band als Nationales Naturmonument auszuweisen. 25 Jahre nach dem Mauerfall sei der verbindliche Schutz des Grünen Bandes als Lebendiges Denkmal der Wiedervereinigung längst überfällig. Ähnliches gelte für die Errichtung eines Biosphärenreservates Südharz, welches die bisherige Landesregierung boykottiert habe.

In den Vereinbarungen zur Verkehrspolitik sieht Hoffmann ebenfalls Ansätze für eine Verkehrswende. Die geplante Förderung des ÖPNV mit Einrichtung eines landesweiten Thüringentakts und der Vorrang von Straßenerhalt vor Neubau biete gute Grundlagen für eine Ökologisierung der Verkehrspolitik.

Die Kritik an der geplanten Zertifizierung des Thüringer Staatswaldes nach dem FSC-Standard wies Hoffmann zurück: „Nachhaltigkeit wird im Wald nicht nur an den Holzvorräten sondern auch an der Qualität als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten gemessen. Die Wälder in Thüringen verdienen eine Bewirtschaftung nach höchstem Standard, wie er von FSC garantiert wird. Bei den bundesweit größten Holzvorräten in Thüringens Wäldern ist das Gerede von einer Holzverknappung purer Unsinn.“

„Mit diesem Koalitionsvertrag können Umwelt- und Naturschutz in der neuen Legislaturperiode in den Fokus rücken.“, sagte Hoffmann. „Der BUND Thüringen steht bei der Umsetzung als Partner bereit.“

15. November 2014

Fast 500.000 Quadratmeter für den Schutz der Wildkatze

• BUND konnte bundesweit zahlreiche Flächen sichern, um Wälder wieder miteinander zu verbinden
• BUND-Vorsitzender Hubert Weiger beim neuesten Spatenstich in Thüringen dabei


Berlin/Schönau. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) konnte mittlerweile rund eine halbe Million Quadratmeter an Flächen bundesweit für den Schutz der Europäischen Wildkatze sichern. „Mit viel Überzeugungsarbeit und Ausdauer ist es uns gelungen, Flächen auch in landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten Gebieten für die Natur zu sichern und zu bepflanzen. Ein Erfolg für den Schutz vieler gefährdeter Tierarten“, so Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des BUND. „Unser langfristiges Ziel ist ein deutschlandweites Netz an Wäldern, damit Arten wie die gefährdete Wildkatze sich wieder ausbreiten können.“ Zuletzt konnte das BUND-Projekt „Wildkatzensprung“ in Thüringen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen Flurstücke für das Pflanzen von Waldverbindungen sichern. Dieses größte Einzelprojekt in der Geschichte des BUND wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

Am heutigen Samstag, dem 15. November 2014, wird in Thüringen mit Unterstützung des BUND-Vorsitzenden und zahlreicher ehrenamtlicher Helferinnen und Helfern der neueste grüne Waldkorridor gepflanzt – eine Verbindung zwischen Thüringer Wald und dem Hainich. 3.000 Setzlinge werden wieder in die Erde gebracht, mittlerweile sind es bundesweit über 40.000 Bäume und Büsche. „Diese vielen Korridore sind ein großer, gemeinsamer Erfolg von BUND und unseren fast 1.000 Ehrenamtlichen“, betont Hubert Weiger beim Spatenstich im thüringischen Schönau.

Der BUND arbeitet im Projekt „Wildkatzensprung“ in zehn Bundesländern – und damit in allen Regionen mit Wildkatzenvorkommen – am Schutz der scheuen Waldbewohnerin und ihres Lebensraums. Zahlreiche neue Waldverbindungen wurden und werden gepflanzt. Gleichzeitig entwickelt der BUND aus tausenden, durch Ehrenamtliche gesammelte Haarproben eine Gendatenbank. Diese liefert wertvolle Informationen über die Verbreitung und genetische Vielfalt der Wildkatzen in Deutschland.

Hintergrundinformation
Das Projekt Wildkatzensprung wird seit 2011 und bis 2017 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.bund.net/wildkatzensprung und www.biologischevielfalt.de/bp_pj_wildkatzensprung.html
Pressefotos: www.bund.net/wildkatzenfotos (Die Bildrechte entnehmen Sie bitte der Nennung auf der Website)

14. November 2014

Die Erde braucht Freunde! - BUND informiert & wirbt für sich im Kyffhäuserkreis

Bad Frankenhausen. Von Montag, den 17.11.2014, bis Samstag, den 22.11.2014, wird ein Team des BUND Thüringen an Haustüren im Kyffhäuserkreis über den Umweltverband und seine Projekte sowie den Fortgang der Klage gegen die Genehmigung einer Schweinemastanlage in Oldisleben informieren.

„Mit dem Sieg in erster Instanz ist die geplante Schweinemastanlage Oldisleben noch nicht verhindert. Der Investor will in die zweite Instanz gehen und wir werden gemeinsam mit den Menschen vor Ort den Rechtsstreit ausfechten. Wir informieren jetzt im Landkreis, um weiter erfolgreich gegen diese Anlage vorzugehen“, so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Wir heißen aber auch jene willkommen, die unsere umweltpolitische Arbeit nur mit ihrer Stimme und einem frei zu wählenden finanziellen Beitrag unterstützen wollen. Der BUND ist ein rechtlich anerkannter Umweltverband, der mit einer starken Gemeinschaft im Natur- und Umweltschutz viel erreichen kann.“

Neben der Anti-Schweinmast-Klage zum Erhalt des Esperstedter Rieds engagiert sich der BUND Thüringen für den Schutz einzigartiger Urwälder in Nordthüringen, die Lebensraum für Wildkatzen und andere seltene Arten bieten. Er organisiert Filmabende zu Umwelt- und Naturthemen und sammelt Unterschriften gegen das EU-US-Freihandelsabkommen TTIP. Aber auch für Kinder und Jugendliche bietet der Umweltverband immer wieder Exkursionen und spannende Aktionen an.

Das Team kommt direkt vom BUND, ist mit Mitarbeiter-Ausweisen ausgestattet, beantwortet alle Fragen zu den Projekten des BUND Thüringen und vermittelt zu weiteren Ansprechpartnern und thematischen Aktionsgruppen.

30. Oktober 2014

BUND Thüringen: Grünes Band als Nationales Naturmonument ausweisen

Eisenach. Zum 25. Jubiläum des Grünen Bandes fordert der BUND Thüringen, die ehemalige Grenze als Nationales Naturmonument auszuweisen. Die künftige Landesregierung solle beim Schutz des länderübergreifenden Biotopverbunds weiter voran gehen.

„Thüringen muss das Grüne Band als Nationales Naturmonument ausweisen. Mit diesem Schritt kann das Land seiner Vorreiterrolle beim Schutz der einzigartigen Naturlandschaft gerecht werden“ so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Die neue Schutzkategorie gäbe der Erinnerung und dem Naturschutz am ehemaligen Grenzstreifen einen besonderen Stellenwert. Das Grüne Band ist ein lebendiges Denkmal der Wiedervereinigung. Es zu erhalten ist unsere gemeinsame Verpflichtung.“

Das Grüne Band ist auf Grund seiner bundesweiten naturschutzfachlichen Wertigkeit und historischen Bedeutung prädestiniert für die neue Schutzkategorie. Thüringen kann mit der Ausweisung seiner Grüne Band-Flächen als Nationales Naturmonument einen zusammenhängenden Biotopverbund und die historische Erinnerungslandschaft dauerhaft gewährleisten.

Am Samstag, den 01.11., schließt das Jubiläumsjahr mit der 25. traditionellen BAUMKREUZ-Pflanzung bei Ifta ab.

Hintergrund:
Das Grüne Band Deutschland ist ein innerdeutsches Biotopverbundsystem von 1393 Kilometern Länge. Es reicht von der Ostsee bis zum sächsischen Vogtland und verbindet dabei 17 Naturräume. Über 600 bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden hier ihren Lebensraum. 85% der Fläche des Grünen Bandes sind noch erhalten. Jedoch sind noch nicht alle Bereiche als Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Ausgehend vom Grünen Band Deutschland hat sich die faszinierende Vision eines Grünen Bandes Europa entwickelt. Durch 23 Staaten über mehr als 12.500 Kilometern verbindet es von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer bedeutende europäische Naturräume.

30. Oktober 2014

Rettungsnetz Wildkatze erneut als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet

•    Wiederholte Auszeichnung im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt
•    Aktuelles BUND-Projekt „Wildkatzensprung“ geht ebenfalls in Verlängerung


Erfurt. Das Rettungsnetz Wildkatze des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurde erneut als Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt ausgezeichnet. „Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung unserer langjährigen Arbeit“, so Thomas Mölich, wissenschaftlicher Leiter des Rettungsnetzes. „Seit mehr als zehn Jahren sind wir schon für den Schutz der Wildkatze und ihres Lebensraum aktiv. Die Auszeichnung bestärkt uns darin, weiter für die Wildkatze und den Erhalt der biologischen Vielfalt zu kämpfen.“

Gleichzeitig gab es eine weitere gute Nachricht für den BUND und die Wildkatzen: Das Bundesamt für Naturschutz hat die Kernphase des aktuellen Rettungsnetz-Projekts „Wildkatzensprung“ um mehr als ein Jahr verlängert. „Für den Naturschutz ist es immer schwieriger geworden, Flächen zu erhalten und langfristig zu sichern. Mit viel Netzwerk- und Überzeugungsarbeit konnten wir zuletzt neue Türen für den Schutz der Wildkatze öffnen, so dass wir unsere Arbeit nun mit Unterstützung des Bundesamts für Naturschutz erfolgreich fortsetzen können“, erklärt Projektleiter Mark Hörstermann. „Es profitieren aber noch sehr viel mehr Waldbewohner von unseren Aktionen: Baummarder, Haselmaus, Bechsteinfledermaus und viele andere gefährdete Arten. Die Unterstützung durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt, aus dem das Bundesamt für Naturschutz unsere Vorhaben finanziert, wird damit seinem Namen mehr als gerecht.“

Das bundesweit aktive Rettungsnetz Wildkatze hat seine Wurzeln in Thüringen. In den 1990er Jahren wies Thomas Mölich durch eine Studie nach, wie stark Wildkatzen auf Schutz und Deckung durch Bäume und Büsche angewiesen sind. Offene und ausgeräumte Landschaften meidet die Waldbewohnerin. Nur durch die Vernetzung von Wäldern durch Korridore aus Bäumen und Büschen kann sie sich wieder ausbreiten, und mit ihr viele andere gefährdete Arten.

Mittlerweile arbeitet der BUND in zehn Bundesländern – und damit in allen Regionen mit Wildkatzenvorkommen – am Schutz der scheuen Waldbewohnerin und ihres Lebensraums. Zahlreiche neue Waldverbindungen wurden und werden gepflanzt. Gleichzeitig entwickelt der BUND aus tausenden, durch Ehrenamtliche gesammelte Haarproben eine Gendatenbank. Diese liefert wertvolle Informationen über die Verbreitung und genetische Vielfalt der Wildkatzen in Deutschland.

Die UN-Dekade Biologische Vielfalt wurde von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Der fortlaufende Wettbewerb, bei dem das Rettungsnetz Wildkatze erneut überzeugte, zeichnet Projekte aus, die sich bereits in vorbildlicher Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. Weitere Informationen unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de und http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/index.php?menuecms=2220&wettbewerb_id=35.

Hintergrundinformation
Das Projekt Wildkatzensprung wird seit 2011 und bis 2017 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter http://www.biologischevielfalt.de/bp_pj_wildkatzensprung.html.

http://www.bund.net/wildkatze_undekade und www.bund-thueringen.de/wildkatze

30. September 2014

K+S: Freibrief für Werraversalzung bis Produktionsende - Hessische Umweltministerin ignoriert Runden Tisch

Erfurt. Das Unternehmen K+S hat nach Einschätzung des BUND Thüringen vom Hessischen Umweltministerium einen Freibrief zur Fortsetzung der Werraversalzung erhalten. Der Verband wirft der Grünen Umweltministerin Priska Hinz vor, dass sie mit dem sog. Vier-Phasen-Plan sämtliche Bemühungen des Runden Tisch zur Lösung der Salzabwasser-Entsorgung ignoriert habe.

„Wir sind entsetzt, wie die Grüne Umweltministerin in Hessen im Schulterschluss mit K+S eine Lösung der Salzabwasserproblematik an der Werra auf den „St.-Nimmerleins-Tag“ verschiebt“, sagte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Es ist außerdem ein verheerendes Signal, wenn sich Spitzenvertreter von Politik und Wirtschaft über Lösungswege hinweg setzen, welche von Experten mit breiter Beteiligung der Zivilgesellschaft am Runden Tisch erarbeitet wurden.

Nach Angaben von Hoffmann sieht der Vier-Phasen-Plan keine wirkliche Lösung der Salzabwasserproblematik vor. Ab 2021 solle nur ein Teil der Salzabwässer nicht mehr in die Werra sondern flussabwärts in die Weser eingeleitet werden. Damit würde nur die Salzfracht auf zwei Abschnitte des Flussökosystems verteilt, um die Grenzwerte am Messpegel Gerstungen zu senken. Eine ökologisch verträgliche Salzbelastung von Werra und Weser werde dadurch nicht erreicht. Der Plan sehe eine Beendigung der direkten Abwassereinleitung in das Flussökosystem erst mit der Stilllegung der Kali-Produktion vor.

Die geplante Fortsetzung der Verpressung von Kali-Lauge in den Untergrund bezeichnete Hoffmann als unverantwortlich. Sie sei mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Durch die Verpressung sei die weitere dauerhafte Versalzung von Trinkwasservorkommen nicht aus zu schließen. Außerdem sei zu erwarten, dass die Lauge aus dem Untergrund in die angrenzende Flussniederungen austrete. Die Fortsetzung der Verpressung habe daher eine dauerhafte Versalzung der Werra zur Folge.

Nach Einschätzung des BUND Thüringen kommt eine erst in frühestens 20 Jahren geplante Haldenabdeckung zur Verringerung der Salzabwässer viel zu spät.
„Bezeichnend ist, dass weder eine Wiederaufarbeitung der Haldenrohstoffe noch eine Verbringung unter Tage zur Verfüllung der Hohlräume im Vier-Phasen-Plan vorgesehen ist“, sagte Hoffmann.

"Es ist offensichtlich, dass K+S mit Billigung der Grünen Umweltministerin und offenbar auch mit Unterstützung des Thüringer Umweltministers keine Verantwortung für seine Produktionsrückstände und Altlasten übernehmen will und diese der Allgemeinheit überträgt.“

27. September 2014

BUND Thüringen erneuert Kritik an B19n: Unnütze Pläne gegen den Willen der Bürger und auf Kosten der Natur

Erfurt. Der BUND Thüringen kritisiert die landesplanerische Freigabe für die Neutrassierung der Bundesstraße 19 (B19n) bei Eisenach. Das Bürgerbegehren von Wutha-Farnroda wird ignoriert. Die zahlreichen Einwände gegen die schwerwiegenden Eingriffe in den Naturraum des Nordwestlichen Thüringer Waldes wurden weggewischt.

„Wenn die B19 neu gebaut wird, bedeutet das eine gigantische Betonschneise durch den Nordwestlichen Thüringer Wald. Die Straße wird die Landschaft durch künstliche Canyons aufreißen. Ehemals unberührte Waldgebiete und viele geschützte Biotope gehen damit unwiederbringlich verloren“, so Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Fast alle Einwände hat die Verwaltung mit Verweis auf das höhere Ziel der Landesentwicklung beiseite gewischt. Der angebliche Bedarf wird mit einer zu erwartenden Verdopplung des Verkehrsaufkommens begründet. Wie das mit einer schrumpfenden Einwohnerzahl zusammengeht, ist nicht erklärbar.“

Der BUND Thüringen kritisierte, dass das Ergebnis des Bürgerentscheids in Wutha-Farnroda missachtet würde. Am 14.09.2014 hatte sich die von der Planung bedrohte Gemeinde mit großer Mehrheit gegen den Bau ausgesprochen.

Mit Kosten von fast über 100 Millionen Euro werde sich die B19n in die unfinanzierbaren Großprojekte des Landes einreihen. Wenn die B19n gebaut werde, gehe dies auf Kosten anderer, schon lange überlasteter Orte. Insgesamt querten im Planungsraum bereits zwei Bundesstraßen und eine Landesstraße parallel den Nordwestlichen Thüringer Wald. Mit dem Vorhaben käme eine weitere Trasse hinzu. Diese würde entgegen den Annahmen der Planer kaum zu einer Entlastung des Verkehrs auf der alten B 19 über die Hohe Sonne beitragen.

Nach Angaben des BUND Thüringen soll die Neubaustrecke den Verkehr ab Etterwinden um die Hohe Sonne und Eisenach herum bis Wutha-Farnroda lenken. Dabei würden mehrere Naturräume mit einer außerordentlich hohen Biotopdichte und bedrohten Arten wie Wildkatze oder Schwarzstorch zerschnitten. „Das Vorhaben ist im Bundesverkehrswegeplan mit einem besonderen naturschutzfachlichen Prüfauftrag gekennzeichnet und darf nur gebaut werden, wenn die Eingriffe kompensiert werden können. Wer sich mit dem Vorhaben ernsthaft auseinander setzt, muss zu dem Ergebnis kommen, dass der Bau einer Bundesstraße in diesem Raum mit den Belangen des Naturschutzes nicht vereinbar ist“, sagte Vogel. Er forderte die Landesregierung auf, in sinnvolle Verkehrsinfrastruktur zu investieren, statt auf Biegen und Brechen die B19n in die Landschaft zu betonieren.

23. September 2014

Schweinezuchtanlage in Remda verursacht zu hohen Stickstoff-Ausstoß - BUND Thüringen beantragt nachträgliche Anordnung

Rudolstadt. Die Schweinezuchtanlage Remda im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt verursacht zu hohe Stickstoff-Austräge in europarechtlich geschützte Lebensräume. Das geht nach Angaben des BUND Thüringen aus Daten hervor, welche der Betreiber der Anlage, die Rempig AG, kürzlich selbst vorgelegt habe. Der BUND Thüringen hat deshalb beim Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt den Erlass einer nachträglichen Anordnung beantragt.

„Das Landratsamt als zuständige Überwachungsbehörde muss handeln. Der zu hohe Stickstoffaustrag schädigt die angrenzenden Orchideenlebensräume“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Damit verstoße der derzeitige Betrieb der Anlage gegen das Naturschutzrecht.

„Der Betreiber muss umgehend zu einer Verringerung des Schadstoffausstoßes verpflichtet werden“, so Vogel weiter. Dies könne durch den Einbau einer Abluftreinigungseinrichtung, eine Reduzierung der Tierzahl oder die komplette Aufgabe des Betriebs erfolgen.
Die Überwachungsbehörde habe dabei grundsätzlich keinen Entscheidungsspielraum und dürfe nur in besonderen, atypischen Fällen vom Erlass einer solchen nachträglichen Anordnung absehen. Ein solcher Fall liege nicht vor.

Der Betreiber der Anlage hatte nach Angaben des BUND Thüringen zwar in einer Informationsveranstaltung bekräftigt, dass er eine Abluftreinigung in seine bestehende Anlage einbauen wolle. Er habe aber diese Zusage an die Bedingungen geknüpft, dass der Stadtrat der Stadt Remda-Teichel gleichzeitig die Erweiterung seiner Anlage genehmige. Über diese Erweiterung soll am kommenden Donnerstag, 25.09.2014, im Stadtrat Remda-Teichel diskutiert werden.
 
Wenn der Betreiber aber ohnehin auf Grund der nachträglichen Anordnung verpflichtet sei, seine Emissionen erheblich zu reduzieren, dann entfalle aus Sicht der Stadt das entscheidende Argument für die Erweiterung der Anlage. Die Bürgerinitiative Remda und der BUND Thüringen forderten die Stadt deshalb auf, mit der Beratung über den Antrag der RemPig GmbH zu warten, bis der Landkreis über den Fall entschieden habe.

3. September 2014

BUND Thüringen vergleicht Umwelt- und Naturschutzprofile von Parteien - Podiumsdiskussion am kommenden Montag (8.9.) in Erfurt

Erfurt. Mit Wahlprüfsteinen hat der BUND Thüringen das Umweltprofil der im Landtag vertretenen Parteien CDU, SPD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen verglichen. Als einzige Partei unterstützen die Grünen die umwelt- und naturschutzpolitischen Ziele des BUND Thüringen vollständig. Mit SPD und Linken sind sie sich in der Forderung nach dem Aufbau eines landesweiten Biotopverbundes, einem Klimaschutzgesetz und einem Gesetz zum Stopp des Flächenverbrauchs einig. Die FDP lehnt die meisten umweltpolitischen Forderungen des BUND Thüringen ab.

„Für die CDU ist Umweltpolitik offensichtlich kein Thema“, stellt Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen, fest. „Das hat sich nicht nur im Stillstand der Thüringer Umweltpolitik während der vergangenen fünf Jahre gezeigt. Sie hat als einzige Partei unsere Wahlprüfsteine nicht beantwortet und im 100-Tage-Programm der CDU für die Zeit nach der Landtagswahl taucht Umweltpolitik nicht auf.“

Hoffmann begrüßte die hohe Übereinstimmung von umweltpolitischen Zielen des BUND Thüringen mit den Aussagen der Grünen. Er betonte, dass aber auch SPD und Linke wesentliche Forderungen des BUND Thüringen unterstützen. Insgesamt konnte zu den 14 Fragen je ein Punkt erreicht werden. Die Grünen erreichten die volle Punktzahl, SPD 10 Punkte, Die Linke 8 und FDP 1,5 Punkte.

Gemeinsam mit den Grünen lehne die SPD die Massentierhaltung ab und trete für ein eigenes Umweltministerium ein. Beide Parteien wollen auch den Energiebedarf in Thüringen bis zum Jahr 2050 aus 100% erneuerbaren Energien decken. Sie stehen zudem ohne Vorbedingungen zur Ausweisung eines Biosphärenreservates zum Schutz der Gipskarstlandschaft im Südharz. Die Linke sei zu diesem Schritt mit Einschränkungen bereit. Die Linke unterstütze gemeinsam mit den Grünen eine ökologische Verkehrspolitik, bei der die Förderung des ÖPNV Vorrang vor dem Straßenneubau habe.

„Beim Schutz von Klima und biologischer Vielfalt muss dringend gehandelt werden“, erklärte Hoffmann. „Deshalb brauchen wir jetzt einen ökologischen Kurswechsel in der Politik. Wir rufen alle demokratischen Parteien auf, diesen Kurswechsel einzuleiten. Die Bürgerinnen und Bürger rufen wir auf, am 14. September wählen zu gehen“

Der BUND Thüringen wird die Ergebnisse am kommen Montag, den 8. September, mit den im Landtag vertretenen Parteien diskutieren: Angekündigt haben sich Tilo Kummer (Die Linke), Frank Weber (SPD), Thomas Vollmar (FDP) und Dirk Adams (Bündnis 90/Die Grünen). Die CDU hat auch hier bisher keinen Vertreter benannt. Die Veranstaltung beginnt 19 Uhr in der Kleinen Synagoge in Erfurt, der Eintritt ist frei.

--> Hier finden Sie die Auswertung der Wahlprüfsteine <--

3. September 2014

BUND Thüringen: Position der CDU zu Schmalwasser ist scheinheilig

Erfurt. Der BUND Thüringen kritisiert die jüngsten Äußerungen des CDU-Abgeordneten Egon Primas zum Pumpspeicherwerk Schmalwasser als einseitig.

„Die Position von Herrn Primas ist scheinheilig, wenn er das Pumpspeicherwerk am Standort Schmalwasser massiv kritisiert, aber kein Wort zu den geplanten Naturzerstörungen im eigenen Wahlkreis verliert“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Obwohl bei Ellrich im Landkreis Nordhausen eine Bergkuppe abgetragen und ein Tal geflutet werden soll, um Ober- und Unterbecken für ein Pumpspeicherwerk zu errichten, hält sich Herr Primas zu diesem Vorhaben mit Kritik bedeckt.“

Nach Angaben des BUND Thüringen sollen für das Pumpspeichwerk in Ellrich mehr als 100 ha Fläche versiegelt werden. Das Fuhrbachtal mit ausgedehnten Talwiesen und wertvollen Schluchtwäldern soll beim Bau des Unterbeckens geflutet werden. Eine mindestens 21 km lange neue Hochspannungstrasse würde Teile des südlichen Harzes zerschneiden.

„Wenn Herr Primas wirklich die Belange von Heimat und Landschaft ernsthaft vertreten will, muss er gegen die geplante Zerstörung eines der schönsten Täler am Südrand des Harzes in seinem eigenen Wahlkreis endlich Position beziehen. Sonst macht er sich als Umweltpolitiker endgültig unglaubwürdig“, sagte Vogel.

29. August 2014

Naturstiftung David und BUND Thüringen trauern um Michael Spielmann

Portraitfoto von Michael Spielmann, verstorben im August 2014

Erfurt. Der Präsident der Naturstiftung David und langjährige Geschäftsführer sowie Vorsitzende des BUND Thüringen, Michael Spielmann, ist am 26. August im Alter von 54 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Der Diplom-Politologe und studierte Volkswirtschaftler hatte den Landesverband Thüringen des BUND nach der Wende maßgeblich aufgebaut. Von 1993 bis 1998 war er Landgeschäftsführer und in den Jahren 2000 und 2001 Vorsitzender des BUND Thüringen. Im Jahr 1998 legte er durch den von ihm mitausgehandelten Vergleichsvertrag zum Bau des Pumpspeicherwerks Goldisthal die Grundlage für die Errichtung der Naturstiftung David. Seit dem Jahr 2001 war er Präsidiumsmitglied und seit 2007 Präsident der Naturstiftung David.

"Ohne Michael Spielmann würde es die Naturstiftung David nicht geben. Er hat die Stiftung von Beginn an maßgeblich geprägt. Unter seiner Führung hat sich die regionale Stiftung zu einem bundesweit geachteten Akteur im Bereich Natur- und Klimaschutz entwickelt, ohne dabei die regionale Verankerung aus dem Blick zu verlieren. Michael Spielmann zeichnete sich durch ein großes ehrenamtliches Engagement, durch Leidenschaft und Charisma aus. Wir werden ihn nicht vergessen", so Michael Zschiesche, Vizepräsident der Naturstiftung David.

Ron Hoffmann, Vorsitzender des BUND Thüringen, würdigt die Leistungen Michael Spielmanns für den Natur- und Umweltschutz in Thüringen: "Michael Spielmann hat den BUND Thüringen zu einer geachteten und tatkräftigen Organisation aufgebaut. Er war maßgeblich an der Gründung des Nationalparks Hainich beteiligt. Aber auch der große Einsatz von Michael Spielmann gegen die überdimensionierten Infrastrukturvorhaben der 1990er Jahre wie Thüringer-Wald-Autobahn, Talsperre Leibis und dem bis heute anhaltenden Gipskarstabbau im Südharz bleiben unvergessen. Mit Michael Spielmann hat der BUND Thüringen einer seiner Väter verloren."

Am 19. September 2014 wird in Duderstadt eine Trauerfeier für Michael Spielmann stattfinden.

28. August 2014

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks besucht BUND-Wildkatzenprojekt

Berlin/Hütscheroda. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks besuchte heute das Wildkatzenprojekt des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Im thüringischen Wildkatzendorf Hütscheroda machte sie sich ein Bild über das deutschlandweite BUND-Projekt und beobachtete die scheuen Wildkatzen aus nächster Nähe.
 
„Ein großes Lob an den BUND und die vielen Unterstützer und Unterstützerinnen des Wildkatzenprojekts. Sie haben nicht nur ein räumliches, sondern auch ein gesellschaftliches Netz für die Wildkatze gespannt“, betonte Bundesumweltministerin Hendricks während Ihres Besuchs. "Der Erhalt der biologischen Vielfalt  ist wichtiges Kernthema meines Hauses. Nur wenn alle Akteure in Staat und Gesellschaft mithelfen, kann die biologische Vielfalt erhalten werden." Das Projekt "Wildkatzensprung" wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.
 
„Der BUND ist mit dem Projekt Wildkatzensprung deutschlandweit für den Schutz der Wildkatze im Einsatz“, erklärt Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. „Da die Tiere offene Flächen meiden und sich vor allem in alten Wäldern aufhalten, sind für sie vernetzte Wälder überlebensnotwendig. Der BUND fordert deshalb, dass in den Wäldern, die sich im Eigentum des Bundes und der Länder befinden, alte Bäume und Wälder erhalten werden. Wo sich die anspruchsvolle Wildkatze wohlfühlt, finden auch andere vom Aussterben bedrohte Tierarten eine Heimat. Als eines der größten Naturschutzprojekte Mitteleuropas ist unser Projekt Wildkatzensprung deshalb nicht nur für die Wildkatze von größter Bedeutung.“
 
Wie der BUND in seinem Wildkatzenprojekt arbeitet, probierte Bundesministerin Hendricks vor Ort selbst aus: Gemeinsam mit dem BUND-Wildkatzenexperten Thomas Mölich stellte sie einen Lockstock auf, mit dem Haarproben von Wildkatzen gesammelt werden. Der BUND stellt zusammen mit vielen hundert Ehrenamtlichen solche Lockstöcke in Wäldern mit vermutetem Wildkatzenbestand auf. Mit Baldrian besprüht, locken sie Wildkatzen an, die sich daran reiben und so ihre Haare hinterlassen. Diese werden gesammelt und im Labor genetisch untersucht. Mit dieser weltweit einzigartigen Datenbank können Aussagen über ihre Verbreitung, Teilbestände und Wanderverhalten getroffen werden. Der BUND kann so feststellen, wie stark einzelne Wildkatzenpopulationen voneinander isoliert sind und seine Maßnahmen zum Schutz der Wildkatze optimal anpassen.
 
„Der Schutz der Wildkatze erfolgt vor allem durch die Verbindung möglicher Lebensräume“, erläutert Dagmar Becker, Mitglied des BUND-Bundesvorstands. „Die größte Gefahr für die Wildkatze und viele andere gefährdete Arten ist die Zerschneidung der Wälder durch Straßen, sich ausdehnende Städte und monotone Ackerflächen.“ Der BUND schafft dazu in sechs Bundesländern Wanderkorridore, über die sich die Tiere wieder ausbreiten und mit anderen Beständen vermischen können – eine wichtige Voraussetzung für die Erholung der gefährdeten Art.
 
Pressefotos: www.bund.net/wildkatzenfotos, © BUND/T. Stephan

16. August 2014

BUND Thüringen begrüßt SPD-Zusage zum Biosphärenreservat Südharz

Erfurt/Nordhausen. Der BUND Thüringen begrüßt die klare Zusage von Heike Taubert, sich weiter für das Biosphärenreservat Südharz einzusetzen. Der Schutz der einzigartigen Gipskarstlandschaft muss schnellstmöglich begonnen werden.

„Der Besuch der SPD-Spitzenkandidatin in der Gipskarstregion ist ein positives Signal für den Südharz. Wir begrüßen die Zusage, nach der Landtagswahl die Initiative für ein UNESCO-Biosphärenreservat erneut einzubringen. Diesmal darf es aber keine Verzögerungen geben“, so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Die vom Raubbau bedrohte Natur braucht endlich Schutz und eine nachhaltige Entwicklungsperspektive auch in der Regionalvermarktung und im Tourismus Dazu muss ein moderierter Prozesses mit den Bürgerinnen und Bürgern begonnen werden. Mit jeden Tag verschwindet unwiederbringlich ein Stück der Landschaft.“

Der BUND Thüringen hatte Landesumweltminister Jürgen Reinholz mehrfach auf die Umsetzung des Koalitionsziels zum Gipskarst gedrängt. Statt Regierungsbeschlüssen habe es aber nur Verzögerungstaktiken und bewusste Fehlinformationen gegeben.

Ron Hoffmann fordert deshalb klare Zusagen der nächsten Landesregierung. „Nur wenn die wirtschaftlichen und touristischen Belange mit den Schutzzielen in Einklang kommen, hat der Südharz eine Zukunft. Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass sie in die Entscheidung mit eingebunden werden und dass die Landesregierung ihre Versprechen einhält“, so Hofmann.

Hintergrund:
Gemeinsam mit Bürgerinitiativen und den Betroffenen im Südharz setzt sich der BUND Thüringen seit der Wende für ein Endes des Gipsabbaus ein. Statt die weltweit einmalige Landschaft abzubaggern, könne ein drei Bundesländer umfassendes Biosphärenreservat Südharz langfristige Entwicklungschancen für die Region sichern. Die Beispiele Rhön und Vessertal belegen, wie das internationale Gütesiegel „Biosphärenreservat“ die nachhaltige Entwicklung ganzer Regionen beschleunigt. Das abgestufte Zonierungskonzept ermögliche es, wertvolle Lebensräume naturschutzrechtlich zu sichern und nachhaltige Wirtschafts- und Nutzungsformen zu etablieren.
Zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten bietet der Gipskarst Lebensraum und Rückzugsmöglichkeiten. Die vom Aussterben bedrohte Mopsfledermaus hat hier das bedeutendstes Überwinterungsquartier Deutschlands. Auch Wildkatze, Feuersalamander und zahlreiche Orchideenarten sind noch zu finden.

15. August 2014

Plätze im Freiwilligenjahr für Fledermaus, Wildkatze und Co.

Erfurt. Wer sich für Fledermaus, Wildkatze, Laubfrosch und Co. einsetzen will, kann ein Freiwilligenjahr beim BUND Thüringen absolvieren. Der Umweltverband bietet vielfältige Möglichkeiten an seinen Thüringer Standorten.

„Wer gerne im Freien arbeitet oder in der Umweltbildung aktiv sein möchte, ist im Naturlehrgarten Ranis oder im Wildkatzendorf richtig. Hingegen gewinnt man in der Landesgeschäftsstelle und den Projektbüros Einblicke in die Umweltpolitik und kann z.B. an der Verhinderung von Tierfabriken mitwirken“, beschreibt Landesgeschäftsführer Dr. Burkhard Vogel die möglichen Tätigkeiten. „Neben der Mitarbeit in unseren Projekten können auch gerne eigene Ideen verwirklicht werden. Voraussetzung ist das Interesse an ökologischen Themen, Einsatzbereitschaft sowie ein kritischer Geist. Neben vielseitigen Praxiserfahrungen erhalten die Freiwilligen ein monatliches Taschengeld und regelmäßige Fortbildungen“, so der Thüringer BUND-Geschäftsführer.

Freiwilligenplätze gibt es derzeit in Erfurt, Meiningen, Ranis und Hütscheroda. Ein Freiwilligenjahr kann man in allen Lebensabschnitten absolvieren: Egal, ob man grade Schule Studium oder Arbeitsleben beendet hat, sich in der Kreativpause befindet oder auf Jobsuche ist.

Ausführliche Informationen erhalten Bewerber auf der Internetseite des BUND Thüringen (www.bund-thueringen.de/jobs) oder telefonisch unter 0361 – 555 03 10. Das Freiwilligenjahr beginnt meist zum 1. September und dauert 12 Monate, abweichende Regelungen sind aber möglich.

7. August 2014

Jubiläumsbilanz des BUND-„Rettungsnetz Wildkatze“ - Waldkorridore gepflanzt, Wildkatzendorf eröffnet, Unterstützernetzwerk geschaffen

  • Erfolgsbilanz zum Tag der Katze:
  • Bundesweit wachsendes Netzwerk aus Wildkatzen-Wäldern und Unterstützern
  • BUND Thüringen ist Teil eines der größten Naturschutzprojekte Mitteleuropas


Erfurt, Vorabmeldung zum 8. August 2014. Anlässlich des Internationalen Tags der Katze am 8. August freut sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Thüringen gemeinsam mit neun weiteren BUND-Landesverbänden über eine erfolgreiche Bilanz zum 10. Geburtstag ihres „Rettungsnetzes Wildkatze“.

„Am Anfang stand ein Brückenschlag vom Hainich zum Thüringer Wald“, erklärt Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Er wurde zum Modell für ein Netzwerk grüner Infrastruktur in ganz Deutschland. Seit 2012 haben wir Nachweise, dass sich Wildkatzen über den neu geschaffenen Korridor vom Hainich Richtung Thüringer Wald ausbreiten“, so Vogel weiter.

Im Jahr 2004 begann der BUND einen intensiven Einsatz für die Wildkatze und ihren Lebensraum, naturnahe Laub- und Mischwälder. Denn größte Gefahr für die Wildkatze und viele andere gefährdete Arten ist die Zerschneidung der Wälder durch Straßen, sich ausdehnende Städte und monotone Ackerflächen. Der BUND setzt genau hier an: Er verbindet die verbliebenen Waldinseln wieder miteinander, indem er Korridore aus Bäumen und Büschen pflanzt. Das Ziel: Ein Waldverbund von 20.000 Kilometern Länge über ganz Deutschland. Die Bilanz aus 10 Jahren „Rettungsnetz Wildkatze“ stimmt optimistisch:


  • Über 360.000 m2 Fläche wurden bundesweit für den Wildkatzenschutz gesichert.
  • Mehr als 40.000 Bäume und Büsche wurden darauf gepflanzt.
  • Damit wurden bis heute bereits 14 Waldverbindungen in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg geschaffen.
  • In Thüringen wurde 2012 Deutschlands erstes Wildkatzendorf eröffnet, wo Besucher des Hainich das Wildkatzen-Projekt des BUND kennenlernen und die Tiere in naturnaher Umgebung erleben können.

„In Thüringen hat der BUND Waldkorridorprojekte an den Hörselbergen, bei Greiz, im Raum Gerstungen und am Kyffhäuser umgesetzt. Im Jenaer Stadtforst gelang uns der Nachweis von Wildkatzenvorkommen. Dazu werden Haarproben in Wildkatzenwäldern gesammelt und anschließend genetisch analysiert“, erklärt Thomas Mölich, der wissenschaftliche Leiter des Wildkatzenprojekts.

Möglich wurden all diese Erfolge durch die Unterstützung von bundesweit über 500 Vertretern aus Politik, Jagd, Forst und Landwirtschaft und rund 1.000 ehrenamtlichen Helfer aus ganz Deutschland. „Auch in Thüringen unterstützen uns hunderte Wildkatzen-Freiwillige in den Wäldern, kontrollieren dort Lockstöcke und Fotofallen. Es ist toll, dass sich so viele Menschen in der Region für diese seltenen Tiere einsetzen“, so BUND-Wildkatzenfachmann Thomas Mölich.

Bilder zur Wildkatze finden Sie unter: www.bund.net/wildkatzenfotos (© BUND/T. Stephan).

1. August 2014

BUND Thüringen verurteilt Katzenabschuss im Hainich

Eine Wildkatze (Foto: Thomas Stephan)

[Update] Die Thüringer Allgemeine Zeitung vom 2.8. meldete, dass besagt Katze nicht erschossen wurde. Wir verfolgen die Entwicklungen weiter.

Erfurt. Der BUND Thüringen verurteilt den Abschuss einer wildfarbenen Katze im Hainich.
Als Konsequenz fordert er, den Abschuss von Katzen generell zu untersagen.

„Wer in Wäldern auf graugetigerte Katzen schießt, nimmt billigend eine Straftat in Kauf. Die Wildkatze ist naturschutzrechtlich geschützt und unterliegt jagdrechtlich ganzjähriger Schonzeit“, so der Thüringer BUND-Landesgeschäftsführer Dr. Burkhard Vogel. „Wer im Kerngebiet des deutschen Wildkatzenschutzes bei einer Katze den Finger nicht grade lassen kann, demonstriert Ignoranz gegenüber den Schutzbemühungen der ganzen Region.“

Im Hainich hat der BUND 49 Wildkatzen nachgewiesen. In einem bundesweiten Projekt untersucht er derzeit Verbreitung und Wandergewohnheiten der Tiere. Wildkatzen sind äußerlich nicht immer eindeutig von Hauskatzen zu unterscheiden. Die grau-braune Fellfärbung ist verwaschen. Der Schwanz ist sehr buschig mit dunklen Ringen und stumpfer Schwanzspitze. Auch ihr Kopf hat eine markantere Form.

„Die Jagd hat die Wildkatze an den Rand der Ausrottung gebracht. Erst mit einer konsequenten Durchsetzung eines Jagdverbotes konnten sich die Bestände in Deutschland langsam wieder erholen. Da es keinen vernünftigen Grund gibt, Katzen zu jagen und um solche Vorfälle zu vermeiden, muss das Schießen von Katzen generell untersagt werden“, fordert BUND-Landesgeschäftsführer Dr. Burkhard Vogel.

Ein vorsätzlicher Verstoß gegen das Bundesjagdgesetz kann mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden.

17. Juli 2014

Stillstand statt Grünem Motor - BUND Thüringen zieht negative Bilanz der Legislaturperiode

Erfurt. Der BUND Thüringen wirft der Landesregierung weitreichenden Stillstand bei Umwelt-, Natur- und Klimaschutz in der vergangenen Wahlperiode vor.

„Thüringen wollte zum ‚Grünen Motor‘ werden. Wenn man den aber sofort abwürgt, bleibt Stillstand“, zieht Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen Bilanz der Regierungspolitik. „Der BUND Thüringen hat bei vielen Vorhaben seine Starthilfe angeboten und Ideen geliefert. Das Land wollte aber lieber auf den Abschleppdienst warten.“

Der BUND Thüringen kritisiert, dass im Koalitionsvertrag Versprechen für mehr Umwelt-, Natur- und Klimaschutz gemacht wurden, aber am Ende nicht eingelöst wurden. Der Flächenverbrauch sei in der laufenden Legislaturperiode nicht gebremst worden sondern weiter angestiegen. Die Ausweisung von 23 Industriegroßflächen im neuen Landesentwicklungsplan mache deutlich, dass die Landesregierung den Flächenfraß nie wirklich als ernsthaftes Problem wahrgenommen habe.
Den Willen zur Ausweisung von 25.000 ha Urwaldflächen habe man offenbar verloren: Obwohl die Kulisse bereits 2012 hätte vorgelegt werden sollen, fehlen bis heute noch mindestens 5.000 Hektar.

Beim Naturschutz habe die Landesregierung eine dramatische Verschlechterung im Europäischen Schutzgebietsnetz NATURA 2000 hingenommen. Thüringen sei bundesweit das einzige Land, welches keinen einzigen gültigen Managementplan habe, um den Schutz der Gebiete zu gewährleisten. Statt den behördlichen Naturschutz wie versprochen, strukturell zu stärken, sei die Personaldecke weiter ausgedünnt worden.

„Ob Klimaschutzgesetz, Nachhaltigkeitsstrategien, naturverträgliche Landwirtschaft oder Verkehrspolitik. Die Regierung hat gebremst. Ein Grüner Motor setzt nicht auf 90 neue Bundesstraßen, propagiert neue Tierfabriken und schläft fünf Jahre bei Klimaschutz und Nachhaltigkeitszielen. Ein Grüner Motor hätte nachvollziehbare Vorschläge gemacht und diese mit den Bürgern des Landes diskutiert und umgesetzt“, fasst Ron Hoffmann das Regierungshandeln zusammen.

Das Land habe auch bei der Energiewende keinerlei Richtung eingeschlagen, so der Thüringer BUND: Auf Bundesebene stimme das Land für neue Kohlekraftwerke, meckert dann aber über die Stromtrassen dazu. Biomasse und Monokultur sei gut, Windkraftanlagen in geeigneten Waldlagen aber schlecht. Das Pumpspeicherwerk Schmalwasser wird plakativ kritisiert, während die Planung an drei weiteren Standorten wesentlich mehr Schaden für die Natur bedeute.

„Diese Landesregierung war kein „Grüner Motor“. Sie stand bei Umwelt-, Natur- und Klimaschutz konsequent auf der Bremse. Es bleibt zu hoffen, dass die künftige Landesregierungen endlich durchstartet, wenn es um den Schutz unserer Lebensgrundlagen und eine nachhaltige Entwicklung in Thüringen geht.“, so Hoffmann abschließend.

12. Juli 2014

Die Erde braucht Freunde! - Der BUND informiert & wirbt für sich in Sömmerda vom 14.07. bis zum 19.07.2014

Sömmerda. Von Montag, dem 14.07., bis Samstag, dem 19.07., wird ein Team des BUND Thüringen an Sömmerdaer Haustüren über den gemeinnützigen Verein und seine Projekte informieren.

Ob besserer natürlicher Hochwasserschutz, Warnung vor den Gefahren von Fracking oder tatkräftiges Anpacken zur Bewahrung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt: Die Bürgerinnen und Bürger sollen im Dialog an der Haustür das Wirken des BUND kennenlernen und sind aufgerufen, es auch zu unterstützen.

Ob jung oder alt, mit viel oder wenig Zeit – Aktive sind immer willkommen und müssen auch kein Fachwissen mitbringen, um trotzdem etwas bewegen zu können. Genauso wichtig sind jene, die als Mitglied die umweltpolitische Arbeit des BUND mit ihrer Stimme und einem frei zu wählenden finanziellen Beitrag unterstützen wollen. Der BUND ist ein Mitgliederverband und als starke Gemeinschaft erreicht er mehr für Umwelt und Natur.

Das BUND-Team informiert deshalb gerne ausführlich über die bestehenden Möglichkeiten zur Mithilfe und über alle aktuellen Projekte.

12. Juni 2014

PM: BUND und Greenpeace mit riesigem Schaufelrad gemeinsam auf Tour gegen Kohletagebaue - am 13.06 Station in Erfurt

Demonstration vor Kohlekraftwerk; stopp_staudinger / CC BY 2.0

Erfurt. Mit einem fünf Meter hohen, luftgefüllten Schaufelrad eines Braunkohlebaggers warnen der BUND Thüringen und Greenpeace Jena vor den Schäden der Energiegewinnung durch Braunkohle.

Auf dem Erfurter Anger wollen am Freitag, den 13.06. zwischen 11 und 19 Uhr die Aktivistinnen und Aktivisten auf die verfehlte Energiepolitik in den Ländern und auf Bundesebene aufmerksam machen. Sie werben zudem für eine Menschenkette durch die Lausitz am 23. August, die von deutschen Kerkwitz bis ins polnische Grabice reichen soll. Auch aus Thüringen ist eine gemeinsame Busfahrt zu dieser von allen großen Umweltverbänden unterstützten Aktion geplant.

Die Braunkohleverstromung gehört zu den schlimmsten Umweltsünden Europas. Hunderte Milliarden Tonnen Kohlendioxid werden jedes Jahr in die Atmosphäre geblasen. Seit Jahrzehnten fräsen sich gigantische Schaufelräder durch die Lausitz, um Kohle abzubaggern. In den Tagebaugebieten versauern Grundwasser und Restlochseen. Eisenocker bedroht das Leben in den Flüssen und im Biosphärenreservat Spreewald. Hunderte Quadratkilometer Land können wegen Bergbaufolgeschäden nicht mehr betreten werden. Tausende Menschen sind von Zwangsumsiedlung bedroht.

Dennoch planen die Regierungen von Sachsen, Brandenburg und Polen weitere riesige Kohlegruben, statt auf sauberen und umweltfreundlicher Solar- und Windstrom zu setzen.

23. Mai 2014

BUND favorisiert Nordseepipeline

Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) favorisiert zur Beendigung der Gewässerversalzung durch den Kalibergbau weiterhin die Nordseepipeline. Dies haben die fünf betroffenen Landesverbände Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der Raumordnungsverfahren zum Bau der Nordseepipeline erneut bekräftigt.

„Die Nordseepipeline bietet die Chance, dass Werra und Weser nach über 100 Jahren wieder zu Süßwasserflüssen und die Ewigkeitslasten aus den Salzhalden verringert werden können“, begründet der Vorsitzende des BUND Niedersachsen Heiner Baumgarten die Position des BUND.

Der BUND appelliert an die Niedersächsische Landesregierung die Fraktionen im Niedersächsischen Landtag, die Planung der Nordseepipeline konstruktiv zu begleiten. Eine deutliche Warnung richtet der BUND Vorsitzende an K+S: „Die Firmenleitung gefährdet ihren Betrieb und die Arbeitsplätze, wenn sie ihren Konfrontationskurs gegen die Natur und die berechtigten Forderungen der Bevölkerung nicht schnellstens aufgibt.“

Die ca. 400 Kilometer lange Pipeline aus dem hessisch-thüringischen Kaligebiet an die Nordsee ist für den BUND eine Kompromisslösung, deren ökologische Vorteile die notwendigen Eingriffe rechtfertigen und die zugleich die Arbeitsplätze im Kalibergbau sichern würde. Sie wurde vom „Runder Tisch Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion“, an dem der BUND intensiv mitgearbeitet hat, bereits im Februar 2010 empfohlen, um den Weiterbetrieb der Kaliminen unter den geltenden wasserrechtlichen Bestimmungen zu gewährleisten.

„Bisher erleben wir überwiegend eine Hinhaltetaktik“, kritisiert der BUND Vorsitzende mit Blick auf den mit vier Jahren viel zu langen Vorbereitungszeitraum zwischen der Empfehlung des Runden Tisches im Frühjahr 2010 und der Vorlage der ersten Planungsunterlagen im Frühjahr 2014. Die bisherigen Reduktionen der Salzeinleitung sind K & S durch massiven rechtlichen und politischen Druck abgerungen worden. „Wenn K & S nicht mehr Engagement bei der Lösung der Probleme zeigt, werden die Möglichkeiten zur Realisierung der Kompromisslösung „Nordseepipeline“ immer geringer und es drohen langwierige juristische Auseinandersetzungen an deren Ende die Schließung der Kaliminen unausweichlich wird“, befürchtet Heiner Baumgarten vom BUND.

Unter Umweltgesichtspunkten war und ist für den BUND ausschlaggebend, dass nur die Nordseepipeline zu einer Vermeidung künftiger Einträge von Salzlaugen in die Gewässer und zugleich zu einem Abbau der Salzhalden führen wird. Damit würde die weitere Gefährdung von Trinkwasservorkommen beendet und Weser und Werra könnten innerhalb der nächsten 20 Jahre einen „guten Gewässerzustand“ erreichen. Rund 300 Kilometer von Werra und Weser würden saniert und wieder zu Süßwasserflüssen werden. Auch neue Salzhalden bräuchte es nicht mehr zu geben, so dass auch in Hessen geplante Waldrodungen von fast 100 Hektar dann nicht mehr nötig würden.

Die erhofften ökologischen Vorteile der Nordseepipeline gegenüber der heutigen großflächigen Verunreinigung des Grundwassers durch die Verpressung salzhaltiger Abwässer in den Untergrund oder durch ihre Einleitung in die Werra werden nach  Auffassung des BUND aber nur erreicht, wenn wichtige Rahmenbedingungen aus den Vorstudien auch tatsächlich eingehalten werden. Unverzichtbar ist für den BUND,

  • dass die weitere Planung die Möglichkeit zur unbedenklichen Einleitung des salzhaltigen Abwassers aus der Kali-Gewinnung in die Nordsee bestätigt und der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer nicht beeinträchtigt wird,
  • dass die salzhaltigen Abwässer aus den bestehenden Kalihalden ebenfalls über die Nordseepipeline abgeführt und nicht länger in die Werra eingeleitet werden und
  • dass die Potenziale zur Vermeidung neuer Kaliabwässer und zur Erweiterung der bestehenden Halden konsequent und vollständig ausgenutzt werden.

Eine klare Absage erteilt der BUND dem Bau und Betrieb einer Pipeline aus dem Kalirevier in die Oberweser. „Die Oberweser-Pipeline schafft neue Probleme und ist für uns kein Bestandteil der Lösung“, stellt Heiner Baumgarten vom BUND klar. Dem Vorteil einer weitgehend salzfreien Werra stehen bei dieser Planung ganz gravierende ökologische Verschlechterungen durch die erstmalige Einleitung hochkonzentrierter Salzabwässer in die Oberweser entgegen.

Noch keine abschließende Bewertung hat der BUND zu den Entsorgungsvorschlägen der K-UTEC AG und von Prof. Quicker vorgenommen. Offen sind für den BUND hier Fragen des Energieverbrauchs, der Praxistauglichkeit des Verfahrens und die Entsorgung der Haldenabwässer. „Uns fehlt bisher ein nachvollziehbarer Systemvergleich durch unabhängige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, begründet Heiner Baumgarten die Zurückhaltung aller beteiligten BUND Landesverbände.


Hintergrundinformationen:
Nach wie vor werden über 450 Kilometer Flusslauf der Werra und Weser durch die Einleitungen von Salzabwässern aus der Kaliindustrie erheblich geschädigt und dadurch die biologische Vielfalt massiv beeinträchtigt. Die Bundesregierung bewertet die Problematik wie folgt „Infolge des langjährigen Kaliabbaus und der dabei anfallenden Rückstandsalze ist es durch das Verpressen von Salzabwasser in den Untergrund und das Einleiten in Oberflächengewässer zu Beeinträchtigungen des Grundwassers und der Oberflächengewässer gekommen. Damit ist die Erreichung des guten ökologischen Zustands in Werra und Weser gefährdet.“ (Bundestags-Drucksache 17/10796 vom 26.09.2012 dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/107/1710796.pdf).

Der Runde Tisch "Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion" wurde im März 2008  von den Ländern Thüringen und Hessen gemeinsam mit der K+S AG ins Leben gerufen (www.runder-tisch-werra.de/index.php?parent=1033). Er hatte die Aufgabe, nachhaltige Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Wasserqualität in Werra und Weser und zur Vermeidung der Grundwasserverunreinigungen zu erarbeiten. Im Februar 2010 verabschiedete der Runde Tisch seine Empfehlung: Bis spätestens 2020 soll die Einleitung von Salzabwasser in die Werra und in den Untergrund beendet sein. Bis dahin soll eine Nordseepipeline gebaut sein. Die Empfehlung haben sich die Landtage von Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Bremen zeitnah zu Eigen gemacht. Während der Niedersächsische Landtag sich in der vorangegangenen Legislaturperiode mehrheitlich gegen die Nordseepipeline ausgesprochen hatte, enthält die heute geltende rot-grüne Koalitionsvereinbarung keine Festlegung für oder gegen die Nordseepipeline, sondern betont den Vorrang der Abfallvermeidung durch Verfesti-gung der flüssigen Abfalllaugen, soweit diese Möglichkeit gutachterlich bestätigt wird.

Die Erlaubnis zur Verpressung von Salzabwasser in den Untergrund läuft zum 30.11.2015 aus, die Einleitungsgenehmigung für Salzabwasser in die Werra ist bis 2020 befristet und mit der Auflage verbunden, bis dahin die einzuleitenden Abwassermengen kontinuierlich abzusenken
Präsentation des Verfahrensvorschlags der K-UTEC AG:     
www.k-utec.de/fileadmin/resources/News/werrakonzept.pdf

13. Mai 2014

25 Jahre Grünes Band – Grenzerinnerungen und Grenzwege

Erfurt. Das Grüne Band wird 25 Jahre. Zu diesem Jubiläum bringen der BUND Thüringen und die Stiftung Naturschutz Thüringen Menschen, Geschichte und Natur entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zusammen.

„Wo früher der Eiserne Vorhang Menschen trennte und viel Leid schuf, setzen sich diese Menschen heute von der Ostsee bis zum Vogtland für den Schutz dieser Spur in der Landschaft ein. Seit 25 Jahren ist das Grüne Band eine Perlenkette der Natur und lebendiges Denkmal deutscher Geschichte“, so der stellvertretende Vorsitzende des BUND Thüringen, Dirk Adams. „Auch wenn wir am Grünen Band schon viel erreicht haben, müssen wir auch weiterhin eine Zerstückelung in vereinzelte Biotope verhindern. Das Grüne Band ist Rückgrat eines europaweit einzigartigen Biotopverbunds, in dem mit den Menschen der Region Maßnahmen im Artenschutz, Landschaftspflege, sanften Tourismus und Umweltbildung umgesetzt werden.“

Der BUND Thüringen als Mitinitiator des einmaligen Naturschutzprojekts Grünes Band und die Stiftung Naturschutz Thüringen als größte Flächeneigentümerin im ehemaligen Grenzstreifen führen bis Jahresende Zeitzeugengespräche, Exkursionen und Kunstaktionen durch. Zum Jubiläum „25 Jahre Friedliche Revolution – 25 Jahre Grünes Band“ laden sie dazu ein, Natur, Geschichte und Kultur des Grünen Bands zu erkunden.

Vom Südharz bis ins Vogtland werden vom 17.05.2014 bis 01.11.2014 Exkursionen, Vorträge, Grenzmuseumsführungen, Zeitzeugengespräche, Lesungen und Konzerte stattfinden. Die erste Veranstaltung führt Interessierte am 17. Mai mit der Porzellanmalerin Bettina Thieme ins Schiefergebirge, am folgenden Tag steht eine Wanderung ins Werrabergland und eine Lesung mit Pfarrer und Bürgerrechtler Martin Montag auf dem Programm.

Die Touren durch Harz, Eichsfeld, Werrabergland, Rhön, Grabfeld, Schiefergebirge und Vogtland zeigen die große Vielfalt des Grünen Bandes an Landschaften, Biotopen, Tieren und Pflanzen. Künstler wie Stephan Krawczyk, Gerd Krambehr, Alexander Blume  und Andreas Schirneck erlauben einen Rückblick auf die bewegten Zeiten der deutsch-deutschen Geschichte.

Seinen Abschluss findet die Reihe mit der Jubiläumsveranstaltung „25 Jahre Grünes Band“ in Ifta/ Eisenach vom 30.10.2014 mit traditioneller BAUMKREUZ-Pflanzung.
Alle Veranstaltungen sind als Faltblatt in den BUND-Büros, den Grenzmuseen, sowie unter www.bund-thueringen.de/gruenesband zu finden.

12. Mai 2014

BUND Thüringen fordert Verbindlichkeit beim Klimaschutz

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert zum heutigen Klimakongress vom Land feste Klimaschutzzusagen. Eine Diskussion über die Anpassung an Klimafolgen sei der zweite Schritt nach dem Ersten.

„Eine Diskussion über die Anpassung alleine reicht nicht aus. Das Land muss klar sagen, welchen Beitrag es zum Klimaschutz leisten will und mit welchen Maßnahmen das erreicht werden soll“, so der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Dr. Burkhard Vogel. „Thüringen tritt beim Klimaschutz seit Jahren auf der Stelle. Wir brauchen mindestens drei Prozent jährliche Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes im Land. Das jetzt im Landtag diskutierte Klimaschutzgesetz wäre ein erster Schritt.“

Die Warnungen des internationalen Klimarats IPCC sind alarmierend: Es gehe nicht mehr um das Verhindern, sondern nur noch um das Abmildern des menschengemachten Klimawandels. Thüringen erbringe aber bis heute keinen Anteil am Kampf gegen den Klimawandel. Stattdessen spreche man sich im Bundesrat für Braunkohle als Energieträger aus.

Auch beim Treibhausgasverursacher Nummer eins im Land, dem Verkehr, sei die Landesregierung nicht aktiv. Statt aktiver Verringerung wolle man noch mehr Straßen bauen und säge weiter am Eisenbahnnetz.

9. Mai 2014

BUND Thüringen zieht Bilanz: 2013 war Nullrunde für Umwelt und Naturschutz

Erfurt. 2013 war eine Nullrunde für Umwelt und Naturschutz im Land. Die Landesregierung habe ihren umweltpolitischen Gestaltungswillen aufgegeben. Dies stellte der BUND Thüringen bei seiner Jahresbilanz fest.

„Neue Schweinemastanlagen konnten nur durch den Gang vor Gericht verhindert werden. Sonst wären erneut Naturschutz, Tierschutz und Verbraucherschutz für die Interessen der Agrarindustrie geopfert worden“, so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Ohne unsere erfolgreiche Klage gegen den Stall in Oldisleben würde die Ferkelzucht in Remda jetzt erweitert werden.“

AAuch mit dem Beharren auf die Rhöntrasse habe Verkehrsminister Carius ein totes Pferd geritten, lange nachdem deren Aus durch das Bundesverkehrsministerium beschlossen war. „Im Landesentwicklungsplan erklärt er die Nachhaltigkeits-Strategie der Landesregierung erst zum Leitbild, dann kündigt er 23 Industriegroßflächen und 90 neue Straßen an. Das widerspricht diametral dem Ziel der Regierung, Flächenfraß zu stoppen. Das ist sture Betonpolitik“, so Hoffmann weiter.

Bei der Energiewende fahre die Landesregierung einen Zick-Zack-Kurs. Auf Bundesebene spreche sie sich für Braunkohle, aber im Land gegen die Stromtrasse aus. Mit dem einseitigen Kurs für Biomasse und gegen Windkraft gefährde sie die Energiewende. Planvolle Politik sieht anders aus, so der BUND Thüringen.

Erfreut zeigte sich der Thüringer BUND-Vorsitzende über die Erfolge und Entwicklungen des eigenen Verbands. Bei einem internationalen Workshop wurde der vom BUND durchgeführten genetischen Erfassung von Wildkatzenbeständen und der Vernetzung isolierter Wälder durch grüne Korridore die wissenschaftliche Anerkennung ausgesprochen. Durch die mit über hundert Freiwilligen durchgeführte Weiterpflanzung des Wanderkorridors vom Hainich zum Thüringer Wald wurde auch praktisch ein großer Sprung für die Wildkatze getan.

„Begeisternde Projekte für Laubfrosch, Fledermaus und den Schutz von Streuobstwiesen bringen Ehrenamtliche aus allen Regionen zusammen. Auch unsere Mitgliederzahlen steigen stetig. Das verleiht unseren Mahnungen an die Politik weiteres Gewicht. Echte Nachhaltigkeit geht nur mit der Natur“, so Ron Hoffmann.

8. Mai 2014

BUND Thüringen gibt erste Nachweise der Wildkatze im Jenaer Stadtforst bekannt

Jena. Im Rahmen des bundesweiten Projektes „Wildkatzensprung“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gelang in Kooperation mit dem NABU-Naturschutzprojekt Felis-Lupus der Nachweis zweier Wildkatzen im Jenaer Stadtforst.

„Das ist eine gute Nachricht für den Erhalt der Biologischen Vielfalt in Thüringen. Der gemeinsam mit dem Naturschutzbund Saale-Holzland-Kreis erbrachte genetische Nachweis zeigt, dass sich die seltene Wildkatze wieder ausbreitet“, so Thomas Mölich, Wildkatzenexperte des BUND Thüringen. „Dies erfordert nun aber weitere Anstrengungen, die Wälder der Region naturnah zu erhalten und wieder zu vernetzen, um für die scheuen Tiere dauerhafte Lebensbedingungen zu schaffen.“

„Die Fellproben in Verbindung mit dem Video der Kamerafalle belegen, dass Wildkatzen durchaus in unserer unmittelbaren Natur leben können. Der Stadtforst von Jena bietet für Wildkatzen prinzipiell gute Lebensbedingungen. Wichtig ist es, diese zu erhalten und auch zu Gunsten anderer bedrohter Arten weiter zu entwickeln“, so Silvester Tamás, Projektleiter des NABU-Naturschutzprojektes Felis-Lupus.

Im Rahmen des BUND-Projekts „Wildkatzensprung“ erfasst rund um Jena der NABU Saale-Holzland im Projekt Felis-Lupus mögliche Wildkatzenvorkommen. Hierbei werden sie durch eigene Ehrenamtliche, Mitarbeiter des Phyletischen Museums in Jena sowie den Umwelt- und Forstbehörden unterstützt.

Das Projekt „Wildkatzensprung“ wird vom Bundesumweltministerium gefördert und vom Bundesamt für Naturschutz fachlich begleitet. Deutschlandweit erfassen Freiwillige für den BUND die Vorkommen der scheuen Wildkatze. In Thüringen geschieht dies noch um den Hainich, im Thüringer Wald, im Südharz und bei Greiz. Mit Hilfe dieser Erfassungen wird eine bundesweite Gendatenbank erstellt, welche Rückschlüsse auf die Populationen ermöglicht. Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist die Vernetzung isolierter Wälder durch grüne Korridore und die Aufwertung von Wäldern.

25. April 2014

BUND, ThEEN und TMWAT: Erneuerbare Energiewende darf nicht ausgebremst werden

  • Keine Renaissance der Kern- und Kohlekraft in Deutschland
  • Wirtschaftskraft der Erneuerbaren Energien für klima- und umweltfreundliche Energieversorgung der Zukunft

Erfurt. Morgen findet der "Tag der Erneuerbaren Energien" bundesweit statt, der an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 erinnert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Thüringen), das Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) e.V. und das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie (TMWAT) möchten anlässlich dieses Tages gemeinsam für die Erneuerbare Energiewende plädieren.  

„Tschernobyl und Fukushima mahnen, dass der breite gesellschaftliche Konsens zum Atom-ausstieg schnellstmöglich umgesetzt wird. Im selben Zug ist die Gesellschaft aber auch ge-fordert, keine Renaissance der Kohlekraft zuzulassen. Der Weltklimareport mahnt vor ernst-haften Folgen des CO2-Anstiegs in der Atmosphäre. Wir brauchen deshalb mehr denn je eine Bürgerenergiewende“, erklärt Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

„In Thüringen gibt es im Bereich der Erneuerbaren Energien und Energiespeicherung 260 Unternehmen in Produktion und Dienstleistung mit einem Umsatz von 2,1 Mrd. Euro Umsatz und 7.640 Beschäftigten*. Diese arbeiten an neuen Lösungen der tragfähigen erneuerbaren Energieversorgung der Zukunft und bieten zudem hochwertige Arbeitsplätze“, betont Prof. Dr. Dieter Sell, Vorstandsvorsitzender des Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerkes (ThEEN) e.V.

“Die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben deutlich gezeigt, wie riskant Atomkraftwerke sind. Daher wurde es allerhöchste Zeit, dass Deutschland aus der Atomenergie ausgestiegen und die Energiewende eingeleitet hat. Mit diesem Kurs nimmt die Bundesrepublik eine Vorreiterfunktion ein. Auf diesem Kurs müssen wir bleiben. Es darf kein Zurück mehr zur Atomenergie geben“, sagte Thüringens Wirtschaftsminister Uwe Höhn.

Das Thüringer Wirtschaftsministerium hat bereits vielfältige Initiativen ergriffen, um die Energiewende voranzutreiben: Ein energiepolitischer Bestseller ist das 1.000-Dächer-Photovoltaik-Programm, mit dem seit dem Programmstart im Jahr 2010 rund 260 Photovoltaik-Projekte in ganz Thüringen gefördert werden konnten. Eine zentrale Rolle spielen die Energiegenossenschaften, die bereits 56 Projekte verwirklichen konnten. Auch die Thüringer Effizienzinitiative spielt eine wichtige Rolle, hier konnten im Jahr 2013 rund 60 Unternehmen unterstützt werden. Höhn: „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz – das sind die zwei Säulen, auf denen unsere künftige Energieversorgung stehen muss.“

8. April 2014

BUND startet Wildkatzenforscher-Projekt für Schulen - Umweltminister übergibt Förderbescheid

Erfurt/Hütscheroda. Der BUND Thüringen baut seine Bildungsangebote rund um die biologische Vielfalt und den Biotopverbund weiter aus. Heute erhielt er im Wildkatzendorf Hütscheroda für sein Wildkatzenforscher-Projekt von Umweltminister Jürgen Reinholz einen Fördermittelbescheid.

„Wir wollen den Schülern altersgerecht vermitteln, welche Zusammenhänge in der heimischen Natur zu entdecken sind. Statt auf der Schulbank sollen die Kinder und Jugendlichen die Grundlagen des Lebens dort kennen, schätzen und verstehen lernen, wo sie geschehen“, so der Thüringer BUND-Landesvorsitzende Ron Hoffmann. „Die Thüringer Buchen-Mischwälder sind Teil des Weltnaturerbes. Hier können der Rückgang der Artenvielfalt, Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft sowie die Auswirkungen des Klimawandels verständlich gemacht werden. Wer Biodiversität erhalten will, muss einen bewusstseinsbildenden Prozess bei den Entscheidungsträgern von morgen einleiten.“

Unter dem Motto "Werde Wildkatzen-Forscher!“ führt der BUND Thüringen ab sofort für Thüringer Schulklassen „wilde“ Projekttage im Wildkatzendorf Hütscheroda am Nationalpark Hainich durch. Lern-Themen und -Materialien sind an die jeweilige Schul- und Altersstufe angepasst, so dass zu Biologie, Sachkunde oder auch Ethikunterricht entsprechende Inhalte behandelt werden. Am Wildkatzen-Forscherpfad rund um das Thüringer Wildkatzendorf können Schüler dann erleben, wie sich die Flächennutzung in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat und welche Folgen die menschliche Nutzung für die Umwelt hat. Als Beispiel dient die Wildkatze, deren Lebensraum durch die expansive Lebensweise des Menschen stark eingeschränkt wurde. Multiplikatorenseminare für Schulen und Pädagogen sind ebenfalls buchbar. Das Thüringer Umweltministerium unterstützt das Projekt im Rahmen der Förderung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Umweltbildung in Thüringen.

Der BUND Thüringen wies darauf hin, dass der Freistaat Heimat für mehr als zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten sei – und das auf nur 4,5 Prozent der Fläche der Bundesrepublik. Thüringen sei ein Hot Spot der Biodiversität und die Bedrohung für die Artenvielfalt hier entsprechend groß.

Unter www.bund-thueringen.de/wildkatzenforscher finden sich alle Informationen zum Projekt.

8. April 2014

BUND-Bundesvorstand ruft Thüringen auf: Südharzer Gipskarst sichern

Nordhausen. Die europaweit einmalige Gipskarst-Region im Südharz ist weiterhin bedroht. Der Bundesvorstand des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) informierte sich heute bei einem ganztägigen Besuch über die Vielfalt an seltenen Pflanzen und Tieren, die faszinierende Landschaft und die akute Gefährdung durch den Gipsabbau.

„Es ist unverantwortlich, dass die Landesregierung hier nichts unternimmt, um weiteren Gipsabbau zu verhindern. Statt einmaliger Landschaft setzt man auf einmaligen Profit. So haben weder Natur noch Tourismus im Südharz eine Zukunft“, sagte der BUND-Bundesvorsitzende, Prof. Dr. Hubert Weiger, am Rande einer Wanderung durch die Rüdigsdorfer Schweiz. „Der Gipskarst ist, von den geologischen Besonderheiten im Boden, über die die auf ihm wachsenden seltenen Pflanzen bis zu den am Himmel kreisenden Vögeln schützenswert“, machte Weiger bei seinem Besuch im Südharz klar.

Der BUND drängte darauf, den Prozess zur Einrichtung eines länderübergreifenden Biosphärenreservats Südharz wieder aufzunehmen. Die Biologische Vielfalt sei weltweit bedroht. Es gäbe auch in Deutschland einzigartige Lebensräume, für deren Erhalt man international Verantwortung trage. „Wenn die Gipskarst-Landschaft einmal dem Bagger geopfert ist, ist das Zukunftspotential der Region verspielt. Landesregierung und Lokalpolitik müssen anfangen, langfristig zu denken. Die Gipskarstlandschaft ist eine Landschaft von europäischer Bedeutung und erfüllt alle Voraussetzungen für ein Weltnatur- und Kulturerbe“, so der Bundesvorsitzende des BUND.

Im Freistaat Thüringen befindet sich der größte noch intakte Teil des Gipsgürtels, welcher sich von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt erstreckt. Wegen klimatischer und geologischer Besonderheiten ist dieser Lebensraum weltweit fast einmalig. Die Landesregierung hat die wertvollsten Lebensräume und Standorte zwar als FFH- bzw. Vogelschutzgebiet im Schutzgebietsnetz Natura 2000 gemeldet. Der BUND warnt, dass diese Bemühungen durch neue Vorstöße, die industrielle Gipsgewinnung über die abgestimmten Bewilligungsfelder hinaus auszudehnen, wieder in Frage gestellt würde.

Die Reise des BUND-Bundesvorstands führte vom Gipstagebau am Winkelberg,
zum Mühlberg und Himmelsberg, sowie anschließend in die Rüdigsdorfer Schweiz und zum derzeit von weiterem Abbau bedrohten Alten Stolberg.

5. April 2014

BUND Thüringen fordert von nächster Landesregierung Vorfahrt für Naturschutz - Landesversammlung für naturverträgliche, bürgernahe Energiewende

Erfurt. Die Landesversammlung des BUND Thüringen fordert ab der nächsten Legislaturperiode Vorfahrt für den Naturschutz. Dazu haben die Mitglieder einen 10-Punkte-Katalog verabschiedet. In einem Positionspapier zur Energiewende fordert der BUND Thüringen einen beschleunigten Atom- und Kohleausstieg und eine naturverträgliche, dezentrale und demokratische Energieversorgung für Thüringen.

„Wenn die nächste Landesregierung den Naturschutz so schleifen lässt, wie die jetzige, ist hier bald nicht mehr das grüne Herz Deutschlands. Weniger als ein Drittel aller Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten in Thüringen befinden sich in einem guten Zustand“, warnt Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Wir brauchen in der nächsten Landesregierung ein Umweltministerium mit eigener Naturschutzabteilung. Dieses muss Ausweitung, Vernetzung und Management der Schutzgebiete vorantreiben und landesweit Biologische Stationen aufbauen“ forderte Hoffmann.

Der Thüringer BUND-Vorsitzende kritisierte, dass die jetzige Landesregierung für intensive Land- und Forstwirtschaft, den maßlosen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und rasanten Flächenverbrauch verantwortlich sei. Thüringern habe als einziges Bundesland noch für keines seiner 256 FFH- und Vogelschutzgebiete einen Managementplan vorgelegt. Statt den Flächenverbrauch zu stoppen, solle auf Druck der Agrarlobby die Verpflichtung für die Kompensation von Eingriffen so aufgeweicht werden, dass in Zukunft für die Zerstörung von Natur und Landschaft kein gleichwertiger Ersatz mehr erfolgen muss.

„All dies steht im Gegensatz zur Verpflichtung, bis 2020 den Artenschutz zu verbessern.“ sagte der Thüringer BUND-Vorsitzende bei der Vorstellung des Leitantrags zur Landtagswahl.
Im Positionspapier zur Energiewende fordert der BUND Thüringen den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beschleunigen statt ihn auszubremsen. Auch der Leiter der Thüringer Energie- und Greentech-Agentur (ThEGA), Prof. Dr. Dieter Sell, machte in seinem Eröffnungsvortrag deutlich, dass Thüringen beim Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent handeln muss.

„Das darf nicht zum Alibi für die Verdrahtung der Horizonte mit neuen Stromleitungen oder für die Vermaisung der Landschaft zur Erzeugung von Biomasse werden“, warnte Hoffmann. „Deshalb muss die Energiewende vorrangig auf Energieeinsparung zielen. Eine Halbierung unseres Energieverbrauchs bis spätestens zum Jahr 2050 ist nötig und möglich. Dies würde den notwendigen Netzausbau auf die Hälfte reduzieren. Damit würde beim Ausbau der erneuerbaren Energien die ökologischen Belange ebenso wie die Belange der betroffenen Menschen berücksichtigt.“

3. April 2014

BUND Thüringen kritisiert Aussagen des Landwirtschaftsministers zu Schweinefabriken

Erfurt. Der BUND Thüringen kritisiert die positive Haltung von Landwirtschaftsminister Reinholz zum Bau neuer Schweinefabriken in Thüringen. Neue Tierfabriken führen zum Abbau von Arbeitsplätzen in der Thüringer Landwirtschaft, schrecken die Ansiedlung von Familien und Firmen im ländlichen Bereich ab und führen zu einer unerträglichen Belastung für Mensch und Umwelt im Umfeld der Anlagen.

„Entweder hat sich Jürgen Reinholz noch nie mit den qualvollen Haltungsbedingungen in Thüringer Tierfabriken auseinander gesetzt, oder sie sind ihm egal“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Wir haben beim Schweinefleisch in Deutschland längst Überproduktion. Der Ausbau der Fleischfabriken heizt diesen Wahnsinn weiter an, auf Kosten der Steuerzahler und der artgerecht wirtschaftenden, traditionellen Landwirtschaft. Der Minister scheint mit seiner Mär von der Schweinefleisch-Unterversorgung immer noch in 5-Jahres-Plänen zu denken.“

Vogel verwies darauf, dass in Thüringen bereits über 813.000 Schweine gehalten würden. Die gesamte Produktionskette vom Bau der Ställe, über die Schlachthöfe bis zum Export des Fleischüberschusses werde aus Steuermitteln subventioniert. Mit dem Billigfleisch aus Thüringen und Deutschland würden die Märkte in der dritten Welt überschwemmt. Die örtliche Landwirtschaft breche zusammen und die Menschen würden in Hunger und Armut getrieben.

„Wie das ein Minister befürworten kann, der selbst die Nachhaltigkeitskriterien der Landesregierung mit erarbeitet hat, ist nicht nach zu vollziehen“, erklärte Vogel.

Für die Menschen in Thüringen sei der Ausbau der industriellen Massentierhaltung mit Verpestung der Luft sowie schleichender Verseuchung von Boden und Grundwasser verbunden. Jede weitere Tierfabrik sorge für Millionen Liter zusätzlicher Gülle.

„Wir fordern Landwirtschaftsminister Reinholz auf, seine falsche Klientelpolitik dringend zu überdenken, damit die tier- und umweltgerechte Landwirtschaft in Thüringen eine Chance hat“ so der BUND-Landesgeschäftsführer abschließend.

25. März 2014

Zwölf Millionen Euro für das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke - Waldschutz-Projekt geht in Umsetzungsphase

Braunsroda. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Thüringens Umweltminister
Jürgen Reinholz haben heute der Naturstiftung David eine Förderung von rund
elf Millionen Euro für das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke in Nord-Thüringen
erteilt. Das Bundesumweltministerium gibt 9,1 Millionen Euro, der Freistaat Thüringen
1,8 Millionen Euro. Weitere Mittel kommen von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt
(ZGF), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und anderen
Naturschutzorganisationen. Rund ein Viertel des Waldes soll künftig forstlich ungenutzt
bleiben – hier soll sich ein „Urwald von Morgen“ entwickeln. Auf den übrigen Flächen
soll eine besonders naturnahe Waldbewirtschaftung stattfinden.

Laden Sie sich hier die gesamte PM als PDF (114KB).

4. März 2014

BUND Thüringen ruft zum „Plastikfasten“ auf

Erfurt. Der BUND Thüringen ruft Verbraucherinnen und Verbraucher dazu auf, bis Ostern auf Plastiktüten und Einwegflaschen zu verzichten. In Deutschland würden jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Plastik verbraucht. Damit lägen die Deutschen europaweit an der Spitze.

„Seit den neunziger Jahren hat sich die Menge an Plastikmüll hierzulande verdoppelt. Nicht einmal die Hälfte davon wird recycelt. Das Meiste wird mit dem Restmüll verbrannt. Der viel zu hohe Verbrauch an Plastiktüten und Plastikverpackungen ist leider inzwischen Alltag geworden“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landegeschäftsführer des BUND Thüringen. „Fünf Millionen Tonnen Plastik landen pro Jahr im Müll. Dies stellt eine enorme Verschwendung von Ressourcen und eine unzumutbare Umweltbelastung dar“, so Vogel.

Viele Plastikgegenstände verschmutzen weltweit Landschaften, Meere und Strände. Plastikreste und winzige Plastikteilchen werden für Säugetiere, Vögel und Meeresbewohner zum Verhängnis. Diese strangulierten sich mit Plastikresten oder verwechselten die Teilchen mit Nahrung und verhungerten, weil ihre Mägen mit Plastik gefüllt seien.

Verbraucherinnen und Verbraucher können sehr einfach zur Reduzierung von Plastikmüll beitragen. Ein Anfang sei der Verzicht auf Plastiktüten. Hiervon werden in Deutschland jährlich sechs Milliarden verbraucht. Eine einzelne Tüte werde durchschnittlich nur 25 Minuten genutzt. Eine Alternative seien Stoffbeutel. Konsumenten sollten außerdem Getränke in Mehrwegverpackungen den Einwegflaschen vorziehen.

Der BUND ruft die Teilnehmer der Aktion „Plastikfasten“ dazu auf, unter dem Hashtag #plastikfasten in den sozialen Netzwerken über ihre Erfahrungen zu berichten und Tipps dazu untereinander auszutauschen.

Mehr Fakten zum Thema Plastik und Tipps zum „Plastikfasten“ finden Sie im Internet unter: www.bund.net/plastikfasten

Ein Bild zum "Plastikfasten" finden Sie in druckfähigem Format unter www.bund.net/presse

BUND-Experte zum Thema Plastik: Rolf Buschmann, Tel. 030 - 275 86 482

14. Februar 2014

Keine Rohstofferkundung im Naturschutzgebiet „Alter Stolberg“ - Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Nordhausen versagt die Befreiung für die vom Unternehmen Knauf beantragten Aufsuchungsbohrungen

Nordhausen. Als einen Präzedenzfall von bundesweiter Bedeutung bezeichnet Dagmar Becker, Mitglied im Landesvorstand des BUND Thüringen die Versagung der beantragten Aufsuchungsarbeiten im Naturschutzgebiet „Alter Stolberg“ durch den Landkreis Nordhausen. Dass dies so geschehen ist, haben wir der Stellungnahme des BUND Thüringen und dem stringenten, rechtskonformen Handeln der Unteren Naturschutzbehörde zu verdanken.Mit der Versagung der Bohrungen haben weder die Firma Knauf, noch das Landesbergamt gerechnet. Was der Bevölkerung des Landkreises als Flächenoptimierung verkauft werden sollte, ist in den Augen des Umweltverbandes der Versuch, Rohstoffabbau auch in Naturschutzgebieten anzugehen. Wer dies nicht glauben möchte, so Becker, der kann dies in der Antrittsrede des Präsidenten des Europäischen Gipsverbandes, zugleich Knauf-Chef von Italien, auf dem 29. Eurogypsum-Kongress im Jahr 2012 nachlesen. Unter Bezug auf die wichtigsten Ziele der nächsten Jahre wird nicht nur der Rohstoffabbau in den unter EU-Verwaltung stehenden Flora-Fauna-Habitat- (FFH) Gebieten anvisiert, sondern explizit auch in anderen Schutzgebieten.Das entbehrt aber jeder wirtschaftlicher Notwendigkeit. Dies kann man im Bescheid für die angestrebte Befreiung aus dem Naturschutzgebiet entnehmen. Der Bescheid ist auf der Seite des BUND Kreisverbandes Nordhausen unter www.bund-nordhausen.de einzusehen.315 ha Bergwerksfeld sind nicht nur aus Sicht der Naturschützer ausreichend, um das in Rottleberode ansässige Werk für Jahrzehnte mit Gips und Anhydrit zu versorgen. „Alles andere“, so Becker, “erinnert an den berühmten Vierbeiner, der vor lauter Übermut aufs glatte Eis geht.“Der BUND Thüringen appelliert an das Unternehmen, die Hände von dem Vorhaben des Flächentausches zu lassen und die geistigen und finanziellen Ressourcen vielmehr in den Einsatz von Substituten für Naturgips  und damit den Ressourcenschutz zu stecken. Diese Pläne dürfen nach Ansicht des BUND nicht in den Schubladen der regionalen Forschungseinrichtungen, mit denen das Unternehmen Knauf kooperiert, verwahrt bleiben. „Gipsrecycling am Standort Rottleberode ist längst überfällig und wäre ein Signal für die Nachhaltigkeit, wie wir sie verstehen“, so Becker. Zugleich fordert Sie Umweltminister Reinholz auf, seinen Einfluss auf das ihm unterstehende Landesbergamt geltend zu machen. Solange dort die Meinung grassiere, man könne die Bedenken und Entscheidung der Naturschutzbehörden ignorieren, bleibe der Naturschutz im Rahmen von bergrechtlichen Verfahren eine Farce. Ebenso wie die von Minister Reinholz 2013 in den Medien euphorisch verkündete Initiative der Ressourcenschonung durch Recycling. Die Wiederverwertung von Gipsbaustoffen in Thüringen sei nach wie eine substanzlose, ministerielle Worthülse. Der BUND will dies ändern und fordert vom Ministerium konkrete Handlungsstrategien und Schritte.

Hinweise:

Das anhängende Foto aus dem Gipskartsgebiet darf mit dem Verweis „Foto: BUND Nordhausen“ für die redaktionelle Berichterstattung zur PM kostenfrei genutzt werden.

Direktlink zum Bescheid auf bund-nordhausen.de

Mehr Informationen zur Recycling-Initiative
http://www.bund-thueringen.de/fileadmin/bundgruppen/bcmslvthueringen/presse/2013_05_06_PM_Gips_Recycling.pdf 
http://www.thueringen.de/th8/tmlfun/aktuell/presse/69494/index.aspx
http://www.thueringen.de/th8/tmlfun/aktuell/presse/71444/
http://www.zkg.de/de/artikel/zkg_2012-10_Der_Markt_fuer_Gipskartonplatten_wird_weiter_wachsen__1534093.html 

13. Februar 2014

Minister Carius versagt bei Verkehrsplanung: Thüringen ist Schlusslicht in Bundesverkehrswegeplan-Studie

Erfurt. Der BUND Thüringen attestiert dem Landesverkehrsminister vollständiges Versagen. In einer bundesweiten Vergleichsstudie des BUND zu den heute vorgestellten Verkehrswegeplan-Anmeldungen ist Thüringen allen Bereichen Schlusslicht.

„Herr Carius ergeht sich bewusst in substanzlosen Versprechungen. Selbst 20 Jahre in Amts-Archiven verstaubte Verkehrswege-Pläne hält er noch für nötig. Darunter leidet am Ende das ganze Land“, so Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Der Minister hat alle alten Planungen wieder für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Darunter viele unrealistische Wahlkampfversprechen. Die Prüfung all dieser Prestigeprojekte wird die wirklich wichtigen Infrastruktur-Ausbauten verzögern“, befürchtet Hoffmann.

Das Land habe nicht nur überproportional viele Straßenbauprojekte angemeldet, sondern wolle auch noch doppelt so viel Geld dafür als Förderung. Der Minister verspreche Luftschlösser, statt realistisch nach Prioritäten zu planen. Ebenso bemängelte der BUND Thüringen, dass Verbände zwar erstmalig Plan-Alternativen vorschlagen durften, es aber weder eine Öffentlichkeitsbeteiligung gegeben habe, noch der Verfahrensfortschritt transparent dargestellt wurde. Die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes scheint Minister Carius auch ignoriert zu haben.

So habe der BUND Thüringen für einige ökologisch besonders umstrittene Fernstraßenanmeldungen umweltverträgliche, kostengünstige und schneller umsetzbare Vorschläge beim Ministerium eingereicht. Neben der mehrfach gescheiterten B87n (Rhöntrasse) gehört dazu auch die B19 bei Meiningen und Etterwinden.
Statt einer komplett neuen Ortsumfahrung der B19 nördlich von Meiningen schlägt der BUND eine kurze Südumfahrung des Meininger Ortsteils Helba vor. So würden Anwohner von Lärm entlastet, wertvolle Biotope erhalten und die Kosten halbiert. Ebenso kritisch sieht der BUND Thüringen auch die Pläne für den Neubau der B19 bei Etterwinden. Eisenach sei mit der neuen Trasse schlechter erreichbar, es werde viel Zeit und Fläche für eine Großbaustelle verschwendet und die Verkehrsbelastung nur verlagert. Ein Ausbau der bestehenden Strecke sei gar nicht geprüft worden, obwohl dies die effektivste Variante sei.

Mehr Intelligenz statt Beton, das sei es, was Thüringen bei der Verkehrsplanung brauche.

Hinweis:
Unter www.bund.net/bvwp-analyse können sie die detaillierte BUND-Studie nachlesen.

7. Februar 2014

BUND Thüringen begrüßt Ausweisung zweier Naturschutzgebiete im Südharzer Gipskarst

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt die Ausweisung der Naturschutzgebiete „Harzfelder Holz“ und „Pfaffenköpfe“ im Landkreis Nordhausen als richtigen Schritt.

„Wir freuen uns, dass unsere seit Jahren bestehende Forderung nach einem Schutzstatus für das ‚Harzfelder Holz‘ jetzt umgesetzt wird. Dies gelang erst nach massivem Protest und der Drohung, dass wir ein EU-Verfahren anstrengen würden“, so Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Wir hoffen, dass es nicht bei diesem einen positiven Signal zum besseren Schutz der Gipskarstregion bleibt“, so Vogel weiter.

Der BUND Thüringen verwies darauf, dass weitere Gebiet in der Gipskarstlandschaft bereits vor Jahren auf Grundlage von Fachgutachten temporär geschützt wurden. Statt einer zügigen Ausweisung ließ man diesen Schutzstatus jedoch verfallen.

Und auch beim „Harzfelder Holz“ sei der angestrebte untertägige Gipsabbau noch nicht vom Tisch. Die neue Naturschutzgebietsverordnung weise diesbezüglich kein Verbot auf. Der BUND Thüringen kritisiert, dass die dazu im Rahmen einer Anhörung vorgebrachten Argumente keiner nachvollziehbaren Abwägung unterlegen hätten. Das Land habe zudem auf ein Raumordnungsverfahren verzichtet, bei dem die Auswirkungen des Gipsabbaus auf die Umgebung untersucht worden wären. Dies sei nun ein Hemmschuh für einen umfassenderen Schutz des Gebietes. Betroffen sei davon auch die Gemeinde Neustadt, die sich um den Status als Kurort bemüht. Statt intakter Natur drohen ihr weiter Maschinenlärm und Staubbelastungen.

Der BUND Thüringen fordert die Landesregierung auf, keine unwiderruflichen Fakten hinter verschlossenen Türen zu schaffen. Dies betreffe insbesondere den derzeit diskutierten Landesentwicklungsplan. Das zuständige Ministerium für Bau und Verkehr habe bisher keine Anstrengungen erkennen lassen, darin dem weiteren Gipsabbau einen Riegel vorzuschieben. Der Landesentwicklungsplan stelle den Scheideweg für die zukünftige Entwicklung der Gipskarstlandschaft dar.

Der BUND wird sich weiter dafür einsetzen, dass es keinen weiteren Gipsabbau über die bestehenden Rahmenbetriebspläne hinaus im Südharz geben wird.

13. Januar 2014

BUND Thüringen fährt zur „Wir haben es satt!“-Demonstration am Samstag, 18.01.14 in Berlin

Bundesweite Protestaktion unter dem Motto „Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Für Alle!“

Erfurt. Der BUND Thüringen organisiert eine Busfahrt zur „Wir haben es satt“-Demonstration am kommenden Samstag in Berlin. Zu der bundesweiten Demonstration, die 2014 zum vierten Mal stattfindet, wird von einem breiten Bündnis von Bauern-, Umwelt-, Tierschutz- und Entwicklungsorganisationen aufgerufen. Parallel zur „Grünen Woche“ soll so ein Zeichen für zukunftsverträgliche Landwirtschaft gesetzt werden.

„Wir haben es satt, dioxinverseuchte Frühstückseier, Brötchen aus Genweizen oder Thüringer Bratwurst mit Hormonfleisch serviert zu bekommen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Deshalb rufen wir die Menschen auf, für eine neue Landwirtschaft ohne Gentechnik und Massentierhaltung zu demonstrieren.“

In Deutschland werden jährlich 58 Millionen Schweine, 630 Millionen Hühner und drei Millionen Rinder geschlachtet. Im Schweineschlachten hat es Deutschland damit inzwischen zum traurigen Titel "Europameister" gebracht. In Thüringen werden jährlich 1,5 Millionen Schweinen geschlachtet. Die Genehmigung weiterer Tierfabriken führe aber nicht nur zu weiterem Tierleid, sondern belaste auch Menschen und Umwelt rund um die Anlagen.

Der BUND Thüringen macht deshalb für die Protestaktion mobil und organisiert Busfahrten von Erfurt und Jena nach Berlin. Der Bus fährt um 7:30 Uhr ab Erfurt und sammelt weitere Fahrgäste um 8:30 Uhr in Jena ein. Kosten: 15 Euro pro Person für die Hin- und Rückfahrt.

Das Platzangebot ist begrenzt, zu einer schnelle Reservierung wird daher geraten.

Informationen und Reservierung über Kerstin Hülsmann, BUND Thüringen, 0361 - 555 03 10 kerstin.huelsmann@bund.net oder www.bund-thueringen.de.



BUND-Jahrbuch Bauen und Renovieren 2017

Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Jahresbericht 2015

Unser neuer Jahresbericht steht ab sofort zum Download zur Verfügung!

Der BUND Thüringen ist Teil des Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, 
Vielfalt und Mitmenschlichkeit
.

Lesen Sie dazu den Brief unseres Landesvorsitzenden, Ron Hoffmann.

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