Erfurt. Mit frischen Äpfeln (saisonales Obst) und einem phantasievollen Marktstand wirbt der BUND Thüringen dieses Wochenende auf der Messe „Grüne Tage Thüringen“ auf dem Messegelände Erfurt für Produkte aus umwelt- und tiergerechter Landwirtschaft. Gucklöcher erlauben Blicke in Agrarlandschaften, Tierlaute kommen aus Lautsprechern und auf Tafeln erfahren Interessierte mehr über die Herkunft von Fleisch, Milch, Gemüse und Obst. „Billig ist oft teuer“ meint der BUND und zeigt, was Nahrungsmittel zu Schleuderpreisen Mensch und Natur tatsächlich kosten. Die Aktion in Erfurt ist Teil der „BUND-Agrarwendetour“ für gesunde Ernährung, eine artgerechte Tierhaltung und schöne Landschaften.
Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND: „Unser zwei Meter hoher Einkaufswagen zeigt: Verbraucher können viel bewegen. Beim Einkauf entscheiden sie mit, wie viel Chemie beim Obstanbau eingesetzt wird, wie viele Hühner im Freien herumlaufen und wie viele artenreiche Wiesen und Weiden erhalten bleiben.“
Dass sich an der bisherigen Agrarpolitik etwas ändern muss, habe mittlerweile auch die Politik erkannt, so Hoffmann. In den vergangenen Jahrzehnten sei vor allem die industrielle Landwirtschaft und die Überproduktion mit Milliarden subventioniert worden. Dank der Anfang Juli beschlossenen regional einheitlichen Flächenprämie würden die Fördergelder in Zukunft gerechter verteilt, so dass auch ökologische und nichtindustrielle bäuerliche Betriebe mehr davon bekämen. Auf Grund des Widerstands der Agrarlobby werde die Agrarreform leider erst ab 2013 voll greifen. Die Zahlung der Prämien sei zudem derzeit noch nicht an ausreichende Umwelt- und Tierschutzauflagen gebunden.
Umso wichtiger ist aus Sicht des BUND, dass die Verbraucher sich auf ihre Macht besinnen und Lebensmittel aus regionaler, umweltfreundlicher und tiergerechter Produktion wählen. Fleisch vom Bio- oder Neulandbauern trage zum Beispiel dazu bei, die Trinkwasserbelastungen und Waldschäden durch Stickstoffemissionen zu reduzieren und die Haltungsbedingungen von Mastvieh zu verbessern.
Hoffmann: „Für Mensch und Natur ist es besser, nicht nur nach billigen Preisen zu suchen. Lebensmittel zu Dumpingpreisen kommen am Ende alle teuer zu stehen. Wenn ein Liter Milch für weniger Geld als ein Liter Mineralwasser zu haben ist, stimmt was nicht. Umwelt- und Tierschutz werden vernachlässigt, kleinere Bauernhöfe müssen aufgeben. Ein paar Cent mehr für ökologische Produkte und die Landwirtschaft hat auch wieder Zukunft.“
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