6. Juni 2006

BUND fordert besseren Grundwasserschutz

Trinkwasser in Gefahr!

Erfurt. Um einen drohenden Rückschritt im Trinkwasserschutz abzuwehren, fordert der BUND die Europaabgeordneten des Freistaats Thüringen auf, sich für einen effizienten Grundwasserschutz stark zu machen. Am 12. Juni entscheidet das Europäische Parlament über den Ratsentwurf und damit auch über den zukünftigen Schutz der wichtigsten Lebensmittelquelle der Europäer.
Dazu wurden am Dienstag in Weimar und Erfurt an die Mitarbeiter der EU-Abgeordneten Gabi Zimmer (PDS), Dr. Dieter Lebrecht Koch (CDU) und Milan Horacek (Grüne) symbolisch je eine Flasche reines Wasser und eine Tüte mit 40 Gramm Nitratdünger übergeben.
Etwa diese Menge an Nitrat würde jeder innerhalb von sieben Tagen mit Brunnenwasser trinken, wenn die bestehenden Grenzwerte um das Siebenfache überschritten würden - wie in Grundwasservorkommen in Deutschland bereits geschehen. Nur aufwändiges und kostspieliges Reinigen könne solches Wasser noch trinkbar machen.

„Während in Europa etwa 40% der untersuchten Grundwasservorkommen übermäßig verschmutzt sind, wurden in Thüringen schon mehr als 60% der Grundwasservorkommen als belastet eingestuft.“, so Stephan Gunkel, Gewässerexperte beim BUND.
Der größte Teil davon sei durch diffuse Belastungen (vorwiegend Nitrat, aber auch Phosphat) aus der Landwirtschaft gefährdet. Augenfällig bei Betrachtung der Kartendarstellung sei die flächenmäßige Übereinstimmung der landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiete mit den bedrohten Grundwasserkörpern. Dabei würde der Grenzwert für Nitrat von 50 mg/Liter in einigen Regionen deutlich überschritten. Neben diesen Nährstoffbelastungen würde das Grundwasser in Thüringen auch durch Pestizide und Salz sowie punktuelle Belastungen z.B. durch Schwermetalle gefährdet.

„Die permanente Grundwasservergiftung muss beendet werden. Eine nachhaltig produzierende Landwirtschaft muss ökologisch ausgerichtet sein, um Schäden für Ökosystem und Menschen abzuwenden.“, so Ron Hoffmann, Vorsitzender des BUND Thüringen.

Durch die hohe Nitratbelastung sei nicht nur das Ökosystem Grundwasser selbst betroffen. Besonders Kleinkinder seien durch hohe Nitratmengen gefährdet, da es durch Bildung von Nitrit zu Vergiftungen führen könne. Aus diesem Grund liegt der Richtwert für Babynahrung bei 10 mg Nitrat pro Liter.
Starker Nährstoffeintrag in die Oberflächengewässer führe zu verstärkter Algenbildung, zur Sauerstoffzehrung im Gewässer, bei extremen Belastungen oder niedrigen Wasserständen könnten Fischsterben und Faulschlammbildung die Folge sein.


Der Umweltverband appelliert an die Abgeordneten, bei der am 12. Juni anstehenden Abstimmung im Europäischen Parlament keine Ausnahmen beim Grundwasserschutz zuzulassen. Wichtig sei die Beibehaltung des Vorsorgegrundsatzes. Eine nachsorgende Wasseraufbereitung sei bis zu Zehn mal teurer.


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