Meiningen/Erfurt. Der BUND Thüringen wirft den Thüringer Behörden anlässlich der Eröffnung des Raumordnungsverfahrens für den ersten Teilabschnitt der „Rhöntrasse“ von Meiningen nach Fulda „Salamitaktik“ vor. Vor der Presse erläuterte heute der Rhön-Beauftragte des Verbandes, Thomas Wey, die Kritik an den Thüringer Behörden:
„Allein für Thüringen sind entlang der Trasse insgesamt fünf unabhängige Raumordnungsverfahren vorgesehen“, erklärte Wey. „Hinzu kommen in Hessen die Hochrhönquerung und der Lückenschluss bis Fulda.“
Für jedes Verfahren werden nach Angaben von Wey nur die Auswirkungen des betrachteten Teilabschnittes auf Mensch und Natur untersucht. Die Gesamtbetrachtung einer Bundesstrasse quer durch das Biosphärenreservat Rhön werde ebenso vernachlässigt, wie auch die Prüfung echter Alternativen.
„Mit der Salamitaktik sollen scheibchenweise Tatsachen geschaffen werden und Zwangspunkte für den weiteren Trassenverlauf gesetzt werden“, kritisierte Wey.
Keine nennenswerten Effekte für Ortsdurchfahrten in der Rhön
Ernüchternd sei die Bewertung der neuen Bundesstraße hinsichtlich ihrer Effekte für die Rhön selbst. Ein Ergebnis der vom Bundesverkehrsministerium erstellten Analyse laute: „Das Projekt wird für die Entlastung von Ortsdurchfahrten keine nennenswerten Effekte zeigen.“ Stattdessen komme auf die Einwohner der Dörfer gravierende Belastungen durch Dauerlärm und Schwerlastverkehr zu.
Thomas Wey verweist in diesem Zusammenhang auf den eigentlichen Hintergrund der Planungen. Die Autobahn A7 bei Fulda sowie die A71 bei Meiningen sollen durch eine Trasse für den Fernverkehr miteinander verbunden werden. Damit drohe der Rhön überregionaler Transitverkehr bei Verwirklichung der Planungen.
Kostenexplosion
Der BUND Thüringen warnte auch vor einer unverantwortlichen Kostenexplosion für das Projekt: „Während zur Abstimmung über den Bundesverkehrswegeplan noch Kosten in Höhe von 145 Millionen Euro veranschlagt wurden“, so Wey, „geht man intern bereits von 250 Millionen Euro Baukosten aus.“ Absichtlich sei das Straßenprojekt mit viel zu niedrigen Kosten kalkuliert, um es als „wirtschaftliches Projekt“ überhaupt auf den Weg zu bringen, so das Resümee des Verbandes.
Allein für die vorliegende Planung der Ortsumfahrung Walldorf/Melkers steigerten sich die Kosten von rund 16 Millionen Euro im Bundesplan auf rund 25 Millionen Euro im derzeitigen Planungsstadium.
Alternativen
Günstiger und landschaftsangepasster ließe sich der Bau von einzelnen Ortsumgehungen für besonders vom Verkehr betroffene Dörfer realisieren. Der Status der jeweiligen Strecken als Landesstraße müsse nach Ansicht des BUND Thüringen unbedingt erhalten bleiben, um nicht überregionalen Verkehr in die Rhön zu lenken.
Für den Fernverkehr schlägt der Umweltverband alternativ vor, die bestehende B279 von Fulda nach Bad Neustadt in die erweiterte Variantenprüfung mit einzubeziehen.
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