7. Mai 2007

Kein Gentechnik-Großversuch Ostdeutschland – die Thüringer SPD muss ihren SPD-Bundesfraktionsvize zurückpfeifen

Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag Klaas Hübner sieht im großflächigen Anbau von gentechnisch manipulierten Pflanzen eine „Riesenchance“ für die ostdeutschen Bundesländer. Für den BUND Thüringen ist das der Versuch, die ostdeutschen Bundesländer zum Experimentierfeld der Gen-Industrie zu machen.

Erfurt. Mitten in die allgemeine Erleichterung der Thüringer Gentechnikkritiker über die aktuelle Situation im Bereich Gentechnikanbau in Thüringen platzt die Nachricht aus Berlin, dass der Fraktionsvize der SPD-Bundestagsfraktion Klaas Hübner die ostdeutschen Bundesländer auffordert, „bei der Gentechnik an der Spitze mitzuspielen.“ Aus der Sicht des BUND Thüringen muss dieser Vorstoß vor dem Hintergrund der Diskussionen in der Großen Koalition um den von Bundesagrarminister Horst Seehofer vorgelegten neuen Gentechnik-Gesetzentwurf verwundern. Hier fordert die SPD in der Regel strengere Regelungen als die CDU.

„Herr Hübner vertraut in seiner Argumentation der Annahme, dass gentechnikfreie und gentechniknutzende Landwirtschaft nebeneinander existieren können. Dabei ist wissenschaftlich längst erwiesen, dass die sogenannte Koexistenz nicht funktioniert, weil benachbarte Felder und verwandte Wildarten über kurz oder lang kontaminiert werden.“ so Dr. Frank Augsten, Gentechnikexperte des BUND. „Gerade Imker können ein Lied davon singen, dass es agrartechnisch vernünftige Entfernungen zur Vermeidung von Polleneinträgen nicht gibt“.

Auffällig bei Hübners Vorstoß ist, dass er Bedenken gegen die großflächigen Gentechnikversuche nur bei Biobauern sieht. Zwar ist richtig, dass der Bio-Bereich keine gentechnischen Verfahren einsetzen darf und somit besonders gefährdet ist, aber der Widerstand gegen die Risikotechnologie erstreckt sich ebenso über einen Großteil der konventionellen Landwirtschaftsbetriebe und die Verbraucher.

„Herrn Hübners Argumentation ist typisch für Gentechnik-Lobbyisten. Diese billigen kleinen Gruppen Bedenken zu in Verkennung der Tatsache, dass die Kontamination auch vom gentechnikfrei produzierenden zum gentechniknutzenden Landwirt erfolgen kann.“ so Augsten weiter. „Wenn der Gentech-Landwirt vertraglich gebunden Pharmamais anbaut und dieser vom benachbarten Bio-Futtermais „verunreinigt“ wird, dann hat der Gentechniknutzer den Schaden.“

Der BUND Thüringen fordert die Thüringer SPD auf, ihren Einfluss in Berlin geltend zu machen, um die zahlreichen Initiativen für eine gentechnikfreie Landwirtschaft nicht durch einen wirtschaftsgeleiteten Vorstoß zu gefährden. Gerade in Thüringen haben sich Landwirte gegen die Gentechnik entschieden. Die Thüringer SPD sollte dies nicht nur akzeptieren, sondern diese Haltung angesichts der ungeklärten Risiken für Natur und Mensch unterstützen.


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