Flächenankauf im Grünen Band

Die Rückübertragung von Flächen an Alteigentümer sowie der Verkauf einzelner Flächen an Privatleute hat neben illegaler Umwandlung in Acker bereits zu Lücken im Grünen Band geführt.
Der BUND sichert durch Flächenkauf in einzelnen Projektgebieten wertvollste Biotope des Grünen Bandes vor Zerstörung und Intensivnutzung, entbindet aber dadurch nicht die öffentliche Hand von der Verpflichtung, öffentliche Flächen für den Naturschutz zu sichern.
Der BUND Thüringen hat bisher in vier Ankaufgebieten Flächen erworben, um sie  durch Landschaftspflege zu verbessern bzw. der Sukzession überlassen.

Ankaufsgebiete des BUND Thüringen

1) Steinachtal - Linder Ebene

Ankaufsgebiet Steinachtal Linder Ebene

Im fruchtbaren Sonneberger Unterland erfüllt das Grüne Band eine wichtige Verbundfunktion zwischen wertvollen Feuchtbiotopen, Magerrasen und Heideflächen. Mit Spendenmitteln und Mitteln des Freistaates Thüringen (und auf bayerischer Seite des Freistaates Bayern) hat der BUND bisher ca. 26 ha an wichtigen Flächen erworben und naturnah entwickelt. Damit wurden für Braun- und Schwarzkehlchen, Bekassine, Laubfrosch, Kreuzkröte, Grüne Keiljungfer und viele andere Arten Lebensräume erhalten. Sukzessiv werden weitere Flächen angekauft und Landschaftspflegemaßnahmen umgesetzt. Zu letzterem gehört unter anderem, dass aus dem ehemaligen Sperrgraben Betonplatten entfernt oder Kleingewässer geschaffen wurden. Dies kommt u.a. dem Laubfrosch zugute, der im Projektgebiet vor allem im Grenzstreifen siedelt.

2) Das WestÖstliche Tor

Im Unteren Eichsfeld ist das Grüne Band oft unterbrochen

Auf dem Kutschenberg bei Ecklingerode gelegen und von weitem sichtbar, ragen zwei Eichenstämme in den Himmel, die sich in der Torschwelle aus Edelstahl spiegeln. Während die Eichenstämme langsam verfallen, werden sie allmählich von dem ringsum gepflanzten Roteichenwald überwuchert, dessen tiefrote Blätter im Herbst weithin sichtbar sein werden. Auf der Grenze, die neben dem Tor verläuft, blühen alljährlich die Herbstblausterne, um den früheren Grenzverlauf anzuzeigen. Umliegende Wildnisflächen, die dem BUND Thüringen und der Heinz-Sielmann-Stiftung gehören, werden von Leineschafen gepflegt und überwiegend mit Schafen bewirtschaftet
Als Symbol der Einigung von Ost und West wurde dieses Kunstwerk im Juni 2002 vom früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow gemeinsam mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin eingeweiht. 

Das WestÖstliche Tor

3) Mendhausen und die Wanstschrecke

Im Landkreis Hildburghausen konnte eine weiteren Fläche in der Gemarkung Mendhausen erworben werden. Dieses Gebiet ist für die vom Aussterben bedrohte Wanstschrecke von besonderer Bedeutung:

Die Wanstschrecke benötigt spät gemähte Wiesen, daher ist sie selten geworden

Willi Wanstschrecke will ins Grüne Band

Lange Zeit hielt man die Wanstschrecke in Thüringen für ausgestorben, bis man sie im Grünen Band im Grabfeld wiederentdeckte. Das Grüne Band ist ein Refugium für viele Arten wie die Wanstschrecke, deren Lebensräume durch Straßen zerschnitten oder durch intensive Nutzung zu stark verändert sind. Hier gibt es auch im Juli noch lange Grashalme, auf die "Willi" klettern kann, um "Wanda" anzulocken und in diesem Streifen aus Grasland, Brachen und Feuchtwiesen kann sich die Wanstschrecke ungestört fortbewegen.

Artenschutzprojekt "Willi Wanstschrecke"

Willi und Wanda im Grünen Band

Unter diesem Motto hat der BUND Thüringen 2004 ein Artenschutzprojekt am Grünen Band bei Römhild im Südthüringer Grabfeld ins Leben gerufen. Um das Aussterben dieser Art zu verhindern, sollen die verinselten Lebensräume gesichert und vernetzt werden. Zu diesem Zweck wurde mit Unterstützung des Freistaates Thüringen und vieler Spender eine knapp 10 ha große Ackerfläche zwischen Grünem Band und Pfersbach erworben und stillgelegt.
2005 und 2006 wurden Bestände und potentielle neue Lebensräume der Wanstschrecke kartiert, um in Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden, Landschaftspflegeverbänden und Landwirten für diese Art ein Verbundsystem aufzubauen, das auch von anderen Tierarten genutzt werden kann. Schüler der Regelschule Römhild beteiligen sich regelmäßig an Bestandserfassung und Biotoppflege.

Eine Infotafel am Grünen Band zwischen Mendhausen (Thür) und Rothausen (Bay) informiert über das Grüne Band und Willi Wanstschrecke.

Das Projekt wurde gefördert von der Naturstiftung David, der GlücksSpirale Bayern und der Aktion Mensch.

Kontakt: karin.kowol@bund.net 

4) Werra zwischen Wartha und Sallmannshausen

Die Werra verläuft über weite Strecken in Thüringen parallel zum Grünen Band; im Gebiet zwischen Dankmarshausen und Wartha bildete die Werra (wie übrigens auch weiter nördlich bei Lindewerra) die Grenze zwischen beiden deutschen Staaten. Im Rahmen des E+E-Vorhabens Bestandserfassung Grünes Band wurde der Beschluss gefasst, die Projekte Grünes Band und Lebendige Werra in diesem Bereich miteinander zu verknüpfen. Genau in diesem Bereich wurden, im Rahmen des Modellvorhabens, initiiert durch den BUND und durchgeführt durch das Staatliche Umweltamt Suhl, wertvolle Maßnahmen der Auenrenaturierung durchgeführt. Als Folge des Altarm-Anschlusses bei Sallmannshausen hat sich beispielsweise die Gelbbauchunke wieder angesiedelt, eine Art, die aus den Auen fast verschwunden ist, da es ihren Lebensraum, periodische Tümpel, dort kaum noch gibt.



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