Maßnahmen zum Schutz der Kleinen Hufeisennase Rhinolophus hipposideros im FFH-Gebiet Zechsteinriffe in der Orlasenke und Döbritzer Schweiz

Ziel des ENL-Projektes, welches am 1.12.2012 begonnen und am 31.12.2014 erfolgreich abgeschlossen wurde, war es, für die kleinste europäische Hufeisennase, welche im Thüringer Saaletal ihren letzten größeren Verbreitungsschwerpunkt innerhalb Deutschlands besitzt, Jagdhabitate zu pflegen und zu entwickeln. Außerdem wurde die Quartiersituation durch die Sicherung eines Stollens als Winterquartier verbessert.


Hintergrund zum Schutzstatus der Kleinen Hufeisennase

  • §§ BNatSchG: streng geschützt)
  • FFH-Anhangsart des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000
  • (Tier- und Pflanzenarten, die von gemeinschaftlichem Interesse und für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete erforderlich sind)
  • Rote Liste Thüringens: 1 (vom Aussterben bedroht)
  • Rote Liste Deutschlands: 1 (vom Aussterben bedroht)


Gefährdung

  • Lebensraumverluste durch Zerstörung/Veränderung der klein strukturierten Kulturlandschaft wie Streuobstwiesen, Hecken, Baumreihen usw.
  • Nahrungsmangelsituationen durch Nutzungsintensivierung von siedlungsnahen Agrar- und Forstflächen
  • Zerschneidung  und Verlust von Leitlinien z.B. durch die Entfernung von Flurgehölzen führt zur Lebensraumfragmentierung
  • Zerstörung von Quartieren und Quartiermöglichkeiten bei Sanierungs-, Renovierungs- oder Abrissarbeiten
  • Verschluss unterirdischer Hohlräume
  • Vergiftungen (Insektizide, Holzschutzmittel)
  • Verkehrsbedingte Sterberaten


Maßnahmen zum Schutz

  • Erfassung aller Lebensstätten,
  • Erhaltung und Verbesserung der verbliebenen Sommer- und Winterquartiere als Wohn-, Brut- und Zufluchtsstätten,
  • Schutz, Pflege und Entwicklung einer struktur- und nahrungsreichen Kulturlandschaft (mit Wäldern) im Umfeld bekannter Kolonien,
  • Erhaltung und Wiederherstellung von Leitliniennetzen im Umfeld bekannter Kolonien mit Anbindung an überregionale Verbundsysteme.

Das Projekt wurde über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen (FILET), Programm zur Förderung von Maßnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL) gefördert.
Die Fördermittel wurden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht.

Die Kleine Hufeisennase

Die kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 37-45 mm und einer Flügel-Spannweite von 192 – 254 mm die Kleinste von fünf in Europa vorkommenden Hufeisennasen-Arten. Charakteristisch ist ihr auffällig geformter Nasenaufsatz.

Verbreitung
Einst war sie eine der häufigsten Fledermausarten in Süd- und Mitteleuropa. Seit Mitte der 1950er Jahre sind aber viele Populationen, wahrscheinlich durch den Einsatz von Holzschutzmitteln und Insektiziden, ausgestorben. Die wenigen Kolonien, die überlebt haben findet man hauptsächlich in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Inzwischen erholen sich die bestehenden Populationen der Kleinen Hufeisennasen in Thüringen wieder und es gibt leichte Ausbreitungstendenzen.

Nach Angaben der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Thüringen liegen die Verbreitungsschwerpunkte in klimatisch begünstigten Lagen der Naturräume Ilm-Saale-Ohrdrufer-Platte, Paulinzellaer-Buntsandstein-Waldland, Saale-Sandsteinplatten mit Saaleaue, Zechsteingürtel Bad Liebenstein. Zusammenhängende Population bestehen nur noch im Saaletal und seinen Nebentälern. Restliche Vorkommen sind wohl Verbreitungsinseln. Wochenstuben / Sommerquartiere finden sich häufig in alten Gebäuden, weshalb ist die Art stark gefährdet.

Bedeutung Thüringens zum Bestandserhalt
Der Thüringer Population kommt die wesentliche Aufgabe des Bestandserhalts in Deutschlands zu, da die letzten Verbreitungsinseln in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt voneinander isoliert sind. Mit je 180 Tieren befinden sich die beiden größten Wochenstubenquartiere in Thüringen und Sachsen. Thüringen beherbergt mit ca. 480 Tieren auch eines der größten Überwinterungsvorkommen in Mitteleuropa.

Nahrung
Die kleine Hufeisennase frisst hauptsächlich fliegende Insekten wie Nachtfalter, Mücken, Schnaken, Käfer; es werden aber auch Insekten vom Boden gehascht.   

Lebensweise/Lebensraum
Typisch für die sonst gesellige Art ist, dass die Tiere besonders im Winterquartier stets einzeln hängen. Die Winterquartiere (Höhlen, Stollen, Keller; Temperatur 6 - 9 C°) werden ab Oktober bezogen. Die letzten Tiere verlassen dieses Ende April wieder.

Aufzucht von Jungtieren
In den Wochenstuben werden die Jungtiere von den Weibchen (eines pro Jahr) aufgezogen, Die Geburt findet Ende Juni / Anfang Juli statt und nach 6 – 7 Wochen sind die Jungen flugfähig. Typischer Weise hängt das Jungtier kopfüber an der Mutter und wird von dieser mit den Flughäuten komplett ummantelt. Ende August werden die Wochenstuben aufgelöst, anschließend beginnt die Paarungszeit. Die jetzt genutzten Übernachtungsquartiere befinden sich meist in Dachböden, aber auch in unterirdischen Hohlräumen, z.B. in Hauskellern. Diese werden erst spät in der Dämmerung für die Nahrungssuche verlassen. 

Der Lebensraum der Kleinen Hufeisennase besteht aus einem Komplex aus geeigneten Sommerquartieren und einer sie umgebenden reich strukturierten und kleinräumigen Landschaft mit extensiv genutzten Kulturflächen und Wäldern. Sie benötigt ein durchgängiges System an Leitstrukturen zu den Jagdgebieten. Dies sind Hecken, Weiden, Streuobstbereiche, begrünte Hausfassaden und vor allem lichte Wälder (Laubwaldgebiete oder auch locker bestandene Nadelwälder).

Das Projektgebiet

Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) „Zechsteinriffe in der Orlasenke und Döbritzer Schweiz“ stellt einen Komplex aus Zechsteinriffen am Südrand der ostthüringischen Orlasenke (zum Teil durch ehemaligen Abbau aufgeschlossen) mit Kalkfelsen, -schutthalden, Höhlen, Pionier- und Trockenrasen sowie Buchen- und Eichen-Hainbuchenwäldern dar. Eine Besonderheit für Thüringen.

Das Gebiet zeichnet sich durch eine reiche Flora und Fauna aus. So sind auf den Kalk-Trockenrasen eine Vielzahl geschützter Orchideen-Arten und andere seltene Pflanzen (z.B. Gemeine Küchenschelle, Mond-Rautenfarn, Fransen-Enzian, Federgras) zu finden.

Leider sind deren Standorte zunehmend durch eine fortschreitende Verbuschung bedroht.

Teile des FFH-Gebietes sind die Naturschutzgebiete (NSG) 275 „Buchenberg bei Krölpa“ (ein aufgelassener Steinbruch als Refugium insbesondere für Insekten, Orchideen, Vögel und Fledermäuse) und das NSG 178 „Pinsenberg“, einer der landschaftsbestimmenden Riffberge der Orlasenke.

Gesamtgröße: 448 ha

Pflege artenreicher Trockenrasen

Zur Verbesserung der Nahrungssituation für Fledermäuse wurden zwischen 2013-2014 auf knapp 9 Hektar Kalk-Trockenrasen in den Naturschutzgebieten „Buchenberg bei Krölpa“ und „Pinsenberg“ entbuscht und Felswände von Gehölzen freigestellt.

Durch diese Maßnahme entwickeln sich die wertvollen Flächen artenreicher bzw. blütenreicher und die fortschreitende Sukzession wird aufgehalten. Bestehende Populationen licht- und wärmebedürftiger Pflanzen (z.B. Dreizähniges Knabenkraut Orchis tridentata, Helm-Knabenkraut Orchis militaris) werden durch die verbesserten Licht- und Temperaturverhältnisse, gesichert bzw. deren Neuansiedlung gefördert. Der Blütenreichtum lockt außerdem mehr Insekten an, welche wiederum u.a. bei Fledermäusen auf dem Speiseplan stehen.

Unter einem Dach – Fledermaus und Mensch

Seit August 2013 kann im BUND Naturlehrgarten Ranis (Saale-Orla-Kreis) ein „Demonstrations-Dachstuhl für Fledermausschutz an Gebäuden“ besichtigt werden.
Fledermäuse leben seit Urzeiten in der Nähe des Menschen. Da sie ihre Quartiere nicht selbst bauen, sind sie zu unterschiedlichen Jahreszeiten auf Unterschlupfmöglichkeiten in Kellern, Bergwerksstollen, Felsspalten, Baumhöhlen und eben auch in und an Gebäuden angewiesen. Zunehmend werden Fassaden und Dächer dicht gemacht. Wichtige Lebensräume gehen dadurch verloren.

Mit unserem Demo-Dachstuhl wollen wir exemplarisch zeigen  - Wie kommt die Fledermaus überhaupt ins Dach? Welche Unterschlupfmöglichkeiten im Gebäude gibt es?

Verschiedene am Naturlehrgarten-Gebäude angebrachte Fledermauskästen ergänzen die Ausstellung und demonstrieren, wie einfach jeder selbst zum Schutz der „Kobolde der Nacht“ beitragen kann.

Übrigens, wer noch Bedenken hat…

… Alle Fledermäuse sind Insektenfresser und ihr Kot besteht hauptsächlich aus den ausgeschiedenen, unverdaulichen Resten der Chitinpanzer der Beutetiere. Der Kot ist nicht aggressiv. Er schädigt weder Holz noch andere Baustoffe und eignet sich hervorragend als Pflanzendünger.

Geöffnet ist der BUND Naturlehrgarten Ranis jederzeit für jedermann, außer in den Wintermonaten. Anmeldung von Führungen unter 036484 – 179989 oder bei bettina.ermer@bund.net.

Wo ihr uns findet, könnt ihr auf unserer Facebook-Seite sehen.

Der Fledermauslehrpfad

Seit Sommer 2014 ziert der Fledermauslehrpfad Stadt Ranis und die nähere Umgebung.

Auf dem rund 5 km langen Rundweg (zwei Abkürzungen sind möglich), erfahren die Wanderer auf insgesamt 6 Informationstafeln allerhand Interessantes über Leben und Lebensraum, Verhaltensweisen und die verschiedenen Arten dieser interessanten Tiergruppe. Start und Endpunkt des Pfades ist der BUND Naturlehrgarten Ranis. Hier gibt es weitere praktische Anregungen zu möglichen Schutzmaßnahmen v.a. an Gebäuden.

Das im Projekt angefertigte Faltblatt „Kobolde der Nacht“ (PDF, 500 KB) informiert zusätzlich über mögliche Schutzmaßnahmen.

Fledermauswinterquartier

Innerhalb des Projektes wurde im NSG „Buchenberg bei Krölpa“ ein alter Bergbaustollen fledermausfreundlich hergerichtet und verschlossen. Erfreulicherweise wurde das Winterquartier bereits ein Jahr nach der Fertigstellung (Okt. 2013) von Fledermäusen angenommen und wird seither jeden Winter genutzt.

Vor der Sicherungs- und Optimierungsmaßnahme wurden im Stollen v.a. durch das Eindringen von Frost keine Fledermäuse beobachtet. Bei den Bauarbeiten zur Sicherung (Vermauern), wurden auch für spaltenbewohnende Fledermausarten Hohlblocksteine als Versteckmöglichkeiten angebracht. Für freihängende Arten, wie die Kleine Hufeisennase, wurde stellenweise Ziegelgewebe im Gewölbebogen zum Festkrallen befestigt.

Dass das Quartier angenommen wird, zeigt, dass die nun vorherrschenden Bedingungen im Stollen hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit zur Überwinterung für Fledermäuse geeignet sind. Für extrem ortstreue Arten, wie die Kleine Hufeisennase Rhinolophus hipposideros, könnte der Stollen ein traditionelles Winterquartier für viele Generationen werden.



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