Der Froschkönig in Thüringen

Foto: Frank Henkel
Foto: Christal Fischer CC-BY-SA 3.0

Wer kennt ihn nicht, den Froschkönig aus Grimms Märchen? Leider steht der Laubfrosch (Hylia arborea) als gefährdete Art auf der roten Liste der bedrohten Arten Deutschlands und wird auch im Anhang IV der FFH-Richtlinie geführt. In Thüringen lebt der Wetterfrosch vor allem in Ostthüringen, da er dort die meisten geeigneten Gewässer zur Fortpflanzung, aber auch angemessene Landlebensräume findet.

Die Vorkommen im Osten und Süden unseres Bundeslandes sind eine entscheidende Vernetzungsstelle zwischen den Verbreitungsgebieten in Nordbayern bzw. Westsachsen.
Aus den letzten Jahren gibt es leider keine konkreten Bestandszahlen, insgesamt sind sich die Experten aber einig, dass die Populationen vielerorts rückläufig sind.
 
Zu den Hauptgefährdungen für den Laubfrosch gehören Gewässerzerstörung, Gewässerverschmutzung, Gewässernutzung und der Verlust von Landlebensräumen. Der Laubfrosch ist sehr empfindlich gegen Gewässerverschmutzung und die Wirkung von Chemikalien aus der Landwirtschaft. In den Landlebensräumen fehlen aufgrund intensiver Nutzung in der Regel artenreiche Hochstaudenfluren sowie Hecken und Gehölzbestände.  

Es ist wichtig, die Vielfalt der in verschiedenen Lebensphasen und Jahreszeiten benötigten Teillebensräume des Laubfrosches zu sichern und wiederherzustellen. Aufgrund der Vielzahl vom Laubfrosch genutzter Lebensräume ist er auch ein Stellvertreter für viele weitere gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Wegen seiner vielfältigen Ansprüche eignet sich der Laubfrosch insbesondere als Leitart für das Management von Offenlandlebensräumen.

Genau aus diesen Gründen gibt es seit 2013 das Projekt "Ein Tümpel für den Froschkönig".

Flyer: Tümpel für den Froschkönig

Das Projekt "Ein Tümpel für den Laubfrosch"

Foto: Mario Keim
Foto: Thomas Wey
Foto: Christian Fischer CC-BY-SA 3.0

Im Vordergrund steht zunächst, dem Laubfrosch mit seinen hohen Lebensraumansprüchen gerecht zu werden. Dazu müssen vorhandene Laichgewässer erhalten, revitalisiert und gepflegt, sowie neue Laichgewässer erschlossen werden. Der Laubfrosch benötigt neben seinen terrestrischen Lebensräumen ein enges Netzwerk geeigneter Fortpflanzungsgewässer.

Durch die relativ hohen Biotopansprüche des Laubfrosches weisen seine Lebensräume eine große Zahl weiterer, seltener und auch gefährdeter Tier- und Pflanzenarten auf. Der Schutz des Laubfrosches führt auch zum Schutz und Erhalt vieler weiterer Arten wie zum Beispiel anderer Amphibien, Ringelnattern, Wasserinsekten wie: Libellen und Wasserkäfer, sowie Süßwasserschnecken bis hin zu seltenen Sumpf- und Wasserpflanzen. Daher werden mit diesem Projekt auch  andere Lebewesen der Kleingewässer berücksichtigt werden.

Um eine nachhaltige Wirkung der Maßnahmen sicher zu stellen, werden Teichpaten geworben, die in ehrenamtlicher Tätigkeit Aufgaben am Teich, z.B. Müllentsorgung, Pflanzenarbeiten und Teichpflege übernehmen. Mit der Teichpatenschaft wird eine Pflegeverantwortung für einen Teich an eine Gruppe übergeben. Damit diese Pflege durchgeführt werden kann, werden Vorträge, Pflegeanleitungen und ein Umweltbildungskonzept angeboten.

Für die Umweltbildung haben wir den Froschrucksack erarbeitet. Dieser enthält Materialien rund um das Thema „Laubfrosch“. So finden sich darin einerseits Utensilien, die für die Teichpflege benötigt werden: Mülltüten, Handschuhe und ein laminierter Bildband zur Amphibienbestimmung. Des Weiteren enthält der Rucksack ein Bildungs- und Spielangebot bereit.

Weiterhin finden mehrere Veranstaltungen zum Laubfrosch statt, bei denen es nicht nur allerlei Wissenswertes erfahren, sondern auch der Frosch in seinem natürlichen Lebensraum erlebt werden kann. Eine dieser Veranstaltungen ist das "Froschkonzert". Während dieser nächtlichen Veranstaltung werden die Frösche mit der Taschenlampe beobachtet und den Zuhörern ein Einblick in den Lebenszyklus der Amphibien gegeben.

Folgeprojekt mit Erweiterung auf weitere Amphibienarten

Weil wir die erfolgreiche Arbeit aus dem Vorgängerprojekt fortsetzen wollen, haben wir im Frühjahr 2016 einen Antrag zur Finanzierung weiterer Maßnahmen aus dem ENL-Programm in den Jahren 2017 bis 2019 gestellt. Dieser wurde am 23.11.2016 bewilligt. In fünf Projektgebieten in ganz Thüringen sollen an 21 Standorten insgesamt 31 Tümpel und 14 Teiche saniert und bis zu 18 Gewässer neu angelegt werden. Es sind Investitionen in Höhe von fast 300.000,- Euro geplant.

Auch das neue Laubfrosch-Projekt wird von der Europäischen Union und dem Freistaat Thüringen über das Programm „Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“ gefördert. Die Fördermittel werden von der Thüringer Aufbaubank gewährt.

Schnelle Erfolge - auch mal anders, als gedacht

Neu angelegtes Gewässer bei Trusetal im Februar 2017

Erstaunlich schnelle Erfolge kann das Laubfrosch-Projekt des BUND Thüringen vermelden! Erst im Februar diesen Jahres waren neue Teiche auf dem Krahnberg bei Gotha und in der Nähe von Trusetal im Thüringer Wald gegraben worden.

Anlässlich einer Exkursion der Fachrichtung Forstwirtschaft der TU Dresden Mitte September konnten wir die Besiedlung des Teiches auf dem Krahnberg mit Armleuchteralgen feststellen. Im Wasser fanden sich außerdem noch nicht vollständig entwickelte Larven des Bergmolches, was sicher mit der extremen Trockenheit im Frühjahr zu tun hat. Erst mit den ergiebigen Regenfällen des Sommers war der Teich ausreichend mit Wasser gefüllt, so dass die Molche ablaichen konnten. Zur großen Freude der Exkursionsteilnehmer hüpfte ihnen auch ein jugendlicher Laubfrosch vor die Füße, der aus einem der vom BUND 2014 gegrabenen Teiche stammen dürfte.

In Trusetal wurde auf einem ehemaligen Haldengelände ein neues Gewässer angelegt, um der hier noch heimischen Geburtshelferkröte neue Lebensräume bieten zu können. Was sich aus den zahlreichen Larven, die im Frühjahr beobachtet werden konnten, entwickelte, waren allerdings Kreuzkröten.

„Das hätte in dieser Höhenlage keiner der Amphibienexperten vermutet.“ gibt Projektleiter Tom Wey das Erstaunen der Fachwelt wieder.

Trotzdem natürlich ein schöner Erfolg des Projektes und ein Beweis dafür, wie sinnvoll das Anlegen und Sanieren von Laichgewässern ist.

Das Projekt wird über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen (FILET), Programm zur Förderung von Maßnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL) gefördert. Die Fördermittel werden von der Thüringer Aufbaubank gewährt. Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.



Foto: Thomas Wey

"Ein Tümpel für den Laubfrosch" 

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