BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Lebensraum Gipskarst

Mitten in Deutschland am Südrand des Harzes erstreckt sich ein einzigartiger Lebensraum, die Südharzer Gipskarstlandschaft. Hier verschwinden Bäche unvermittelt zwischen Felsklüften, um an anderer Stelle als Karstquelle wieder hervorzutreten. Ganze Seen können plötzlich trockenfallen und innerhalb weniger Wochen wieder Wasser führen. Durch den Einbruch unterirdischer Höhlen und Felsklüfte entstehen Erdfälle und Dolinen, in denen Wiesen und Bäume verschwinden.

Gipskarstlandschaft Thüringen (Foto: Elke Blanke)



Anders als in den süddeutschen Karstgebieten ist hier nicht Kalk oder Dolomit, sondern Gipsgestein für diese Erscheinungen verantwortlich. Da Gips etwa einhundertmal löslicher ist als Kalk, laufen die Prozesse der Verkarstung hier viel schneller ab als in anderen Karstlandschaften. Trockenrasen, Felsen, Schluchtwälder und Höhlen bilden ein Mosaik unterschiedlichster Biotope auf engstem Raum. Die Besonderheiten des Klimas verstärken die Vielgestaltigkeit der Landschaft.

Foto: Elke Blanke



Im Südharzer Gipskarst treffen die Verbreitungsgebiete kontinentaler Steppenpflanzen mit mediterranen Pflanzen und eurasiatisch-subatlantischen Pflanzen aufeinander. Dazu gesellen sich Eiszeitrelikte, also Pflanzen die in der nacheiszeitlichen Erwärmung nur an kühlen, nordexponierten Felswänden überleben konnten.

Gefährdung – Gipsabbau in der Rüdigsdorfer Schweiz ...

So wie der Gips für die Entstehung dieser Landschaft verantwortlich ist, droht er gleichzeitig zu ihrem Verhängnis zu werden. Naturgips ist ein begehrter Rohstoff der Bauindustrie und nirgendwo auf der ganzen Welt ist Naturgips in vergleichbarer Ausdehnung und Reinheit zu finden, wie in der Gipskarstlandschaft des Südharz.

Steinbruch und Reste des Berges (Foto: Stephan Röhl)


An vielen Stellen haben große Gipskonzerne daher bereits gigantische Krater in die Landschaft getrieben, um das „weiße Gold“ abzubauen. Seit seiner Gründung 1990 kämpft der BUND Thüringen gegen eine Ausdehnung des Gipsabbaus im Zechsteingürtel des Südharzes. Ein fortschreitender Abbau hätte nicht nur die Zerstörung einer einzigartigen Landschaft zur Folge, sondern würde die Entwicklungsperspektiven einer ganzen Region vernichten.

In den letzten zwei Jahren hat sich der Konflikt zwischen den Baustoffkonzernen und der Thüringer Landesregierung auf der einen Seite und den Menschen in der Südharz-Region auf der anderen Seite immer stärker zugespitzt. Noch im Jahr 2001 hatte zwar ein breites Bündnis aus Kommunen, Landkreis, der Land- und Forstwirtschaft, Umweltverbänden und Tourismusbranche vor dem Umweltausschuss des Thüringer Landtages eine weitere Ausdehnung des Gipsabbaus abgelehnt. Dennoch hat die Landesregierung im Jahr 2002 ein bergrechtliches Genehmigungsverfahren zum Gipsabbau am Winkelberg in der Rüdigsdorfer Schweiz, einem Herzstück der Gipskarstlandschaft, eröffnet. Antragsteller ist die Südharzer Gipswerk GmbH, eine hundertprozentige Tochter von HeidelbergCement AG. In diesem Verfahren geht es praktisch nur noch um die Frage „Wie“ und nicht „Ob“ weiterhin Gips in der Region abgebaut werden soll. Ein Raumordnungsverfahren, welches prüfen würde, ob der Gipsabbau mit einer nachhaltigen Entwicklung in der Region überhaupt verträglich ist, hält die Landesregierung für verzichtbar. Dagegen hält sie am sogenannten „Gipskompromiss“ fest. Dabei handelt es sich um Absprachen zwischen Vertretern der Landesregierung und der Gipsindustrie, bei denen die Industrie Zusagen für den weiteren Abbau erhalten hat.

Abbaupläne am Winkelberg

Die Rüdigsdorfer Schweiz: Letzte intaktes Gipskarstlandschaft

Die Besonderheiten der Gipslandschaft in der Rüdigsdorfer Schweiz

Als letztes zusammenhängendes Gipskarstgebiet in Thüringen nimmt die Rüdigsdorfer Schweiz eine Sonderstellung ein: Im Gegensatz zu allen anderen Karstgebieten im Südharz, die durch großflächige Gipssteinbrüche wie Flickenteppiche zerschnitten sind, bildet die Rüdigsdorfer Schweiz – offizielles NSG seit 1996 – eine noch (!) relativ unberührte landschaftliche Einheit. Und das ist auch gut so: Schließlich schmückt die Gipslandschaft rund um Rüdigsdorf bei Nordhausen ein einzigartiges, reich strukturiertes Mosaik mit verschiedensten Biotoptypen auf kleinstem Raum und beherbergt sie dadurch einen immensen Reichtum an einzigartigen Tier- und Pflanzenarten.

Man trifft auf orchideenreiche Kalkbuchenwälder, feuchte Schlucht- und Schattwälder, Felsflure, Kleingewässer und Moore, Feucht- und Nassgrünland, Halbtrocken- oder Trockenrasen, Höhlenbiotope und Sümpfe. Vielfältiger und paradiesischer geht es kaum! Augenfällig also, dass seltene, vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen in einem solch facettenreichen Naturparadies einen Rückzugsraum finden wie nirgendwo anders.Wer einmal dort war, kann der Naturschwärmerei kaum Einhalt gebieten. Kein Wunder, dass die Rüdigsdorfer Schweiz den Menschen aus umliegenden Landkreisen als Naherholungsgebiet dient. Wie aus einem Bilderbuch schließen die Gipslandschaften den zentralen Ort, Rüdigsdorf, in einen Talkessel ein und laden zum Wandern und Entspannen ein.

Einzigartiger Naturraum akut bedroht

Doch ausgerechnet dieses Naturparadies steht im Kreuzfeuer der Gipsfirmen, genauer im Kreuzfeuer der CASEA GmbH in Ellrich. Und es ist nicht irgendein Gebiet in der Rüdigsdorfer Schweiz, sondern deren Herzstück, der „Winkelberg“, der durch sagenhafte Trockenrasen an den Gipshängen, Streuobstwiesen, Magerwiesen auf der Hochfläche sowie durch Pionierwälder aus Birken und Eichen besticht. Seltene, bedrohte und besonders zu schützende Fledermausarten sind hier heimisch. Eine Zerstörung durch Gipsabbau würde weitreichende Folgen für Flora und Fauna nach sich ziehen. 

Alternativen zum Gipsabbau

Die Landschaftszerstörung durch Gipsabbau ist nicht notwendig, denn es gibt eine Alternative zum Naturgips. Nach der Wiedervereinigung wurden die ostdeutschen Braunkohle- Kraftwerke mit Rauchgas-Entschwefelungsanlagen (REA) ausgerüstet. Durch den hohen Schwefelgehalt der Braunkohle fallen jährlich rund sieben Millionen Tonnen hochreiner Gips an. Dieser ist – mit nur wenigen Ausnahmen - dem Naturgips als Rohstoff für die Weiterverarbeitung zu Baustoffen und Spezialgipsen sogar überlegen. Die REA-Gipsmengen reichten aus, um den derzeitigen Gipsbedarf vollständig zu decken. Doch obwohl die Verarbeitung des anfallenden REA-Gipses bereits gängige Praxis ist, wird das Potenzial dieses „Abfallproduktes“ nicht ausreichend genutzt. Im Gegenteil: Die Kraftwerksbetreiber müssen etwa ein Drittel ihrer REA-Gipsproduktion auf Halde lagern. Für den Südharz hätte die Umstellung auf REA-Gips doppelte Vorteile: Der Naturharz bliebe bewahrt und die Arbeitsplätze in der gipsverarbeitenden Industrie könnten langfristig erhalten werden.

Biosphärenreservat Südharz

Naturerleben statt Naturzerstörung 

Durch die bestehenden Schutzgebiete ist die Südharzer Gipskarst-Landschaft nur unzureichend gesichert, denn nur „kleine Inseln“ werden geschützt. Der BUND tritt dafür ein, das Naturerbe nachhaltig und umfassend zu bewahren und gleichzeitig das Potenzial für die touristische und naturverträgliche Entwicklung der Region zu erhalten.

Einen besonders guten Rahmen hierfür bietet ein Biosphärenreservat. Mit dem UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre"  wird in Modellregionen eine nachhaltige Entwicklung unter Berücksichtigung von Ökologie, Ökonomie und Soziales erforscht und realisiert. Damit soll die Kulturlandschaft durch nachhaltige Landnutzung erhalten, - die Natur geschützt, - Tourismus gefördert, die Wirtschaft gestärkt und die Bevölkerung informiert werden.

Bereits seit 1990 wird die Einrichtung eines Biosphärenreservates „Karstlandschaft Südharz“ diskutiert. 1996 bestätigte das Umweltbundesamt die Eignung der Region und ab 1999 setzten die Umweltminister der betroffenen Länder eine Arbeitsgruppe dazu ein. Doch nur Sachsen-Anhalt baut bereits eine Reservatsverwaltung auf. Die Länder Niedersachsen und Thüringen lassen ein Engagement zur Umsetzung des Plans leider noch vermissen.

Aktionen

Initativen und Positionspapiere

Hier finden Sie eine Zusammentsellung der Forderungen und Intiativen des BUND Thüringen der vergangenen Jahre:

2015:
An der Sternwanderung am 4. Januar nach Rüdigsdorf mit anschließender Demonstration gegen den geplanten Gipsabbau am “Winkelberg” nahmen auch VertreterInnen des BUND Thüringen und des Nordhäuser Kreisverbands teil. Bilder dazu finden Sie auf der Seite des BUND Nordhausen

2014:

Wanderung des BUND Bundesvorstandes vom Gipstagebau am Winkelberg, zum Mühlberg und Himmelsberg, sowie anschließend in die Rüdigsdorfer Schweiz und zum derzeit von weiterem Abbau bedrohten Alten Stolberg. Lesen Sie hier die PM

Wanderung des BUND Nordhausen im Zuge der Feierlichkeiten "25 Jahre Grünes Band" mit musikalischer Begleitung durch Gerd Krambehr. Lesen Sie hierzu auf der Seite des BUND Nordhausen

Landesversammlung 2013:
Initiativ-Antrag: Rettet den Alten Stolberg, Landkreis Nordhausen!

Initiativ-Antrag: Initiativ-Antrag: Beteiligungsrechte der Naturschutzverbände sichern!

Landesversammlung 2010:
Initiativ-Antrag: Initiativantrag: Gipskarstlandschaft Südharz

Bergbau darf kein Raubbau sein - noch flattert das Banner im Wind, später halten 12 Hände diese Losung fest

Gipsabbau verbaut Zukunft im Südharz - Althaus muss Raubbau am Gipskarst stoppen

Wir sagen, wo's langgehen soll...

Aktionen für eine lebendige Landschaft im Südharz

  • Demonstration gegen Gipsabbau 2004
  • Südharzkonferenz 2008
Minister Dr. Klaus Zeh mit der Petition an Ministerpräsident Althaus
Günzdorfer Bürgerinnen und Bürger kämpfen um Ihren Ort

Spendenaufruf

Kontakt

Dr. Burkhard Vogel
0361/555031-2
bund.thueringen@bund.net 

Quelle: http://www.bund-thueringen.de/themen_und_projekte/rettet_die_gipskarst_landschaft_suedharz/