Der Wald in Thüringen braucht Deine Stimme!

Die Naturschutzorganisationen BUND Thüringen, NABU Thüringen, WWF Deutschland und Zoologische Gesellschaft Frankfurt haben gemeinsam mit der Bürgerinitiative „ProKyffhäuserwald“ eine Online-Petition im Thüringer Landtag eingereicht. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, entsprechend dem Koalitionsvertrag mindestens 5% des Waldes in Thüringen noch in der laufenden Legislaturperiode dauerhaft aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Im Possen bei Sondershausen setzt sich eine ganze Region für einen Buchenurwald von morgen ein. Jetzt sind wir gefragt, der Natur und den Menschen in der Region eine Stimme zu geben! Gemeinsam fordern wir das Ruhen der Motorsägen auf 2.5000 ha Wald im Possen. Helfen Sie mit und unterschreiben Sie unsere Online-Petition im Landtag!

In den nächsten sechs Wochen sind die Bürger aufgerufen, sich zahlreich an der zu beteiligen.

Foto: Stephan Arnold

Argumente für mehr Waldwildnis in Thüringen

Wozu brauchen wir Wildnis im Wald?
Buchenwälder haben ursprünglich rund zweidrittel der Fläche von Deutschland bedeckt. Heute nehmen sie noch 5% der Landesfläche ein. Buchenwälder, welche nicht forstwirtschafltich genutzt werden, nehmen nur noch 0,2% des ursprünglichen Buchenareals ein.
Viele Tier- und Pflanzenarten sind jedoch auf Naturwälder angewiesen, in denen alle Waldentwicklungsstadien repräsentiert sind und Bäume alt werden dürfen und nicht bereits im jugendlichen Alter gefällt werden. Nur in großflächig ungenutzten Waldlebensräumen bildet sich das spezifische Flächenmosaik aus dynamisch wechselnden Waldentwicklungsstadien, welches vor allem für sogenannte Urwaldarten die Nischen zum Überleben bietet. Nur in großflächig zusammenhängenden, nutzungsfreien Waldflächen kann die Vielfalt der Waldarten dauerhaft gesichert werden.
Der unabhängige Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), der die Bundesregierung berät, fordert daher in seinem jüngsten Gutachten mehr Waldwildnis auf großer Fläche für Deutschland und liefert hierfür zahlreiche auch volkswirtschaftliche Argumente.

Foto: Stephan Arnold

Wilder Possen – Eine ganze Region für Buchenurwald von morgen auf 2.500 ha
Mit dem im Koalitionsvertrag ausdrücklich genannten Possenwald bietet sich ein Gebiet an, welches nicht nur aus fachlicher Sicht hervorragend als Wildnisfläche geeignet ist, sondern eine beispiellose Unterstützung aus der Region erhält. Die Ausweisung einer 2.500 Hektar großen Waldwildnisfläche rund um den Possen wird von einer breiten und parteiübergreifenden Allianz aus Bürgerschaft, Kommunal- und Landespolitikern unterstützt. Schon seit vielen Jahren gibt es eine örtliche Bürgerinitiative „ProKyffhäuserwald“, welche sich für eine Wildnisfläche am Possen einsetzt und hierzu bereits mehrere tausend Unterschriften gesammelt hat. Auch wirtschaftliche Leistungsträger in der Region fordern das Waldschutzgebiet im Possen. Der Verzicht auf die forstliche Nutzung wird als Motor für die touristische Entwicklung der Region gesehen.

Naturerbe Buchenwälder – Thüringens nationale & globale Verantwortung
Der Possenwald verkörpert einen großflächig unzerschnittenen Rotbuchenwald. Für diesen Lebensraumtyp trägt Thüringen eine globale Verantwortung, da sie ihren Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland haben. Nur in forstwirtschaftlich ungenutzten Buchenwäldern kann sich das spezifische Arteninventar optimal entwickeln.  
Auch aus nationaler Sicht ist der Possen als Waldwildnisgebiet bedeutsam. Als Teil der Hainleite bildet er ein wichtiges Verbindungsglied zwischen den urwaldartigen Buchenwäldern der Hohen Schrecke und dem Nationalpark Hainich.

Holznutzung oder Wildnis – nur scheinbarer Gegensatz?
Im Thüringer Waldgesetz sind drei Funktionen des Thüringer Staatswald definiert: seine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion. Der Thüringer Forst ist somit gesetzlich dazu verpflichtet, diese Waldfunktionen zu gewährleisten und zu fördern. Aktuell werden ca. Zweidrittel des jährlichen Holzzuwachses genutzt. Für die forstliche Nutzung bieten sich vor allem Nadelhölzer an. Im Possenwald sind jedoch mehrheitlich Laubbäume, vor allem Buchen beheimatet. Auch wirtschaftliche Leistungsträger in der Region fordern das Waldschutzgebiet im Possen. Der Verzicht auf die forstliche Nutzung wird als Motor für die touristische Entwicklung der Region gesehen. Das Freizeitzentrum Possen erwartet sich Synergieeffekte durch ein Schutzgebiet, das das Angebotsspektrum um Naturerleben erweitert.