Was ist Lärm?

Laute Discomusik, die rumpelnde Waschmaschine des Nachbarn, das schreiendende Baby von nebenan oder die Bundesstraße vor der Haustür? Lärm ist vielfältig und wird von jedem Menschen ganz anders empfunden. So kann der eine laute Musik als Vergnügen und Entspannung ansehen, während es ein anderer als belästigend und störend abtut. Durch die subjektive Einschätzung von Geräuschen kann man Lärm nicht als festen physikalischen Begriff einordnen, sondern eher als sozial-psychologisches Phänomen.

Im Grunde steht das Wort für von uns Menschen unerwünschten, störenden oder gesundheitsschädlichen Schall. Es beschreibt all jene Geräuschimmissionen, die unser körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden beeinträchtigen.

Wie misst man Lärm?

Lärm ist - weil die individuellen Empfindungen sich objektiven Messverfahren entziehen - nicht mit physikalischen Geräten messbar. Was sich jedoch messen lässt, ist der auftretende Schall. Doch was ist Schall eigentlich?

Schall (von althochdeutsch scal) bezeichnet allgemein das Geräusch, den Klang, den Ton, wie er von Menschen und auch von Tieren vernommen werden kann. Schall stellt die Schallfeld-Ausbreitung von kleinsten Druck- und Dichtestörungen in einem elastischen Medium (Gase, Flüssigkeiten, Festkörper) dar. Wir unterscheiden den Nutzschall, wie ein Streichquartett oder ein Sinfonieorchester zur Erbauung und den Störschall, wie ein Presslufthammer oder der Verkehrslärm als großes Ärgernis.

Physikalisch gesehen ist Schall eine Welle. In Gasen und in Flüssigkeiten ist Schall immer eine Longitudinalwelle, also auch im wichtigsten Medium, in Luft. In Festkörpern gibt es auch Transversalwellen. Schallwellen transportieren Informationen und Energie. Sie bewegen Mediumteilchen (meistens Luft) um einen mittleren Zustand und breiten sich mit einer charakteristischen Geschwindigkeit, der Schallgeschwindigkeit c aus. Diese beträgt 343 m/s in Luft bei einer Temperatur von 20 °C und 1407 m/s in Wasser bei einer Temperatur von 0 °C. Weiterhin ist Schall dadurch definiert, dass die Schwankungen der Zustandsgrößen Druck und Dichte klein im Verhältnis zu ihren Ruhegrößen sind. Das wird dadurch anschaulich, wenn man bei beispielsweise großem Lärm den Schalldruckpegel von 120 dBSPL (Dezibel), das ist etwa die Schmerzschwelle des Menschen, mit dem normalen atmosphärischen Druck vergleicht: Der Ruhedruck der Atmosphäre beträgt 101325 Pascal (= 1013,25 Hektopascal) und bei einem Schalldruckpegel von 120 dBSPL beträgt der Effektivwert
des Schalldrucks p = 20 Pascal = 20 N/m². Selbst bei diesem gewaltigen "Lärm" ist die Druckschwankung dennoch relativ klein.


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Das Problem Lärm

Lärm ist ein allgegenwärtiger Begleiter unseres Lebens - Lärm stört - Lärm macht krank.

Unter den verschiedenen Krachmachern rangiert der Verkehrslärm an vorderster Front: Kaum ein Winkel der Republik, der nicht von Flugrouten, Autostraßen oder Schienenwegen durchschnitten oder zumindest tangiert wird. Die Folge: Immer mehr Menschen fühlen sich durch Lärm gestört und beeinträchtigt, aber fast jeder ist gleichzeitig auch Verursacher.
500 Milliarden Kilometer legen die Deutschen mittlerweile jährlich in ihren Autos zurück, sechsmal mehr als 1960. Damit einher geht nicht nur eine enorme Luftverschmutzung, sondern auch ein erhöhter Lärmpegel.
Ohne Übertreibung gehört der Verkehrslärm mit zu den größten Umweltproblemen unserer Zeit.

Auf Dauer macht Lärm krank! Unser Körper kann sich nur schlecht gegen ihn schützen. Nicht einmal im Schlaf sind wir ungestört, da unser Ohr weiterhin Geräusche wahrnimmt, diese als Signale an den Körper sendet und damit eine instinktive Reaktion in Gang setzt. Je nach Intensität und Wahrnehmung reagiert der Körper weniger oder sehr heftig auf die Geräuschkulissen. Dies war in der Vergangenheit der Menschheit überlebenswichtig. Heute jedoch, angesichts einer zunehmend verlärmten Umwelt, produziert ein solcher Mechanismus allzu häufig Stress.
In der Folge lässt unsere Konzentrationsfähigkeit nach, wir wirken gereizt und schlafen unruhiger. Unter extremer Belastung drohen gar Herz- und Kreislauferkrankungen.
Lärm stellt ohne Zweifel eine Gefahr für die Gesundheit der Betroffenen dar. Problematisch ist gerade die moderne Dauerbeschallung, ohne Lärmpausen können sich die Ohren nicht erholen.

Ruhe und Entspannung sind heutzutage ein teures


Etwa 13 Mio. Bundesbürger sind in ihren Wohnungen gesundheitsschäd-
lichem Straßenlärm ausgesetzt. Die Europäische Kommission beziffert die Folgekosten des Lärms auf 0,2 bis 2 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Auf Deutschland bezogen sind das 4 bis 40 Milliarden Euro pro Jahr. Maßnahmen gegen Lärm sind somit nicht teuer, sondern vermeiden teure Folgen.

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Gehen Sie das Problem Lärm selbst an!

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie mit ihrer persönlichen Lebensweise den Verkehr und Lärm erzeugen, unter dem sie leiden. Auf der Suche nach Ruhe wird außerhalb der Städte gesiedelt und so neuer Verkehr, neuer Lärm in einst ruhige Landstriche getragen. Umweltfreundliches Verhalten ist daher auch Lärmschutz in eigener Sache. Dies ist kein Plädoyer für Verzicht: Mobilität soll nicht verteufelt, sondern umgestaltet werden, hin zu mehr Lebensqualität für alle.

Nutzen Sie Alternativen: Im Stadtverkehr bis 5 Kilometer ist das Fahrrad das gesündeste, oft das schnellste und das leiseste Verkehrsmittel. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsträger verringert die Anzahl der Autos in der Stadt.

Umweltbewusstes Fahren: Fahren Sie gleichmäßig und mit niedrigen Motordrehzahlen (im höheren Gang). Das schont Umwelt, Nerven und den Geldbeutel. Gilt auch für Motorradfahrer.

Fallen Sie nicht auf die Billigflugwerbung rein: Billigflieger sind nicht nur umweltschädlich, sondern in der Regel auch Lockangebote mit hohen Folgekosten. Kalkulieren Sie genau, ob eine Bahnreise wirklich teurer ist und länger dauert.

Setzen Sie sich für ein intelligentes Verkehrskonzept vor Ort ein: Verkehrsvermeidung, Tempo-30-Zonen, lärmarme Straßenbeläge, Nachtfahrverbote für LKW, eine schärfere Überwachung von Geschwindigkeitsbeschränkungen etc. - die Summe kleiner Maßnahmen führt zu spürbaren Entlastungen.

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Das deutsche Lärmschutzrecht - undurchsichtig und veraltet

Ein allgemeines Gesetz zum Schutz vor Lärm gibt es in Deutschland nicht. Eine Vielzahl von Regelungen aus den verschiedensten Rechtsgebieten machen den Lärmschutz kompliziert. Zudem trennen die Gesetze meist nach Lärmquellen bzw. Lärmarten. So ist für den Straßenlärm die Straßenverkehrsordnung zu beachten, beim Freizeitlärm spielt die jeweilige Polizeiverordnung eine Rolle und für den Luftverkehr gibt es ein eigenes Fluglärmgesetz.
Dieses Verordnungs-Dickicht ist für viele Lärm-Betroffene undurchsichtig und abschreckend. Weder findet eine Gesamtlärmbetrachtung statt, noch gibt es einen allgemein ausreichenden Schutzanspruch. Lärm ist das von der Politik vergessene Umweltproblem.

Die wichtigsten gesetzlichen Regelungen im Überblick:

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz soll vor „schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luft-Verunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnlichen Vorgängen“ schützen. Darin ist z.B. festgelegt, dass Kraftfahrzeuge so beschaffen sein müssen, dass vermeidbare Emissionen verhindert werden. §47a verpflichtet die Kommunen zur Aufstellung von Lärmminderungsplänen wenn dauerhaft hohe Lärmbelastungen zu erwarten sind. Darin sollen Lärmbelastung, Lärmquellen sowie Maßnahmen zur Lärmminderung dargestellt werden.

Nur ein kleiner Teil der Kommunen in Deutschland hat bisher mit der Arbeit an einem Lärmminderungsplan begonnen. Gerade einmal 350 von 14.316 Gemeinden (bis zum Sommer 2000). Das liegt nicht nur an der notorischen Finanzknappheit der Gemeinden, sondern auch an einer fehlenden Fristsetzung im Gesetz. Auch kann die Umsetzung eines Lärmminderungsplanes nicht von den betroffenen Bürgern eingeklagt werden.

Neu ist die „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung und die Bekämpfung von Umgebungslärm„ (EU-Umgebungslärmrichtlinie) vom Juli 2002. Sie verpflichtet zur Erstellung von Aktionsplänen (Lärmkarten und Lärmminderungspläne) zur Lärmbekämpfung. Die Aktionspläne, die sich allerdings nur auf Ballungsräume und Hauptverkehrswege beziehen, müssen bis 2008 bzw. 2013 erstellt sein. Das Vorgehen bei der Erstellung ähnelt weitgehend dem Verfahren bei der Lärmminderungsplanung nach §47a des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Allerdings weist sie auch Defizite auf. So fehlt z.B. die genaue Festlegung von Immissionsgrenzwerten und Eingriffsinstrumenten zur Lärmbekämpfung.

Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) ist eine Verwaltungsvorschrift der Bundesregierung, die bei der Auslegung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes herangezogen wird. Sie legt Richtwerte für Geräuschimmissionen fest, je nach Gebiet (Wohngebiet, Gewerbe etc.), Art der Einrichtung (Krankenhäuser, Heime etc.) und Uhrzeit. Die TA Lärm ist Grundlage für die zuständigen Behörden bei der Genehmigung von Anlagen.


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Das will der BUND:

Vereinheitlichung der rechtlichen Regelungen: Es müssen einheitliche Rechtsgrundlagen, unabhängig von der Lärmquelle, geschaffen werden. Diese müssen sowohl für die Planung von Anlagen (Verkehrsanlagen, Wohnanlagen), als auch für bereits bestehende Anlagen gelten.

Optimierung der Lärmminderungsplanung: Die Erstellung der Lärmminderungspläne muss schneller geschehen und bedarf der stärkeren Beteiligung der Öffentlichkeit. Schließlich erhöht öffentlicher Druck die Wahrscheinlichkeit, dass Maßnahmen auch umgesetzt werden. Bei den Maßnahmen ist darauf zu achten, dass an erster Stelle immer die Lärmvermeidung stehen muss. Erst dann folgen bauliche Maßnahmen wie Schallschutzwände oder –fenster.


7-Punkte-Katalog des BUND

1. Lärmschutz zusammenführen und das Vermeidungsprinzip rechtlich verankern!
Derzeit fehlt ein einheitliches, staatliches Konzept zur Bekämpfung und zum Schutz vor Lärm. Der BUND fordert einen integrativen Lärmschutz, der in einem „Gesetzbuch zur Lärmvermeidung und zum Ruheschutz“ verankert werden soll. Darin sollte im Besonderen festgelegt werden:


  • Schutz der Ruhe, Verschlechterungsverbot (insbesondere bei ruhigen Gebieten)
  • Lärmvermeidung durch integrative Planung
  • Lärmminimierung an der Quelle (Verbesserungsgebot)
  • Aktiver Lärmschutz vor passiven Lärmschutzmaßnahmen auf Seiten der Betroffenen

2. Ruheschutz rechtlich verankern!
Der Begriff der Ruhe muss als eigenständiges Schutzgut gesichert werden. Ruhige Gebiete müssen geschützt werden. Hierdurch kann ein Auffüllen bisher noch ruhiger Gebiete und Zeiten bis hin zu Richt- und Grenzwerten verhindert werden. In den Kommunen sollten Ansprechpersonen (Ruheschutzbeauftragte) benannt werden.

3. Rechtsschutz für die vom Lärm Betroffenen einführen!
Von Lärm Betroffenen ist ein Rechtsanspruch auf Beseitigung gesundheitsgefährdender Lärmbelastung (auch bei gleichzeitig einwirkenden, verschiedenen Lärmquellen) bis unter die Schwelle der Gesundheitsbeeinträchtigung einzuräumen. Dieses Mindestmaß an Schutz vor gesundheitlichen Gefahren (bei den herkömmlichen Bewertungsverfahren ein Leq unter 55/45 dB(A) tags/nachts) muss garantiert werden.

4. Neue Mess- und Beurteilungsverfahren entwickeln und einführen!
Die bisherigen Messverfahren sind ungenügend. Sie vernachlässigen besonders die Häufigkeit von Lärmspitzen. Künftig sind wirksamere Mess- und Beurteilungsverfahren ( z.B. in Sone) zu entwickeln. Gleichfalls müssen Qualitätsziele festgelegt werden. Anforderungen hierfür sind:


  • Erholsamer Schlaf ist nachts auch bei geöffnetem Fenster zu ermöglichen (innen < 30 dB(A), Spitzenpegel < 45 dB(A) am Ohr der/s Schlafenden).
  • Bei Tage darf die Kommunikation im Wohn-Außen- und Innenbereich nicht gestört werden (< 45 dB(A) Mittelungspegel außen, < 35 dB(A) innen).
  • Die Aufenthalts- und Erlebnisqualität in der freien Landschaft und der Natur darf nicht beeinträchtigt werden (etwa < 40 dB(A)).

Wo diese Qualitätsstandards überschritten werden, sind belastete Gebiete auszuweisen und Maßnahmen bis zum Erreichen der Werte durchzuführen.

5. EU-Richtlinie Umgebungslärm intelligent umsetzen!
Die in Deutschland bereits eingeführte Lärmminderungsplanung muss an die EU-Richtlinie angepasst werden. Besonders zu beachten ist der verstärkte Lärmschutz am Abend, am Wochenende oder zu bestimmten Zeiten im Jahr, das Zusammenwirken von Lärm aus verschiedenen Quellen und der Schutz ruhiger Gebiete.

6. Lärmschutz muss bei den Ursachen ansetzen!
Die Zahl der Lärmverursacher wächst bisher stetig und muss begrenzt werden. Die Förderung des nicht motorisierten Verkehrs und des öffentlichen Personenverkehrs sowie die räumlich nahe Zuordnung von Arbeitsplätzen, Wohngebieten und Versorgungseinrichtungen sind sinnvolle Lärmschutzmaßnahmen. Eine Verkehrsträger übergreifende, integrative und nachhaltige Entwicklungsplanung ist sinnvoll und erforderlich.

7. Lärm hat seinen Preis!
Lärm muss die Verursacher teuer zu stehen kommen, damit lärmarmes Verhalten gefördert wird. So sollte bei der Besteuerung von Verkehrsmitteln die Lautstärke berücksichtigt werden, z.B durch lärmabhängige Trassenpreise bei der Bahn.

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Mehr Informationen finden Sie im BUND-Positionspapier "Schutz vor Lärm und Schutz der Ruhe" (24 Seiten)

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