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Sondernewsletter des BUND Thüringen: Jahresrückblick 2023
Dezember 2023
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Liebe Freundinnen und Freunde der Erde,
herzlich willkommen zur letzten Ausgabe unseres Newsletters in diesem Jahr. Hinter uns liegen ereignisreiche Monate, in denen wir viel für den Natur- und Umweltschutz in Thüringen bewegen konnten. Eine Zusammenfassung unserer Erfolge und Erlebnisse möchten wir hier mit euch teilen. Lasst uns gemeinsam auf das Jahr 2023 zurückblicken und das Erreichte würdigen. Um es übersichtlich zu gestalten, schauen wir auf unsere großen Projekte. Wohl wissend, dass auch ganz viel im Kleinen und nebenbei geleistet wurde – ehrenamtlich und mit viel Herzblut. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!
Im Namen des gesamten Teams des BUND Thüringen wünsche ich euch allen ein friedvolles Weihnachtsfest sowie Gesundheit und Glück im neuen Jahr. Lasst uns auch im Jahr 2024 gemeinsam für die Natur stark machen, Projekte anpacken und umsetzen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Sebastian König Landesgeschäftsführer
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Spurensuche Gartenschläfer
Nachdem wir in den ersten Jahren des Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“ viel über den nachtaktiven Bilch herausgefunden hatten, konnten wir in diesem Jahr zahlreiche Schutzmaßnahmen für die - in Thüringen - vom Aussterben bedrohte Art umsetzen. Im Fokus stand dabei der Lebensraum Wald, denn hier ist der Gartenschläfer ursprünglich zu Hause. In Thüringen liegt das letzte große Vorkommensgebiet im Thüringer Schiefergebirge. Für die Vernetzung von Wald-Lebensräumen haben wir dort eine 250 Meter lange und zehn Meter breite Wildgehölzhecke angelegt, die den Tieren Schutz, Quartier und Nahrung bietet. Zur Wasserversorgung wurden drei neue Feuchtstellen angelegt, denn Bilche müssen aktiv trinken. Da diese Art im Wald auch vom Menschen geschaffene Strukturen nutzt, wurde ein altes Bienenhaus als bekanntes Quartier erhalten. Um den Gartenschläfer, seine Gefährdung und seine Bedürfnisse der Zielgruppe „Forst“ näherzubringen, wurde in Zusammenarbeit mit „Forst erklärt“ ein Film gedreht. In diesem stellen wir die Art sowie Schutzmaßnahmen vor. Die enge Zusammenarbeit mit Menschen in der Forstwirtschaft soll auch in Zukunft eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Projekten zum Schutz des Gartenschläfers spielen.
Zum Projekt
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Das Luchsprojekt: Trittstein Thüringer Wald
Im Projekt "Trittstein Thüringer Wald" markierte die Fertigstellung des Koordinationsgeheges im BUND-Wildkatzendorf Hütscheroda einen Meilenstein. Es ist Deutschlands erstes seiner Art und bereitet in Gefangenschaft geborene Luchse auf ein Leben in freier Wildbahn vor. Seit Herbst wird das Gehege von den beiden im Frühjahr 2022 im Wildkatzendorf geborenen Jungluchsen Frida und Junior bewohnt. Frida soll im Frühjahr 2024 im Thüringer Wald ausgewildert werden, Junior im Erzgebirge. Von den "wilden" Luchsen Thüringens gibt es derweil nicht viel Neues zu berichten: Im mittleren Thüringer Wald gelangen uns trotz intensivem Monitorings kaum Nachweise von Luchsen. Immerhin wurde ganz im Süden im März ein "alter Bekannter" entdeckt – ein Luchs mit der Bezeichnung B1102x, der bereits als "Dreiländerluchs" von sich reden machte. Er wurde im Frühjahr 2019 in Südniedersachsen geboren, verbrachte seine Jugend in Nordhessen und tauchte im November 2021 überraschend 150 Kilometer weiter südöstlich auf einer unserer Kameras bei Ilmenau auf. Wir freuen uns, dass er sich über ein Jahr später offenbar immer noch im Thüringer Wald aufhält. Möglicherweise ist er sogar zum "Vierländerluchs" geworden, da er nahe der bayerischen Grenze entdeckt wurde. Damit der Dreiländerluchs bald Gesellschaft bekommt, arbeiten wir weiterhin mit Nachdruck daran, unsere Pläne zur Bestandsstützung voranzubringen. Dazu haben wir in diesem Jahr eine Kooperation mit Partnerorganisationen in Rumänien begonnen, die uns bei der Umsiedlung von Luchsen aus den rumänischen Karpaten in den Thüringer Wald unterstützen möchten. Weitere Luchse sollen aus europäischen Zoos und Wildparks zu uns kommen. Wir hoffen, dass uns bis zum Frühjahr 2024 alle nötigen Genehmigungen vorliegen, um mit der Freilassung der Luchse beginnen zu können. Bis 2027 sollen bis zu 20 Luchse im Thüringer Wald angesiedelt werden.
Leider überschattete die illegale Tötung eines uns aus dem Monitoring bekannten Luchses im Eichsfeld im Juni 2023 unser Engagement für den Luchs in Thüringen.
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Wildkatzenwälder von morgen
Das sechsjährige Projekt "Wildkatzenwälder von morgen" begann in Thüringen offiziell im Juni 2023 mit der Förderbescheidübergabe durch Umweltminister Bernhard Stengele. Es zielt darauf ab, die Wiederausbreitung der Wildkatze zu unterstützen und Wälder als vielfältige, klimastabile Lebensräume zu etablieren. Maßnahmen wie die Schaffung eines grünen Korridors im Raum Tettau zur Vernetzung von Wildkatzengebieten mit dem Grünen Band sowie die Einrichtung einer Wasserstelle vor Ort und die Bereitstellung von Pflanzgut für Waldsaum-Neubegründungen wurden bereits umgesetzt. Das Projekt umfasst auch ein Umweltbildungsprogramm, das in Zusammenarbeit mit dem BUND-Wildkatzendorf Hütscheroda durchgeführt wird. Mehr als 30 Schulklassen besuchten im Jahr 2023 das Wildkatzendorf und insgesamt wurden rund 1.700 Schüler an die Projektthemen herangeführt. Über 14.300 Besucher, vor allem Familien, informierten sich im Wildkatzendorf Hütscheroda über die Natur und die Wildkatze. Zusätzlich konnten wir das Projekt auf zahlreichen regionalen und überregionalen Veranstaltungen präsentieren, darunter die internationale Tagung des Forschungsverbundes Eurowildcat sowie Festveranstaltungen im Nationalpark Hainich und im Bärenpark Worbis. Auch bei einer Online-Veranstaltung der Nationalen Naturlandschaften zur Wildkatze haben wir das Projekt vorgestellt.
Bundesweit besuchten viele Fachgruppen den grünen Korridor zwischen dem Hainich und dem Thüringer Wald, das Wildkatzendorf und den Wildkatzenschleichpfad. Dies ermöglichte einen intensiven fachlichen Austausch zu den Themen Wald und Wildkatze, was auf positive Resonanz stieß.
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Netzwerke für den Gipskarst
Zum 1. Januar 2023 wurde dem BUND Thüringen das Projekt „Netzwerke für den Gipskarst“ bewilligt. Wir danken der Deutschen Postcode Lotterie für die Förderung, der Naturstiftung David für die Gegenfinanzierung und den vielen ehrenamtlichen Helfer*innen in den Landkreisen Nordhausen, Sangerhausen und Göttingen, die das Projekt mit zahlreichen Aktivitäten wie Führungen, Pressearbeit und Aktionsständen unterstützen. Zu den Höhepunkten im Jahr 2023 zählen unsere beiden großen öffentlichen Veranstaltungen: Das Internationale Karstsymposium vom 1. bis 4. Juni 2023 in Walkenried und die Fachtagung „Ressourcenschutz im Südharz“ vom 6. bis 8. Oktober 2023 in Nordhausen. Die Fachtagung wurde gemeinsam mit dem BUND-Arbeitskreis Abfall und Rohstoffe sowie dem BUND-Kreisverband Nordhausen durchgeführt. Insgesamt wurden mit beiden Veranstaltungen über 280 Teilnehmende erreicht und diese über die Einzigartigkeit des Gipskarstes sowie über die naturgipsfreien Baustoffalternativen informiert – darunter die Europaabgeordnete Viola von Cramon, Wirtschaftsminister Tiefensee sowie zahlreiche Mandatsträger aus Politik und Verwaltung. Unsere Forderung nach einem Ausstieg aus dem Gipsabbau bis 2045 ist gut eingebettet in die vom BUND Deutschland in diesem Jahr veröffentlichte Forderung nach einem Ressourcenschutzgesetz, welches den Verbrauch von primären Rohstoffen für Deutschland mit festen Zwischenzielen bis 2050 um 85 Prozent senkt.
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Quervernetzung Grünes Band
2023 war ein Jahr der Begegnungen am Grünen Band. Ob bei den Bergwiesenwochen im Schiefergebirge, dem Schulprojekt mit der Edith-Stein-Schule, der Jugendleiter*innenschulung im Werrabergland, dem Workcamp Grünes Band im Thüringer Schiefergebirge oder der Aktion BAUMKREUZ – Das Grüne Band ist ein einzigartiger Ort, um Menschen zusammenzubringen, gemeinsam Natur und Geschichte zu erkunden, Biotope zu pflegen und ganz nebenbei ins Gespräch zu kommen. Über alle Grenzen des Alters, der Herkunft oder der jeweiligen „Blasen“ hinweg. Auch die internationalen Kooperationen mit Korea, Slowenien und Ungarn haben viele neue Erkenntnisse gebracht. Nebenbei haben wir im Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ Flächen erworben, Tümpel und Bergwiesen freigestellt und Workshops durchgeführt, sowie im Projekt „Verschwundene Orte und verschwundene Arten – Spurensuche am Grünen Band“ junge Menschen Natur und Geschichte erleben lassen und zwei virtuelle 360-Grad-Touren erstellt. Ihr findet uns auf Instagram unter @gruenesband_thueringen und auf Facebook unter www.facebook.com/Gruenes.Band.Thueringen oder unter www.gruenes-band-monumental.de
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Kompetenzzentrum Natura 2000-Stationen
Das Jahr 2023 stand für das Kompetenzzentrum Natura 2000-Stationen ganz im Zeichen des Austausches. In den ersten warmen Monaten besuchten unsere Mitarbeiterinnen Eva Schmidt und Anna Swiatloch im Rahmen der Sommertour alle zwölf Natura 2000-Stationen. Ziel der Treffen war es, mit allen Mitarbeitenden einmal persönlich ins Gespräch zu kommen und sich über aktuelle Erfolge und Herausforderungen auszutauschen. Im August 2023 prämierte das Kompetenzzentrum Natura 2000-Stationen gemeinsam mit landwirtschaftlichen als auch naturschutzfachlichen Verbänden bereits zum vierten Mal „Natura 2000-Landwirte“. Die Auszeichnung erhielten drei Thüringer Landwirtschaftsbetriebe: Die Agrargenossenschaft Weißensee e.G., der Landwirtschaftsbetrieb Friedrich Dübner und die Landschafts- und Arealpflege Gerhard Schmidt. Über das ganze Jahr hinweg konnte das Kompetenzzentrum seinem Auftrag, Weiterbildungen für die Mitarbeitenden des Netzwerkes zu organisieren, in vollem Umfang nachkommen. In diesem Kontext konnten eine Beraterschulung, eine QGIS-Weiterbildung, ein Workshop zum Thema Ausschreibung und Vergabe sowie eine Schulung zu den Standards in der Obstgehölzpflege angeboten werden.
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E-Learning-Lehrgang „Natura-2000-Manager/in"
Im Projekt „E-Learning-Lehrgang „Natura-2000-Manager/in“ – eine nebenberufliche Weiterbildung im Fachbereich Natura 2000“ endete der Testlauf im Juni 2023 erfolgreich mit 46 Teilnehmenden aus ganz Deutschland. In der begleitenden Evaluation bewerteten die Teilnehmenden den Lehrgang mit der Schulnote 1,9. Darauffolgend wurden Ergänzungen und Aktualisierungen implementiert und im November 2023 startete der erste offizielle Durchgang mit 46 Teilnehmenden, die größtenteils bereits im Naturschutz tätig sind und sich gezielt für das Management von Natura 2000-Schutzgütern weiterbilden möchten. Neben Online-Formaten kommen die Teilnehmenden an drei Seminartagen und drei Exkursionstagen zusammen.
Mehr zum Lehrgang auf: www.natura2000manager.de
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BUNDjugend
Das Jahr 2023 war für die BUNDjugend Thüringen ein ereignisreiches Jahr mit vielen wertvollen Erfahrungen. Im März organisierten wir eine Samen- und Pflanzentauschbörse im Gemeinschaftsgarten Gera-Aue, die mit über 60 Teilnehmenden zu einem lebendigen Treffpunkt für naturnahes Gärtnern wurde. In Zusammenarbeit mit dem BUND Schmalkalden Meiningen gründeten wir im April 2023 die Jugendgruppe „Waldläufer*innen“. Jugendliche ab 13 Jahren treffen sich seitdem monatlich in der Naturschutzstation Untermaßfeld und erleben die Natur mit allen Sinnen beim Waldentdecken, Tier- und Pflanzenkunde sowie beim Bauen und Handwerken. Höhepunkte des Jahres waren der Aufbau des Tipis und die Instandsetzung des Lehmofens auf dem Gelände. Bei unseren BUNDjugend-Themenabenden konnten sich die Teilnehmenden mit Expert*innen und Referent*innen zu spannenden und aktuellen Themen wie Konsumkritik, Ableismus und Klimagerechtigkeit austauschen. Begleitet von nachhaltigem, veganem Essen konnte so ein Raum für Austausch und Inspiration geschaffen werden. Außerdem haben wir in Kooperation mit dem BUND Thüringen eine Jugendleiter*innenschulung am Grünen Band durchgeführt. Gemeinsam mit zwölf Teilnehmenden haben wir Spuren der Geschichte und der Natur am Grünen Band gesucht und gefunden und viel über die Einzigartigkeit des Grünen Bandes gelernt. Wir freuen uns auf ein aufregendes Jahr 2024 mit weiteren tollen Aktionen, Exkursionen und Camps.
BUNDjugend Thüringen
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