Aktionstag "Mobil ohne Auto": BUND ruft zum "Umsteigen" auf

12. Juni 1997 | Mobilität, Klimawandel, Ressourcen & Technik, Nachhaltigkeit

Streckenstillegungen der Bahn AG sind "Wahnsinn"

Zum bundesweiten Aktionstag "Mobil ohne Auto" am kommenden Sonntag rufen vielerorts BUND-Gruppen in Zusammenarbeit mit anderen Umwelt- und Verkehrsvereinen sowie Behörden und Medien die Bevölkerung auf, das Auto einmal stehenzulassen und auf den umwelt- und klimafreundlicheren Verkehrsverbund von Bahn, Bus, Fahrrad und Fuß umzusteigen.

So startet beispielsweise in Eisenach ein Mannschafts-Rad-Wettrennen mit Oberbürgermeister Dr. Hans-Peter Brodhun, wobei dem Sieger ein vom BUND Ortsverband Eisenach gesponsertes Faß Öko-Bier winkt. Von Meiningen wird gemütlich nach dem Motto "Familienradeln durchs Werratal" nach Vachdorf gerollt, in Bad Langensalza wird die Pedale in Richtung eines Ökobauernhofes mit anschließenden Festschmaus getreten und in Gotha schwingt man sich unter dem Slogan "Jeder Dritte fährt Rad" auf den Drahtesel.

Der Umstieg vom Auto auf den Verkehrsverbund aus Bahn, Bus, Fahrrad und Fuß und damit die notwendige Verkehrswende werden nach Ansicht des BUND Thüringen allerdings durch eine von der Regierungspolitik sowohl in Bonn als auch in Erfurt mitverursachte, anhaltende Fehlentwicklung, die sich ungebremst an dem anachronistischen Grundsatz "Freie Fahrt für freie (motorisierte) Bürger" orientiert, immens erschwert.

"Während die Regierungspolitiker immer nur schönfärberisch davon reden, die Bahn und den öffentlichen Personenverkehr mehr fördern und das Auto zurückdrängen zu wollen, passiert genau das Gegenteil. Vieles spricht dafür, daß die Bahn systematisch zerschlagen werden soll - beispielsweise gehört die seit kurzer Zeit praktizierte Verlagerung der Postguttransporte von der Schiene auf die Straße dazu", so die bittere Feststellung von BUND-Landesgeschäftsführer Michael Spielmann.

Im Zuge der bundesweiten Zerschlagung des Streckennetzes der Bahn AG sind auch im Freistaat rund ein Drittel der gesamten Streckenlänge - immerhin 34 Verbindungen auf 610 Kilometern - akut von der Stillegung bedroht. Die Stillegung weiterer 18 Verbindungen, darunter beispielsweise Eisenach-Meiningen-Eisfeld, wird derzeit "untersucht". Auf der anderen Seite werden dagegen etliche Milliarden in die unsinnigen Neubauprojekte ICE Erfurt-Nürnberg und Waldautobahn gepumpt. "Ein Wahnsinn, der unbedingt gestoppt werden muß", so der abschließende Kommentar von Spielmann. 

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