Landesverband Thüringen e.V.

Wasser

Der Schutz der Thüringer Gewässer muss konsequenter umgesetzt werden. Trotz zahlreicher Projekte verfehlen die meisten Thüringer Gewässer die angestrebten Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Hinblick auf einen guten Zustand beziehungsweise ein gutes Potenzial. Bei künftigen Maßnahmen, müssen die Lebensraumfunktion und der natürliche Hochwasserrückhalt bei Gewässern gestärkt werden.

Der BUND fordert:

  • Gewässerschutz verbessern!
  • Verschlammung entgegenwirken!
  • Wasser länger in der Landschaft halten!
  • Gewässerschutz muss Teil der Agrarpolitik werden!

Stellungnahme zum Landesprogramm

Jetzt lesen

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie

Gewässerschutz von der Quelle bis zur Küste

Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist ein Gesetzeswerk der EU mit klarem und deutlichem Auftrag: Alle unsere Gewässer – vom Grundwasser über die Flüsse und Seen bis hin zu den Küstengewässern – müssen einen "guten Zustand" erreichen.


 

Was genau will die Wasserrahmenrichtlinie?

  • ein weitgehend natürliches Vorkommen von Pflanzen und Fischen in den Gewässern;
  • die Durchgängigkeit von Bächen und Flüssen für alle Lebewesen;
  • sanierte, naturnahe und naturbelassene Uferzonen;
  • Schadstoffkonzentrationen innerhalb der Grenzwerte.

Zudem gilt, dass der heutige Zustand unserer Gewässer (bis auf wenige, streng geregelte Ausnahmen) ab sofort nicht mehr verschlechtert werden darf.

Um diese Ziele zu erreichen, wurde ein Bewirtschaftungsplan erstellt, mit dessen Maßnahmen bis 2027 die Ziele der WRRL erfüllt werden sollen.

Die Umsetzung der WRRL ist eine der größten Chancen für den Gewässerschutz. Allerdings zeichnet sich jetzt bereits ab, dass die Umsetzung schleppend verläuft und Ausnahmen überstrapaziert werden sollen. Dabei benötigen fast alle Gewässer zusätzlichen Schutz!


 

Infografiken zur Belastung unserer Gewässer

  

Das Thüringer Landesprogramm Gewässerschutz

Das Thüringer Landesprogramm Gewässerschutz

Am 24. Mai 2016 hat das Umweltministerium das „Thüringer Landesprogramm Gewässerschutz 2016 – 2021“ veröffentlicht. Das Programm informiert über die Grundlagen des Gewässerschutzes so zum Bsp. den aktuellen Zustand unserer Thüringer Gewässer, die einzelnen Handlungsbereiche sowie alle im Zeitraum vorgesehenen Maßnahmen. Mit dem Programm sollen auch die Vorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden.

2018 kam es auch zu einer Novellierung des Thüringer Wassergesetzes bei der sich auch der BUND Thüringen mit einer Stellungnahme in den Prozess einbrachte. Um den Vorgaben der WRRL gerecht zu werden, muss es nämlich dringend gelingen, neben der Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Gewässer und der Verbesserung der Gewässerstruktur die Nährstoffeinträge in die Gewässer deutlich zu reduzieren. 2019 trat das Gesetz zur Neuregelung zum Gewässerrandstreifen anhand der Novelle des Thüringer Wassergesetzes in Kraft.


 

Stellungnahme zum Folgeprogramm 2022-2027

Nun wurde ein neues Maßnahmenpaket mit ca. 3.000 Maßnahmen und einem Gesamtvolumen von über 380 Mio. Euro entwickelt welches 2022 in Kraft treten soll. Gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH), GRÜNE LIGA Thüringen und dem NABU Thüringen haben wir eine gemeinsamen Stellungnahme zu dem Entwurf des neuen Landesprogramm Gewässerschutz erarbeitet. Unser Fazit: Die geplanten Verbesserungen gehen in die richtige Richtung. Jetzt kommt es auf eine engagierte Umsetzung an, an der es bei den vergangenen Bewirtschaftungsplänen gemangelt hat.

Folgende Verbesserungen müssen dringend umgesetzt werden:

Gewässerstruktur verbessern
Bisher fehlt es an Raum, damit sich Flüsse und Bäche wieder frei entfalten können. Die mittlerweile verbreiterten Gewässerrandstreifen reichen nicht aus, um die ursprüngliche Vielfalt der Lebensräume am Ufer und in der Aue auch nur ansatzweise wiederherzustellen. Soll die Wasserrahmenrichtlinie erfüllt werden, so braucht es Entwicklungskorridore, deren Breite auf die Gewässertypen abgestimmt ist. Nur so können die Gewässer in einen Zustand gebracht werden, in dem der überwiegende Teil der natürlicherweise vorkommenden Tier- und Pflanzenarten wieder angemessene Lebensbedingungen findet.

Verschlammung entgegenwirken
Durch die Verschlammung der Gewässersohle werden kleine Organismen wie Krebstiere und Strudelwürmer, aber auch Muschelarten wie die Bachmuschel und kieslaichende Fischarten, zum Bespiel das Bachneunauge, negativ beeinflusst. Zu viel Ackerboden wird in die Gewässer eingespült. Es fehlt an ausreichendem Erosionsschutz auf landwirtschaftlichen Flächen. Zudem sind unsere Bäche und Flüsse in ein Korsett gepresst, das kaum Eigendynamik und damit Umlagerungsprozesse zum Freispülen der Kiessohle von Sedimenten zulässt. Fische können nicht laichen und auch kleinere Wasserorganismen verlieren ihre Lebensgrundlage.

Wasser länger in der Landschaft halten
Im Landesprogramm für Gewässerschutz fehlt ein Konzept, welches den Rückbau von Drainagen in der Aue vorantreibt. Resilientes Wassermanagement zur Vermeidung von Dürre wird in Anbetracht der häufiger werdenden Trockenperioden immer wichtiger. Durch den Rückbau von Drainagen wird Wasser wieder länger in der Landschaft gehalten und Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden nicht direkt in die Gewässer gespült. Das längere Verweilen des Wassers in der Landschaft wirkt sich außerdem positiv auf den Hochwasserschutz aus und erlangt im Hinblick auf den Klimawandel immer größere Bedeutung.

Gewässerschutz muss Teil der Agrarpolitik werden
Dringend notwendig ist vor allem die bessere Integration der Gewässerschutzbelange in alle Politikbereiche. So ist zum Beispiel eine engere Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft und Naturschutz sowohl auf der Ebene der Verwaltung als auch auf der Ebene der Gewässerunterhaltungsverbände und Natura-2000-Stationen erforderlich. Gewässerschutz muss endlich Teil der Agrarpolitik werden. Es kann nicht sein, dass die unausgewogene Gemeinsame Agrarpolitik der EU Gewässerschäden fördert, die anschließend durch weitere Fördermittel der EU wieder behoben werden müssen. Der Freistaat muss seine Gestaltungsspielräume auf Landesebene nutzen, damit Maßnahmen der Agrarförderung in Zukunft auch die Gewässerschutzziele unterstützen. Dazu gehört beispielsweise, die Einrichtung von Dauergrünland auf heutigen Ackerflächen zu fördern und die Beweidung in Flussauen zu verbessern.

Die Erstellung der Stellungnahme für die Verbände wurde von der Naturstiftung David finanziell unterstützt.

Stellungnahme lesen

 

Die Werra und das Salz

Einleitung im Kalirevier 2006, heute verläuft sie kaum sichtbar unter der Wasseroberfläche Hier geht es direkt zur Projektseite.  (Flussbilder.de / Flussbilder.de)

 

 

 

Gefördert mit Mitteln der Naturstiftung David.

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Bildautor Header: lppicture/ Pixabay

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