Eisenach. Bundesweit ist der Bestand des Feldhasen dramatisch zurückgegangen, "Meister Lampe" steht bereits in einigen Bundesländern auf der "Roten Liste" der vom Aussterben bedrohten Arten. Doch auch in Thüringen ist das liebste Ostertier der Deutschen in Gefahr, heißt es in in einer vom Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veröffentlichen Presseerklärung. Derzeit leben in Thüringen nach Schätzungen des BUND noch rund 40.000 Feldhasen - nur noch ein Zehntel der in den fünfziger Jahren vorhandenen Population.
Vor allem durch die heute praktizierte intensive Landwirtschaft, an welche der Lepus europaeus nicht angepaßt sei, würde ihm die Nahrungsgrundlage entzogen. Der Herbizid-Einsatz vernichte einen Großteil der für die Nahrung notwendigen Feldkräuter und -gräser, so daß sich der Hase mit den modernen Kulturpflanzen begnügen müsse. Anstatt sich am Waldrand und auf saftigen Wiesen zu tummeln, Löwenzahn und Klee zu verspeisen, sieht sich der Hase mit Kartoffelfeldern oder gülletriefenden Äckern konfrontiert. "Der Hase verhungert praktisch mit vollem Bauch", so Frank Henkel, stellvertretender Vorsitzender des BUND Thüringen. "Da das Gras mit Stickstoff angereichert und somit wenig nährstoffreich ist, entspricht es nicht mehr den Bedürfnissen des Hasen und bringt dessen Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht." Weil seine Nahrung nicht mehr genügend Nährstoffe biete, müßte die Fläche, die er zum Sattwerden bräuchte, um etwa das Zehnfache größer sein als noch vor dreißig Jahren. Wegen der auch in Thüringen zunehmenden Zerschneidung und Versiegelung der Landschaft durch neue Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete werde jedoch der Lebensraum des Hasen tatsächlich immer weiter eingeengt.
Zudem ergebe sich durch das Anlegen riesiger Monokulturfelder zwangsläufig ein weiterer Nachteil. Die Felder würden bei günstiger Witterung innerhalb kürzester Zeit abgeerntet und somit verändere sich innerhalb weniger Tage der gesamte Lebensraum. Dies sei für den Hasen besonders nachteilig, da er ein Fluchttier sei und bei Gefahr vor Feinden fliehe oder sich verstecke. Das Langohr müßte sich demzufolge in die wenigen naturnah belassenen Zonen zurückziehen oder aber in den naheliegenden Wald flüchten. Damit würden die Feldhasen allmählich zu "Waldhasen". "Zwar ist der Wald gerade in Thüringen auch ein mögliches Rückzugsgebiet für den Hasen, aber es ist eben nicht der ideale Lebensraum, an den der Hase, ursprünglich aus den Steppen Osteuropas stammend, optimal angepaßt ist", so der BUND.
Der Hase sei somit einem permanenten Streß ausgesetzt. Damit werde sein Organismus geschwächt und die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten erhöht. Dies habe auch zur Folge, daß die Fruchtbarkeit des Hasen deutlich zurückgegangen sei. Dessen ungeachtet wird der Hase in Thüringen zudem weiter bejagt - nach Ansicht des BUND Thüringen ein unhaltbarer Zustand: Angesichts der dramatischen Bestandsentwicklung gehöre der Feldhase auch in Thüringen auf die"Rote Liste" der vom Austerben bedrohten Arten, weshalb sich eine fortdauernde Bejagung von selbst verbiete. Jagdbeschränkungen und freiwilliger Verzicht reichten nicht aus, damit sich der Bestand des Hasen längerfristig erholen könne.
"Wenn wir nicht bald Ostern ohne Meister Lampe feiern wollen, sind Schutzmaßnahmen, wie eine Förderung und Ausweitung umweltgerechter Landwirtschaft, die Erhaltung unzerschnittener Lebensräume und ein Jagdverbot dringend geboten", so der BUND Thüringen abschließend.


