Erfurt. Das im Auftrag der Landesregierung durch die Firma KIENBAUM erstellte Fachgutachten zur zukünftigen Trinkwasserversorgung in Thüringen kommt zu dem Schluss, das mit dem Bau der Talsperre Leibis die jährlichen Kosten der Rohwasserbereitstellung um 13 Millionen Mark steigen werden. Dies geht aus Unterlagen hervor, die dem BUND Thüringen vorliegen. „Die Ergebnisse des KIENBAUM-Gutachtens bestätigen unsere Befürchtungen. Die Talsperre Leibis ist nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch sinnlos. Nun verstehen wir auch, warum uns die Ergebnisse des Gutachtens bis heute vorenthalten wurden“, so Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.
Angesichts der hohen Trinkwasserpreise in Thüringen hatte die Landesregierung bei der Firma KIENBAUM ein Gutachten über Effizienz und Struktur der Fernwasserversorgung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse waren im Frühsommer unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Der BUND hat sich vergeblich um Einsicht in das Gutachten bemüht. Aus den nun vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass der Trinkwasserbedarf weiter sinken wird, mit dem Bau der Talsperre Leibis aber gleichzeitig die heute schon vorhandene Überkapazität noch gesteigert wird. Dies hätte zur Folge, dass der Rohwasserpreis von heute 32 Pfennigen auf zukünftig bis zu 93 Pfennigen pro Kubikmeter Wasser steigen könnte.
Eine ähnliche Rechnung hatte der BUND Thüringen bereits vor einigen Monaten in seinem Informationsblatt „Teures Nass“ aufgemacht. Der Umweltverband verweist darauf, dass bereits die aktuellen 32 Pfennige pro Kubikmeter Rohwasser einen deutschlandweiten Spitzenwert darstellen. In Sachsen würde der Preis bei knapp 11 Pfennigen, in Oberfranken gar nur bei 5 Pfennigen pro Kubikmeter liegen.
Da die Landesregierung die Subventionierung der Rohwasserbereitstellung zurückfahren will, wird der erhöhte Rohwasserpreis auf jeden Fall einen höheren Wasserpreise nach sich ziehen. „Wir haben hier genau das gleiche Phänomen wie bei den überdimensionierten Kläranlagen. Erst wird auf Teufel komm raus gebaut und anschließend kommt der Katzenjammer über die hohen Betriebskosten, welche die Bürgerinnen und Bürger tragen müssen. Auch aus diesem Grund werden wir weiterhin für einen Stop der Bauarbeiten an der Talsperre Leibis kämpfen“, so Dr. Burkhard Vogel heute in Erfurt.


