Biosphärenreservat Rhön mit schwerem Stand

24. Juni 1992 | Lebensräume

Die thüringischen Landesverbände des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) und des Naturschutzbundes Deutschland e. V. reagieren in einer gemeinsam herausgegebenen Presseerklärung auf die, wie es heißt, "unerträglich gewordenen Auswüchse einer seit Monaten laufenden öffentlichen Kampagne gegen das Biosphärenreservat".
Mit wachsender Schärfe zeige sich der Konflikt zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Menschen und den Umweltschutzanforderungen, die im Rahmen eines UNESCO-Schutzgebietes nun einmal höher liegen als anderswo. Privatunternehmern und Bürgermeistern falle es im Schulterschluß mit dem politischen Oberbau zunehmend leichter, Fehlplanungen durchzusetzen. Nach Meinung der beiden Naturschutzverbände wird die Existenzberechtigung solch wichtiger Institutionen wie der Unteren Naturschutzbehörde, des Landesverwaltungsamtes und insbesondere der Aufbauleitung des Biosphärenreservates in Kaltensundheim verstärkt angezweifelt.

"Die Antinaturschutzattacken sind nirgends so massiv wie in der Rhön", gibt Hartmut Kempf vom Naturschutzbund Deutschland zu denken, "schon der kleinste naturschutzfachliche Einwand an beliebiger Stelle reicht einigen Bürgermeistern aus, um blühende Visionen einer Rückentwicklung in die Steinzeit auszuschmücken".

Nicht ganz schuldlos an der Misere sind, nach Ansicht des BUND, auch die Landräte, welche oftmals unausgewogen Partei gegen den Naturschutz ergreifen. "Meister seines Faches ist darin gerade der Meininger Landrat, der den Bürgern betroffener Gemeinden immer wieder so leutselig zur Seite steht, als fänden drei Tage später Wahlen statt", so Frank Henkel vom Landesvorstand des BUND. "Herr Puderbach vergißt bei keinem seiner Ortstermine, gegen die Außenstelle Suhl des Landesverwaltungsamtes Stimmung zu machen und geht dabei deren Mitarbeiter persönlich an. Bei seinem Bestreben, alle Entscheidungskompetenzen hin zum Landesrat zu ziehen, ist ihm diese Fachbehörde offensichtlich ein Dorn im Auge.“

Einig sind sich die beiden Naturschutzverbände, daß alle Eingriffe in den empfindlichen Naturhaushalt des Rhöngebietes einer gewissenhaften Abwägung und Kontrolle unterzogen werden müssen. Es gehe nicht an, daß Firmen, wie im Falle des Kaltensundheimer Supermarktes oder der Straßenbaumaßnahme Friedelshausen -Kaltenlengsfeld, einfach drauflos bauen, ohne Alternativstandorte ernsthaft zu prüfen bzw. daß die Genehmigung der zuständigen Fachbehörden vorläge. Es sei dann sehr unfair, die sich daraus ergebenden unpopulären Konsequenzen den Umweltschützern anzulasten.

Abschließend heißt es in der Presseerklärung: "Die anderenorts rücksichtslose Landschaftszerplanung muß vor dem Biosphärenreservat Halt machen, will man sich die Chance einer regionaltypischen natur-und sozialverträglichen Entwicklung wahren." 

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