Eisenach. Als "reine Mogelpackung" hat der BUND Thüringen den angeblichen Baubeginn der "Südharzautobahn" A 38 bezeichnet. In Schkortleben bei Weißenfels (Sachsen-Anhalt) war Ende vergangener Woche ein sogenannter erster "Rammschlag" für ein Autobahnteilstück durchgeführt worden, welches zukünftig die Bundesstraßen 91 und 87 im Raum Halle verbinden soll.
"Bei der nun begonnenen Straßenverbindung handelt es sich keineswegs um die "Südharz-Autobahn" A 38, sondern vielmehr um die A 143, die verkehrlich weitgehend unabhängig von der geplanten Autobahn Göttingen - Halle ist", so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen in einer heute veröffentlichten Presseerklärung. "Mit dieser dummdreisten Propagandaveranstaltung sollen die immer zahlreicher werdenden Kritiker der A 38 entmutigt und mundtot gemacht werden", kritisiert Spielmann. "Daß die Planer es nötig haben, mit solch faulen Tricks Stimmung für dieses unsinnige Projekt zu machen, offenbart jedoch vor allem ihre Unsicherheit und die Schwäche ihrer Argumente."
Gleiches gelte auch für die jüngste Ankündigung des Thüringer Wirtschaftsministeriums, wonach mit dem ersten Bauabschnitt der A 38 in Thüringen noch Ende dieses Jahres begonnen werden solle. "Auch der Thüringer Wirtschaftsminister weiß, daß es derzeit keinerlei Baurecht für die A 38 gibt und daß die Finanzierung gerade dieses Projektes in den Sternen steht", so Spielmann. Der angekündigte Bau von Autobahnteilstücken als Ortsumgehungsstraßen sei zudem verfahrensrechtlich mehr als fragwürdig und werde einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten.
In den noch ausstehenden Planfeststellungsverfahren müsse die Umweltverträglichkeit des Vorhabens geprüft und die Öffentlichkeit erneut beteiligt werden. Dabei müßten endlich auch Alternativen, wie etwa der Ausbau der bestehenden B 80 und der Schiene, untersucht und gegenüber den massiven ökologischen Schäden durch einen Autobahnneubau abgewogen werden.
Immer mehr Menschen im Eichsfeld und im Südharz würden erkennen, daß ihnen eine solche Transitstrecke nicht Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung, sondern sinkende Lebensqualität durch Lärm und Abgase bringe und für die Region durch die billigere europäische Konkurrenz Nachteile bedeute. "Mit seinem Festhalten an der A 38 fördert der Thüringer Wirtschaftsminister vor allem die Einkaufszentren Göttingen und Kassel und das internationale Speditionsgewerbe", so der BUND. Nicht einmal die regionale Bauwirtschaft werde angesichts der europaweiten Ausschreibung der Baumaßnahme von einer A 38 profitieren.
Der BUND Thüringen werde sich deshalb gemeinsam mit der betroffenen Bevölkerung entlang der geplanten Trasse weiterhin gegen das, so Spielmann, "verrückte und überflüssige Prestigeobjekt A 38 zur Wehr setzen".


