Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat die Entscheidung gegen die ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt und für die Verlagerung der Mittel auf den Ausbau bestehender Strecken als gute Entscheidung für Thüringen begrüßt.
Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen: "Eine gute Entscheidung. Es ist allemal effektiver die Mittel in den Ausbau des Bahnnetzes zu stecken als sie für eine Rennstrecke zu verschwenden. Die Erschließungseffekte für Thüringen sind bei dem angestrebten Netzausbau deutlich größer als bei einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung und dementsprechend auch die wirtschaftlichen Impulse. Die Mitte-Deutschland-Bahn und die Sachsen-Franken-Magistrale sind für die Region entscheidend und werden Fahrgäste anlocken. Die ICE-Trasse hätte nur Magistralen schneller erreichbar gemacht, mehr nicht."
Der BUND sieht in der Entscheidung auch einen großen Erfolg seines jahrelangen Engagements gegen das Großprojekt, Michael Spielmann, ehemaliger Geschäftsführer des BUND Thüringen und Mitglied des Landesvorstandes, erinnerte daran, daß der BUND von Beginn an auf die verkehrspolitisch, ökologisch und ökonomisch verhängnissvollen Folgen einer Querung des Thüringer Waldes hingewiesen habe. Dies habe der Verband auch im Rahmen seiner bereits 1997 angestrengten Klage gegen die sogenannte Bündelungstrasse von A 71 und ICE vorgetragen. "Leider hat das Bundesverwaltungsgericht unsere Argumente gegen die ICE-Trasse, die sich nunmehr als richtig herausgestellt haben, zum damaligen Zeitpunkt schlicht ignoriert. Eine sorgfältigere Prtüfung und mutigere Entscheidung der obersten Verwaltungsrichter hätte verhindert, daß die damalige Bundesregierung kurz vor Toresschluß in Bereich der Bündelungstrasse millionenschwere Bauwerke errichtet und damit den jetzt erfolgten Ausstieg aus dem unsinnigen ICE-Projekt erschwert. Trotzdem ist der jetzt gefundene Kompromiß ein großer Erfolg, weil dem Thüringer Wald nicht ausgleichbare Eingriffe erspart und Gelder für die Mitte-Deutschland-Bahn und andere verkehrspolitische Alternativen freigeschaufelt werden", so Spielmann.
Nach Ansicht von Spielmann besteht Hoffnung, daß sich auch bei anderen Prestigeprojekten, vor allem bei der Südharz-Autobahn A 38 und der Thüringer-Waldautobahn A 71/A 73, nunmehr "realistische Denkweisen durchsetzen und kleine Lösungen anstelle dieser Luftschlösser verwirklicht werden."


