Erfurt. Als einen schlechten Ratgeber in Naturschutzfragen hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen), die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) kritisiert. Die VDEW hatte empfohlen (TA vom 05.08.97), im Frühsommer den Rasen zweimal in der Woche zu mähen und im Spätsommer einmal wöchentlich oder mindestens alle 14 Tage. Dies sei neben Wasser und Dünger für einen gepflegten Rasen notwendig. Mit Natur habe das nach Ansicht des BUND nicht mehr viel zu tun. Die monotone Einfalt eines solchen Rasens sei eher ein Leichentuch als ein Lebensraum. "Schuster, bleib bei deinen Leisten", sagte der BUND an die Adresse des VDEW.
Dem gegenüber empfiehlt der BUND einen "bunten Rasen". Dieser sei fast ebenso belastbar, aber naturnäher. Der bunte Rasen sei pflegeleicht, wird nicht ganz so oft gemäht, nur in Zeiten großer Trockenheit bewässert und muß nicht gedüngt werden. Er sei zwar grasreich, bringe aber mehr blühende Pflanzen hervor als "englischer Rasen". Das Mähen dürfe nicht zu einem Zeitpunkt erfolgen, wenn gerade die Wildkräuter, wie beispielsweise Ehrenpreis, Gänseblümchen, Wiesenlöwenzahn, Kriechender Hahnenfuß, Weißklee und Breitwegerich Blütenknospen hervorbringen oder schon in voller Blüte stehen. Die Anzahl der Tiere sei noch immer gering, aber Hundertfüßer, Laufkäfer und verschiedene Fluginsekten stellen sich immerhin ein.
Der Natur am meisten nachgebildet sei die Gartenwiese. Wer genug Platz im Garten hat, sollte ruhig einen Teil des bunten Rasens zu einer Gartenwiese heranwachsen lassen. Es gäbe nur wenig andere Lebensräume in unserer Klimazone, die über einen vergleichbaren Artenreichtum verfügen. Allein 1.500 Insekten- und Spinnenarten seien auf die Wiesen angewiesen. Eine Mahd sei nur noch zweimal im Jahr notwendig, im Juni und im September. Die Zusammensetzung der Flora und Fauna ändere sich schon innerhalb eines Jahres grundlegend. Ein paar Quadratmeter Wiese bereichere einen Garten erheblich und werde so zur sprichwörtlichen Augenweide.
Der eher sparsame Einsatz des Rasenmähers empfehle sich schon deshalb, so der BUND, weil mit der zunehmenden Technisierung der Gartenarbeit auch das Wohnumfeld und der Freizeitbereich immer mehr verlärmt würden.


