Erfurt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), befürchtet den Einstieg in die Müllverbrennung in Thüringen durch die Hintertür. Anlass ist das Genehmigungsverfahren zur Verbrennung von Abfällen im Heizkraftwerk Meuselwitz-Lucka.
„Man hat den Eindruck, als sollten die Bürger in der Region über den Tisch gezogen werden“, erklärte Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Nach Informationen des BUND soll im Rahmen eines einfachen, immissionsschutzrechtlichen Änderungsverfahrens aus dem Heizkraftwerk, das bisher nur die Genehmigung zur Verbrennung von unbelastetem Holz und Spanplatten besitzt, die erste Müllverbrennungsanlage (MVA) in Thüringen gemacht werden. In Zukunft sollen in der Anlage dann auch Siedlungs- und Industrieabfälle verbrannt werden. Eine technische Aufrüstung der Anlage ist allerdings nicht vorgesehen. Die öffentlich ausgelegten Unterlagen vermittelten laut BUND den Eindruck, als ginge es bei dem Verfahren nur um den völlig unproblematischen Austausch des Brennstoffs für das Heizkraftwerk.
„Dabei sollen weder die Rauchgasreinigung noch die Verbrennungsbedingungen in der Anlage an den Einsatz von Abfällen angepasst werden. Eine maximal erreichbare Temperatur von 950 Grad Celsius reicht aber nicht aus, um die Emission hochgiftiger Dioxine und Furane aus der Anlage wirksam zu verhindern“, bemängelte Vogel. Auch das Sicherheitskonzept der Anlage hält der BUND Thüringen für unzureichend. Die Anlage soll ohne Löschwasserrückhaltebecken betrieben werden. Im Falle eines Brandes bestünde daher die Gefahr, dass kontaminiertes Löschwasser ungehindert ins Grundwasser gelange.
Der BUND Thüringen warnte davor, die Zukunftsoptionen für eine alternative Abfallpolitik in Meuselwitz-Lucka zu verfeuern. Die Müllverbrennung sei keine Lösung für das Abfallproblem. Sie erzeuge vielmehr mit ihren hochgiftigen Filterstäuben neue Altlasten.
„Wenn das Land den Antrag genehmigt, hat Thüringen die Chancen für eine zukunftsfähige Abfallwirtschaft ohne MVA verspielt. Wir brauchen aber eine Abfallpolitik, die konsequent auf Müllvermeidung und ganzheitliche Rohstoffkonzepte setzt und nicht die Altlasten unseren Enkeln vererbt“, forderte Vogel.


