BUND: Industriegebiet "Am Henneberg-Porzellan" nicht genehmigungsfähig

31. Januar 1997 | Naturschutz, Wälder

Als "nicht genehmigungsfähig" beurteilt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die beabsichtigte Planung des neuen Industriegebietes "Am Henneberg-Porzellan" bei Ilmenau (die Presse berichtete). 22 Hektar Wald sollen nach den Vorstellungen des Bauausschusses der Stadt Ilmenau gerodet werden, um Platz für dieses Industriegebiet zu schaffen. Völlig unklar sei, wie der Investor die Zerstörung von 22 Hektar Forst nach Naturschutzrecht auszugleichen gedenkt.

"Das Genehmigungsverfahren steht mit dem Beschluß, einen Bebauungsplan aufzustellen, allerdings erst am Anfang", so Klaus Fink, Fachreferent des BUND Thüringen. "Das Waldstück ist noch lange nicht gerodet." Die Träger öffentlicher Belange sowie die Umweltverbände seien an diesem Verfahren noch zu beteiligen."Von entscheidender Bedeutung ist", so Fink weiter, "welche Stellungnahme die Landesforstdirektion als Eigentümer und wichtiger Träger öffentlicher Belange dazu abgeben wird." Die Stadt müsse alle Belange auf der Grundlage des bestehenden Planungsrechtes ordentlich ermitteln und abwägen. Das letzte Wort habe die obere Landesplanungsbehörde.

Angesichts der bereits kurz nach der "Wende" erfolgten Waldrodungen um Ilmenau sei es fatal, jetzt einfach im "Stil der Landschaftszersiedelung der 50er und 60er Jahre" weiterzumachen, als würde es die anstehenden Umweltprobleme nicht geben. Das Vorhaben sei laut BUND mit dem bestehenden Naturschutzrecht sowie mit dem Regionalen Raumordnungsplan Mitte unvereinbar. Hiernach sei dem Flächenrecycling von Altstandorten die Priorität gegenüber der Erschließung neuer Industrieflächen auf der "grünen Wiese" und erst recht im Wald einzuräumen. Nach diesen Kriterien werde der BUND auch seine Stellungnahme zum B-Plan-Entwurf aufbauen, wenn dieser vorgelegt werde.

Der BUND stellt den Bedarf für dieses neue Industriegebiet in Frage und bezweifelt, daß die Alternativen ausreichend und objektiv geprüft worden sind. "Es wäre zu untersuchen, ob das noch nicht ausgelastete Gewerbegebiet 'Am Habichtsfang' oder auch andere Altindustrieflächen in Ilmenau nicht doch für die Ansiedlung geeignet sind. Das vorgeschobene Argument, die Erschließungskosten seien dafür zu hoch, kann nicht widerspruchslos hingenommen werden", so Fink. "Es macht nur allzu deutlich, daß der Wert von Waldflächen bei dem Beschluß des Ilmenauer Bauausschusses offensichtlich keine Rolle spielte." 

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