BUND: Landesregierung und IHK ignorieren mit starrer ICE-Haltung Thüringer Situation

01. Juli 1999 | Mobilität, Ressourcen & Technik

Anstatt Verschwendung von Steuermilliarden für Prestigeprojekt sollten bestehende Strecken erhalten und ausgebaut werden

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) hat nach der Mitteilung von Bundesverkehrsminister Müntefering, daß die Entscheidung über die ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt vermutlich erst im September fallen wird, Landesregierung und IHK aufgefordert, die Zeit bis dahin zu nutzen, ihre Position den Thüringer Erfordernissen anzupassen.

Die starre Forderung von Landesregierung und IHK nach Weiterbau der geplanten ICE-Trasse ignoriert nach Ansicht des BUND die tatsachliche Thüringer Situation. Landesregierung und IHK sollten sich für Lösungen einsetzen, die ganz Thüringen zugute kommen, anstatt die Realisierung des ICE-Prestigeprojektes und damit die Verschwendung von Steuermilliarden zu fördern. Sinnvoller sei, mit den für die ICE-Trasse vorgesehenen Mitteln das bestehende Bahnnetz zu erhalten und auszubauen. So käme es nach Ansicht des BUND auf den raschen Ausbau der Mitte-Deutschland-Bahn und der Sachsen-Magistrale an, sowie auf eine bessere Anbindung Südthüringens an den Fernverkehr. Es sei viel effektiver, das bestehende Gesamtnetz zu optimieren als Rennstrecken zu bauen. Erst wenn Regionen angeschlossen würden, würden auch Fahrgaste angelockt.

„Die Landesregierung erweist Thüringen einen Bärendienst, wenn sie auf der selbst in Bahn-Kreisen umstrittenen ICE-Trasse beharrt. Sie riskiert angesichts des unterfinanzierten Bundesverkehrswegeplanes eine alles-oder-nichts-Entscheidung. Besser wäre, für Alternativen einzutreten, so daß die vorgesehenen Mittel auch wirklich in das Thüringer Bahnnetz investiert werden“, so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Die Position der ICE-Lobbyisten sei auch hinsichtlich wirtschaftlicher Argumente nicht nachvollziehbar. Wenn das Investitionsniveau insgesamt erhalten bleibe, seien die Erschließungseffekte bei einem Netzausbau anstatt der Punkt-zu-Punkt-Verbindung deutlich größer. Dies würde nicht nur einen Impuls für die Landeshauptstadt bedeuten sondern für mehrere Zentren.

„Auch die Landesregierung muß einsehen, daß die Mehrzahl der Thüringer nicht in der Landeshauptstadt wohnt und insgesamt nur eine Bahn interessant ist, die Lösungen dafür bietet, schneller von Haustür zu Haustür zu kommen und nicht nur schneller von Metropole zu Metropole“, so Beck abschließend.

Der BUND hat Bundesverkehrsminister Müntefering wiederholt aufgefordert, sich von der Prestigetrasse Nürnberg-Erfurt zu verabschieden und die dafür vorgesehenen Mittel in den tatsächlich dringend erforderlichen Schienenausbau in der Fläche fließen zu lassen. 

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