BUND präsentiert Computer-Umwelt-Liste 1996: Sieben Hersteller zeigen sich überdurchschnittlich "grün"

16. Juni 1996 | Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik, Umweltgifte

Pluspunkte für Umweltmanagement und PVC-freie Kabel – BUND-Recherchen verändern Herstellerverhalten

Eisenach. Gefährliche Flammschutzmittel im Gehäuse, strahlungsintensive Monitore, Billig-Bauteile aus Fernost, über deren Inhaltsstoffe selbst der Hersteller keine Informationen hat – die Liste der Umweltprobleme rund um den PC und die PC-Produktion ist lang. Und groß sind die Unterschiede in Sachen Umweltverträglichkeit zwischen den Computerherstellern. Die Computer-Umwelt-Liste 1996 des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bringt sie an den Tag:

Sieben PC-Produzenten wurden mit "grün" für überdurchschnittliches Umweltengagement bewertet, drei bekamen lediglich ein" durchschnittlich" und bei vier Herstellern sah der BUND "rot" wegen gravierender Öko-Mängel. Die meisten Pluspunkte konnte die Firma Siemens-Nixdorf verbuchen – zum Beispiel für recyclinggerechte Konstruktion der Geräte, PVC-freie Kabel, für Umweltmanagement und Rücknahmeservice für Altgeräte.

Positive Ergebnisse erzielten außerdem Acer, ASI, Compaq, Hewlett Packard, IBM und NEC. Schlechte Noten erhielten ComTec, die Branchenriesen Escom und Vobis sowie Olivetti – zum Beispiel für fehlende Kunststoffkennzeichnung, den Einsatz halogenierter Flammschutzmittel oder Schwermetalle im Rechnergehäuse. Selbst aus dem Rennen geworfen haben sich zudem die Firmen Actebis, PC-Spezialist, Deli und Packard Bell. Diese Firmen – die erste drei gehören immerhin zu den dreizehn größten PC-Anbietern in Deutschland, Packard Bell zu den Top Ten weltweit – verweigerten Antworten auf die BUND-Fragen.

"Von solchen Verweigerern der Vogel-Strauß-Sorte gibt's erfreulicherweise immer weniger", bilanzierte Andreas Fußer, Kommunikations-Geschäftsführer des BUND die bisherigen Erfahrungen. So habe sich der Computer-Discounter Escom in der Vergangenheit stets ausgeschwiegen über die Umweltauswirkungen seines Tuns, diesmal habe er jedoch geantwortet. Seit der ersten Computer-Umwelt-Umfrage vor drei Jahren habe sich einiges bewegt bei den PC-Produzenten.

"Nicht nur die Offenheit ist gewachsen; das Nachhaken des BUND hat auch Folgen für das Handeln vieler Firmen", freute sich Fußer. So verzichten einige Firmen auf problematische, halogenhaltige Flammschutzmittel und zeigen damit, daß technisch möglich ist, was lange als unmöglich hingestellt wurde. Ein weiterer Erfolg des BUND: Die Kriterien für die Vergabe des Öko-Labels "Blauer Engel" für Computer wurden den aktuellen ökologischen Entwicklungen der Branche angepaßt. Rechner mit PVC-Gehäuse dürfen sich künftig nicht mehr mit dem begehrten Signet schmücken.

Dennoch bleibt nach Ansicht des BUND noch viel zu tun bevor ein Computer sich "Öko-PC" nennen kann. So ist das Problem mit den Flammschutzmitteln, trotz des Verzichts von Vorreiter-Firmen, noch nicht vom Tisch, erklärte Thomas Lenius, Chemie-Experte des BUND. Halogenierte Flammschutzmittel enthalten Chlor und Brom. Sie reichern sich in der Umwelt an und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Besonders problematisch sind die polybromierten Diphenylether. Sie führen dazu, daß selbst bei normalen Betriebstemperaturen Dioxine und Furane aus dem Gehäuse ausgasen können. Lenius forderte deshalb ein Verbot halogenierter Flammschutzmittel. "Sie sind gefährlich und überflüssig, denn es gibt Alternativen. Mit Konstruktionen aus Stahlblech und Kunststoff oder durch die Verwendung bestimmter neuer Kunststoffe haben einige Firmen die brenzligen Flammhemmer vollständig ersetzt, ohne daß der Brandschutz leidet".

Lenius forderte alle Computerproduzenten auf, ökologische Einkaufsrichtlinien einzuführen: "Die meisten Hersteller bauen nur Teile ihrer Geräte selbst, der Rest wird auf dem Weltmarkt eingekauft. Ökologische Richtlinien -zum Beispiel der Verzicht auf die gefährlichen kurzkettigen Chlorparaffine in den Kabeln müßten für Einkäufer und Zulieferer bindend sein. Wer sich rausreden will, er wisse nicht, was er produziere, wird seiner Unternehmerverantwortung nicht gerecht.“

Die Firma Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG versucht dieser Umweltverantwortung gerecht zu werden , indem sie die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen über den gesamten Produktzyklus – Entwicklung, Produktion, Nutzung, Recycling – betrachtet, erklärte Alois Hampp, Leiter des Referates Umweltschutz bei SNI. Dreh-und Angelpunkt sei die Produktentwicklung, "denn hier werden die Weichen gestellt für spätere Umweltschäden". SNI habe deshalb eine hausinterne Konstruktionsnorm zur umweltgerechten Produktgestaltung erarbeitet und konkrete Anforderungen für Umweltverträglichkeit und Recyclingfähigkeit der Produkte definiert. "Die Altgeräte nehmen wir zurück und recyceln sie. Die daraus resultierenden Erfahrungen fließen wieder in die Produktentwicklung zurück." Das jährliche "Öko-Ranking des BUND" leiste einen "wichtigen Beitrag zu mehr ökologischer Transparenz der Computerhersteller".

Wer einen möglichst umweltfreundlichen Computer kaufen wolle, so rät der BUND-Experte Lenius den Verbraucherinnen und Verbrauchern, solle darauf achten, daß dieser aufrüstbar und damit möglichst lange einsetzbar ist. Lange Garantiezeiten (drei Jahre bei Neugeräten, für Ersatzteile fünf bis sieben Jahre) stellen sicher, daß man keinen Ex-und-Hopp-PC kauft. Energiesparende Modelle erkennt man an der Kennzeichnung "energy star" für den Rechner und "NUTEK" für Monitore. Die Monitore sollten außerdem die Strahlungsnorm TCO'92 erfüllen. Und: Umweltbewußte Verbraucher meiden die PVC-Gehäuse und -Tastaturen von IBM. 

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