Erfurt. Der heute vom Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar, vorgestellte Waldschadensbericht 1999 zeigt nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V., dass das Siechtum des Waldes auch in Thüringen anhält. Im Gegensatz zu Umweltminister Dr. Sklenar lässt sich nach Ansicht des BUND Thüringen aus dem vorgelegten Lagebericht keine positive Tendenz ablesen.
"Der Waldschadensbericht ist nach wie vor eine Krankenakte. Die Zahlen geben keinen Anlaß zur Euphorie", sagte Ralf-Uwe Beck, Vorsitzender des BUND Thüringen. Mehr als zwei Drittel des Waldes sind sichtbar geschädigt. Die Abnahme der deutlichen Schäden im Vergleich zu Anfang der 90er Jahre sei auf optimale Wetterbedingungen zurückzuführen. Im Gegensatz zum Wetter habe sich aber die Schadstofflast, die dem Wald zugemutet werde, nicht verändert. Sie ist weiter ungebremst.
"Alle schauen auf die Kronen. Der Wald stirbt aber von unten, vom Boden aus" erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. Der unverminderte Stickstoffeintrag aus der Intensivlandwirtschaft und dem Autoverkehr führt zur Überdüngung der Waldböden. Dadurch kommt es zu radikalen Veränderungen in der Bodenvegetation. Stickstoffzeiger verdrängen andere Pflanzenarten. Die Artenvielfalt schwindet und die Naturverjüngung bleibt aus. Im offiziellen Waldschadensbericht der Bundesregierung ist bei 99% der deutschen Wälder die Stickstoffbelastung überschritten.
"Wir brauchen eine Gesundheitsvorsorge für den Wald", fordert der Vorsitzende des BUND, Ralf-Uwe Beck. Das heißt für den BUND: eine Politik, die konsequent auf Emissionsminderung ausgelegt ist, durch
- eine Verkehrspolitik, die auf Verkehrsvermeidung setzt
- eine Landwirtschaftspolitik, die auf Extensivierung setzt
- eine Energiepolitik, die auf regenerative Energien setzt.


