BUND sieht thüringische Dörfer gefährdet

29. Juni 1992 | Lebensräume

Eisenach. Der Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Thüringen) sieht die einmalige Kulturlandschaft Thüringens in Gefahr, wenn die dörflichen Strukturen zerplant und dorftypische Elemente unter dem Motto der Dorferneuerung eliminiert werden. Der BUND warnt davor, die Thüringischen Dörfer zu Kleinstädten zu machen und ihnen damit den Dorfcharakter zu nehmen; es dürften die Fehler, die in den alten Bundesländern gemacht worden sind, nicht wiederholt werden.

"Unsere Dörfer sind in Jahrhunderten gewachsen. Die alte Bausubstanz, harmonierende Bauweisen, intakte Anger- und Dorfstraßenbereiche fügen sich, wie auch die heimischen Obstbaumsorten als markante Abgrenzung zur Landschaft, zu einer idyllischen Dorfatmosphäre.", so Ralf Lüttig, Mitarbeiter beim BUND Thüringen.

Der BUND räumt ein, daß wegen des fortschreitenden Verfalls alter dorftypischer Gebäude, wegen des desolaten Zustands der Straßen und Fußwege und weil es an infrastrukturellen Einrichtungen, wie beispielsweise der Abwasserentsorgung, mangelt, Dorferneuerungsprogramme greifen müssen.

Der Naturschutzverband mahnt hier jedoch zur Vorsicht. Es gehe nicht darum, der Dorfzerstörung nur ein anderes Vorzeichen zu geben, sondern vorrangig darum, zu bewahren, auch wenn bebaut wird. Mit dem sensiblen Bereich gewachsener Dorfstrukturen müsse auch sensibel umgegangen werden. Durch die Verwendung landschaftstypischer Baumaterialien statt Betonpflaster oder gar Asphalt, durch eine architektonisch angepaßte, den Dorfkern betonende Lückenbebauung statt expansiver Dorferweiterung und durch die Pflanzung einheimischer Gehölze statt fremdländischer Koniferenarten könne der dörfliche Charakter betont statt verwischt werden.

Die vielerorts ausgewiesenen Gewerbegebiete, so der BUND, stören mitunter durch ihre immense Ausdehnung Dorfansichten und zergliedern Landschaften. Fraglich sei auch, ob für die in Thüringen ausgewiesenen Gewerbegebiete überhaupt Investoren gefunden würden. Der BUND sieht bei dem Überangebot an Gewerbegebieten die Preise für diese in Zukunft drastisch sinken und demzufolge die Kommunen verarmen.

"Der Supermarkt darf nicht zum Eingangsschild des Dorfes werden. Und das Dorf selbst sollte Dorf bleiben und nicht wie in den alten Bundesländern zur Uniformität zurechtbetoniert werden. Die Dorfstraße ist nun einmal nicht der Einkaufsboulevard der Kreisstadt.", so Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. 

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