BUND: Striktes Nein zur "Nordumgehung" der BAB A 4

25. März 1996 | Mobilität, Naturschutz, Lebensräume

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, hat sich in seiner Stellungnahme im Rahmen der Beteiligung der Naturschutzverbände am Raumordnungsverfahren eindeutig gegen den sechsstreifigen Neubau der Bundesautobahn A 4 im Raum Eisenach/Hörselberge ("Nordumgehung") ausgesprochen.

Seine ablehnende Haltung gegenüber der in den Planungsunterlagen als "Mittelvariante" bezeichneten Nordumgehung hat der BUND vor allem mit massiven naturschutzfachlichen Einwänden, aber auch mit der Verlärmung ganzer Landstriche und verkehrspolitischen und wirtschaftlichen Bedenken begründet. Mit dem nordwestlich von Eisenach gelegenen Mosewald und dem Hainaer Holz bei Ettenhausen/Nesse durchschneidet die Mittelvariante mindestens zwei für den Artenschutz unverzichtbare Refugialräume.

Allein im 1993 von den Kreistagen Gotha und Eisenach beantragten Naturschutzgebiet "Hainaer Holz und Nesseaue" sind über 150 vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten vom Trassenbau betroffen. Darunter befindet sich die Gelbbauchunke, die auf der Roten Liste der BR Deutschland unter Kategorie 1 steht und deren hiesiges Vorkommen von bundesweiter Bedeutung ist. Ein Ausgleich des mit dem Trassenbau verbundenen Eingriffs ist nach Einschätzung des BUND nicht möglich.

Der BUND nimmt auch zu der verfehlten Verkehrspolitik der Bundesregierung Stellung, die „sowohl kritisierbar als auch korrigierbar“ bleiben muß. „Als Alternative zum sechsstreifigen Neubau der Mittelvariante fordern wir auf der bestehenden Trasse ein generelles Tempolimit und Verkehrsleiteinrichtungen zwischen Eisenach West und Sättelstädt. Den begrenzten Ausbau der jetzigen Autobahn, mit entsprechenden Lärmschutzmaßnahmen, gegebenfalls mit einer Standspur entlang der Steigungen am Hörselberg, würden wir tolerieren“, so Klaus Fink, Fachreferent beim BUND Thüringen. Unabhängig von den verkehrspolitischen Vorgaben der Bundesregierung bezüglich des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 15 schlägt der BUND vor, einen Großteil der Schwerlasttransporte auf die Bahn zu verladen, um den „Engpaß“ Eisenach/Hörselberge auf diese Weise zu umgehen.

Der BUND erhebt auch schwere wirtschaftliche Bedenken gegenüber der Mittelvariante. Über 120 Hektar werden neu überbaut, wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche geht dabei verloren. Pleiten einheimischer Landwirtschaftsbetriebe sowie ein weiterer Arbeitsplatzabbau bei der Bahn und ein Einbruch im Fremdenverkehr sind zu befürchten. Dagegen kann der versprochene „Aufschwung“ mit der neuen Transitstrecke, wenn überhaupt, frühestens in 10 Jahren greifen, da die Planer mit einer Bauzeit von rund 8 Jahren rechnen und sich den „ersten Spatenstich“ für etwa 1998 erhoffen. So lange können die Arbeitslosen im Freistaat jedoch nicht warten; eine zukunftsfähige Verkehrs- und Infrastrukturpolitik unter stärkerer Berücksichtigung der Schiene sind jetzt unabdingbar.

Der BUND weist darauf hin, daß mit dem Abschluß des Raumordnungsverfahrens noch kein Baurecht besteht. Dieses wird frühestens mit dem Planfeststellungsbeschluß hergestellt. Bürgerinitiativen und Betroffene, die sich gegen die geplante Autobahn wehren wollen, können im weiteren Verfahren mit der Unterstützung durch den BUND rechnen. 

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