BUND Thüringen begrüßt erste Regierungserklärung zum Naturschutz in Thüringen

01. September 2017 | Naturschutz, Lebensräume

Naturschutz kommt wieder stärker in die Offensive

Erfurt. Der BUND Thüringen begrüßt die heute von Ministerin Siegesmund abgegebene Regierungserklärung zum Naturschutz in Thüringen. Nach Ansicht des Verbandes hat Ministerin Siegesmund den Naturschutz damit wieder stärker in die Offensive gebracht. Gleichzeitig fordert der BUND Thüringen, an zentralen Vereinbarungen im Koalitionsvertrag wie die Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument, die Umsetzung des 5%-Ziels im Wald und die Errichtung eines Biosphärenreservates Südharz festzuhalten. Außerdem müsse für die dauerhaft Sicherung des Netzwerkes der Natura2000-Stationen in Thüringen schnellstmöglich eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden.

„Ministerin Siegesmund hat das massive Artensterben als drängendstes Problem unserer Zeit neben der Klimakrise in den Fokus des Regierungshandelns gerückt. Das ist gut so!“, erklärte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Mehr als die Hälfte der in Thüringen lebenden Wirbeltierarten, vierzig Prozent der Pflanzenarten und 85 Prozent aller Biotoptypen seien in Thüringen gefährdet bzw. vom Aussterben bedroht. Die zunehmende Intensivierung und Industrialisierung bei Land- und Forstwirtschaft seien treibende Kräfte für den Verlust der biologischen Vielfalt.

„Wenn Allerweltsarten wie Rebhuhn, Goldammer oder sogar Feldlerchen flächendeckend aus unserer Kulturlandschaft verschwinden, können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Deshalb begrüßen wir, dass mit der ersten jemals vor einem Thüringer Parlament abgegebenen Regierungserklärung zum Naturschutz überhaupt auch konkrete Schritte zum Schutz der Artenvielfalt in Thüringen benannt werden.“ Mit dem Aufbau des Netzwerkes der Natura2000-Stationen und dem Kompetenzzentrum Natura2000 sei ein wirksames Instrument geschaffen worden, das europäische Naturerbe zu erhalten. Jetzt müsse es darum gehen, dieses Instrument gesetzlich so zu verankern, dass es auch in Zukunft Bestand hat.

Nachdrücklich fordert der BUND Thüringen, den Weg zur Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument zu Ende zu gehen. Das GRÜNE BAND sei als längster Biotopverbund Deutschlands Teil des Nationalen Naturerbes. Durch die Ausweisung als Nationales Naturmonument könne dieser einmalige Verbund aus Natur und Geschichte für die Nachwelt erhalten und vor weiterer Zerschneidung bewahrt werden. „Von diesem Weg darf die Landesregierung nicht wegen falscher Rücksichtnahme auf kleinkarierte Partikularinteressen abweichen“, forderte Hoffmann.

Hoffmann begrüßte auch den vom Thüringer Umweltministerium gestarteten Dialogprozess in der Südharzer Gipskarstlandschaft: „Die Ausweisung eines Biosphärenreservates Südharz ist ein konsequenter Schritt zum Schutz dieses bundesweiten Hotspots der Biologischen Vielfalt. Sie muss noch in dieser Legislaturperiode eingeleitet werden.“

Schließlich forderte Hoffmann, den schwelenden Konflikt um den Possenwald bei Sondershausen durch die verbindliche Ausweisung als großflächiges Wildnisgebiet umgehend zu lösen: „Die Landesregierung hat sich zum 5%-Waldwildnisziel im Koalitionsvertrag bekannt. Für die Sicherung der Artenvielfalt in unseren heimischen Wäldern ist die Umsetzung dieses Ziels unverzichtbar. Deshalb fordern wir ein großflächiges Waldwildnisziel am Possen jetzt!“ 

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