Umweltverband ruft dazu auf, Waldbewirtschaftung mit Wildkatzenschutz zu verbinden
- Viele junge Wildkatzen sterben jedes Jahr durch Holzernte, Zäune oder Gifte
- Forstliche Arbeiten in Wildkatzengebieten benötigen besondere Umsicht
- BUND bietet Online-Fachseminar zum Schutz von Wildkatzen am 8. September an
Wildkatzen, einst fast ausgerottet, kehren langsam zurück. Trotz strengem Schutzstatus bleibt ihr Lebensraum knapp. Menschgemachte Gefahren wie Straßenverkehr, zerschnittene Wälder und in einigen Regionen die Vermischung mit Hauskatzen bedrohen sie weiterhin. Zudem bergen einige forstliche Praktiken Risiken in ihren bevorzugten Wäldern. Die Gefahren steigen im Herbst, wenn die Holzernte beginnt.
Der BUND ruft Waldbesitzende und Forstbetriebe auf, mit Blick auf die Wildkatze bei Forstarbeiten umsichtig zu handeln. Thomas Mölich, Leiter des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ beim BUND Thüringen, rät: „Zum Schutz der Wildkatze ist es entscheidend, die Zeit der Jungenaufzucht zu beachten. Zwischen März und August sollten daher weder schwere Maschinen eingesetzt noch Holzpolter bewegt oder Energieholzmieten gehäckselt werden – denn dabei könnten Jungtiere ums Leben kommen. Wer sicher gehen will, legt forstliche Arbeiten in eine andere Jahreszeit. Sind Eingriffe im Wald dennoch unvermeidbar, gilt: Sobald Wildkatzen entdeckt werden, müssen die Arbeiten sofort und mindestens bis zum nächsten Tag ruhen."
Gefahren für Wildkatzen im Wald und wie Waldbesitzende und Forstbetriebe sie vermeiden können:
- Holzpolter und Energieholzmieten als Kinderstube: Wildkatzenmütter bringen ihre Jungen oft in Holzpoltern oder Reisighaufen zur Welt. Werden diese während der Jungenaufzuchtzeit (März bis August) abtransportiert oder gehäckselt, sterben oft ganze Würfe. Tipp: Abtransport und Häckselarbeiten zeitnah nach dem Aufstapeln nur im Herbst oder Winter oder nach vorheriger Beunruhigung durch Lärm oder Hunde am Vortrag.
- Kalamitätsflächen: Umgestürzte Bäume nach Stürmen oder Dürre bieten ideale Verstecke für Wildkatzenjunge. Eine maschinelle Beräumung kann tödlich enden. Tipp: Flächen der natürlichen Wiederbewaldung überlassen. Auf schwere Maschinen während der Aufzuchtzeit verzichten.
- Knotengitterzäune: Sie schützen neu gepflanzte Bäume, werden jedoch für Wildkatzen zur Todesfalle, wenn sie sich beim regelmäßigem Überklettern verfangen. Tipp: Alternative Zäune aus Holz einsetzen oder Überkletterhilfen wie Holzpfosten oder Durchsteighilfen wie Rohre anbringen. Nicht mehr benötigte Knotengitterzäune zeitnah entfernen.
- Gifteinsatz: Rodentizide oder Polterbegiftungen gelangen über die Nahrungskette zur Wildkatze. Besonders gefährdet sind Jungtiere in kontaminierten Bereichen. Tipp: Auf chemische Mittel verzichten.
BUND-Projekt bringt Wildkatzenschutz in die Forstpraxis
Im Projekt "Wildkatzenwälder von morgen", gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, arbeiten Forstbetriebe und Waldbesitzende aktiv mit dem BUND zusammen, um Gefahren für die Wildkatze zu verringern. So auch bei einem Arbeitseinsatz am 18. Oktober in Wiesenfeld/LK Eichsfeld. Mölich führt aus: „Gemeinsam mit dem Forstamt Heiligenstadt bauen wir Knotengitterzäune ab. Diese werden zum Schutz junger Bäume verwendet, damit sie nicht von Rehen, Hirschen oder Hasen verbissen werden. Sinken diese Zäune jedoch um oder gehen kaputt, verbleiben sie oft als tödliche Falle für die Wildkatze dennoch im Wald. Gemeinsam mit Freiwilligen wollen wir 1.000 Meter dieses Zauns abbauen und aus dem Wald entfernen. Wir freuen uns über jede helfende Hand!“
Am 8. September 2025 veranstaltet der BUND ein Online-Fachseminar. Fachleute aus Forstwirtschaft, Waldbesitzerverbänden und Naturschutz diskutieren, wie moderne Waldbewirtschaftung und Wildkatzenschutz zusammenpassen. Die Veranstaltung richtet sich an Waldbesitzende, Forstbetriebe, Jägerschaften sowie Mitarbeitende in Behörden und Planungsbüros.
Hintergrund:
Das sechsjährige Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Das Projekt setzen der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um.
Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) lebt zurückgezogen in strukturreichen Laub- und Laubmischwäldern. Ursprünglich in ganz Deutschland heimisch, leben heute etwa 6.000 bis 8.000 Tiere überwiegend in Mittel- und Süddeutschland. Mit dem Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ zielt der BUND darauf ab, dass sich die Wildkatze in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder ausbreiten kann. Sie steht dabei stellvertretend für viele andere Waldbewohner. Dort, wo sich die Wildkatze wohlfühlt, sind die Bedingungen für viele Arten wie Bechsteinfledermaus, Mittelspecht oder Schwarzstorch optimal.
Mehr Informationen:
- Das Online-Fachseminar "Sichere Wälder – wie wildkatzenfreundliche Forstwirtschaft gelingen kann" findet am 08.09.2025 von 14 bis 17 Uhr statt. Anmeldung hier.
- Freiwilligeneinsatz (Abbau von Knotengitterzäunen) in Wiesenfeld am 18.10.2025
- Weitere Informationen zum Abbau unnötiger Zäune
- Broschüre „Praxisempfehlungen für klimarobuste und artenreiche Wälder, Waldränder und Wiesen – Gemeinsam Lebensräume für die Wildkatze schaffen“
- Projektseite „Wildkatzenwälder von morgen“
Kontakt:
Thomas Mölich, Leitung „Wildkatzenwälder von morgen“ beim BUND Thüringen, Tel.: +49 36254 649150, t.moelich(at)bund-thueringen.de
Pressekontakt:
Anne Werner | Kerstin Neumann, BUND Thüringen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 361 5550314; Mobil: 0176 13338564 oder 0176 13338510, www.bund-thueringen.de


