Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Thüringen, hat nach der Einigung auf Bundesebene die Landesregierung aufgefordert, alle Naturschutzflächen, die sich in Thüringen im Eigentum der Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG) befinden, zu übernehmen. Nachdem am Freitag Bundesfinanzministerium und Bundesumweltministerium beschlossen hatten, 50.000 Hektar kostenlos an die Länder abzugeben und 50.000 Hektar zu verkaufen, sind die Länder jetzt aufgefordert, innerhalb eines halben Jahres ihre Ansprüche geltend zu machen. Thüringen will von ca. 20.000 Hektar BVVG-Flächen in Naturschutzgebieten nur 1.000 Hektar übernehmen und den Rest privatisieren.
„Damit würde Thüringen eine historische Chance zur Sicherung des nationalen Naturerbes verspielen“, kritisierte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Die Flächen gehören zu den ökologisch wertvollsten Gebieten, welche Thüringen besitzt. Wir werden in Deutschland wahrscheinlich nie wieder die Gelegenheit erhalten, einmalige Naturlandschaften in diesem Umfang für Generationen zu sichern.“
Bei einer Privatisierung der Flächen fürchtet Vogel, dass Konflikte vorprogrammiert seien. Privateigentümer würden entweder versuchen, Nutzungsbeschränkungen zu umgehen oder finanzielle Entschädigungen für Nutzungsausfälle geltend machen.
An die Landesregierung appellierte Vogel daher, sich der Verantwortung für die Sicherung des nationalen Naturerbes bewusst zu sein und dementsprechend zu handeln. „Die Sicherung der Naturschutzflächen ist eine Generationenaufgabe, welche die Gesellschaft als Ganzes wahrnehmen muss und die nicht an Privatleute abgewälzt werden darf“, erklärte Vogel.


