BUND Thüringen: Hoffnung auf ICE-Neubaustrecke gehört aufs Abstellgleis

07. April 2000 | Mobilität, Wälder, Naturschutz

Erfurt. Nach dem Vorstoß des Freistaates Sachsen fordert der BUND Thüringen Ministerpräsident Vogel auf, die Hoffnungen auf eine ICE-Neubaustrecke durch den Thüringer Wald endgültig aufs Abstellgleis zu verbannen. Stattdessen sollten die bestehenden Strecken beschleunigt ausgebaut werden – allen voran die Mitte-Deutschland-Linie.

„In Sachsen hat die Erkenntnis gesiegt, dass die geplante ICE Strecke Leipzig – Erfurt – Nürnberg in den nächsten Jahrzehnten nicht zu finanzieren ist. Bei unseren Nachbarn hat man die Weichen richtig gestellt und forciert nun den Ausbau bestehender Strecken. Thüringen sollte diesem Beispiel folgen!“ so der bahnpolitische Sprecher des BUND Thüringen, Adrian Johst.

In den letzten Wochen hatte sich gezeigt, dass eine Finanzierung der Neubaustrecke in immer weitere Ferne rückt. Selbst Bahnchef Mehdorn spricht inzwischen von „Visionen“ und „Träumen“. Die von den Ländern Thüringen und Bayern in Aussicht gestellte private Vorfinanzierung von 50 Millionen Mark sind für Johst ein Witz: „Damit lässt sich gerade einmal 1 Kilometer ICE-Strecke bauen. Bei gleichbleibender Finanzierung würde die Gesamtstrecke dann in 200 Jahren in Betrieb gehen!“

Der BUND Thüringen fordert, dass das Land bei der Bedarfsmeldung für den zukünftigen Bundesverkehrswegeplan auf die ökonomisch und ökologisch fragwürdige Rennpiste durch den Thüringer Wald verzichtet. Stattdessen muss der Ausbau der bestehenden Bahnstrecken Erfurt – Halle/Leipzig, Saalfeld – Halle/Leipzig sowie Erfurt – Jena – Gera – Chemnitz (Mitte-Deutschland-Bahn) für Geschwindigkeiten von 160 – 200 km/h als vordringlichen Bedarf eingestuft werden. Mit dem Ausbau bestehender Strecken für Züge mit ICE-Neigetechnik kann eine Beschleunigung des gesamten Systems Eisenbahn erreicht werden. Gleichzeitig kommen damit weitaus mehr Bürgerinnen und Bürger des Landes in den Genuss eines ICE-Anschlusses als nur der Sitz der Landesregierung.

„Thüringen muss aufpassen, dass es den Anschluss nicht verpasst. In Sachsen und Sachsen-Anhalt wird gegenwärtig bereits an Konzepten für den Ausbau bestehender Strecken gearbeitet. Die Thüringer Landesregierung hat sich dagegen im aussichtslosen Kampf um eine U-Bahn durch den Thüringer Wald verrannt und lässt Lobbyarbeit für den Ausbau der Mitte-Deutschland-Bahn sowie den Erhalt des Nebenbahnnetzes vermissen. Hier werfen wir der Landesregierung Versagen vor!“, so Dr. Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. 

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