Erfurt. Der BUND Thüringen warnt vor einer Aufhebung des Reinheitsgebotes für Saatgut durch die Zulassung gentechnisch veränderte Organismen. Er fordert die Landesregierung auf, einem entsprechenden Antrag des Agrarausschusses im Bundesrat am Freitag nicht zu zu stimmen.
„Gentechnisch kontaminiertes Saatgut hat auf Thüringens Feldern nichts zu suchen“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Deshalb brauchen wir auch in Zukunft eine Nulltoleranz für Gentechnik im Saatgut.“
Nach Informationen des BUND Thüringen steht am Freitag im Bundesrat die Entscheidung über eine mögliche Aufhebung der Saatgutreinheit an. Die Bundesländer Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben den Antrag eingebracht. Sie fordern die geltende Nulltoleranz für gentechnisch veränderte Organismen im Saatgut durch eine "für alle Wirtschaftsbeteiligten praktikable technische Lösung" zu ersetzen. Der BUND Thüringen befürchtet mit dieser Regelung die Einführung eines Grenzwertes für gentechnische Verunreinigung durch die Hintertür.
Bei der Festlegung eines Grenzwertes könne in Zukunft kein Landwirt mehr die gentechnikfreie Produktion von Lebensmitteln garantieren. Die Gefahr, dass dann durch eine legalisierte Saatgutverunreinigung gentechnisch veränderte Organismen unbeabsichtigt auf die Äcker kämen und sich ausbreiteten sei hoch.
Hintergrund für die Anträge der genannten Länder ist die im letzten Frühjahr entdeckte Kontamination von Mais-Saatgut der Firma Pioneer. Deutschlandweit mussten etwa 2000 Hektar von bereits mit Mais bestellten Feldern umgebrochen werden, weil eine Kontamination mit einem nicht zugelassenen Konstrukt festgestellt wurden. Die Behörden in Niedersachsen hatten Ihre Untersuchungsergebnisse nicht rechtzeitig vor der Aussaat bekannt gegeben.
„Thüringen hat sich bisher als einziges Bundesland per Landtagsbeschluss für einen Verzicht auf den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen in der Landwirtschaft ausgesprochen. Darüber hinaus ist der Freistaat im vergangenen Herbst dem "Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen" beigetreten. Ministerin Taubert hat die „Charta der gentechnikfreien Regionen“ unterzeichnet. In dieser wird auch der Schutz von Saatgut vor gentechnischen Verunreinigungen gefordert. Jetzt darf die Landesregierung ihre Glaubwürdigkeit nicht mit der Zustimmung zum Antrag im Bundesrat verspielen“, forderte Vogel.


