"Schon wieder mal ein Spatenstich, es wird langsam langweilig", kommentiert der BUND Thüringen den am morgigen Mittwoch "verübten" Rammschlag für ein Brückenbauwerk in der Suhler Struth, welches im Zusammenhang mit dem Bau der A 71 ("Thüringer-Wald-Autobahn") errichtet werden soll.
Der BUND Thüringen kritisiert diesen Rammschlag als Propagandaveranstaltung der Autobahnplaner. Der Anstoß mit Sekt kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß derartige Brückenbauwerke eines Tages unvollendet und "funktionslos" in der Landschaft herumstehen könnten, weil die Finanzierung der "Thüringer-Wald-Autobahn" in keiner Weise abgesichert ist.
Die DEGES als Träger der "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit" sowie die Bundes- und Landesregierung gaukeln der Bevölkerung trotz schier hoffnungsloser Haushaltslage zum wiederholten Male vor, sie sei durch diesen Rammschlag schon in kürzester Zeit von allen Verkehrsproblemen "entlastet" und es werde einen "wirtschaftlichen Aufschwung" in der Region geben. Daß dabei Natur und Landschaft unwiederbringlich zerstört werden und es trotzdem mit der Arbeitslosigkeit und Armut im Freistaat weiter "bergauf" gehen wird, spielt für diese prestigesüchtigen und rechthaberischen Herren anscheinend längst keine Rolle mehr. Die Forderung der Wendezeit, wonach Fehlentscheidungen - wie der Bau der Waldautobahn und ICE-Trasse Erfurt-Nürnberg - korrigierbar bleiben müßten, scheint bei diesen Herren ebenfalls längst in Vergessenheit geraten zu sein.
Der BUND Thüringen plädiert angesichts der angespannten Finanzlage in Bund und Ländern seit Jahren für den bedarfsgerechten Ausbau vorhandener Bundesstraßen, für Ortsumgehungen und für die Sanierung des Kreisstraßennetzes. "Durch solche lokale Maßnahmen ist den Verkehrsproblemen zu begegnen, nicht durch den Bau neuer Transitmagistralen", so Birgit Henkel, BUND-Sprecherin in Meiningen. "Hier kämen auch einheimische Baufirmen zum Zuge, während bei den Großverkehrsprojekten immer eine europaweite Ausschreibung stattfindet. Für die geplanten 15 Milliarden Mark für Waldautobahn und ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg ließe sich beispielsweise ein großer Teil des regionalen Schienennetzes in Deutschland modernisieren."
In diesem Zusammenhang verurteilt der BUND auch den jüngsten Polizeieinsatz im Bettelmannsholz bei Arnstadt am vergangenen Sonntag als "brutalen Machtakt der Obrigkeit". Er diene dazu, die Autobahngegner, die sich dort zu einer Andacht versammelt hatten, einzuschüchtern und "kaltzustellen". "Es ist geradezu grotesk", so Klaus Fink, Mitarbeiter in der Landesgeschäftsstelle des BUND Thüringen, "daß man sich für die satzungsgemäße Ziele eines Umweltverbandes - beispielsweise Einsatz für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und unter anderem auch Engagement für sinnvolle Verkehrsalternativen - heutzutage wie ein angeklagter Krimineller rechtfertigen muß oder gar geprügelt wird." Die Klage des BUND Thüringen betreffs seines Grundstücks im Bettelmannsholz wird am morgigen Mittwoch vor dem Bundesverwaltungsgericht in Berlin erneut verhandelt.


