Landesverband Thüringen e.V.

BUND Thüringen warnt: Ausweitung des Gipsabbaus keine Lösung für sinkende Konjunktur in der Gipsbranche

18. Februar 1997 | Ressourcen & Technik, Naturschutz

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um den weiteren Gipsabbau im Landkreis Nordhausen fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen e.V. die Landesregierung auf, keine zusätzlichen Abbaugenehmigungen zu erteilen.

Derzeit bemühen sich verschiedene Gipsfirmen um weitere Abbaugebiete im Bereich der Rüdigsdorfer Schweiz, insbesondere um die Flächen Günzdorf, Winkelberg und Kuhberg. "Die auch in Nordthüringen weiter ansteigende Arbeitslosigkeit darf kein Argument sein, um weitere Abbbaurechte in dem einmalig schönen und für Nordhausen und Niedersachswerfen wichtigen Erholungsgebiet Rüdigsdorfer Schweiz durchzusetzen", so Michaela Gebhardt vom BUND.

Die gegenwärtig in fast allen Bereichen der Bauindustrie zu verzeichnende schlechte Auftragslage sei keinesfalls auf ein fehlendes Rohstoffangebot zurückzuführen. "So haben allein die im Landkreis Nordhausen ansässigen Betriebe von Heidelberg Zement und Knauf momentan für 20 bis 90 Jahre Gipsreserven in den bereits zum Abbau genehmigten Gebieten", sagte Michaela Gebhardt.

Der enorme Anstieg der Arbeitslosigkeit habe ganz andere Ursachen, wie etwa die Streichung des Schlechtwettergeldes sowie die insgesamt rückläufige Baukonjunktur und der stagnierende "Aufbau Ost". Der BUND warne deshalb vor Fehlinterpretationen und Milchmädchenrechnungen, daß durch zusätzlichen Raubbau an den bestehenden Rohstoffreserven und den damit einhergehenden Naturzerstörungen Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. "Rohstoffvorräte verhindern nicht, daß Gipsprodukte wegen fehlender Nachfrage nicht verkauft werden können und Kurzarbeit oder Entlassungen die Folge sind", so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Um in der strukturschwachen Region Nordthüringen dauerhaft Arbeitsplätze sichern zu können, sei die konsequente Umsetzung eines umfassenden Konzeptes zur Regionalentwicklung nötig, in dem neben dem Rohstoffabbau auch die Bereiche Fremdenverkehr, Touristik, Landwirtschaft und (Dienstleistung), als regionale Beschäftigungsschwerpunkte, einbezogen werden sollten. 

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