BUND Thüringen zur Diskussion um Talsperre Leibis: Lob für die SPD, Mahnung an die CDU

03. Mai 1996 | Flüsse & Gewässer, Ressourcen & Technik

Eisenach. Mit Zustimmung hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die jüngste Ankündigung der Thüringer SPD reagiert, die Fernwasserversorgung im Freistaat auf den Prüfstand zu stellen. Der Landesgeschäftsführer des Umweltverbandes, Michael Spielmann, spricht von "erfreulichen Anzeichen dafür, daß die Thüringer SPD in der Wasserpolitik zukunftsfähig wird". Damit trage sie einer immer stärker werdenden Strömung im Lande Rechnung: "Viele Bürger haben längst bemerkt, daß der Weiterbau der Talsperre Leibis und das einseitige Setzen auf die Fernwasserversorgung anachronistisch sind und sich in überhöhten und unsozialen Gebühren niederschlagen. Der zunehmende Widerstand, wie er sich erst unlängst wieder durch Bürgerinitiativen und Bürgermeisterprotest im Landkreis Gotha bemerkbar gemacht hat, bringt nun offensichtlich auch die SPD zur Vernunft", so Spielmann.

Gleichzeitig richtet der BUND Thüringen an die Adresse der Thüringer CDU die "ernste Mahnung, nun endlich auch eines ihrer "Goldenen Kälber" zu schlachten und nicht länger an dem unsinnigen und unökologischen Großprojekt aus DDR-Zeiten festzuhalten". Der am kommenden Wochenende in Stadtroda stattfindende CDU-Landesausschuß mit dem Schwerpunkt Umweltpolitik sei - so Spielmann - "eine gute Gelegenheit, mit solchen ökologischen Altlasten und Fehlentscheidungen wie dem Weiterbau von Leibis aufzuräumen. Durch eine Entscheidung für den Vorrang dezentraler und damit billigerer und umweltfreundlicherer Lösungen kann die CDU damit zumindest in der Trinkwasserpolitik ihren selbstformulierten Anspruch umsetzen, wonach ökologische und ökonomische  Entwicklung in eine harmonische Beziehung zu bringen sind", appellierte Spielmann an die Delegierten. Wer dagegen Steuergelder in Millionenhöhe für unnötige Talsperreprojekte verschleudere und gleichzeitig Sozialleistungen kürze, der mache sich umwelt- und sozialpolitisch gleichermaßen unglaubwürdig.

Scharfe Kritik äußerte Spielmann in diesem Zusammenhang an der Thüringer Talsperrenverwaltung. Diese hatte den Bedarf für Leibis mit dem Argument begründet, daß die Auslastung der Trinkwassertalsperren des Landes mit mehr als 65 Prozent über dem bundesdeutschen Schnitt liege. Dem hält der BUND Thüringen die Zahlen des Deutschen Verbandes der Gas- und Wasserversorger entgegen, wie sie der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Dieter Mäde erst gestern veröffentlicht hatte. "Wenn diese Angaben zutreffen, liegt Thüringen mit nur 56 Prozent Auslastung der Fernwassersysteme deutlich niedriger. Offensichtlich nimmt es die Talsperrenverwaltung mit der Wahrheit wieder einmal nicht so genau, um das Projekt Leibis doch noch schönzurechnen", so Spielmann abschließend. 

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