Eisenach. Angesichts des zum wiederholten Male angekündigten Baubeginns für die „Thüringer-Wald-Autobahn“ hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, seine Kritik an dem Projekt erneuert. Gleichzeitig rief der Umweltverband alle Autobahnbefürworter zu "sachlichen Gesprächen über Alternativen" auf.
„Dieser neuerliche erste Spatenstich soll die Öffentlichkeit offenbar in die Irre führen und von der Angst der Planer vor der Nichtfinanzierbarkeit des Projektes ablenken“, so Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Um die Autobahngegner einzuschüchtern, wird die Bevölkerung bewußt zum Narren gehalten.“
Tatsächlich sei die Waldautobahn weder finanziell noch baurechtlich abgesichert. Nach aktuellen Schätzungen hätten sich die Baukosten seit Beginn der Diskussion fast verdreifacht und belaufen sich nach Angaben des BUND auf nunmehr 6,5 Milliarden Mark. Die Bundesregierung habe daher bereits angekündigt, die A 71 zwischen Suhl und der bayrischen Landesgrenze aus finanziellen Gründen nicht vor dem Jahre 2005 zu bauen. Der BUND wertet diese neue Situation als Eingeständnis einer völlig verfehlten Verkehrspolitik: „Um sachliche Gespräche über finanzierbare Alternativen kommen jetzt wohl auch die eingefleischtesten Autobahnbefürworter nicht umhin“, erklärte Spielmann.
Der BUND verweist auf verschiedene unabhängige Gutachten, die das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Waldautobahn analysiert haben. Sowohl die Planungsgruppe Nord aus Kassel als auch die Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung in Bonn seien zu dem Ergebnis gekommen, daß die Waldautobahn kaum Vorteile für die Region bringen würde. Regionalwirtschaftliche Impulse durch eine neue Autobahn seien nicht in Sicht. Dagegen würden der internationale Straßentransitverkehr auf lange Sicht gefördert sowie die Verlagerung von Güterverkehr von der Schiene auf die Straße forciert. Bei Eintreten des im Bundesverkehrswegeplan prognostizierten Verkehrsaufkommens müsse zudem mit einer Zunahme der Kohlendioxidemissionen des Straßenverkehrs um rund 50 Prozent gerechnet werden, wodurch alle Klimaschutzziele konterkariert würden.
„Der BUND Thüringen ist nicht grundsätzlich gegen den Ausbau von Verkehrswegen. Die Realisierung muß jedoch umweltverträglich erfolgen und tatsächlich eine positive Wirkung für die Region haben. Bei der ,Thüringer-Wald-Autobahn’ ist beides nicht zu erkennen“, so Spielmann abschließend.


