"Die Katze ist aus dem Sack!"

17. April 1998 | Flüsse & Gewässer, Naturschutz, Ressourcen & Technik

BUND Thüringen nennt Äußerungen von Talsperrenchef Peters zum Fernwasserexport "Offenbarungseid für Leibis"

Eisenach/Meiningen. "Die Katze ist aus dem Sack! Entgegen allen Versprechungen plant die Thüringer Talsperrenverwaltung also doch den Export von überschüssigen Fernwasser nach Bayern!" Mit diesen Worten reagierte Michael Spielmann, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, auf Äußerungen des Chefs der Thüringer Talsperrenverwaltung, Jens Peters. Pressemeldungen der letzten Tage zufolge hatte Peters von einem möglichen Anschluß Unterfrankens an das Südthüringer Rohwassersystem gesprochen, um damit Trinkwasserprobleme in den Regionen Würzburg und Schweinfurt zu lösen. Nach Ansicht Spielmanns werden damit Befürchtungen des BUND bestätigt, die dieser im Zusammenhang mit der Diskussion um die geplante Talsperre Leibis bereits vor Jahren geäußert hatte. Die Absicht eines solchen Wasserexportes war bislang von Seiten der Thüringer Landesregierung jedoch vehement bestritten worden. "Nun zeigt sich, was von den Versprechungen der politisch Verantwortlichen zu halten ist", kritisierte Spielmann und forderte eine Klarstellung, ob Herr Peters im Namen der Landesregierung gesprochen habe oder "einfach aus dem Ruder gelaufen ist".

Die jüngsten Äußerungen Peters sind nach Ansicht des BUND gleichzeitig jedoch ein "Offenbarungseid in der anhaltenden Diskussion um den Weiterbau der Talsperre Leibis". Der Chef der Thüringer Talsperrenverwaltung habe damit nicht nur bestätigt, was inzwischen ohnehin jedermann klar sei, daß nämlich Thüringen bereits jetzt ein Überangebot an Fernwasser habe. "Mit seiner Forderung, das Südthüringer Rohwassersystem zur Versorgung von Unterfranken mit den auf der anderen Seite des Thüringer Waldes gelegenen Talsperren Ohra und Schmalwasser zu koppeln, hat Herr Peters eingestanden, daß eine von ihm bislang als unrealistisch bezeichnete Alternative zu Leibis sehr wohl machbar ist: die Verbesserung der Trinkwassersituation in Ostthüringen durch eine Verbindung mit dem Talsperrensystem in Mittelthüringen. Wenn es möglich ist, eine Fernwasserverbindung quer durch den Thüringer Wald zu legen, bricht die Lüge der Talsperrenlobby, nur durch Leibis sei die Versorgung in Ostthüringen zu sichern, wie ein Kartenhaus in sich zusammen", kommentierte der wasserpolitische Sprecher des BUND Thüringen, Jens Krause (Meiningen).

Der BUND sei gespannt, wie sich die Thüringer Talsperrenverwaltung und die hinter ihr stehende Landesregierung in der sich abzeichnenden juristischen Auseinandersetzung angesichts des immer offensichtlicher fehlenden Bedarfs für das Projekt aus der Affäre ziehen wollten. Spielmann kündigte an, daß der BUND gerichtlich gegen einen möglichen Sofortvollzug des Planfeststellungsbeschlusses vorgehen werde. "Notfalls werden wir mittels einstweiliger Verfügung verhindern, daß im Lichtetal weiterhin ohne endgültiges Baurecht immer neue und kostspielige Tatsachen geschaffen werden", so Spielmann abschließend. 

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